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Montag, 23. März 2026

Bob und wie er die Welt sieht ~ James Bowen

 Als die Bob-Mania nach der Veröffentlichung vom "Bob dem Streuner" im Jahr 2013 ihren Höhepunkt erreichte, habe ich sie verpasst. Natürlich hörte ich davon, doch das Buch und die bald darauf folgende Verfilmung haben mich nicht wirklich interessiert. Vielleicht war mir der Hype zu groß. Vor kurzem las ich die Fortsetzung "Bob und wie er die Welt sieht", das ungelesen in meinem Verkaufsregal für Booklooker steht - eine Freundin hatte es mir mitgegeben. Die Geschichte hat mich berührt, ist sie doch mehr als die Biografie eines obdachlosen jungen Mannes und seiner zugelaufenen Katze.

 

Bob und James / Amazon
 

Inhalt und Meinung: Einen roten Faden gibt es in "Bob und wie er die Welt sieht" nicht (wenn man Bob nicht als solchen betrachtet); es sind kleine Episoden, die James' Leben mit seinem ungewöhnlichen Rotpelzchen beschreiben. Manchmal lustig, amüsant und heiter, oft aber auch schwermütig, nachdenklich machend und in gewisser Hinsicht auch tragisch und traurig. Man spürt, dass Bob ein Rettungsanker ist für den wenig selbstbewussten und drogengefährdeten James, der lange auf der Straße gelebt und wenig Freunde hat. 

Er ist Verkäufer der Obdachlosenzeitung "The Big Issue" in London, und schlägt sich damit durchs Leben. Es reicht oft gerade, um die Heizkosten und Bobs Katzenfutter zu begleichen. An schlechten Tagen nicht mal dann. Trotzdem sind James und Bob guten Mutes und ein tolles Gespann. Wenn es kalt und regnerisch ist, trägt Bob Schal, Mütze und hin und wieder eine stylische Plastiktüte gegen Kälte und Schneeflocken. Er ist James' zweiter Schatten, folgt ihm auf dessen Schulter oder an der Leine überall hin und erregt die Aufmerksamkeit von Passanten. Sogar einen eigenen U-Bahn-Ausweis kann er vorweisen. Wenn er in Stimmung ist, zeigt er kleine Kunststücke wie Tatzenabklatschen (High Five) und Leckerli jagen. Doch es gibt nicht nur wohlwollende Menschen - manche haben Böses im Sinn oder halten Bobs Naturtalent und die kleinen Tricks vor Passanten für Tierquälerei. Gut, dass sich James auf Bobs Menschenkenntnis verlassen kann. Er zeigt Skeptikern, dass sein Platz nirgendwo anders ist, und er warnt James vor Gefahren auf dem Heimweg durch das nächtliche London. Auch als Doktor ist auf ihn Verlass. Vor allem aber ist er das, was James als Fügung des Himmels beschreibt: Freund, Seelenverwandter und Beschützer. Und er lehrt den ehemaligen Junkie Verantwortung. Durch Bob gewinnt James wieder eine Perspektive und Mut zum Leben. 

Ein Leben, das bisher von der Straße und einer verkorksten Kindheit geprägt war. Nach der Scheidung der Eltern zieht der kleine James mit der Mutter nach Australien, wo er bereits auf die schiefe Bahn gerät. Mit Achtzehn kehrt er nach England zurück und lebt auf der Straße, oft ohne Dach über dem Kopf, und immer auf der Suche nach dem nächsten Schuss. Für seinen Vater ist er eine Enttäuschung. 

Erst als er den verletzten Bob gesundpflegt, der seitdem micht mehr von seiner Seite weicht, fühlt er sich nicht mehr als Versager. Denn das, was er Bob an Fürsorge und Liebe angedeihen lässt, gibt sein Rotpelzchen hundertfach zurück. "Jetzt übertreibt er aber!", dachte ich manchmal beim Lesen, aber dann wieder. "Warum nicht?" Warum soll ein Vierbeiner nicht dasselbe fühlen können für seinen Menschen wie dieser für die Katze? Bei James und Bob war es wohl eine ganz besondere Beziehung. Vielleicht hatte Bob tatsächlich einen Auftrag von oben.

 

Auch Toby mag Bob.


Die Frage, was sein wird, wenn Bob nicht mehr da ist, treibt James um, doch er hat solche Angst vor dem Gedanken, dass er ihn nie zu Ende denkt. Mehr als der unerwartete Reichtum durch die Medien, mehr als das neue Haus, das er mit dem Kater nach der Erfolgsveröffentlichung ihrer Geschichte bewohnt, beschäftigt ihn die Sorge um Bob. Leider - im Buch nicht zu erfahren, dafür bei Google - geschah Bob genau das, wovor James sich gefürchtet hatte. Während eines unbeobachteten Spaziergangs wurde er im Juni 2020 angefahren und tödlich verletzt. Der Fahrer beging Fahrerflucht. James' Trauer ist groß, und er rutscht wieder in die Drogenszene ab. Allerdings - umsonst soll Bobs Arbeit und Liebe für James nicht gewesen sein. Obwohl ihn sein Literaturagent fallenlässt (Menschen sind keine so treuen Freunde wie Tiere) und er das Haus verkaufen muss, fängt sich James bald, wird clean und engagiert sich heute für Tierschutz und Obdachlose. Ein bisschen wie die beiden jungen Männer mit ihrem Löwen Christian mehr als vierzig Jahre zuvor, deren Leben ebenfalls von einem Tier in derselben Stadt beeinflusst wurden und eine unerwartete Wende genommen haben.

Im Londoner Stadtteil Islington, ihrer "Wirkungsstätte", erinnert eine Statue mit Schal und Gedenktafel an den besonderen Kater. Doch in James' Herz bewahrt er sich auch ohne Denkmal einen Platz, den kein anderer einnehmen kann.

Fazit und Bewertung: Eine Biografie, die ans Herz geht und eine außergewöhnliche Geschichte erzählt. Daher gibt es 

😺😺😺😺

 

 

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