Seit fast zwei Wochen versorgen wir fünf Katzen, während deren Halter im Urlaub ist. Zwei davon sind Wohnungskater, die anderen drei halten sich hauptsächlich draußen und in der anliegenden Scheune auf. Ich war zuerst etwas verunsichert, ob ich der Aufgabe gewachsen bin. Zwar haben wir selbst Mikkel und Toby, doch für fremde Katzen zu sorgen, ist eine andere Sache. Man muss sich seiner Verantwortung bewusst sein. Füttern und Klo sauber halten reicht nicht. Unsere Pflegekatzen sind Ansprache und Zuwendung gewöhnt, sowohl die drinnen als auch die "Wilden".
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Mit der kleinen alten Dame Lilly. |
Der erste Tag war auch tatsächlich etwas holprig in dem Bemühen, die richtige und rationelle Reihenfolge zu finden, doch wer uns sehr geholfen hat, war Felix. Er erinnert vom Wesen her an unseren Toby: charmant, zutraulich und wortgewaltig, hat er uns den Einstieg so gut erleichtert wie er konnte. Sein WG-Kumpel Gizmo gehört dagegen zur schüchternen Sorte wie Mikkel. Das finden wir jedoch nicht weniger liebenswert, und manchmal hat Zurückhaltung und Distanziertheit ja auch ihren Grund und etwas Positives. Der Halter meinte zu uns, es sei ok, wenn wir die Näpfe füllen; Gizmo würden wir vermutlich selten bis nie zu sehen bekommen. Wir fanden das zwar schade, aber verständlich, wenn er zu Fremden kein Vertrauen fasst. Umso mehr hat er schon am dritten Tag überrascht, als er im Wohnzimmer saß und sich malerisch von der Abendsonne bescheinen ließ, ohne sich um uns zu kümmern.
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Gizmo |
Zu nahe kamen wir ihm nicht und haben uns erst mal um unsere Aufgaben und Felix gekümmert, der sich bald auf unseren Besuch zu freuen schien. Oft fing er uns schon am Treppenabsatz oder unten im Erdgeschoss ab. Das Haus gehörte übrigens Oma Lisbeth. Jetzt wohnt einer ihrer Enkel darin, das macht die Besuche noch einmal besonders besonders. 😊 In der ersten Zeit saßen wir oft mit Felix am Küchentisch und hatten feuchte Augen, überwältigt von Erinnerungen und auch Felix, von dem wir uns schwer trennten, da er so offensichtlich Gesellschaft und Streicheleinheiten schätzt. Die Vorstellung, er sitzt da noch und vermisst menschliche Geschäftigkeit, nachdem wir fortwaren, ist vielleicht zu menschlich gedacht für unabhängige Katzen, und trotzdem konnten wir sie nicht abschütteln. Zumal Felix erstaunlich menschenbezogen ist.
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Der Charmeur Felix |
Es ist für alle Katzen das erste Mal, dass der gewohnte Mensch für längere Zeit außer Haus ist, und dafür - das haben wir ihnen lobend erklärt - machen sie es wirklich gut. Keine unangenehmen Überraschungen, Protest oder sonst irgendwelche Aktionen haben wir feststellen und beseitigen müssen. Im Gegenteil; selbst der scheue Gizmo wurde zutraulicher und ließ sich sogar zu Gesprächen und zum Schmuse-Modus verleiten. Es sind ganz besondere Katzencharaktere, jeder einzelne. Obwohl wir es vorher bereits wussten, beweisen Felix und Co. wieder aufs Neue, dass jedes Tier eine einzigartige Persönlichkeit hat. Selbst die Wilden sind uns gewogen, die nach den beiden an der Reihe sind mit der Fütterung.
Jeden Abend sitzt die kleine Lilly mit uns am Teich und lauscht unseren Gesprächen. Sie ist sicher fast zwanzig Jahre alt und einfach rührend! Sie kommt uns auch sehr weise vor. Wenn wir uns mit Lilly beschäftigen, wundert es uns, weshalb wir nur eine Katze hatten in unserer Haustierlaufbahn, während alle anderen Kater waren. Man sagt, dass Katzen oft einfühlsamer sind als ihre männlichen Artgenossen. Auf Lilly trifft das auf jeden Fall zu.
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Quad-Lilly |
Wir waren sehr verblüfft, als sie spürte, dass wir traurig waren und versuchte, uns zu trösten. Mit Köpfeln, Schmusen und dem Teilen ihres Futters, das sie uns vor die Füße legte, brachte sie uns auf andere Gedanken. Von den beiden anderen kennen wir leider die Namen nicht; doch auch sie kommen uns gelegentlich besuchen. Der eine dem ernsten Gesicht nach ein Nachfahre von Lilly und scheu, der andere schwarzweiß getigert und lautstark.
Gizmo haben wir übrigens mit Katzengras und einem Baldriankissen geködert. Vor allem Ersterem konnten weder er noch Felix widerstehen. Da er scheinbar etwas von einem Perser in sich und einen sehr dicken Pelz hat, kommt ihm die Verdauungshilfe offenbar zugute. Allerdings passen wir auf, dass sie sich nicht übernehmen. Beide sind schon etwas älter und haben eine Routine entwickelt, wo Veränderungen nicht mehr so leicht sind. Da sind Katzen uns Menschen doch ziemlich ähnlich. Aber man merkt, dass ihnen durch die neuen Entdeckungen nicht langweilig wird.
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Mjam Mjam... |
Gäbe es Catsitter als Berufsbezeichnung, die offiziell anerkannt wird, hätte ich wohl meine Berufung gefunden. Vormittags und abends verbringen wir mindestens eine Stunde mit den kleinen Tigern, und wir wissen jetzt schon, dass wir alle fünf vermissen werden, wenn der Urlaub unseres Cousins vorbei ist...