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Montag, 20. März 2023

Ich lese gerade... "Lancelot" von Giles Kristian (leichte Spoiler!).

 Mein erster Wälzer seit vielen Jahren mit über 800 Seiten ist "Lancelot" von Giles Kristian. Darin geht es - unschwer zu erraten - um die Artussage und wie Lancelot zum Tafelritter und Liebhaber der Königsgattin Guinevere wurde, die er bereits in Kindertagen auf der Insel der Herrin vom See kennenlernt, indem er sie aus einem schweren Schiffsunglück errettet, bei dem alle anderen Passagiere ertrinken. 

 


Im vorigen Beitrag habe ich mich bereits ansatzweise darüber ausgelassen, wie seltsam es anmutet, dass Artus-Romane aus männlicher Autorensicht ungleich gewalttätiger wirken als aus weiblicher, und mich dennoch die Vorgänge nicht besonders tangieren, wenn ich für keine der Figuren Sympathie hege. Daher hatte ich nicht vermutet, dass mich gestern eine Stelle zum Heulen gebracht hat, die andere höchstens mit einem Gefühl des leisen Bedauerns gelesen hätten. Die Rede ist von Lancelots Sperberin, die er trainieren soll ("Abtragen" nennt man das in der Sprache der Falkner). Der Falknermeister erteilt ihm diesen unliebsamen Auftrag, kurz bevor König Clauda und sein Gefolge über König Ban herfallen, also gleich zu Beginn der Geschichte. 

Lancelot und der Vogel werden keine Freunde. Im Gegenteil. Es scheint so, als würde die aggressive Sperberin ihren neuen Herrn demonstrativ verachten, während Lancelot sich zwar Mühe mit ihr gibt, sich aber ihrer insgeheim schämt, weil ihm nicht der viel wertvollere und imposantere Gefalke anvertraut worden ist. Er wird zum Spott der Jungs auf der Insel Karrek, und auch die erwachsenen Männer ziehen ihn wegen seines ungehorsamen Sperberweibchens auf, das zwar keinen Namen hat, aber im Lauf der Zeit doch so etwas wie eine Gefährtin für Lancelot wird, wenn auch unfreiwillig. Lancelot hängt an ihr, haben sie gemeinsam doch eine Menge durchgestanden.

Sie überlebt wie er die Flucht von Benoic nach Aremorica und von dort nach der Insel über den Kanal in einem Weidenkörbchen, das Lancelot ständig mit sich trägt. Und als unerwarteter Sieger des alljährlichen Seerennens erhält er von der Herrin Nimue einen exquisiten Falknerhandschuh aus Hirschleder. 

Ich mochte das ungleiche Gespann Vogel und Mensch, und besonders gefiel mir, dass die Sperberin nicht klein bei gab. Immer war sie wild, unberechenbar und auch starrköpfig. Es gibt auch Momente, in denen es scheint, dass Lancelot ihr Vertrauen gewinnt, doch sie bleibt stets auf der Hut und reagiert selten so, wie er es von ihr erwartet.

 Eines Tages verheddert sie sich aufgrund ihres aggressiven Verhaltens in der Lederfessel und wird von Lancelot zu spät entdeckt: ihr Flügel ist gebrochen. Ich war zwar ein bisschen in Sorge, aber da Lancelot optimistisch daran ging, ihre Verletzung zu behandeln, dachte ich nichts Böses, als alle anderen Charaktere ihn mahnten, es zu einem Ende zu bringen und dem Vogel den Hals umzudrehen. Er tut es nicht, doch die gefiederte Diva verliert ihren Lebenswillen und wird immer schwächer, bis sie nach einer kurzen trügerischen Besserung doch zu den Göttern fährt bzw. fliegt. 

Als ich lesen muste, wie Lancelot und Guinevere die tote Sperberin in den Weidenkorb betten und ihn aufs offene Meer hinaustreiben lassen und Lancelot im Stillen denkt, dass sie vielleicht in die alte Heimat zurückkehrt, war es um meine bis dato mühsam aufrechterhaltene Fassung geschehen. Ich habe geheult wie schon lange nicht mehr aufgrund einer fiktiven Geschichte, so berührt hat mich das Schicksal des kleinen Vogels. Dabei wusste ich nicht einmal, wie Sperber aussehen. 

Am nächsten Morgen hatte ich geschwollene Augen und keine Sonnenbrille und Regenwetter. Das war ein bisschen ungünstig für mein Alibi. Ich hoffe mal, dass Lancelot bei seiner nächsten Beziehung zu einem Tier mehr Glück hat als mit dem Sperberweibchen. Oder dass es nur scheintot ist und aus tiefem Schlaf erweckt werden kann. Das kommt in Legenden und Sagen schließlich öfter vor. Hoffentlich steht das unglückliche Sperberweibchen jedenfalls nicht für Lancelots Versagen auf ganzer Linie. Denn eigentlich ist er ja selbst eine Art Pechvogel.




Donnerstag, 14. Januar 2021

Leserunde "Jane Eyre" von Charlotte Bronte

Irgendwie habe ich in der kalten Jahreszeit immer das Problem, dass ich zu faul zum Lesen bin. Ich weiß nicht, woran es liegt, dass ich lieber auf dem hochsommerlichen Balkon zu einem Buch greife und ab September eher vor der Glotze oder dem PC abhänge. Jedenfalls wollte ich dem zumindest zeitweise ein Ende machen. Eine gute Gelegenheit, die winterliche Leseträgheit zu überwinden, ist die Teilnahme an einer Online-Leserunde, bei der eine kleine Anzahl Leser dasselbe Buch diskutiert.
 


Da ich erst zur Weihnachten "Jane Eyre" geschenkt bekam und dieser Roman vor kurzem zur Debatte auf dem Bücherforum stand, habe ich mich flugs angemeldet und bin nun tatsächlich schon über die Hälfte und meinen "Mitstreiterinnen" damit um einige Kapitel voraus. Ich bin eher eine langsame Leserin, und somit hat mich mein ungewohnt rasantes Tempo selbst überrascht. 

Neu ist die Geschichte für mich ja auch nicht - im geschriebenen Wort wirkt sie aber natürlich nochmal anders. Ob besser, kann ich (noch) nicht sagen, was mir wieder einmal beweist, wie akribisch und sorgfältig die BBC-Miniserie umgesetzt wurde. Wahrscheinlich ist deshalb auch meine Meinung über den sarkastischen und etwas rechthaberischen Rochester milder als sie es wäre, wenn er für mich nicht die Züge von Toby Stephens hätte - der perfekte Schauspieler für den perfekten Rochester (keine Widerrede!). Und daher schon dreimal nicht hässlich... (O:

Andererseits finde ich ihn von allen Charakteren im Roman am glaubwürdigsten, auch ohne Mr. Stephens markant interessantes Gesicht. Er ist launenhaft, manchmal geschwätzig und hat ein Faible für derbe Scherze, doch zugleich wirkt er belesen, klug und zurückhaltend. Und er betrachtet Jane - eine einfache Gouvernante weit unter seinem Stand - als "Freundin". Die meisten anderen Figuren erscheinen mir auf gewisse Weise eindimensional und wenig überraschend. Stereotyp halt. Wobei man bedenken muss, dass der Roman 1847 veröffentlicht wurde und Charlotte Bronte vielleicht gar keine Stereo-, sondern Arche- und Prototypen erschaffen hat mit dem dogmatischen strengen Mr. Brocklehurst und der verbittert bösen Tante Reed oder der sanftmütigen, tiefgläubigen Helen (die ich geliebt habe, trotz ihrer schier unglaublichen Reife für die zarten dreizehn Jahre, die sie zählt).

Doch zurück zu Rochester. Dass er sich nach seiner Odyssee durch die halbe Welt die Titelheldin als Gefährtin wünscht, ist absehbar und auch nur gerecht, wenn man bedenkt, wie sehr die kleine Pragmatikerin Jane für ihn entflammt und ihre Empfindung in schöne, aber völlig unkitschige Worte fasst, wenn sie ihren geliebten Herrn beobachtet. Das gefällt mir gut im Roman, denn die Gefühle und Reflektionen kommen in einer Verfilmung, so gut sie auch sein mag, naturgemäß zu kurz.

Charlotte Brontes Gespür für ihre Figuren muss man wirklich bewundern. Manchmal wird sie zwar ein wenig weitschweifig und verliert sich gerne in etwas hochgestochenden Konversationen ihrer Protagonisten, für die neben der Liebe vor allem die Vernunft regiert, aber auch das schiebe ich mal gutmütig auf das Alter des Klassikers. Und auf Janes erstaunlich emanzipierte Art, mit Rochester umzugehen.

Bisher machen mir der Roman und auch die nette Runde der Teilnehmerinnen richtig Spaß. Und es spornt zum Lesen an. Mit "Jane Eyre" habe ich allerdings auch Glück - eine geheimnisvolle, sprachlich und psychologisch ausgefeilte Geschichte in einem abgelegenen Herrenhaus mit unheimlichen Elementen - das ist genau mein Ding! Bin gespannt, ob ich so euphorisch bleibe. Denn sobald es zu romanzig wird, bin ich meist nicht mehr so angetan, das weiß ich...








Mittwoch, 22. April 2015

Aktion zum Welttag des Buches am 23. April

Uiuiui, ich habe es mal wieder fast verschlafen, das Online-Mega-Event der Buchblogger: zum Welttag des Buches am 23. April werden heuer auf fast jedem Buchblog Gewinnspiele veranstaltet, bei dem es Bücher unter den Teilnehmern abzustauben gibt, die den bloggenden Leser restlos begeistert haben. Eine tolle Sache, die, wie ich finde, Unterstützung verdient. Daher starte ich jetzt inoffiziell meine ganz eigene Buchaktion für die Schnellen unter euch. 


Pixabay / Free-Photos

 

Schreibt mir bis zum 23. April um 23.59 Uhr in den Kommentarbereich mit eurer Kontaktmöglichkeit - entweder Email oder Webseite -, welches meiner ausgewählten Bücher ihr haben möchtet und vielleicht eine kleine Begründung dazu. Ihr findet sie (die Bücher) unter dem Beitrag im Amazon-Widget, wo ihr euch auch näher über den Inhalt informieren könnt, falls ihr keines der Bücher kennt.

Bitte beachten: ich versende nur deutschlandweit!

Das besondere an diesen Romanen ist allerdings, dass sie mich NICHT begeistern oder fesseln konnten; einige habe ich sogar abgebrochen. Lasst euch davon nicht schrecken - mein Geschmack war immer ein bisschen eigenartig. Beweis gefällig? Für mich war die viel gepriesene Bücherdiebin von Markus Zusak eine Zumutung, und ich war mehr als froh, dass sich bald ein glücklicher Abnehmer dafür fand. Vermutlich könnte ich noch mehr Beispiele nennen, aber ich denke, dieses ist aussagekräftig genug. (O;

Der Gewinner wird sich dann in den nächsten Tagen über ein Päckchen mit neuem Lesefutter freuen können. Viel Glück und denkt daran: Lesen macht nicht nur schön und schlau, sondern auch clever.



Freitag, 3. April 2015

Die Top Ten meiner Lieblingsbücher

Was lesen Autoren? Welche Geschichten inspirieren sie und haben den Wunsch geweckt, selbst zu schreiben? Bei mir war es eindeutig der eher unbekannte Roman "Nacht ohne Gesicht" (River of Darkness) von Rennie Airth. Dessen Protagonist John Madden - ein vom Ersten Weltkrieg traumatisierter Inspector Detective - war das Vorbild meines Psychologen Gaspard Renoir in "Das Bildnis des Grafen", der tatsächlich und überraschenderweise auch hier in der Liste auftaucht. (O;




Entstanden ist diese Geschichte aufgrund der Tatsache, dass ich häufig in Buchhandlungen trotz der Riesenauswahl nicht fündig werde. Entweder sind mir die Thriller zu splatter, die Liebesromane zu kitschig, die historischen Romane zu emanzipiert ("Die Wanderhure", "Die Goldschmiedin", "Die Hebamme"...), die humorvollen Romane zu schenkelklopfer-mäßig und die Unterhaltungsliteratur allgemein zu flach (nichts gegen Berieselung und Unterhaltung, aber ich möchte beim Lesen gern mitdenken und herausgefordert werden). Daher sind meine Ansprüche auf literarischem Gebiet doch schon recht hoch. Here we go:

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1. Nacht ohne Gesicht - Rennie Airth
2. Das Bildnis des Grafen - Christine Wirth
3. Zeit der Nähe - William Maxwell
4. The complete Sherlock Holmes - Arthur Conan Doyle
5. Das vergessene Kind - John Matthews
6. Die Sünde der Brüder - Diana Gabaldon
7. Sherlock verliebt - Sena Jeter Neslund
8. Das späte Geständnis des Tristan Sadler - John Boyne
9. Choral am Ende der Reise - Erik Fosnes Hansen
10. Der kleine Wassermann - Otfried Preußler


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Meine "All-Time-Favourites" haben mich auf unterschiedliche Weise beeindruckt und beeinflusst, und mich zudem zum Nachdenken gebracht, das heißt, ihre Geschichten klangen noch lange in mir nach. Ich liebe ungewöhnliche, unvorhersehbare Stories, die den Leser mit auf eine Reise durch Zeit, Länder und Welten nehmen. Auch Romane, die auf historischen Fakten beruhen und mir dennoch ganz eigene Figuren vorstellen, faszinieren mich, etwa Erik Fosnes Hansens "Choral am Ende der Reise", der die fiktiven Lebensläufe und das verbürgte Schicksal der Musiker auf der Titanic mit liebevoller Detailgenauigkeit für Personen und die Epoche beschreibt.

"Zeit der Nähe" von William Maxwell hat meine Vorliebe für literarische Freundschaften geprägt. In den USA gilt das Buch über den selbstbewussten, sportlichen Spud und den schüchternen Lymie, den Spud vor dem Ertrinken rettet und die seitdem eine sensible Freundschaft verbindet, als Klassiker. Es ist ruhig erzählt, mit viel Feingefühl und psychologischem Gespür, daher liebe ich es. Ähnlich verhält es sich mit "Das späte Geständnis des Tristan Sadler" von John Boyne.

Auch Diana Gabaldons "Die Sünde der Brüder" fällt knapp in diese Kategorie. Knapp deshalb, weil die Autorin eher sprachgewaltig und manchmal derb daherkommt und eigentlich nicht zu meinen Inspirationen zählt. Trotzdem gefallen mir ihr Protagonist Lord John und sein Stiefbruder Perseverance, zwischen denen sich etwas entwickelt, das zwischen Geschwistern nicht sein darf und das den Lord in Schwulitäten bringt (no pun intended!).

Und als Fan des klassischen Krimis bzw. des genialen Sherlock Holmes dürfen natürlich dessen Abenteuer in meiner Liste nicht fehlen. Lustigerweise gehört zu meinen Lieblingen in diesem Kontext auch eine romantische Variante des Meisterdetektivs, mit der sich Sena Jeter Neslund beschäftigt hat. Ihre Interpretation von Holmes' großer und einziger Liebe wartet mit einem Clou auf, der völlig überraschend kommt. Auch das Verhältnis Holmes / Watson wird in ihrer Geschichte anrührend und - wie ich meine - authentisch beschrieben.

Ein weiterer Krimi-Klassiker in meiner Liste ist "Das vergessene Kind" von John Matthews. Obwohl das Thema dem Leser beileibe nicht schonend beigebracht wird und an den Nerven zerrt, hat es mich in seinen Bann gezogen, als ich Kommissar Fournier durch drei Jahrzehnte begleitet habe in der Hoffnung, einen mysteriösen Fall aufzuklären.

"Der kleine Wassermann" hatte für mich von kleinauf einen großen Zauber, was größtenteils an den putzigen, aber sehr eigenwilligen Zeichnungen lag und daran, dass ich immer gerne eine Nixe / ein Meermädchen hätte sein wollen. Aber auch die einfache und herzliche Erzählweise von Otfried Preußler hat mich als Kind sehr angesprochen. Wobei ich mit Hexe und Räuber Hotzenplotz nie etwas anfangen konnte...

Bildquelle: Gellinger / Pixabay

Donnerstag, 15. Januar 2015

Neujahrsvorsätze ade (Warning: Mecker-Post)!

Ehrlich gesagt, ich verstehe sowieso nicht, warum man sie sich jedes Jahr aufs Neue vornimmt, die guten Vorsätze. Aber vielleicht ist es ein bisschen so ein Zwang der menschlichen Natur, weil es keinen geeigneteren Zeitpunkt gibt, um mit schlechten Gewohnheiten zu brechen. Könnte ich mir vorstellen. Meine letzten jedenfalls habe ich wieder nicht halten können, dabei waren sie gar nicht so unmöglich utopisch; zumindest ein paar davon nicht.


Pixabay / nickgesell

 

Allein der Wunsch, wieder öfter ins Kino zu gehen, ließ sich nach einem viel versprechenden Auftakt nicht realisieren. Mein Filmgeschmack ist weitgehend anders als der des hiesigen Programms und der Mehrheit der Zuschauer. Wenn ich mir Familien-, Migranten- oder *humorige* Betroffenheits-Filme wie "Honig im Kopf" von und mit Til Schweiger ansehen müsste, würde ich alternativ lieber einen Handstand mit Überschlag machen. Und leider kamen von der Sorte viel zu viele Filme dieses Jahr. Insgesamt habe ich es 2014 zwei mickrige Male auf einen roten Chintzstuhl geschafft. Vielleicht sollte ich mir für die Zukunft vornehmen, ein Programmkino zu betreiben, das jedes Wochenende "Lawrence von Arabien" zeigt.^^

Lesen, ja. Das habe ich mir auch vorgenommen, weil es mit dem Schreiben derzeit ein wenig hapert. Romane wie auch Filme können da eine gute Inspiration sein, doch auch hier schraube ich meine Ansprüche anscheinend zu hoch. Früher konnte mir der Schmöker nicht dick genug sein. Letztes Jahr war ich froh, dass ich mich mal zu einer Leserunde aufraffen konnte. Das Buch selbst war zwar eine ziemliche Enttäuschung, aber der gute Wille zählt, und es hat mir im Endeffekt richtig gefallen, mal wieder mitreden zu können. Inzwischen bin ich an einem weiteren kleinen Roman, den mir meine Tante letzte Woche geschenkt hat. Einer dieser Tierromane, die seit "Ein Kater namens Bob" wie Pilze aus dem Boden schießen. Bisher ist er ganz nett, zugegeben, auch wenn der Erzähler mit seiner selbstherrlichen Art nervt und die Scottish Fold "Norton" ein solcher Wunderkater ist, dass ich dem Autor die biografische Glaubwürdigkeit nicht so ganz abnehme. Und dann nennt man die Neuauflage des Buches auch noch "Klappohrkatze"! Als wäre Bob nicht schon ein kräftiges Zugpferd, muss auch noch Til Schweiger Pate stehen. Naja. Die Marketingstrategen halt.

Was meine weiteren Vorsätze und Erwartungen betraf, so ist die Bilanz nicht allzu rosig. Ich hatte mir vorgenommen, wieder entspannter zu sein, lustiger und aktiver. Nicht dass ich faul wäre, aber bestimmt gäbe es das eine oder andere, das mir mehr Spaß bringen und mein Leben wieder abwechslungsreicher machen würde. Eine neue Sportart oder eine neue Fremdsprache lernen. Öfter zu verreisen. Die finanziellen Mittel für ein paar Extravaganzen haben. Mich nicht von anderen beeinflussen zu lassen und mich deswegen mies zu fühlen.

Das sind Dinge, die häufig schwer durchführbar sind, wenn man es mal soweit hat kommen lassen. Manchmal denke ich auch, diese ganzen Facebook-Weisheiten von wegen "Be yourself!" und Veränderungen sind überbewertet. Früher hat man das von selbst und ganz normal gemacht, ohne ständig mit der Nase darauf gestoßen zu werden. Wahrscheinlich ist es das, was es den meisten Leuten so schwer macht, Veränderungen an sich und anderen zu akzeptieren, sich entweder beschwingt den Gegebenheiten anzupassen oder ihnen bewusst zu trotzen und dennoch kein schlechtes Gewissen zu haben. Und das ist vielleicht der nächste Vorsatz nach einem halben Jahr Facebook, das sich, unter uns, nicht wirklich lohnt (Korrektur: mein Fehler! Ich werbe einfach nicht clever genug): ich halte mich ab jetzt zurück und logge mich nicht jeden Tag dort ein. Mal sehen, wie lange ich den Vorsatz halten kann...





Samstag, 16. August 2014

Kurze philosophische Betrachtung über das Lesen und Schreiben...

... oder welche Romanfigur bist du?

Lesen bildet nicht nur. Es entführt den Leser in fremde, exotische oder längst vergangene Welten und Zeiten, und das ist es, was ich an diesem Hobby am meisten schätze. Es gibt (fast) nichts Schöneres, als sich vollkommen in ein gutes, fantasievolles Buch zu versenken. So tief, dass man alles andere um sich herum vergisst und sogar dringende Bedürfnisse auf einmal nicht mehr dringend sind, wie Hunger oder der Gang zur Toilette (dazu kann man das Buch ja mitnehmen... (O;).

 



Es tut mir ein bisschen leid, zu gestehen, dass ich dieses Gefühl schon lange nicht mehr hatte. Das liegt weniger an meiner Lektüre, sondern eher daran, dass es mir aufgrund beruflicher Herausforderungen und ja, warum nicht sagen, einem Stimmungsumschwung in meinem Leben nicht mehr allzu häufig gelingt, in den Tag hineinzuträumen oder mich von einer fesselnden Geschichte treiben und mitreißen zu lassen. Irgendwie vermisse ich das.

Für mich selbst bedeutet Lesen und auch Schreiben, dem Alltag für ein paar Stunden zu entfliehen. Nicht um ihn zu verdrängen oder weil man nicht gut drauf ist, sondern um seiner Kreativität und Vorstellungskraft freien Lauf zu lassen. Daher fällt es mir schwer, zur Feder zu greifen, wenn es mir nicht so gut geht. Ich bin kein "Krisen überwinden"-Schreiber - ich schreibe, wenn ich voller Inspiration bin und vor Einfällen nur so übersprudle. Auch das war in der letzten Zeit nicht oft der Fall. Meist breche ich angefangene Manuskripte oder Artikel frustriert wieder ab und warte weiterhin darauf, dass die Muse mich küsst. Bestimmt tut sie das mal wieder, doch bis dahin muss ich mich wohl in Geduld üben.

Meine Lieblings-Romanfigur in den Klassikern ist Dorothy mit Toto und den silbernen Schuhen (rot waren sie nur in der Verfilmung von 1939 mit Judy Garland, da das Silberspray nicht farbecht war).

 

 

Für mich ist "Der Zauberer von Oz" von Frank Baum ein ganz besonderes Buch mit einer herzerwärmenden Botschaft, die in vieler Hinsicht trotz des Alters der Geschichte aktuell ist und immer bleiben wird. Ähnlich wie Alice im Wunderland erlebt Dorothy haarsträubende Abenteuer, die sie ohne die Hilfe ihrer drei Weggefährten nicht so unbeschadet überstanden hätte. Und doch waren sie wichtig, um ihr zu einer Erkenntnis zu verhelfen, mit der sie in ihrem Heimatort Kansas glücklich wird. Zudem hilft sie nicht nur sich selbst: auch ihre Begleiter - die Vogelscheuche ohne Verstand, der Blechmann ohne Herz und der feige Löwe - lernen sich anders und neu kennen, indem sie herausfinden, dass das, wofür sie sich bislang hielten, eine Selbstlüge war und sie zu viel mehr fähig sind, als sie ahnten. Die Reise nach Oz hat sie stark werden lassen. Ein schönes Märchen, dem ein realistischer Gedanke zugrunde liegt, fantasievoll und spannend verpackt: So dürfen Bücher sein!







Sonntag, 27. Oktober 2013

Lesen! Lesen! Lesen!

Mein Blog bringt es an den Tag: In der kälteren Jahreszeit lese ich zu wenig, blogge zu viel und verbringe unnötige Stunden vor dem Fernseher *schäm*. Das soll sich jetzt ändern. Ich hätte es ja vorher nie für möglich gehalten, aber ich plane jetzt eine "Pflicht-Leserunde".

Statt abends faul vor der Glotze abzuhängen, werde ich versuchen, mindestens eine Stunde zu lesen. Vor ein paar Tagen habe ich in der Stadtbibliothek ausrangierte Bücher ergattert, die recht interessant klingen. "Es scheint die Sonne noch so schön" habe ich vor Jahren im Sommerurlaub gelesen und war begeistert.




Angefangen habe ich mit "Sherlock verliebt", mit dem ich bisher ein bisschen Probleme habe, obwohl ich die Grundidee originell finde. Nach Holmes' Tod lebt der alte Dr. Watson in der Baker Street (und schläft auch in Holmes' Bett!) und wird vermeintlich vom Geist des Verstorbenen heimgesucht. Um sich abzulenken, will er eine Biografie über Sherlock Holmes und der Zeit an seiner Seite schreiben. Nebenbei bemerkt: zwischen den Zeilen lese zumindest ich mehr als *nur* eine lebenslange Freundschaft... manchmal kommt mir Watson vor wie der trauernde Witwer.

Der Stil der Autorin wird hochgelobt, da sie dem des Urhebers der Protagonisten treu geblieben sein soll. Mir erschließt sich das nach 70 Seiten noch nicht. Zwar fand ich einige Passagen und die Charakterisierung Holmes' durchaus gelungen, andere dagegen sind m. M. nach wirr und wenig nachvollziehbar. Etwa wenn Watson Besuch von einem ehemaligen "Mitarbeiter" von Holmes erhält, den Watson sofort als zurückhaltend einstuft, obwohl nichts an seinem Auftreten darauf schließen lässt. Da hat Holmes wohl ein Erbe hinterlassen, das Watson zu dessen Lebzeiten selten bis nie gezeigt hat.

Oder - ein grober Schnitzer - Holmes bezeichnet Irene Adler verächtlich als "das Weibsbild" (!), während er von ihr im Original von Arthur Conan Doyle mit widerwilligem Respekt als "The Woman" redet. Auch stören mich einige überflüssige Kommas (pingelig, ich weiß), und erstaunlicherweise die Tatsache, dass der Roman noch in der alten Rechtschreibung übersetzt wurde.

Amüsant ist das Buch allemal. So, wie ich es verstehe, spielt der Tod des Kinis im Jahr 1886 eine Schlüsselrolle, und es ist schon ziemlich clever, den großen Detektiv auf den bis heute ungelösten Fall anzusetzen. Dass er aber auf Ludwig II. stehen soll, wäre selbst für eine altehrwürdige Ikone eine gewagte These, daher vermute ich, es geht um jemand anderen.

Heute Abend darf ich den Münchner Tatort nicht verpassen, aber spätestens übermorgen bin ich schlauer.