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Mittwoch, 20. Mai 2020

Fazit zu "Die Nebel von Avalon" von Marion Zimmer Bradley

Puh, endlich geschafft! Ich habe das Buch nun nach Wochen zu Ende gelesen und möchte meine eher schlechte Bewertung gern begründen. Wie bereits gesagt, war das Thema nicht so meins, obwohl es sich immerhin um König Artus dreht. Der kam mir allerdings zu kurz im Schatten seiner machtvollen weiblichen Verwandtschaft, ebenso wie die Tafelritter nicht viel mehr als Staffage sind - meist simpel gestrickt obendrein. Lancelot hat als einziger noch ein wenig Potential, doch aus der Interpretation, er sei in Artus verliebt und daher in Gwenhywfar, die diesem nahe ist wie keiner sonst, hätte man m. M. nach mehr herausholen können, ohne sich in verbrämten Andeutungen zu ergehen... das wäre ein Plot gewesen, der mich interessiert hätte. Überhaupt, vieles, was beschrieben und erzählt wird, hätte man auf weniger Seiten abhandeln können. Oft habe ich mich gefragt, ob die Autorin sich zum Ziel gesetzt hat, über 1000 Seiten zu schreiben und daher in Details abschweift, die sich als nicht handlungsrelevant erweisen (uff, jetzt bin ich aber streng...).


Valiphotos /Pixabay


Aufgrund der ständig erwähnten Ähnlichkeit zwischen Lancelot und Mordred, die auch jeder Figur im Buch auffällt, hatte ich im letzten Drittel  noch auf einen Überraschungsmoment am Schluss gehofft - vergeblich.

Na gut, es ging in erster Linie um die Frauen, die Mystikerinnen und Zauberinnen und ihr Glaube an die Fruchtbarkeit, Mutter Erde und die Reinkarnation bzw. den Kreislauf der Göttin. Und das war irgendwie der Knackpunkt, denn das war mir doch zu penetrant. Ich würde nicht sagen, dass der Roman männerfeindlich oder feministisch ist, aber stellenweise kam mir der Roman vor wie ein psychedelischer Trip in die Tiefen der für mich völlig verstaubten Esoterikkiste. Man merkt dem Roman dann doch an, in welcher Zeit er verfasst wurde. In den 1980ern war es, glaube ich, schicker noch als heute, an die Wiedergeburt zu glauben, die damals in der westlichen Hemisphäre als exotisch und weise aufkam. Und darum geht es in dieser Reihe hauptsächlich, von der ich den letzten Band gelesen habe, ohne es zu wissen.

Den letzten Teil von "Die Nebel von Avalon" fand ich konfus und das Ende irgendwie übereilt und wenig spektakulär - immerhin stehen sich Vater und Sohn im Kampf gegenüber; da fehlte mir die Dramatik, wenn ich auch froh war, dass keine ausgiebigen Schlachtszenen geschildert wurden wie in Cornwells Artus-Trilogie. Stattdessen Geschwurbel über Visionen und Gesichte, die auf dem Rücken von Figuren prickeln, die mich genauso kalt gelassen haben wie der verpuffte Showdown.

Schade, aber immerhin bin ich jetzt um einen Klassiker belesener...

Fazit: Zwar gut geschrieben, aber langatmig und für meinen Geschmack zu frauenlastig.

Bewertung: 💫💫





Samstag, 25. April 2020

Ich lese gerade... Die Nebel von Avalon ~ Marion Zimmer Bradley

Von diesem Buch habe ich eigentlich nur Gutes gehört, und auch meine Tante hat es mir mit strahlenden Augen und dem Satz "Du liest doch so gerne Artus-Geschichten" überreicht. Das war schon vor ein paar Wochen, und seitdem lese ich immer wieder ein Stück, ohne dass der Funke wirklich überspringt. Mittlerweile bin ich beim vierten Teil (der letzte), und frage mich, was an dem Roman so Besonderes sein soll. Immerhin zählt er mittlerweile ja zu den Klassikern im Fantasygenre.





Die Handlung wird hauptsächlich aus Morgaines Sicht geschildert, wobei ihre Erziehung in Avalon und ihr Hin und Her zwischen dem alten heidnischen und dem neu aufkommenden christlichen Zeitalter im Fokus stehen. Ihre Aufgabe nach dem Plan ihrer Tante Viviane bzw. der großen Göttin ist es, Halbbruder Artus, mit dem sie beim Beltanefest ein Kind gezeugt hat, zu überreden, die alten Riten von Britannien wiederaufleben zu lassen, oder ihm im Fall seiner Verweigerung das in Avalon geschmiedete Zauberschwert Excalibur abzunehmen und ihn als König zu stürzen. Dazwischen schwankt sie zwischen ihrer Liebe zu Cousin Lancelot, der ihr im Jugendalter einen Korb gibt, findet sich hässlich und unwürdig der großen Göttin und zweifelt an sich selbst, während sie sich in besseren Tagen zum Vamp und zur Nachfolgerin der Herrin vom See aufschwingt, nachdem Viviane, ihre überdimensionale Ziehmutter und Mutter von Lancelot, hinterhältig an Artus' Hof ermordet wurde.

Das Buch wird auf der Rückseite als die "wunderbarste Artus-Interpretation" gepriesen, aber ganz ehrlich, ich habe schon bessere gelesen. Die Protagonistin ist mir unsympathisch, und eigentlich auch alle weiteren Charaktere im Buch. Wahrscheinlich soll Morgaine eine emanzipierte Frau sein, aber für mich wirkt sie ebenso schwach und oberflächlich wie die hyperfromme Gwynhwyfar (was für eine Schreibweise!), der bisexuelle Lancelot (eine recht mutige Interpretation) und Artus selbst. Ihr weltlicher Alltag als Herrscherin von Nordwales und Kammerzofe auf Camelot besteht aus Spinnen, Weben, Waschen, Verkuppeln und Hofklatsch, also nichts Aufregendes, und das oft seitenlang. Da war ich versucht, querzulesen. Sie verurteilt das Christentum mit krassen Worten, die ihr die Autorin in den Mund und die Gedanken legt, und das ist ein Punkt, der mich bei Romanen, in denen Religion thematisiert wird, über die Maßen stört. Besonders, da ihre eigene Religion um die große Göttin und Mutter Erde irgendwie auch eine ziemliche Enttäuschung ist, die ihren ständig fastenden Priesterinnen Verbote auferlegt und ihnen vorschreibt, was sie tun müssen, um der Göttin zu gefallen. Denn obwohl Morgaine in deren Sinn handelt, tut sie es nicht ohne ständige Zweifel und Bedenken, auch wenn sie dafür über Leichen geht.

Allerdings muss ich dem Buch zugute halten, dass es verflixt gut geschrieben ist. Ich hätte schon längst abgebrochen, wenn die Geschichte mich aufgrund des schnörkellosen aber bildreichen Stils nicht sofort irgendwie gefangen genommen hätte. Ich lese es noch zu Ende und lasse dann eine Bewertung da. Ich glaube, eine ausführliche Rezension würde mich bei dem Umfang von über 1100 Seiten ein bisschen überfordern... (O;