Translate

Posts mit dem Label BBC werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label BBC werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 18. April 2020

Filme in Zeiten von Corona (VI): "The Lost Prince" (1999)

Nachdem mir "Perfect Strangers" von Stephen Poliakoff so gut gefallen hat, ging ich auf die Suche nach weiteren Produktionen von ihm und bin auf "The Lost Prince" gestoßen, ein Biopic des jüngsten Sohnes von King George V. und Queen Mary und offenbar auch die Inspiration zu "Perfect Strangers".

Lange war die Existenz des kleinen Johnnie (1905 -1919), Onkel der heutigen Queen Elizabeth, ein Geheimnis; mit vier Jahren wurde er offiziell zum Epileptiker erklärt und litt anscheinend unter einer milden Form von Autismus, ehe er im Alter von 13 Jahren starb und  - grausamerweise zur Erleichterung der Familie - in Vergessenheit geriet, bis man gegen Ende des 20. Jahrhunderts in Frankreich auf Erinnerungsstücke im Nachlass seines ältesten Bruders Edward stieß (der, der Wally Simpson einer königlichen Laufbahn vorzog).





Inhalt: Es gibt ein schwarzes Lämmchen in der königlichen Familie, und das ist Prinz John. Er ist nicht wie seine fünf Geschwister, passt sich nicht dem höfischen Leben an und sagt geradeheraus, was er denkt, auch und gerade zu Anlässen, bei denen ein Kindermund zur damaligen Zeit schweigen soll, besonders ein royaler. Das Lernen fällt ihm schwer, und aus heiterem Himmel befallen ihn epileptische Anfälle, die jeden, der davon Zeuge wird, "traumatisieren". Die Ärzte, die nach einem solchen Anfall gerufen werden, raten u.a. darum dringend, ihn "in Isolation" zu geben (ein aktueller Bezug zu Corona!). Lange fackeln ist Queen Marys (streng und gewohnt furchteinflößend: Miranda Richardson) Sache nicht, und so schickt sie ihn mit dem treuen Kindermädchen Lalla von Sandringham aufs Land in ein kleines Cottage. Dort lebt er fern von königlichen Pflichten gemeinsam mit Lalla (Gina McKee), einem müßigen Gehilfen und einem Hauslehrer, dem irgendwann der Geduldsfaden mit seinem unwilligen Schüler reißt und der sich freiwillig zur Armee meldet. 

Bruder George besucht ihn hin und wieder und hält den engsten Kontakt zu ihm, denn er liebt Johnnie nicht nur, er bewundert ihn und freut sich über seine Fortschritte. Anders als George und die übrigen Geschwister ist Johnnie frei, sich selbst zu sein und muss sich nicht verstellen, um in die Gesellschaft zu passen. Politik, der von Cousin Bill angezettelte Erste Weltkrieg, Internat, Etikette, lästige Treffen mit dem Rest der weit verzeigten königlichen Verwandtschaft - all das bleibt Johnnie erspart. Er ist glücklich auf dem Land mit Lalla, seinem Grammophon, seiner Malerei und seiner Trompete. Doch zumindest im Film er ist sich seines Standes wohl bewusst und zeigt sich als Teenager höflich aber auch majestätisch bestimmend während der seltenen Besuche seiner zugeknöpften Eltern, die sich heimlich für ihn schämen. 

Meinung: Nach dem grandiosen und emotional packenden "Perfect Strangers" war "The Lost Prince" zunächst eine herbe Enttäuschung. Viel zu (monarchisch) steif, zu wenig erzählerisch, zu wenig Sympathie mit den Schauspielern; selbst die Kinderdarsteller - obwohl gut gewählt - konnten mich nicht überzeugen. Erst am Ende des Zweiteilers flossen Tränen im vertrauten Poliakoff-Modus. Und zwar nicht nur deshalb, weil es uns für heutige Verhältnisse herzlos vorkommt, Kinder, die anders sind, zu vernachlässigen und ihnen nicht helfen zu wollen oder zu können (die Erforschung und Behandlung von Epilepsie steckte noch in den Kinderschuhen), sondern auch vor Rührung. 

Mir wurde erst später klar, dass Johnnie eigentlich am besten dran war von allen Beteiligten, nämlich dann, als ich ein wenig genauer über ihn recherchiert habe. Trotz seiner Neigung zum Autismus hatte Johnnie Freunde und einfache Leute in seinem "Exil", denen er wichtig war und die ihm ein gutes Leben ermöglicht haben. Die aufrichtig um ihn getrauert haben, als er nach einem schweren Anfall im Schlaf gestorben ist. Die echte Lalla bewahrte zeitlebens ein Foto von ihm auf, das über ihrem Kamin hing. Sie hat nie geheiratet und eigene Kinder bekommen, denn, wie sie auch zu Queen Mary unter Tränen im Film sagt, war Johnnie etwas Besonderes. 

Trotz der etwas schwerfälligen und manchmal wirren Erzählweise empfand ich wieder eine bittersüße Traurigkeit, die mich beim Anschauen solcher Filme nach wahren Begebenheiten oft überkommt. Dass sie nicht von Beginn an da war, liegt wohl an der zurückhaltenden und eisigen royalen Atmosphäre der Geschichte. Man sagt, dass George V. und Queen Mary sich trotz ihrer Liebe nur brieflich verständigten, weil sie Sprechen als ungehörig und notwendiges Übel erachteten. Selbst Georgie, der seinem Bruder am nächsten steht, wirkt steif und hölzern aufgrund der Erziehung und der Zukunft, die ihn als Marineoffizier erwartet. Ich bin allerdings auch wahrlich kein Fan von irgendwelchen Royals und kenne mich mit den Gepflogenheiten, Schrullen und Dramen bei Hofe nicht aus. Insofern war "The Lost Prince" eine Neuentdeckung und hat mich sogar neugierig auf weitere Informationen über Prince John gemacht. Denn interessant und außergewöhnlich war er allemal.

Bewertung: nach reiflicher Überlegung knappe vier 


💫💫💫💫




Mittwoch, 13. Februar 2019

Review Jane Eyre (BBC, 2006)

Auf diesen grandios umgesetzten Klassiker von Charlotte Bronte bin ich durch den englischen Schauspieler und Maggie Smith-Spross Toby Stephens gekommen, der mir von einer amerikanischen Freundin durch die Serie "Black Sails" vorgestellt wurde. Die Serie selbst fand ich eher durchschnittlich, wäre da nicht der rothaarige und knurrige Captn. Flint mit seinem dunklen Geheimnis gewesen. Der irgendwie interessante Typ machte mich neugierig auf weitere Filme, und daher ließ "Jane Eyre" nicht lange auf sich warten.




Zum Inhalt brauche ich wenig zu sagen. Das Waisenkind Jane (Ruth Wilson), verstoßen von ihrer hartherzigen Tante, nimmt eine Stelle als Gouvernante in Thornfield Hall an, dem Anwesen des rastlos reisenden Edward Fairfax Rochester (Toby Stephens). Obwohl beide am Tag ihrer ersten Begegnung gegenseitige Seelenverwandtschaft feststellen, tut sich vor allem der eigenbrötlerische und ungehobelt wirkende Rochester schwer, seine Gefühle für ein einfaches und viel zu junges Ding einzugestehen. Außerdem gibt es da noch eine Last im Nordturm, die er nicht über Bord bzw. die Burgzinne werfen kann. Jane hingegen glaubt trotz aller ihrer zur damaligen Zeit erstaunlichen Emanzipation, dass der Herr nur mit ihr spielen will. Schließlich hat er offenbar vor, eine Dame seines Standes, die schöne Blanche Ingram, zu ehelichen. Aber es kommt alles ganz anders... und doch wie erwartet.

Meinung: Es gibt viele Verfilmungen von Jane Eyre, und gewiss auch gute. Ein Beispiel für eine zwar ästhetisch ansprechende, aber eher blutleere Umsetzung des Stoffes ist die Kino-Version von 2011 mit Mia Wasikowska und Michael Fassbender, die an derselben Location gedreht wurde (Haddon Hall in Derbyshire). 

Für mich war die BBC-Version die gefühlvollste, schönste und farbenprächtigste. Das liegt vor allem an Toby Stephens, der mir als Nichtkenner des Buches zum ersten Mal gezeigt hat, dass ein Rochester nicht perfekt aussehen soll (und doch attraktiv ist), und dass er auch ziemlich barsch und unangenehm sein kann, ohne es zu beabsichtigen. Seine Unsicherheit überspielt er mit Zynismus, ironischem Selbsthass und vorgetäuschter Gleichgültigkeit.





Anders als der stets mitleiderregend leidende und lethargisch wirkende Michael Fassbender in derselben Rolle (sorry, der Vergleich muss erlaubt sein) meistert Toby Stephens Rochesters Ambivalenz von hart zu zart mit souveräner Sprunghaftigkeit, und es gelingt ihm dabei sogar, einen Hauch Animalismus zu versprühen, der dem Womanizer Edward Rochester wohl von Charlotte Bronte auf den Leib geschrieben wurde. Dass er mehrere unerfüllte Affären auf den West Indies und in Paris hatte, bei denen er stets der Dumme war, wurde in der züchtigen späteren Kinoversion nur angedeutet.

Apropos züchtig: zwar ist der Mehrteiler bereits ab sechs Jahren freigegeben, doch teilweise geht es für das viktorianische England recht heftig zur Sache. Die Szene, in der Jane nach der geplatzten Hochzeit ins Schlafzimmer flüchtet und Rochester sie bekniet, als Bruder und Schwester am Mittelmeer zusammenzuleben, zeigt deutlich, dass er nicht unbedingt vorhat, seinen edelmütigen  Plan in die Tat umzusetzen. Die Szene mitsamt Beleuchtung, das eindringliche Gesäusel und das engumschlungene (unverheiratete!) Paar auf dem Bett ist an knisternder Erotik kaum zu überbieten... (O; Und trotzdem zeigt sie am deutlichsten, wie ernst es Rochester mit seinem Angebot ist. Für mich war sie die beste im ganzen Film.




Zwei kleine Kritikpunkte habe ich, die sich aber nicht auf mein wohlwollendes Gesamturteil auswirken: die ein wenig kitschige Schluss-Szene mit dem Familienporträt war wichtig für Jane, die als kleines Kind davon ausgeschlossen wurde, aber für meinen Geschmack doch etwas dick aufgetragen. Keine Ahnung, ob sie im Buch eine ebenso wichtige Rolle spielt. Dann wäre sie nämlich zu entschuldigen.

Der zweite Punkt ist gravierender, hat mich glücklicherweise jedoch nicht besonders tangiert, da ich den Film zuerst im Original geguckt habe. Die Synchronisation ist so grauenvoll und holprig, dass ich mich gefragt habe, wie man derart dreist aus dem "drawing room" einen Zeichensaal und aus dem deutschen "Handschuh" einen denglischen "handshoe" machen kann, und das waren die auffälligsten Schnitzer neben mehreren. Dazu gehört auch Rochesters onkelhafte deutsche Stimme, die viel zu alt und gesetzt klang im Vergleich zu Mr. Stephens sexy kehligem Organ. Wer englisch kann, sollte sich den Film unbedingt im Original anschauen!

Bewertung: begeisterte

👍👍👍👍👍



Dienstag, 3. Oktober 2017

Die BBC-Serie "The Living and the Dead" ~ Grusel für Fortgeschrittene

An und für sich bin ich für Serien und Filme, in denen ich die Schauspieler nicht kenne oder nicht mag, nicht so sehr zu haben. Aber ich liebe Geschichten aus dem Viktorianischen, und wenn es dabei noch um Grusel und unheimliche Phänomene geht, ist mein Interesse unweigerlich geweckt. So auch bei "The Living and the Dead" mit Colin *Merlin* Morgan als Nathan Appleby und Charlotte Spencer als seine Frau Charlotte. Leider gibt es nur eine Staffel mit sechs Folgen, aber die hat es in sich!

Inhalt: Somerset, England, 1894: Der Psychologe und Farm-Neuling Nathan Appleby kehrt nach dem Tod seiner Mutter in das elterliche Anwesen Shepzoy zurück, um die dortige Landwirtschaft wieder aufleben zu lassen. Angestellte fürchten um ihren Job, doch er behält die Belegschaft komplett und sorgt mit seiner ehrgeizigen Frau dafür, dass sogar eine Eisenbahnstrecke nahe Shepzoy erschlossen wird. Es gibt Arbeit für alle, und die neuen Besitzer geben sich Mühe, zu lernen. Besonders Charlotte blüht als Gutsherrin auf. Doch mit der Familie Appleby zieht das Böse in die kleine Gemeinde. Das behaupten zumindest die Bewohner, und ganz von der Hand zu weisen ist ihre Befürchtung nicht. Unheimliche Dinge geschehen mit der Tochter des Reverends, die plötzlich von Geistern besessen zu sein scheint und in Absencen mit der Stimme von Nathans Sohn aus erster Ehe spricht. Der kleine Gabriel ertrank beim Spielen, als Nathan keine Zeit für ihn hatte. Seitdem plagen ihn Schuldgefühle und Vorwürfe.

Charlotte hofft, seiner Melancholie mit dem Ortswechsel ein Ende zu setzen, doch Nathan steigert sich immer mehr in die Vorstellung hinein, dass Gabriel ihm etwas sagen möchte und ihn sucht. Als er eine Zeichnung findet, die "einen Engel mit einem leuchtenden Buch" zeigt, ist er überzeugt, eine geheime Botschaft erhalten zu haben und begibt sich weiter auf Geistersuche. Tatsächlich erscheint ihm eine junge Frau mit einem Tablet aus dem Jahr 2016 (das Nathan 1894 natürlich nicht zu benennen wusste), die jedes Mal auf rätselhafte Weise verschwindet, sobald er mit ihr reden will. Nicht nur die jetzt schwangere und pragmatische Ehefrau leidet darunter; alte, morbide Geschichten kommen zutage, die sich in Shepzoy ereigneten und über die seinerzeit diskret das Mäntelchen des Schweigens gebreitet wurde. Die Ereignisse der Vergangenheit werden zur Gefahr für jeden der Bewohner, die nun um ihr Leben bangen oder gar zum Selbstmord getrieben werden. Das Dorf wendet sich gegen die Applebys, das Personal kündigt, und am Ende hat Nathan keinen größeren Wunsch, als wieder mit Gabriel vereint zu sein... aber ist das so einfach, wie es scheint?

Meinung: Beeindruckend atmosphärisches Setting, die passende schaurige Musik, schöne Bilder und wirklich tolle Darsteller in einer originellen und raffinierten Handlung haben mich zu einem Fan der kurzen, aber feinen und sorgfältig inszenierten Serie gemacht. Anfangs ist der Aufbau etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem, wenn man bedenkt, wie rasant das Tempo einer Serie heute eigentlich ist, um die Zuschauer bei Laune zu halten. In Shepzoy drehen sich die Räder noch langsamer, und vielleicht ist das sogar beabsichtigt: das Personal steht Veränderungen und Fortschritt mit Misstrauen gegenüber; Charlotte, die fotografiert und Zugmaschinen einführt, daher unter Generalverdacht. Und irgendwann beginnt man zu verstehen, dass die Menschen damals in einer ähnlichen Situation des Umbruchs waren wie wir heute, in der die Technik den Ton angibt. Sozialkritisch ist "The Living and the Dead" also auch noch!





Besonders berührend fand ich die Episode mit dem Bergarbeiter-Buben Charlie, der von den roten Brüdern geholt wird, weil man ihn damals offenbar vergessen / er den Weg nicht gefunden hat. Teilweise konnte ich allerdings ein leichtes Unbehagen nicht abschütteln, etwa wenn Nathan mit einen Ouija-Brett hantiert oder die Pfarrerstochter Harriett hypnotisiert. Das war mir ein bisschen zu klischeehaft und letzteres außerdem zum Fremdschämen.

Die letzten beiden Folgen heben dann die Zeit vollständig auf. Erst war es merkwürdig, bis man die Zusammenhänge erkennt und einer dieser Aha!-Effekte einsetzt, die ich an Geschichten so sehr schätze. Wirklich eine super durchdachte Story, die man nicht nur zu Halloween anschauen kann.


Bewertung:
👍👍👍👍



Mittwoch, 27. April 2016

Agentenkram aus dem Hochglanzherrenmagazin: The Night Manager (BBC / AMC, 2015)

Keine Angst, der Titel des Beitrags klingt schlimm, aber die Serie ist es ganz und gar nicht. Was sich in der Mini-Serie zwischen Tom Hiddleston und Hugh Laurie entwickelt, ist große Schauspielkunst und ein noch größeres Vergnügen, wenn man James Bond mag, der bekanntermaßen in teurer Kleidung und exotischen Locations am besten zur Geltung kommt. Und obwohl ich kein 007-Kenner bin, habe ich mich bisher - durch die Hälfte der Serie - prächtig unterhalten.

Inhalt so far: Jonathan Pine (Tom Hiddleston), Ex-Soldat, sehnt sich nach einem ruhigeren Leben und hat es mehr oder weniger als Nachtportier in einem Hotel in Kairo gefunden. Dort sucht ihn eine geheimnisvolle Dame auf, die ihn bittet, Dokumente zu kopieren, die streng geheim sind. Pine kann es nicht lassen: er liest die Akten und geht mit der Schönen ins Bett. Wenige Tage später ist sie tot, ermordet von den Männern des Gangsterbosses und Wirtschaftmoguls Richard Onslow Roper (erst unfreiwillig komisch, dann subtil einschüchternd: Hugh Laurie). Pine trauert und lässt sich nach Zermatt versetzen. Die britischen Behörden bekommen Wind von der Geschichte, werden auf Pine aufmerksam und setzen ihn mit neuer Identität und einer kriminellen Vorgeschichte auf Roper an, um diesem das schmutzige Handwerk zu legen.

Meinung: Von der Geschichte war ich zuerst nicht sonderlich angetan, außer von Tom Hiddleston und den schönen, exklusiven Drehorten wie die Schweiz, Mallorca und Ägypten. Ein kleiner Downer war auch die Art, mit der Hugh Laurie den steinreichen und gefährlichen Waffenhändler spielt: der erste Eindruck von ihm ist der eines zweitklassigen Mick Jagger-Imitators in einer Agentenparodie: enge, rote Hosen, eine junge, freizügige Frau im Arm, rotzige Sprüche und eine polierte Tonsur, die in "House M.D." diskret mit einem Haarteil kaschiert wurde. So wirklich ernst konnte ich ihn nicht nehmen - anfangs. 

Aber ab der intensiven Szene der (von Pine inszenierten) Entführung seines kleinen Sohnes hat sich mein Urteil verbessert. Da blitzt ein bisschen Dr. House durch, der auch im Umgang mit Jonathan Pine nicht mehr ganz verschwindet. Er gibt sich bewusst patriarchisch-väterlich, als er durch seine Informanten erfährt, dass Pine eine enge Beziehung zu seinem Vater hatte, der in Belfast bei einem Einsatz getötet wurde, und erklärt Pine zu einem Mitglied der "Familie" - sicherlich kommt es da noch knüppeldick hinter der freundlichen Fassade.

Pine bleibt auf seinem Anwesen in Mallorca (supertolle, großzügige Architektur, da möchte frau sofort einziehen und Tom Hiddleston als Sonnenöl-Eincremehilfe am Pool und im Bett sitzen haben!), und beobachtet das Kommen und Gehen der "Familie", teils mit skeptischen, teils mit waidwunden Blicken. Besonders Frauen vertrauen sich ihm an, und so kommt es auch, dass Ropers giraffenlange Geliebte Jed mit ihm anbandelt, die ebenfalls ein Geheimnis hat.





Fazit: Ich bin erst mit der ersten Disc der Staffel durch, freue mich aber wie Schneekönig auf die kommenden Folgen. Das liegt - ich gestehe - vor allem an Tom Hiddleston. Der Mann hat etwas an sich, das über Talent und gutes Aussehen hinaus geht. In dem Cast, der an sich superb besetzt ist, leuchtet er unter all den zwielichtigen Gestalten des Roper-Universums wie eine kleine Sonne, auch wenn er als Jonathan Pine hin und wieder den toughen Verbrecher und kaltblütigen Geschäftsmann mimt, um Roper an der Nase herumzuführen. Bisher eine absolute Empfehlung!





Sonntag, 10. April 2016

Britischer Humor trifft Mystery: "Stag" (2016, BBC)

Diese Miniserie der BBC gibt es leider nicht mit deutscher Tonspur, doch als absoluter JJ Feild-Fan musste ich sie einfach gesehen haben - und wer hört schon gern die deutsche Synchro, wenn der Mann eine Stimme zum Reinlegen hat? (O;

Außerdem liebe ich Jungs / Männer auf Abenteuertrips und ein bisschen Grusel, und genau das hat "Stag" versprochen. Enttäuscht wurde ich trotz des makaberen Plots nicht.

Inhalt: Ian Telford (Comedian Jim Howick) ist ein eher langweiliger und unscheinbarer Lehrer aus Eastbourne, der nicht trinkt, Vegetarier ist und alles verabscheut, was mit Sport und Blut zu tun hat. Umso überraschender, dass sein zukünftiger Schwager Angus Johnners (Steven Campbell Moore im albernen Plüschhirschkostüm) einwilligt, ihn auf Anraten von Ians Schwester als Aufpasser mit auf den Junggesellenausflug in die schottischen Wälder mitzunehmen. Johnners und seine Freunde planen ein Jagdwochenende, bei dem sie einen oder mehrere kapitale Hirsche erlegen wollen.

Doch was als harmloser Spaß und jungenhaftes Imponiergehabe beginnt, entwickelt sich bald für alle zum Horrortrip. Ian findet heraus, dass die Freunde doch nicht so herzlich befreundet sind wie es scheint, und dass jeder der Beteiligten in einen Bankskandal verwickelt ist, der vertuscht werden soll, da jeder davon profitieren möchte. Damit nicht genug: die Männer werden nach und nach auf mysteriöse Weise eliminiert und somit selbst zu Gejagten - manche Opfer tauchen erst nach Tagen wieder kopfüber hängend in verlassenen Hütten auf, andere als zwei Hälften.

Die Überlebenden verdächtigen sich gegenseitig, und besonders der arrogant wirkende Ledge (JJ Feild) macht mehr als einmal sarkastische Bemerkungen, die nicht gerade für Vertrauen in der Gruppe sorgen. Leider muss ziemlich zum Ende auch er auf unappetitliche Weise dran glauben (*Heul!*), so dass Ian/Ewok/R2-D2 keinen Zweifel mehr hat, in eine Falle geraten zu sein, aus der es kein Entrinnen gibt.

Meinung: Wie bereits erwähnt, war JJ Feild der Auslöser, die Serie anzuschauen. Wahrscheinlich hätte ich darauf verzichtet, hätte er nicht mitgespielt. Ich liebe den Mann einfach und finde ihn umwerfend! Er ist ein toller, vielseitiger Schauspieler, blendend aussehend, groß und athletisch, und er wirkt so nett, lieb und geerdet, dass ich mich wundere, weshalb er nicht einem größeren Publikum bekannt ist *Schmacht*. "Stag" zeigt ihn in einer Rolle, die ihn ein wenig gegen den Strich bürstet, wenn man seine anderen Filme kennt - als prolligen und lauten Banker, der erst am Schluss von seinen Qualitäten als "Best man" nicht mehr überzeugt ist und sich am gewaltsamen Tod der Kameraden die Schuld gibt. Trotzdem hat Ledge etwas ungeheuer Liebenswertes an sich (kann JJ Feild überhaupt anders?).

Aber auch die anderen Charaktere mochte ich. Die Chemie zwischen den Schauspielern war zwar nicht so deutlich zu spüren wie zwischen dem Cast in Third Star, doch im Lauf der Zeit bekamen alle sieben Männer ein Gesicht und - soweit möglich - Eigenschaften und Macken, die sie mir sympathisch oder unsympathisch gemacht haben. Die Guten waren neben Ledge der etwas eingebildete, aber gutmütige Cosmo (Rufus Jones), der den Cockerspaniel des ansässigen "Spielführers" rettet, und Mex (Amit Shah), der eigentlich Inder ist und am liebsten "Hitesh" genannt werden möchte statt Mexican, weil ersteres sein richtiger Name ist.

Es gab Witze und Situationskomik, über die ich lachen musste, und Szenen, bei denen ich mich gegruselt habe. Teilweise war mir "Stag" ein bisschen zu blutig, und mit Ledges brutalem Ende war ich überhaupt nicht einverstanden. Die Handlung und vor allem der Schluss fallen fast banal aus, und trotzdem fand ich die Serie unterhaltsam und durch den unerschrockenen Mix verschiedener Genres auch sehr originell.

Zudem waren trotz des eher gewaltsamen und nicht ganz ernst gemeinten Themas innige Freundschaftsmomente zu entdecken (Stichwort "Calmex), lustige Popkultur-Referenzen für die Nerds (Gruffalo-Bullshit, Star Wars, Lost und Elton Johns "I'm still standing"), eine geheimnisvolle, unberührte und weite Landschaft, und natürlich mein schöner John Joseph. Need I say more?






Bewertung: 

  👍👍👍👍




Dienstag, 29. März 2016

Eine Hommage an die Unsterblichkeit von Sherlock Holmes: "Die Braut des Grauens"

Nach der Enttäuschung über die letzte, dritte Staffel der Serie "Sherlock" hielt sich die Vorfreude auf das Special, das in Großbritannien bereits an Neujahr ausgestrahlt wurde, in Grenzen. Normalerweise hätte ich als Goth-/Mystery- und Benedict Cumberbatch-Fan alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Original zu sehen. Aber nicht einmal die Aussicht auf den gestrigen deutschen Sendetermin hat mein Herz hüpfen lassen. Zu Recht, wie sich herausgestellt hat.

"Die Braut des Grauens" war bestenfalls durchschnittliche Fernsehunterhaltung mit einem Touch Nostalgie, aber vor allem war sie eine Verbeugung an die Figur Sherlock Holmes, und das ist ja nicht soooo schlecht...





Zur verworrenen Handlung kann ich wenig sagen. Sie stand der Zerstückelung und den rasanten Schnitten der dritten Staffel in nichts nach. Innovative Kameraführung, raffinierte Computertricks und eine wirklich tolle opulente Ausstattung haben das zwar nicht wettgemacht, trugen aber doch nicht unwesentlich zu meiner Belustigung bei. Das Highlight war für mich die Szene im Diogenes Club, in der sich Holmes und der Diener Wilder aufgrund absolutem Ruhegebots in der Gebärdensprache unterhalten. Watson wird miteinbezogen und macht dabei einige witzige Fehler. Ich mochte die Szene vor allem, weil ich die Gebärdensprache selbst faszinierend finde. Es sah sehr elegant aus, wie Sherlock sie eingesetzt hat mit seinen schönen langen Händen...

Ein weiteres Highlight (*Ironie an*): Mycroft in a Fatsuit!!! Mann, das war wirklich der Hammer! WTF?! Wieso das denn? Nur weil er gerne Kuchen isst? Das musste genauso wenig sein wie Molly Hooper als Mann verkleidet. Dass Sherlock darauf hereinfällt, zeugt nicht gerade von großer Kombinationsgabe. Und da wirft er Watson noch mangelnde Vorstellungskraft an den Kopf!


Aber vielleicht ging es in "Die Braut des Grauens" nicht nur um Holmes' Unsterblichkeit, sondern auch um die Rolle der Frau. Ich wüsste zwar nicht, was das mit Sherlock zu tun hat, aber sei's drum. Irgendwie wusste ich eh die ganze Zeit nicht, worum es ging in den konfusen anderthalb Stunden, die sich - ehrlich - zäh wie Kaugummi gezogen haben.

Eindeutig war für mich nur, dass der Kindskopf Moriarty und Sherlock Holmes derselbe sind bzw. Moriarty seine "schlechte" Seite (oder der böse Zwilling) - und das seit über hundertzwanzig Jahren, wenn man Gatiss und Moffat glauben darf. Schließlich spinnt Sherlock sich im Jet das alles zusammen... oder doch nicht? Ist nicht eher der "alte" Sherlock im Drogenrausch ein Visionär, der die Zukunft voraussagt?

Eigentlich mag ich Mystery und Rätselhaftes, aber ich fühle mich verkohlt, wenn die vielen Fäden einfach abgeschnitten werden, ohne eine Lösung anzubieten oder wenigstens etwas konsequent zu Ende zu erzählen. Davon haben die Verantwortlichen der Serie zu oft schon Gebrauch gemacht für meinen Geschmack. Das hochgelobte Special entpuppt sich für mich als weitere Enttäuschung. Es war mehr eine Parodie aus wahllos aneinander gereihten Zutaten aus dem Potpourri von Conan Doyle und Gatiss/Moffat als eine Story zum Mitfiebern und Miträtseln.

Vielleicht bin ich einfach nicht clever genug, um den Gedankengängen der (Neu-)Erfinder des Meisterdetektivs zu folgen, aber ich kann mir nicht denken, dass jeder Sherlock-Fan, der über die Folge in Jubel ausbricht, alles verstanden hat und mir eine kurze und knackige Inhaltsangabe zum Wesentlichen geben könnte. Und das macht für mich eine gute Geschichte aus. No shit, Sherlock.


Bewertung:  ganz knappe




👍👍👍



Dienstag, 17. März 2015

Das Phänomen "Passiver Protagonist"

Man erfährt und lernt ja so einiges, wenn man im Internet surft. Oft stolpert man dabei über Dinge oder Begriffe, die man noch nie gehört hat, die aber irgendwie neugierig machen. In Facebook z. B. lief mir gestern ein passiver Protagonist über den Weg.

 

Wikiimages /Pixabay

 Was um Himmels Willen ist das denn?! Ich kenne mich im Schreiben doch einigermaßen mit Protagonisten und Antagonisten aus, aber das? Noch nie gehört. Und dann die Feststellung dazu, dass der passive Protagonist in neunzig Prozent aller Romane einen festen (und verpönten) Platz besetzt. Ich musste unbedingt wissen, was es mit ihm auf sich hat. Ist er wirklich so schlimm, wie der Artikel impliziert?

Ehrlich gesagt, ich denke nicht. Obwohl ich in meinen eigenen Romanen mehr Frodos habe als Hamlets (für mich das klassische Beispiel eines passiven Protagonisten), hat Hamlet durchaus eine Daseins-Berechtigung. Nicht nur, weil man mit ihm fühlen kann, sondern auch, weil er - anders als der aktive Protagonist - kein makelloser Held ist und sich in den meisten Fällen von den Ereignissen um sich herum überrumpelt fühlt. Wie man sich selbst oft im richtigen Leben. Klar, jeder taucht gern in fremde Welten ab und fiebert mit dem Helden, erlebt atemberaubende Abenteuer an seiner sicheren Seite, die er in unerschrockener Kühnheit beeinflusst und meistert. Und noch lieber wäre jeder selbst gern ein bisschen mehr aktiver Protagonist. Aber hat der passive Protagonist nicht auch seine Vorzüge?

Mir fällt da mein eigener Roman "Vom Ernst des Lebens" ein. Auf den ersten Blick wäre der selbstbewusste Miles der aktive Protagonist, während der eher zögerliche und scheue Rupert den passiven Part (uiuiui - nicht missverstehen!) übernimmt. Allerdings stellt sich im Lauf der Geschichte heraus, dass Rupert durchaus den Lauf der Handlung beeinflusst; vielleicht genauso sehr wie sein gegensätzlicher Freund. Anfangs wirkt er neben Miles ängstlich und apathisch, aber er versteht es bereits im zweiten Kapitel, Unternehmungslust zu zeigen, mit der er dem Roman eine Wende verleiht, die es ohne sein beherztes Handeln nicht gegeben hätte. Überhaupt: ganz ohne das Eingreifen des Protagonisten - sei er aktiv oder passiv - erzählt sich keine Geschichte, oder? Mir zumindest fiele ad hoc kein Beispiel ein, in der eine Hauptfigur völlig lethargisch am Geschehen vorbeischwimmt. Selbst Hamlet greift zum Schwert (Giftpott? Sehr beliebt und das Mittel der Wahl in der Renaissance), wenn ich es richtig in Erinnerung habe.

Eine mir bekannte Figur gibt es jedoch, die tatsächlich wenig bis gar nichts zum Geschehen beiträgt. Edmund Talbot aus William Goldings "Rites of Passage" / "To the Ends of the Earth" (deutscher Titel "Äquatortaufe"). Er kommt als Aristokrat an Bord eines Schiffes, das nach Australien unterwegs ist, und wird Zeuge der "Animalisierung" auf engstem Raum während der strapaziösen Reise von Großbritannien nach Down Under. Dabei bleibt er stets Beobachter und folglich größtenteils distanziert. Seine einzigen Tätigkeiten beschränken sich auf seine Tagebucheintragungen, fast peinliche, der Handlung meist undienliche Ausrutscher oder verdutzte Blicke (sehr schön veranschaulicht von einem noch extrem jungen Benedict Cumberbatch in der Miniserie "To the Ends of the Earth" von der BBC aus dem Jahr 2005).

Und dennoch ist William Golding mit diesem Roman von 1989 ein moderner Klassiker gelungen. Ich glaube, gerade weil Mr. Talbot so unbeholfen und passiv wirkt und scheinbar kein Fettnäpfchen auslässt, gewinnt er Sympathien unter Lesern und Zuschauern. Viele können sich mit ihm besser identifizieren als mit dem forschen Helden, der die Geschichte zu seinen Gunsten in die Hände nimmt und stets auf den eigenen Vorteil bedacht ist oder die Geschicke einer Welt / eines Volkes lenken muss wie Frodo.

Vielleicht habe ich den Artikel aber auch völlig falsch verstanden. Dann bitte ich um Entschuldigung. Ich bin jedenfalls beim Durchlesen insgeheim ein bisschen froh gewesen, dass in all meinen Romanen kein Protagonist so passiv ist, dass man behaupten könnte, er sei überflüssig für die Story.




Mittwoch, 21. Mai 2014

The name's Sherlock Holmes. And the address is 221 B Baker Street.


Was fasziniert mich eigentlich an dem neuen, hypermodernen Format der BBC-Serie "Sherlock" (Start der dritten Staffel in Deutschland am 29. Mai auf der ARD), die derzeit als eine der weltbesten Serien gilt?

 

ArtTower / Pixabay


Man könnte meinen, der letzte Abschnitt und das darin enthaltene Prädikat erklären es schon, doch  das ist bei weitem nicht der Fall. Ich habe einen recht eigenen Geschmack und finde häufig Dinge, die die meisten cool finden, uncool und umgekehrt. Zudem bin ich eher altmodisch und wurde mit der Reinkarnation des viktorianischen Meisterdetektivs zunächst überhaupt nicht warm. Allein die Idee fand ich absurd. Zu sehr waren Holmes und Watson im ausgehenden 19. Jahrhundert verwurzelt, in dem noch nicht einmal ein Visionär wie seinerzeit Leonardo daVinci an Smartphones, IPads und Internet zu denken wagte. Auch bin ich nicht unbedingt großer London-Fan oder Experte in Sachen Arthur Conan Doyle.

Ausschnitte aus den Spätnachtwiederholungen haben mich nie wirklich vom Sofa gerissen, im Gegenteil. Ich hatte irgendwie keinen Bezug zu dem, was da auf dem Bildschirm in scheinbar atemberaubender Geschwindigkeit vor mir flimmerte, verstand jeden zweiten Satz nur halb oder gar nicht und wollte mir nicht einmal die Mühe machen, die technischen Spielereien zu würdigen, die ich in nicht gar so ausgefeilter Form bereits in "House MD" gesehen hatte. Die Protagonisten - obwohl in ihrer ambivalenten Beziehung zueinander angelehnt an House / Wilson respektive klassischer Holmes / Watson - fand ich nichtssagend und außerdem viel zu jung. Mein Sherlock Holmes-Bild haben gestandene Gentlemen wie Basil Rathbone und Peter Cushing geprägt. Der *kleine* Holmes war dagegen eher frech, mitunter sogar zum Fremdschämen peinlich und impertinent, etwa als er auf Nikotinentzug übertrieben inhalierend an einem Klienten schnüffelt, der eben noch eine Kippe im Gesicht stecken hatte. Heute gehört diese Szene zu meinen absoluten Highlights, gemeinsam mit dem unfreiwilligen Tanz  aus The Blind Banker. Und natürlich dem Mind Palace.

Im Forum habe ich mich schließlich mal zu Wort gemeldet im entsprechenden Thema und meine nicht gerade überschwängliche Meinung zur Serie kundgetan. Das einzige, was ich bis dahin wirklich gelungen fand, war die extra komponierte Musik wie das etwas schrullige Sherlock-Theme und besonders das Gänsehaut erzeugende, bittersüß anmutende "The Woman". Das war toll. Eine moderne Serie, die auf angesagte Popsongs verzichtet und dafür orchestrale Musikgeschichte schreibt, ist schon einen näheren Blick wert. Allerdings hatte ich keine Ahnung, weshalb jeder so begeistert an der Theorie zum "Reichenbachfall" mitgerätselt hat. Man legte mir nahe, die DVDs zu kaufen, um die Serie an einem Stück sehen zu können und am besten noch in O-Ton. Das war mir ohnehin lieber, habe ich doch auch meinen gehassliebten House nur in der Originalfassung angeschaut, da die deutsche Synchro nicht selten bemüht witzig aufbereitet und somit völlig sinnentfremdet wird. Nichts gegen Synchronisation, aber das Original bleibt doch meist unerreicht.

Lange Rede kurzer Sinn, ich habe mir die DVDs tatsächlich besorgt. Und ich mochte das, was ich sah und hörte, auf Anhieb. Allen voran die samtige Stimme von Benedict Cumberbatch. Kaum zu glauben, wie mich die beeinflusst hat. Der deutsche Sprecher Tommy Morgenstern macht einen guten Job, aber eine Stimme gehört zu einem einzigen Menschen und macht ihn in meinen Augen glaubwürdig. Plötzlich wurde die Serie viel interessanter und lebendiger. Auch Nebenfiguren wie die mütterliche Mrs. Hudson und der hochnäsige Mycroft Holmes erschienen im neuen Licht. 

 

linsayascott / Pixabay


Die Serie hat es sogar geschafft, mein Interesse für den klassischen Holmes wieder zu wecken. Ich las ein paar Geschichten und fand es danach erheiternd, Parallelen und Referenzen in der BBC-Produktion aufzustöbern, die oft nur angedeutet werden. Doch gerade die geschickt versteckten Verbeugungen vor Holmes-Erfinder Conan Doyle und auch die mitunter offen gezeigte kindische und kindliche gezeigte Seite am Genie Holmes geben der Serie einen authentischeren Touch als jede Verfilmung zuvor.

Dass Benedict Cumberbatch nicht nur ein charismatischer Sherlock mit einer sexy Stimme, sondern privat auch ein sympathischer und attraktiver Mann ist, gibt einen für mich nicht unerheblichen Bonus... (O;





Freitag, 21. März 2014

Monty Python's Flying Circus

Momentan huldige ich mal wieder meiner Vorliebe für britischen Humor, indem ich meine Monty Python Flying Circus DVD-Box anschaue. Jeden Abend wohldosiert etwa drei bis vier Episoden. Leider bin ich bald durch - allzu lange konnten die sechs damals jungen Herren ihr Niveau nicht halten, was irgendwie auch verständlich ist. Zudem ist es bestimmt nicht leicht, auf Dauer in einer Gruppe extrovertierter Exzentriker zu arbeiten.

 


 Ich liebe Monty Python, aber besonders ihre Anfänge. Die folgenden Filme wie "Meaning of Life" (1983) oder "The Life of Brian (1979) sind mir teilweise schon zu verwirrend bzw. zu böse, respektlos und satirisch. Das Schöne am Flying Circus (1969 - 1974)  ist die fast schon naive Originalität und die Nostalgie, die in den erstaunlich zeitlosen Sketchen doch zu spüren ist, einschließlich den Cartoons und Collagen des vorzugsweise unsichtbaren Terry Gilliam. Außerdem mag ich die Typen, und zwar jeden einzelnen. Am meisten den schnuckelig-sonnigen Michael Palin (Bildmitte), der später preisgekrönte Reisedokumentationen machte und das Zwei Meter-Aushängeschild der Truppe, den etwas unheimlichen John Cleese (ausnahmsweise lachend und mit Kochmütze).

Beim Schauen fiel mir auf, dass viele deutsche Komiker sich von der Art Humor beeinflussen ließen und ihn sogar recht schamlos abgekupfert haben. Zu nennen wären da Otto Waalkes in seiner Anfangszeit (circa zeitgleich mit den Pythons), Harald Schmidt und Herbert Feuerstein in ihrer Show "Schmidteinander" und sogar Michael "Bully" Herbig. Alles nicht neu, wenn man Monty Python kennt. Trotzdem sind deren Sketche unverwechselbar und haben in ihrem skurrilen Wortwitz und den Sprachschöpfungen selbst den Internet-Jargon geprägt. "Spam" war ursprünglich eine undefinierbare Zutat eines Imbiss-Lokals, die in jedem Gericht serviert wurde. Ohne Spam kam kein Gast davon.

Ich kann mich nicht wirklich entscheiden, welches mein Lieblingssketch ist, aber "Salad Days" von Sam *Peckinpa* gehört definitiv dazu. Eric Idles indignierter Abschlusskommentar "Pretty strong meat there" war vor Jahren so eine Art geflügeltes Wort bei uns. Ich mag auch den Matratzenkauf, in dem der frischgebackene Ehemann an den Eigenarten der Verkäufer verzweifelt und die Kollegen an sich selber. Zum Wegschmeißen! Aber genauso toll finde ich Raymond Luxury Yacht spelled Throatwobbler Mangrove, Dennis Moore mit seinen Lupinen oder Ken Air-Cleaner-System, den tumben Boxer.

Gerade das Absurde und Sinnlose daran ist es, was mich zum Lachen bringt. Der Humor hat keine Botschaft, ist manchmal seeeehr anarchistisch und ganz weit entfernt von political correctness. Ich glaube, heute würde kein Fernsehsender eine solche Serie mehr genehmigen, und wäre es nicht Kult, würde man sie im Nachhinein vermutlich zensieren. Wie gerade die "Poofters" häufig ihr Fett wegkriegen, könnte schon als beleidigend und diskriminierend betrachtet werden. Würde Oliver Pocher heute darüber Scherze machen, bekäme er wohl lebenslang. Trotzdem finde ich das ehrlich gesagt ziemlich erfrischend. Man lacht darüber statt sich aufzuregen oder Andersartige mit Samthandschuhen anzufassen, die stattdessen mit einem Augenzwinkern zur Groteske parodiert werden.

Wer ein wenig bewandert ist in englischen Wortspielen und von Monty Python bisher nur gehört, sie aber noch nicht gesehen hat, sollte das mit dem "Flying Circus" unbedingt nachholen. Herumwälzen auf dem Sofa vor Lachen ist garantiert.







Montag, 13. Januar 2014

Sherlock "His Last Vow" ~ "Sein letzter Schwur" Finale der dritten Staffel (Spoiler???)


"I don't understand", sagte Watson zu dem fiesen Magnussen.

Ja, mein lieber Watson, ich auch nicht. Wenn zwei oder drei Superhirne und hochfunktionsfähige Soziopathen aufeinandertreffen, sind alle anderen die Dummen. Ehrlich, das war mir zu hoch. Vergleichbar mit der ersten Folge von Staffel Zwei, die ich auch nie wirklich kapiert habe. Die mit "The Woman". Manche Stories sind einfach zu *cleverclever* für mich, und oh, was war ich froh, dass ich nicht die Einzige war, die absolut nicht gerafft hat, was das alles zu bedeuten hatte.




Meine Vorahnungen haben sich zumindest teilweise bestätigt, aber der Rest ist Schweigen. Ich würde sehr gern ein wenig näher auf die Handlung eingehen, aber um nicht zu spoilern bzw. meine Unwissenheit zuzu- und mir selbst eine Blöße zu geben (schließlich ist Wissen Besitz, wie der böse Magnussen so treffend bemerkte), muss ich mich kurz fassen.

Eine Enttäuschung erster Güte war Charles Augustus "Can I flick your face?" Magnussen. Vom ersten Moment an fand ich ihn extrem abstoßend, und es scheint, dass man in Skandinavien keine Manieren beigebracht bekommt. Wer leckt denn einer fremden Frau das Gesicht ab? Igitt! Vielleicht lag es aber auch daran, dass er im echten Leben der große Bruder von Hannibal ist, und der hat ja bekanntlich alle Menschen zum Fressen gern.

Die Rolle und Bedeutung von Mary ist mir immer noch nicht klar. Wohl hat sich herausgestellt, dass John Watson sich unweigerlich von Psycho- und Soziopathen angezogen fühlt und nichts dagegen tun kann, aber warum hat sie auf Sherlock geschossen, wenn sie eigentlich die verhängnisvollen Informationen auf dem USB-Stick von Magnussen haben wollte? Hinterher stellt sich dann heraus, dass es ihr leid getan hat und ihr keine andere Wahl blieb. Kann mir jemand erklären, weshalb? Ich muss irgendwie kurz weg gewesen sein. Apropos: Die Sequenz, in der Sherlock außer Gefecht gesetzt wird und das folgende Gedöns im Krankenhaus war mir zu lang und ausgewalzt. Schon toll, was man mit Tricktechnik alles machen kann, aber übertreiben sollte man es nicht, weil sonst der Plot ins Hintertreffen gerät und noch konfuser wird als ohnehin schon. Das hat mich irgendwie unangenehm ans neue experimentelle "Tatort"-Format erinnert.

Die große Überraschung gab es dann doch: der bereits von mir abgeschriebene Moriarty erscheint Sherlock in einer Art Gummizelle und macht ihm klar, dass er sich nicht gehen lassen kann, weil er John retten muss. Sherlock gehorcht und löst nebenbei noch sein Gelübde gegenüber dem Ehepaar Watson ein, das er in "The Sign of Three" feierlich gegeben hat. Bevor die Regierung respektive Mycroft ihn dafür des Landes verweist, generiert Sherlock geschickt zum richtigen Zeitpunkt seine Tumblr-Warteschleife, in der Moriarty außer auf Tumblr zudem in den Nachrichten und auf Billboards erscheint. Da niemand anderes mit dem Kindskopf fertig wird als the great detective himself, und Moriarty obendrein nicht nur für John, sondern auch für Krone und Vaterland eine Gefahr darstellt, pfeift Mycroft das schlaue Brüderchen zurück.

Bennys Spiel war toll. Ich mag ihn einfach, sein Talent, sein Aussehen, seine Samtstimme und die Eleganz, die er an sich hat. Zu seinem Sherlock bleibt nicht viel mehr zu sagen, als dass er ihn genial verkörpert. Außerdem würde frau zu gern mal ehrfürchtig seufzend über seine mal mehr und mal weniger glatte Alabasterbrust streichen...

Louise Brealey alias Molly Hooper war mir in der Folge zu moralisch und zu streng. Irgendwie werde ich mit der Figur generell nicht warm. Herzig dagegen wieder die Cumberbatches - die häuslichen Szenen an Weihnachten fand ich zu süß, besonders den Papa mit seiner roten Fliege und Mama, die ihre beiden erwachsenen Söhne beim Rauchen ertappt.

Ansonsten fand ich, dass zu viel heiße Luft um die Episode gemacht wurde, denn so berühmt war sie nicht. Und Gatiss und Moffat haben uns tatsächlich verschaukelt: Es hieß doch, dass Moriarty nicht überlebt. Wenn sie jetzt beide - Moriarty und Sherlock - ihren Tod vorgetäuscht hätten, wäre das schon ein bisschen lahm. Allerdings würde ich mich auf mehr Andrew Scott in der nächsten Staffel total freuen - er erweist sich in meinen Augen als Schurke mit größerem Format als Lars Mikkelsen.

Bester Anmach-Spruch: "Sherlock is actually a girl's name."






Montag, 6. Januar 2014

Sherlock "The Sign of Three" ~ "Das Zeichen der Drei", zweite Folge der dritten Staffel (Spoiler)

Na gut, an die etwas "familiäre" Qualität der Serie und den diesmal um Nuancen gedämpfteren Fanservice habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Will sagen, es stört mich nicht so sehr, dass der Kriminal-Fall (diesmal ging es so ganz nebenbei um John Watsons ehemaligen Vorgesetzen Major Sholto) im Gewirr von Hochzeit, emotionaler Trauzeugenrede und rasanten Kameraschnitten und technischen Sperenzchen fast unterging. Statt auf das zu achten, was mir nicht so gut gefallen hat, habe ich mir vorgenommen, die positiven Aspekte der Folge hervorzuheben, und von denen gab es erstaunlicherweise doch einige.

Die Szene, in der Sherlock die Hochzeitsgäste durch seinen erst peinlich-cringeworthy Toast auf John (und Mary *ach ja, die gibt es auch noch* Morstan) zu Tränen rührt, war einer davon. Ich war wider Willen ebenfalls beeindruckt und hätte Sherlock wie John am liebsten in den Arm genommen, als er sich so verunsichert an seinen Freund wendet, nachdem er doch so viel Anstrengung in die Rede gesteckt und sich akribisch auf den Tag und jedes Detail daran vorbereitet hat, von der bestochenen Umarmung eines altklugen Kindes bis zum Pirourettendrehen! Putzig!




Außerdem fand ich es irgendwie nett, wie in (manchmal etwas hektischen) Rückblenden von Fällen erzählt wurde, die Sherlock und John mehr oder weniger gelöst haben, und dass sie oft so skurril anmuteten (Abendessen mit einem Geist, Verfolgungsjagd eines Zwergwüchsigen, Elefant im Zimmer = Wortspiel).

Die Menschlichkeit, die Sherlock in der dritten Staffel zeigt, wird ihm ja von einigen Fans angekreidet, aber ich finde, er ist sich den Umständen entsprechend treu geblieben. Wer würde denn nicht ein bisschen schwach werden, wenn man fürchten muss, dass der beste Freund einem durch Heirat entgleitet? Gerade für den ansonsten wenig sozialen Sherlock wäre das wohl ein herber Verlust. Apropos: Wie er sich noch einmal in einem Nebensatz bei John für dessen Verlust (Sherlocks Verschwinden) entschuldigt hat, war trotz der damit demonstrierten Überheblichkeit niedlich.

Mein Höhepunkt war aber der Junggesellen-Abschied, für den sich Sherlock ebenfalls mächtig ins Zeug gelegt hat. Erst einmal bringt er eigene "Gläser" mit geringerem Fassungsvermögen mit (den Witz dabei habe ich nicht recht verstanden. Sollte er auf Sherlocks penible Art hinweisen?), und dann betrinkt er sich hemmungslos mit John auf einer *mörderischen* Kneipentour. Großartig, wie das gespielt war von beiden. Hier fand ich auch die Verdeutlichung der beeinträchtigten Gehirnaktivität zum Brüllen, als sie zu einem Fall gerufen werden ("Egg?? Chair??? Sitty thing????") und Johns Erklärung "He's clueing for looks", während Sherlock mit der Lupe vor der Nase fast auf dem Teppich einschläft und schließlich zusammensackt.

Die etwas täppische Komponente an Sherlock gefällt mir sehr gut, auch wenn ich mich anfangs gefragt habe, woher er Madonna kennt, die er Watson beim "Wer bin ich?" auf die Stirn gepappt hat. Keine Ahnung vom Sonnensystem, aber Popmusik hören... das passt nicht so recht zusammen, oder? (Okay, hier ist die Lösung: "I don't know who you are, I just picked a name from the papers...")

Und jetzt kommt's: der Mega-Spoiler und eine gewagte Theorie dazu: Ich glaube nicht, dass das Baby, das Mary erwartet, von John ist. Wie ich darauf komme? Sherlock hat Mary in der ersten Episode als Lügnerin entlarvt, und zudem liest er einen Glückwunsch auf der Hochzeitsfeier vor, der ziemlich rätselhaft ist und mit "CAM" unterzeichnet wurde. Versierte Fans ahnen, dass sich dahinter die Initialen für Charles Augustus Magnussen verbergen, der in der nächsten Folge einen oberfiesen und grausigen Auftritt haben wird. Und der sieht wirklich finster aus. Nichts mehr mit Slapstick und Johnlock und Babies. Es sei denn, Mary stirbt, und John und Sherlock müssen Baby Hamish als gleichgeschlechtliches Ehepaar erziehen. Das wäre aber wieder zu sehr Fan-Service...

Physisch und schauspielerisch ist Benny in dieser Folge in Höchstform, und ah... ich kann es mir nicht verkneifen: der Mann sieht einfach klasse und so elegant aus! Im Fazit schneidet diese Folge bei mir besser ab als "The Empty Hearse."


Gif: Tumblr




Donnerstag, 2. Januar 2014

Sherlock "The Empty Hearse" ~ "Der leere Sarg": Fan-Service hoch 3 (Spoiler-Alarm!)

Ich mach's kurz und werde mal wieder meinem Ruf als Spaßbremse gerecht: Das, was BBC One am Neujahrstag um 21:00 Uhr Ortszeit gezeigt hat, war nicht das, auf das ich über ein Jahr gewartet habe. Ich hatte ja gar nicht damit gerechnet, einen funktionierenden Livestream zum britischen TV-Programm zu finden (habe Tumblr unterschätzt), und war dann freudig überrascht, doch zu den Auserwählten in diesem Land zu zählen, die "The Empty Hearse" schon vor der deutschen Ausstrahlung sehen durften.

Den Anfang hatte ich dank schlechter Verbindung nur bruchstückhaft auf dem Bildschirm und habe ihn erst für einen Armani- oder Hugo Boss-Parfüm-Werbespot gehalten.


Ja, okay, es stimmt. Ein bisschen neidisch war ich auch, als mir klar wurde, dass nur einer so wilde und zugleich gepflegte Locken haben kann... der sonst so kühle Sherlock küsst Molly! Zwar nur hypothetisch, aber es war der erste *Fan-Wank* für die "Sherlollys" (Himmel, das ganze Fangirlish klingt wie eine eigene Sprache!), derer es merkwürdigerweise nicht wenige gibt.

Munter weiter ging's im Fan-Vera***en, und das völlig ungeniert (ich sage nur "Moriarty auf dem Dach" - WTF?!).

Ich will mich wirklich nicht als humorlos outen oder den Leuten den Spaß an der Folge verderben, die super ankam. Aber ich fand es schon ein bisschen erstaunlich, dass niemand die plumpe Fanparodie kritisch betrachtet. Es ist Unterhaltung, klar, und trotzdem. Euphorische Internetausrufe wie "Guys, we are Anderson!" wären für mich wenig schmeichelhaft, denn er scheint mit seiner fanatischen Überzeugung über Sherlocks Überleben, dem hysterischen Gebaren und vor lauter "Sherlolly-Shippen" nicht nur seinen Job bei Scotland Yard, sondern auch den Verstand verloren zu haben.

Intelligentes Fernsehen sieht in meinen Augen anders aus. Wie schön war es, als Sherlock noch arrogant, aber auch erfrischend naiv sein durfte und sich einen Dreck darum geschert hat, was andere über ihn denken. Moffat und Gatiss ist das offenbar nicht egal, darum werden tausende Klischees aus Fanfiction und Forumsdiskussionen bedient, die dort ihren berechtigten Platz haben, aber - wie ich meine - nicht in die Serie gehören. Denselben Fehler habe ich schon bei "House MD" festgestellt. Es täte mir leid, wenn "Sherlock" auf ähnliches Niveau absinkt. Dann könnte man im Prinzip gleich uns Fangirls bitten, die Drehbücher zu schreiben.

Zur wirren Handlung kann ich nicht viel erzählen und will auch nicht zu viel verraten. Bild- und Tonqualität meines Links waren nicht überragend, und manchmal merke ich halt doch, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist. Ein paar Dinge, die offenbar wichtig waren, sind mir total entgangen, wie z.B. der tiefere Sinn des Bombenattentats im U-Bahn-Waggon aka Leichenwagen, das in letzter Minute verhindert wurde, als John Watson Sherlock in seinen Mind Palace scheucht, bei dem eigentlich keine Zuschauer erwünscht sind (das ist wohl auch der Grund, warum es so lange dauert, bis Sherlock den Ausschaltknopf für die Zündung gefunden hat).

Zu Watsons und Holmes' erster Begegnung nach über zwei Jahren: Die Wiedervereinigung hatte ich mir anders und weniger brutal vorgestellt. Ich verstehe, dass sich echte Kerle nicht weinend in den Armen liegen können und Sherlock auch viel zu verlegen wäre, um Gefühle einzugestehen - und dass John als Ex-Soldat seine Zuneigung wohl auf unkonventionelle Art ausdrückt. Aber ständig Haue, musste das sein? Immerhin hat Sherlock ja vorgehabt, zurückzukommen - und er fragt ihn sogar im Angesicht der drohenden Explosion, ob er ihn heiraten möchte anstatt Mary (*GNAH*! - da hüpft das "Johnlock"-Herz!). Gut, dass die wenigstens vermittelnd einspringt, weil sie Sherlocks sprödem Charme erliegt. Wenn ihr das in der nächsten Folge bloß nicht zum Verhängnis wird. Denn wie sagt Sherlock so vorausschauend zu John: "Be careful what you wish for."

Wenn wir schon dabei sind: ich hätte mir eine Episode gewünscht, in der die Figuren mehr auf den Charakteren von Sir Arthur basieren und der Interpretation der Macher als auf den Hirngespinsten der Fans.

Eine Idee allerdings gab es, die meinen uneingeschränkten Beifall fand: das Cameo von Mr. und Mrs. Cumberbatch - ihres Zeichens ebenfalls Schauspieler - als Sherlocks Eltern. Das war wirklich originell und brachte neben Amanda Abbington (Martin Freemans RL-Partnerin) auch für Benny einen Hauch familiärer Atmosphäre ins Spiel.

Ansonsten bleibt mir zu sagen, dass ich es jetzt doch nicht so kurz gemacht habe wie geplant und dass ich hoffe, keinen Fan vor den Kopf gestoßen zu haben. "Sherlock" ist immer noch meine Lieblingsserie, und das wird auch so bleiben. Sicher wird die nächste Folge am Sonntag spannender und kehrt zur gewohnten Qualität zurück. Ich betrachte "The Empty Hearse" einfach als ein augenzwinkerndes Geschenk der Drehbuchautoren an allzu verrückte Fans, die vor Verzückung ob der visuellen Realisierung ihrer Sherlock-Fantasien die Höschen feucht gemacht haben. Und gut is'.


Gif: Tumblr.



Freitag, 27. Dezember 2013

Sherlock returns!

ENDLICH! Nach zweijähriger Durststrecke für die Fans der BBC-Serie kehrt Sherlock am Neujahrstag auf den (britischen) Bildschirm zurück! Einen Auftakt und Vorgeschmack auf die dritte Staffel gab es bereits am 24. Dezember mit der Mini-Episode "Many happy Returns", über die ich ehrlich gesagt nicht so glücklich war. Es kommt mir eigenartig vor, dass Sherlock John Watson über eine Videobotschaft "aus der Gruft" seine Rückkehr ankündigt. Ich meine, wo bleibt denn da der große Überraschungsmoment für den trauernden John? Auf der Strecke doch.

 


Aber vielleicht kann man die erste Folge auch ohne das im Hinterkopf genießen. Erlesene Testzuschauer haben jedenfalls einhellig befunden, dass man das unerwartete Wiedersehen zwischen Arzt und Detektiv nicht besser hätte machen können. Bin sehr gespannt - vor allem, wie Sherlock John seinen angeblichen Abgang vom Dach des St. Bart's Krankenhauses erklärt. Was er in der Zwischenzeit ohne John gemacht hat, wird wohl aus der Mini-Ep ersichtlich. Fürs Bienenzüchten in Surrey und sich dort aufs Altenteil zurückzuziehen, ist Benny-Sherlock eben zu energetisch...

Wer danach sucht, findet viele Spoiler über die kommende Staffel im Internet. Ich möchte hier gar keine posten, obwohl ich gegen den einen oder anderen Hinweis oder Infos nichts einzuwenden habe. Schade finde ich, dass Sherlocks Erzfeind Moriarty nicht mehr mit von der Partie ist. In der ersten Folge wird wohl in Rückblenden erklärt, wie genau Sherlock den von Moriarty erzwungenen Sturz überlebt hat, aber leider wird der geniale Andrew Scott von einem Bösewicht (oder zwei) ersetzt, der meiner Meinung nach nicht halb so gefährlich und bedrohlich wirkt. Aber bevor ich kritisiere, sollte ich es mir erst anschauen, gell? Trotzdem: verglichen mit Moriarty wirkt der Professoren-Look des Neuen irgendwie altbacken, und ich werde den gelangweilten Kindskopf vermissen.

John Watson ist nach einer siebenmonatigen Trauer-Witwenzeit übrigens auch nicht untätig geblieben (Spoiler?), und genau genommen war er ja derjenige der beiden, der hin und wieder einen Abstecher in die *weibliche* Psyche und vor allem Physis macht, um seine Hormone in Schuss zu halten - für Sherlock praktisch undenkbar und so fremd wie die Tatsache, dass die Erde um die Sonne kreist: Der gute John lernt eine neue Liebe kennen, die ihm über den angeblichen Tod Sherlocks hinweghilft. Witzigerweise gespielt von Martin Freemans Lebenspartnerin Amanda Abbington. Ein Happy End wird es für das innig vertraute Paar nicht geben, das darf ich als Leser der Holmes-Geschichten schon mal prophezeien. Aber es hätte irgendwie ja auch nicht in eine so ungewöhnliche Männerfreundschaft gepasst, oder?

Die graue Maus und Pathologin Molly Hooper ist natürlich wieder ebenso dabei wie Polizeichef Lestrade und sein ewig über Sherlock nörgelnder Assi Anderson. Der hat jetzt im Gesicht zu viel, was Lestrade auf dem Kopf zu wenig hat. Apropos: Gesichtsbehaarung spielt wohl eine wichtige Rolle, zumindest in der ersten Folge, in der sich John Watson aus Gram einen biederen Schnauzer hat stehen lassen. Was mit dem geschieht, bleibt nicht lange ein Geheimnis: dem heimgekehrten Sherlock missfällt er - also ab damit. Und damit Sherlock bleibt, tut der treue Watson wirklich alles. Aber ehrlich gesagt: ohne sieht er auch einfach smarter aus (wenn schon nicht jünger^^). Und natürlich darf auch Mrs. Hudson / Una Stubbs nicht fehlen, die gute Seele der Baker Street.

Wann der deutsche Ausstrahlungstermin ist, steht noch nicht fest. Ich schätze aber, es dauert nicht sehr lange, da Sherlock eine Serie ist, die sich hauptsächlich durch Merchandise-Artikel und DVD-Kollektionen finanziert. Für den US-Markt und Großbritannien ist die komplette Staffel auf DVD bereits für Mitte Februar geplant. Ich freu' mich schon drauf!







Montag, 30. September 2013

Gepflegte Langeweile ~ Brideshead Revisited

Dieses Postermotiv war das Netteste, was die Serie von 1981 mir zu bieten hatte, sieht man von Jeremy Irons (rechts im Bild) einmal ab. Mein Urteil ist wirklich gnadenlos schlecht, was mich einigermaßen verblüfft. Ich liebe diese Zeit und so genannte *Sittengemälde*, was "Brideshead" eindeutig ist, und ja, die Bilder sind super, und auch an der Ausstattung und den Schauspielern gibt's bis auf wenige Ausnahmen nichts zu mäkeln. Wenn bloß nicht diese betuliche Tranigkeit wäre!
 
 
 


 

Insgesamt gibt es an die sechs oder acht Folgen in Spielfilmlänge (mir kommt's länger vor), in denen rein gar nichts passiert. Wen interessieren schon die Problemchen der Upper Class, zu der Charles Ryder (Jeremy Irons) und sein bemitleidenswert erzkatholischer Intimus Lord Sebastian Flyte (Anthony Andrews) zählen? Mich nicht. Einfach nur furchtbar langweilig. Ich werde die Serie wohl abbrechen, nachdem ich mich mühsam zum Ende der zweiten Folge gequält habe. Obwohl mir Charles eigentlich recht sympathisch ist und ich Männerfreundschaften sehr interessant finde, werde ich mit den Charakteren nicht warm. Sebastian und sein komischer Bär gehen mir auf die Nerven, aber das ist noch gar nichts gegen die latent schwule Gesellschaft, in der sich Bär und Mann bewegen. Scheinbar sind alle Studenten in Oxford homosexuell und mehr oder weniger heimlich in ihresgleichen verliebt. So jedenfalls klingt es, wenn man Charles Ryder in blumigen Ausdrücken über den kindischen Lord sinnieren hört. Nicht falsch verstehen - ich mag England um die Edwardianische Epoche herum, und ich mag es auch, wenn Männer offen zu ihren Gefühlen stehen. Aber dieses Schwülstig-Verklemmte, das in der Serie und vielleicht auch in der Buchvorlage dominiert, ist echt zu viel des Guten.

Und nebenbei bemerkt: Die Väter der beiden - dargestellt von den lorbeerbekränzten Recken Sir Laurence Olivier und Sir John Gielgud (Mr. Ryder senior) wirken wie Karikaturen auf mich, und ich kann von Glück sagen, dass beide nur kurze Auftritte haben.

Merkwürdig, wie anders und glaubwürdiger ich dagegen den Großen Gatsby fand. Auch da ging es um die Oberschicht, und trotzdem war das Thema interessant und unterhaltsam aufbereitet. Etwas, das ich von "Brideshead" leider nicht sagen kann. Haben die beiden denn nun oder haben sie nicht...? Natürlich muss es nicht zwangsläufig so sein. Freundschaft kommt in den unterschiedlichsten Facetten, so dass ich selbst Sebastians Eifersucht ein bisschen nachvollziehen kann und verstehe, weshalb er Charles von seiner ach so makellosen Familie fernzuhalten versucht. Dass Charles Schwester Julias Charme erliegen wird - weil sie ihn an ein weibliches Pendant von Sebastian erinnert - ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Ehrlich gesagt, das weiß ich genau. Ich habe die Serie vor grauer Urzeit gesehen, und bin jetzt umso enttäuschter, weil ich sie damals wirklich gern gesehen habe und sie eine große Inspiration war. So ändern sich die Meinungen und Geschmäcker. Trotzdem - ich weiß nicht, warum das so war. An Jeremy Irons allein lag es doch bestimmt nicht. Nicht einmal der reißt mich aus meiner Trance beim Anschauen. Ich glaube, vor ein paar Jahren wurde ein Film nach dem Roman gedreht, der offenbar zu der klassischen Literatur gehört. Versteh' ich nicht. Für mich ist "Brideshead" der Stoff, aus dem die Langeweile ist. Naja... Langweile und Klassiker gehören ja offenbar zusammen. Darum gibt es von mir einen einsamen gelangweilten klassischen Stern. Sorry, Mr. Irons.


👍




 
 



Freitag, 24. Mai 2013

Rezension "The Adventures of Sherlock Holmes"

 

 
Weil ich gerade so drin bin im Sherlock Holmes-Fieber, kommt hier mein Review zu den Kurzgeschichten, mit denen ich begonnen habe, den literarischen Sherlock kennen zu lernen. Eines muss ich ja trotz aller Genauigkeit und Raffinesse, mit der die neue BBC-Serie entwickelt wurde, kritisch anmerken: Sherlock Holmes ist kein "Soziopath" im engeren Sinn und schon gar kein Asperger-Kandidat, denn gerade in den Kurzgeschichten zeigt er erstaunlich viel Mitgefühl und Verständnis. Irgendwie wurde er da von diversen Regisseuren und Drehbuchautoren um der Dramatik Willen ein wenig missverstanden. Sei's drum. Ich liebe die Figur - trotz ihrer Angeberei und der Besserwisserei. Oft hat er ja tatsächlich recht, der gute Holmes. Umso sympathischer, wenn er mal daneben liegt oder den Fall nach seiner eigenen Vorstellung löst, die nicht ganz frei ist von Subjektivität. Und ich bin schon mit Begeisterung am Lesen der ersten chronologischen Geschichte "A Study in Scarlet", in der er und Watson kurzentschlossen eine Wohngemeinschaft gründen...

~~~

Diese Ausgabe besitze ich als Taschenbuch. Gereizt hat mich dabei das Cover und das Vorwort der Macher der BBC-Serie, durch die ich die Romanfigur Sherlock Holmes erst wirklich entdeckt habe. Als Fan der Serie ist es besonders interessant, die Referenzen aufzuspüren, die in der modernen TV-Fassung subtil und der Neuzeit angepasst transferiert werden (für Insider: Five Pips in "The Great Game" und das vegetarische Restaurant in "The Hound of the Baskervilles". 


Inhalt: In diesem Buch finden sich 12 Kurzgeschichten um den eigenbrötlerischen Privatdetektiv Sherlock Holmes und seinem Gehilfen Dr. John Watson, die 1891/92 im berühmten "Strand"-Magazine erschienen sind. Teilweise ist Watson in den Geschichten bereits verheiratet, zieht jedoch für die Dauer der Lösung des jeweiligen Verbrechens zu Holmes in die Baker Street, um ihn besser unterstützen zu können. Die Fälle erscheinen auf den ersten Blick häufig banal (Beispiel: Eine junge Frau fragt um Rat, ob sie einen gutbezahlten Job als Gouvernante bei einem merkwürdigen Gentleman annehmen soll), entpuppen sich jedoch meist als perfides Verbrechen und /oder psychologisch gut durchdachte Einblicke in seelische Abgründe, die dem Meisterdetektiv Holmes natürlich nicht verborgen bleiben. Kleinigkeiten sind es, die ihn auf die richtige Fährte führen, und die im aufmerksamen Leser einen nachhaltigen Aha-Effekt auslösen.

Meinung: Hauptsächlich las ich das Buch, weil ich - wie bereits erwähnt - ein Riesenfan der BBC-Serie "Sherlock" bin. Und ich wurde oft überrascht von Arthur Conan Doyle. Mein Augenmerk lag nämlich nicht nur auf den raffiniert aufgebauten Fällen und deren Lösungen, sondern auch auf den darin agierenden Protagonisten, allen voran natürlich Holmes und Dr. Watson. Während letzterer als Erzähler und Beobachter eher im Hintergrund bleibt, fielen mir besonders die vielen Facetten des in Verfilmungen / Serien eher kühl oder egozentrisch dargestellten Holmes positiv auf. Er lacht gerne, kann kindisch sein, hat Spaß an Verkleidungen und ist ein Mann von außergewöhnlichem Einfühlungsvermögen. Besonders weibliche Klienten behandelt er zuvorkommend und verständnisvoll. In "Scandal in Bohemia" zollt er der mysteriösen, ihm ebenbürtigen Irene Adler Respekt, indem er sie ehrfürchtig in Zukunft nur "The Woman" nennt, und in "The Adventures of the Copper Beeches" hofft Watson gar auf eine Partie für Sherlock Holmes in Gestalt der forschen Violet Hunter. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass Sherlock Holmes Junggeselle bleiben muss - schließlich ist er mit seiner Arbeit verheiratet und hätte für das "Normale" gar keine Zeit.

Die Freundschaft zwischen Holmes und Watson hat einige markante und sogar warmherzige Momente, die mir sehr gut gefallen haben, wie z. B. das gemeinsame Weihnachtsessen in "The Adventure of the Blue Carbuncle". Holmes bezieht Watson wie selbstverständlich in seine Fälle mit ein, und Watson hilft, so gut er kann, auch wenn er sich meist von Sherlock Holmes erklären lassen muss, wie er auf die Lösung des Falles kam.

Fazit:
Die wenige Seiten langen Geschichten sind alle lesenswert (ein wenig gewöhnungsbedürfig ist das heute etwas veraltete Englisch), doch mein Lieblingsfall war "The Adventure of the Speckled Band", das nicht nur gewohnt clever konstruiert war, sondern auch mit Hilfe einer gruseligen Atmosphäre und dem düsteren Setting ein "Baskerville"-ähnliches Feeling heraufbeschwört. Zeitlos und spannend.
 

Bewertung:

👍👍👍👍👍