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Montag, 1. September 2025

Versuch eines Reviews von "The Life of Chuck" (2024) nach Stephen King

 Hmm... es wird schwierig. Ich muss gestehen, dass ich auf den Trailer (die Vorschau) des Films hereingefallen bin. Und darauf, dass Tom Hiddleston die Hauptrolle spielt und eine siebenminütige flotte Sohle zu Straßenmusik aufs Pflaster legt. Ich versuche trotzdem, eine Meinung und etwas vom (für mich) wirren Inhalt widerzugeben. Immerhin war es das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass ich ein Kino besucht habe. Und ich war sehr froh, dass der Film noch irgendwo lief, bin ich doch bekennender Hiddles-Fan. 

 

 

Inhalt und Meinung: Jedes Leben ist ein Universum, lautet der Untertitel des Films. Und genau an dem Tag, an dem Charles "Chuck" Krantz mit 39 Jahren das Zeitliche segnet, geht nicht nur sein Leben, sondern auch das Universum zu Ende. Das aber mit einer Ruhe, Gelassenheit und Surrealität, dass man die Apokalypse erst bemerkt, als die Sterne und Planeten über Martin und seiner Exfrau Felicia explodieren und Martin abrupt das Wort abgeschnitten wird. Währenddessen und davor taucht überall das Konterfei des Buchhalters Chuck auf - auf Werbeplakaten, als Graffiti ("Thanks Chuck!"), im störungsanfälligen Fernsehen und sogar als Hologramm in allen Häusern der Stadt. Doch merkwürdigerweise kann sich keiner der Bewohner an Chuck erinnern, der doch jedes ihrer Leben gekreuzt hat.

Der Film gliedert sich in drei Absätze und läuft rückwärts, d. h. von Chucks Tod bis zu seiner Kindheit, in der er beide Elternteile verlor und von den Großeltern in einer amerikanischen Kleinstadt aufgezogen wird. 

Die ersten beiden Absätze fand ich stimmig - Chucks Kindheit und Jugend, seine Liebe zum Tanz, die Beziehung und die Prägungen zu seinen Großeltern und das Gespräch mit seinem Sabah / Opa, in dessen Fußstapfen er schließlich tritt, weil auch Mathematik eine Kunstform ist, wie der Opa sagt. Die plakativ esoterische Lehrerin, die Chuck erklärt, dass in seinem Kopf ein ganzes Universum Platz hat. Chucks großer Tag, als er mit seiner Tanzpartnerin einen neuen Move präsentiert und danach voller Endorphine ins Freie rennt. Und ich fand sogar das mysteriöse Turmzimmer interessant, nachdem mein Papa, der mit im Kino war, es mir erklärt hat.

 

Gehn wir zu mir oder vor die Hunde?
 

Doch der erste bzw. letzte Absatz war mir zu abstrus. Leider war Tom Hiddleston nur selten zu sehen und hat auch wenig Text. Dafür ging es um Martin und Felicia und die Endzeitstimmung, und das war mir oft zu mystisch. Vielleicht ging es ja um Chucks Universum, das zerfällt mit seinem Tod. Denn wie gesagt, hat ja jeder Mensch ein ganzes in seinem Kopf. Vielleicht hat sich Chucks sterbende Welt noch in den letzten Zügen bedankt, dass sie in seinen Gedanken existiert hat. So muss es gewesen sein. 

Die Botschaft des Films habe ich dennoch irgendwie nicht verstanden, obwohl mir schon klar ist, dass jeder Mensch einen einzigartigen Weg geht und dabei das Leben vieler anderer streift und bestenfalls emotional oder prägend berührt. Und dass sich viele Situationen und Dialoge von verschiedenen Menschen wiederholen ("Gehen wir vor die Hunde? So'n Scheiß!"). Aber war Chuck dafür ein gutes Beispiel? Immerhin hat er das Beste aus seinem kleinstadt-miefigen Leben gemacht. Als er nach Feierabend zum Rhythmus eines mitreißenden Schlagzeugs tanzt und hinterher nicht weiß, warum er es gemacht hat, war es doch wohl so, dass Tanzen ein größerer Traum von ihm war als Buchhaltung, aber er konnte es nicht sagen. Sein Leben war trotzdem erfüllt. Denn offenbar war er auch ein guter Buchhalter, Vater und Ehemann. Vielleicht war das die Botschaft. Dass man nichts Großes erreichen muss, um wunderbar zu sein. Und dass mit jedem irdischen Abschied ein bisschen Weltuntergangsstimmung herrscht.

 


 

 Im Nachhinein und nach einer Nacht, in der ich nochmal über den Film nachgedacht habe, fällt mein Urteil milder aus als kurz nach dem Kinobesuch. Ich war nämlich ziemlich irritiert von dem Gesehenen. Gelohnt hat sich "The Life of Chuck" aber auf jeden Fall für die megageile Tanzeinlage. 

 

 Bewertung: 💫💫💫


 

Sonntag, 15. Mai 2022

"Die Schlange von Essex" ~ Sarah Perry

 Eine Rezension hierzu wird schwierig. Eigentlich mochte ich den Roman nicht. Zu behäbig, zu viktorianisch unterkühlt und dabei hin und wieder doch unpassend poetisch-kryptisch mit manchmal lustigen Vergleichen, die mich wider Willen begeistert haben. Die Geschichte war dann doch irgendwie originell und auch hintersinnig, sobald man sich an den etwas bemühten Stil und die langen Klammersätze gewöhnt hatte.



 

Inhalt: Die junge, forscherfreudige Witwe und zudem Hobby-Paläontologin Cora Seaborne kommt mit ihrem sonderbaren Teenagersohn Francis (heute weiß man: er wäre ein Aspergerkandidat) und der resoluten Haushälterin Martha - die mehr eine Freundin ist - nach Essex, um dort die legendäre Seeschlange aufzuspüren, die das Dorf Aldwinter mit mysteriösen Todesfällen und Aberglauben in Atem hält. Statt den erhofften Ichthyrosaurus oder ein zeitgenössisches Seeungeheuer zu finden, begegnet sie dem Pfarrer William Ransome. Dieser ist glücklich verheiratet mit der zarten, alles verstehenden Stella und hat drei Kinder. Dennoch und trotz ihrer unterschiedlichen Meinungen und Ansichten verlieben sich Cora und Will ineinander. 

Der Roman wurde mit Tom Hiddleston und Claire Danes in den Hauptrollen als Miniserie gedreht (warum auch immer).




Meinung: ist gespalten wie die Zunge einer Schlange. Wie gesagt, ich hatte über lange Strecken Schwierigkeiten, bei Stange zu bleiben und nicht vor lauter Langweile einzuschlafen. Die abrupten Briefwechsel sämtlicher Protagonisten haben mich etwas gestört ("aus dem Lesefluss gerissen" wäre zu viel gesagt), und vor allem das "Head hopping" der Erzählweise bin ich nicht mehr gewohnt. Früher war es ganz normal, aus verschiedenen Perspektiven auf einer einzigen Seite zu lesen, aber heute wirkt das angestaubt und auch verwirrend. Ich musste mehrere Sätze zweimal lesen, um sie zu verstehen, was auch dem beliebten Stilmittel der ellenlangen Klammersätze zu verdanken war. 

Ich nehme an, Sarah Perry hat ihre Vorbilder in Donna Tartt und anderen populären Schriftsteller(innen) der frühen 2000er, als ein blumiger Erzählstil nicht hoch genug geschätzt werden konnte. Denn genauso weitschweifig, detailverliebt und trotzdem irgendwie ereignislos bleibt "Die Schlange von Essex". Als sich gegen Ende doch noch zaghaft eine Wende anbahnt, ist sie nicht einmal besonders überraschend. Eher banal. Und das nicht nur in Bezug auf den Titel. Schade, nahm die Geschichte immerhin noch ein bisschen Fahrt auf. Aber auf etwas wirklich Ungewöhnliches wartet der Leser vergebens.

Alles ist irgendwie gedämpft, stets ist von Nebel die Rede und von unausgesprochenen Gefühlen und von Charakteren, die mir nicht wirklich nahe kamen - vielleicht nicht ohne Grund. Bis - erstaunlicherweise - auf das "Odd Couple" Luke Garrett und George Spencer, wobei ich Ersteren zu Beginn mega-unsympathisch fand. Cora mochte ich überhaupt nicht. Ich konnte mir irgendwie kein Bild von ihr machen. Was vermutlich daran lag, dass sie zwar emanzipiert und burschikos daherkommt und ihr Herz auf der Zunge trägt, aber andererseits in der gesamten Geschichte distanziert bleibt bis zu dem Moment, als Will (endlich!) ihren Rock hochhebt. Und selbst da erfahren wir nur in Wills Erinnerung, wie hingebungsvoll sie war.

Fazit: Wer es ruhig und ohne Drama mag oder eine fein formulierte Einschlafhilfe sucht, dem kann ich dieses Buch empfehlen. Manche Passagen haben mich berührt und sind auch ein wenig das Spiegelbild zu dem, was die menschliche Natur aus Unerklärlichem macht. Oder dass der Verstand und die Forschung für viele Menschen die einzige Wahrheit sind, während es viel mehr gibt als das, was man mit Wissen ergründen kann. Da war die Autorin erfrischend urteilsfrei und fern von Klischees, denn auch der Pfarrer ist kein Dummkopf.

 

Bewertung: 💫💫💫




Sonntag, 5. November 2017

Thor - Tag der Entscheidung " Thor - Ragnarok"

Am vergangenen Donnerstag war ich mal wieder im Kino. Eher mit wenig Erwartung, dass der Film gut ist: es war eine Marvel-Produktion, und von denen bin ich - von zwei oder drei Ausnahmen - nicht allzu begeistert. Zu viel Spektakel, Krach und zähflüssige Längen, die mich unruhig im Sitz hin und her rutschen lassen, weil ein dringendes Bedürfnis sich meldet.




Trotzdem habe ich "Thor - Tag der Entscheidung" eine Chance gegeben. Die beiden ersten Teile um den nordischen Donnergott habe ich ebenfalls gesehen, und der Vollständigkeit halber musste der dritte auch noch sein. Außerdem: Tom Hiddleston. Ich mag ihn einfach zu sehr, um die Gelegenheit verstreichen zu lassen, ihn auf der großen Leinwand anzuschmachten... (O; Und es war nicht nur Mr. Hiddleston, der den Film für mich zu einer positiven Überraschung hat werden lassen.

Über die Handlung kann und will ich nicht viel erzählen. Denn die war praktisch kaum vorhanden. Worum es ging, wurde eigentlich erst in den letzten zehn Minuten des Films klar, und das war auch gut so. Jedenfalls hat mir schon die Eröffnungsszene mit Thor in der Unterwelt ein herzhaftes Lachen entlockt, auch wenn sie ein bisschen sehr gruselig war. Aber die Selbstironie, die Thor-Chris Hemsworth konsequent durchzieht, war für mich ein echtes Highlight. Hätte ich ihm so gar nicht zugetraut. Sein etwas unbeholfener Besuch beim elegant die Treppe hinabschwebenden Uberzauberer Dr. Strange gehört ebenso dazu wie die weinerliche Trauer um den Hammer Mjölnir, der ihm abhanden kommt, genauer gesagt von seiner älteren Halbschwester Hela (Cate Blanchett)  in einem Duell zu Brei zerquetscht wird.

Überhaupt, die gute Hela. Als Göttin des Todes ist ihr schwer beizukommen, da sie ja praktisch unverwüstlich ist. Doch bevor es zum fulminanten Showdown kommt, wird der Zuschauer mit unzähligen Witzen und Gags bei Stange gehalten, die sich teilweise nur dem eingefleischten Marvel-Fan erschließen (und ich denke mit Schaudern an das unheimliche Nerd-Lachen des Typen hinter mir).

 Aber auch ich hatte meinen Spaß. Etwa wenn Loki Thor zeigt, wohin er Allvater Odin alias Anthony Hopkins verbannt hat, oder als Thor auf einem Müllplaneten landet, der von dem abgefahrenen "Grandmaster" Jeff Goldblum regiert wird. Weniger toll fand ich den Auftritt von "Hulk" Mark Ruffalo. Irgendwie wirkte er fehl am Platz, obwohl er nach dem albernen Gladiatoren-Kampf ein ganz passables Teammitglied  abgegeben hat, das auch ein paar coole Sprüche zum besten geben durfte ("Ich hab' mir Asgard prächtiger vorgestellt.") und ein Duran Duran-T-Shirt trug. Die große Überraschung war für mich der Gott des Unheils, der hinterlistige Loki, der in diesem Film nicht gar so hinterlistig agiert wie gewohnt und damit ein paar Zuschauer herbe enttäuscht hat. Ich persönlich fand es ganz gut, dass man ihm - nachdem Thor ihm ins (tatsächlich vorhandene!) Gewissen geredet hat, eine "change of heart" gegönnt hat, die ihn hat erkennen lassen, dass Familie (vorläufig) wichtiger ist als List und Tücke. Wer weiß, wie lange der Edelmut anhält bei Lokis Wankelmut. Oder ob er nicht doch nur vorgetäuscht war.

Milder Spoiler: Zumindest besinnt er sich am Ende eines guten besseren und steht Thor zur Seite. Der Deal mit Dr. Strange geht so oder so nicht auf: da Asgard vernichtet wird, muss Loki nun gemeinsam mit dem neuen Allvater Thor auf Midgard Asyl beantragen, das ihm sicher gewährt wird. Dumm gelaufen!

Fazit: Schrilles Popcornkino, das erstaunlicherweise meine Art von Humor getroffen und mir einen unterhaltsamen Abend beschert hat. Ein bisschen zu viel Chris Hemsworth vielleicht, der aber eine überzeugende und witzige One-Man-Show abliefert und von seinen Mitspielern von Mensch über versoffene Walküre bis zu den Göttern kongenial unterstützt wird. Nach dem für mich eher abtörnenden, weil lärmigen Trailer doch ein gelungener dritter Teil der Thor-Saga.

Bewertung: 
 👍👍👍 und ein halber 👍




Freitag, 10. März 2017

"Kong - Skull Island" mit Tom Hiddleston (2017)

Und wieder mal eine Rezension aus der Rubrik "Filme, die ich wegen Tom Hiddleston gesehen habe und die die Welt trotzdem nicht braucht":





Zum Inhalt, der dürftig vorhanden ist: In den 1970er Jahren macht sich eine Gruppe von Wissenschaftlern in Begleitung von Militärs und einer Fotografin auf, um eine bisher unbekannte Insel im Südpazifik zu erforschen. Beim Anflug mit Hubschraubern holt sie ein Riesenaffe vom Himmel, und fortan ist die dezimierte Gruppe auf der Insel gestrandet, wo sie um ihr Überleben kämpfen muss. Denn außer Kong befinden sich noch fußlose Echsen, niedliche Baumstümpfe in Insektenform, Kraken und Spinnen auf der Insel, die alle ziemlich fies auf Beute aus sind.

Als die Gruppe sich aufteilt, stößt die Gruppe um James Conrad (Tom Hiddleston) auf den Veteranen Marlowe, der im 2. Weltkrieg über der Insel abgestürzt ist und bei den Einheimischen lebt, die Kong wie einen Gott verehren, ansonsten aber nur mit versteinerten Gesichtern herumstehen. Der andere Teil, angeführt von Colonel Packard (Samuel L. Jackson), hat weniger Glück. Denn aus irgendeinem Grund besteht Packard darauf, dem Affen den Garaus zu machen, und verhält sich dabei wie die Axt im Walde - oder die Machete im Dschungel in diesem Fall. Conrad und die Fotografin Wesley (Brie Larson) machen derweil intimere Bekanntschaft mit Kong, als sie einen Fluß auskundschaften und urplötzlich der Affe vor ihnen auftaucht. Als er an Wesleys Hand schnuppert, fangen beide an zu weinen, und der geneigte Zuschauer erkennt zweifellos die Geburt zweier Ökos. Denn von jetzt ab hat Kong zwei Beschützer, die er eigentlich gar nicht braucht, aber hey, der Film soll ja auch irgendwie eine Botschaft haben dürfen. Wesley und Conrad stellen sich Packard in den Weg ("Kong verteidigt nur sein Revier!"), als er Kong eine Falle stellt und ihn anschließend in die Luft sprengen will. Aber eigentlich müssten sie das gar nicht, denn es gibt ja noch den gemeinsamen Feind, nämlich eine seltsam deformierte Echse, die einfach nicht totzukriegen ist.

Meinung: Ich habe selten einen dümmlicheren, platteren und langweiligeren Fantasy-Actionfilm gesehen. Da hilft es nicht, dass Tom Hiddleston heroisch über Riesenaffen-Friedhöfe rennt und kleine hässliche Flatterviecher mit der Machete köpft (und dabei eine höchst unkleidsame Gasmaske vorm Gesicht hat). Die Protagonisten sterben wie die Fliegen und keinen kümmerts, die Figuren bleiben flach und bei den Special Effects hat das Budget nicht ausgereicht, um der grässlich-ekligen Echse zumindest ein Paar Hinterfüße zu gönnen.

Wer auf abstürzende Hubschrauber, überdimensionale Affen, Spinnen und würgende Dinosaurier steht, der könnte eventuell auf seine Kosten kommen, denn gefühlte anderthalb Stunden sieht man nichts anderes in dem Film. Die restliche halbe Stunde wird mit Phrasen gefüllt wie "Er war einer unserer Besten!", "Sag mir, dass das keine gute Idee war" - "Das war keine gute Idee" oder "Wir müssen hier weg!" oder auch "Wir sind hier, um unsere Lieben zuhause vor Kreaturen wie dieser zu schützen!"

Dazwischen kommt mal so kurz ein bisschen was wie Spannung auf, wenn Conrad von seinem noch heroischeren Daddy erzählt oder Wesley einem kugeligen Wasserbüffel helfen will, sich von einem auf ihn herabgestürzten Flugzeugwrack zu befreien. Alles in allem ist Skull Island aber ein Film, den man sich selbst als Tom Hiddleston-Fan ersparen kann.

 Bewertung:



👍


P.S. Ich muss ihn wirklich mögen, den Tom. Irgendwie sind seine filmischen Ausrutscher nämlich auch recht liebenswert.



Freitag, 18. November 2016

Arty Farty: High-Rise von Ben Wheatley (2015) Review

Nachdem ich den Film im Kino verpasst habe, habe ich das Anschauen heute auf DVD nachgeholt. Hauptgrund war Tom Hiddleston (den neckischen Trailer mit den Stewardessen im Flur fand ich herrlich!), und normalerweise verzeihe ich einem Film einiges, wenn mir zumindest einer der Darsteller sympathisch ist. Aber High Rise schafft es nicht mal ansatzweise, eine einigermaßen schlüssige Story zu erzählen, was vielleicht auch an der eher zähen Buchvorlage (Achtung Gesellschaftskritik im 70er Jahre-Stil!) liegen kann. Nach einer halben Stunde habe ich das Ende herbeigesehnt, und das passiert mir wirklich nicht oft. Ich mag bizarres Kino und habe nichts gegen Satire, aber hier hatte ich echt das Gefühl, einen eigentlich zehnstündigen Arthaus-Film anzuschauen, den man auf gnädige zweieinhalb Stunden zusammengeschnitten hat.





Zur Story (soweit es eine gibt): England, in den 1970er Jahren. Der Arzt Robert Laing zieht in ein modernes Hochhaus, das irgendwie eine Klassengesellschaft repräsentiert: ganz unten der Pöbel, oben die Superreichen. Er selbst lebt im 25. Stock, also irgendwo dazwischen. Auf dem Dach hat sich der Architekt Royal (Jeremy "Ich bin alt aber sah mal toll aus und möchte, dass der Zuschauer sich dessen bewusst ist" Irons) eingenistet, nebst Gattin, Pferd und Schaf. Laine macht schnell Bekanntschaft  mit beiden Seiten: er besucht Parties der Upper Class, bei denen psychedelische ABBA-Lieder gespielt werden, und fängt auch rasch mal ein paar Affären an, weil Freie Liebe und so. Als im Gebäude der Strom ausfällt und / oder der Pool für private Vergnügungen genutzt wird, sorgt das für Unmut, und es liegt Revolte in der Luft. Der Frust entlädt sich, als Laing einem Kollegen mitteilt, unheilbar krank zu sein und dieser sich aus dem 39. Stock stürzt.




Statt  freier Liebe entfesselt dieses Ereignis das Tier im Menschen, und plötzlich gehen alle aufeinander los. Laing prügelt sich im Supermarkt um einen Eimer Farbe, weil es dort außer Hundefutter und verfaultem Obst sonst nichts mehr wirklich Brauchbares gibt. Nachdem er seine Wohnung (Achtung Metapher!) himmelblau angestrichen hat, treibt er es mit der hochschwangeren Bewohnerin aus der untersten Etage. Deren Mann (Luke Evans mit den haarigsten Koteletten ever) stellt derweil Royal nach, um eine Enthüllungsstory über ihn zu drehen. Am Schluss sind alle tot und Laing grillt einen Hund auf seinem Balkon. Klingt seltsam, ist es auch. Spaß hatten die Beteiligten bestimmt, mir als Zuschauer ging es aber irgendwie so wie einem Erwachsenen mitten im Kindergeburtstag. Wer auf zusammenhanglose Szenen, pseudo-intellektueller Sozialkritik und Retro-70er Jahre-Flair steht, kommt vielleicht noch ein bisschen auf seine Kosten. Ein neckisch die Hüften schwingender Tom Hiddleston mit einer Combo Stewardessen hat mir jedenfalls nicht ausgereicht.


Bewertung:


👍 und ein halber👍




für den goldigen Hiddles und seinen Luxusbody, von dem man in diesem Film erstaunlicherweise mal nicht die blanke Hinterseite sah (hätte in dem Fall aber auch nichts mehr gerettet).





Mittwoch, 27. April 2016

Agentenkram aus dem Hochglanzherrenmagazin: The Night Manager (BBC / AMC, 2015)

Keine Angst, der Titel des Beitrags klingt schlimm, aber die Serie ist es ganz und gar nicht. Was sich in der Mini-Serie zwischen Tom Hiddleston und Hugh Laurie entwickelt, ist große Schauspielkunst und ein noch größeres Vergnügen, wenn man James Bond mag, der bekanntermaßen in teurer Kleidung und exotischen Locations am besten zur Geltung kommt. Und obwohl ich kein 007-Kenner bin, habe ich mich bisher - durch die Hälfte der Serie - prächtig unterhalten.

Inhalt so far: Jonathan Pine (Tom Hiddleston), Ex-Soldat, sehnt sich nach einem ruhigeren Leben und hat es mehr oder weniger als Nachtportier in einem Hotel in Kairo gefunden. Dort sucht ihn eine geheimnisvolle Dame auf, die ihn bittet, Dokumente zu kopieren, die streng geheim sind. Pine kann es nicht lassen: er liest die Akten und geht mit der Schönen ins Bett. Wenige Tage später ist sie tot, ermordet von den Männern des Gangsterbosses und Wirtschaftmoguls Richard Onslow Roper (erst unfreiwillig komisch, dann subtil einschüchternd: Hugh Laurie). Pine trauert und lässt sich nach Zermatt versetzen. Die britischen Behörden bekommen Wind von der Geschichte, werden auf Pine aufmerksam und setzen ihn mit neuer Identität und einer kriminellen Vorgeschichte auf Roper an, um diesem das schmutzige Handwerk zu legen.

Meinung: Von der Geschichte war ich zuerst nicht sonderlich angetan, außer von Tom Hiddleston und den schönen, exklusiven Drehorten wie die Schweiz, Mallorca und Ägypten. Ein kleiner Downer war auch die Art, mit der Hugh Laurie den steinreichen und gefährlichen Waffenhändler spielt: der erste Eindruck von ihm ist der eines zweitklassigen Mick Jagger-Imitators in einer Agentenparodie: enge, rote Hosen, eine junge, freizügige Frau im Arm, rotzige Sprüche und eine polierte Tonsur, die in "House M.D." diskret mit einem Haarteil kaschiert wurde. So wirklich ernst konnte ich ihn nicht nehmen - anfangs. 

Aber ab der intensiven Szene der (von Pine inszenierten) Entführung seines kleinen Sohnes hat sich mein Urteil verbessert. Da blitzt ein bisschen Dr. House durch, der auch im Umgang mit Jonathan Pine nicht mehr ganz verschwindet. Er gibt sich bewusst patriarchisch-väterlich, als er durch seine Informanten erfährt, dass Pine eine enge Beziehung zu seinem Vater hatte, der in Belfast bei einem Einsatz getötet wurde, und erklärt Pine zu einem Mitglied der "Familie" - sicherlich kommt es da noch knüppeldick hinter der freundlichen Fassade.

Pine bleibt auf seinem Anwesen in Mallorca (supertolle, großzügige Architektur, da möchte frau sofort einziehen und Tom Hiddleston als Sonnenöl-Eincremehilfe am Pool und im Bett sitzen haben!), und beobachtet das Kommen und Gehen der "Familie", teils mit skeptischen, teils mit waidwunden Blicken. Besonders Frauen vertrauen sich ihm an, und so kommt es auch, dass Ropers giraffenlange Geliebte Jed mit ihm anbandelt, die ebenfalls ein Geheimnis hat.





Fazit: Ich bin erst mit der ersten Disc der Staffel durch, freue mich aber wie Schneekönig auf die kommenden Folgen. Das liegt - ich gestehe - vor allem an Tom Hiddleston. Der Mann hat etwas an sich, das über Talent und gutes Aussehen hinaus geht. In dem Cast, der an sich superb besetzt ist, leuchtet er unter all den zwielichtigen Gestalten des Roper-Universums wie eine kleine Sonne, auch wenn er als Jonathan Pine hin und wieder den toughen Verbrecher und kaltblütigen Geschäftsmann mimt, um Roper an der Nase herumzuführen. Bisher eine absolute Empfehlung!





Samstag, 17. Oktober 2015

Düsteres Schauermärchen: Crimson Peak

Seit Monaten sehnsüchtig erwartet, konnte ich gestern in einem Schuhkartonkino endlich den Goth Horror "Crimson Peak" sehen. Und muss gleich dazu sagen, dass klassische Horrorfans - die meisten der Zuschauer - enttäuscht den Saal verließen, da sich der Horror als Romanze entpuppte. Eine Enttäuschung, die ich nicht geteilt habe, wobei ich die in die Irre geleiteten Blutdurstigen schon verstehen konnte, wenn die Erwartungen von Gore und Splatter nicht erfüllt werden. Mir persönlich hat der Film derart gut gefallen, dass ich ihn mir bestimmt nicht zum letzten Mal angesehen habe. Zugegeben, Tom Hiddleston als Thomas Sharpe ist nicht ganz unschuldig daran, doch auch sonst war der Film optisch ein Genuss für mich. Die Kritik, dass dabei der Plot auf der Strecke bleibt oder zu vorhersehbar wäre, ist vielleicht berechtigt, doch ich habe eine Mischung aus verschiedenen Gruselklassikern selten so gelungen erlebt wie in Crimson Peak.




Die Handlung in Kürze (Warnung Spoiler): Mag auf den ersten Blick simpel sein, hat jedoch genügend Tiefe, seelische Abgründe und auch Wendungen, um den Film noch ein bisschen in sich nachklingen zu lassen. In erster Linie geht es in Crimson Peak nicht um Geister (hier eher eine Metapher für die Vergangenheit) oder Horroreffekte (die erstaunlich sparsam eingesetzt werden), sondern um Beziehungen, und das auf recht pikante Weise. Im Mittelpunkt stehen der Baronet Thomas Sharpe und seine Schwester Lucille, eine Art erwachsenes Geschwisterpaar à la Miles und Flora aus "Schloss des Schreckens". Gemeinsam finanzieren sie mit unlauteren Mitteln ihr marodes Anwesen Allerdale Hall in Cumbria / Nordengland. Thomas gibt vor, der ehrliche Geschäftsmann zu sein, während die skrupellose Lucille vor diversen Verbrechen und eingefädelter Heiratsschwindelei nicht zurückschreckt. Das ändert sich, als die Amerikanerin Edith Cushing als weiteres "Opfer", das diesmal von Thomas ausgesucht wird, in ihr Leben tritt.

Es kommt, wie es kommen muss: der schöne, elegische Baronet verliebt sich in Edith und macht damit Lucille einen Strich durch die kaltblütig aufgestellte Rechnung. Und nicht nur das, nein, es kommt noch ärger: er wagt es sogar, mit Edith in einer abgelegenen Poststation zu übernachten und Lucille auf Allerdale Hall allein zu lassen. An Lucilles Reaktion am nächsten Morgen lässt sich erahnen, wie es um das Verhältnis der vereinsamten Geschwister wirklich bestellt ist. Durch ihre traumatische Kindheit verbindet sie nicht nur kriminelle Energie, sondern etwas, das Lucille nicht bereit ist, zu teilen: die uneingeschränkte Bewunderung und Liebe des von ihr vergötterten Bruders. Ziemlich brisant, vor allem, da Edith die beiden in flagranti ertappt und herausfindet, dass es ein Kind gab. Sie verliert ihr Vertrauen zu Thomas und sieht sich eingesperrt in Allerdale Hall, langsam krank werdend und vergiftet durch Lucilles Raffinesse. Zum Glück wittert ihr New Yorker Jugendfreund Morgenluft, reist nach England und verhindert in letzter Minute das Schlimmste. Doch ohne Thomas, der sich gegen Ende des Films zwischen zwei Stühlen bzw. Frauen sieht, wäre Edith die Flucht aus dem Anwesen nie gelungen. Das Opfer, das er bringt, fordert einen hohen Preis.

Meine Meinung: Ok, erwischt. Ich mag Tom Hiddleston, daher muss es mir gestattet sein, ein bisschen zu schwärmen. Ich mochte ihn unheimlich in dieser Rolle, denn er hat etwas an sich, das stark, beschützerisch, sexy und verletzlich zugleich wirkt. Als Thomas Sharpe nimmt man ihm die innere Zerrissenheit ab, mit der er kämpft, und obwohl behauptet wurde, es gäbe kaum einen Funken Chemie zwischen ihm und Mia Wasikowska als Edith, fand ich die beiden nicht nur optisch ein schönes Paar. Auch die Dialoge zwischen ihnen haben mich gerührt und waren nicht selten von einer fast philosophischen Weisheit. Dazu kommen natürlich Mr. Hiddlestons elegantes Auftreten und seine eigenwillige Schönheit, die ihn für den rätselhaften Fremden geradezu prädestinieren (und das, obwohl Benedict Cumberbatch die erste Wahl des Regisseurs Guillermo del Toro gewesen wäre).

Der heimliche Star war für mich Jessica Chastain als Lucille. Anders als Thomas, weiß sie, was sie will, und geht dafür buchstäblich über Leichen. Die Kunst, dabei noch nachvollziehbar zu handeln und widerwillig Sympathien zu gewinnen, geht sicherlich auf das Konto der Schauspielerin und nicht auf das der fiktiven, grausamen Lucille. Denn irgendwie - und man wundert sich eigentlich, warum es so ist - tut sie einem am Ende leid. Ich hätte mir gewünscht, sie hätte das Angebot ihres Bruders angenommen, mit Edith zusammen in eine andere Stadt zu ziehen. Und dennoch gibt es für sie keinen anderen Ausweg, als zu verhindern, dass Edith nach Lucilles Verständnis einen Keil zwischen sie und Thomas treibt. Übrigens fand ich die beiden als Geschwister ziemlich gelungen.

Zum unvergleichlichen Kinoerlebnis beigetragen haben natürlich das verschwenderisch ausgestattete Setting und die opulenten Bilder, von denen keines aus dem Computer kam. Ich war fast zu nahe an der Leinwand, um jedes Detail gebührend zu bewundern. Auch die etwas altmodische Machart, die als Hommage an die Hammerfilme der 1960er zu verstehen ist, hat mir sehr gefallen. Weniger zündend und ein bisschen zu dick aufgetragen kamen mir die Geister im Haus vor, aber den Gesamteindruck und mein wohlwollendes Urteil von fünf Sternen können sie nicht schmälern.

Fazit: Nichts für den kommerziellen Massengeschmack und Hardcore-Horror-Fans, aber Nostalgiker und / oder Tom Hiddleston-Fans kommen voll auf ihre Kosten.


👍👍👍👍👍


Freitag, 17. April 2015

Tom Hiddleston wäre mein Carrick Escaray!

Jeder Autor träumt mehr oder weniger davon, dass sein Buch nach Hollywood verkauft wird und ein Film entsteht, was ja in den Köpfen der Erfinder auch irgendwie der Fall ist. Ohne Kopfkino und meiner Phantasie und der visuellen Vorstellung der Protagonisten könnte ich nicht schreiben, und ich bin sicherlich nicht die einzige Autorin, der es so geht. 

 


 Im Herbst kommt nun ein "Goth-Gruselschocker" in die Kinos, nämlich Crimson Peak von Gulliermo del Toro, mit Tom Hiddleston in der Hauptrolle. Die Bilder vom Set und Promofotos erinnern mich sehr stark an meinen Roman "Das Bildnis des Grafen", und ich hätte mir sooo gewünscht, dass der schmucke und charismatische Hauptdarsteller in die Rolle meines englischen Grafen geschlüpft wäre anstelle in die des nicht minder mysteriösen Thomas Sharpe.

Denn es ist irgendwie witzig: Das Porträt, das in der Galerie des Schlosses hängt, stelle ich mir genau so vor wie Tom Hiddleston im Film aussieht. Natürlich fehlt die weiße Strähne, eines der markanten Merkmale von Carrick, aber das wäre ja im Nu erledigt. Witzig auch, dass Tom Hiddleston in diesem Film dunkle Haare hat, wo er ursprünglich hell ist, und dass er bereits mit Jeremy Irons zwei Filme bzw. Serien gedreht hat, der - wie vielleicht aufmerksame Leser meines Blogs bereits wissen - das Vorbild war für den französischen Psychologen Gaspard Renoir, der versucht, das Geheimnis hinter dem Bildnis zu ergründen.

Leider wäre Mr. Irons mittlerweile ein bisschen zu graue Eminenz vom Dienst für Gaspard, aber auch das wäre nichts, was sich in der Filmindustrie nicht beheben ließe. Allerdings bin ich nicht sicher, ob man ihm mit Mitte Sechzig noch einen Endvierziger abnehmen würde. Andererseits - wirklich jung sah er ja nie aus, und dieses Elegische und Schwermütige hat er immer noch.

Bliebe von den Hauptfiguren nur noch Valentine Whitehurst, der traumatisierte junge Soldat, wegen dem Gaspard überhaupt erst in Yorkshire auftaucht. Der Schauspieler, den ich damals vor Augen hatte, war schon beim Schreibprozess nicht mehr im passenden Alter, aber bestimmt ließe sich jemand finden - kein Schönling, sondern jemand, der Arroganz, Sprunghaftigkeit und Verletzlichkeit unter einen Hut bringen kann. Vielleicht würde der Regisseur genau den richtigen auswählen. Ach ja, von was man als Autor so träumt...





Sonntag, 12. Oktober 2014

The Deep Blue Sea ~ "Weit wie das Meer" (2011)

Woran erkennt frau untrüglich, dass sie einen Schauspieler mag? Sie schaut plötzlich Filme an, die sie unter normalen Bedingungen nicht einmal mit der Kneifzange aus dem Kaufregal geholt hätte. So geschehen vor kurzem bei "Deep Blue Sea", mit Tom Hiddleston (*Schmacht*) und Rachel Weisz in den Hauptrollen.

 



Im Grunde bin ich absolut kein Liebesfilm-Fan, doch irgendwie war ich durch die Inhaltsangabe von diesem verführt zu glauben, die Geschichte einer unerlaubten Liasion in den 1950er Jahren könne mich überraschen und ähnlich berühren wie "Das Ende einer Affäre" mit Ralph Fiennes und Julianne Moore. Außerdem - Tom Hiddleston! Auf den ersten Blick so gar nicht mein Typ und äußerlich eher britisch Gentleman-mäßig blass wie Leslie Howard (wer erinnert sich nicht an Rhet Butlers schärfsten Konkurrenten in "Vom Winde verweht"?), fiel er mir erst in den Marvel-Verfilmungen als schwarzhaariger Schurke Loki auf.

Ich weiß nicht, was es ist, das ihn zumindest im Internet zu einem so begehrten Frauenschwarm macht. Die stattliche Größe von 187 cm? Der - zugegeben - perfekte und langgliedrige Body? Die leuchtend blauen Kinderaugen über den hohen Wangenknochen und sein Lachen? Der Oxfordakzent? Das alterslose und doch irgendwie gezeichnete Bubengesicht mit dem clownesken Ausdruck, der in Sekundenschnelle von traurig zu heiter wechseln kann? Seine elegisch schlanke Erscheinung, die an mütterliche Instinkte appelliert? Oder weil er sich ganz nebenbei für eine bessere Welt einsetzt und offenbar ein Kavalier der alten Schule ist? Auf jeden Fall hat er eine Leinwandpräsenz, die schier unwiderstehlich ist und bei mir nach drei Filmen gewirkt hat.

Leider nicht so richtig bei "Deep Blue Sea". Der Film war, um es kurz zu machen, eine Qual. Er basiert auf dem Theaterstück eines bereits verstorbenen Dramatikers (keine Wertung hier!) namens Terence Rattigan, und genauso muffig und miefig wurde es für die Leinwand übernommen - sechs Jahrzehnte nach seiner Entstehung.

Die profane Handlung: Die Richtersfrau Hester hat ein Verhältnis mit dem Piloten Freddie, der ihr das Gefühl gibt, als Frau begehrt zu sein im Gegensatz zu ihrem liebenden, aber mehr väterlich agierenden Ehemann. Als dieser Hester bei einem verfänglichen Telefongespräch mit ihrem Liebhaber belauscht, verweigert er ihr die Scheidung, die sie obendrein wohl gar nicht gewollt hätte, da Freddie ihr nicht die Sicherheit gibt, die sie von Gatte William gewohnt ist. Dennoch ist sie bereit, mit Freddie über alle Berge zu verschwinden, bis dieser sie brüsk zurechtweist und ihr unverblümt zu verstehen gibt, dass er sie nicht liebt und als Ehemann ohnehin versagen würde. Schweren Herzens lässt Hester nach langem Hin und Her ihren Geliebten am Ende ziehen und steht mit leeren Händen da. Doch immerhin ist da noch der langweilige William, der auf eine gemeinsame Zukunft hofft. Wahrscheinlich kehrt sie zu ihm zurück, obwohl sie Freddie verspricht, sich zu emanzipieren.

Meinung: Zu viel Kunstgedöns, kalte und trist ausgeleuchtete Bilder, zu wenig, dafür plakative Dialoge und ausgewalzte bedeutungslose und dann wieder symbolträchtige Szenen, die fast schmerzhaft anzusehen sind. Im Theater mag so etwas noch funktionieren, hier strapaziert es die Geduld der Zuschauer und zerrt an den Nerven, etwa wenn in einer Rückblende im U-Bahn-Schacht während eines Bombenalarms minutenlang "Molly Malone" von einem der Schutzsuchenden (immerhin passabel!) gesungen wird und in das alle miteinfallen. Ganz zu schweigen von dem grässlichen allgegenwärtigen Geschrammel, das man kaum als Soundtrack bezeichnen kann. Rachel Weisz hat in ihrer Rolle bei mir trotz gelegentlichem Verständis wenig punkten können - wahrscheinlich, weil die Protagonisten außer Simon Russell Beale als gehörnter, aber blutleerer Ehemann recht emotionslos und kalt geblieben sind. Nicht einmal der Hallodri Freddie hat mich überzeugt, obwohl man Tom Hiddleston außer einem blendenden Aussehen auch keineswegs Talent absprechen kann. Allerdings wurde zu viel und zu laut geschrieen. Das ist ganz ok auf der Bühne - für einen eher leisen Film wie diesen zu melodramatisch nach meinem Empfinden.

Die große Weisheit und Moral von der Geschicht' lautet: "Wahre Liebe lässt dem anderen Freiheiten und ihn ziehen, wenn er gehen möchte". Das hat bestimmt vor sechzig Jahren noch beeindruckt - heute kann ich nur müde darüber gähnen. Genau wie über die nahezu neunzig Minuten vorher.

Fazit: Nur etwas für Hardcore-Hiddleston-Fans oder Liebhaber von uralten, angestaubten Schwarzweiß-Theaterstücken, die man manchmal 1:1 auf der Mattscheibe am Nachmittag vorbeiflimmern sehen kann.


 Bewertung inklusive Hiddles-Bonus

  👍👍


Samstag, 4. Oktober 2014

Black Beauty in Zeiten des Krieges: "Gefährten" (War Horse) von 2011

Filme von Steven Spielberg sind für mich persönlich keine Empfehlung, außer es geht um "Schindlers Liste" , "Indiana Jones" oder "Der weiße Hai". Die fand ich großartig. Alle anderen, die ich kenne, sind mir zu schwülstig.





Die Geschichte des Wunderpferdes Joey macht da keine Ausnahme. Wie in fast allen Spielberg-Blockbustern entwickeln dort Tiere und Kinder besondere Fähigkeiten, die sie aus heiterem Himmel anfallen. Bei ersteren fehlt nur noch, dass sie sprechen können, und Spielberg-Kinder bzw. -Jugendliche gehen mir auf die Nerven mit ihrer altklugen Art und dem Gefühl, den dummen Erwachsenen überlegen zu sein. Die wiederum sind oft abgrundtief und hassenswert böse, so wie der feiste Grundstücksvermieter, der sich Joey unter den Nagel reißen will und den rechtschaffenen Bauern droht, ihnen im Falle einer Verweigerung die Existenz zu entziehen. Klar, das gehört zu Spielbergs Erfolgsrezept und ist sein Markenzeichen, doch ich bin vielleicht zu sehr Realist, um mich davon begeistern zu lassen. Oder ich würde gerne mal vernünftige Erwachsene in Spielberg-Filmen sehen.

"Gefährten" habe ich mir gestern auf Pro7 angeschaut, weil Benedict Cumberbatch und sein Kumpel Tom Hiddleston sich extrem sexy und hoch zu Ross ein Duell liefern, das natürlich das intelligente, pfeilschnelle und makellose Wunderpferd für sich entscheidet. Und ich muss leider sagen, dass das Rennen für mich das einzige Highlight war, bevor in den nächsten Minuten sowohl Captain Cumberbatch als auch dessen Untergebener Hiddleston das Zeitliche segnet, die beide nicht nur vor ihrem heldenhaften Ausscheiden blass bleiben wie der Rest der menschlichen Darsteller. Danach wie auch davor musste ich mehrmals ein Gähnen unterdrücken.

Die beschwerliche Odyssee des Hengstes Joey hat mich merkwürdigerweise weitgehend kalt gelassen. Das lag nicht an der Leistung des Pferdes, sondern am für mich sehr unglaubwürdigen Drehbuch und den naseweisen Kindern, durch deren Hände er geht. Ich kann mir kaum vorstellen, dass bei dieser banalen Geschichte selbst bei Kate Middleton die königliche Zurückhaltung flöten ging. Aber die Briten und die Royals im Besonderen haben ja eine erstaunlich enge Beziehung zu ihren Haustieren, wie auch "Gefährten" beweist - die bösen Deutschen schinden nämlich die treuen Gefährten des Menschen zu Tode, während Engländer und Franzosen sie als gleichberechtigte Kameraden behandeln und trotz Armut bereit sind, dafür ein Vermögen springen zu lassen. Für den klugen Hengst sowieso, denn jeder merkt sofort, wie charismatisch und besonders er ist. Bay Beauty statt Black Beauty eben.

Ja, ich gebe es zu: der Film hat emotionale Momente, und als der Schwarze, der sich ehemals zwischen den Beinen von unter Mr. Cumberbatch profilieren durfte, in "deutscher Gefangenschaft" vor Erschöpfung zusammenbricht und Joey sich besorgt und fragend schnobernd über ihn beugt, flossen die Tränchen tatsächlich ein wenig. Oder als Joey sich im Niemandsland kopflos im Stacheldraht verheddert. Das waren Szenen, die mein ehemaliges Reiterherz berührt und empört haben. Und ich war doch froh, dass es für das Pferd und den viel zu gefühligen, halbwüchsigen Besitzer Albert am Ende ein Wiedersehen und eine Heimkehr in einer effekthascherischen "Vom-Winde-verweht"-Kulisse kam, bei der das Pferd wehmütig-weise in die Ferne blickt, während seine Menschen sich trunken vor Glück und Wiedersehensfreude in den Armen liegen.

Aber auch das schien mir zu dick aufgetragen, wobei ich Melodramen durchaus nicht rundweg abgeneigt bin. Leider übertreibt es Spielberg dabei häufig, und wo die Stimmung aufgelockert werden soll, gelingt das meist nur mit Witzen und Zufällen, die so vorhersehbar sind, dass Spielberg noch überraschen könnte, wenn er darauf verzichten würde.

Fazit: Ein für viele Zuschauer tränenreiches Hollywood-Melodram, das man nicht gesehen haben muss, aber gerade bei Pferdefreunden und "Hiddlebatch"-Liebhabern (trotz der Miniauftritte) hoch im Kurs steht. Und da ich in gemäßigter Form beides bin, gibt es von mir mit gutem Willen, den ich gerne zeigen möchte, drei Sterne.


  👍👍👍



Montag, 16. Dezember 2013

Abschied von Peter O'Toole (1932 - 2013)

Als ich gestern von Peter O'Tooles unerwartetem Tod im Videotext erfuhr, hat mich das schon getroffen. Ich kann mich jetzt nicht als ausgesprochenen Fan bezeichnen, aber es gab eine Phase, in der ich mich ausführlich mit dem irischen Schauspieler befasst und auch viele seiner Filme angeschaut habe.




Lawrence von Arabien besitze ich immer noch auf DVD und würde den Film nie hergeben. Obwohl ich der über dreistündigen Handlung nie so ganz folgen konnte, fand ich die epische Musik, die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen der Wüste und besonders Peter O'Toole / Lawrence einfach unwiderstehlich und gigantisch gut. Wie blau seine Augen waren, und wie golden sein Haar! Dazu das Draufgängertum, in dem er Errol Flynn nicht unähnlich war (eine Persiflage an ihn folgt 1982 in der Klamotte "My favourite Year" - auch heißgeliebt von mir in meiner Peter O'Toole-Phase).

Irgendwie macht es mich immer ein bisschen traurig, wenn alte Hollywood-Größen gehen. Sie wachsen halt nicht nach. Schauspieler mit dem Charisma eines O'Toole, Errol Flynn, Gene Kelly oder Gregory Peck findet man heutzutage nur noch vereinzelt, wenn überhaupt.

Auch die Geschichten, die die alte Garde der Schauspielrecken zu erzählen hatte, suchen wohl ihresgleichen. Peter O'Tooles Biografie zu lesen war für mich unterhaltsamer als jeder Abenteuerroman, auch wenn vielleicht einiges dazugedichtet wurde oder man im Lauf der Zeit Dinge verklärter oder dramatischer sieht, je nachdem, wie man sie sehen will.

Anfang des letzten Jahrhunderts aufzuwachsen, hat die Leute doch sehr geprägt. Es gab viele Verbote und Gebote, die man heute als lächerlich empfindet. Hängengeblieben ist bei mir, dass Peter O'Toole ein umerzogener Linkshänder war - man bezeichnete die linke Hand als die böse Hand - und aus diesem Grund bis ins Teenageralter im Schlaf das Bett nassgemacht hat. Aber selbst solche Geschichten beschreibt er mit einem Augenzwinkern. Okay, er hatte sicher auch dunkle Seiten - das Trinken war wohl eine davon. Was eben ein waschechter Ire ist...

Es hat mir trotzdem leid getan. Mit 81 Jahren ist man heute noch nicht wirklich alt oder lebenssatt. Peter O'Toole, der letztes Jahr seinen Abschied von der Theaterbühne bekannt gegeben hat, war es offenbar. "Ich habe die Leidenschaft verloren" soll er gesagt haben, und wenn ich ehrlich bin, ist das so ungefähr der traurigste Grund, um abzutreten. Verständlich zwar, aber wer sagt denn, dass sie nicht wiederkommen kann, die Leidenschaft?

ChinChin, Peter O'Toole. Du warst einer der Größten!

P.S. : Ich warte auf ein Biopic mit Tom Hiddleston in der Hauptrolle! (O;




 


Freitag, 20. September 2013

Thor. Hammermäßig oder der Versuch einer Rezension

Ganz ehrlich: Sobald sich der Herbst ankündigt und es kein Wetter mehr ist, um draußen etwas zu unternehmen, ohne sich in unschmeichelhafte Michelinmännchen-Anoraks zu werfen, mutiere ich zur Couch-Potato. Und das Schlimmste: ich bilde mich nicht, indem ich es mir mit einer Tasse Tee und einem guten Buch gemütlich mache, nein. Ich flacke vor dem Fernseher!

Furchtbar, was dann alles angeguckt wird. Die Terror-Teenies auf Sat.1 waren bisher die Krönung, und trotzdem finde ich das gestellte, nach dem gleichen Muster ablaufende Format ganz interessant... was mich zur Überleitung meines eigentlichen Themas bringt, sowohl die Terror-Kids als auch das widerwillig Interessante.

Ich habe mir "Thor" mit Chris Hemsworth, Anthony Hopkins und Tom Hiddleston angeschaut. Eigentlich ein ganz untypischer Film für mich: Aufwändiger Hollywoodblockbuster mit viel Action, viel Computereffekten, wenig Dialog und wenig Tiefe auf den ersten und auch zweiten Blick. Chris Hemsworth wurde vermutlich ausgewählt, weil der Regisseur Kenneth Branagh inzwischen zu alt ist, um seine Eitelkeit auf der Leinwand zu befriedigen (Mann, bin ich fies! Trotzdem - er sieht ihm irgendwie ähnlich, oder?)

Jedenfalls fand ich den Film überraschenderweise recht gelungen. Schrilles, unterhaltsames Popcorn-Kino, fast so wie "Pirates of the Caribbean". Hauptsächlich war das Anthony Hopkins als Odin und Tom Hiddleston als Loki zu verdanken. Komisch, dass mir die zwielichtigen bis fiesen Gestalten in Film und Literatur oft viel besser gefallen. Mit der nordischen Göttersage kenne ich mich zwar nicht aus, aber das war auch kein Manko - erstens lernt man ein bissl was darüber, und zweitens hat sich Kenneth Branagh vieles ausgedacht - Loki und Thor sind in der Sage keine Brüder; noch nicht mal entfernte Verwandte. Macht aber gar nix. Der Dramaturgie hat der böse, listige Adoptivbruder des etwas tumben Thor gut getan. Ein bisschen eigenartig wirkte der Kontrast von Hemsworth' ausgeprägt australischem Englisch und Hiddlestons etwas halbseidener "british stiff upper lip". Andererseits hat das auch wieder zu den Charakteren gepasst, die sie jeweils verkörpern.

Die Idee, dass Thor auf die Erde *verbannt* wird, fand ich ebenfalls gut. Klar, wenn Halbgötter sich auf der Erde zurechtfinden müssen, kommt es zu klischeehafter Situationskomik, aber gestört hat sie mich nicht. Was ich dagegen nicht mochte, war die seltsame Liebesbeziehung zwischen Thor  Tarzan  und Jane. Die war überflüssig. Aber ich mag auch Nathalie Portman nicht. Sie ist für mich mit Keira Knightley identisch, die meiner Ansicht nach auch eine bessere Figur in Hochglanzmagazinen als in Filmen machen würde.

Loki alias Tom Hiddleston war allerdings Klasse! Es war der erste größere Auftritt von ihm, den ich gesehen habe, und er hat mich dann doch überzeugt. Spätestens nach seinem erst weinerlichen und dann wüsten Gekreische, als er Odin vorwirft, stets Thor bevorzugt zu haben und Loki als Druckmittel gegen die Eisgiganten zu benutzen (hieß das Volk so? Ich fand es ziemlich unlogisch, dass Loki von Frostbeulen abstammt, wenn er der Überlieferung nach der Gott des Feuers sein soll. Naja, Schwamm drüber), war mir klar, dass ich mir bestimmt auch den zweiten Teil ansehe, der Ende Oktober ins Kino kommt.

Alles nicht neu, aber manchmal brauchen auch alte Geschichten neue Aufgüsse. Außerdem wiederholt sich alles irgendwann wieder, besonders die Klassiker. Und wenn sie in so poppigem Gewand und mit einem echt finsteren, aber auch tragischen Schurken verpackt werden, vergebe ich als Anti-Blockbuster-Fan großzügig vier Sterne.






👍👍👍👍