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Samstag, 9. August 2014

Der fesche Knabe auf dem Coverbild vom "Grafen"



Einige meiner Leser haben mich gefragt, wer denn der junge Mann auf dem Cover meines historischen Romans "Das Bildnis des Grafen" ist. Ich fand die Frage sehr aufmerksam und interessant, denn es steckt in der Tat eine Geschichte dahinter, die mit einem meiner Hobbies zu tun hat, dem Sammeln alter Fotografien.

Zunächst einmal muss ich leider alle enttäuschen, die eine mehr oder weniger entfernte Ähnlichkeit zu mir zu erkennen glauben: der junge Mann ist weder verwandt noch verschwägert mit mir - zumindest nicht, dass es mir bekannt wäre. Ich habe dieses Foto auf dem Trödelmarkt erstanden, als wir noch auf der Jagd nach einer Wanddekoration für unsere Gästetoilette waren. So manches hängt inzwischen in der Küche, aber die meisten der auf Pappkarton aufgezogenen Aufnahmen stapeln sich bisher noch im Schrank.




Das Originalbild meines jugendlichen Grafen, das im Roman Erwähnung findet, sieht man hier in der Mitte des Fotos, das eine kleine Auswahl meiner Sammlung repräsentiert. Es ist eine Ganzkörperaufnahme, die vermutlich einen Konfirmanden Anfang des 20. Jahrhunderts zeigt. Dafür sprechen der elegante Anzug und der Hut, der neben ihm auf dem Tisch liegt - vielleicht eine Art Uniform bzw. Tracht zur damaligen Zeit. In der linken Hand hält er ein Buch, und ich nehme an, es ist die Bibel. Ein Pfarrer a.D. ließ mich das wissen. In der ersten Ausgabe des Romans befindet sich das Foto noch im Original.




Hier ist die Rückseite der Fotoplatte. Das Foto wurde in einem Stuttgarter Atelier aufgenommen, und irgendwann später der Name des Abgebildeten mit Kugelschreiber dahinter verewigt. Die Schrift selbst sieht sehr alt aus (also wie die Schrift eines alten Menschen) und witzigerweise ein bisschen wie die meines Opa selig, der auch aus dem Schwäbischen stammte. Der Junge hieß wohl Adolf Nägele, wenn ich das richtig entziffere. Ich habe ein wenig gegoogelt und herausgefunden, dass es in Stuttgart eine Einzelhandelsfirma dieses Namens gab, die 1876 gegründet wurde, heute aber nicht mehr existiert. Es wäre möglich, dass es sich bei dem Buben um einen Sohn des Kaufmanns handelt.

Wenn Adolf Nägele wüsste, dass sein hübsches Jungengesicht für einen englischen Grafen aus einem Roman verwendet wurde, wäre er dann geschmeichelt oder verärgert?

Glücklicherweise verletze ich aufgrund des Alters der Fotografie keine Urheberrechte, da diese - sofern nicht anders angegeben - nach siebzig Jahren erlöschen. Aber es wäre trotzdem nicht unspannend zu erfahren, welche Geschichte wirklich hinter dem geheimnisvoll wirkenden jungen Mann steckt.




Samstag, 2. August 2014

WHOOT! Eine weitere Nominierung!



Hui! Ich wurde zum zweiten Mal nominiert, diesmal von Monika. Kennengelernt haben wir uns durch das Autorenportal Pagewizz, auf dem wir Artikel schreiben und veröffentlichen. Monika ist ein echtes Kölner Mädel, das ihre Stadt liebt und dort gerne mit ihrem Fotoapparat auf Streifzüge geht. Dabei zeigt sie nicht nur den Dom, sondern auch Sehenswürdigkeiten, die dem gemeinen Touristen (wie ich einer bin) gar nicht ins Auge fallen würden. Neben der Liebe zu ihrer Heimatstadt reichen ihre Interessen von kulinarischen und kulturellen Tipps über literarische Genüsse bis hin zu Empfehlungen für den Kölnreisenden. Sehr interessant und auf jeden Fall erst mal einen virtuellen Besuch ist ihr Blog wert, ehe man sich mit Haut und Haaren in die Rhein-Metropolregion stürzt.

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Ihre teilweise recht kniffligen Fragen an mich lauten wie folgt:

 1. Woher nimmst du deine Themen? Wer oder was inspiriert dich? 
Ich blogge über Themen, die mich interessieren und beschäftigen. Vorzugsweise über Filme, Bücher (auch Leseproben meiner eigenen) und gelegentlich sogar Ernstes. Persönlich werde ich dabei nicht so gerne, aber manchmal muss auch das sein. Inspiriert werde ich vom Tagesgeschehen oder Dingen und Personen, die mir wichtig sind.
 2. Gehst du beim Bloggen routiniert vor oder entscheidest du spontan, was du schreibst?
Spontan. Als ich anfing, war es durch den selbstauferlegten Druck, regelmäßig zu posten, schwieriger. Mittlerweile sehe ich das entspannter.
3. Und im Leben? Routiniert oder spontan?
 Ganz ehrlich? Routine ist mir fast lieber. Ich kann spontan sein, wenn es die Situation erfordert, habe aber die Gabe, auch einen geregelten Tagesablauf schätzen zu können.
4. Was machst du, um deinen Blog/deine Blogs bekannter zu machen?
Ich bewerbe ihn auf Foren und SocialMedia-Plattformen. Im Grunde genommen blogge ich aber nicht, um ein möglichst großes Publikum zu erreichen, sondern mehr aus Spaß und wenn ich Lust und Laune habe.
5. Liest du regelmäßig andere Blogs?
Nicht mehr so häufig, ich gestehe...*schäm*
6. Was machst du, wenn du nicht bloggst?
Jetzt wird es aber intim, oder?^^ Ich lese und schlafe gern. Dazwischen versuche ich, meine kreative Ader auszuleben.
7. Wie entspannst du dich am besten?
Abends vor dem Fernseher oder im Sommer bei einem gepflegten Glas Wein oder einer Flasche Bier auf dem Balkon. Schön und entspannend ist auch gemeinsames Einverständnis, ohne etwas sagen zu müssen.
8. Ab in die Zeitmaschine! In welcher Zeit würdest du gerne leben?
Erst neulich habe ich dazu einen Test gemacht und herausgefunden, dass das Industrielle Zeitalter am faszinierendsten für mich wäre. Merke: Tests haben immer recht!
 9. Was ist dein Lieblingsbuch (oder dein Lieblingsfilm, wie du möchtest)?
Da ich mich bei Filmen schwer entscheiden könnte, es es der Roman "Nacht ohne Gesicht" von Rennie Airth, der mich zu meinem historischen Kriminalroman "Das Bildnis des Grafen" inspiriert hat.
10. Hast du einen Spleen?
Wahrscheinlich nicht nur einen, nur will mir jetzt gerade keiner einfallen. Am besten, du fragst diejenigen, die täglich mit mir auskommen müssen. (O:
11. Wie sieht es auf deinem Schreibtisch aus? Eher: Ordnung ist das halbe Leben oder eher: Wer Ordnung hält ist nur zu faul zum Suchen.
 Klingt langweilig und gar nicht nach kreativem Chaos: Das erstere. Mein Schreibtisch ist für ein Laptop *und* Unordnung einfach zu klein, letzteres kann ich mir nicht leisten.

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Meine nominierten Blogs: 











Eure Fragen sind die gleichen, die Monika mir gestellt hat. Kopiert sie mit Copy und Paste, löscht meine kultivierten Antworten und ab geht die Post!

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So gebt ihr den "Liebster Award" weiter:

1. Verlinkt die Person, die euch nominiert hat. In diesem Fall mit: Christine Wirth
2. Beantwortet meine elf Fragen.
3. Wählt Blogs aus und nominiert diese.
4. Teilt den Bloggern mit, dass ihr sie nominiert habt.
5. Denkt euch elf Fragen aus, die ihr den Bloggern stellt, die ihr nominiert habt. Viel Freude dabei!

Etwas, das mich beschäftigt...





Lange habe ich überlegt, ob ich darüber schreiben soll, doch Schweigen hat dieses Land schon einmal die Freiheit gekostet: Ich stehe für Israel und gegen Antisemitismus ein. Nicht nur angesichts Deutschlands Geschichte ist es wichtig, alles dafür zu tun, dass sich Zustände wie vor siebzig, achtzig Jahren nicht wiederholen - und nach dem, was ich in den letzten Wochen höre und sehe, sind wir in Europa - einer freien Demokratie wie übrigens auch der Staat Israel - kurz davor. Es macht mich traurig, zu sehen, wie Werte, die in unserem Grundgesetz verankert sind - nämlich Menschenwürde und das Recht auf religiöse Freiheit - auf einmal mit Füßen getreten werden.

Gestern war ich auf einer Kundgebung in Stuttgart am Schlossplatz. Vor ca. 700 Leuten hatten Redner aus führenden Positionen das Wort, Rabbiner, Christen, Botschafter und die israelische Sängerin Vesna Buehler, die das Programm musikalisch untermalt hat. Und ich war beeindruckt von der friedlichen Atmosphäre, der Gelassenheit und vor allem dem Mut und der Ausstrahlung, die die Redner bewiesen, während vom Rande der Kundgebung Gegendemonstranten hinter Polizeiaufgebot Hasstiraden und Schmährufe auf uns niederließen, die so furchtbar waren, dass ich tatsächlich froh war, in der Mitte einer Gruppe zu stehen, wo ich mich sicher fühlen konnte.

Ganz zum Schluss sangen alle mit Vesna Buehler das hebräische Lied "Hine Ma Tov". Zuvor hatte sie darauf hingewiesen, dass die protestierenden Araber nicht davon ausgenommen sind und sich jeder nach Brüderlichkeit sehnt.




Der Tag war sehr bewegend und hat Hoffnung in mir geweckt, nachdem ich über die jüngste Entwicklung und den Hass vor allem in den Medien und auf Online-Plattformen wie Twitter und Facebook sehr schockiert war. Ich gehe nicht gern für etwas auf die Straße bzw. zeige offen Flagge, aber hier springe ich über meinen Schatten, weil es nötig ist und ich nicht warten will, bis andere es tun. Free Gaza? Sicher. Nicht von Israel, das sich gegen ein brutales Regime verteidigt, in dem Menschenleben nur zählen, wenn man sie als Opferzahl medienwirksam verkaufen kann. Sondern von der Terrororganisation Hamas.



Bilder mit freundlicher Genehmigung von Vesna Buehler, Ines Rogg



Mittwoch, 30. Juli 2014

Leseprobe "Fairlight" (II)

Das schwüle Wetter zurzeit macht mich ein wenig ramdösig. Daher erlaube ich mir heute ausnahmsweise, schreibfaul zu sein und ohne große Einleitung eine Leseprobe aus meinem Roman "Fairlight" zu posten.




Darin geht es um eine mysteriöse Familie auf einem abgelegenen Anwesen in Mittelengland um 1916. Drei Ärzte werden "notgedrungen" von dem aus Frankreich heimkehrenden Soldat Francis Fairlight als Gäste aufgenommen, als sie auf dem Weg zu einem Medizinerkongress nach London eine Reifenpanne haben.

Dieses Buch ist ein Beispiel für detailiertes Setting, da der "Star" des Romans der düstere, buchstäbliche Herrensitz ist. Ich hoffe, ich habe mich nicht zu sehr in Kleinigkeiten verloren - ein Schönheitsfehler, der mir hin und wieder unterläuft, wenn mir Szenen allzu bildhaft vor Augen stehen.^^

Feel-Good-Reader beware: "Fairlight" behandelt delikate Themen, die weder für Kinder noch für Sensibelchen geeignet sind.

Bildquelle: Pixabay





Montag, 28. Juli 2014

Das Setting bzw. der Schauplatz eines Romans

Angestoßen durch einen kritischen Artikel eines Schriftsteller-Kollegen habe ich mich neulich gefragt, wie wichtig das Setting und die damit verbundene Atmosphäre eines Romans ist. Selbstverständlich ist eine ausführliche Beschreibung von abgefahrenen Parallelwelten in Fantasy und Science Fiction unabdingbar und erwünscht, aber wie ist das eigentlich bei historischen Erzählungen, Krimis oder Liebesromanen?

Für mich persönlich kommt es auf die Geschichte und die Handlung an. Es gibt Bücher, die in ihrer Knappheit an Details durchaus ihren Reiz haben und wo "langatmige" Beschreibungen sogar stören würden. Irgendwie scheint es mir, dass der Leser im Allgemeinen die Fähigkeit hat, sich auf die aktuelle Lektüre einzustellen. Wenn ich von mir ausgehe, trifft das zu. Meist schätze ich ausgedehnte Beschreibungen - sowohl als Leser als auch Autor. Mir gefällt es, in eine Welt abzutauchen, die der Autor oder ich selbst genau vor Augen hat / habe. Bei "fremden" Werken lasse ich mir durch genaue Beschreibungen nicht mein Kopfkino vermiesen - eher im Gegenteil. Gerade in historischen Krimis wie "Nacht ohne Gesicht" von Rennie Airth und der "Monk"-Reihe von Anny Perry helfen Details der Umgebung und der damaligen Mode bzw. der spezifischen Epoche, sich voll in den Roman hineinzugeben und ein unvergessenes Leseerlebnis zu haben und im besten Fall auf unterhaltsame Weise noch etwas über Geschichte zu lernen.

Oft kann man sich in historischen Romanen kein wirkliches Bild machen, wenn das Setting und der Schauplatz als lästiger Zusatz verstanden werden, der vom Autor merklich widerwillig in drei Sätzen eingestreut wird. Ein Beispiel will mir hier nicht sofort einfallen, aber ich wette, der eine oder andere weiß, was ich meine.

Auf der anderen Seite stehen Bücher wie die rasanten, frivolen Geschichten des französischen Schriftstellers Philippe Djian ("Betty Blue - 37,5°C am Morgen"), in denen das Setting meist in nur einem lässig dahingeworfenen Nebensatz Erwähnung findet, wenn überhaupt. Trotzdem zeigt sich sogar sein Antiheld oft überraschend romantisch, wenn er einen Sonnenuntergang beschreibt oder welchen Genuss ihm eine Zigarette, Sex und eine Flasche Bier bereiten. Djians Stil in seiner berühmt-berüchtigten Betty-Trilogie ist übrigens derart minimalistisch, dass der Ich-Erzähler namenlos bleibt.




Es ist für Autoren nicht einfach, gerade in der Frage des Schauplatzes ein gutes Maß zu finden, das sowohl Leser als auch Autor zufriedenstellt. Schließlich will man nicht mit seitenlangen Nebensächlichkeiten langweilen, doch der Spruch "In der Kürze liegt die Würze" findet vor allem bei Bestseller-Autoren wenig Anklang. Ich denke da an Epen-Verfasser wie Diana Gabaldon, die immer noch an ihrer Outlander-Saga um Jamie und Claire bastelt, und George R.R. Martin mit "Game of Thrones". Für beide Autoren hat sich der epische, weit ausholende Stil bewährt. Klar, sie schreiben eine Mischung aus Historie und Fantasy, ein Genre, das Details verlangt. Und dennoch würden sie sich vermutlich mit Kurzgeschichten schwerer tun. Ein ausgefeiltes Setting versprüht zugleich Atmosphäre und hilft, sie aufzubauen; darauf will kein Autor verzichten.

Die große Kunst ist natürlich, Atmosphäre ohne lange Beschreibungen zu erzeugen. Viele Leser/innen, die ich kenne, bevorzugen dennoch einen dicken, epischen, ausführlichen Schmöker, sind aber knackigen Kurzbeschreibungen keinesfalls per se abgeneigt. Mich eingeschlossen.


Bildquelle: Tama66, Pixabay



Mittwoch, 23. Juli 2014

Heißer Serien-Tipp: "In Treatment"

 *Schnüffi* Nach vier Wochen musste ich Dr. Paul Weston und seine Patienten ziehen lassen - die dritte und letzte Staffel wurde fertiggeguckt, und das beinahe in Rekordzeit. Ehrlich, die Serie, so unspektakulär wie sie anfangs scheint, hat mich völlig in ihren Bann gezogen. Das lag vor allem an Gabriel Byrne als krisengeschütteltem und doch überzeugendem Psychologen, aber auch an den verschiedenen "Patienten", die einem mehr oder weniger ans Herz wachsen. Ein merkwürdiges Phänomen war das: im Lauf der Sitzungen entwickelt man für die meisten, auf den ersten Blick absurd oder bockig reagierenden Patienten tatsächlich trotz ihrer Macken Sympathien, sei das ein überarbeiteter CEO, eine alternde Schauspiel-Diva oder ein sich fehl am Platz fühlender indischer Großvater.

 



Inhaltlich gibt die Serie so wahnsinnig viel her, dass eine Kurzbeschreibung hier den Rahmen sprengen würde. Neugierige und Spoiler-Fans dürfen sich jedoch gern auf Wikipedia schlau machen.

Leider wird es keine vierte Staffel geben, obwohl die Quoten recht hoch waren: Gabriel Byrne wollte die Aufmerksamkeit nicht, die ihm mit der Serie plötzlich zuteil wurde (Aw, er sieht nicht nur toll aus, er ist auch noch bescheiden!). Die dritte Staffel ist außerdem schon vier Jahre her. 

Mein persönlicher Favorit unter seinen Fällen war der Teenager Sophie. Ich glaube, zwischen den beiden Schauspielern hat einfach sofort die Chemie gestimmt, und es ist schön und *cozy*, zu sehen, wie wohl sich Sophie bald in Pauls Praxis fühlt. So wohl, dass sie sogar eine Pizza dorthin bestellt und in ihm einen Vaterersatz sieht; einen Vater, der ihr zuhört und sie ernst nimmt. Oder ihm auf Spanisch ein ungewöhnliches Kompliment macht. Sie ist zudem die einzige Patientin, für die die Gespräche mit Paul zu einem offensichtlichen Happy End führen: in der zweiten Staffel bewertet sie Paul auf dessen verwaister Internetseite mit den Worten: "He saved my life".

Die meisten anderen Fälle nehmen - nicht selten aufgrund Pauls persönlicher Anteilnahme - einen nicht ganz so glücklichen Verlauf. Aber es gibt in der Tat einen fast humorvoll-wehmütigen Fall in der dritten Staffel, in dem Paul zwar seiner Intuition vertrauen konnte, sich aber völlig von Sunil (besagter indischer Großvater) aufs Glatteis hat führen lassen, was ihn so verärgert, dass er zunächst nicht wertschätzen kann, dass er Sunil auf subtile Weise geholfen hat, sein Ziel zu erreichen. Diese Seite mag ich auch an Paul: er kann, vor allem außerhalb seiner Sprechstunden, deftig irisch fluchen und auch Unsicherheit und Verwundbarkeit zeigen. Fast bittersüß sind die etwas unbeholfenen Szenen mit Max, seinem Sohn, der nach der Scheidung der Eltern beschließt, zu seinem Vater auszureißen und mit ihm zu wohnen. Davon hätte ich mir ein bisschen mehr gewünscht, doch Pauls Privatleben wird meist nur kurz im Vorspann angerissen und dann später von seiner Mentorin Gina respektive ihrer Nachfolgerin Adele zerpflückt.

Und letztlich waren es oft verschwindend kleine Szenen, bei denen mein Herz einen Sprung gemacht hat vor Rührung. Der Tod von Pauls Vater beispielsweise, und wie Paul unter seinem Nachlass seine Uhr findet und umbindet, obwohl sie nicht einmal geht. Pauls Antwort zu Sophies Vermutung, dass er wohl tief graben muss, um etwas Liebenswertes in ihr zu finden.

Die Serie gibt es nicht in deutscher Synchro oder mit deutschen Untertiteln (ich habe gesehen, dass sie aktuell wohl im Schweizer Fernsehen läuft), aber wenn ich ehrlich bin, würden fremde Stimmen das Ganze nicht so glaubwürdig machen wie das Original. In den therapeutischen Sitzungen spielen besonders Mr. Byrnes tiefe Stimme und der ruhige Tonfall eine wichtige Rolle, die mit der hart klingenden Synchronisation verloren gehen.

Wirklich schade, dass es nicht mehr Staffeln gibt. So charismatisch ich Mr. Byrne als Filmschauspieler finde, mit Dr. Paul Weston wurde ihm eine Serienrolle auf den Leib geschneidert. Kein anderer hätte das besser hinbekommen, die Gratwanderung zwischen Traurigkeit und Empathie, Warmherzigkeit und Unzufriedenheit, und dem Wunsch, anderen helfen zu wollen, sich zu investieren und doch frei und unabhängig zu sein. Eine bemerkenswerte Serie, die für anspruchsvolle Zuschauer mit Intelligenz, Herz und Englischkenntnissen ein absoluter Geheimtipp ist!




Samstag, 19. Juli 2014

Jetzt hat es mich, das Gesichtsbuch!

Nachdem ich wirklich lange mit Facebook gehadert und mich vor zwei Jahren eher widerwillig angemeldet habe weil ich in hundert Jahren keine der 485 Trillionen Facebookleichen sein will, habe ich mir heute eine Autorenseite eingerichtet.


Pixabay /geralt

 Hauptsächlich werde ich dort von und über meine Werke schreiben, Ausschnitte zitieren und  Hintergrundinfo und ein paar unvermeidliche Weisheiten zum Besten geben. Mein erster Beitrag erzählt davon, wie und warum ich auf die Idee kam, "Das Bildnis des Grafen" zu schreiben. Er findet sich auch hier auf meinem Blog wieder, den ich hoffentlich aufgrund der FB-Seite nicht vernachlässige.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber Facebook hat für mich erhebliches Suchtpotential im Gegensatz zu Twitter oder Google+. Ständig will ich wissen, was es Interessantes und Neues gibt, ob mir jemand gepostet hat, einen Link gelikt etc. etc. Bei den anderen Plattformen, auf denen ich mehr oder weniger aktiv bin, besteht die Gefahr nicht so sehr. Eigentlich bin ich direkt froh, dass ich kein Smartphone habe; mein altersschwaches Handy unterstützt die mobile Funktion nicht, sonst würde ich wohl auch unterwegs der Versuchung nicht widerstehen können. Irgendwo muss es ja auch noch ein Leben jenseits des Internets geben.

Trotzdem freue ich mich natürlich über Besucher auf meiner nagelneuen Seite, zu der es hier lang geht: *Klick*




Donnerstag, 17. Juli 2014

Das "Wir"-Gefühl und der Gaucho-Tanz

Deutschland ist Fußball-Weltmeister. Vermutlich weiß es schon jeder, und trotzdem muss ich im Nachhinein ein wenig darüber sinnieren. Es gab ja bereits einige Pannen während der WM, und nun auch noch der Eklat mit dem "Gauchotanz" auf der Siegesfeier in Berlin, zu dem man den ansonsten ernsten Jogi und seine Mannen wahrscheinlich gezwungen hat. Oder korrumpiert... (O;

 

Stocksnap /Pixabay


Wie auch immer, Patriotismus ist in Deutschland eine zweigeteilte Sache und nicht besonders gern gesehen. Vor allem dann nicht, wenn sich Jogis Jungs in trunkener Feierlaune über ihre sportlichen Gegner lustig machen. Ich habe die Fernsehübertragung der Feier nicht angesehen, finde es aber durchaus legitim, ein wenig Schadenfreude über die zuvor siegessicheren Argentinier auszuschütten. Umgekehrt hätten das Messi und Co. evtl. auch getan, und niemand hätte deswegen die Hände gerungen oder einen empörten Aufschrei fahren lassen. Im Gegenteil, das argentinische Volk hätte gelacht und sich darüber gefreut, die unbeugsamen Teutonen besiegt zu haben. Und Diego Maradona am lautesten.

Moment mal. Das Volk? Hat nicht die Mannschaft gespielt und im Schweiße ihres Angesichts Pokal und Titel errungen? Das sind doch nur elf, bestenfalls dreiundzwanzig...? Ja, natürlich. Aber wir haben schließlich vier Wochen lang gespannt mitgefiebert, gegrölt und angefeuert, wir, das Volk. In jedem Land.

Meine russische Brieffreundin hat mir nach dem Finale geschrieben und mich euphorisch beglückwünscht. Deshalb sind auch *WIR* Weltmeister.

Bei der vollmundigen Behauptung muss ich jedes Mal ein bisschen grinsen. Ich freue mich für Jogi Löw und seine Buben, hatte ein paar vergnügliche und oft auch nervende Momente vor dem TV (denn ich habe mich mehr in Fußball involviert als ich ursprünglich wollte), aber ich fühle mich darum noch lange nicht als Weltmeister. Vielleicht fehlt mir das "Wir"-Gen. Das Gefühl, sich mit etwas oder einer Gruppe völlig solidarisch zu erklären, das hat nicht jeder. Nicht einmal während einer WM. Meine Maxime war, dass das Bessere gewinnen möge. Und der Beste war nun mal Deutschland, ob mir das passt oder nicht.

Auch liegt in der Tat gerade im Fan-Sein die Gefahr, sich den anderen überlegen zu fühlen. Das fängt im Kleinen an und zieht unter Umständen Kreise. Man ist ja so viel stärker in der Gruppe und außerdem etwas Besonderes. Was, wenn einer mit der hirnrissigen Ideologie einer überlegenen Rasse kommt und alle anderen ansteckt wie vor knapp neunzig Jahren? Versteht mich recht, ich bin kein orakelnder Pessimist. Ich habe nichts gegen fahnenschwenkende Patrioten und jubelnde Fans. Solange es dabei bleibt. Doch die Geschichte hat nicht nur in unserer düsteren Vergangenheit von 1933 - 1945 gezeigt, wohin Selbstüberschätzung und Überheblichkeit führen können. Gerade in Stadien findet man immer wieder abschreckende Beispiele und Gesichter von Faschismus. Ist es Zufall, dass die Kampagne "Say No to Rassism" gerade bei Fußball-Ereignissen groß ins Bild und auf Werbebannern eingeblendet wird?

In diesem Sinn betrachte ich den "Party-Patriotismus", wie es in der Presse so schön heißt, mit gemischten Gefühlen. Jeder sollte das Recht dazu haben, stolz zu sein auf sein Land und andere Nationen auch mal ein bisschen durch den Kakao zu ziehen, solange es ohne Konsequenzen bleibt und niemandem schadet. Aber wachsam sollte man bleiben, gerade in unserem Land. Auch wenn ich die Schlagzeile "Ekelhafte Nazis" mehr als ekelhaft melodramatisch finde.






Sonntag, 13. Juli 2014

Der Mann in der eisernen Maske (1998)

Auch wenn er nicht explizit unter meinen Lieblingsfilmen aufgeführt ist - dieser gehört definitiv dazu! Das ist kein Zufall. Meine Vorliebe für sogenannte Swashbuckler-Filme wurde schon früh gesät: Im zarten Alter von fünf oder sechs Jahren durfte ich spät abends wachbleiben, um mir eine uralte, noch in schwarzweiß gedrehte Musketier-Verfilmung anzusehen. Piraten- und Abenteuerfilme taten ein übriges, mein Interesse für das ausgestorbene Genre Kostümschinken zu wecken, das Ende der 1990er Jahre ein Revival erlebte. 




 "Der Mann in der Eisernen Maske" mit einem fantastischen (noch jungen und fast ätherisch schmalen) Leonardo DiCaprio in einer Doppelrolle als König Louis und dessen eingekerkertem Bruder Philippe ist für mich nicht nur wegen dem illustren Cast überragend, sondern auch, weil er trotz markiger Sprüche und teils plumpen Altherrenwitzen auf Kosten eines weinerlichen Gerard Depardieu die einzige jüngere Verfilmung nach Alexandres Dumas' Klassiker ist, die für mich nicht lächerlich wirkt. Allein die Idee, die drei ausgemusterten Musketiere Artos, Portos und Aramis ins Rentenalter zu verbannen und sie ein bisschen neidisch auf den noch agilen D'Artagnan schielen zu lassen, der zur Leibgarde des Königs avanciert ist, finde ich originell.

Neben dem zuweilen etwas  feucht-derben Humor besticht der Film mit einer ordentlichen Portion Heldenmut, Dramatik und einer großen Romanze zwischen der Königin und ihrem loyalen Hauptmann D'Artagnan in einem opulenten Setting. So stelle ich mir lohnenswerte, verregnete Sonntagnachmittage oder abendliches Popcorn-Kino vor. Na gut, John Malkovich übertreibt es in der Originalfassung mit dem gekünstelten, angehaucht französischen Akzent, aber eigentlich verzeihe ich ihm das gern. So wie die gelegentlich recht auffälligen Pappmacheekulissen und ein paar dick aufgetragene Momente, die durchaus ihre Berechtigung haben und mitten ins Herz treffen.

Ich kann ehrlich sagen, dass mich das Ende jedes Mal zu Tränen rührt. Ich meine, wer muss nicht heimlich oder gedanklich zur Kleenexbox greifen, wenn im Showdown offenbar wird, was sich durch den ganzen Film zieht und sich herausstellt, dass der Titelheld ein ganz anderer war als der unter entwürdigenden Umständen gefangengehaltene Bruder des skrupellosen Königs?

Sicherlich ist dieser Film kein Meisterwerk oder ein Klassiker. Schon gar nicht in der Filmografie der Hauptakteure (allen voran der von Leonardo DiCaprio, der sich heute vermutlich für die seichte Unterhaltung am liebsten in Grund und Boden schämen würde). Dennoch kann ich ihn mir immer wieder anschauen und finde ihn immer wieder anrührend, charakterstark, psychologisch ausgefeilt und atemberaubend zugleich.

Bewertung: Ein Must See für Jungs und Mädels jeder Altersklasse. ACHTUNG: Taschentücher bereithalten!


👍👍👍👍👍

Freitag, 11. Juli 2014

Branko, Finn und Tino lernen Hochdeutsch

Mein Roman "Ausnahmsweise doppelgleisig" wurde vor kurzem noch einmal überarbeitet. In dem Buch geht es um einen Münchner Arzt  und seinen *Schutzengel* Seraphin, der versucht, den in der Scheidung begriffenen Branko auf das richtige Gleis zurückzuführen, sprich die Trennung von dessen Frau Annika und der kleinen gemeinsamen Tochter zu verhindern. Dabei lernt er u. a. Brankos Freund Tino kennen, der das Herz auf dem rechten Fleck, aber auch einen ausgeprägten bayerischen Dialekt hat.

Ich mag ja Bayrisch. Als verhinderte Rosenheimerin, Bergfex und Weißwurstzutzlerin gehört für mich auch die Sprache zur authentischen Idylle des Freistaats. Allerdings habe ich festgestellt, dass es gerade für meine Leser nördlich des Weißwurschtäquators nicht immer ganz einfach ist, der wörtlichen Rede im Roman zu folgen, in der auch ein paar Eigenheiten der "Südländer" zum Tragen kommen wie zum Beispiel der Artikel vor einem Namen ("Der Branko", "Der Herr Schuster"). Für uns hier selbstverständlich im Alltag. Es wirkt schon fast ein bisschen *posh*, wenn im hiesigen Umfeld jemand sagt: "Gestern habe ich mit Christine telefoniert." Aber eben nur im gesprochenen Wort.

Es leuchtet ein, dass in Gegenden, in denen diese Eigenheiten nicht üblich sind - und vielleicht sogar vereinzelt dort - der Lesefluss durch eine im Schriftdeutsch eher ungewöhnliche Ausdrucksweise gestört werden könnte. Ich kann schließlich auch kein Plattdeutsch, und ehrlich gesagt, die Mundartromane um den Münchner Kommissar Kajetan von Robert Hültner überfordern selbst mich trotz angehängtem Glossar hin und wieder. In Büchern erwartet man als Leser in den wenigsten Fällen lokalkoloritischen Dialekt, es sei denn, man ist Mundartforscher oder sucht gezielt danach.




Darum erscheint "Ausnahmsweise doppelgleisig" nun im neuen Gewand, und zwar sowohl inhaltlich als auch äußerlich, denn mit dem bisherigen Cover war ich nie so recht glücklich. Die dreiteilige Wendeltreppe ließ mehr an einen klassischen Krimi denken als an eine etwas abgedrehte, humorvolle und tiefsinnige Familiengeschichte. Der neue Einband zeigt schon eher, worum es geht. Andeutungsweise zumindest, denn der darauf abgebildete Marmorengel spielt in der Handlung eine kleine Rolle. Er gefällt mir auch vom Gesamteindruck viel besser.

In Kürze wird die Printausgabe mit diesem Cover erhältlich sein; das "ins Hochdeutsch übersetzte" ebook gibt es bereits auf Amazon. Der Charme der Geschichte ging mit dem Einbüßen des Dialekts übrigens nicht flöten. Hoffe ich.^^




Dienstag, 1. Juli 2014

Mal Hü, mal Hott und Sapperlot! Deutschland im Viertelfinale

Kaum eine Stunde vergeht, in der ich derzeit nicht über Fußball-Schlagzeilen stolpere. Und das in merkwürdig ambivalenter Form.

 

jorono / Pixabay

"Das verstehen wir nicht, Jogi Löw!", "Was war das denn für ein Freistoß? - Thomas Müller erntet Spott und Häme", "Warum wir wackeln - zehn Analysen der deutschen Elf".

Oder: "Unsere Ballkünstler am Zaubern", "Warum wir Weltmeister werden müssen", "Der Titel ist Deutschland sicher!"

Bei einer so wankelmütigen Presse und ebensolchen Fans macht Jogi Löw zu Recht ein skeptisches Gesicht (aber wann macht er das eigentlich nicht?). Ehrlich, trotz Millionengage und Ruhm würde ich mit ihm oder seinem Team nicht tauschen mögen.

Ich gebe zu, das gestrige Spiel Deutschland - Algerien habe ich verfolgt und fand es ebenfalls nicht berauschend, und die Hopser von Müller auch ziemlich albern. Grazie und undurchschaubare Tricks habe ich allerdings auch nicht erwartet. Tatsächlich waren für mich die wechselnde Bandenwerbung und vor allem Jogis offensichtliche Aufregung am Spielfeldrand ungleich interessanter. Man sieht ihn ja sonst eher mit stoischer oder - wie gesagt - skeptischer Miene. Meiner Meinung hat der algerische Torwart eine mindestens genauso beeindruckende Leistung gezeigt wie der ständig gepriesene deutsche Keeper, und dennoch ist das kein Grund, dessen Stürmer- und Verteidigerkollegen niederzumachen, wenn sie das gegnerische Tor nicht treffen oder einen Sieg einfahren, bei dem das Ergebnis beruhigender ist als der steinige Weg dahin (Stichwort Xavier Naidoo).

Deutschland hat das Viertelfinale erreicht - was wollen Fans und Presse mehr? Für geschmeidigen und tänzerischen Fußball und extrem raffinierte Aktionen war das deutsche Team nie bekannt, das ist kein Geheimnis und wohl zu einem Teil Mentalitätssache. Muss man es zu etwas hochstilisieren, dessen Ansprüchen das Teutonentum nur höchst selten gerecht wird? Spielerische Eleganz, Leichtigkeit und ausgefeilte Strategien klingen toll im Fachjargon, aber nur weil die Mannschaft noch recht jung ist, bedeutet das nicht automatisch, dass sie diese "Zauberkünste" auf Kommando aus dem Ärmel schüttelt. Außerdem hat jeder (oder auch elf Männeken im Kollektiv) mal einen schlechten Tag.

 

heibe /pixabay



Obwohl es mir letztendlich egal ist, wer den Titel und den ollen Pokal holt, bin ich jetzt, nach dem frühzeitigen Ausscheiden von Portugal, für mein Heimatland (trotzdem wird mich niemand "Schland" röhren oder sogar flüstern hören...). Wegen Jogi und seinem Friseur. Und weil ich der unkenden und launischen Pressefritzen und Fans einfach überdrüssig bin.





Samstag, 28. Juni 2014

Nostalgie ~ Nintendo 64, Tetris, Super Mario und Donkey Kong

Eigentlich bin ich überhaupt kein Zocker - heute noch weniger als früher. Computerspiele langweilen mich schnell, auch wenn sie immer raffinierter und vielfältiger werden. Aber ich erinnere mich mit ein bisschen Wehmut an meine erste Begegnung mit dem italienischen Klempner Mario: wir haben die Party und das Cart unter Kichern und Kreischen bei Freunden entdeckt, und da wir sozusagen auf das Haus aufpassten, konnte uns niemand die Regeln erklären. Spaß hatten wir trotzdem, und Zufallstreffer wie das unwillkürliche Abfeuern eines Schildkrötenpanzers haben umso mehr zu unserer Gaudi beigetragen.

 

ninosouza /Pixabay


Und weil es so witzig war und wir eine so schöne Zeit dort hatten, haben wir uns entschlossen, selbst eine Konsole zu kaufen. Das war - merkwürdig eigentlich, dass mir das so ging - ein bisschen peinlich. Ich dachte damals, Nintendo und Super Mario sei nur etwas für Kinder.  Und selbst wenn es so gewesen wäre, ist das kein Grund, sich geduckt an die Ladentheke zu schleichen und zu hoffen, dass dich niemand erkennt, wie du verschämt deine neueste Errungenschaft unter den nahezu erwachsenen Arm klemmst.

Wie auch immer, unsere Spielesammlung wuchs. Es kommt mir komisch vor, dass man noch mit DM bezahlt hat und die Spiele mitunter locker hundert umgerechnete Euro gekostet haben, wie zum Beispiel das innovative "Donkey Kong", das diesen Preis sicherlich wert war. Da sieht man mal, wie die Wirtschaft und vor allem das Kaufverhalten sich gewandelt hat. Heute ist man kaum noch bereit oder fähig, diesen Betrag für einen *Luxusartikel* hinzublättern, was Computerspiele zweifelsohne sind. Zwar sind die Preise für unbenutze Nintendo-Spiele heuer genauso hoch oder höher, doch da die Konsole selbst nicht mehr hergestellt wird, liegt definitiv ein Sammlerwert vor.

Meine Lieblingsfigur in der MarioWorld war Marios Bruder Luigi, den ich beim Cart-Fahren ausgewählt hatte und der zu meiner Standardfigur wurde. Die komplizierten Spiele wie Donkey Kong und Banjo & Kazooi erlebten mich hauptsächlich als anfeuernden Zuschauer, denn meine bessere Hälfte besaß die besseren Nerven und geschickteren Hände. Das war nicht einmal ein Opfer, denn gut unterhalten habe ich mich auch so. Außerdem durfte ich hin und wieder auch mal ran.

Neulich habe ich die Konsole nach über zehn Jahren wieder aus dem Schrank geholt und angeschlossen. Sie funktioniert tatsächlich noch einwandfrei, und alle Spiele ebenfalls. Ich kann gar nicht beschreiben, was das für ein seltsames Gefühl war. Irgendwie hat es mich direkt ein bisschen in die Zeit zurückversetzt, als das Leben fast noch so rosarot war wie das Schloss von Prinzessin Peach, obwohl die Pixel in Super Mario so groß schienen wie Legosteine. Mit Tetris habe ich mich länger aufgehalten und dabei zwei Ränge von meinem alten, gespeicherten Spielstand verloren. Macht aber nichts. Ich habe das Nintendo drangelassen und kann jetzt wieder üben, wenn ich Lust und Laune habe. Verkaufen, wie ich es ursprünglich geplant hatte, werde ich die Konsole nicht. Ein bisschen Platz für Nostalgie muss sein.





Montag, 23. Juni 2014

The Imitation Game ~ Bio-Pic mit Benedict Cumberbatch über Entschlüsselungsgenie Alan Turing

Warum spielt Benedict Cumberbatch eigentlich überdurchschnittlich oft verkopfte Genies, wo er doch privat ein ganz Lieber ist und mal gerne in einer romantischen Komödie auftreten würde? Ich verstehe das nicht so ganz, könnte man dem Mann doch hin und wieder erlauben, seine Wandlungsfähigkeit auszuleben. Immerhin hat er offenbar in der Tragikkomödie "August: Osage Country" überzeugend den liebenswerten *Dorftrottel* gespielt, und das auch noch vor Aufregung zitternd an der Seite von Grande Dame Meryl Streep. Respekt und Bonuspoints!

Mitte November reiht sich neben Sherlock Holmes, Julian Assange und Stephen Hawking ein weiteres mathematisches Wunderkind in seine Filmografie ein: da startet "The Imitation Game" in den Kinos, eine Biografie über den englischen Wissenschaftler Alan Turing (1912 - 1954), der nicht nur die deutsche Enigma im zweiten Weltkrieg dechiffrierte und am ersten Entwurf eines Schachcomputers bastelte, sondern auch Apple zu ihrem Logo inspiriert hat. Tief depressiv und aus Verzweiflung über seine aufgezwungene Hormonbehandlung bzw. Sterilisation, der er sich aufgrund seiner Homosexualität unterziehen musste (wie grausam!) soll sich der bekennende "Schneewittchen"-Fan mit einem Cyanid versetzten Apfel umgebracht haben. 
 

Pixabay /skeeze

 
Die Geschichte hinter dem Logo ist laut der Firma nur ein Gerücht, aber wenn sie nicht wahr ist, so ist sie doch gut erfunden und wäre marktstrategisch auch nicht unklug. Denn ehrlich - wer will schon einen wahllos angebissenen Apfel kaufen? Dann lieber einen, der die Henkersmahlzeit eines neuzeitlichen, wenn auch wenig bekannten Pioniers war. Alan Turing wurde übrigens posthum eine königliche Entschuldigung für die Sterilisation ausgesprochen.

Den Film werde ich mir ansehen. Schon allein deshalb, weil Bennys klassisch nostalgischer Herrenhaarschnitt und die Hosenträger so unheimlich sexy sind. An sich mag ich solche deprimierenden Filme nicht so sehr, in denen die Protagonisten am Ende ins Gras respektive in vergiftete Äpfel beißen, und die Themen Informatik und Spionage kommen mir obendrein ziemlich trocken vor. Darum habe ich auch auf "The Fifth Estate" verzichtet, obwohl ich mich mit Fug und Recht als Cumberbabe bezeichnen darf.

Leider wird meine Vorfreude nicht nur durch die kopflastige Thematik getrübt: Keira Knightley, die toughe Piratenbraut aus "Fluch der Karibik" spielt die weibliche Hauptrolle (muss das überhaupt sein? Im "Imitation Game" geht es doch offensichtlich um Männersachen). Es geht mir nicht mit vielen Schauspielerinnen so, aber einige finde ich einfach überschätzt und ihr Spiel nervig und over the top. Keira Knightley gehört zu ihnen.

Aber ach, ich habe eben eine Schwäche für gutaussehende britische Gentlemen. Und für Benedict Cumberbatch im Besonderen.



Samstag, 21. Juni 2014

In Treatment ~ Preisgekrönte US-Serie mit Gabriel Byrne

 Als jemand, der zwar gerne Serien schaut, aber mitnichten ein Junkie selbiger ist, ist es nie leicht, eine Serie zu finden, an der ich dranbleibe bzw. die mich interessiert. Am liebsten mag ich natürlich TV-Shows, in denen meine Lieblingsdarsteller ihr Können beweisen und möglichst oft zu sehen sind. Außerdem sollten sie einige Qualitätsansprüche erfüllen wie knifflige Puzzles, psychologische Raffinesse, kein Schenkelklopfer-Humor, Drama und einer gewissen Tiefe nicht entbehren, soweit die bei Serien möglich und nötig ist; berieseln lasse ich mich anderswo. Alle diese Kriterien finde / fand ich in einer guten Mischung bei "Sherlock", "House MD" und dann doch mehr in Klassikern und Evergreens wie "Bonanza" und "Unsere kleine Farm". Letztere zwei tragen zu Unrecht das Label *Heile-Welt-Serie*, denn es geht dort in vielen Episoden ordentlich ans Eingemachte.

 


Neu entdeckt habe ich "In Treatment" aus dem Jahr 2008 mit Gabriel Byrne, der seit Jahren zu meinen Favoriten unter den Schauspielern zählt und für mich nicht nur aufgrund seines guten Aussehens den noch so schlechtesten Film sehenswert macht. In besagter Serie, die auf einem israelischen Format basiert, spielt er den Psychologen Paul Weston (und das - aw! - immer noch mit dem charmanten irischen Akzent), und ich war spätestens nach der dritten Episode hin und weg und hätte mich sofort freiwillig therapieren lassen von einem so attraktiven Doktor (geschmunzelt habe ich ja über die obligatorische Kleenex-Box auf dem Tisch zwischen Seelenklempner und Patient).

Jede Episode ist ca. 25 Minuten kurz, und es passiert nicht viel außer Patientengespräche, in denen Paul ziemlich gefordert, manchmal provoziert und - surprise, surprise! - sogar von einer sexy Endzwanzigerin begehrt wird, die ihn und seine Eheprobleme bald durchschaut. Actionfans werden meine Begeisterung nicht so wirklich nachvollziehen können. Dr. Paul Weston hört zu, stellt Fragen und kreuzt in einer typischen Handbewegung die Finger vor dem Mund. Man ist sozusagen mittendrin in den Sitzungen und erlebt trotz des ruhigen und kammerspielartigen Aufbaus der Serie einige Überraschungen. Die Patienten lernt der Zuschauer in den ersten Folgen einzeln in Pauls Sprechzimmer kennen. Sie tauchen zu einem späteren Zeitpunkt (der nächsten Sitzung nach ca. vier Folgen) wieder auf, um von ihren Fortschritten oder Rückschlägen zu erzählen. Nicht immer ist Paul dabei so neutral, wie man es von einem professionellen Psychiater erwartet. Tatsächlich lässt er am Ende einer anstrengenden Woche Frust bei seiner Mentorin und früheren Ärztin Gina ab (Diane Wiest, die freundliche Avon-Beraterin aus "Edward mit den Scherenhänden"), denn auch Seelenklempner sind nur Menschen.




In Deutsch ist die Serie meines Wissens nach nicht erhältlich, obwohl ich recherchiert und herausgefunden habe, dass sie eine Zeit lang auf 3sat lief - vielleicht mit Untertiteln. Eigentlich ist es ja auch viel schöner, dem melodiösen Akzent von Mr. Byrne zu lauschen; irgendwie macht ihn das als Psychiater noch anziehender.^^

Die zweite und dritte Staffel stehen jedenfalls schon auf meinem Wunschzettel. Ich will unbedingt wissen, wie es mit der rebellischen sechzehnjährigen Sophie (toll gespielt von der Australierin Mia Wasikowska) weitergeht, die mit zwei durch einen Autounfall verursachten Gipsarmen in Pauls behaglich-wohnliche Praxis kommt und der die Mutter und Sozialarbeiter Selbstmordtendenzen attestieren, die sie vehement abstreitet. Bin gespannt, ob Dr. Weston sie knacken kann, bevor sie ihn mit einer unvorhergesehenen Aktion in Teufels Küche bringt oder vielleicht gar nicht mehr zum vereinbarten Termin erscheint. Teenager sind ja bekanntlich unberechenbar, Weltschmerz hin oder her. Apropos unberechenbar: bei der heißen Laura (Melissa George) wird es nicht lange dauern, bis sie Paul um den kleinen Finger gewickelt hat...

Für mich ein wirklicher Geheimtipp mit überzeugenden Schauspielern und lebensnahen Geschichten. Schade, dass "In Treatment" nach der dritten Staffel eingefroren wurde. Andererseits ist das Konzept auf Dauer wahrscheinlich nicht der Quotenrenner gewesen.

EDIT am 26. Juni: Hier ist übrigens meine Lieblingsszene (Spoileralarm!): *Klick*



Donnerstag, 12. Juni 2014

Fußball-WM in Brasilien, (fast) ohne mich

Ayayayayaiiii, Futebol, eu gosto!

Schon Monate vorher wurde die größte Schlafmütze spätestens beim Kauf einer KINDER Riegel-Packung darauf aufmerksam gemacht, dass wieder eine Weltmeisterschaft ins Haus steht, wenn man nicht zuvor von einem schwäbelnden Guido Buchwald a. D. beim Schlendern durch die Einkaufskorridore zum Grillen aufgefordert wurde, der auch noch für das leibliche Wohl im Wohnzimmerloft oder Garten sorgt.

StockSnap / Pixabay
 

Es ist nicht so, dass ich generell uninteressiert bin, wenn 20 durchtrainierte Jungs einem Ball hinterher rennen. Ab und zu schaue ich mir gern mal richtig prollig mit einer Bierflasche in der Hand und den Füßen auf dem Tisch ein entspanntes Spiel an und kommentiere abgeklärt profimäßig "ABSEITS!" Wann das verbrochen wird, hat mir mein polnischer Freund Marek vor Jahren mit Salz- und Pfefferstreuer erklärt, als er noch nicht so gut die hiesige Sprache sprach. Die wortlose Demonstration war so eindrücklich, dass sie bis heute nichts an Nachhaltigkeit verloren hat.

Aber irgendwie bin ich beim Fußballgucken wählerisch. Seit Figo (die Älteren erinnern sich!) bin ich Portugal-Fan. Ronaldo und Co. drücke ich auch dieses Jahr wieder die Daumen. Nicht kräftig, aber ich würde mich schon freuen, wenn Portugal den Titel holen würde. So gewöhnungsbedürftig und manchmal eingebildet wie Cristiano wirkt, hat er offenbar ein großes Herz. Erst neulich las ich von einer guten Tat von ihm, um die der Star selbst so gar keinen Wirbel gemacht hat, als er die lebensnotwendige OP für den Sohn eines Fan-Paares finanzierte, das ihn schriftlich um ein signiertes Trikot oder etwas ähnliches bat, das sie zugunsten der OP versteigern würden. Was sich dann natürlich erübrigte. Klar, er schwimmt in Geld, und eine OP zu finanzieren, ist ein Klacks für einen Profisportler, darum aber noch lange keine Selbstverständlichkeit. Schon allein deshalb ist er mir sympathisch. Der alte Figo hat verschissen, seit ich mit Entsetzen lesen musste, dass er aus purem Aberglauben eine schwarze Katze überfahren hat.

 


Bisher fand vor meinem Haus seit ein paar Jahren ein "Public Viewing" mit durchschnittlich ca. 300 Fans statt. Nun habe ich mich endlich damit angefreundet, und man stellt es für diese WM einfach ein! Ich weiß den Grund dafür nicht, vermute aber mal, dass der Aufwand sich nicht lohnt, wenn das deutsche Team wie in der letzten WM (EM?) schmachvoll schon nach dem dritten Spiel das schweißnasse Handtuch wirft (Jogi Löw tat mir leid). Kneipen haben sicher mehr von grölenden Fans, wenn vor lauter Schreien die Kehle rau wird und geölt werden muss. Und ich habe meine Nachtruhe und keinen Pisspott als Garten. Das ist doch auch was.


Wie gesagt, ich bin kein großer Fan vom runden Leder und dem Hype, der um Sport-Events gemacht wird, wie übrigens die meisten in meiner Familie und Umgebung (muss ein Gen-Defekt sein. Außerdem werde ich bestimmt ein paar Follower verlieren als abtrünnige Patriotin^^). Und die Billionen zum Bau der Stadien hätte man besser anlegen können, ganz zu schweigen von der Rodung des Regenwaldes, die zuvor durchgeführt wurde. Will aber nicht mit dem moralischen Zeigefinger wackeln und wünsche allen viel Spaß, die sich nicht von hilfsbereiten Medizinern in ein künstliches Koma versetzen lassen (*g*), um die fußballverrückten Wochen zu überstehen... das eine oder andere deutsche Spiel werde ich mir übrigens wohl auch ansehen, wenn es meine Zeit erlaubt. Denn Mats Hummels ist eigentlich auch ein ganz Netter.






Dienstag, 10. Juni 2014

Erste Gehversuche mit Acrylfarben

Nachdem wir in unserem KUNSTraum und in Workshops mit verschiedenen Materialien von Bleistift über Kohle und Pastell bis hin zu Gouachefarbe experimentiert haben, war für mich heute die Acrylfarbe dran. Anfangs war ich zögerlich und wusste nicht recht, ob ich es tatsächlich wagen soll: Gouachen basieren auf einer älteren, aber etwa gleichen Rezeptur, in der Ei statt künstliches Bindemittel verwendet wird. Sie sind daher von ähnlicher Konsistenz und waren mir nie sonderlich sympathisch. Irgendwie kamen sie mir bei jedem Arbeiten so störrisch vor, als hätten sie ein Eigenleben und würden darauf bestehen, genau das zu tun, was ich nicht wollte.




 Aber schließlich haben sich meine Spontaneität und mein *Mut* doch bezahlt gemacht, und ich glaube, die Gouache und ich hätten ehemals einen besseren Anfang haben können, wenn ich sie richtig behandelt bzw. mehr verdünnt hätte. Mit den Acrylfarben (Weiß, Gelb, Rot und Schwarz) ging das eigentlich relativ automatisch, da ich zunächst die Fläche grundiert habe. Vorher habe ich mit Kohle im Blinde-Kontur-Verfahren auf meine Malpappen skizziert.




Die Motive dazu fand ich im Atelier und zu meinen Füßen - das letzte Bild zeigt ursprünglich meine gegenwärtig getragenen Flipflops, aus denen eine Art angehöhlte Melone wurde, wahrscheinlich, weil ich die gerade so gerne esse.^^ Insgesamt bin ich zufrieden mit meinen ersten Versuchen, auch wenn ich mir die Melone morgen evtl. noch einmal vornehme. Trotzdem: schon spannend, was da so alles entstehen kann.



Sonntag, 8. Juni 2014

36°C und es wird immer heißer...

Meinen Sommer liebe ich heiß und innig, und das ist wörtlich zu nehmen. Gerade sitze ich nach obligatorischem Schwimmbadbesuch, einer intensiven (wenn nicht spannenden) Lektüre und zwischenzeitigen Wechselduschen auf meiner Hollywoodschaukel und schwitze mir jeden Buchstaben aus der Tastatur, und trotzdem würde ich keine zehn Grad Minus für ein Königreich eintauschen... na ja, eventuell doch. Gestern waren wir in der deutschen Toskana Grillen und ich muss sagen, nicht nur das zarte Lammfleisch und die verschiedenen gebratenen Originalitäten von Schafskäse bis Paprika waren ein Genuss, sondern auch die Tatsache, dass wir bis weit in die Nacht im Freien sitzen konnten, ohne uns Arme oder Füße abzufrieren. Hach, das Leben ist schön.

Mein Balkon hat sich erneut in ein "Bella Italia" verwandelt, mit Portulak-Röschen, Petunien, Geranien und Ziererdbeeren in hängenden und stehenden Pötten wie einst im babylonischen Garten. Und die Kletterrosen waren nie üppiger.




Der Speiseplan *leidet* ein wenig unter der Hitze, denn ich esse dann nicht regelmäßig. Am liebsten sind mir bei großer Hitze Obst en masse (hmm... Wassermelone süß und saftig und fingerverklebende Nektarinen - gibt es etwas Besseres und Erfrischenderes bei über dreißig Grad im Schatten?), zucker- und kohlensäurefreie Mischgetränke und wenn es denn sein muss und ich wirklich Hunger verspüre, abends einen knackigen Salat mit Hähnchenfilet und Mozarella.

Ginge es nach mir, könnte das ganze Jahr über Sommer sein, mit seltenen, aber wichtigen Regengüssen und nächtlichen Abkühlungen für Mensch, Tier und Natur. Ich hoffe, das Wetter hält an und wir bekommen einen richtig tollen, heißen Sommer. Zumindest über Pfingsten bis zur Wochenmitte soll es ja so bleiben. Yay!




Sonntag, 1. Juni 2014

Leseprobe aus meinem Roman "Milan"

"Milan" ist eine meiner ersten längeren Geschichten. Die Inspiration dazu flog mich während eines Aufenthaltes in Israel an (eingedenk des völlig anderen Themas im Roman klingt das eigenartig, ist aber tatsächlich so). Während der müßigen Stunden am Strand bzw. im Toten Meer las ich ein Buch, das vom Alltag und der Wahrnehmung einer schizophrenen Persönlichkeit handelt, und irgendwie fand ich es in jeder Hinsicht faszinierend: Stil, Sprache, regelwidrige Interpunktion und Handlung waren so ganz anders als alles, was ich bis dahin gelesen hatte.

Die Idee, etwas in der Art entstehen zu lassen, auf meine ganz eigene Weise und mit eigenen Erfahrungen und Einfällen verwoben, nahm langsam Gestalt an - erst in meinem Kopf und auf Notizzetteln, dann zuhause auf dem ausrangierten Computers meines Vaters, weil ich noch keinen eigenen besaß (Zeiten waren das!). Damals habe ich die Ich-Perspektive bevorzugt und mich daher entschlossen, durch die Augen meiner Protagonistin zu schreiben.




Die Geschichte ist mit Sicherheit kein Herzschmerz oder eine Liebestragödie, auch wenn es um eine Beziehung geht. Sie erzählt von den Ängsten und Defiziten einer jungen, traumatisierten Frau, die mit einem wesentlich älteren Mann, der als Theaterregisseur arbeitet, zusammenlebt und erkennt, dass sie seinem Intellekt, seiner Erfahrung und seiner Weltgewandtheit nicht gewachsen ist und doch von ihm profitiert; zumindest solange, wie sie seine Führung benötigt, die er ihr gerne, aber nicht ganz ohne Bedingungen oder schmerzlos gewährt. Ich habe ein Faible für zerrissene und ein bisschen verrückte Charaktere. Einiges über ihre Vergangenheit findet über Gespräche in Dialogform statt, und vieles lässt Milan rätselhaft distanziert erscheinen und die Erzählerin kindlich und in starker Abhängigkeit zu der Person, von der sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben angenommen fühlt.

Obwohl die Beziehung alles andere als harmonisch verläuft und von Verlustängsten von seiten der jungen Frau geprägt ist, gelingt es Milan allmählich, ihr Selbstwertgefühl zu wecken, indem er sie (meist) so behandelt, wie sie behandelt werden möchte.

Leseprobe folgt wie immer nach "weitere Informationen".

Donnerstag, 29. Mai 2014

Almost done

Den Vatertag  / Christi Himmelfahrt habe ich dazu genutzt, an meinem Mobile weiterzuwurschteln. Ein bisschen bringe ich dafür fast so viel Begeisterung auf wie für das Schreiben. Gewütet habe ich in unserem Atelier, denn dort habe ich viel Platz und Ruhe. Die *menschlichen* Wasserbewohner sind nun fertig - die Mädels habe ich mit einem aufgestickten Lidstrich versehen, und natürlich geizen sie nicht mit weiblichen Reizen, was zu heiteren Lachanfällen in meiner Familie geführt hat. Die Mädchen werden übrigens lieber angefasst als die Kerls, da sie sich ergonomisch und mit angenehmer Haptik in die Hand schmiegen. Ich glaube zumindest, dass das der Grund ist für ihre Beliebtheit (O;

Recht tricky sind die Haare. In der Regel werden sie bei Häkelfiguren eingeknüpft, aber das lässt wenig Spielraum für verschiedene Stylings, und so habe ich die Grundfrisur mithilfe von Stecknadeln aufgefädelt, angenäht und anschließend individuell ausgeschmückt und eventuelle Lücken in der Kopfhaut mit Zusatzfäden aufgefüllt.




Ziemlich aufwändig, doch wenn man Routine entwickelt hat, geht es. Zeitraubender als einzelne Fäden einknüpfen ist die Prozedur jedenfalls nicht. Und wenn die Arbeit Spaß macht, gehört ein wenig Mühe manchmal dazu. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, und ich muss sagen, irgendwie bin ich auch stolz darauf. Vielleicht sollte ich eine Anleitung verfassen und sie für weitere Entwürfe archivieren, die dann in frühestens zehn Jahren als "Christines verrücktes Handarbeitsbuch" auf den Markt kommen.

Im Ernst, ich habe schon einige Amigurumis entworfen, dabei aber nie daran gedacht, die einzelnen Herstellungsschritte aufzuschreiben oder ich war einfach zu faul. Sollte ich mal machen. Immerhin habe ich mir bereits ein spezielles Notizbuch gekauft.

Das Foto habe ich gleich im Atelier geknipst, nachdem die letzte Schönheit (zweite von links) gekrönt wurde. Jetzt muss ich die Algen noch ordentlich fixieren, und danach gehts ans Häkeln der Unterwasserwelt, in der sich meine Meermädels und -buben tummeln. Das Ausbalancieren des Mobiles überlasse ich dann geschickteren Händen...





Mein Verbrauch an Material beschränkt sich auf vier Plastikkrönchen von Tilda, einen kompletten Knäuel Altrosa "Bravo" der Firma Schachenmayr für drei Puppen (viel - das hat mich überrascht!), ein viertel Knäuel in Bravo-Rosa für den blassen Herrn ganz links, ein paar Reste in Lindgrün und Hellgrün für die Algen, Stickgarn in Schwarz, Braun und Rot, weißer Filz für die ausdrucksvollen Frauenaugen und den Strahlemund des blonden Meermanns, Filz in Blau und Türkis für die Iris, leichtes Rouge für die Nippel, und vom blauen Effektgarn habe ich tatsächlich noch so viel übrig, dass es für einen kleinen Fisch reichen könnte.


Samstag, 24. Mai 2014

WIP ~ Work in Progress

Diesmal nur ein kurzer Beitrag bzw. eine Zwischenbilanz über die Entstehung meines Unterwasser-Mobiles, von dem ich bereits berichtet habe. Es macht mir immer noch viel Spaß, auch wenn ich glaube, dass es vom Aufwand und der Arbeit her unbezahlbar sein wird... aber ich finde immer mehr Details, die ich mit einbringen kann, so zum Beispiel die Krönchen für meine zwei mit Algen bekränzten feschen Meermänner. Ich fand es schon immer toll, in Restekisten zu wühlen, denn da kommen oft wahre Schätze zutage, für die man bisher kaum Verwendung hatte. Ich weiß gar nicht mehr, für was die süßen Kronen ursprünglich gedacht waren; auf den Häuptern meiner Amigurumis sitzen sie jedenfalls perfekt.




Jetzt sind die Seejung*frauen* dran, damit die beiden Jungs sich nicht langweilen auf Dauer. Kopfform und Fischschwanz folgen en gros demselben Entwurf, aber den Oberkörper werde ich auf weiblich trimmen, d. h. vielleicht auch ein bisschen frech machen, denn was wären Meermädchen ohne Meerbusen? (O; 

Schade, dass das Wetter schlechter geworden ist - ich häkle am liebsten draußen auf dem Balkon, wenn ich da nicht gerade faulenze oder lese.


Mittwoch, 21. Mai 2014

The name's Sherlock Holmes. And the address is 221 B Baker Street.


Was fasziniert mich eigentlich an dem neuen, hypermodernen Format der BBC-Serie "Sherlock" (Start der dritten Staffel in Deutschland am 29. Mai auf der ARD), die derzeit als eine der weltbesten Serien gilt?

 

ArtTower / Pixabay


Man könnte meinen, der letzte Abschnitt und das darin enthaltene Prädikat erklären es schon, doch  das ist bei weitem nicht der Fall. Ich habe einen recht eigenen Geschmack und finde häufig Dinge, die die meisten cool finden, uncool und umgekehrt. Zudem bin ich eher altmodisch und wurde mit der Reinkarnation des viktorianischen Meisterdetektivs zunächst überhaupt nicht warm. Allein die Idee fand ich absurd. Zu sehr waren Holmes und Watson im ausgehenden 19. Jahrhundert verwurzelt, in dem noch nicht einmal ein Visionär wie seinerzeit Leonardo daVinci an Smartphones, IPads und Internet zu denken wagte. Auch bin ich nicht unbedingt großer London-Fan oder Experte in Sachen Arthur Conan Doyle.

Ausschnitte aus den Spätnachtwiederholungen haben mich nie wirklich vom Sofa gerissen, im Gegenteil. Ich hatte irgendwie keinen Bezug zu dem, was da auf dem Bildschirm in scheinbar atemberaubender Geschwindigkeit vor mir flimmerte, verstand jeden zweiten Satz nur halb oder gar nicht und wollte mir nicht einmal die Mühe machen, die technischen Spielereien zu würdigen, die ich in nicht gar so ausgefeilter Form bereits in "House MD" gesehen hatte. Die Protagonisten - obwohl in ihrer ambivalenten Beziehung zueinander angelehnt an House / Wilson respektive klassischer Holmes / Watson - fand ich nichtssagend und außerdem viel zu jung. Mein Sherlock Holmes-Bild haben gestandene Gentlemen wie Basil Rathbone und Peter Cushing geprägt. Der *kleine* Holmes war dagegen eher frech, mitunter sogar zum Fremdschämen peinlich und impertinent, etwa als er auf Nikotinentzug übertrieben inhalierend an einem Klienten schnüffelt, der eben noch eine Kippe im Gesicht stecken hatte. Heute gehört diese Szene zu meinen absoluten Highlights, gemeinsam mit dem unfreiwilligen Tanz  aus The Blind Banker. Und natürlich dem Mind Palace.

Im Forum habe ich mich schließlich mal zu Wort gemeldet im entsprechenden Thema und meine nicht gerade überschwängliche Meinung zur Serie kundgetan. Das einzige, was ich bis dahin wirklich gelungen fand, war die extra komponierte Musik wie das etwas schrullige Sherlock-Theme und besonders das Gänsehaut erzeugende, bittersüß anmutende "The Woman". Das war toll. Eine moderne Serie, die auf angesagte Popsongs verzichtet und dafür orchestrale Musikgeschichte schreibt, ist schon einen näheren Blick wert. Allerdings hatte ich keine Ahnung, weshalb jeder so begeistert an der Theorie zum "Reichenbachfall" mitgerätselt hat. Man legte mir nahe, die DVDs zu kaufen, um die Serie an einem Stück sehen zu können und am besten noch in O-Ton. Das war mir ohnehin lieber, habe ich doch auch meinen gehassliebten House nur in der Originalfassung angeschaut, da die deutsche Synchro nicht selten bemüht witzig aufbereitet und somit völlig sinnentfremdet wird. Nichts gegen Synchronisation, aber das Original bleibt doch meist unerreicht.

Lange Rede kurzer Sinn, ich habe mir die DVDs tatsächlich besorgt. Und ich mochte das, was ich sah und hörte, auf Anhieb. Allen voran die samtige Stimme von Benedict Cumberbatch. Kaum zu glauben, wie mich die beeinflusst hat. Der deutsche Sprecher Tommy Morgenstern macht einen guten Job, aber eine Stimme gehört zu einem einzigen Menschen und macht ihn in meinen Augen glaubwürdig. Plötzlich wurde die Serie viel interessanter und lebendiger. Auch Nebenfiguren wie die mütterliche Mrs. Hudson und der hochnäsige Mycroft Holmes erschienen im neuen Licht. 

 

linsayascott / Pixabay


Die Serie hat es sogar geschafft, mein Interesse für den klassischen Holmes wieder zu wecken. Ich las ein paar Geschichten und fand es danach erheiternd, Parallelen und Referenzen in der BBC-Produktion aufzustöbern, die oft nur angedeutet werden. Doch gerade die geschickt versteckten Verbeugungen vor Holmes-Erfinder Conan Doyle und auch die mitunter offen gezeigte kindische und kindliche gezeigte Seite am Genie Holmes geben der Serie einen authentischeren Touch als jede Verfilmung zuvor.

Dass Benedict Cumberbatch nicht nur ein charismatischer Sherlock mit einer sexy Stimme, sondern privat auch ein sympathischer und attraktiver Mann ist, gibt einen für mich nicht unerheblichen Bonus... (O;





Dienstag, 20. Mai 2014

British food schmeckt manchmal gut

Schon gemerkt? Die britische Küche ist oft besser als ihr Ruf, wenn man von Scheußlichkeiten wie Hammeleingeweide aka Haggis absieht. Und selbst das ist für Mutige und Hartgesottene wahrscheinlich eine Delikatesse, vergleichbar mit dem vielzitierten Pfälzer Saumagen oder der bayerischen Haxn mit Semmelknödel. Mal ehrlich: immerhin kommen Spitzenköche wie der hippe Jamie Oliver von der Insel, die für ihre experimentellen Gaumenfreuden vor Mr. Olivers medialer Präsenz mehr auf den hinteren Plätzen rangierte. Doch das liegt - wie so vieles - an Gewöhnung, Gewohnheiten und Mentalität. Und wie man den "Ausländern" Ungewohntes schmackhaft macht.

Während eines Englandurlaubes habe ich über pappsüßen Kuchen gestaunt, der von nicht minder gesüßtem Custard-Pudding überschwemmt war, und trotzdem fand ich den Nachtisch nicht schlecht, auch wenn ich ihn nicht jeden Tag serviert haben möchte - nicht nur, weil es eine echte Kalorienbombe war. Die damals in Lunch-Portionen ausgeteilten Tüten Chips (landläufig "Crisps", wohl um Verwechslungen mit Fish 'n Chips zu vermeiden) mit Essig-Geschmack sind heute in fast jedem internationalen Supermarktregal zu finden und ergo keine Seltenheit mehr. Wir haben uns noch darüber amüsiert, bis uns vor lauter Säureschock nach dem ersten Biss der Mund geschrumpft ist.

Das ausgiebige Breakfast mit bacon, baked beans und verschiedenen (Blut-)Wurstsorten ist für mich nach wie vor ein Rätsel der britischen Esskultur. Obwohl ich durchaus für ein reichhaltiges Frühstück bin und Landesgepflogenheiten gegenüber aufgeschlossen (behaupte ich mal), wäre das zu früher Stunde meinem Magen zu üppig. Auch sonst gibt es einige Kuriositäten, die den Unterschied zwischen britischen und deutschen Essgewohnheiten deutlich machen. An einem Morgen saßen wir mit Walisern am Tisch, die sich darüber wunderten, dass wir *uns* wunderten, weshalb die Butter gesalzen war, wenn man doch Marmelade aufs Brot streichen will. Sie fragten uns dann sehr höflich, ob man in Continental Europe denn extra salze, worauf wir sicher noch perplexer dreinschauten als das alte Ehepaar. Gesalzene Butter gehört seit längerem, glaube ich, auch zum Standardsortiment eines Supermarktes. So ändern sich Zeiten und Geschmäcker.




Aber - oh Wunder! - neben all den deftigen und exotischen Gerichten und Nahrungsmitteln findet man in Großbritannien noch Rice Krispies, das Produkt, das ich hierzulande seit kurzer Zeit schmerzlich vermisse. Ja, es stimmt leider, wir mussten sie uns schicken lassen, denn die Zufriedenheit einzelner Kunden geht den großen Supermarktketten natürlich und irgendwie verständlicherweise am A**** vorbei. Doch ohne Crackle, Pop und Snap fängt der Tag nur halb so gut an. Das Porto ist nicht gerade von Pappe, so dass wir noch eine Einheit Hula Hoops und ein Glas Lemon Curd bestellt haben, das bedauerlicherweise nicht von Prinz Charles' Biofarm stammt, aber trotzdem köstlich schmeckt. Die Hoops sind ein Kartoffelsnack, ebenfalls sehr lecker und kommen in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen, wobei die Originalen ein bisschen fade sind.

Man tut der englischen Küche allerdings Unrecht, wenn man sie als unkulinarisch oder geschmacklos im wahrsten Sinne des Wortes verunglimpft. Denn auch vor Jamie Oliver verstanden der britische Gentleman und die feine Lady, wie man aus verschiedenen, auf den ersten Biss kaum zusammenpassenden Zutaten eine Nationalspeise kreieren und kombinieren kann, die der ohne Vorurteile behafteten und aufnahmebereiten Zunge mehr an Lob entlocken kann als nur ein "Good Lord! How very British indeed!"


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Hier bestelle ich in Zukunft öfter: British American Food

Und im Victorian House in München kann man auch außerhalb der Insel gepflegt britisch speisen. Allein die Scones sind einen Besuch wert!






Samstag, 17. Mai 2014

Tagelang ohne Internet...

... ist gewöhnungsbedürftig, aber wenn ich so überlege, nicht allzu tragisch, außer dass man sich ein bisschen rückständig fühlt. Weder litt ich unter Entzugserscheinungen noch habe ich etwas Wichtiges verpasst nur die unschönen Nachrichten, was mich beruhigt hat. Da mein PC von dem jetzt nervigen und nutzlosen Windows XP zum neuen Programm geupgradet wurde, hatte ich ihn eine Weile nicht, und so habe ich mich anderweitig beschäftigen müssen. Fast habe ich die Zeit ohne Internet genossen, denn irgendwie besinnt man sich dann wieder ein wenig mehr auf sich selbst.




Ich häkle gern. Am liebsten kleine Figuren und Maskottchen. Und ich habe eine Vorliebe für Unterwasserwelten und die darin lebenden Fantasiewesen wie Meerjungfrauen und Wassermänner. Mir kam die Idee, ein Mobile herzustellen, das aus ein paar Meeresmenschen besteht, die von Fischen und Pflanzen umgeben sind. Den Entwurf dazu arbeite ich selbst aus. Das macht Spaß, verlangt aber eine ganze Menge Konzentration und vor allem Disziplin und mathematisches Geschick, das mir normalerweise abhanden geht. Aber die Mühe lohnt sich.




Auch die Suche nach dem passenden Garn. Mir scheint, dass Glitzerwolle und Effektfaden aus der Mode gekommen sind, so dass ich in meiner Stamm-Handarbeitsabteilung nicht fündig wurde. In einem kleinen Woll-Laden habe ich der Inhaberin meinen Plan erklärt, und sie hat mir extra für den Fischschwanz der Wassermännlein ein Effektgarn in Türkis mit silbernen Lurexfäden aus einer Tüte hervorgezaubert, das sie mir zum Sonderpreis verkauft hat, weil es ein Einzelteil war. Das nenn' ich Service! Vor allem, weil wir beide glücklich waren.




So sieht das erste Exemplar aus. Das Gesicht wurde aufgestickt und die Augen mit Filz und Acrylfarbe gestaltet. Ehrlich, die Feinarbeiten nach dem Zusammennähen sind für mich nicht so prickelnd. Ich zeichne gern, aber wenn man eine genaue Vorstellung von einer Mimik hat und die nicht korrekt umsetzen kann, ist das manchmal schon ein Grund für mich, noch einmal neu anzufangen, bis ich einigermaßen zufrieden bin. Das geht auf gehäkeltem Garn nicht so leicht wie mit dem Zeichenstift auf Papier. Trotzdem finde ich ihn recht gelungen. Er bekommt jetzt noch einen surferblonden Spielkameraden, und wenn ich danach noch Zeit und Muße habe, werde ich den Buben noch zwei Mädels zur Seite bzw. Flosse stellen. Für die würde ich am liebsten rosa Garn haben statt Türkis, um sie so richtig tussimäßig aufzuhübschen.
 

Ein Blick auf meine Amigurumis (Auswahl)


Witzig und zugleich ein wenig bitter ist die Tatsache, dass ich bis vor einem Jahr in meinem eigenen Laden an unentbehrliches Zubehör wie Filz, Holzperlen und Textilkleber gekommen wäre. Jetzt, da wir die Bastelabteilung nicht mehr führen, wird mir klar, welches *exklusive* Sortiment wir hatten.^^ Das nächste Bastelgeschäft, in dem ich die Filzplatten geholt habe, ist 50 km entfernt.

Mein PC ist jetzt auch wieder exklusiv - ohne aufpoppende Werbung, ohne unerwünschte Aufforderungen zu Erwachsenen-Online-Games, Mediaflash-Upgrades und Fehlermeldungen. Wie toll das ist, weiß ich jetzt ordentlich zu schätzen!