Translate

Posts mit dem Label Biografie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Biografie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 6. Februar 2026

"Shalom Mamele" als kostenloser Download

 Seit Anfang Februar läuft eine Werbeaktion unserer Biografie "Shalom Mamele", und bis heute wurde sie über 110 Mal heruntergeladen! Da ich bisher mit kostenlosen Werbeaktionen keine guten Erfahrungen gemacht habe, bin ich total aufgeregt und platt. Fast im Minutentakt kann ich beobachten, wie Exemplare heruntergeladen werden. Mittlerweile belegt "Shalom Mamele" Platz 1 der Kategorie "Erinnerungen". Woran liegt's, dass meine anderen Romane nicht annähernd einen solchen Boom hervorgerufen haben?

 


  

Das frage ich mich trotz aller Freude schon. Und ich nehme mir optimistisch vor, hin und wieder mehr solcher Aktionen zu starten. Denn vielleicht machen sie doch Lust auf mehr. Natürlich ist "Shalom Mamele" ein besonderes Buch. Eins, das nicht nur für Freunde und Bekannte interessant ist, sondern auch zeigt, wie man im Glauben wachsen kann. Mama hat das immer getan. Und ihre Familie angesteckt mit der Lebensfreude, die aus ihrem Glauben kam.

Aber meine Romane halte ich ebenso für etwas Besonderes. Für Bücher, die es wert sind, gelesen zu werden. Und ich hoffe, dass die Biografie die eine oder andere Rezension der interessierten Leser/innen erhält. Der Sinn dieser Aktion ist ja, einem Buch zu größerer Reichweite zu verhelfen und auf die weiteren Werke des Autors aufmerksam zu machen, sofern vorhanden. Aber im Moment freue ich mich einfach über so viele Menschen, die Mamas Geschichte lesen möchten. Bis Morgen besteht noch die Chance, sie kostenlos auf den Reader zu laden. Zum Link geht es hier: *Klick*

 

Montag, 12. Januar 2026

"Der Löwe Christian ~ unser verrücktes Leben mit einem Löwen in London" von Anthony Bourke & John Rendall

 Wirklich erinnern kann ich mich an den Medienrummel um den Löwen Christian nicht, war er doch weit vor meiner Zeit. Meine Plüschlöwin heißt seit Kindertagen allerdings Elsa, die mutmaßlich weitläufig mit Christian verwandt ist, darum habe ich wohl etwas davon aufgeschnappt. Die Geschichte von Christian, der 1969 gemeinsam mit seiner Schwester im Londoner Nobelkaufhaus Harrods als "Ware" angeboten wurde und von zwei australischen Studenten gekauft wird, die keine Ahnung im Umgang mit Wildtieren, aber dafür ein großes Herz haben, ist jedenfalls Kult.

 


 

Inhalt: Anthony "Ace" Bourke und John Rendall aus Sydney kommen in den späten 1960er Jahren nach England und arbeiten in Kensington/Chelsea in einem Antiquitätenladen. Als sie einen Abstecher ins Kaufhaus Harrods machen, entdecken sie in der Zooabteilung einen kleinen Löwen, den sie sofort ins Herz schließen. Trotz ihrer bescheidenen finanziellen Mittel erwerben sie Christian, der fortan die Sensation im Viertel ist. Vormittags gehen die drei zu einem weitläufigen Garten zum Spielen, später sorgt Christian für Heiterkeit, Begeisterung und kleine Verkehrsunfälle, wenn er majestätisch im Schaufenster sitzt und vorbeifahrende Passanten erschreckt. Er ist ein verblüffend sanfter und zugewandter Löwe, der Menschen freundlich begrüßt und Kinder liebt, Zuneigung gibt und empfängt und auch Aufmerksamkeit einfordert.  

Bei aller Liebe zu Christian vergessen Ace und John nie, dass sie sich geschworen haben, ihn irgendwann in die Freiheit auszuwildern, um ihm das Schicksal eines Zoos oder Zirkus zu ersparen. Schneller als gedacht ist es soweit, denn Christian wächst und gedeiht, und der Medienrummel, der mittlerweile um die Drei entstanden ist, empfinden die Männer als übertrieben. Nach langer Vorbereitungszeit und bangem Warten, wann es soweit ist, erhält Christian ein Ticket nach Kenia ins Auswilderungszentrum von "Löwenflüsterer" George Adamson, und somit die Chance, bei seinen Artgenossen ein Rudel aufzubauen.

 


 

 Meinung: Ich fand die Geschichte großartig. Unglaublich und fast wundersam. Der Löwe wurde nach seiner Auswilderung, die man als geglückt betrachtet, noch zweimal von Ace und John besucht, in den Jahren 1971 und 1972. Die erweiterte Neuauflage des Buches entstand nach dem Viralgehen eines Clips auf Youtube, der ihr Wiedersehen dokumentiert. Christian stellte den beiden seine neue Familie vor, doch seine alte hat er nie vergessen. Es war verblüffend, wie "menschlich" Christian sich oft verhielt. Die Unberechenbarkeit, die man Raubtieren nachsagt, musste er sich erst in Afrika aneignen, um zu überleben. Dort kam es dann leider manchmal zu unschönen Vorkommnissen, wie das halt so ist in der Tierwelt (und auch in der Menschenwelt). Doch das Christians Rudelfreund Boy erschossen werden musste, weil er nach Jahren der Nähe von Menschen und reibungslosem Zusammenleben einen afrikanischen Helfer angriff, war starker Tobak. Auch Christian - obwohl von gewinnendem und friedfertigen Wesen - zeigte nach der Eingewöhnungszeit in Afrika löwentypisches Verhalten und musste mit Vorsicht behandelt werden. Er hat offenbar irgendwann sein Territorium bei George Adamson verlassen, weil es ihm zu klein wurde; es ist nichts Gegenteiliges bekannt. Heute hätte man Christian einen Tracker angelegt, doch ich denke mal, die Technik war Anfang der 70er noch nicht soweit.

Bewunderswert sind jedenfalls der Mut und die Zielstrebigkeit der jungen Australier, dem Löwen ein gutes Leben zu ermöglichen. Dafür nahmen sie manchen "Ungemach" in Kauf, u. a. auch die Abgabe von Christian an eine Filmgesellschaft, die jedoch nur symbolischen Charakter hatte. Beide Männer sind / waren weiterhin mit Auswilderungsprogrammen beschäftigt und haben sich mit Ureinwohnerkunst befasst.

Was mich ein bisschen gestört hat, war die nüchterne und sachliche Erzählweise, denn es schimmert doch zwischen den Zeilen durch, dass Ace und John sehr an Christian hingen und nicht nur diesem der endgültige Abschied schwerfiel. Ein bisschen mehr Geschichten um Christian hätte ich mir gewünscht, die ins Detail gingen, und das gab es eigentlich keine. Dafür war der Stil zu allgemein gehalten. Was mich sehr berührt hat waren die Fotos in der Mitte des Buches, die Christian als Kinderstar für Werbung und als König in seinem Reich "World's End" und später in Kora / Kenia zeigen. Ich wünsche mir sehr, dass er noch ein schönes, langes Leben hatte in freier Wildbahn. Und dass er nun mit seinem Freund John Rendall im himmlischen Garten herumtollt und sich ganz viele Streicheleinheiten abholt, bis auch Ace durchs Tor tritt und sie wieder zusammen sind.

 

Bewertung:  🦁🦁🦁🦁 und ein halber 🦁

 




Freitag, 7. November 2025

"Shalom Mamele" im neuen Gewand

Es war abzusehen: mein "Bestseller" Shalom Mamele erhält ein neues Cover. Das fiel mir tatsächlich schwer, denn das Foto von Mama, das sie vor den (unsichtbaren) Triberger Wasserfällen zeigt, ist mein absolutes Lieblingsbild von ihr. Genauso möchte ich sie wiedersehen, wenn wir uns im Himmel begegnen: jung, verschmitzt, humorvoll und warmherzig. Denn all das, was sie sich ihr ganzes Leben lang bewahrt hat, ist auf diesem Foto vereint. Nicht, dass das auf anderen Fotos nicht der Fall wäre, aber ich mag ihren Gesichtsausdruck, der einem beinahe verschwörerisch zuzwinkert. 

 

Im Sommer 2022. Ohne KI. Liebe dich sehr, Mama! 

Und dann hab' ich die KI für Bildbearbeitung entdeckt und war geflasht von den Möglichkeiten auf einen Klick. Was dazu geführt hat, dass zunächst das Ebook und das Taschenbuch einen anderen Anstrich bekam. Wortwörtlich. Denn Farbe ist ein größerer Hingucker als eine Schwarzweißaufnahme, so schön sie auch ist. Das Cover zeigt jetzt Mama als "reife" Frau, die ihr kleines Ich im Arm hält. Beide sitzen auf einer bunten Blumenwiese mit Margariten, Klatschmohn und Kornblumen im Sonnenuntergang, und ich glaube, das gefällt Mama sehr! Ist sie doch so eine große Naturfreundin.

 

 

Ehrlich, ich habe geweint, als ich das Ergebnis der beiden Fotos nach der gewünschten Komposition sah. Und war auch verblüfft, wie ähnlich sich Mama sieht, sowohl als Kind als auch Erwachsene. Denn das genau zu treffen, ist für die KI dann doch oft etwas tricky. Sogar das geliehene Schildkröt-Püppchen vom Kindergarten hatte Platz auf dem Cover. Ich bin echt gespannt auf das Original. Autorenexemplare habe ich mir erst bestellt und muss also noch ein Weilchen warten, bis ich die Bücher in den Händen halten kann. 

Auf mein Lieblingsbild wollte ich dennoch nicht verzichten. Wie erstaunt war ich, als ich feststellte, dass Kolorieren zu den leichtesten Übungen der KI gehört... ich weiß, dass Mamas selbstgenähtes Blazerkostüm dunkelgrün war, und mehr brauchte meine künstliche Intelligenzbestie nicht zu wissen. Die Schrift, die irgendwie an Bücher der 1970er Jahre erinnert (was dann ja auch passend ist) und eine Vignette habe ich hinzugefügt, und fertig war das neue Cover für die gebundene Ausgabe. 

 



Edel sieht sie aus, oder? Ich werde ein paar der Exemplare wieder ins Bücherland bringen, und ich durfte sogar meinen Grafen dort auslegen. Er scheint allerdings durch seinen Umfang etwas abzuschrecken. Aber ach, ich freue mich, dass die netten Mädels mir die Möglichkeit geben. Leider liegen meine Romane ja nicht in jeder Buchhandlung aus. 


 

Donnerstag, 16. Oktober 2025

Meine Eltern Elvira und Werner

Es ist an der Zeit, ein bisschen etwas über meine wundervollen Eltern zu erzählen, die ich sehr liebe und auch bewundere. Nicht nur, weil sie mich gut erzogen haben (😊), sondern, weil sie ein sehr bewegtes Leben hatten schon bevor sie sich gefunden hatten. Meine Mama und mein Papa trennt ein Tag voneinander, und das ist gut so, denn Mama hätte keinen Partner akzeptiert, der jünger ist als sie... 😁

Wir mussten / durften nur zweimal im Jahr Geburtstag feiern, und das meist ohne große Party und Tamtam. Später waren die beiden oft im Urlaub, um in aller Stille zu feiern. 

 

Wanderung im April 2023

Kennengelernt haben sie sich als Kinder, doch wirklich gefunkt hat es dann an ihrem 18. Geburtstag, der von gemeinsamen Freunden ausgerichtet wurde. Ein bisschen klingt ihre Verbindung wie im Märchen, auch wenn sie gewiss wie alle Beziehungen neben den Höhen auch ihre Tiefen hatte. Ihre erste gemeinsame Wohnung hatten sie in Rosenheim, wo Papa am Holztechnikum studiert hat. Seitdem zog es sie immer wieder nach Oberbayern. Schade, dass sie nicht dort geblieben sind, denn auch wir Kinder lieben bayerisches Flair und die Berge. 

Meine Mama war das älteste von vier Kindern und musste auf die jüngeren Brüder aufpassen. In den 1960er Jahren zog sie in den Ort, in dem Papa wohnte. Laut eigenen Angaben war sie ein schüchternes, aber umschwärmtes Mädchen (was ich verstehen kann!), das Selbstbewusstsein erst lernen musste. Irgendwann als junge Erwachsene sagte sie sich, dass sie sich ändern möchte. Nicht mehr zu allem schweigen, peinlich berührt sein, schüchtern, brav und angepasst. 

Sie hat erneut zu Jesus gefunden, den sie bereits als Vierjährige in der Sonntagsschule als ihren Heiland angenommen hat. Ihr neu entfachter Glaube hat sie auf den Weg gebracht, sich für Menschen zu interessieren, ihre Geschichten anzuhören und sich mit Naturheilkunde und gesunder Ernährung zu befassen, was der Familie und auch anderen zugute kam. Ihr profundes Wissen auf diesem Gebiet fehlt mir unheimlich. Seit sie nicht mehr da ist, bin ich stressbedingt leider wieder häufiger krank, gerade in der kalten Jahreszeit. Glücklicherweise hat sie uns einiges mitgegeben, doch die Intuition, die Mama hatte, wenn es darum ging, Hausmittel anzuwenden, geht mir abhanden. 

 

Mama mit ihrem kleinen Ich (Gemini)

 

Angeeckt ist sie hin und wieder mit ihrer "radikalen" Einstellung zu Jesus und zum Glauben, und auch ihre Meinung zu anderen Dingen war nicht unbedingt populär, aber oft progressiv wie das Thema Ernährung, das sie schon in den frühen 1980er Jahren fasziniert und praktisch umgesetzt hat. Sie hat sich nie beirren lassen und vielen Menschen von Gott erzählt. Allein deswegen hat sie bestimmt einen besonderen Platz im Himmel und den schönsten Garten, mit Bergen und einem See, in dem sie baden und schwimmen kann. Da war sie unerschrocken. Egal, wie kalt das Wasser war, sie sprang hinein. Das gilt nicht nur im buchstäblichen Sinn. Mutig hat sie jedes Problem ("jede Herausforderung", sagt sie) angepackt und nach Lösungen gesucht. Sie war ein bisschen unser "Aushängeschild", das gern mit Menschen zusammen war, kommunikativ, kreativ und gern in Gesellschaft. In der elterlichen Wohnung blieben die Gäste manchmal jahrelang, weil sie sich so wohlfühlten, und weil Mama ihnen das Gefühl gab, daheim zu sein. Für uns Kinder war das nicht immer einfach, aber wir konnten uns später in unsere eigene Wohnung zurückziehen. Ich vermisse die Zeit sehr, in der immer Leben in der Bude war. Unser Haus - der ehemalige Laden - sei still geworden, sagen uns Freunde. Und sie haben recht. Wir versuchen, klarzukommen, doch es fällt uns schwer ohne Mama. Immer noch. Sie war es auch, die den Rest der Familie für den Glauben gewinnen konnte. Dafür sind wir ihr unendlich dankbar, auch wenn es in Anbetracht der letzten zwei Jahren schwierig war, das Vertrauen in Gott zu behalten. Aber wir werden uns wiedersehen und belohnt werden, das steht außer Zweifel.

 

Papa und der kleine Prinz (Gemini)

 

Papa und wir Kinder sind uns in den zwei Jahren näher gekommen. Das war eine Erfahrung, die uns trotz allem Schmerz und tiefer Trauer gutgetan und Trost gegeben hat. Er ist dankbar, dass wir uns um den Haushalt kümmern, denn als "kleiner Prinz", der er von Kindesbeinen an war, sind Männersachen für ihn besser zu bewältigen als Kochen, Putzen und Wäschewaschen. Als Schreiner war er nicht nur zeitlebens unser Handyman, wenn etwas kaputtging, sondern ist verantwortlich für Finanzen und Geschäftliches. Das ist bis heute so, obwohl wir wissen, dass wir uns auch mal damit beschäftigen sollten. Wenn Papa ein Hobby hat, das er nicht mit Mama teilt(e) wie Wandern, ist das sicher seine Vorliebe für Autos im Allgemeinen und BMW im Besonderen. 

Als Mama in den 1970ern einen Bastelladen eröffnete, stieg Papa nach seinem Beruf als Monteur und Vertreter einer Sägewerksfirma mit ein und erweiterte die Modellbau-Abteilung, um dort kompetent beraten zu können, wenn es um ferngesteuerte Schiffe, Segelflugzeuge und Benziner ging. Noch heute erinnert man sich an ihn am Ort liebevoll als den "Herrn Bastelwirth". Die Autos, die er fuhr, darunter vor allem Dienst- und Leasingwagen, kann er nach Jahr und Urlaub einordnen. Wenn wir eine Anekdote erzählen oder ihm ein Foto zeigen, heißt es meist: "Da hatten wir den gelben Mercedes, dann muss das in Anzère gewesen sein." Darüber haben wir uns immer köstlich amüsiert.

 

Im Schwarzwald, Mitte der 1960er.

 

Man hat so seine Familiengeschichten. Ich merke, dass ich mich häufig in diese Nostalgie hineinflüchte, seit Mama fort ist. Wir hatten so viele schöne Jahre zusammen, dass es wie ein Schock kam, wie abrupt sie endeten. Meine Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit ist manchmal nahe daran, zu kippen, weil ich finde, dass es doch recht früh war. Vor allem, wenn ich bedenke, wie gern Mama 120 Jahre alt werden wollte. Es tut weh, daran zu denken. Ich hoffe, dass wir Papa noch lange haben und wir so weit es geht glücklich sein können. 

Anmerkung: Die Fotos von den Eltern als Erwachsene mit ihren kindlichen Ichs sind unter Verwendung von Familienaufnahmen und Gemini entstanden (ich bin KI gegenüber nach wie vor skeptisch, aber fasziniert von den Möglichkeiten, die sie bietet). 

 

 

Montag, 22. September 2025

"The Time of my Life" ~ Patrick Swayze, Lisa Niemi

 Ein Fan von Patrick Swayze war ich nie. Nicht einmal "Dirty Dancing" konnte mich begeistern. Ich habe es nur einmal gesehen und fand, das genügt. Seinen ersten großen Erfolg, die Miniserie "Fackeln im Sturm" von 1986 über den amerikanischen Bürgerkrieg, fand ich zwar interessanter, mochte aber seinen Yankeefreund George Hazard, gespielt von James Read, mehr als den hitzköpfigen Südstaatler Orry Main.


 

Die Biografie, an der auch seine Frau mitgearbeitet hat, habe ich zu einem Spottpreis auf einem Bücherflohmarkt gekauft. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht hat mich das Cover angesprochen, und Biografien lese ich in der Regel auch gern von unbekannten Leuten. Es stand lange im Regal, bis ich nun endlich Zeit hatte, es zu lesen. Entstanden ist es kurz vor seinem Tod im Jahr 2009, als er seiner schweren Krankheit erlag. Und ich war überrascht, wie positiv und ehrlich diese Biografie ist. Obwohl Patrick Swayze vor allem in den 1980 / 90er Jahren ein ziemlich großer Star war, wirkt nichts glamorös oder abgehoben. Er erzählt chronologisch von seiner Erziehung, wie und wo er aufwuchs, und wie hart er für eine Profikarriere als Sportler und Tänzer gearbeitet hat. Beides musste er aufgrund schwerer Unfälle und Verletzungen aufgeben, doch sein Optimismus bleibt. "Wenn ein Traum zerplatzt, kommt ein anderer" war sein Motto. Und er gab wirklich alles, um seine Träume zu verwirklichen. 

Von unschätzbarem Wert und eine große Unterstützerin dabei ist seine Frau Lisa, die er im Tanzstudio seiner Mutter kennenlernt. Sie ist 15, er 19 Jahre alt. Es braucht eine Weile, bis die beiden ein Paar werden. Vier Jahre später heiraten sie und gehen durch Höhen und Tiefen. Das hat mich am meisten beeindruckt. Viele Projekte realisieren sie zu zweit durch gemeinsame Interessen wie Tanz, Schauspiel und Pferde. 

Als Mitte der 1980er Jahre mit "Fackeln im Sturm" der Durchbruch für Patrick Swayze kommt, können sie nach einer langen finanziellen Durststrecke zwei Ranches nach ihren Vorstellungen bauen, in Los Angeles und New Mexiko. Man hat es ihnen von Herzen gegönnt! Doch Reichtum bewahrt nicht vor Schicksalsschlägen, das wurde in der Geschichte des Paares immer wieder deutlich. Manchmal habe ich mich gefragt, woher der Mann die Energie nahm, nie aufzugeben. Selbst als er nach seiner Krebsdiagnose im Jahr 2008 in eine weitere schwere Depression fällt, die er früher mit zu viel Alkohol zu betäuben pflegte, steht er vor der Kamera, entschlossen, sich nichts anmerken zu lassen oder eine Sonderbehandlung zu beanspruchen. 

 

 

Was zum Großteil bewunderswert schien, hatte aber doch einen bitteren Beigeschmack. Ich glaube, das von der Mutter und später selbst eingetrichterte Ziel, perfekt und überall der Beste sein zu müssen, sich nie zu schonen, wenn es angebracht gewesen wäre, hat vermutlich dazu beigetragen, dass Patrick Swayze nur 57 Jahre alt wurde.

Über seine Kollegen berichtet er nicht viel, und wenn, dann erwähnt er sie lobend - selbst seine Tanzpartnerin Jennifer Grey, die ihn nicht mochte. Das fand ich sehr sympathisch. Als extrem physischer und sportlicher Mensch hatte er es nicht leicht, gute Rollen zu ergattern, und tatsächlich ist das ein Punkt, der ihm bis zuletzt zu schaffen gemacht hat. Die meisten Filme mit ihm in der Hauptrolle wurden oft als Teenagerschmonzes oder tumbe Actionkracher abgetan, weil er darin mitspielte. Das tut natürlich weh. Und dabei ging er oft an seine Grenzen, um einen Charakter glaubwürdig darzustellen, fast wie ein Daniel Day Lewis oder ein Robert de Niro. Und wenn man ihm glauben darf, war "Dirty Dancing" eigentlich noch viel kitschiger, wenn seine Frau und er nicht am Drehbuch gefeilt hätten... unglaublich! 

Das Ende im Buch ist aber versöhnlich und voller Hoffnung. Das und der unverbrüchliche Zusammenhalt des Paares, der mehr als einmal auf eine harte Probe gestellt wurde, hat mir wohl am besten gefallen. Und es tat mir leid, dass sein Kampfgeist nicht mehr ausgereicht hat, den Krebs zu besiegen. Ein bemerkenswerter Lebenslauf hatte er, voller Drama und Abenteuer, aber auch viel Segen mit seiner Lisa, die ihn nie aufgab. Auf jeden Fall eine Empfehlung, nicht nur für Fans. Vielleicht schau' ich mir demnächst sogar "Dirty Dancing" mal wieder an... damit ich nicht wie schon einmal ein T-Shirt mit einem Zitat daraus trage, ohne es zu wissen. 😏
 

Bewertung: 💫💫💫💫 

 

Dienstag, 11. Juni 2024

"Durchbrüche - Von Flügelklammern zu Adlerschwingen" ~ Susanna Hugsinger

Von diesem Buch weiß ich bereits seit seiner Entstehung. Die Autorin ist eine gute Freundin meiner Mutter, die im Buch sogar eine Schlüsselrolle spielt. Als "Susanna" mir die fertige Biografie zum Lesen vorbeibrachte, war ich zunächst ein bisschen verunsichert. Interessierte mich das überhaupt? Und würde ich ehrlich genug sein, meine nicht so positive Meinung bei Nichtgefallen kundzutun? Fragen, die einem bei Autoren und Autorinnen im Bekanntenkreis so durch den Kopf gehen. Doch "Durchbrüche" hat mich wirklich überrascht und von der ersten Seite an gefesselt.

 

congerdesign / Pixabay

Inhalt: In kurzweiligem Stil erzählt Susanna Hugsinger ihr bewegtes Leben von den Nachkriegsjahren bis heute. Ihre Kindheit als jüngste von drei Töchtern und als Liebling des Vaters ist geprägt von katholischer Frömmigkeit und Fürsorge, aber auch vom Hunger nach Anerkennung, mangelndem Selbstbewusstsein und dem Gefühl, nicht frei sein zu dürfen. Deutlich vor Augen geführt wird das der kleinen Susanna, als ihr Vater den jungen Hühnern im Vorgarten Flügelklammern anlegt, damit sie nicht davonfliegen können. 

Als Teenager interessiert sie sich bald für Jungs, in die sie sich oft heftig, aber unglücklich verliebt. Sobald sie einen Partner hat, glaubt Susanna, findet sie den Schlüssel zum Beenden der innerlichen Leere und den Minderwertigkeitskomplexen. Die Suche nach dem Mann fürs Leben führt sie nach etlichen Enttäuschungen zu Volker, dem Vater ihrer zukünftigen Kinder. Anfangs zärtlich und aufmerksam, entpuppt er sich als unberechenbar, manipulierend und psychopathisch. Jahrelang kämpft Susanna um eine "normale" Beziehung, nicht zuletzt der Kinder wegen. Auch ist sie bemüht, den harmonischen Schein der Familie nach außen hin aufrecht zu halten, was sie zusätzlich Kraft kostet und an ihrer Gesundheit zehrt. Ihren Job als Lehrerin macht sie gern, da er sie ablenkt, doch häufig fühlt sie sich auch dort überfordert. Ihre Sinnsuche beschränkt sich nun nicht mehr auf die große Liebe, sondern weitet sich aus in Bereiche der Esoterik, der Reinkarnation und dem Okkultismus. Aber statt Erleichterung bringt jeder Versuch Verwirrung und neu entfachte Ängste.

Nachdem sie feststellt, dass ihre Ehe nicht mehr zu retten ist, reicht sie schweren Herzens die Scheidung ein. Damit sind ihre Probleme jedoch noch lange nicht gelöst - im Gegenteil. Plötzlich wird ihr das Sorgerecht für die geliebten Kinder entzogen. Kann sie sie zurückgewinnen? Und was hat eigentlich Gott mit ihrem Leben zu tun, der sie immer wieder auf ihrem steinigen Weg zu begleiten scheint, obwohl sie sich seit langem von ihm abgewandt hat?

 


Meinung: Spannend wie ein Psychothriller, liest sich "Durchbrüche" mit einer Leichtigkeit, die im krassen Kontrast zu dem steht, was die Autorin schildert. Missbrauch, Minderwertigkeitskomplexe und ein "durchgeknallter" Ehemann sind nicht gerade Themen für ein Feel-Good-Buch. Und doch ist Susanna Hugsingers Buch eine Ermutigung für Menschen, die sich im Hamsterrad gefangen fühlen, denn nach vielen Misserfolgen findet sie einen Weg, der sie nicht enttäuscht. Und die große Liebe. Sogar in zweifacher Ausführung, wenn ich das so sagen darf. Und ganz allmählich werden aus den Flügelklammern Adlerschwingen, wobei sie betont, dass ihre Alltagsherausforderungen zwar nicht unbedingt leichter werden, sie aber einen Hafen in Gott hat und sich endlich komplett angenommen und geliebt fühlt. 

Während eines Besuches erzählte mir "Susanna" einmal, dass sie mit ihrer aufgeschriebenen Biografie das Evangelium, die frohe Botschaft Gottes, verkünden will. Das ist ihr total gut gelungen!

Viele Passagen gingen mir ans Herz; besonders die abenteuerliche und pfiffige Flucht vor dem Ehemann hat mich sehr beeindruckt. Trotz aller Schwierigkeiten verliert Susanna in ihrem Buch nie den Humor, obwohl ihr in den aktuell erlebten Situationen sicherlich nie danach zumute war und sie auch ehrlich zugibt, dass sie oft am Ende ihrer Kräfte war. Trotzdem gibt ihre Biografie Hoffnung und Mut. 

Was mir auch sehr gefallen hat, waren die Beschreibungen der Jahrzehnte. Vor allem die wilden 68er, von denen sie durch Volker und ihrem Beruf eher widerwillig beeinflusst wurde, hat sie toll beschrieben. Da wurde so richtig ein bisschen die Hippie-Ära mit ihrer intellektuellen Revolution gegen Autoritäten lebendig. 

Dass ich die Autorin persönlich kenne, spielt bei meiner Beurteilung des Buches keine Rolle, dem ich begeisterte fünf Sterne gebe. Eine klare Leseempfehlung!

Zur Bestellung des Buches geht es hier: *Klick*


Kevinsphotos / Pixabay

 

 Bewertung: 💫💫💫💫💫


Donnerstag, 11. April 2024

"Joey - wie ein blindes Pferd uns Wunder sehen ließ" ~ Jennifer Marshall Bleakley

Aufmerksam geworden bin ich auf "Joey" nach der Lektüre von "Solomon" und dem wunderschönen Appaloosa vor dem verkaufswirksam roten Gatter auf dem Cover. Ich nehme an, dass "Joey" auch das Buch war, das Jodi Stuber zu ihrer eigenen Pferde-Biografie über Solomon inspiriert hat, für die sie sich Mrs. Marshall Bleakley als Co-Autorin ins Boot geholt hat. 



Die Geschichte von Joey fand ich anfangs fast noch berührender als Solomons, bis mich der Schreibstil und die Atmosphäre auf "HopeReins" - der Therapieranch, auf der Joey stand - zu sehr an das Leben und Schicksal von Solomon erinnert hat. Beide waren auf ihre Art besondere Pferde, und doch fand ich die Parallelen ein bisschen too much, was vielleicht auch an der ähnlichen Schreibe lag. 

Was mich sehr bewegt hat, war die Freundschaft von Joey zu dem launenhaften Speckles, dessen einzige Aufgabe es war, Joey die Augen zu ersetzen. Als Speckles recht jung stirbt, trauert Joey. Es ist schwierig, einen passenden Gefährten für ihn zu finden, und trotz aller Bemühungen und einem tierischen "Blindenführer" wird er nicht mehr der alte. Es gelingt ihm aber, anderen mit seiner sanftmütigen Art zu helfen. So fängt die traumatisierte kleine Aly zu sprechen an, als sie ihm beim Reiten aufgrund seiner Blindheit Anweisungen geben muss, die er gelernt hat. Zu ihr knüpft Joey ein starkes Band, das alle auf der Ranch und ihre Adoptivmutter überrascht und erfreut. 


SorcerySoapHP / Pixabay

 

Der "echte" Joey sah eher so aus wie auf dem obigen Foto, war also keine solche Schönheit wie das Pferd auf dem Cover, dafür ein Charakterpferd, das früher im Springreiten preisgekrönte Erfolge einfuhr. Aber gerade die Fotos im Schlussteil haben mich besonders angesprochen und zeigen, wie beliebt Joey war, der leider an einem unheilbaren Tumor stirbt. Sein Ende markiert auch das Ende des Buches, was sehr traurig war. Doch genau wie bei Solomon wird sein Andenken in Ehren gehalten. Besucher der Ranch zeichnen sein Porträt, und an seiner Gedenkfeier fliegen hunderte Luftballons in den Himmel. Jennifer Marshall Bleakley hat er so beeindruckt, dass sie sich entschloss, seine Geschichte und die seiner Besitzerin Kim aufzuschreiben, obwohl sie sich anfangs nie zugetraut hätte, das zu tun, zumal sie keine Erfahrung mit Pferden hatte. 

Schön war die Liebe, die während der Lektüre zu spüren war, und die Gewissheit der Protagonisten, dass Gott alle Dinge zum Guten lenkt. Und die Feststellung, dass bestimmt auch Tiere in den Himmel kommen. 

Hätte ich nicht unmittelbar vor "Joey" Solomons Geschichte gelesen, würde ich dem Buch ohne Zögern die Höchstwertung von fünf Sternen geben. So muss ich leider einen abziehen, da ich zu dem Fazit gelangt bin, dass man entweder "Solomon" oder "Joey" liest, wenn man nicht den Eindruck erhalten will, dass man eigentlich dasselbe Buch mit kleinen Abänderungen in den Händen hält. Dafür kann der gute Joey nichts, daher würde ich es allen Pferdefreunden und Menschen empfehlen, die sich auf Wunder einlassen können. Für mich persönlich reicht es "nur" zu vier Sternen.


💫💫💫💫



 




Donnerstag, 29. Februar 2024

Signierte Hardcover-Ausgaben von "Shalom Mamele"

Mein persönlichstes Buch gibt es in drei verschiedenen Formaten auf Amazon. Das schönste ist meiner Ansicht nach das Hardcover. Es ist griffig und sieht irgendwie besonders wertvoll aus. Durch die farbigen Abbildungen (es gibt auch Schwarzweißfotos im Buch, doch der farbige Teil war mir wichtig) ist es mit € 25,95 nicht gerade ein Schnäppchen, aber dafür hat man eine wirklich außergewöhnliche Lektüre, die anrührt und auch zum Nachdenken anregt. Im Schlussteil findet man sogar ein Süßspeisenrezept aus Mamas umfangreicher Koch- und Backsammlung.

 


Unsere Geschichte bzw. Mamas ist keineswegs "banal", wie in zwei Rezensionen auf Amazon behauptet wird. Der Rezensent beider Texte ist mir bekannt, daher hat mich seine Kritik wenig getroffen, die er sofort auf gleich zwei Konten kundgetan hat - in Worten, die unter die Gürtellinie gehen. Vor allem, wenn man bedenkt, vor welchem Hintergrund ich dieses Buch verfasst habe. Aber sei's drum. 

Mittlerweile überwiegen die guten Bewertungen von "Shalom Mamele", denn meine Leser haben in der Regel kein Herz aus Stein. Außerdem kann ich in aller Bescheidenheit sagen, dass es auch vom Layout gut gelungen ist. Das Feedback, das ich erhalte, sagt mir ebenfalls, dass es richtig und auch wichtig war, meine doch sehr persönlichen Erinnerungen mit Mama zu veröffentlichen. Ich weiß, dass auch sie selbst sich darüber freut bzw. mich ermutigen würde, das Buch zu bewerben. Was spräche dagegen, es in einer Buchhandlung auszulegen? Eine Buchhändlerin jedenfalls sagte mir, es sei das schönste und liebevollste Buch, das sie seit langem gelesen hat. Nach dem Gespräch waren wir per Du, weil sie das Gefühl hatte, mich zu gut zu kennen, um mich zu siezen... vielleicht tut sich in der Richtung ja noch etwas; es würde mich sehr freuen, mal ein Buch von mir irgendwo ausliegen zu sehen.


 

Eine Freundin von Mama meinte, man sieht schon allein auf den ausgewählten Bildern, was für eine besondere Frau sie war. Ich füge immer im Stillen ein korrigierendes "Ist" hinzu, denn in der Vergangenheitsform von Mama zu reden, schmerzt sehr. Zumal sie ja immer noch da ist, wenn auch nicht sichtbar.

Das Hardcover könnt ihr auch über mich beziehen, auf Wunsch mit Signatur und Widmung. 

Und natürlich freue ich mich über Kommentare hier auf meinem Blog, Diskussionen, Reaktionen und weitere Rezensionen auf Amazon



Dienstag, 23. Januar 2024

Shalom Mamele. Königskinder sterben nicht. Sie gehen nach Hause.

Nie hätte ich gedacht, dass ich ein Buch wie dieses schreiben und veröffentlichen würde. Und nun, da ich's gewagt habe, bedauere ich, es nicht schon früher in Angriff genommen zu haben. Mama hätte so viel Freude gehabt, mir ihre Geschichte noch ausführlicher zu erzählen, und sie wäre so stolz auf ihre Tochter gewesen. Das ist sie sicherlich auch so, doch ich habe keinen sichtbaren Anteil mehr an ihrer Freude. Die Veröffentlichung hätte sie groß gefeiert. "Wir feiern viel zu selten", meinte sie oft.

 


 

Entstanden ist mein neues und persönlichstes Buch eher als eine Art Therapieprojekt. Auf Facebook bekam ich zum Teil sehr nette und verständnisvolle PNs bezüglich meiner Trauer. In vielen davon - wie auch in Kommentaren zu Beiträgen - riet man mir, unsere Geschichte als Familie aufzuschreiben. Ich war sehr skeptisch. Zum einen, weil ich dachte, es ginge nur um die unselige Krankenhausgeschichte, zum anderen, weil ich mir das nicht zutraute, ohne emotional zu zerbrechen. 

Doch erstaunlicherweise war das Gegenteil der Fall, nachdem ich mich an Mamas Rechner in ihrem schönen kleinen Arbeitszimmer setzte, in dem ich von ihren wunderschönen, farbenfrohen Bildern und Visionboards umgeben bin, um die ersten Zeilen über die Anfänge meiner Eltern zu tippen. Es ging richtig leicht und beschwingt, und häufig habe ich meine Trauer vergessen. Hin und wieder flossen Tränen, wenn mich eine Erinnerung besonders berührt hat. Aber das war ok. Es ist halt schade, dass ich diese Erinnerungen nicht mehr mit Mama teilen kann.

Wir haben so viel erlebt als Familie; viel mehr, als ich vermutet hatte. Und wir waren wirklich eine außergewöhnliche Kombination, wir vier. Unschlagbar. Das wurde mir beim Schreiben wieder bewusst. Wie viel Glück und Segen darauf lag und liegt, dass wir uns so gut verstehen und uns in Liebe begegnet sind. Unsere Krisen hatten wir selbstverständlich auch, doch wir haben sie immer gut gemeistert - bis auf die letzte. Auf die habe ich weitgehend verzichtet im Buch, denn es soll ein aufbauendes, Mut machendes Werk sein. Auch für Menschen, die durch diesselbe Phase im Leben laufen wie wir und die Welt nicht mehr verstehen. Es gibt da nichts zu verstehen. Erst im Himmel werden uns die Augen geöffnet, das ist sicher. Genauso sicher, wie Mama jetzt weiß, warum alles so sein musste. 



Die reich bebilderte Familienchronik ist auch eine Erinnerung und ein Geschenk für die vielen Gefährten, die im Lauf der Jahre ein Stück des Weges mit uns - und vor allem mit Mama als kommunikativstes Familienmitglied - gegangen sind. Viele sind darin erwähnt (ohne Nachnamen, und immer im Guten). Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich alle waren: verschiedene Nationen, Alter, Geschlecht und kulturelle Herkunft. Mama hat nie Unterschiede gemacht. Jeder, der in unser Haus kam, war in erster Linie Mensch mit einer eigenen Geschichte, die es wert ist, angehört zu werden. Das hat mir immer sehr imponiert, wie vieles mehr an Mama. 

Jeder Mensch ist einzigartig, aber eine Frau wie Mama wird es im Ansatz hier auf Erden nicht mehr geben. Ihre Herzlichkeit und verschmitzte Fröhlichkeit, ihr Optimismus und ihr helles, heraussprudelndes Lachen, all das hatte nur sie. Obwohl sie es nicht immer leicht hatte im Leben, hat sie so viel bewirkt. Ich finde es deshalb legitim, dass sie als "Nicht-Promi" eine Biografie in Buchform erhält, die vielleicht auch Menschen, die sie nicht persönlich kannten, Mut gibt. Das fände sie schön, denn eine Ermutigerin ist sie immer gewesen.

Hier geht's zur Bestellung des Ebooks: *Klick*


 



Sonntag, 14. August 2022

Eine Biografie von Francis und Eugene "Florey" Fairlight aus meinem Roman Fairlight.

 Viele Autoren geben ihren Charakteren eine Biografie, bevor sie beginnen, die Handlung weiterzuentwickeln. Manche machen sich akribisch Angaben zu Herkunft, Größe und Aussehen der Protagonisten, was bisweilen hilft, keine Widersprüchlichkeiten über das Äußere der Figur im Manuskript niederzuschreiben (schon oft gelesen, dass aus grünen Augen auf einmal blaue wurden?). Ganz so gründlich bin ich nie gewesen, doch auch ich habe eine genaue Vorstellung davon, wie meine Figuren aussehen und woher sie stammen.

 In meinen gebundenen Manuskripten mit der Rohfassung finden sich einige Skizzen, meist von meiner Schwester angefertigt, die meinen Geschmack und meine Interessen auf vielen Gebieten teilt. Ich war etwas gerührt, als ich neulich "Fairlight" durchgeblättert habe und dort diese Zeichnung auf der ersten Seite fand. Nicht nur optisch sind die beiden jungen Männer perfekt eingefangen, auch ihr jeweiliger Charakter und ihr Temperament kommen fantastisch zur Geltung.


Francis und Florey, ©Nikky Wirth


Francis, der ältere, ist mit Anfang Dreißig ein Zyniker; eine Eigenart, die sich mit der Teilnahme als Soldat im Ersten Weltkrieg wohl verstärkt hat. Er gibt sich Fremden gegenüber unnahbar, fast feindselig, ist aber impulsiv und vor allem besitzergreifend in Bezug auf seinen jüngeren Bruder Eugene, als dessen Beschützer er sich nicht nur gefällt, sondern diesen Schutz auch als Notwendigkeit sieht. Denn Florey ist nicht "normal". Schon als Junge fällt er durch Pyromanie und paranoides Verhalten auf, das später von den zufällig auf Fairlight House gestrandeten Medizinern als Schizophrenie diagnostiziert wird. 

Beide sind nicht die biologischen Söhne von Chester Fairlight, der mit zwei weiteren Söhnen auf dem großen Anwesen lebt, doch ihre Herkunft bleibt lange Zeit im Dunkeln. Florey lernt erst spät die englische Sprache, und auch Francis spricht sie als Jugendlicher nur gebrochen. Innerhalb der Familie lösen die Exoten seit ihrer rätselhaften Ankunft zwiespältige Gefühle aus - vor allem der unberechenbare und doch weltfremde Florey muss viel einstecken, sowohl vom Alten als auch von den Geschwistern. Mit Neunzehn ist er eigentlich bereits erwachsen, aber häufig handelt er wie ein Kind, das keine Regeln kennt. Austeilen kann er auch und ist sich seines Status als gutsituierter Fairlight-Spross besonders im Umgang mit den Dienstboten wohlbewusst. Doch seine Arroganz resultiert aus Unsicherheit und der Tatsache, dass er auf Fairlight keine Zuneigung erfährt außer der von Francis. Und die ist nicht immer rein brüderlich und manchmal ziemlich anstrengend. Allerdings vergöttert Florey seinen launischen Bruder trotz dessen Fehler und der mitunter derben Art, die in Sekundenschnelle zu fast zärtlichen Liebesbekundungen wechseln kann.


Aleviva-Medien / Pixabay

Auch wenn Francis bei einigen Lesern und Leserinnen Unverständnis weckt, war er mir beim Schreiben am nächsten. Ich mochte ihn von Anfang an, eine seit früher Kindheit gebrochene Seele, deren Gefühle sich nicht steuern lassen und in manchen Szenen hochgehen wie eine Granate (der etwas unglückliche Vergleich vor dem Hintergrund des Krieges sei mir verziehen). Mir gefallen störrische Figuren wie er, die im tiefsten Inneren ein weicheres Herz haben, als sie es vor anderen zuzugeben bereit sind.

Wer mehr über die beiden erfahren möchte, kann sich das Buch als Print oder Ebook bei Amazon bestellen.



Donnerstag, 9. Juni 2022

Mal ein bisschen Personality...

In den neuneinhalb Jahren, in denen ich nun meinen Blog führe, fällt mir auf, dass ich selten etwas von mir persönlich erzähle. Ob das überhaupt interessiert, weiß ich nicht, aber ich lese immer gern von Leuten, die mich auf irgendeine Art gut unterhalten haben, und ich hoffe, ich tue das für einige mit meinem Blog. Also werde ich mal eine Art "Über mich"-Artikel starten.

 

Katzenliebhaberin mit Herz & Seele.

 

Geboren wurde ich im letzten Jahrtausend, als das Internet Privathaushalten noch unvorstellbar fern war. Mittlerweile kann ich mir fast nicht mehr vorstellen, dass es eine solche Zeit überhaupt gab. Was irgendwie auch traurig ist, denn ich bin froh und dankbar für eine mehr oder weniger harmonische Kindheit mit Spielen im Freien und ohne Smartphone und sonstigem technischen Schnickschnack. Mittlerweile bin ich in einem Alter, in dem man diese Zeit vermutlich romantisch verklärt. Trotzdem habe ich oft das Gefühl, dass man bis vor zwanzig Jahren noch weniger sorgenvoll gelebt hat oder sich nicht so viele Gedanken um jeden Sack Reis gemacht hat, der in China umfällt, das sowieso immer näher rückt im Globalismus. Aber das ist rein subjektiv.

 

Blumen mag ich! Egal welche.

 

Früher habe ich Blumen und der Natur im Allgemeinen wenig Beachtung geschenkt bzw. sie als selbstverständlich angesehen. Jetzt wird mir immer bewusster, dass man als Mensch ein Teil des großen Ganzen ist und man daher respektvoll und achtsam mit den Mitgeschöpfen umgehen muss, klein, groß, Tier oder Pflanze. Obwohl in einem solchen Bewusstsein und mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn aufgewachsen, fällt es mir in manchen Bereichen schwer, mich daran zu halten. Ich esse sehr gern Fleisch. Nicht häufig, aber zum Frühstück gibt's in der Regel eine Scheibe Kochschinken mit Tomate oder Gurke auf Toast. Ich versuche, Biomarken im Supermarkt zu vertrauen, die das Tierwohl hervorheben, doch wirklich überzeugt bin ich nicht. Daher kaufe ich meinen Schinken vorzugsweise auf dem Wochenmarkt beim Metzger meines Vertrauens, wo ich die Aufzucht der Tiere nachverfolgen kann. Am liebsten wäre ich ohnehin Veganer oder wenigstens Vegetarier, aber dafür schmeckt Fleisch einfach zu gut... 😞


Wandern ist ein großes Hobby.

 Ich reise nicht (mehr) viel. Zumindest Fernreisen waren seit Jahren keine mehr drin. Nicht, weil ich es mir nicht leisten könnte. Irgendwie mag ich keine langen Strecken mit dem Flugzeug zurücklegen, nur um mich ereignislose Wochen am Strand zu fläzen oder andererseits als Tourist jede Sehenswürdigkeit abzuklappern, um kulturell möglichst alles erlebt zu haben. Obwohl ich Leute toll finde, für die Fliegen nicht viel anders ist als Radfahren - ob beruflich oder privat - möchte ich nicht mit ihnen tauschen. Wandern dagegen gibt mir viel. Da wären wir wieder bei der Achtung der Natur und den Wundern der Schöpfung. Über die kann man wirklich nicht genug staunen. 

Prinzipiell glaube ich, dass Sprüche wie "Reisen bildet" und "Bildung ist alles" überbewertet werden. Viel wichtiger sind für mich Wertschätzung und emotionale Intelligenz - Empathie, die von Herzen kommt. Ach so, und Lesen natürlich. Fernsehen auch.


Life is a roller coaster... äh, Kettenkarussell.


Mit meinem Leben, wie es bisher verlaufen ist, bin ich im Großen und Ganzen zufrieden. Manches hab' ich verpasst, anderes hätte ich besser gelassen, und die beste Zeit war für mich in meinen Zwanzigern, wenngleich man ja so gern sagt "The best is yet to come", und ich diesbezüglich die Hoffnung nicht fahren lassen möchte. 

Trotzdem war für mich die Zeit der ersten eigenen Wohnung eine besondere Epoche. Das merke ich immer, wenn ich Musik aus dieser Zeit höre. Mein Lieblingsradiosender ist allerdings seit ein paar Jahren SWR4, der internationale Oldies bis zurück zu den 1950ern spielt und Schlager aus den 1970ern bis heute. Dann verfalle ich immer ein bisschen der Nostalgie, zu der ich ohnehin neige, oft zu meinem eigenen Leidwesen, denn *so* alt fühle ich mich noch nicht, dass ich die alten Zeiten bejubeln müsste. Trotzdem ist es wohl so, dass ich eine derjenigen wäre, die eine Rückkehr zu mehr Menschlichkeit und dafür weniger Technik und überflüssiger täglicher Information begrüßen würden. Denn ganz ehrlich, die Reizüberflutung und Schreckensmeldungen von überall her machen viele von uns depressiv und krank; mitunter ohne dass wir es merken oder die Ursache erkennen.

 

Mach' mal Pause.

 

Irgendwie bin ich tief drinnen doch ein analoges Mädel, das mit den kleinen Dingen happy ist und sich gelegentlich wünscht, in eine Zeitmaschine steigen zu können.

 

 

 


Freitag, 24. September 2021

Ich lese gerade: John Taylor ~ In the Pleasure Groove - Love, Death & Duran Duran

Ich war großer Fan der Popgruppe Duran Duran. Als solcher hat mich - obwohl ich ihre Musik heute nicht mehr höre - die Biografie des Bassisten und Mädchenschwarms der Band interessiert, die ich mir jetzt, nach inaktiven Jahren meiner Fangirlphase, gekauft habe. 

 

 

Bisher bin ich positiv überrascht: schon die ersten Seiten ließen mich eintauchen in die Geschichte der Taylors - Jean, Jack und Nigel (wie John Taylor als Kind hieß) -, so anschaulich und lebendig beschreibt John Taylor seinen Alltag in Hollywood, einem für heutige Verhältnisse spießigen Vorort von Birmingham in England. Aufgewachsen als behütetes Einzelkind, hat er Schwierigkeiten, Freunde zu finden. In der Schule wird er aufgrund seiner Brille gehänselt (wie sich die Zeiten ändern - Joanne K. Rowling sei Dank!), und außerdem ist er ein echter Nerd, der sich lieber mit Modellbau und Musik befasst statt mit schulischen Glanzleistungen - Konkurrenz und Beurteilungen, wie sie dort an der Tagesordnung sind, lehnt er intuitiv ab. 

Wissbegierig zeigt er sich vor allem zuhause bei seinen Eltern, die sich viel Zeit für ihn und seine Interessen nehmen und manche davon sogar teilen, wie die vaterseitige Liebe zu Autos (sehr zum Leidwesen des Vaters wird die Mutter nie den Führerschein machen) und Musiksendungen im Radio, das im Haus Taylor selten stillsteht. Schon morgens wacht er zu Radiomusik auf.

Sehr nett finde ich die kleinen Details und Anekdoten, mit denen er den Leser unterhält und die bisweilen auch melancholisch wirken. Etwa das Zusammengehörigkeitsgefühl in der römisch-katholischen Kirche, wenn alle dasselbe Lied singen, das der kleine Nigel und seine Mutter nur lippensynchron begleiten, weil in der Familie keiner singt, aus Angst, einen falschen Ton zu treffen. Doch Kirchenmusik ist etwas, das ihn sein Leben lang fasziniert.

 Man fühlt die Zuneigung und Wärme, die John Taylor als Kind erfahren hat, sogar zwischen den Zeilen. Als er zehn ist, stellt Vater Jack ihm einen collageartigen Wandschmuck zusammen, der neben dem Kruzifix als Poster aufgehängt wird: Bilder von fremden Orten und eine schwarzhaarige Schönheit auf einem schwarzen Pferd. Vielleicht hat das den kleinen Nigel mehr geprägt, als er damals ahnt, hat er als berühmter Popstar doch viele exotische Länder bereist und freie Auswahl bei der Damenwelt. 

Davon ist in seinen Kinder- und Jugendjahren wenig zu spüren. Schüchtern, kurzsichtig, linkisch und unsportlich, entspricht er in keiner Weise dem Ideal eines Sexsymbols. Aber er weiß, was er will, nachdem er mit Cousin Eddie den Glamrock entdeckt: Popstar werden. Einer, der nicht im Rampenlicht steht, aber Teil einer Band ist. Die zweite Geige ist für ihn buchstäblich verlockender als das größte Stück vom Kuchen. 

Durch einen Nachbarsjungen namens David Twist lernt er mit 13 den zwei Jahre jüngeren Nick Bates kennen, der vom Glück begünstigt zu sein scheint und Nigel in vielem voraus ist. Beide lieben David Bowie und Roxy Music - eine Musikrichtung, die Duran Duran nachhaltig beeinflusst.

Aufs Weiterlesen freue ich mich sehr, denn soviel Humor und Selbstreflektion hätte ich John Taylor nicht zugetraut. Und obendrein liest sich das Buch richtig locker, obwohl ich die englische Ausgabe besitze.




Donnerstag, 3. Juni 2021

Rezension "Wir waren Glückskinder - trotz allem" von Michael Wolffsohn

 Dieses Buch, das ich im Rahmen einer Facebook-Verlosung gewonnen habe, ist als Kinder- und Jugendbuch konzipiert (es gibt auch eine "Erwachsenenausgabe", die ich weiter unten verlinke), und ich kann sagen, dass ich es nach dem Lesen unbedingt als Schullektüre empfehle. Obwohl schon aus familiärer Hinsicht interessiert am Judentum, dessen Geschichte und dem Nahost-Konflikt, war selbst mir einiges neu bzw. ist mir neu aufgegangen. Fragen, die sich "Nachkriegsdeutsche" eigentlich nie stellen, werden von Herrn Wolffsohn am Beispiel seiner Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits und seinen Eltern Thea und Max aufgeworfen. Allein das war ein Aha-Moment für mich.



Inhalt: In einfachen und kindgerechten Worten beschreibt das Buch die Schicksale der Familien Saalheimer und Wolffsohn, die in Bamberg und Berlin ansässig waren und ein gutes Leben führten. Zwar gab es Unterschiede zu den Katholiken und Protestanten, doch man sah das nicht als Problem an. Im Gegenteil: Thea Saalheimer geht sogar auf eine katholische Schule in Bamberg, in der Protestanten weit weniger gern gesehen sind als Juden. Zu spüren bekommt sie ihr "Anders-Sein" erst wirklich, als in der Reichpogromnacht die Synagogen brennen. Ihr Vater Justus (der mir sehr sympathisch war in seiner Klugheit und emotionaler Intelligenz) nimmt die Zeichen lange nicht ernst, sind die Saalheimers doch Deutsche und stolz darauf, im Land der Dichter und Denker dazuzugehören. Doch als Justus für kurze Zeit in ein Konzentrationslager kommt und nur durch einen wohlwollenden Angestellten wieder freigelassen wird, ändert sich alles. Thea muss das Internat in Berlin verlassen, auf das sie sich als Siebzehnjährige so sehr gefreut hat, und gemeinsam flüchtet die Familie vor dem Hitlerwahn nach Palästina.

Den Wolffsohns ergeht es ähnlich: Opa Karl, ein erfolgreicher Unternehmer in der Unterhaltungsbranche und leidenschaftlicher Kinobetreiber (u.a. der "Lichtburg" in Essen), muss alles zurücklassen und wird seine Projekte nie mehr weiterentwickeln können. Seine Frau Recha leidet sehr darunter, nicht mehr auf Parties gehen zu dürfen und den Wohlstand aufzugeben, in dem die Wolffsohns als angesehene und gutbetuchte Bürger gelebt hatten. Ihre Flucht über Holland und Belgien nach Palästina war für mich fast unerträglich zu lesen, wobei ich froh bin, dass Herr Wolffsohn im Allgemeinen auf allzu detaillierte Schilderungen verzichtet hat.

Die Einreise nach dem damaligen Britisch-Palästina geht durchaus nicht reibungslos vonstatten, und auch dort ist das Leben kein Honigschlecken. Nicht nur werden harte Arbeit und eine neue Sprache verlangt, auch Gefahr droht - von den arabischen Nachbarn, die ein Abkommen mit den Briten hatten, und christlichen Sekten. Auch unter Schicksalsgenossen und zuvor eingewanderten Juden bahnen sich hin und wieder Unstimmigkeiten an - irgendwann beschließt Großmutter Recha, nicht mehr auf den Markt in Tel Aviv zu gehen (ihre Gründe mögen simpel gewesen sein; ich konnte sie gut verstehen). Aber auch etwas Gutes hat die "Luftveränderung". Im "Beit Israel" - einer Art Treffpunkt für deutsche Juden - lernen sich Thea Saalheimer und Max Wolffsohn kennen und lieben. Sie und die Großeltern Wolffssohn kehren einige Jahre nach dem Krieg mit dem kleinen Michael nach Berlin zurück.

Gegen Ende wird die aktuelle Situation von Juden in Deutschland beleuchtet, was ich sehr gut fand, zeigt sie doch gewisse Tendenzen zu 1933. Damit das nie wieder geschieht, dafür plädiert Michael Wolffsohn eindrücklich und wendet sich dabei direkt an den jungen Leser. Denn jeder kann dazu beitragen, auch und vielleicht gerade die nächste Generation.                                                      

Meinung: Ein Buch, das trotz der kindgerechten Aufbearbeitung unter die Haut geht. Ich kannte selbst eine Familie, die während des Krieges ausgewandert und wieder zurückgekehrt ist, doch den unvorstellbaren Schrecken der Hitlerära und das Gefühl der Entwurzelung im fremden Land, darüber haben sie nie gesprochen. Zeitzeugen gibt es heute nur noch wenige. Umso plastischer beschreibt der Autor mit seiner eigenen Familie die Entbehrungen und sogar Schuldgefühle, aber tatsächlich auch das Glück, das ihr inmitten all des Chaos und der Unruhe widerfuhr. Durch die Saalheimers und die Wolffsohns werden die sechs Millionen auf einmal persönlich; man fühlt mit ihnen, staunt und fürchtet sich. Dabei vergisst Michael Wolffsohn nie das Positive. Mit der richtigen Prise Humor erzählt er von den köstlichen Jaffa-Orangen, familieneigener Chuzpe, Sprachenwirrwarr und heißen Sommertagen, die den buchstäblich zugeknöpften osteuropäischen und deutschen Einwanderern den Spitznamen "Jeckes" einbrachten. 

Was mir nicht gar so gut gefiel, war die zwar im Kontext verständliche, aber mitunter etwas schulmeisterliche Art, zu biblischen Geschichten Bezug zu nehmen und den Gottesglauben teilweise ins Reich der Märchen zu verbannen. Aber das sei dem Autor als Historiker und "Besserwisser", als der er sich selbstironisch bezeichnet, verziehen und hat keinen Einfluss auf meine Gesamtbewertung.

Ich werde das Buch weiterverleihen und würde mir wie gesagt sehr wünschen, dass "Wir waren Glückskinder - trotz allem" Einzug in sämtliche Klassenzimmer erhält. Für mich ein zwar etwas schwer lesendes, da emotional aufwühlendes, aber unbedingt lesenswertes Zeitzeugnis von Herr Wolffsohn, dessen Enkel ihn erst auf die Idee brachte, die bewegende, aber dennoch hoffnungsvolle Biografie seiner Familie niederzuschreiben. Danke, Noah! 


 

Bewertung:  💫💫💫💫 💫












Montag, 10. Mai 2021

Ich bin ein Glückskind (weil Gewinner von Michael Wolffsohns neuem Kinder- und Jugendbuch)!

 Wie im vorigen Post bereits erwähnt, habe ich Ende April auf Facebook bei einer Buchverlosung von Michael Wolffsohns "Wir sind Glückskinder - trotz allem" teilgenommen und unter vielen Bewerbern eines von zehn signierten Exemplaren gewonnen, das mir am Samstag zugesendet wurde. Ich war total happy, denn ich schätze Herr Wolffsohn und seine ruhige Art sehr. Tatsächlich war meine erste verfasste E-mail an ihn, nachdem er im TV in einer Diskussion Fakten erläutert hat, die viele Zuschauer wütend gemacht haben und die ihm aufgrund seiner Auslegungen drohten. Seine freundliche Antwort an mich (die ich schon kurz darauf erhielt) habe ich in ausgedruckter Form immer noch. 

Auch einige seine Sachbücher über den Nahost-Konflikt habe ich gelesen. Er versteht es, auch Laien komplizierte Sachverhalte verständlich zu erklären.



Die "Glückskinder" möchte ich auf dem Büchertreff ab 31. Mai lesen und diskutieren, sofern sich genügend Teilnehmer/innen finden. Da ich gemerkt habe, dass viele jüngere Leute eigentlich nur vom Zweiten Weltkrieg und der Shoa aus der Schule wissen, hoffe ich sehr, dass die Runde realisiert werden kann und auch Leser dabei sind, die sich vorher wenig bis gar nicht mit der Geschichte und Kultur des Judentums und der Juden befasst haben. Ich glaube, dieses für Jugendliche konzipierte, mit 240 Seiten nicht allzu umfangreiche Werk wäre ein guter Einstieg dafür. Herr Wolffsohn räumt schon zu Beginn anhand seiner Familie mit ein paar Mythen auf. Essen alle Juden eigentlich kein Schweinefleisch? Die Saalheimers (Wolffsohns Familie mütterlicherseits) jedenfalls lieben "fränkische Blauzipfel", und das nicht mit Rinderersatz. Und Thea geht sogar auf eine katholische Schule, in der überdies Protestanten zugelassen sind! Sehr fortschrittlich für die 1930er Jahre. Wer hätte es gedacht: der Davidstern ist gar kein typisch jüdisches Symbol, sondern wurde auch von Brauereien gern als Erkennungsmerkmal in Gaststätten angebracht.

 Natürlich geht es nicht immer heiter zu für die "Glückskinder", denn "wie in jedem Leben eines jeden Menschen gibt es Freude und Leid". Das Hauptthema bildet der Zweite Weltkrieg, der plötzlich alles zerstört und viele - Juden sowie Nichtjuden - zum Auswandern bewegt. Auch die Saalheimers mit ihren drei kleinen Töchtern müssen gehen, obwohl sich Vater Justus Deutschland verbunden fühlt und sich anfangs nicht vorstellen kann, dass er wie seinerzeit Moses seine Familie vor dem wahnsinnigen ägyptischen Pharao schützen und befreien muss, indem er 1939 nach dem damaligem British-Palästina, sozusagen das gelobte Land, emigriert, in dem er kein Wort versteht.

Viel gelesen habe ich noch nicht und hebe mir das Buch bis Ende des Monats auf, aber ich habe den Eindruck, dass Michael Wolffssohn mit seiner Erzählkunst und einfachen Ausdrucksweise zugleich viele Leser ansprechen wird, die das Thema nur aus dem trockenen Geschichtsunterricht kennen, mit Zahlen statt Schicksalen und Gesichtern dahinter. Angereichert ist die Biografie seiner Familie mit Fotos aus Privatbesitz. 

Wer uns bei der Leserunde begleiten will und gerne diskutiert, ist herzlich eingeladen, sich hier anzumelden: *Klick*




Freitag, 23. Februar 2018

Die bösen bösen Wege von Errol Flynn

Eigentlich ist die Biografie ja schon ein Klassiker - zu Recht!

Mit der Hilfe eines Ghostwriters schreibt der unvergessene Hollywoodstar über sein Leben, das mindestens genauso bewegt war wie seine Filme. Es beginnt mit akuten Finanznöten, die aber bald abgelöst werden von der glücklichen Kindheit in Tasmanien und diversen Internatsbesuchen in Großbritannien, dem Degen von "Bounty"-Meuterer Flechter Christian (den Flynn später in seinem ersten Film porträtiert), und skurrilen Tier-Experimenten auf der elterlichen Farm.




Siebzehnjährig versucht Flynn in Papua-Neuginea sein Glück - als Tabakpflanzer, Schiffskapitän und "Headhunter", wobei es stets zu amüsanten oder tragikkomischen Zwischenfällen kommt. Zu Starruhm gelangt er mit sechsundzwanzig Jahren in der Warner-Brothers-Produktion "Captain Blood", während deren Dreharbeiten er sich unsterblich in seine langjährige Filmpartnerin Olivia de Havilland verliebt. Die kann mit seinen gewöhnungsbedürftigen Annäherungsversuchen jedoch gar nichts anfangen, und so bleibt Flynn bis zum Ende seines kurzen Lebens verborgen, dass sie ebenfalls viel für ihn empfindet.

Die Frauen nehmen in dieser kurzweiligen und sehr witzig geschriebenen Biografie einen großen Raum ein - privat hatte es der Frauenliebling schwer mit dem weiblichen Geschlecht, das ihn immer wieder zu dominieren versucht. Er gelangt zu dem Fazit, dass Hunde und Pferde die besseren Kameraden seien. Ebenfalls bedeutungsvoll ist seine Liebe zur See, seinen Yachten und zur Kunst - er besitzt Originale von Gauguin und van Gogh, zu denen er eine Seelenverwandtschaft fühlt.

Erstaunliches erfährt man über seine Schauspielerkollegen, ohne dass es Flynn dabei einfällt, unflätig zu werden. John Barrymore und Charlie Chaplin sind nur einige der großen Namen, die erwähnt werden. Der gutaussehende junge Flynn ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, dass die "Me Too"-Debatte schon so alt ist wie Hollywood und nicht nur Frauen betroffen sind / waren. Ein markiges "Come into my office if you know what's good for you" stößt beim frisch von Oz eingeschifften Errol allerdings auf taube Ohren. Der Erfolg lässt trotzdem nicht auf sich warten...

Etwas nachdenklicher, zuweilen fast traurig, stimmt das letzte Drittel des Buches, das aufzeigt, wie verletzlich und unsicher Flynn unter seiner strahlenden Hollywoodfassade war und in dem er sich erlaubt, ein wenig zu philosophieren und ein Resümee zu ziehen.

Meine Meinung: Ein tolles, lesenswertes Buch, das trotz seiner Jahre (es wurde in seinem Todesjahr 1959 verfasst) nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Der Mensch Errol Flynn wird genauso beleuchtet wie der Filmstar, und es hat mir als Fan den schillernden Charakter Flynn noch näher gebracht. Da stört es wenig, dass er es mit der Wahrheit zugunsten der künstlerischen Freiheit vermutlich nicht immer so genau nimmt. Ich habe es sehr genossen und bei einigen Passagen über die herrliche Selbstironie des Autors laut gelacht.

Fazit: Wenn auch nicht alles wahr ist, so ist es doch gut erfunden. Ein Buch mit hohem Unterhaltungswert und unerwartet tiefsinnigen und philosophischen Betrachtungsweisen.


Bewertung:
👍👍👍👍👍



Dienstag, 7. Juli 2015

Die dreizehnte Geschichte ~ Diane Setterfield

"Die dreizehnte Geschichte" ist eines jener Bücher, um die ich jahrelang herumschleiche und eigentlich nie so recht weiß, warum ich es nicht einfach mal zur Hand nehme und reinlese. Schadet niemandem, und es tut mir erst mal nicht weh. Und trotzdem gibt es einige solcher Romane, die zwar meinen Geschmack ganz gut treffen könnten, vor denen ich aber dennoch zurückschrecke. Vielleicht, weil ich befürchte, dass mich die Story zwischen den Buchdeckeln dann wochenlang nicht loslässt.

Ein bisschen so wird es mir jetzt wohl auch tatsächlich ergehen. Jedenfalls wird die ungewöhnliche Geschichte noch länger in mir nachhallen als die Zeit, in der ich sie buchstäblich verschlungen habe: Über 500 Seiten in drei Tagen (!), auf dem Markisen überdachten Balkon und mit wenig Unterbrechungen, die ich bei der sommerlichen Hitze von 39° Grad entweder zur Wasserauf- oder zur Wasserentnahme genutzt habe. So spannend waren die fiktiven Biografien der ebenso fiktiven Schriftstellerin Vida Winter, ihrer "Geisterschreiberin" Margaret Lea, den verwilderten Zwillingen und ihrer verruchten (toll, das Wort!) Abstammung, dass ich das Buch kaum zur Seite legen mochte.





Und auf merkwürdige Art ging es mir ähnlich wie der Erzählerin Miss Lea, die von Vida Winter engagiert wird, ihre Biografie niederzuschreiben: nach und nach wird man hineingezogen in den Bann von Angelfield, dem geheimnisvollen Anwesen in Yorkshire und dessen Bewohnern - einer so verrückt und verschroben wie der andere. Ereignisse und Tragödien spielen sich ab, die auf den ersten Blick keine sind, oder die man sich als Leser nicht erklären kann, bis es erst im letzten Drittel des Buches zu Erklärungen kommt, die plötzlich alle einen Sinn ergeben, und mit denen man nicht gerechnet hat bzw. nicht rechnen konnte, wenn man die Geschichte nicht bereits kennt. Und ich liebe so etwas! Dieses erstaunte "Uff! Wie konnte das denn...? Ach ja, natürlich!"

Einfach großartig, wie sich Vida Winters und Miss Leas Leben gleicht, ohne dass sie viel gemeinsam haben und sogar recht gegensätzlich sind. Bei Miss Lea hatte ich ständig das Lämmchen aus Daphne Du Mauriers "Rebecca" vor Augen (also Joan Fontaine^^), während die anfangs autoritär und selbstbewusst auftretende Vida Winter eine Grand Dame par exellence war. Zumindest an der Oberfläche, die im Lauf der Geschichte nicht nur äußerlich bröckelt. Und irgendwie erzählt "Die dreizehnte Geschichte" nicht nur zwei Lebensläufe, sondern auch von einer ungleichen Freundschaft, die sich erst entwickelt, dann aber aufgrund der Ähnlichkeit fast so etwas wie Ebenbürtigkeit erreicht zwischen den unterschiedlichen Frauen.

Die einzelnen Schicksale der weiteren Charaktere haben mich ebenfalls emotional sehr berührt; besonders das des etwas einfältig wirkenden, herzensguten Kuchenmeisters Aurelius. Aber auch John the-dig und Mrs. Dunne haben sich einen Platz in meinem Leserherz erobert. Am wenigsten warm wurde ich mit der kurzfristigen Gouvernante der Zwillinge, die gemeinsam mit dem Doktor "Experimente" an den beiden Mädchen ausprobiert und sich ein wenig wie ein weiblicher Gregor Mendelsohn aufführt, auch, um den Dorfarzt zu beeindrucken, wie sich später herausstellt. Und ihre Tagebucheintragungen in Kursivschrift waren sehr ermüdend. Trotzdem fand ich es schön, dass auch sie nicht einfach sang- und klanglos zwischen den Seiten verschwand. Selbst Kater Shadow, das "zierliche Gespenst", das der jungen Besucherin in Yorkshire auf Schritt und Tritt folgt, erhält ein ihm würdiges Ende.

Was mir - vielleicht erstaunlicherweise - nicht gar so gut gefiel, waren die ständigen Referenzen auf die ewig gleichen Klassiker. Dass Jane Eyre noch eine Bewandtnis mit dem Schicksal der Angelfields haben könnte, habe ich mir gedacht ohne das Buch zu kennen, doch die anderen Hinweise auf Sturmhöhe, Die weiße Frau und die übertriebene Bibliophilie beider Protagonisten erschienen mir zuweilen plakativ ("Was retten Sie zuerst? Bücher oder Menschen?"). Trotzdem ist dies mein einziger kleiner Kritikpunkt, der mich nicht davon abhält, diesem grandiosen, fantastisch geschriebenen und clever durchdachten Pageturner fünf Sterne zu geben.
 



👍👍👍👍👍



Samstag, 9. August 2014

Der fesche Knabe auf dem Coverbild vom "Grafen"



Einige meiner Leser haben mich gefragt, wer denn der junge Mann auf dem Cover meines historischen Romans "Das Bildnis des Grafen" ist. Ich fand die Frage sehr aufmerksam und interessant, denn es steckt in der Tat eine Geschichte dahinter, die mit einem meiner Hobbies zu tun hat, dem Sammeln alter Fotografien.

Zunächst einmal muss ich leider alle enttäuschen, die eine mehr oder weniger entfernte Ähnlichkeit zu mir zu erkennen glauben: der junge Mann ist weder verwandt noch verschwägert mit mir - zumindest nicht, dass es mir bekannt wäre. Ich habe dieses Foto auf dem Trödelmarkt erstanden, als wir noch auf der Jagd nach einer Wanddekoration für unsere Gästetoilette waren. So manches hängt inzwischen in der Küche, aber die meisten der auf Pappkarton aufgezogenen Aufnahmen stapeln sich bisher noch im Schrank.




Das Originalbild meines jugendlichen Grafen, das im Roman Erwähnung findet, sieht man hier in der Mitte des Fotos, das eine kleine Auswahl meiner Sammlung repräsentiert. Es ist eine Ganzkörperaufnahme, die vermutlich einen Konfirmanden Anfang des 20. Jahrhunderts zeigt. Dafür sprechen der elegante Anzug und der Hut, der neben ihm auf dem Tisch liegt - vielleicht eine Art Uniform bzw. Tracht zur damaligen Zeit. In der linken Hand hält er ein Buch, und ich nehme an, es ist die Bibel. Ein Pfarrer a.D. ließ mich das wissen. In der ersten Ausgabe des Romans befindet sich das Foto noch im Original.




Hier ist die Rückseite der Fotoplatte. Das Foto wurde in einem Stuttgarter Atelier aufgenommen, und irgendwann später der Name des Abgebildeten mit Kugelschreiber dahinter verewigt. Die Schrift selbst sieht sehr alt aus (also wie die Schrift eines alten Menschen) und witzigerweise ein bisschen wie die meines Opa selig, der auch aus dem Schwäbischen stammte. Der Junge hieß wohl Adolf Nägele, wenn ich das richtig entziffere. Ich habe ein wenig gegoogelt und herausgefunden, dass es in Stuttgart eine Einzelhandelsfirma dieses Namens gab, die 1876 gegründet wurde, heute aber nicht mehr existiert. Es wäre möglich, dass es sich bei dem Buben um einen Sohn des Kaufmanns handelt.

Wenn Adolf Nägele wüsste, dass sein hübsches Jungengesicht für einen englischen Grafen aus einem Roman verwendet wurde, wäre er dann geschmeichelt oder verärgert?

Glücklicherweise verletze ich aufgrund des Alters der Fotografie keine Urheberrechte, da diese - sofern nicht anders angegeben - nach siebzig Jahren erlöschen. Aber es wäre trotzdem nicht unspannend zu erfahren, welche Geschichte wirklich hinter dem geheimnisvoll wirkenden jungen Mann steckt.




Montag, 23. Juni 2014

The Imitation Game ~ Bio-Pic mit Benedict Cumberbatch über Entschlüsselungsgenie Alan Turing

Warum spielt Benedict Cumberbatch eigentlich überdurchschnittlich oft verkopfte Genies, wo er doch privat ein ganz Lieber ist und mal gerne in einer romantischen Komödie auftreten würde? Ich verstehe das nicht so ganz, könnte man dem Mann doch hin und wieder erlauben, seine Wandlungsfähigkeit auszuleben. Immerhin hat er offenbar in der Tragikkomödie "August: Osage Country" überzeugend den liebenswerten *Dorftrottel* gespielt, und das auch noch vor Aufregung zitternd an der Seite von Grande Dame Meryl Streep. Respekt und Bonuspoints!

Mitte November reiht sich neben Sherlock Holmes, Julian Assange und Stephen Hawking ein weiteres mathematisches Wunderkind in seine Filmografie ein: da startet "The Imitation Game" in den Kinos, eine Biografie über den englischen Wissenschaftler Alan Turing (1912 - 1954), der nicht nur die deutsche Enigma im zweiten Weltkrieg dechiffrierte und am ersten Entwurf eines Schachcomputers bastelte, sondern auch Apple zu ihrem Logo inspiriert hat. Tief depressiv und aus Verzweiflung über seine aufgezwungene Hormonbehandlung bzw. Sterilisation, der er sich aufgrund seiner Homosexualität unterziehen musste (wie grausam!) soll sich der bekennende "Schneewittchen"-Fan mit einem Cyanid versetzten Apfel umgebracht haben. 
 

Pixabay /skeeze

 
Die Geschichte hinter dem Logo ist laut der Firma nur ein Gerücht, aber wenn sie nicht wahr ist, so ist sie doch gut erfunden und wäre marktstrategisch auch nicht unklug. Denn ehrlich - wer will schon einen wahllos angebissenen Apfel kaufen? Dann lieber einen, der die Henkersmahlzeit eines neuzeitlichen, wenn auch wenig bekannten Pioniers war. Alan Turing wurde übrigens posthum eine königliche Entschuldigung für die Sterilisation ausgesprochen.

Den Film werde ich mir ansehen. Schon allein deshalb, weil Bennys klassisch nostalgischer Herrenhaarschnitt und die Hosenträger so unheimlich sexy sind. An sich mag ich solche deprimierenden Filme nicht so sehr, in denen die Protagonisten am Ende ins Gras respektive in vergiftete Äpfel beißen, und die Themen Informatik und Spionage kommen mir obendrein ziemlich trocken vor. Darum habe ich auch auf "The Fifth Estate" verzichtet, obwohl ich mich mit Fug und Recht als Cumberbabe bezeichnen darf.

Leider wird meine Vorfreude nicht nur durch die kopflastige Thematik getrübt: Keira Knightley, die toughe Piratenbraut aus "Fluch der Karibik" spielt die weibliche Hauptrolle (muss das überhaupt sein? Im "Imitation Game" geht es doch offensichtlich um Männersachen). Es geht mir nicht mit vielen Schauspielerinnen so, aber einige finde ich einfach überschätzt und ihr Spiel nervig und over the top. Keira Knightley gehört zu ihnen.

Aber ach, ich habe eben eine Schwäche für gutaussehende britische Gentlemen. Und für Benedict Cumberbatch im Besonderen.