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Mittwoch, 8. Juli 2020

Am Lesen: Robinson Crusoe von Daniel Defoe

​Angeregt durch eine wirklich schöne Ausgabe von 1984 habe ich beschlossen, einen Klassiker anzufangen, den ich schon lange lesen wollte, bin ich doch großer Südsee-Fan und mag Bücher und Filme zum Thema historische Schiffe. Ich bin nun auf Seite 40 und hin und hergerissen. Einerseits machen mir die Schachtelsätze und das rasante Erzähltempo ein wenig zu schaffen, andererseits finde ich es erstaunlich und lehrreich, wie die Menschen im 17. Jh. gelebt haben und was für Weltanschauungen sie hatten - ganz anders als heute.




Auch was man bereits auf wenigen Seiten alles erfährt, macht mich staunen. Ich hatte z.B. nicht gewusst, dass es auch Sklaven unter Weißen gab, die sowohl von Weißen als auch von Schwarzen "gehalten" wurden, oder dass die schwarzen Sklaven als wertvoller erachtet wurden und mit Schmuck und Perlen erkauft, während die weißen meist von Freibeutern gekapert und häufig auf ensprechenden Märkten in Hafenvierteln verschachert wurden.

Robinson selbst ist bisher kein wirklicher Sympathieträger, im Gegenteil. Er weidet sich am Todeskampf eines Löwen, den er vom Wasser aus erschießt und ihm danach - wenn er ihn dummerweise schon nicht braten kann - das Fell abzieht. Auch seine Ausdrucksweise würde modernen Menschen die Haare zu Berg stehen lassen. Es ist von Negern und Mohren die Rede (da gab es offenbar tatsächlich einen Unterschied); etwas, das heute schwer geahndet wird. Wobei ich finde, dass man es mit der political correctness in einigen Bereichen übertreibt. Ich bin nicht sicher, ob man Klassiker diesbezüglich generell unverändert lässt oder ob meine Edition doch schon etwas angestaubt ist - denn nebenbei: was wäre Schillers Mohr ohne seine Schuldigkeit getan zu haben? Mir würde nicht einmal das politisch korrekte Synonym einfallen...

Kurzum, der Erzählstil und Robinsons Verhalten wirken höchst befremdlich; zumindest jetzt noch. Ich bin gespannt, ob das Tempo beschaulicher wird, wenn Robinson auf seiner Insel festsitzt. Auf jeden Fall hat der Roman schon jetzt ein besonderes Flair, das vor allem geschichtlich nicht uninteressant ist. Man fragt sich unwillkürlich, ob der Mensch in drei Jahrhunderten zu gefühlig geworden ist und in früheren Zeiten eine gewisse Härte vonnöten war, um überleben zu können. Das soll nicht heißen, dass ich Robinsons / Defoes Anschauungen verstehe (besonders der unfaire Löwenkampf hat mich empört), doch da mich die Geschichte bisher sehr an Errol Flynns Jugendjahre in seiner Biografie von 1959 erinnert, versuche ich, urteilsfrei zu lesen, ohne mir den Spaß an der unbestreitbar abenteuerlichen und originellen Geschichte nehmen zu lassen.


Heiko Brown / Pixabay

Auf jeden Fall bleibe ich dran. Vielleicht lernt Robinson ja noch von Freitag, dass die Hautfarbe nichts mit Hilfsbereitschaft und Respekt zu tun hat. Das ist sogar sehr wahrscheinlich und das Vorhersehbarste, sieht man davon ab, dass Robinson am Ende doch noch gerettet wird. Ganz wie seine reale Inspiration, der Seemann Alexander Selkirk, der zwar aufgrund von Streitigkeiten auf eine Insel verbannt, aber von dem berüchtigten Piratenkapitän Woode Rogers nach vier Jahren auf derselben 1709 gefunden und zur Zivilisation zurückgeführt wurde.


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