Bei Büchern, die einen realen Hintergrund haben, fällt es mir immer ein wenig schwerer, Rezensionen zu schreiben. Und gerade bei diesem war ich doch sehr hin und hergerissen. Ich fand es im Regal einer Bekannten, und da mich seit Mamas Heimgang der Himmel unglaublich interessiert, habe ich es mir ausgeliehen. Obwohl mehr ein Büchlein, ist es keine leichte Kost und auch nichts zum Schmunzeln. Aber es macht nachdenklich. Und irgendwie habe ich den kleinen Colton auch beneidet um die Selbstverständlichkeit, mit der er seine ungewöhnlichen Erlebnisse schildert; sehr zur Verwunderung seiner Eltern, dem Pastorenehepaar Todd und Sonja.
Inhalt: „Den Himmel gibt’s echt“ (Originaltitel: Heaven is for Real) ist ein christliches, biografisches Buch von Todd Burpo und Lynn Vincent aus dem Jahr 2010. Es erzählt die wahre Geschichte des vierjährigen Colton Burpo, der während einer Notoperation wegen eines Blinddarmdurchbruchs eine Nahtoderfahrung hat. Monate nach seiner Genesung beginnt Colton, seinen Eltern beiläufig von Erlebnissen während der Operation zu erzählen. Er berichtet, dass er seinen Körper verlassen habe und im Himmel gewesen sei. Seine Eltern sind zunächst skeptisch, doch Colton nennt Details, die er unmöglich wissen konnte: Er beschreibt exakt, was seine Eltern in getrennten Räumen taten und beteten, während er operiert wurde. Außerdem berichtet er von einer Begegnung mit seiner durch eine Fehlgeburt verstorbenen Schwester und seinem Urgroßvater, der dreißig Jahre vor Coltons Geburt starb, und erkennt ihn später auf einem alten Foto wieder, auf dem der Uropa noch ein junger Mann ist. Er darf zudem mit anderen Kindern und Frauen in die Zukunft schauen und sieht seinen Vater Todd an der Seite der Engel gegen die "Monster" kämpfen, wie von Johannes in der Offenbarung prophezeit. Auch das Aussehen von Jesus (für das sich beide Elternteile merkwürdigerweise brennend interessieren) lässt wenig Fragen offen.
Das Buch beschreibt, wie diese Offenbarungen das Leben und den Glauben der Familie Burpo sowie ihrer Kirchengemeinde tiefgreifend verändern. Für Todd Burpo werden die kindlichen Schilderungen zu einer Bestätigung seines eigenen Glaubens und einer Botschaft der Hoffnung, dass der Himmel tatsächlich existiert.
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| Vielleicht das richtige Bild... CharlVera / Pixabay |
Meinung: Ich war, wie gesagt, ein bisschen zwiegespalten beim Lesen. Am Ende war es doch sehr beeindruckend, wie ein knapp vierjähriges Kind von Jesus, seinem Pferd, Regenbögen, Engeln und verstorbenen Menschen erzählt, die im Himmel alle jung sind, Flügel haben und sich auf diejenigen freuen, die noch auf der Erde sind und, sofern sie Jesus angenommen haben, bald nachkommen. Dann wiederum kam mir das ein wenig zu simpel vor. Nichts gegen kindliche Sicht, und ich glaube auch, dass Erwachsene den Glauben zu kompliziert machen (was auch Papa Todd immer wieder auffällt), aber Colton erzählt vom Himmel so, wie die Menschen es erwarten. Ich hätte gern mehr darüber erfahren, wie es dort aussieht, ob es auch eigene Häuser für die Verstorbenen gibt, was sie dort machen. Ob sie ihren Hobbies nachgehen, die sie auf Erden gehabt hatten oder ob es ganz neue Dinge zu erleben gibt. Gibt es Handel im Himmel? Ist er der Erde ähnlich, nur ohne Sünde? Farbenfroher soll er sein, ja. Das wirkt auf mich aber immer so furchtbar abstrakt. Vermutlich fehlen Zurückkehrenden für einen Blick in den Himmel die Worte - erst recht einem Vierjährigen.
Erstaunlich fand ich, dass Colton den Uropa nur anhand eines alten Fotos erkannt hat - nicht als älteren, sondern als sehr jungen Mann. Und dass Jesus anders aussieht als auf den meisten Abbildungen von Künstlern - er soll kürzeres Haar haben und blaugrüne Augen. Aber ganz ehrlich: ist das so wichtig? Mich hätten andere Fragen mehr interessiert. Was zum Beispiel hat Colton im Himmel gemacht außer Jesus und Johannes den Täufer zu treffen und bei der Endschlacht zuzuschauen? Ist Zeit existent? Ein wenig kam die Andeutung darüber auf, doch sie scheint anders zu funktionieren als die irdische. Laut Colton war er nur drei Minuten im Himmel, und hatte für diese relativ kurze Spanne doch viel zu erzählen.
Das Buch wurde im Jahr 2014 verfilmt. Vielleicht schaue ich mir das mal an. Bewundert und tatsächlich auch beneidet habe ich Colton jedenfalls, der jedem im Brustton der Überzeugung mitteilt, dass es den Himmel wirklich gibt. Ohne dass er viel Aufhebens oder Worte darum macht. Wir Erwachsenen haben da hin und wieder doch unsere Zweifel. Aber sagt Jesus nicht: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nie das Himmelreich schauen." ? Gerade deshalb hat mir das Buch Trost gegeben und auch geholfen.
Bewertung: 💫💫💫💫