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Donnerstag, 5. März 2026

Fairlight ~ eine Überlegung

 Wie ihr wisst, ist es für Selfpublisher nicht so einfach, ein Buch zu promoten. Es braucht einen langen Atem und Geduld, und beides habe ich nicht im Überfluss. Umso mehr freut es mich, wenn meine Romane gut ankommen und trotz einem vielleicht etwas sperrigen Thema begeisterte Rezensionen erhalten. So wie "Fairlight". Tatsächlich hat dieser Roman zwar nicht allzu viele Bewertungen, dafür aber im Durchschnitt die besten von allen meinen zehn Büchern. Was mich überrascht, denn... es geht um Abgründe. Abgründe, die zum Zeitpunkt des Schreibens noch in die Buchwelt passten bzw. es noch keine Trigger-Warnungen gab, weil man nicht jede Befindlichkeit berücksichtigte und den Lesern/Verbrauchern mehr Selbständigkeit und Stabilität zutraute. Und den Schriftstellern freiere Hand ließ, ohne woke Zensur.


Francis und Florey
 

"Fairlight" handelt in erster Linie davon, sich von Zwängen und festgefahrenen Gewohnheiten zu befreien, die für den psychisch belasteten Florey nicht zu durchbrechen sind, obwohl er unglücklich ist und sich nach Freiheit sehnt. Dasselbe gilt für seinen älteren Bruder Francis. Der ist - wie Florey - beileibe kein Sympathieträger. Oft wirkt er roh, unberechenbar und animalisch. Doch er hat einen weichen Kern, und natürlich einen Grund für seine Wesensart. Sein Bruder ist sein Ein und Alles. Dabei überschreitet Francis Grenzen, die auf den ersten Blick befremdlich anmuten. Vielleicht werden seine Motive nicht einmal gegen Ende ganz klar; eine Leserin schrieb mir, er hätte wenig Verständnis bei ihr hervorgerufen. Im Gegenteil. Am Schluss empfand sie fast so etwas wie Abscheu. Das kann ich verstehen. Denn Francis ist machtlos gegen seine Gefühle. Er kontrolliert und beschützt, gibt den harten Geschäftsmann auf Fairlight, ist misstrauisch gegenüber den Besuchern, feindselig und impulsiv, und zuweilen auch grausam. Seine Emotionen, die er selten zeigt, konzentrieren sich dafür in überbordenden Maß auf Florey, der sie zwar schätzt, aber nicht einordnen kann. So wie Francis von allen, die mit ihm zu tun haben, schwer einzuordnen ist.

 

 

 Geschwisterliebe und verbotene sexuelle Begierden sind kein Thema, das ein Wohlgefühl hervorruft. Ich hatte damals meine düstere, etwas morbide Phase und würde meine Phantasie in dieser Richtung heute etwas zügeln. Dennoch gefällt mir die Geschichte aus psychologischer Sicht immer noch. Francis' Liebe reicht weit in die Vergangenheit, in der er jemanden verloren hat, mit dem er schlimme Zeiten durchmachen musste, der ihm Halt gab und das Gefühl, gebraucht zu werden. Das alles ist ziemlich komplex, und wie fast jedes meiner Bücher sollte man "Fairlight" aufmerksam lesen, um die Zusammenhänge zu verstehen. 

Die Besucher, denen Francis unterwegs begegnet und die er ins Anwesen einlädt, weil sie aufgrund einer Wagenpanne nicht mehr weiterfahren können, sind so etwas wie ein Wink des Schicksals für die Brüder. Mit ihrer Anwesenheit, und ganz besonders mit der von John Raeburn, ändert sich einiges auf Fairlight. Es scheint, als ob Francis das beabsichtigt hat, und trotzdem fällt es ihm schwer, Florey seine eigenen Entscheidungen treffen zu lassen, der sich Dr. Raeburn nach einiger Zeit öffnen kann. Veränderungen ängstigen ihn im Allgemeinen, doch er erkennt in dem Fremden bald einen Freund, dessen Geduld und Umgang mit ihm zwar strapaziert werden, aber unerschöpflich und von schmeichelhaftem Interesse sind. Eitel und launisch sind nämlich beide Brüder, doch Florey verzeiht man seine schlechten Eigenschaften vermutlich eher, weil er hilfloser wirkt als der "bossy" Francis. 

Die Geschichte erzählt die einer dekadenten Familie, zu der nicht nur die beiden gehören, sondern zwei weitere Brüder und ein despotischer Vater, der nicht nur eine Leiche im Keller hat. Kein einfaches Buch also, aber wie schrieb eine Rezensentin so treffend: 

"Diese Geschichte ist für mich ein Crescendo. Ein Pferd, das erst gezähmt werden muss, bevor man den wilden Ritt wagen kann.

Ich liebe es."

Würdet ihr einen solchen Ritt wagen? Oder sind die Themen zu düster und zu pikant? Zur Beschreibung und Bestellung des Buches: *Klick*