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Samstag, 1. Mai 2021

Duran Duran und JoSi ~ eine Freundschaft fürs Leben


 Ich bin ja zugegebenermaßen von Männerfreundschaften fasziniert. Besonders von solchen, die ein Leben lang halten und von zwei grundverschiedenen Typen gepflegt werden. So wie die zwischen den Musikern Simon Le Bon und John Taylor, ihres Zeichens Frontmann bzw. Bassist der englischen Popgruppe Duran Duran aus Birmingham. Früher war ich Fan von ihnen und habe immer geglaubt, dass die beiden sozusagen Rivalen um die Gunst ihrer weiblichen Anhänger seien; waren doch sowohl der charismatische Sänger Simon als auch der schüchterne, hübsche und niedliche John häufig auf Solo-Postern in einschlägigen Teeniemagazinen abgebildet. Und in der Tat kam ihr Verhältnis eher unterkühlt rüber in den öffentlichen Medien und Zeitschriften. Während ihrer Soloprojekte "Arcadia" und "Powerstation" gingen sie getrennte Wege, wenn John auch im Videoclip zu "The Flame" einen Gastauftritt hat.

 Ich fand die angebliche Rivalität bedauerlich, denn ich mochte beide recht gern und hätte mir gewünscht, sie würden sich ebenso mögen. Da gingen oft ein wenig die Teenagerphantasien mit mir durch. Und jedes Schulterklopfen, Ins-Ohr-Geflüster und Umarmen in Videoaufnahmen oder auf Konzerten wurde mit Freuden und einem quietschenden "Wie süüüüß!" zur Fangirl-Kenntnis genommen.

Erst später, als es mich schon nicht mehr wirklich interessierte, erfuhr ich eher zufällig im Internet, dass es bei den zweien sozusagen von Beginn ihrer Bekanntschaft im Frühjahr 1980 bis heute *prickelt*. Für Le Bon war Taylor "der schönste Mann, den ich je gesehen hatte". In schlaflosen Nächten sann er darüber nach, wie er den unnahbaren Nigel erobern könnte. Mit Mädchen "war das ja etwas ganz anderes". Doch eigentlich waren die schlaflosen Nächte umsonst um die Ohren geschlagen, denn den von Minderwertigkeitskomplexen geplagten, ernsten Nigel John Taylor ließen die Gegensätzlichkeit des extrovertierten Londoner Schauspielstudenten und dessen ungewohntes Interesse an seiner Person regelrecht aufblühen und gaben ihm wohl auch ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein. 

 

Die Sing Blue Silver Tour 1983/84

 

Le Bon schrieb Songs für Taylor ("Hold back the Rain"), wenn es ihm schlecht ging und er sich zum Heulen fühlte, was oft der Fall war, weil er mit dem Megahype nicht zurechtkam, den Duran Duran in den 1980er Jahren als erste "neue" Boy-Band und Lieblingsgruppe von Prinzessin Di auslöste. Ob zu Recht, mag ich heute nicht mehr beurteilen. (O; Obwohl ich ein paar ihrer schrägen, unverwechselbaren Lieder immer noch gern höre, vor allem das innovative Debütalbum, kommt mir meine Schwärmerei von damals übertrieben vor und wie aus einem anderen Leben (der einzige Trost ist, dass es bestimmt nicht nur mir so geht).


 

Auch Kleidertausch und Partnerlook war angesagt, denn beide haben mit knapp 190 cm fast dieselbe Statur. Irgendwie sind sie durch die Jahre hindurch immer ein nett anzuschauendes Pärchen ohne Berührungsängste gewesen, das sich scheinbar in guten und schlechten Zeiten aufeinander verlassen kann und deren Freundschaft wohl auch therapeutische Wirkung hat; etwa, wenn Le Bon Taylor an dessen launischen Tagen mit aufs Motorrad nimmt oder auf einen wochenlangen Segeltörn in die Ägäis. Manchmal gehen ihre Ausflüge und Abenteuer allerdings anders aus als erhofft; Mitte der 1990er hatten die beiden einen schweren Autounfall über eine Böschung mit Überschlag, den sie wundersamerweise unverletzt überstanden haben. Ich könnte mir vorstellen, dass so ein Glück im Unglück zwei Menschen noch mehr zusammenschweißt.

Als sie sich kennenlernten, waren sie Anfang Zwanzig. Heute sind sie um die 60 und immer noch "verliebt" und total relaxed zusammen. Das imponiert mir, gerade weil ich aufgrund der distanziert wirkenden Art von beiden in der Öffentlichkeit annahm, sie hätten sich nichts bis wenig zu sagen. 

Aber vielleicht war das damals noch eine andere Zeit, und man war nicht gar so freizügig mit gleichgeschlechtlichen Zuneigungsbeweisen vor Publikum, standen die fünf teilweise stark geschminkten Jungs von Duran Duran doch trotz früher Heirat der einzelnen Bandmitglieder unter Generalverdacht, "vom anderen Ufer zu sein". 

Jedenfalls beweisen auch alte Bilder aus den Anfangszeiten der Band, dass Gegensätze sich anziehen. Und zwar anscheinend von dem Moment an, als Simon Le Bon mit hautengen pinkfarbenen Leopardmusterhosen bei den Gründern John Taylor und Nick Rhodes zum Vorsingen antanzte, bis in die 2020er hinein. Beide sind übrigens treue Ehemänner (nehme ich zumindest an...) mit Familie.

 Irgendwie schade, dass ich von dieser speziellen Freundschaft und ungewöhnlichen Seelenverwandtschaft so spät gelesen und gehört habe bzw. ich nicht mehr für Popstars schwärme. Eine Verbindung wie die von JoSi wäre eine tolle Inspiration für einen Roman gewesen.


Bildquelle: Pinterest




Freitag, 5. Mai 2017

Die Püppchen-Mama im Fangirl-Himmel

Fans der US-Serie "Turn - Washington's Spies" werden meine Aufregung verstehen, wenn sie sich die Fotos im Beitrag ansehen und die Abenteuer meines kleinen Major John André halbwegs verfolgt haben, der mittlerweile sogar einen eigenen Twitter-Account hat, auf dem er von seinen Reisen berichtet.

"Gotcha!"


 

Unter anderem besucht er mit seiner Adoptivmama Holly des öfteren die Drehorte der Serie in Colonial Williamsburg und ist dort bereits zu einem den Schauspielern fast ebenbürtigen Bekanntheitsgrad aufgestiegen.

Am ersten Mai sind beide wieder dorthin gefahren in der Hoffnung, ein paar der Hauptdarsteller zu treffen, die gestern den allerletzten Drehtag hatten. Die lange Wartezeit wurde belohnt: nach zwei Stunden trafen His Excelleny George Washington (Ian Kahn) ein, sein Adjutant und André-Gegenspieler Ben Tallmadge (Seth Numrich), dessen Kumpel Caleb Brewster (der sehr herzliche Australier Daniel Henshall, der sein Püppchen-Doppelgänger über Twitter kennengelernt hat) und später auch der John André-Kollaborateur Benedict Arnold (Owain Yeoman).


"Haven't seen that one before, have I?"

 

 Eigentlich war ich nie wirklich ein Fan von Ben / Seth - irgendwie war er mir zu glatt und zu hübsch - aber seit dem Selfie oben bin ich es! Denn kaum hatte er das Püppchen entdeckt und als John André erkannt, riss er es der völlig überrumpelten Holly aus der Hand, nahm sein Smartphone und schickte ein Foto von sich und dem kleinen Major an seinen leider seit Staffel 3 nicht mehr anwesenden Kollegen JJ Feild!!! Dieses Selfie wurde danach noch einmal von Hollys Smartphone aufgenommen, damit die Fans und natürlich meine Freundin auch etwas davon haben.

Ich habe fast geheult vor Rührung, als Holly es mir erzählt hat... alle waren begeistert und entzückt von meinem kleinen Major, der ja nun fast am Ziel seiner Reise war, nämlich seinem großen Vorbild vorgestellt zu werden. Das beweisen auch die Fotos, die ich mit freundlicher Genehmigung von Holly hier poste.


"Phew! I'm safe. Holly won't let him capture me again."


Schon ziemlich verrückt, denn ich habe nicht wirklich daran geglaubt, dass die Schauspieler mal mit einer meiner "Turn"- Kreationen auf Tuchfühlung gehen. Wenn ich die Bilder betrachte, regt sich schon ein bisschen Stolz auf meine Arbeit und Bewunderung für meine Freundin, die als Besitzerin meines Püppchens zur Premiere der vierten und letzten Staffel gehen wird und sich das Treffen mit den Stars mehr als verdient hat!


"Pointing with fingers is not polite, General."


 

Holly und der kleine Major setzen auf jeden Fall ihre Reisen ins historische Amerika fort, wobei André demnächst vermutlich einen Zwischenstopp in Europa machen muss, um sich divenmäßig die kunstvolle Frisur richten zu lassen, die nach zwei Jahren Sturm- und Drangzeit doch etwas in Unordnung geraten ist. Eigentlich hatte ich ihm auch angeboten, sich ein bisschen mehr herauszuputzen, nachdem er nun so berühmt ist, aber er meinte, Abzeichen und Epauletten seien ihm auf seiner abenteuerlichen Mission nur hinderlich.


"Look at that sneaky traitor smile!"




PLEASE DO NOT REPOST / USE THE PICTURES IN THIS ARTICLE WITHOUT PERMISSION Of THE COPYRIGHT HOLDER! 


Sonntag, 22. Januar 2017

Hannibal, die Serie (2013-2015)

Eine Weile hat es gedauert, bis ich mit "Hannibal" warm wurde. Trotz Mads Mikkelsen. Obwohl ich Serien nicht konsumiere, schaue ich mir gern welche an, da es - wie schön! - Fortsetzungen gibt. Wenn einem Figuren und Geschichte gefallen und zum Mitdenken und Interpretieren anregen, kann es (fast) nichts Unterhaltsameres geben.




Hannibal ist so eine Serie. Sie hat einige Gemeinsamkeiten zu "Sherlock", der allerdings für meinen Geschmack bereits in der dritten Staffel stark nachgelassen hat. Auch in Hannibal geht es um die Beziehung zweier Außenseiter, die voneinander nicht lassen können. Das Interessante für mich dabei sind weder die grotesken Fälle noch die inflationären Splatter-Elemente (durch die Hannibal Lecter gelegentlich seine Zuneigung zu FBI-Profiler Will Graham ausdrückt), sondern vielmehr der psychologische Aspekt, der schon allein durch Hannibals Beruf als ehemaliger Chirurg und praktizierender Psychologe gegeben ist. Doch ein Klient bringt seine kühle Professionalität ins Wanken: als Will Graham (Hugh Dancy), von seiner Arbeit beim FBI überfordert, bei Hannibal Therapiestunden nehmen muss, erkennt Hannibal einen Seelenverwandten in dem welpenhaft plüschigen, oft missverstandenen, aber um die Ecke denkenden Will, der sich selbst als Asperger-Autist beschreibt. Seine damit einhergehenden Fähigkeiten sind es, die das FBI auf ihn aufmerksam machten, da er ein hohes Maß an Beobachtung und Empathie besitzt und sich in die Denkweise eines Killers / Verbrechers hineinversetzen kann. Hannibal ist fasziniert.

Seine Faszination geht so weit, dass er eine Freundschaft zu Will anstrebt, die diesem gar nicht behagt - ahnt er doch als Einziger von Hannibals dunkler Seite, die ihn in fiebernden und wirren Alpträumen verfolgt. Er ist von dem charismatischen Psychotherapeuten wider Willen beeindruckt und unfähig, sich dessen manipulativem Einfluss zu entziehen. Wenn man Mads Mikkelsen seinen Hannibal spielen sieht, kann man ihm das auch kaum verdenken.

Nach außen hin kultiviert, elegant und souverän, besitzt Hanni-Mads eine Anziehungskraft, die er nicht nur bei Will skrupellos einsetzt, sondern bei allen, die ihm beim Erreichen seiner Ziele nützlich sein können. Anders als Will werden die übrigen Opfer allerdings selten bis gar nicht verschont.





Vielleicht ist die Serie hauptsächlich "Sick-Shit", mit den sehr kontroversen Themen und Gemetzeln, und bisweilen geht mir der übertrieben werbeästhetische Anspruch des Erfinders Bryan Fuller auf den Senkel und stiehlt Zeit, aber ganz ehrlich - "Hannigram" macht für mich die Serie sehenswert. Ich finde es recht mutig, eine solch ungewöhnliche Beziehung  in einer Fernsehserie zu porträtieren, selbst wenn es nie zu eindeutig körperlicher Intimität kommt. Mads Mikkelsen meistert die Gradwanderung vom unnahbaren Narzissten über den "antisozialen Gesellschaftsmensch" zum besitzergreifenden Welpen-Beschützer mit Bravour und einem unschlagbar charmanten Akzent.

In jeder Szene zwischen den beiden Männern flirrt die Luft vor Spannung. Es muss gar nicht viel passieren oder gezeigt werden, um zu verdeutlichen, dass es in Hannibal um eine zerstörerische Liebe geht, die keine Zukunft hat und die dennoch berührt, etwa wenn Hannibal zu epischen Klängen seine Gefühle für Will offenbart. Irgendwie tun einem dann beide leid, denn trotz Hannibals wüsten Neigungen bleiben sowohl er als auch Will nachvollziehbare Charaktere in ihrem Handeln.

Leider sieht es momentan für die Serie düster aus - die dritte Staffel war die vorläufig letzte, obwohl eine Miniserie nach den Motiven von Thomas Harris' "Das Schweigen der Lämmer" angedacht wird. Vielleicht war das Thema zu blutig-brisant und wurde zu ernst genommen, vielleicht haben sich viele Zuschauer geekelt (ich mich oft auch), aber ich hoffe sehr, dass es in nicht allzu ferner Zeit eine Fortsetzung gibt, in der beide Protagonisten das dramatische Finale überlebt haben.









Sonntag, 10. April 2016

Britischer Humor trifft Mystery: "Stag" (2016, BBC)

Diese Miniserie der BBC gibt es leider nicht mit deutscher Tonspur, doch als absoluter JJ Feild-Fan musste ich sie einfach gesehen haben - und wer hört schon gern die deutsche Synchro, wenn der Mann eine Stimme zum Reinlegen hat? (O;

Außerdem liebe ich Jungs / Männer auf Abenteuertrips und ein bisschen Grusel, und genau das hat "Stag" versprochen. Enttäuscht wurde ich trotz des makaberen Plots nicht.

Inhalt: Ian Telford (Comedian Jim Howick) ist ein eher langweiliger und unscheinbarer Lehrer aus Eastbourne, der nicht trinkt, Vegetarier ist und alles verabscheut, was mit Sport und Blut zu tun hat. Umso überraschender, dass sein zukünftiger Schwager Angus Johnners (Steven Campbell Moore im albernen Plüschhirschkostüm) einwilligt, ihn auf Anraten von Ians Schwester als Aufpasser mit auf den Junggesellenausflug in die schottischen Wälder mitzunehmen. Johnners und seine Freunde planen ein Jagdwochenende, bei dem sie einen oder mehrere kapitale Hirsche erlegen wollen.

Doch was als harmloser Spaß und jungenhaftes Imponiergehabe beginnt, entwickelt sich bald für alle zum Horrortrip. Ian findet heraus, dass die Freunde doch nicht so herzlich befreundet sind wie es scheint, und dass jeder der Beteiligten in einen Bankskandal verwickelt ist, der vertuscht werden soll, da jeder davon profitieren möchte. Damit nicht genug: die Männer werden nach und nach auf mysteriöse Weise eliminiert und somit selbst zu Gejagten - manche Opfer tauchen erst nach Tagen wieder kopfüber hängend in verlassenen Hütten auf, andere als zwei Hälften.

Die Überlebenden verdächtigen sich gegenseitig, und besonders der arrogant wirkende Ledge (JJ Feild) macht mehr als einmal sarkastische Bemerkungen, die nicht gerade für Vertrauen in der Gruppe sorgen. Leider muss ziemlich zum Ende auch er auf unappetitliche Weise dran glauben (*Heul!*), so dass Ian/Ewok/R2-D2 keinen Zweifel mehr hat, in eine Falle geraten zu sein, aus der es kein Entrinnen gibt.

Meinung: Wie bereits erwähnt, war JJ Feild der Auslöser, die Serie anzuschauen. Wahrscheinlich hätte ich darauf verzichtet, hätte er nicht mitgespielt. Ich liebe den Mann einfach und finde ihn umwerfend! Er ist ein toller, vielseitiger Schauspieler, blendend aussehend, groß und athletisch, und er wirkt so nett, lieb und geerdet, dass ich mich wundere, weshalb er nicht einem größeren Publikum bekannt ist *Schmacht*. "Stag" zeigt ihn in einer Rolle, die ihn ein wenig gegen den Strich bürstet, wenn man seine anderen Filme kennt - als prolligen und lauten Banker, der erst am Schluss von seinen Qualitäten als "Best man" nicht mehr überzeugt ist und sich am gewaltsamen Tod der Kameraden die Schuld gibt. Trotzdem hat Ledge etwas ungeheuer Liebenswertes an sich (kann JJ Feild überhaupt anders?).

Aber auch die anderen Charaktere mochte ich. Die Chemie zwischen den Schauspielern war zwar nicht so deutlich zu spüren wie zwischen dem Cast in Third Star, doch im Lauf der Zeit bekamen alle sieben Männer ein Gesicht und - soweit möglich - Eigenschaften und Macken, die sie mir sympathisch oder unsympathisch gemacht haben. Die Guten waren neben Ledge der etwas eingebildete, aber gutmütige Cosmo (Rufus Jones), der den Cockerspaniel des ansässigen "Spielführers" rettet, und Mex (Amit Shah), der eigentlich Inder ist und am liebsten "Hitesh" genannt werden möchte statt Mexican, weil ersteres sein richtiger Name ist.

Es gab Witze und Situationskomik, über die ich lachen musste, und Szenen, bei denen ich mich gegruselt habe. Teilweise war mir "Stag" ein bisschen zu blutig, und mit Ledges brutalem Ende war ich überhaupt nicht einverstanden. Die Handlung und vor allem der Schluss fallen fast banal aus, und trotzdem fand ich die Serie unterhaltsam und durch den unerschrockenen Mix verschiedener Genres auch sehr originell.

Zudem waren trotz des eher gewaltsamen und nicht ganz ernst gemeinten Themas innige Freundschaftsmomente zu entdecken (Stichwort "Calmex), lustige Popkultur-Referenzen für die Nerds (Gruffalo-Bullshit, Star Wars, Lost und Elton Johns "I'm still standing"), eine geheimnisvolle, unberührte und weite Landschaft, und natürlich mein schöner John Joseph. Need I say more?






Bewertung: 

  👍👍👍👍




Sonntag, 20. September 2015

Ein Rotrock reist durch Raum und Zeit...

Meine aus Film und Fernsehen inspirierten Häkelpüppchen, die ich in der Freizeit anfertige, erweisen sich als äußerst reiselustig und haben dabei eine Menge zu erzählen.

Sherlock Holmes und Bilbo Beutlin sind gerade dabei, das Rätsel um einen in Portugal verschwundenen Ring zu lösen und halten mich bei ihrem Abenteuer in Bild und Text auf dem Laufenden - vielen Dank an Sabrina und ihren Papa! Jeden Tag freue ich mich auf Nachricht von ihnen und bewundere sie am Flughafen, in Orten mit höchst exotisch klingenden Namen, beim Garnelenpuhlen und Wein verkosten; das ist fast, als hätte ich einen Adventskalender im September. (O:


Bilbo und Sherlock vor ihrer Reise


 

Nun geht auch mein historischer Rotrock Major John André auf Reisen - und das, obwohl ich ihm tatsächlich eine kleine Träne nachgeweint habe. Ein Ersatz ist aber bereits vorhanden.

Sein Ziel heißt Chesterfield in Virginia / USA. Zum Glück sind die Animositäten zwischen Amerikanern und Briten heute weitgehend passé. Ich hätte ihm sonst verboten, dort erneut aufzukreuzen, hat man ihn doch anno 1780 mit gerade mal dreißig Jahren wegen Verrats zum Tod am Strang verurteilt.

Die Geschichte, die dem Grund seiner Reise vorausgeht, ist folgende: Vor kurzem hatte ich - stolz wie Oskar auf meine neueste Kreation - ein Foto auf Twitter gepostet, das den Major im Garten zeigt. Innerhalb von kurzer Zeit hatte das Foto einige Retweets und Favoriten und tatsächlich Anfragen, ob man ihn denn irgendwo erwerben könne. Mit einer so großen Nachfrage habe ich nicht gerechnet, war aber umso stolzer, dass er bei den Fans der Serie "Turn - Washington's Spies" so gut ankam. Einem davon habe ich ihn über meinen Etsy-Account verkauft - den habe ich noch, auch wenn ich momentan keine Artikel im Shop anbiete.




Kurz und gut, der Major hat nach ein paar wenigen 140 Zeichen-Nachrichten den Besitzer gewechselt. Erstaunlich übrigens, wie schnell und unkompliziert das mit Paypal auch im entfernten Ausland geht. Gleich am nächsten Tag habe ich ihn reisefertig gemacht, ihm ein letztes Goodbye-Bussi auf den blonden Schopf gedrückt und ihn zur Post gebracht.

Der absolute Clou der Geschichte ist der, dass der Fan, der ihn bestellt hat, nahe der Drehorte wohnt, an denen im Spätherbst die dritte Staffel der Serie weiter gefilmt wird (in der der Major vermutlich das Zeitliche segnet - *sniffle*). Nachdem ich ihn versendet und der Empfängerin mitgeteilt hatte, er sei unterwegs, schrieb sie mir zurück, dass sie vorhat, *meinen* selbst gehäkelten Rotrock JJ Feild zu überreichen, wenn sie ihn im Rahmen der Dreharbeiten treffen sollte!!! Wie aufregend ist das denn?! Das Fangirl in mir ist beinahe explodiert vor Freude.

Und selbst, wenn er es nicht in Mr. Feilds männlich-kräftige Hände schaffen sollte, so ist durch mein Amigurumi doch eine originelle Idee ins Rollen gekommen, genau wie die von Sabrina und ihrem Vater. Ich finde das richtig schön.



Montag, 23. Juni 2014

The Imitation Game ~ Bio-Pic mit Benedict Cumberbatch über Entschlüsselungsgenie Alan Turing

Warum spielt Benedict Cumberbatch eigentlich überdurchschnittlich oft verkopfte Genies, wo er doch privat ein ganz Lieber ist und mal gerne in einer romantischen Komödie auftreten würde? Ich verstehe das nicht so ganz, könnte man dem Mann doch hin und wieder erlauben, seine Wandlungsfähigkeit auszuleben. Immerhin hat er offenbar in der Tragikkomödie "August: Osage Country" überzeugend den liebenswerten *Dorftrottel* gespielt, und das auch noch vor Aufregung zitternd an der Seite von Grande Dame Meryl Streep. Respekt und Bonuspoints!

Mitte November reiht sich neben Sherlock Holmes, Julian Assange und Stephen Hawking ein weiteres mathematisches Wunderkind in seine Filmografie ein: da startet "The Imitation Game" in den Kinos, eine Biografie über den englischen Wissenschaftler Alan Turing (1912 - 1954), der nicht nur die deutsche Enigma im zweiten Weltkrieg dechiffrierte und am ersten Entwurf eines Schachcomputers bastelte, sondern auch Apple zu ihrem Logo inspiriert hat. Tief depressiv und aus Verzweiflung über seine aufgezwungene Hormonbehandlung bzw. Sterilisation, der er sich aufgrund seiner Homosexualität unterziehen musste (wie grausam!) soll sich der bekennende "Schneewittchen"-Fan mit einem Cyanid versetzten Apfel umgebracht haben. 
 

Pixabay /skeeze

 
Die Geschichte hinter dem Logo ist laut der Firma nur ein Gerücht, aber wenn sie nicht wahr ist, so ist sie doch gut erfunden und wäre marktstrategisch auch nicht unklug. Denn ehrlich - wer will schon einen wahllos angebissenen Apfel kaufen? Dann lieber einen, der die Henkersmahlzeit eines neuzeitlichen, wenn auch wenig bekannten Pioniers war. Alan Turing wurde übrigens posthum eine königliche Entschuldigung für die Sterilisation ausgesprochen.

Den Film werde ich mir ansehen. Schon allein deshalb, weil Bennys klassisch nostalgischer Herrenhaarschnitt und die Hosenträger so unheimlich sexy sind. An sich mag ich solche deprimierenden Filme nicht so sehr, in denen die Protagonisten am Ende ins Gras respektive in vergiftete Äpfel beißen, und die Themen Informatik und Spionage kommen mir obendrein ziemlich trocken vor. Darum habe ich auch auf "The Fifth Estate" verzichtet, obwohl ich mich mit Fug und Recht als Cumberbabe bezeichnen darf.

Leider wird meine Vorfreude nicht nur durch die kopflastige Thematik getrübt: Keira Knightley, die toughe Piratenbraut aus "Fluch der Karibik" spielt die weibliche Hauptrolle (muss das überhaupt sein? Im "Imitation Game" geht es doch offensichtlich um Männersachen). Es geht mir nicht mit vielen Schauspielerinnen so, aber einige finde ich einfach überschätzt und ihr Spiel nervig und over the top. Keira Knightley gehört zu ihnen.

Aber ach, ich habe eben eine Schwäche für gutaussehende britische Gentlemen. Und für Benedict Cumberbatch im Besonderen.



Mittwoch, 21. Mai 2014

The name's Sherlock Holmes. And the address is 221 B Baker Street.


Was fasziniert mich eigentlich an dem neuen, hypermodernen Format der BBC-Serie "Sherlock" (Start der dritten Staffel in Deutschland am 29. Mai auf der ARD), die derzeit als eine der weltbesten Serien gilt?

 

ArtTower / Pixabay


Man könnte meinen, der letzte Abschnitt und das darin enthaltene Prädikat erklären es schon, doch  das ist bei weitem nicht der Fall. Ich habe einen recht eigenen Geschmack und finde häufig Dinge, die die meisten cool finden, uncool und umgekehrt. Zudem bin ich eher altmodisch und wurde mit der Reinkarnation des viktorianischen Meisterdetektivs zunächst überhaupt nicht warm. Allein die Idee fand ich absurd. Zu sehr waren Holmes und Watson im ausgehenden 19. Jahrhundert verwurzelt, in dem noch nicht einmal ein Visionär wie seinerzeit Leonardo daVinci an Smartphones, IPads und Internet zu denken wagte. Auch bin ich nicht unbedingt großer London-Fan oder Experte in Sachen Arthur Conan Doyle.

Ausschnitte aus den Spätnachtwiederholungen haben mich nie wirklich vom Sofa gerissen, im Gegenteil. Ich hatte irgendwie keinen Bezug zu dem, was da auf dem Bildschirm in scheinbar atemberaubender Geschwindigkeit vor mir flimmerte, verstand jeden zweiten Satz nur halb oder gar nicht und wollte mir nicht einmal die Mühe machen, die technischen Spielereien zu würdigen, die ich in nicht gar so ausgefeilter Form bereits in "House MD" gesehen hatte. Die Protagonisten - obwohl in ihrer ambivalenten Beziehung zueinander angelehnt an House / Wilson respektive klassischer Holmes / Watson - fand ich nichtssagend und außerdem viel zu jung. Mein Sherlock Holmes-Bild haben gestandene Gentlemen wie Basil Rathbone und Peter Cushing geprägt. Der *kleine* Holmes war dagegen eher frech, mitunter sogar zum Fremdschämen peinlich und impertinent, etwa als er auf Nikotinentzug übertrieben inhalierend an einem Klienten schnüffelt, der eben noch eine Kippe im Gesicht stecken hatte. Heute gehört diese Szene zu meinen absoluten Highlights, gemeinsam mit dem unfreiwilligen Tanz  aus The Blind Banker. Und natürlich dem Mind Palace.

Im Forum habe ich mich schließlich mal zu Wort gemeldet im entsprechenden Thema und meine nicht gerade überschwängliche Meinung zur Serie kundgetan. Das einzige, was ich bis dahin wirklich gelungen fand, war die extra komponierte Musik wie das etwas schrullige Sherlock-Theme und besonders das Gänsehaut erzeugende, bittersüß anmutende "The Woman". Das war toll. Eine moderne Serie, die auf angesagte Popsongs verzichtet und dafür orchestrale Musikgeschichte schreibt, ist schon einen näheren Blick wert. Allerdings hatte ich keine Ahnung, weshalb jeder so begeistert an der Theorie zum "Reichenbachfall" mitgerätselt hat. Man legte mir nahe, die DVDs zu kaufen, um die Serie an einem Stück sehen zu können und am besten noch in O-Ton. Das war mir ohnehin lieber, habe ich doch auch meinen gehassliebten House nur in der Originalfassung angeschaut, da die deutsche Synchro nicht selten bemüht witzig aufbereitet und somit völlig sinnentfremdet wird. Nichts gegen Synchronisation, aber das Original bleibt doch meist unerreicht.

Lange Rede kurzer Sinn, ich habe mir die DVDs tatsächlich besorgt. Und ich mochte das, was ich sah und hörte, auf Anhieb. Allen voran die samtige Stimme von Benedict Cumberbatch. Kaum zu glauben, wie mich die beeinflusst hat. Der deutsche Sprecher Tommy Morgenstern macht einen guten Job, aber eine Stimme gehört zu einem einzigen Menschen und macht ihn in meinen Augen glaubwürdig. Plötzlich wurde die Serie viel interessanter und lebendiger. Auch Nebenfiguren wie die mütterliche Mrs. Hudson und der hochnäsige Mycroft Holmes erschienen im neuen Licht. 

 

linsayascott / Pixabay


Die Serie hat es sogar geschafft, mein Interesse für den klassischen Holmes wieder zu wecken. Ich las ein paar Geschichten und fand es danach erheiternd, Parallelen und Referenzen in der BBC-Produktion aufzustöbern, die oft nur angedeutet werden. Doch gerade die geschickt versteckten Verbeugungen vor Holmes-Erfinder Conan Doyle und auch die mitunter offen gezeigte kindische und kindliche gezeigte Seite am Genie Holmes geben der Serie einen authentischeren Touch als jede Verfilmung zuvor.

Dass Benedict Cumberbatch nicht nur ein charismatischer Sherlock mit einer sexy Stimme, sondern privat auch ein sympathischer und attraktiver Mann ist, gibt einen für mich nicht unerheblichen Bonus... (O;





Donnerstag, 2. Januar 2014

Sherlock "The Empty Hearse" ~ "Der leere Sarg": Fan-Service hoch 3 (Spoiler-Alarm!)

Ich mach's kurz und werde mal wieder meinem Ruf als Spaßbremse gerecht: Das, was BBC One am Neujahrstag um 21:00 Uhr Ortszeit gezeigt hat, war nicht das, auf das ich über ein Jahr gewartet habe. Ich hatte ja gar nicht damit gerechnet, einen funktionierenden Livestream zum britischen TV-Programm zu finden (habe Tumblr unterschätzt), und war dann freudig überrascht, doch zu den Auserwählten in diesem Land zu zählen, die "The Empty Hearse" schon vor der deutschen Ausstrahlung sehen durften.

Den Anfang hatte ich dank schlechter Verbindung nur bruchstückhaft auf dem Bildschirm und habe ihn erst für einen Armani- oder Hugo Boss-Parfüm-Werbespot gehalten.


Ja, okay, es stimmt. Ein bisschen neidisch war ich auch, als mir klar wurde, dass nur einer so wilde und zugleich gepflegte Locken haben kann... der sonst so kühle Sherlock küsst Molly! Zwar nur hypothetisch, aber es war der erste *Fan-Wank* für die "Sherlollys" (Himmel, das ganze Fangirlish klingt wie eine eigene Sprache!), derer es merkwürdigerweise nicht wenige gibt.

Munter weiter ging's im Fan-Vera***en, und das völlig ungeniert (ich sage nur "Moriarty auf dem Dach" - WTF?!).

Ich will mich wirklich nicht als humorlos outen oder den Leuten den Spaß an der Folge verderben, die super ankam. Aber ich fand es schon ein bisschen erstaunlich, dass niemand die plumpe Fanparodie kritisch betrachtet. Es ist Unterhaltung, klar, und trotzdem. Euphorische Internetausrufe wie "Guys, we are Anderson!" wären für mich wenig schmeichelhaft, denn er scheint mit seiner fanatischen Überzeugung über Sherlocks Überleben, dem hysterischen Gebaren und vor lauter "Sherlolly-Shippen" nicht nur seinen Job bei Scotland Yard, sondern auch den Verstand verloren zu haben.

Intelligentes Fernsehen sieht in meinen Augen anders aus. Wie schön war es, als Sherlock noch arrogant, aber auch erfrischend naiv sein durfte und sich einen Dreck darum geschert hat, was andere über ihn denken. Moffat und Gatiss ist das offenbar nicht egal, darum werden tausende Klischees aus Fanfiction und Forumsdiskussionen bedient, die dort ihren berechtigten Platz haben, aber - wie ich meine - nicht in die Serie gehören. Denselben Fehler habe ich schon bei "House MD" festgestellt. Es täte mir leid, wenn "Sherlock" auf ähnliches Niveau absinkt. Dann könnte man im Prinzip gleich uns Fangirls bitten, die Drehbücher zu schreiben.

Zur wirren Handlung kann ich nicht viel erzählen und will auch nicht zu viel verraten. Bild- und Tonqualität meines Links waren nicht überragend, und manchmal merke ich halt doch, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist. Ein paar Dinge, die offenbar wichtig waren, sind mir total entgangen, wie z.B. der tiefere Sinn des Bombenattentats im U-Bahn-Waggon aka Leichenwagen, das in letzter Minute verhindert wurde, als John Watson Sherlock in seinen Mind Palace scheucht, bei dem eigentlich keine Zuschauer erwünscht sind (das ist wohl auch der Grund, warum es so lange dauert, bis Sherlock den Ausschaltknopf für die Zündung gefunden hat).

Zu Watsons und Holmes' erster Begegnung nach über zwei Jahren: Die Wiedervereinigung hatte ich mir anders und weniger brutal vorgestellt. Ich verstehe, dass sich echte Kerle nicht weinend in den Armen liegen können und Sherlock auch viel zu verlegen wäre, um Gefühle einzugestehen - und dass John als Ex-Soldat seine Zuneigung wohl auf unkonventionelle Art ausdrückt. Aber ständig Haue, musste das sein? Immerhin hat Sherlock ja vorgehabt, zurückzukommen - und er fragt ihn sogar im Angesicht der drohenden Explosion, ob er ihn heiraten möchte anstatt Mary (*GNAH*! - da hüpft das "Johnlock"-Herz!). Gut, dass die wenigstens vermittelnd einspringt, weil sie Sherlocks sprödem Charme erliegt. Wenn ihr das in der nächsten Folge bloß nicht zum Verhängnis wird. Denn wie sagt Sherlock so vorausschauend zu John: "Be careful what you wish for."

Wenn wir schon dabei sind: ich hätte mir eine Episode gewünscht, in der die Figuren mehr auf den Charakteren von Sir Arthur basieren und der Interpretation der Macher als auf den Hirngespinsten der Fans.

Eine Idee allerdings gab es, die meinen uneingeschränkten Beifall fand: das Cameo von Mr. und Mrs. Cumberbatch - ihres Zeichens ebenfalls Schauspieler - als Sherlocks Eltern. Das war wirklich originell und brachte neben Amanda Abbington (Martin Freemans RL-Partnerin) auch für Benny einen Hauch familiärer Atmosphäre ins Spiel.

Ansonsten bleibt mir zu sagen, dass ich es jetzt doch nicht so kurz gemacht habe wie geplant und dass ich hoffe, keinen Fan vor den Kopf gestoßen zu haben. "Sherlock" ist immer noch meine Lieblingsserie, und das wird auch so bleiben. Sicher wird die nächste Folge am Sonntag spannender und kehrt zur gewohnten Qualität zurück. Ich betrachte "The Empty Hearse" einfach als ein augenzwinkerndes Geschenk der Drehbuchautoren an allzu verrückte Fans, die vor Verzückung ob der visuellen Realisierung ihrer Sherlock-Fantasien die Höschen feucht gemacht haben. Und gut is'.


Gif: Tumblr.