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Freitag, 24. Januar 2025

"Das Bildnis des Grafen" ~ neues, selbstgestaltetes Cover

Es musste sein: der Graf bekommt sein... Moment ... siebtes neues Kleid. Manchmal schäme ich mich, dass ich so unbeständig bin, was meine Cover angeht, sind sie doch oft in Farbe und Design ein Erkennungsmerkmal für den Autor. Das gilt allerdings eher bei weiß-grau-schwarz-blutigroten Thrillern, die - wie ich finde - immer gleich aussehen, so dass man mittlerweile genau hingucken muss, um seinen Lieblingsschriftsteller ausfindig zu machen. 😏

Jedenfalls habe ich mich für ein Cover entschieden, das nicht nur unheimlich und mystisch wirkt und somit zum Inhalt passt, sondern mir auch so gut gefällt, dass ich in der Buchhandlung sofort danach greifen würde (unter uns: mich würde schon allein der Titel neugierig machen).

 

 

Das Haus könnte Escaray Hall oder Whitehurst Manor sein, wobei letzteres ja eher eine nüchterne Architektur vorzuweisen hat; etwas, das Escarays Butler als einen der vielen Gründe zur Missgunst interpretiert. 

Was mich besonders freut, ist, dass es auch bei meinen Freunden und Bekannten auf Wohlwollen stieß. Schrift, Layout und eben auch das Foto seien sehr gut gewählt und würden das Gruselige im Roman unterstreichen. Auch die Rückseite kann sich sehen lassen. Oft hat man beim Klappentext das Problem, dass einige Buchstaben mit dem Hintergrund verschwimmen, wenn man keine grelle Schriftfarbe wählen möchte. Hier ist alles paletti, und das auf Anhieb. Ich hatte wirklich keinen großen Aufwand, und trotzdem ist das Buch jetzt perfekt für mich. Um den Klappentext zu lesen, Bild anklicken:



An dieser Stelle bedanke ich mich bei sananthropis auf Pixabay, wo ich das Foto gefunden und anschließend etwas abgeändert habe. Diese Plattform ist einfach eine Supersache für Autoren, die ihre Artikel und Romane mit lizenzfreien Bilder versehen, um sie zu einem Blickfang zu machen. Gern würde ich dort auch ein paar meiner Fotos hochladen und zur Verfügung stellen, aber ich fürchte, Handyfotos sind nicht genehmigt.






Sonntag, 10. Dezember 2023

Neuauflage: "Das Bildnis des Grafen"

Auch wenn mir momentan aufgrund meiner Trauer nicht danach ist, die Werbetrommel zu rühren, bin ich doch sehr glücklich über die gelungene Neuauflage meines Debütromans. Im letzten Artikel habe ich auf eine Aktion aufmerksam gemacht, über die die "alten" Ausgaben von "Das Bildnis des Grafen" zu Sonderpreisen verkauft wurden. Das Printbuch ist mittlerweile nur noch begrenzt vorrätig, denn genau wie das Ebook erstrahlt der Graf nun in neuem Glanz.

 


Zu verdanken ist das meiner lieben Kollegin Sonja Ziehr, die sich neben dem Schreiben auch mit ansprechender Covergestaltung befasst und sie anbietet. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön für deine Ideen und Tipps! Die Schrift gefällt mir megagut, und das gespenstische Haus könnte Valentines Versteck im Garten sein, in dem ihm Carrick begegnet - Escaray Hall selbst ist nämlich ein ziemlich weitläufiges Anwesen. 😉 

Neben der neuen Version des Covers wurde auch ein bisschen an den Preisen geschraubt. "Das Bildnis des Grafen" kann mit Kindle Unlimited kostenfrei gelesen oder zu € 2,99 als Download angefordert werden. Für einen über 500 Seiten starken Wälzer ein bescheidener Einsatz. 

Natürlich gibt es für altmodische Leser wie mich auch die Druckedition, die ein anderes Cover hat, das hoffentlich ebenso attraktiv wirkt, wenn auch etwas monochrom durch die fehlende Farbe - leider war das Kleid fürs Ebook dem Printbuch um einige Nummern zu klein, so dass ich mich für ein Panoramabild entschieden habe, das dem Ebook optisch recht nahe kommt, denn auch hier sieht man ein Spukhaus in einer Mondnacht. Folgend die Rückseite mit Klappentext:



Nachdem meine letzte Aktion leider nicht besonders gut gelaufen ist und auch das Jahr 2023 gelinge gesagt bescheiden war für mich, hoffe ich nun, mehr Leser/innen zu erreichen. Denn nach all dem, was ich durchgemacht und auch keinen Grund habe, Weihnachten und Silvester zu feiern (nicht, dass mir an letzterem viel läge), wäre es das größte Geschenk für mich zu sehen, dass Interesse an einer kriminalistischen Gruselgeschichte besteht, die in dieser Form wohl noch nicht niedergeschrieben wurde.

 Erst neulich besuchte mich die Frau des besten Freundes von Papa, die das Buch gelesen hatte und sich mit mir darüber austauschen wollte (Glücksmoment!). Unter anderem fragte sie mich ganz erstaunt, wie man denn auf so ein Thema käme, denn das wäre so besonders ungewöhnlich und dennoch gut recherchiert. Das Ende mochte sie besonders, das sie vor Spannung nicht abwarten konnte und daher fast die ganze Nacht hindurch gelesen hat. Da hüpft das Autorenherz vor Freude. Und ganz ehrlich: Es widerstrebt mir selbst, Persönliches oder gar Selbstmitleid in Werbung unterzubringen. Aber ich soll ein bisschen nett zu mir sein und an mich denken, wenn es mir schlecht geht; das habe ich vom Trauerratgeber gelernt, und es tut mir wirklich gut. Bis ich mich von Mamas tragischem Verlust erholt habe, geht sicherlich noch eine lange Zeit ins Land. 

 


Der Verkauf meiner Bücher wäre ein Trostpflaster. In das Ebook könnt ihr selbstverständlich kostenfrei reinschnuppern. Ich bin gern bereit, mich mit meinen Lesern über die Geschichte auszutauschen und auch eine Online-Leserunde auf einem Bücherform zu begleiten, was mir immer viel Spaß gemacht hat, solange ich noch ein Forenleben hatte. Auch als Geschenk eignet sich der Roman gut - besonders für jene, die gern in eine Welt eintauchen, die zwar real, aber auch ein bisschen spooky ist. Und das passt doch ganz gut für Weihnachten. 

 


Sonntag, 16. Mai 2021

Fazit: 2. Leserunde "Das Bildnis des Grafen" (06. April - 15. Mai 2021)

 Fertig ist sie, die Runde meines Debütromanes auf dem Büchertreff. Und vorab kann ich sagen, dass sie ganz gut gelaufen ist dafür, dass ich die ganze Zeit über ein eher mulmiges Gefühl hatte. Ich glaube, es lag daran, dass über das Buch selbst wenig diskutiert worden ist und stattdessen mehr Dinge zur Sprache kamen, mit denen die Teilnehmer nicht einverstanden waren, sei das ein "fehlerhaftes" Handeln einer Figur oder wie unsympathisch dieser und jener in der diskutierten Szene rüberkommt. Merkwürdigerweise habe ich wenig Positives zu Stil, Sprache und allgemein gehört, und das hat mich dann doch ein bisschen verunsichert bzw. mich glauben lassen, der Roman sei für die Runde langweilig. 

 


 

Hauptsächlich wurden eben Dinge angesprochen, die nicht so gut gefielen. Vielleicht war es deshalb in der Regel recht still. 

Am Ende habe ich doch noch ein paar Fragen gestellt, um herauszufinden, was meine Mitleserinnen gut und weniger gut fanden. Eigentlich mache ich das nicht, und trotzdem ist die Leserunde auf die Art doch zu einem guten Abschluss gekommen. Besonders schön war, dass eine Teilnehmerin schrieb, sie hätte durch "Das Bildnis des Grafen" Interesse am Judentum bekundet und möchte sich weiter mit dem Thema befassen. Überhaupt scheint der historische Aspekt mit der interessanteste gewesen zu sein, denn er wirft ein völlig neues Licht auf die Beziehung und Verflechtung der Familien Escaray und Whitehurst.

Das "Mystische" war ein wenig zu viel, "Grusel" zu wenig (ich finde viele Szenen richtig gruselig, ehrlich gesagt, besonders die mit Valentine und Carrick...), und die kriminologische Komponente hat sich logisch und gut aufgeklärt - wenn auch das Ende ein bisschen zu rosarot war. Auch das kann ich nicht gänzlich nachvollziehen; aber um nicht zu spoilern, werde ich an dieser Stelle nicht verraten, weshalb. Oh, und was mich doch sehr froh gemacht, tatsächlich erleichtert hat, war, dass alle einträchtig meinten, es hätte außer den Bösen keine wirklich unsympathische Figur in der Geschichte gegeben. Der junge Valentine ist auf Platz Eins in der Punkteskala, gefolgt von Renoir und dem Constable Melvin Gilfeather und Lilian Grimby. Letztere sind sogar zu besonderen Lieblingen einer Teilnehmerin avanciert. 

Irgendwie hat mir die Behauptung, meine Charaktere seien samt und sonders anstrengend, zu schaffen gemacht. Vor allem, da bisher der Psychologe Gaspard immer an vorderster Front der Sympathieträger stand und sich einige auch ein wenig in ihn verliebt haben. Ich persönlich möchte nämlich kein Buch lesen, in dem mir kein einziger Protagonist emotional nahekommt.



Das, was am Ende nicht so gefallen hat, wurde gut begründet, so dass es für mich akzeptabel und  auch nachvollziehbar war. Wie gesagt, ist es normal, dass man nicht jeden Leser dort abholen kann, wo er gerade steht, und auch, dass nicht jede/r einen Harry Potter schreiben kann und will. 

Ich glaube, dass ich Fragen, die anfielen, gut beantwortet habe und auch selbst einiges aus der Runde mitnehmen konnte. Insofern bin ich zufrieden. Da das Format und die Unhandlichkeit des Printbuches bemängelt wurden, empfehle ich weiteren Interessierten an meinem historischen Gruselkrimi allerdings die ebook-Ausgabe. (O;


Bilder: Christine Wirth



Freitag, 23. April 2021

2. Leserunde zu "Das Bildnis des Grafen" (06. - 28. April 2021) ~ Teil III

 Irgendwie schade. Die Leserunde ist die erste, welche ich als Autorin und Leserin begleite, die so gar nicht in Gang kommen will. Habe ich mich im letzten Beitrag noch hoffnungsvoll geäußert, so bin ich nun doch enttäuscht und sogar ein bisschen traurig über das scheinbar geringe Interesse, meinen Roman zu diskutieren. 

Im aufgestellten Zeitplan hängen wir ziemlich hinterher. Soweit ich weiß, ist kaum jemand über das siebte Kapitel hinaus. Daher habe ich nun vorgeschlagen, dass man im eigenen Tempo Beiträge schreibt. Ich glaube nicht, dass es etwas mit "beleidigter Leberwurst" oder Primadonna spielen zu tun hat. Jeder an meiner Stelle wäre wohl desillusioniert, wenn man sich auf eine für einen persönlich so spezielle Leserunde vorbereitet und sich lange im Vorfeld einen Schneekönig gefreut hat, der jetzt am Abtauen ist.

 

Detail der Fassade von Escaray Hall?
 

 Ich kann das generelle Schweigen im Walde ehrlich gesagt nicht verstehen. Klar, ich finde meine Geschichte toll und einzigartig, immer noch. Sonst hätte ich sie nicht veröffentlicht und mich gerne als begleitende Autorin zur Verfügung gestellt. Dass sie nicht jede/n so abholt wie mich und meine Fans, ist selbstverständlich und auch keine Überraschung. Oft machen ja auch gerade mittelmäßige Rezensionen neugierig auf ein Buch. Außerdem habe ich mich auch in Leserunden gut unterhalten, in denen ich das Buch zunächst mal oder bis zum Schluss nicht mochte.

Ich weiß nicht, woran es liegt, dass nur noch sporadisch Meldungen eintrudeln und auch auf meinen Vorschlag seit gestern kaum Reaktionen kamen - wenn nicht deshalb, weil die Geschichte langweilt und man mich nicht verletzen will, indem man mir sagt, dass der Roman nicht dem Geschmack des Großteils der Teilnehmerinnen entspricht. Damit könnte ich leben. Obwohl ich es natürlich schade fände und vielleicht doch im stillen Kämmerlein ein oder zwei Tränen verdrücken würde. Ich kann verstehen, wenn die Zeit fehlt und man sich entschuldigt, weil irgendetwas dazwischengekommen ist. Es wäre trotzdem ermutigend, mehr Interaktion zum Buch auf dem Thread zu haben.

Evtl. spielen auch einige Themen eine Rolle, die zu Reizthemen werden, weil sie nicht einfach sind und in Unterhaltungsliteratur nicht unbedingt erwartet werden. Der Erste Weltkrieg und das Judentum zum Beispiel. Letzteres hätte ich wohl zumindest im Klappentext erwähnen sollen. Nach meinem Empfinden habe ich es nicht überdosiert oder moralisiert und bin bei sensiblen Themen wie Glauben und Religion so weit wie möglich neutral geblieben als Autor, aber man weiß ja nicht, wie andere das sehen. Dass ich als Nebeneffekt aber auch am Judentum und dessen Geschichte Interesse wecken konnte mit meinem Roman, war schön.


Mrs. Brown  / Pixabay

 

Last but not least plagt mich ein wenig die Vorstellung, dass nur ein oder zwei Teilnehmer positiv über den Grafen und sein "Gefolge" denken. Sympathische Charaktere scheint es so gut wie keine zu geben im Buch. Nicht, dass ich es darauf anlege beim Schreiben, aber es ist kein sonderlich großes Vergnügen, einer Geschichte zu folgen, in der man sämtliche Protagonisten am liebsten zum Mond schießen möchte.

Ich weiß wirklich nicht, ob es nicht besser wäre, mich aus der Runde zurückzuziehen. Irgendwie merke ich, dass sie mir nicht gut tut und ich das Gefühl habe, "verkehrt" zu posten, selbst wenn es nicht so sein mag. Zwar versuche ich - auch auf Anraten meiner Lieben - "zen" zu sein und sie nicht so wichtig zu nehmen. Aber das ist gar nicht so leicht, hatte ich mich doch sehr über die Aufmerksamkeit gefreut, die dem Graf damit zuteil wurde.



Freitag, 16. April 2021

2. Leserunde zu "Das Bildnis des Grafen" (06. - 28. April 2021) ~ Teil II

Gerade legen wir eine Pause ein. Weiter geht es am Sonntag oder Montag, da einige Teilnehmer weder Zeit noch Muße haben, um Dr. Renoir auf seiner Reise zum Schlüssel des Geschehens und zu Valentines Trauma zu begleiten, das aufgeklärt werden muss. Leider haben zwei Teilnehmer aus triftigen Gründen permanent die Leserunde verlassen, was mir sehr leid tut. Momentan sind wir zu fünft, mich eingeschlossen. 

 


Ich denke, bis Kapitel 6 hat nun jeder gelesen. Dieses Kapitel bringt vor allem mehr Klarheit in Bezug auf Valentines familiäre Verhältnisse und lässt den bis dahin eher passiv wirkenden Renoir offensiv und fast rebellisch handeln, indem er einen befreundeten Kollegen aus Paris zur Unterstützung holt. Die Polizei hegt kein Interesse an Escarays Verschwinden und der Aufklärung des zweifachen Mordes, obwohl Renoir auf persönliche Gründe seines jungen Patienten verweist. Doch damit stößt er beim selbstgefälligen Inspektor auf taube Ohren, daher muss nun der Anthropologe Armand de Langlade sein Können beweisen und die Leichen exhumieren und anhand von Messungen identifizieren. Es bleibt also spannend. 

Dummerweise bin ich ziemlich nervös, ob und wie der Roman überhaupt ankommt. Letztes Wochenende hatte kaum jemand gepostet, und ich war ein wenig beunruhigt. Albern, ich weiß. Es läuft jetzt besser, aber ich will nicht ständig posten oder mit Info klugscheißern, die evtl. auf die Nerven geht. Ein Missverständnis gab es diesbezüglich, das mir sehr arg war. Manchmal ist der Umgangston im Internet mehrdeutig. In einer realen Diskussion hätten wir bestimmt nicht aneinander vorbeigeredet. Schwamm drüber, es hat sich alles geklärt.


Foto: Pixabay

Allerdings gebe ich zu, dass ich nicht mehr so selbstbewusst bin wie am Anfang. Das liegt nicht an teilweise kritischen Beiträgen oder Fragen, die ein wenig knifflig sind; mit dem, dass Bücher im Allgemeinen und das eigene im Speziellen Geschmacksache sind, muss ein Autor rechnen. Dennoch habe ich gerade den Eindruck, dass der Geschichte vielleicht doch etwas fehlt, worauf meine Leser/innen gehofft haben. Eine starke weibliche Hauptfigur zum Beispiel (denn Lilian ist wirklich nicht tough und auch kein Hauptcharakter). 

Oder sie hat zu viel "Religiösität", da beide Familien - Whitehurst und Escaray - jüdisch sind. Dazu ist ein bisschen Hintergrundwissen nötig, das erst später ausführlich zur Sprache kommt. 

Ich bin froh, dass meine Leserin aus Italien an der Runde teilnimmt, die das Buch erst kürzlich gelesen und für gut befunden hat. So habe ich Rückhalt, auch wenn es da und dort Kleinigkeiten gibt, die ihr nicht so gefallen. Aber das ist ja normal und ok.

Eigentlich bin ich nicht so empfindlich bzw. eine Dramaqueen, doch ich kann mich nicht erinnern, dass meine anderen Autoren-Leserunden und auch die, an denen ich "nur" als Leser teilgenommen habe, einen eher zähen Verlauf genommen haben so wie diese. Vielleicht ist es aber nur meine persönliche Empfindung oder ich steuere auf meine Tage zu... jedenfalls freue ich mich auf nächste Woche. Hoffentlich sind dann alle wieder gut drauf und haben sich erholt. Real Life ist ja auch nicht einfach.



Samstag, 10. April 2021

2. Leserunde zu "Das Bildnis des Grafen" (06. - 28. April 2021) ~ Teil I

Seit vier Tagen läuft sie, die zweite Leserunde nach 2013 zu meinem ersten Roman auf dem Büchertreff. Nach der anfänglichen Nervosität habe ich tatsächlich immer noch feuchte Hände, wenn ich mich dort einlogge, was - wie ich mir vorgenommen habe - nicht rund um die Uhr der Fall ist. Obwohl es mich oft in den Fingern juckt, reinzulinsen und auch zu reagieren auf Fragen, die sich erst in den folgenden Kapiteln beantworten, versuche ich mich zurückzuhalten.




Insgesamt sind wir sieben Teilnehmerinnen. Zugegeben, ich hatte mir mehr gewünscht, bin aber im Endeffekt zufrieden, dass die Runde überschaubar bleibt. Zumal auch das Tempo nicht immer leicht einzuhalten ist. Vor allem die ersten Kapitel sind sehr lang (ich sagte bestimmt schon an anderer Stelle, dass ich sie heute kürzer halten würde) und vielleicht auch erst mal ein wenig verwirrrend. 

Was mich sehr freut, ist, dass Aufbau und Sprache gut ankommen. Geschichte und Charaktere werden unterschiedlich wahrgenommen; manche finden sie so spannend, dass sie das Tagespensum "überlesen", andere schütteln den Kopf über Valentines "Visionen" und Dr. Renoirs Herangehensweise, seinen jungen Patienten zu therapieren. Suspekt ist den meisten Mallord Grimby, der Gärtner, der sich vertraulich als Hilfe anbietet und dabei fast die Grenzen des Schicklichen überschreitet. Ich war besonders happy über die tolle Resonanz des zweiten Kapitels, in dem die unheimlichen Begebenheiten mit Carrick Escarays Auftauchen als Erwachsener etabliert werden, den nur Valentine sehen und mit ihm sprechen kann. Der Graf hat sogar eine Leserin im Sturm erobert, wenngleich seine Rolle im ganzen Geschehen noch undurchsichtig ist. Aber ganz unter uns - und das ist hoffentlich kein Spoiler - mag ich Carrick auch am liebsten. Deshalb hat es mir besonders gutgetan, zu hören, dass er einen weiteren Fan gewinnen konnte.


 

Es geschieht eher selten, dass ich Romane von mir im Nachhinein noch einmal am Stück durchlese; in der Vorbereitung auf die Leserunde habe ich es getan und merke dann - auch durch das zeitgleiche Lesen und die Meinungen von anderen - wie komplex, aber auch erstaunlich die Geschichte ist. Wie manchmal auch phantastisch, wenn man "nur" einen Kriminalfall vor historischem Hintergrund erwartet. Ich hoffe, die Skepsis bezüglich der "Ungereimtheiten" löst sich gegen Ende bei allen Teilnehmern auf, denn es geht nicht immer realitätsnah zu im Grafen. Realitätsnah im Sinn von dem, was wir kennen. Wer weiß, wie viel uns noch verborgen ist, das wir generell für unmöglich halten. Genau wie man sich lange Zeit nicht vorstellen konnte, dass die Erde rund ist. Wie sagte Hamlet schon zu Horatio: 

"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als deine Schulweisheit sich träumen lässt" (Zitat William Shakespeare). 



Mittwoch, 24. März 2021

Mein Lese-Highlight der letzten Jahre: "Haus der Schatten" von S.Y. Blank

 Nach einiger Überlegung habe ich mich entschlossen, mein derzeit absolutes Lieblingsbuch vorzustellen, das ich bereits kurz nach dessen Erscheinen im Jahr 2016 auf Amazon rezensiert habe, nicht aber auf meinem Blog. Dabei hat die ungewöhnlich berührende, aufregende und buchstäblich magische Geschichte es verdient, weiterverbreitet zu werden und anspruchsvolle Leser und Leserinnen zu unterhalten, ihnen Gänsehaut zu bescheren und sich in Cumberland Ende des 19. Jahrhunderts mit dem jungen Protagonisten Giles zu verlieren und zu gruseln. Leider gibt es solche Bücher viel zu wenig, wobei es sicher auch schwierig ist, eine ähnlich atmosphärische und vielschichtige Lektüre vor allem unter Neuerscheinungen zu finden. 

Hier kommt also meine Rezension. Schaut euch die weiteren, sehr ausführlichen auf Amazon an und dann nichts wie ab nach Marmond House! Allerdings möchte ich hier auch eine kleine Warnung aussprechen. Für allzu zartbesaitete Gemüter/innen (hehe!) ist "Haus der Schatten" in mehrerer Hinsicht evtl. starker Tobak.

 

 

Handlung: Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von einem der beiden Jungen, Giles Favell, der zu Beginn im Waisenhaus in London lebt. Kurz nach seinem fünfzehnten Geburtstag erhält er die Nachricht, dass ein Baron aus Cumberland ihn adoptieren möchte. Für Giles ein Rätsel, ist er doch fast schon zu alt und gilt zudem als schwer vermittelbar, da er unter *dämonischen* Krampfanfällen leidet, die kein Doktor erklären kann. 

Auf Marmond House lernt er den gleichaltrigen Victor Cavendish kennen, der ebenfalls vom Baron adoptiert wurde und von einem Trauma in der Kindheit gezeichnet ist: er spricht kein einziges Wort, findet jedoch Wege, sich mit Giles zu verständigen. Bald werden die beiden Freunde und mehr. Sie fühlen sich zueinander hingezogen und stellen viele Gemeinsamkeiten fest. Beide bewundern und verehren ihren neuen Erziehungsberechtigten Baron Duncan Asquith, der ihnen Akzeptanz und Zuneigung entgegenbringt und sich sehr um seine zukünftigen Erben kümmert. 

Duncans Charisma und Charme zu erliegen, ist nicht schwer, und dennoch spüren Victor und Giles, dass ihn etwas bedrückt, das er ihnen nicht sagen kann oder will. Die anfangs offensichtliche Idylle wird durch unheimliche Geschehnisse im Haus erschüttert; etwas geht darin vor, das vor allem für den rational denkenden Giles nicht greifbar ist. Er tut die Phänomene als Halluzinationen ab, bedingt durch seine Krankheit. Doch auch Victor, ein sensibler Träumer, ist beunruhigt, zumal sich der Baron in Bezug auf das Haus sehr verschlossen gibt. Wie zum Ausgleich dafür tut er alles, damit die beiden sich wohl fühlen; er öffnet nach ihrem Dafürhalten verbotene Türen und zeigt ihnen inmitten des Schreckens von Marmond House eine sinnliche und schöne, fast paradiesisch anmutende Welt, von der die beiden in der Einsamkeit ihres früheren Daseins nie zu träumen gewagt hätten.

Der vielseitig begabte und meist souverän auftretende Duncan ist nicht nur ihr Vormund, sondern wird verständnisvoller Arzt, Berater, Vertrauter und später ihr Liebhaber, der die beiden ermutigt, sich selbst zu sein und sich so anzunehmen, wie sie sind. Was Giles und Victor auf Marmond widerfährt und was sie entdecken, ist ein Wechselbad der Gefühle. Dazu trägt auch Lady Christina Ashbrooke bei, eine frivole Mitbewohnerin, die sich ständige Wortgefechte (und mehr) mit Duncan liefert und ihm das Leben zur Hölle macht. Giles und Victor verstehen nicht, weshalb sie dem Haus nicht einfach endgültig den Rücken kehrt, bis ihnen klar wird, dass sie wie Duncan und dessen verschwiegene Dienerschaft auf rätselhafte Weise in Marmond gefangen ist. Sind die Jungen nur Mittel zum Zweck, und ist Duncan ein ganz anderer als der, der er vorgibt zu sein? Die Hinweise darauf jedenfalls verdichten sich, je mehr Giles in die Familiengeschichte der Asquiths und seiner eigenen vordringt.

Meinung: 'Haus der Schatten' war für mich als Schauergeschichten- und Gay Romance-Fan ein besonderes Vergnügen. Die Geschichte ist atmosphärisch, originell, berührend und besonders in Bezug auf den medizinischen Aspekt adäquat zeitgenössisch recherchiert. Viel Wert wurde ebenfalls auf niveauvolle und prickelnde Erotik gelegt; etwas, das ich sehr schätze. Die Charaktere sind wundervoll beschrieben, jede Figur mit ihren Fehlern auf ihre Art nachvollziehbar und liebenswert, selbst die zänkisch-derbe Christina, die mein heimlicher Favorit war. Doch vor allem die Jungs und der ambivalente Duncan sind mir ans Herz gewachsen. Durch den Detailreichtum und die sorgfältige Schreibe geht sofort das Kopfkino an, und man fühlt und leidet, freut und gruselt sich mit dem sympathischen Erzähler, der es wahrhaftig nicht leicht hat und sich trotzdem keine andere Zukunft vorstellen kann als mit Victor und Duncan auf Marmond House. Das Ende war für mich stimmig und passend zur gesamten dichten Atmosphäre des Romans.

Fazit: Empfehlenswert für alle, die das Ungewöhnliche lieben und die noch gerne über eine Geschichte nachdenken, wenn die Buchdeckel längst geschlossen sind. Denn sie hat viel mehr zu bieten als gepflegten Grusel und entführt den Leser in eine Welt, die man trotz all ihrer Unheimlichkeiten nur ungern wieder verlässt. 

 

 Bewertung:   💫💫💫💫💫

 


Freitag, 12. Februar 2021

Leserunde zu "Das Bildnis des Grafen"

 Wer hätte es gedacht?! Mein Roman "Das Bildnis des Grafen" tritt zum zweiten Mal nach 2013 als Kandidat einer Leserunde auf dem Büchertreff an! Initiiert wurde sie von einer Teilnehmerin der "Jane Eyre"-Leserunde, nachdem ich angeboten hatte, das Buch als Autorin zu begleiten. In den Fokus bzw. ins Bewusstsein rückte der immerhin über zehn Jahre alte Graf durch die positive Meinung einer Leserin, die den kostenlosen Download genutzt hat. Sie wird leider nicht an der Leserunde teilnehmen, da sie schon über die Hälfte gelesen hat und nicht warten möchte (was ich verstehe). Jedenfalls vielen herzlichen Dank dafür!

 Ich werde mich ein wenig mehr zurückhalten als beim ersten Mal; zumindest nehme ich es mir vor (in die Tat umzusetzen ist nicht immer so einfach, vor allem, wenn Fragen auftauchen, die ich ganz gerne beantworten würde, die aber nicht gezielt an mich gerichtet sind... (O;)

 


Ich freue mich unheimlich auf die LR, die Ende März / Anfang April startet. Mir ist es ganz recht, dass der Zeitpunkt noch etwas hin ist, denn ich muss mich erst wieder ein bisschen "einlesen", auch wenn das vielleicht albern klingt. Es ist schon merkwürdig, dass man selbst als Schriftstellerin zuweilen vergisst, wie genau die Geschichte abläuft, die aus der eigenen Feder geflossen ist. Außerdem ist sie gar nicht so einfach und setzt Offenheit in Richtung Mystik und den jüdisch-christlichen Glauben voraus, der gelegentlich mit historischem Hintergrund thematisiert wird. Und dann gibt es noch den kriminalistischen Aspekt, der neben der Psychologie den Kern der Geschichte bildet und aus dem Hauptprotagonisten Renoir so etwas wie einen Ermittler wider Willen bzw. einen Seelenklempner auf Abwegen macht. Man muss schon sehr aufmerksam lesen und am Ball bleiben. 

Ein Buch für zwischendurch ist "Das Bildnis des Grafen" garantiert nicht. In erster Linie ein Kriminalroman, birgt es doch manche phantastische Elemente, die verschieden interpretierbar sind. Da Valentine, der heimgekehrte junge Soldat, unter postraumatischen Belastungsstörungen leidet, könnte man sie auch als Halluzinationen bzw. Visionen betrachten. Insgesamt ist alles auf den ersten Blick geheimnisvoll und rätselhaft, selbst für den hinzugezogenen französischen Psychologen, der eigentlich nur vom Earl geschickt wurde, um aus Valentine wieder "einen Menschen und anständigen Erben zu machen". Erst nach und nach kommt Licht ins Dunkel. 

Überdies streift der Roman neben der Solidarität des gemeinsam Erlebten auch den emotional wachsenden Zusammenhalt von Arzt und Patient, der nicht selten in beinahe zärtlichen Gesten gipfelt und Renoir an seiner Professionalität als Therapeut zweifeln lässt. Manche Leser/innen haben diese Handlungen als homoerotisch gedeutet. Dazu möchte ich sagen, dass es für meine traumatisierten Figuren wichtig ist, nach der Zeit der emotionalen Abstumpfung im Krieg menschliche Nähe zu erfahren, unabhängig vom Geschlecht. Weder Renoir noch Valentine sind ineinander verliebt, doch sie lernen durch den jeweils anderen, Gefühle wieder zuzulassen und zu vertrauen. Beide sind durch eine ähnliche Situation gegangen, so dass es mir richtig schien, die Grenzen von Alter und Stand zwischen ihnen ein bisschen zu verwischen. Vielleicht sind sie am ehesten Seelenverwandte oder - wie Renoir es ganz zu Beginn ihrer Bekanntschaft für sich selbst ausdrückt - Verbündete. Nicht nur im Hinblick auf das Familiengeheimnis, das es zu enträtseln gilt.

 

Valentine

Ich weiß, dass der Roman bei einigen Lesern und Leserinnen nicht so gut ankam, wie ich mir das gewünscht hätte und er auf Amazon neben guten Rezensionen leider auch recht schlechte Kritiken bekommen hat. Vielleicht bin ich deshalb auch ein bisschen aufgeregt, obwohl dies mittlerweile die dritte Leserunde mit einem meiner Romane ist und ich daher kein Lampenfieber mehr haben sollte und ich natürlich mit Kritik umgehen kann. Trotzdem scheint der Graf für Kontroverse unter den Lesern zu sorgen. Einerseits finde ich das ganz gut, andererseits halten gerade die schlechten Meinungen viele davon ab, der Geschichte eine Chance zu geben. Und obwohl auch Frauenfiguren wie Lilian und Pauline eine tragende Rolle spielen, liegt das Augenmerk auf der Beziehung zwischen dem Psychologen Gaspard Renoir und seinem Patienten Valentine Whitehurst. Nicht, dass das ein Manko wäre, doch ich stelle immer wieder fest, dass weibliche Leser gern eine Frau durch eine Geschichte begleiten. Ich hoffe, eine Identifikationsfigur fehlt nicht allzu sehr...




Dass mein Trailer bei einigen Usern die Neugier geweckt hat, freut mich besonders. Ich hoffe sehr auf eine rege Teilnahme und dass sich jeder gut unterhält. Auf dem Büchertreff kann man sich *hier* anmelden. Demnächst wird es dann einen Thread geben, auf dem die Leserunde stattfindet. Interessierte sind herzlich willkommen! Den Roman gibt es bei Amazon als Print und ebook. Mitglieder von Kindle Unlimited können ihn kostenlos herunterladen.



Donnerstag, 14. Januar 2021

Leserunde "Jane Eyre" von Charlotte Bronte

Irgendwie habe ich in der kalten Jahreszeit immer das Problem, dass ich zu faul zum Lesen bin. Ich weiß nicht, woran es liegt, dass ich lieber auf dem hochsommerlichen Balkon zu einem Buch greife und ab September eher vor der Glotze oder dem PC abhänge. Jedenfalls wollte ich dem zumindest zeitweise ein Ende machen. Eine gute Gelegenheit, die winterliche Leseträgheit zu überwinden, ist die Teilnahme an einer Online-Leserunde, bei der eine kleine Anzahl Leser dasselbe Buch diskutiert.
 


Da ich erst zur Weihnachten "Jane Eyre" geschenkt bekam und dieser Roman vor kurzem zur Debatte auf dem Bücherforum stand, habe ich mich flugs angemeldet und bin nun tatsächlich schon über die Hälfte und meinen "Mitstreiterinnen" damit um einige Kapitel voraus. Ich bin eher eine langsame Leserin, und somit hat mich mein ungewohnt rasantes Tempo selbst überrascht. 

Neu ist die Geschichte für mich ja auch nicht - im geschriebenen Wort wirkt sie aber natürlich nochmal anders. Ob besser, kann ich (noch) nicht sagen, was mir wieder einmal beweist, wie akribisch und sorgfältig die BBC-Miniserie umgesetzt wurde. Wahrscheinlich ist deshalb auch meine Meinung über den sarkastischen und etwas rechthaberischen Rochester milder als sie es wäre, wenn er für mich nicht die Züge von Toby Stephens hätte - der perfekte Schauspieler für den perfekten Rochester (keine Widerrede!). Und daher schon dreimal nicht hässlich... (O:

Andererseits finde ich ihn von allen Charakteren im Roman am glaubwürdigsten, auch ohne Mr. Stephens markant interessantes Gesicht. Er ist launenhaft, manchmal geschwätzig und hat ein Faible für derbe Scherze, doch zugleich wirkt er belesen, klug und zurückhaltend. Und er betrachtet Jane - eine einfache Gouvernante weit unter seinem Stand - als "Freundin". Die meisten anderen Figuren erscheinen mir auf gewisse Weise eindimensional und wenig überraschend. Stereotyp halt. Wobei man bedenken muss, dass der Roman 1847 veröffentlicht wurde und Charlotte Bronte vielleicht gar keine Stereo-, sondern Arche- und Prototypen erschaffen hat mit dem dogmatischen strengen Mr. Brocklehurst und der verbittert bösen Tante Reed oder der sanftmütigen, tiefgläubigen Helen (die ich geliebt habe, trotz ihrer schier unglaublichen Reife für die zarten dreizehn Jahre, die sie zählt).

Doch zurück zu Rochester. Dass er sich nach seiner Odyssee durch die halbe Welt die Titelheldin als Gefährtin wünscht, ist absehbar und auch nur gerecht, wenn man bedenkt, wie sehr die kleine Pragmatikerin Jane für ihn entflammt und ihre Empfindung in schöne, aber völlig unkitschige Worte fasst, wenn sie ihren geliebten Herrn beobachtet. Das gefällt mir gut im Roman, denn die Gefühle und Reflektionen kommen in einer Verfilmung, so gut sie auch sein mag, naturgemäß zu kurz.

Charlotte Brontes Gespür für ihre Figuren muss man wirklich bewundern. Manchmal wird sie zwar ein wenig weitschweifig und verliert sich gerne in etwas hochgestochenden Konversationen ihrer Protagonisten, für die neben der Liebe vor allem die Vernunft regiert, aber auch das schiebe ich mal gutmütig auf das Alter des Klassikers. Und auf Janes erstaunlich emanzipierte Art, mit Rochester umzugehen.

Bisher machen mir der Roman und auch die nette Runde der Teilnehmerinnen richtig Spaß. Und es spornt zum Lesen an. Mit "Jane Eyre" habe ich allerdings auch Glück - eine geheimnisvolle, sprachlich und psychologisch ausgefeilte Geschichte in einem abgelegenen Herrenhaus mit unheimlichen Elementen - das ist genau mein Ding! Bin gespannt, ob ich so euphorisch bleibe. Denn sobald es zu romanzig wird, bin ich meist nicht mehr so angetan, das weiß ich...








Samstag, 14. Oktober 2017

Meine Halloween-Favoriten

Bald ist Halloween, die Zeit des Gruselns. Manche gruseln sich ja schon, wenn das Wetter schlechter wird und die Dunkelheit früh anbricht - so wie ich. Bin ein absoluter Sommermensch und hätte nichts dagegen, sogar Weihnachten unter Palmen am Strand zu feiern. Schnee würde ich nicht wirklich vermissen. Das behaupte ich zumindest mal.

Aber ich gebe zu: der Herbst hat auch seine schönen Zeiten. Kuscheln auf dem Sofa, Tee trinken und ein gutes Buch lesen oder spannende Filme glotzen, das mache ich eher in der kalten Jahreszeit. Daher habe ich mal ein kleines Video zusammengebastelt, das meine literarischen und cineastisch-medialen Schmankerln vereint. Vielleicht findet ihr die eine oder andere Anregung für einen gelungenen Grusel-Herbst.





Wenn ihr eure eigenen Gruselschocker habt und mir ein Buch oder Film des Genres empfehlen möchtet, ruhig her damit im Kommentarbereich. Aber bitte kein Splatter/Gore und diverse "nervige Teenager verirren sich in altem Haus das ihnen Böses will"-Filme. (O;



Samstag, 22. Oktober 2016

Halloween Tipps in Buch und Film

Der Herbst hat uns ja wieder so richtig im Griff: prasselnder Regen, eisiger Wind und rotgolden leuchtende Blätter bestimmen Wetter und Straßenbild.

Und obwohl ich eindeutiger Sommermensch bin und nichts dagegen hätte, 365 Tage im Jahr in Shorts und Flipflops bei tropischen Temperaturen herumzuhüpfen, kann ich der düsteren Jahreszeit mit ein bisschen Mühe etwas Positives abtrotzen: die langen Schmöker- und Fernsehabende, am liebsten zu zweit unter einer Kuscheldecke und einer Kanne Tee.

Daher habe ich ein kleines Video mit meinen Lieblingen - passend zum Thema Halloween - zusammengestellt. Vielleicht kennt ihr ja den einen oder anderen noch nicht und werdet neugierig auf meine Tipps.





Welches ist denn euer Halloween-Schmankerl? Schreibt mir einen echt gruseligen Roman oder Film in den Kommentarbereich, wenn euch etwas einfällt.


Mittwoch, 15. Juni 2016

Sommeraktion: "Das Bildnis des Grafen" für € 2,99 !

Eigentlich ist mein historischer Schauerroman ja eher ein Herbst- und Winterschmöker. Aber mal ehrlich, der Sommeranfang hat ziemlich viel vom Herbst mit seinen unerwarteten Regengüssen und niedrigen Temperaturen. Was ist also schöner, als sich bei Schmuddelwetter mit einer Decke und einer Kanne Kaffee oder Tee aufs Sofa einzukuscheln und dabei ein dickes, spannendes Buch zu lesen, das einen in eine andere Welt entführt?




Bis zum 19. Juni (danach wird es heiß, ganz bestimmt, und ihr könnt mit eurem Kindle nach Balkonien oder den Strand umsiedeln!) läuft auf Amazon mein Angebot, bei dem ihr das ebook zum Grafen zur Hälfte des regulären Preises erstehen könnt. Den Link gibt es unten im Widget - einfach draufklicken.




Dienstag, 23. Februar 2016

"Das Bildnis des Grafen" ~ Buchtrailer

Sollte es eine Geschichte von mir geben, die ich als *mein Baby* bezeichne, so wäre das ohne Überlegung "Das Bildnis des Grafen". Nicht, weil es mein Debütroman ist oder ich am längsten von allen meinen Romanen daran gefeilt habe. Sondern weil ich eine Geschichte erzählen wollte, die bis heute für mich am dichtesten ist und am meisten Atmosphäre hat.

Es ist eine Mischung aus Krimi und Schauerroman; etwas, das ich in dieser Form eigentlich gar nicht kenne. Natürlich tauchen sowohl für Krimileser als auch Gruselfans bekannte Elemente auf, und dennoch glaube ich, dass ich Klischees und deren Falltüren ganz gut umschifft habe.




Es tut mir daher ein bisschen leid, dass gerade dieser Roman auf Amazon zwei miserable Rezensionen abbekommen hat, die in meinen Augen nicht wirklich fair und fundiert geschrieben wurden. Dass Meinungen unterschiedlich sind, akzeptiere ich und wäre an sich kein Problem - als Autor muss man mit Kritik umzugehen lernen. Trotzdem merke ich an den Verkaufszahlen, dass diese vernichtenden Kritiken das Leseverhalten beeinflussen und sich Interessenten evtl. davon abgeschreckt fühlen.

Ich würde mich freuen, wenn der Trailer den einen oder anderen davon überzeugen kann, sich auf einen Roman einzulassen, der mit verschiedenen Genres spielt und vor allem eines will: eine originelle Geschichte abseits des Mainstream vermitteln und den Leser in eine vergangene Epoche führen, in der die Menschen zwischen Fortschritt und dem traumatischen Niedergang der Traditionen durch den Ersten Weltkrieg ihr seelisches Gleichgewicht wiederfinden mussten. Wer Freude an gut recherchierten, historischen Krimis in zeitgenössischer Sprache hat und bereit ist, über ein paar Phänomene zu staunen, die überwiegend das Fantasy- und Grusel-Genre prägen, liegt mit "Das Bildnis des Grafen" ganz bestimmt nicht verkehrt.



Freitag, 17. April 2015

Tom Hiddleston wäre mein Carrick Escaray!

Jeder Autor träumt mehr oder weniger davon, dass sein Buch nach Hollywood verkauft wird und ein Film entsteht, was ja in den Köpfen der Erfinder auch irgendwie der Fall ist. Ohne Kopfkino und meiner Phantasie und der visuellen Vorstellung der Protagonisten könnte ich nicht schreiben, und ich bin sicherlich nicht die einzige Autorin, der es so geht. 

 


 Im Herbst kommt nun ein "Goth-Gruselschocker" in die Kinos, nämlich Crimson Peak von Gulliermo del Toro, mit Tom Hiddleston in der Hauptrolle. Die Bilder vom Set und Promofotos erinnern mich sehr stark an meinen Roman "Das Bildnis des Grafen", und ich hätte mir sooo gewünscht, dass der schmucke und charismatische Hauptdarsteller in die Rolle meines englischen Grafen geschlüpft wäre anstelle in die des nicht minder mysteriösen Thomas Sharpe.

Denn es ist irgendwie witzig: Das Porträt, das in der Galerie des Schlosses hängt, stelle ich mir genau so vor wie Tom Hiddleston im Film aussieht. Natürlich fehlt die weiße Strähne, eines der markanten Merkmale von Carrick, aber das wäre ja im Nu erledigt. Witzig auch, dass Tom Hiddleston in diesem Film dunkle Haare hat, wo er ursprünglich hell ist, und dass er bereits mit Jeremy Irons zwei Filme bzw. Serien gedreht hat, der - wie vielleicht aufmerksame Leser meines Blogs bereits wissen - das Vorbild war für den französischen Psychologen Gaspard Renoir, der versucht, das Geheimnis hinter dem Bildnis zu ergründen.

Leider wäre Mr. Irons mittlerweile ein bisschen zu graue Eminenz vom Dienst für Gaspard, aber auch das wäre nichts, was sich in der Filmindustrie nicht beheben ließe. Allerdings bin ich nicht sicher, ob man ihm mit Mitte Sechzig noch einen Endvierziger abnehmen würde. Andererseits - wirklich jung sah er ja nie aus, und dieses Elegische und Schwermütige hat er immer noch.

Bliebe von den Hauptfiguren nur noch Valentine Whitehurst, der traumatisierte junge Soldat, wegen dem Gaspard überhaupt erst in Yorkshire auftaucht. Der Schauspieler, den ich damals vor Augen hatte, war schon beim Schreibprozess nicht mehr im passenden Alter, aber bestimmt ließe sich jemand finden - kein Schönling, sondern jemand, der Arroganz, Sprunghaftigkeit und Verletzlichkeit unter einen Hut bringen kann. Vielleicht würde der Regisseur genau den richtigen auswählen. Ach ja, von was man als Autor so träumt...





Sonntag, 9. November 2014

Fazit Leserunde und Rezension "Haus der Geister" / This House is Haunted von John Boyne

Selten habe ich mich bei einer Leserunde so rege beteiligt wie an dieser, und zugleich so viel Frust mit dem Buch gehabt. Insofern muss John Boyne doch etwas richtig gemacht haben, denn wenn ein Roman für kontroverse Diskussionen sorgt, kann er so schlecht nicht sein, zumal sich der Großteil der Teilnehmer - wenn schon nicht gegruselt - dann doch gut unterhalten hat.




Mit gutem Willen und in schauriger Erwartung habe ich angefangen, um schon nach wenigen Kapiteln festzustellen, dass mich die Geschichte aufgrund ihrer Unoriginalität und Vorhersehbarkeit nicht fesseln konnte. Das war sehr schade, denn ich finde, dass John Boyne originell schreibt und für mich auch ein Autor ist, der es wagt, auf gute Art Regeln zu brechen. Die wenigen, die er in seiner "Schauergeschichte" gebrochen hat, sind m. M. nach ordentlich misslungen und der Schuss nach hinten losgegangen.

Was seine Ich-Erzählerin Eliza Caine (Insider-Referenz an Hugh Craine, den Schlossbesitzer aus "Bis das Blut gefriert") im Jahre 1867 in London und Norfolk als Gouvernante zweier zunächst offenbar elternloser Kinder erlebt, habe ich in den diversen Filmen besser umgesetzt gesehen, von denen sich Boyne "inspirieren" ließ. Miss Giddens, Miles und Flora lassen grüßen.

Seine gruseligen Elemente (oder die, die es sein sollen) wirken plakativ und Hollywood-mäßig effekthascherisch, und sind nicht selten unfreiwillig komisch. Etwa die Hände, die Eliza herumwirbeln, sie des nachts unter die Bettdecke zerren und natürlich der von den  Baskervilles ausgeliehene geifernde schwarze Hund am Strand von Great Yarmouth, der es auf sie abgesehen hat.

Atmosphärisch und mitunter witzig geschrieben ist das Buch immerhin, doch mir reicht das nicht, wenn ich eine spannende und Gänsehaut erzeugende Story lesen will und auf Grusel eingestellt bin. Und dabei ist doch auf der Rückseite des Buches von "unexpected twists" die Rede, auf die ich so sehnlichst gewartet habe. Überraschungen? Knifflige Rätsel? Pustekuchen. Alles nach Plan und wie erwartet. Unwichtige Details wie geisterhaft erscheinende Kinder auf dem Friedhof werden dabei so aufgeblasen, dass man meint, man müsse sie für eine spätere Auflösung im Hinterkopf behalten, doch sie versanden im Nichts und lassen mich als Leser mit einem Gefühl der Vera****e zurück.

Ein recht großer Fauxpas waren einige heikle, sensible und populistische Themen, die in einer klassisch altmodischen  Schauergeschichte einfach nichts verloren haben, wie ich finde. Regelbruch hin oder her. Ich hätte einem renommierten Schriftsteller zugetraut, auf weniger billige Plot-Devices zurückgreifen zu müssen.

Die Charaktere blieben ohne Tiefe, und es war mir nicht möglich, zu irgend jemanden in der Geschichte eine Verbindung herzustellen oder etwas zu empfinden, außer Mitleid für den Geist und den dahinvegetierenden Gatten in der Geheimkammer. Das Ende - angeblich ein Feuerwerk an Originalität - mag für Neueinsteiger in das Genre gewaltig sein, ich fand es eher klischeebeladen.

Besonders - Achtung Spoiler! - die Tatsache, dass Satina ihren Mann nur deshalb beim Schürhaken-Attentat verschont hat, um in der Zwischenwelt bleiben zu können und den Gouvernanten eins auszuwischen, war zwar originell, aber fast *zu* haarsträubend. Welcher Mensch sieht schon voraus, in welcher Welt er nach dem Tod landen wird und welche Fähigkeiten er dann hat? Oder ob er überhaupt dort ankommt? Vielleicht aber war Santina überhaupt nie ein Mensch, sondern eine Kreatur der Untoten, die zufällig einen Engländer geheiratet hat?

Das Positive am Buch waren Kapitel 13, bei dem mir tatsächlich ein Schauer über die Arme lief, und die Leserunde. Ich mochte sie sehr, denn trotz verschiedener Meinungen hatten alle viel Spaß und waren mit Eifer bei der Sache; etwas, das gerade bei Online-Veranstaltungen nicht selbstverständlich ist. Am liebsten würde ich mit denselben Leuten noch einmal eine Buchbesprechung starten - eine, in der ich mit nicht ständig als Spaßbremse outen müsste, die mit ihren Vermutungen die gesamte Handlung verrät.

Bewertung:
 
👍👍 und ein halber dazu 👍





Freitag, 31. Oktober 2014

Start der Leserunde "Haus der Geister" von John Boyne

Vor knapp zehn Tagen schrieb mich eine liebe Online-Freundin an, um mich zu fragen, ob ich Lust hätte, mal wieder gemeinsam ein Buch zu lesen und mich mit ihr darüber auszutauschen. Ich war ein bisschen skeptisch, denn obwohl unsere erste "private" Lesung der Pendragon Legende von Antal Szerb mir sehr viel Spaß gemacht hat, laboriere ich seit längerem an einer Leseflaute und bin zudem damit beschäftigt, eine kleine Fantasy-Geschichte mitzuentwickeln, um die meine Gedanken kreisen.

Ganz vorsichtig habe ich nachgehakt, ob es in Ordnung wäre, wenn wir "Haus der Geister", der neue Roman von John Boyne, in Angriff nehmen würden. Und wir haben festgestellt, dass wir beide das Buch schon länger auf unserer Wunschliste haben. Das sah ich als ein Zeichen, endgültig zuzusagen und den inneren Schweinehund in Form meiner Leseunlust zu überwinden, denn erfahrungsgemäß ist der Anreiz zu lesen größer, wenn man mit anderen über die Handlung diskutiert und deren Meinungen überdenkt. Oft verhelfen weitere Ansichten zu einer völlig anderen Betrachtungsweise - etwas, das ich total spannend finde. Flugs wurde das Buch bestellt, damit ich pünktlich zu Halloween mit den Hufen scharren kann.

Mittlerweile sind wir fünf Teilnehmer auf unserem Forum, die sich über den Schauerroman austauschen möchten. Mich hat nun doch so eine Art freudige Erwartung erfasst, nachdem ich die ersten beiden Kapitel gelesen habe. Subtiler Grusel und Schauerromane sind ja nicht mehr so en vogue wie zu Zeiten von Edgar Allan Poe, und trotz mehrheitlich positiver Rezensionen schneidet Mr. Boyne mit seinem aktuellen Werk nicht bei allen Lesern gut ab. Der Roman bedient sich angeblich ungeniert Elementen aus Klassikern wie "Das Durchdrehen der Schraube / Das Schloss des Schreckens" oder dem Film "Bis das Blut gefriert". Verwerflich finde ich es allerdings nicht, wenn es gut verpackt und nicht 1:1 übernommen wurde. Immerhin kommt beim Lesen bzw. Anschauen besagter Klassiker den meisten von uns das Grausen. Knarrende Dielen, rotierende Türknäufe und scheppernde Fensterläden sind nach "Bis das Blut gefriert" nie mehr dieselben.

Bisher ist von Spuk und Plagiat im Roman wenig zu spüren. Die einzige Parallele, die mir beim Durchlesen der Beschreibung auffiel, ist die Personenkonstellation: zwei mysteriöse Kinder und eine junge, unerfahrene Nanny. Aber irgendwie vertraue ich darauf, dass mir der Roman trotz der offensichtlichen Gemeinsamkeiten gefallen wird. Schon "Das späte Geständnis des Tristan Sadler" des Autors war für mich ein außergewöhnliches Buch, das nie an Glaubwürdigkeit verlor. "Haus der Geister" schätze ich ähnlich ein. Auch wenn ich es als reine Unterhaltung betrachte und es mich sicher nicht so nachhaltig beeindrucken wird wie der Tristan.



Montag, 27. Oktober 2014

Halloween-Aktion Gratis-Download "Das Bildnis des Grafen"



Passend zur gespenstischen Jahreszeit und der früh einsetzenden Dunkelheit starte ich eine Gutschein-Aktion auf Xinxii, bei der ihr meinen historischen Gruselkrimi "Das Bildnis des Grafen" kostenlos herunterladen könnt.


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Alles, was ihr dafür tun müsst, ist, euch bei Xinxii zu registrieren (falls ihr nicht schon Mitglied seid), den obigen Code kopieren und ihn beim Ausloggen einlösen. Sehr freuen würde ich mich über eine anschließende Meinung von euch, entweder als Rezension direkt bei Xinxii, auf Amazon und / oder eurem Blog.

Ein kleiner Hinweis für die "Realitäts"-Leser: trotz sorgfältiger historischer Recherche kommen im Roman fantastische Elemente vor bzw. die Handlung erschließt sich teilweise aus der Sicht eines traumatisierten Soldaten, die nicht unbedingt auf Vernunft basiert. "Das Bildnis des Grafen" versteht sich daher nicht als reiner historischer Krimi, sondern als eine Mischung zwischen diesem und einer klassischen Schauergeschichte.

Die Anzahl der Gutscheine ist begrenzt; wer zuerst zugreift, liest zuerst. Die Aktion läuft vom 27. Okt. - 1. November.

Viel Glück bei der Teilnahme und viel Freude, Gänsehaut und Spannung beim Lesen!




Dienstag, 28. Januar 2014

"Was hat dich eigentlich zum *Bildnis des Grafen* inspiriert?"

Diese Frage bekomme ich häufig gestellt. Und sie ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn ich habe keine literarischen Vorbilder im engeren Sinn. Aber ich bin fasziniert von komplexen Kriminalgeschichten und unerklärlichen Phänomenen, was nicht bedeutet, dass ich mich für Parapsychologie interessiere oder glaube, dass die Wahrheit irgendwo da draußen ist.

Als ich anfing, den "Grafen" zu schreiben, hatte ich zuvor Rennie Airths "Nacht ohne Gesicht" gelesen und war begeistert von den Protagonisten und der Dynamik zwischen dem wortkargen, vom Krieg und einer Familientragödie gezeichneten Einzelgänger Detective John Madden und dem übereifrigen Polizeianfänger Billy Styles, der in stiller Ehrfurcht zu seinem Vorgesetzten aufsieht. Die beiden waren ein seltsames, aber sympathisches Gespann, und ich habe ein wenig bedauert, dass in den Folgebänden um John Madden der junge "Rookie" nicht mehr auftaucht, der dann nicht mehr ganz so jung und unerfahren wäre. Auch die anschaulichen, aber nie weitschweifigen Landschaftsbeschreibungen und die Zeit, in der der Roman angesiedelt ist, haben mein Kopfkino angekurbelt, ganz zu schweigen von der psychologischen Komponente, die sich auf sämtliche Charaktere erstreckt - besonders auf John Madden und den Täter, der entgegen der gängigen Regel eines Krimis schon bald enttarnt wird. Dennoch wird die Geschichte auf keiner Seite langweilig, im Gegenteil.

Ich habe das Buch mehrmals und auch im Original gelesen, und jedes Mal habe ich Neues entdeckt, auf das ich beim vorigen Schmökern nicht geachtet hatte. Kurz gesagt, ich liebe diesen Roman, der bis heute zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählt. Vermutlich wird da so schnell nichts nachkommen...




Die ungewöhnliche Geschichte ließ mich lange nicht los, und irgendwann stand mein Entschluss fest, etwas zu schaffen, das mir ebenso viel Spaß macht. Ganz anders, natürlich, aber angelehnt an die Figur des einsamen Wolfes, der Schreckliches erlebt hat und erst durch ein Ereignis und die damit verbundene Beziehung zu Dritten wieder einigermaßen ins normale Leben zurückfindet. So war mein französischer Psychologe Gaspard Renoir geboren, den ich ins edwardianische England geschickt habe, um auf einem Herrensitz auf seinen ersten und härtesten Fall nach dem Krieg zu treffen: den schwer traumatisierten Valentine Whitehurst, Neffe und zukünftiger Erbe des Earl of Whitehurst. Valentine macht es Renoir nicht leicht, und auch der rasch aufbrausende Earl ist wenig willens, Renoir bei der Therapie freie Hand und beide - Arzt und Patient - unbeobachtet zu lassen. Doch Renoir freundet sich mit dem Gärtner des Anwesens an, der ihm vorschlägt, mit Valentine in der Abgeschiedenheit des leerstehenden Nachbargrundstückes Escaray Hall die Behandlung fortzusetzen.

Der Name Escaray ist mir im Kino aufgefallen. Die Firma, welche die Säle bestuhlt (bestuhlt - das klingt komisch, oder?^^), hieß Eskaray (und heißt immer noch so). Ich fand, das hatte einen guten Klang. Ich weiß nicht mehr, ob die Herkunft und die Geschichte meines Titelhelden zu dieser Zeit schon für mich feststanden. Sicher war, dass er diesen Namen tragen sollte. Und mysteriös sollte er sein, vielleicht sogar ein bisschen unheimlich. Schließlich gilt sein Anwesen offiziell als verwaist, nachdem es während der ersten Kriegsjahre als Lazarett gedient hatte.




Würde man mich nach meiner Lieblingsfigur im "Bildnis des Grafen" fragen, so wäre das wahrscheinlich Carrick Escaray, obwohl ich alle meine Charaktere bis auf die kleinste Nebenfigur mag. Selbst den jähzornigen Benjamin Earl of Whitehurst, der durchaus nicht völlig grundlos zu dem geworden ist, was im hohen Alter verstärkt zu Tage tritt - ein harter, verbitterter Mann, der den von der Front heimgekehrten Neffen einzig deshalb therapieren lassen will, um die Nachkommenschaft zu sichern.

Die "unerklärlichen" Elemente habe ich miteingebaut, weil ich Schauergeschichten liebe und mich selbst hin und wieder gern grusele, sei das bei einem subtilen Horrorfilm oder einem Gänsehaut erzeugenden Buch. Obendrein kam mir zugute, dass Kriegsgeschädigte häufig unter Halluzinationen und / oder erhöhter Wahrnehmung leiden. Valentine, der anfangs mit niemandem spricht, gelingt es, mit dem Grafen Kontakt aufzunehmen, und zwar auf recht ungewöhnliche Weise. Ob es sich dabei allerdings um Visionen handelt, möchte ich hier nicht verraten.

Ich bin ein Freund von offenen Enden, heißt ich liebe es, meine Leser zum Nachdenken anzuregen und sie ihre eigenen Schlüsse ziehen zu lassen. Als Leser schätze ich es wenig, alles haarkein erklärt zu bekommen. Stattdessen beschäftige ich mich gern noch eine Weile mit dem Gelesenen, lasse die Geschichte noch einmal vor meinem inneren Auge Revue passieren und auf mich wirken, sowohl als Leser als auch als Autor, wenn mich der Roman gefesselt hat. Am "Grafen" habe ich um die zwei Jahre geschrieben. Und sie waren jede Minute wert.

Mittlerweile ist der Roman mehrere Jahre alt. Trotzdem gefällt mir die Geschichte von Escaray, Valentine und Renoir noch immer. Und das kann ich nicht von jeder meiner Geschichten behaupten...



Sonntag, 24. Februar 2013

Eindrücke Leserunde "Das Bildnis des Grafen" (V)


Über die Hälfte haben wir jetzt geschafft, und ich bin fast ein bisschen traurig, dass sich unsere Runde damit dem Ende entgegen neigt. Es ist toll und ein gutes Gefühl, zu sehen, wie besonders zwei der noch aktiven Teilnehmer sich mit der Geschichte und den Figuren beschäftigen und ihre Schlüsse ziehen, miteinander diskutieren und rätseln, was es mit den Familien Whitehurst und Escaray auf sich hat. Ich habe mich in den letzten Tagen virtuell ein wenig rar gemacht - es scheint mir, dass mich jemand im Internet stalkt, auch wenn das vielleicht nur paranoide Vermutungen sind. Ganz raushalten kann ich mich natürlich nicht, dazu bin ich viel zu neugierig... Interessant finde ich, wie sich der Leser doch schon recht bald ein Bild der jeweiligen Charaktere macht und diese Meinung, unabhängig von dem Handeln der Figur, weitgehend beibehält. 

 




 So fiel mir auf, dass Valentine bei vielen zwiespältige Gefühle hervorruft, während der Graf Carrick Escaray einen unbeirrbar treuen Fan hat und beim nächsten Leser blasiert wie Dorian Gray und ein wenig *over the top* wirkt. Gaspard ist immer noch ein Sympathieträger, jedoch wird nun auch deutlich, dass er Fehler macht und sich häufig von seinen Gefühlen leiten lässt (worüber ein Psychotherapeut erhaben sein sollte).

Manchmal mische ich mich ein, um das Verhalten der Figuren plausibel darzulegen, aber eigentlich möchte ich es meinen Lesern überlassen, das, was sie lesen, zu interpretieren. Schließlich muss sich eine Geschichte in der Regel von selbst erklären. Man hat ja nicht bei jeder Lektüre den Autor in Reichweite.

Für alle Fälle kann man mir Fragen stellen, die ich entweder in Spoiler setze (danke, Büchertreff, für diese ungemein praktische Funktion!) oder ganz zum Schluss beantworten werde, wenn jeder der Teilnehmer fertig ist mit dem Buch.

Wenn mich nicht alles täuscht, sind wir nun etwa bei Kapitel 10. Ab da wird das Geschehen, das solche verheerenden Auswirkungen auf Valentine hatte, Stück um Stück aufgeklärt, denn es beginnt mit einem immer wiederkehrenden Alptraum des jungen Soldaten, der in den weiteren Kapiteln durch Renoirs gesammelte Informationen aus Dokumenten, Berichten von des Grafen nahestehender Personen und eine Hypnosesitzung seine Auflösung erfährt.

Übrigens: Es gibt Orangenhaine in England in herrschaftlichen Gärten (ob sie blühen und Früchte tragen, ist eine andere Frage - aber auch in Großbritannien scheint zuweilen die Sonne), und Autos gehörten um die Zeit der Jahrhundertwende des letzten Jahrtausends schon zum Alltag, besonders in industrieorientierten Gebieten und Großstädten. Telefon in begüterten Haushalten sowieso (es wurde bereits 1876 von Graham Alexander Bell erfunden).


Samstag, 16. Februar 2013

Eindrücke Leserunde "Das Bildnis des Grafen" (IV)...


... und eine kurze, klugsch***erische Abhandlung zum Verhalten eines meiner Protagonisten.



Inzwischen sind wir so ungefähr beim fünften Kapitel angelangt (die Kapitel sind recht lang - heute würde ich sie in kürzere Abschnitte unterteilen). Leider sind ein paar der Teilnehmer aufgrund Zeitmangels aus der Runde ausgestiegen... das fand ich sehr schade, schmälert aber nicht die Lust und den Eifer, dabei zu sein. Allerdings muss ich mich häufig bremsen, nachdem ich freundlich ermahnt wurde, nicht zuviel zu erklären, weil man auf die Lösung gern selbst kommen möchte. Absolut verständlich!

Es bleibt spannend, wird aber kompliziert. Neben dem auf mysteriöse Weise verschollenen Titelhelden gibt besonders Valentine Whitehurst meinen lieben Mitlesern Rätsel auf. Vielen erscheint sein Verhalten merkwürdig, oft kindisch, dann wieder sehr erwachsen, ergo unberechenbar. Wenn man die Geschichte zum ersten Mal liest, bekommt man diesen Eindruck ziemlich schnell: Valentine ist sprunghaft, und er wirkt nicht einmal rührend oder sympathisch in seiner Kindlichkeit und den absurden Gedanken, die bis hin zu Wahnvorstellungen reichen. Der junge Mann ist schließlich um die achtzehn Jahre alt - zur damaligen Zeit nicht volljährig, aber streng genommen schon erwachsen.

Vergessen werden sollte jedoch nicht, dass Valentine niemals zuvor von Zuhause weg war, bevor er ins Ausland auf eine höhere Schule geschickt wurde, und dass ihn die Ereignisse im Krieg und auch die Geschehnisse kurz zuvor (die noch im Dunkeln liegen) schwer traumatisiert haben. Er leidet wie viele heimkehrende Soldaten unter einer posttraumatischen Belastungsstörung - eine heute anerkannte Krankheit, deren Erforschung Anfang des 20. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen steckte und bei eben jenen jungen traumatisierten Heimkehrern vom Ersten Weltkrieg als "Bombshell disease" diagnostiziert wurde.

Valentine zeigt typische Symptome dafür: Katatonie, übersteigertes Empfinden, Panikattacken und epileptische Anfälle, sogar Suizidgedanken, die ihm laut eigenen Angaben eine Stimme einflüstert. Wikipedia weiß sogar noch mehr und zählt weitere Verhaltensmuster von Menschen in Valentines Situation auf.


Darüber hinaus möchte ich betonen, dass "Das Bildnis des Grafen" keine reine Kriminalgeschichte ist, sondern mit übersinnlichen Elementen spielt. Ob Valentines ambivalente Beziehung zu dem Grafen Carrick Escaray verstandesmäßig geklärt werden kann, bleibt abzuwarten (und ich hoffe, meine Leser sind weiterhin begierig darauf zu erfahren, wie es weitergeht).