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Donnerstag, 30. September 2021

In the Pleasure Groove. Love, Death & Duran Duran ~ John Taylor

 Fast in Rekordzeit (über 400 Seiten in knapp einer Woche) habe ich die Autobiografie von John Taylor konsumiert, um nicht zu sagen verschlungen. Selten habe ich eine derart interessante und unterhaltsam erzählte Lebensgeschichte gelesen, und das sage ich nicht, weil ich als Teenie schwer verliebt war in den Autor.

 


Inhaltlich folgt das Buch dem chronologischen Aufbau einer klassischen Biografie, angefangen beim obligaten "5-Tage-die-Woche-Kirchgang" des vierjährigen Nigel mit seiner Mutter, bis hin zu einem Konzert im Jahr 2004. Somit umspannt das Buch vierzig Jahre, die sehr kurzweilig, mit Humor und manchmal auch ein bisschen schwermütig und bittersüß, aber vor allem mit Tiefsinn abgearbeitet wurden. 

Das Verhältnis zu seinen Eltern und den Bandkollegen, die im Lauf der Zeit zu einer großen Familie zusammenwachsen (auch die Eltern der fünf Jungs verstehen sich untereinander und unternehmen gemeinsame Reisen) ist besonders schön; kein einziges böses Wort gegenüber Kollegen fällt, noch ist "In the Pleasure Groove" eine Abrechnung mit den weniger tollen Momenten im Leben als Superstar, und davon gab es für John Taylor so einige. Drogen, Alkohol, die Sucht nach Ruhm, Geld und teuren, schnellen Autos brechen ihm fast das Genick und machen aus dem einst schüchternen und familienbezogenen Nigel ein nervliches Wrack.

 

1981: John, Roger & Andy Taylor, Nick Rhodes, Simon Le Bon

Als "Ex-Duranie" kam mir vieles bekannt vor, und trotzdem war es ein ganz anderes Gefühl, Ereignisse und Tatsachen aus erster Hand zu lesen, oder zu merken, dass der hübsche John eigentlich gar nicht der begeisterte Jet-Setter aus den Teenager- und Hochglanzmagazinen war, sondern am liebsten mit Menschen Umgang hatte, die wussten, wo's "lang geht" ohne ihn in seiner Kreativität zu bremsen oder einzuengen (und die ist echt beachtlich, die Kreativität! In sämtlichen Bereichen). 

Nach einigen musikalischen Ausflügen und Experimenten mit anderen Bands erkennt er, dass er am liebsten mit den vertrauten Kollegen von Duran Duran spielt und auf Tournee geht. Seine Drogensucht und Depressionen bekommt er dank einer Therapie und der unverbrüchlichen Freundschaft und dem Verständnis der Kollegen in den Griff. 

Etwas bestürzt hat mich die Oberflächlichkeit, mit der die meisten Bandmitglieder ihre Freundinnen bzw. spätere Frauen ausgesucht haben. Aber immerhin hat es zumindest im Fall von Simon Le Bon mit dem Model Yasmin Parvaneh funktioniert - beide sind seit 1985 glücklich verheiratet und haben drei Töchter.

Und irgendwie ist John Taylors Biografie auch ein Bekenntnis an das Leben, an das Schicksal, das man selbst in die Hand nehmen kann, und an den Glauben an sich selbst und Gott, den er später anders kennenlernt als in seiner Kindheit. Nämlich gütig und verzeihend statt rachsüchtig und streng. 

Fazit: "In the Pleasure Groove" hat mich auf mehreren Ebenen berührt und auch in Nostalgie entführt. Nicht nur für Fans empfehlenswert, sondern auch für Musikfreunde und zeitgeschichtlich Interessierte. Der lockere Stil und der typisch britische Humor (das Original war relativ leicht zu verstehen) sorgen für zusätzlichen Spaß. Natürlich gibt es das Buch auch unter dem deutschen Titel "Gefährlich gute Grooves". Unbedingt lesen, wer Biografien und Popmusik mag!

 

Bewertung:  💫💫💫💫💫

 

Freitag, 24. September 2021

Ich lese gerade: John Taylor ~ In the Pleasure Groove - Love, Death & Duran Duran

Ich war großer Fan der Popgruppe Duran Duran. Als solcher hat mich - obwohl ich ihre Musik heute nicht mehr höre - die Biografie des Bassisten und Mädchenschwarms der Band interessiert, die ich mir jetzt, nach inaktiven Jahren meiner Fangirlphase, gekauft habe. 

 

 

Bisher bin ich positiv überrascht: schon die ersten Seiten ließen mich eintauchen in die Geschichte der Taylors - Jean, Jack und Nigel (wie John Taylor als Kind hieß) -, so anschaulich und lebendig beschreibt John Taylor seinen Alltag in Hollywood, einem für heutige Verhältnisse spießigen Vorort von Birmingham in England. Aufgewachsen als behütetes Einzelkind, hat er Schwierigkeiten, Freunde zu finden. In der Schule wird er aufgrund seiner Brille gehänselt (wie sich die Zeiten ändern - Joanne K. Rowling sei Dank!), und außerdem ist er ein echter Nerd, der sich lieber mit Modellbau und Musik befasst statt mit schulischen Glanzleistungen - Konkurrenz und Beurteilungen, wie sie dort an der Tagesordnung sind, lehnt er intuitiv ab. 

Wissbegierig zeigt er sich vor allem zuhause bei seinen Eltern, die sich viel Zeit für ihn und seine Interessen nehmen und manche davon sogar teilen, wie die vaterseitige Liebe zu Autos (sehr zum Leidwesen des Vaters wird die Mutter nie den Führerschein machen) und Musiksendungen im Radio, das im Haus Taylor selten stillsteht. Schon morgens wacht er zu Radiomusik auf.

Sehr nett finde ich die kleinen Details und Anekdoten, mit denen er den Leser unterhält und die bisweilen auch melancholisch wirken. Etwa das Zusammengehörigkeitsgefühl in der römisch-katholischen Kirche, wenn alle dasselbe Lied singen, das der kleine Nigel und seine Mutter nur lippensynchron begleiten, weil in der Familie keiner singt, aus Angst, einen falschen Ton zu treffen. Doch Kirchenmusik ist etwas, das ihn sein Leben lang fasziniert. 

 

Was vom Fangirl übrigblieb.

 

 Man fühlt die Zuneigung und Wärme, die John Taylor als Kind erfahren hat, sogar zwischen den Zeilen. Als er zehn ist, stellt Vater Jack ihm einen collageartigen Wandschmuck zusammen, der neben dem Kruzifix als Poster aufgehängt wird: Bilder von fremden Orten und eine schwarzhaarige Schönheit auf einem schwarzen Pferd. Vielleicht hat das den kleinen Nigel mehr geprägt, als er damals ahnt, hat er als berühmter Popstar doch viele exotische Länder bereist und freie Auswahl bei der Damenwelt. 

Davon ist in seinen Kinder- und Jugendjahren wenig zu spüren. Schüchtern, kurzsichtig, linkisch und unsportlich, entspricht er in keiner Weise dem Ideal eines Sexsymbols. Aber er weiß, was er will, nachdem er mit Cousin Eddie den Glamrock entdeckt: Popstar werden. Einer, der nicht im Rampenlicht steht, aber Teil einer Band ist. Die zweite Geige ist für ihn buchstäblich verlockender als das größte Stück vom Kuchen. 

Durch einen Nachbarsjungen namens David Twist lernt er mit 13 den zwei Jahre jüngeren Nick Bates kennen, der vom Glück begünstigt zu sein scheint und Nigel in vielem voraus ist. Beide lieben David Bowie und Roxy Music - eine Musikrichtung, die Duran Duran nachhaltig beeinflusst.

Aufs Weiterlesen freue ich mich sehr, denn soviel Humor und Selbstreflektion hätte ich John Taylor nicht zugetraut. Und obendrein liest sich das Buch richtig locker, obwohl ich die englische Ausgabe besitze.



Samstag, 11. September 2021

Zwanzig Jahre 9/11. Der 11. September 2001

 Vor ein paar Jahren habe ich bereits einen Artikel zum Thema geschrieben, in dem ich berichtet habe, was ich zu der Zeit gemacht habe und ich mich so plastisch daran erinnere, als wäre es erst gewesen. Vielen, die damals schon alt genug waren, geht das so, wenn nicht allen. Regelmäßig an diesem Tag hört und liest man die Frage "Wie habt ihr den 11. September erlebt?" Die Welt schien in dem Moment stillzustehen oder unterzugehen. Irgendwie tat sie das auch. Die Welt, wie ich sie kannte, war nach dem Einsturz der Twin Towers in New York nicht mehr diesselbe.


geralt / Pixabay

 Die Nachwirkungen (die bis heute spürbar sind), haben wir vor allem als Einzelhandelsgeschäft erfahren. Lange wollten wir es nicht wahrhaben, bis wir 2013 dann einen radikalen Schluss-Strich zogen und den Laden zumachten. Ich träume manchmal übrigens immer noch davon, hinter der Theke zu stehen und die Kunden zu beraten, die im Traum in Scharen kommen.

 Aber auch privat und in Punkto Sicherheit hat sich einiges geändert. Mir kommt es vor, als sei man nicht mehr so unbeschwert wie vor dem 11. September. Und als sei das mittlerweise akzeptiert und normal geworden. Vielleicht ist das nur mein persönlicher Eindruck und altersbedingt (ich war damals noch jung), doch unbestritten ist, dass Veränderungen eingetreten sind - nach meiner Meinung keine positiven. An Verschwörungstheorien, die immer noch hartnäckig aufrechterhalten werden, glaube ich nicht. Es war ein perfides Verbrechen, das begangen wurde an unschuldigen, nichtsahnenden Menschen. An Helden wie den Rettungskräften und den beherzten Passagieren, die verhinderten, dass die Terroristen mit der Flugmaschine ins Pentagon einschlugen und die dabei ihr Leben ließen.

 

Wikilmages / Pixabay


Was es alles bedeutet hat, wurde mir erst ziemlich viel später klar. Politisch und wirtschaftlich hat der Anschlag einen Riss in die Welt getrieben. Unruhe gestiftet, die es zwar schon immer gab zwischen Völkern, die aber jeden betraf / betrifft, der Augen und Ohren offenhält. Der 11. September war der Wendepunkt zu einer Entwicklung, die demokratische Rechte und die Grundsätze der westlichen Welt mit Füßen tritt. Darum sprießen nun Stilblüten im gesellschaftlichen Miteinander, die teilweise überflüssig sind und das, was man "Luxusprobleme" nennt. So sehe ich es zumindest. 

Mir hat die alte Skyline mit dem World Trade Center von Manhattan übrigens besser gefallen als Ground Zero. Auch deswegen, weil ich im Internet kaum mehr Fotos gefunden habe, die ich für meinen New York-Roman hätte verwenden können, der Mitte der 1990er angesiedelt ist.