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Montag, 23. Februar 2026

Rezension "Mondzauber" ~ Inger Edelfeldt

"Mondzauber" habe ich als Jugendliche gelesen. Mehrmals. Ich habe es geliebt, dieses Buch, das von den beiden Außenseiterinnen Kim und Juliane handelt. Der Stil, das fiel mir beim jetzigen Lesen auf, hat mich als angehende Schreiberin schwer beeinflusst. Habe ihn dann aber mit dem Austritt vom Teenageralter wieder abgelegt. Und es wundert mich, dass der Roman im Zuge der wieder aufkommenden Fantasy-Welle mit Vampiren, Werwölfen und Gestaltenwandlern nicht neu aufgelegt wurde. Vielleicht weil er dann doch ein bisschen zu realistisch / alltäglich ist und es genug Jugendbücher zum Thema gibt.

 


  

Inhalt: Die Erzählerin Kim Lagergren wird von ihren Altersgenossen mehr oder weniger geduldet oder ausgenutzt; richtige Freundinnen hat sie nicht, dazu hält sie sich selbst für zu "anders". Das ändert sich, als Juliane Lind neu in die Klasse kommt. Sie wirkt auf die "gewöhnlichen" Mädchen so unnahbar und arrogant, dass Kim Zeuge mehrerer Mobbingattacken gegen sie wird. Als sie sich endlich einen Ruck gibt und mit Juliane ins Gespräch kommt, erkennen sich die beiden allmählich als Seelenverwandte, die an schwarzer Magie interessiert sind. Sie nennen sich "Schwestern der Verdammnis", schließen einen Pakt und halten Séancen ab. Doch bald wissen sie nicht mehr, was Spaß oder Ernst ist... Als Julianes Peinigerin Gunilla, Anführerin der Mädchenclique, eines Tages nicht mehr in die Schule kommt und lange fort bleibt, machen sich die beiden trotz deren Unausstehlichkeit Sorgen. Hat ihr Zauber am Ende etwas bewirkt, das sie nicht beabsichtigt hatten?

Meinung: Ein Buch, das ich als Kind toll fand, trotz des brisanten Themas Okkultismus, kann ich auch als kindgebliebene Erwachsene nicht so schlecht finden. Ich mochte Kim und Juliane sofort in ihrer schrulligen Art. Sie sind albern und kindisch, schwärmen für unerreichbare "knusprige Junker", geben sich ihren Phantasien hin und idealisieren die Menschen, auf die sie ein Auge werfen, nach ihren makaberen Vorstellungen. Alles, was man als Teenie eben so macht (außer Beatles und Santana hören; das kam mir für zwei moderne Vierzehnjährige komisch vor. Andererseits habe ich in dem Alter auch die Rolling Stones, Bryan Ferry und David Bowie gehört).

Dazu sind sie alles andere als typisch und banal, und begeben sich auf gefährliche Wege, die ihnen zunächst nicht als gefährlich bewusst sind.

 

Pixabay / KI

 
Als Kim nach ihrem Teufelspakt und einer Voodoo-Session nicht schlafen kann und Alpträume hat, bittet sie Gott und Jesus Christus (!), sie zu retten. Dieses kleine, aber inbrünstige Gebet war für mich das Highlight des Buches. Ein Sinneswandel findet bei beiden Mädchen nicht sichtbar statt; genauso, wie auch die gegenseitige Anziehungskraft, fast schon erotischer Natur, ganz vampirmäßig verbrämt wird (Stichwort Dracula). Aber etwas ändert sich danach. Auch Juliane empfindet Reue über das, was die zwei getan haben. Sonderbar und sich treu bleiben sie trotzdem. Immerhin sind sie keine Schwestern der Verdammnis mehr. Und vielleicht - das ließ die Autorin offen - vielleicht finden sie irgendwann den Pfad von der Dunkelheit ins Licht. 

Ein bisschen mehr Klarheit hätte "Mondzauber" gutgetan, mehr Haltung zum Thema. Wird sich das Verhalten von Kim und Juliane ändern, haben sie ihre Lektion gelernt? Wahrscheinlich wollte die Autorin nicht belehrend sein oder ist selbst fasziniert von solchen Gedanken. Als erwachsener Leser war mir das Ende jedenfalls zu schwammig. Meinen Kindern würde ich es nicht zu lesen geben. Dennoch gibt es drei gute Knoblauchzehen.  

Bewertung: 💫💫💫



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