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Sonntag, 2. August 2020

Freiheit die ich meine...

Die Welt ist  - mal wieder - aus den Fugen und teilt sich. In Coronaleugner / Weltverschwörungstheoretiker und solche, die es mit der Vernunft noch halten, aber in derben Kraftausdrücken auf die anderen schimpfen. Auch das findet nicht unbedingt meine Zustimmung, doch diese Empörung kann ich besser verstehen als die Sturheit, mit der das Persönlichkeitsrecht verteidigt wird, das im Übrigen niemandem hier in Abrede gestellt wird. Corona ist kein Hirngespinst der Regierung, mitnichten. Das kann ich guten Gewissens behaupten, da ich in einem "Hot Spot" wohne, in dem es viele Infizierte und auch an der Pandemie Erkrankte und Verstorbene gibt.

Anfangs war ich ebenfalls skeptisch und wusste nicht, wie das Ganze einordnen, den Lockdown, die Klopapierknappkeit, Maskenpflicht, die Abstandsregeln (an die sich übrigens so gut wie keiner mehr hält).




Doch ich Schlafschaf halte mich an die Maßnahmen, so unbequem sie sein mögen, und wundere mich über Leute, die zu Tausenden in Berlin und auch vor meiner Haustür jeden Freitag mit uralten Hippie-Protestsongs für "Freiheit" und "Meinungsrecht" demonstrieren und sich dabei noch ironisch als zweite Corona-Welle bezeichnen. Ja, wir leben in einer Demokratie, in der jeder das Recht hat auf freie Entfaltung. Aber ist es den "Freiheitskämpfern" nicht klar, dass es damit zu Ende ist, wenn das, wofür sie kämpfen, verwirklicht wird? Rücksichtslosigkeit würde ohne das Gesetz / unsere Demokratie (denn sie ist und bleibt unsere Staatsform!) an der Tagesordnung sein. Alles, was getan wird, bliebe ohne Konsequenzen. Irgendwann sogar Mord und Totschlag, denn wenn jemand den anderen beleidigt hat, wäre es ja sein gutes Recht, Selbstjustiz zu üben. Ist das die Freiheit, die angestrebt wird?

In vielen drastischen Fällen ist die Polizei jetzt schon machtlos oder mischt sich nicht mehr ein, weil Respekt vor der Obrigkeit mit Füßen getreten und mit Fäusten niedergemacht wird. Vernünftige Argumente zählen nicht mehr, da man egoistisch auf seinen Standpunkt pocht, so unsinnig der auch sei. Erst heute wurde im Radio ein junger Mann befragt, weshalb er im Barber-Shop keine Maske trägt wie vorgeschrieben, worauf er allen Ernstes meinte, in Apotheken und Bäckereien trügen die Verkäufer hinter der Plexiglasscheibe ja auch keine... Bei so einer Antwort könnte einem schon mal die Maske - Verzeihung, der Kragen - platzen.

Mich macht das betroffen. Denn ich finde, dass alles, was das Gemeinwohl und das Wohl des Einzelnen gefährdet, falsch ist. Meinungsfreiheit hin oder her. Eine andere Meinung zu haben schadet nicht, wohl aber die Mittel, mit der diese Meinung oft durchgesetzt wird. Man widersetzt sich nicht nur der Demokratie, sondern auch der Schöpfung, die so gedacht ist, dass jeder in Frieden und gegenseitigem Respekt voreinander leben kann (leider schon lange nicht mehr, aber umso achtsamer sollten wir versuchen, es zu ermöglichen). Menschen sind verschieden, und dennoch wäre es so einfach, auf einen Konsens zu kommen, was die Pandemie betrifft, die real in allen Ländern der Erde grassiert. Oder haben sich die Regierungshäupter, Bill Gates und Konsorten alle abgesprochen, die Weltherrschaft zu übernehmen? Was würde das denn bringen? Kurz und knackig und vor allem nachvollziehbar beantworten kann das wohl keiner.




Ich bin für Freiheit. Für Meinungsverschiedenheit. In Ausnahmesituationen wie dieser ist es jedoch wichtig, an einem Strang zu ziehen, damit sich etwas ändert. Leider scheint das menschlich unmöglich zu sein. Für mich umso mehr Grund, auf Gott zu vertrauen und mich unter seinen Schirm zu setzen. Insofern habe ich keine Angst um mich und meine Familie oder überhaupt vor der Misere, in der wir momentan stecken. Angst macht alles schlimmer. Aber wenn ich dazu beitragen kann, dass die Angst weniger wird, dann trage ich zum symbolischen Schutz von anderen und mir selbst die (auch von mir höchst verabscheute) Maske in öffentlichen Einrichtungen und befolge Regeln, die in Krisenzeiten sinnvoll sind, wie etwa den Mindestabstand und Hygienekonzepte. Natürlich erfordert das Umgewöhnung, sogar ein bisschen Mühe. Aber mal ehrlich, man bricht sich doch kein Bein dabei. Wie gesagt, ich habe mich zu Beginn sehr gegen die Maskenpflicht gesträubt, mir dann aber welche genäht, die hübsch sind und mich leichter atmen lassen als die medizinische Variante. Dass beides nicht besonders viel nützt, ist mir bewusst, und trotzdem vermittelt es anderen - vielleicht ängstlicheren Naturen oder Risikogruppen - dass man die Pandemie ernst nimmt.

Die Bewunderung und den Respekt vor den sogenannten "Rebellen" habe ich schon lange verloren. Für mich sind das Egoisten, die selbstgefällig die Augen vor Tatsachen verschließen und unflexibel auf ihre Rechte beharren, die sie nach Corona wieder haben können. Schließlich sind wir demokratisch. Wer das nicht glaubt, der kann meinetwegen in einer Diktatur leben und dort für Freiheit kämpfen...


Kommentare:

  1. Danke Christine für diese, deine Gedanken und Worte.
    Und ja, auf Gott vertrauen... auch mir gibt mein Glaube, gerade in dieser Zeit, Hoffnung und Zuversicht...

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  2. Treffend geschrieben liebe Christine. Mein Glaube gibt mir Kraft, Hoffnung und Zuversicht.

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  3. Vielen Dank euch! Es war mir irgendwie ein Bedürfnis, diesen Artikel zu schreiben, obwohl ich versuche, mich nicht zu sehr über die Ignoranz der Demonstranten aufzuregen. Doch letztendlich schadet sie auch denen, die vernünftig mit der Situation umgehen. Das ist wirklich der Gipfel der Rücksichtslosigkeit.

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