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Donnerstag, 20. Januar 2022

Die Vergeltung des roten Korsaren (1958) ~ Piratenfilm mit Lex Barker

Zufällig ist mir das Cover dieser DVD ins Auge gesprungen, und da ich von klein auf großer Lex Barker- und auch Piratenfilm-Fan bin, habe ich den Film mit einigen anderen des US-Schauspielers bestellt, der nach fünf Tarzan-Spielfilmen und einer Reihe von B-Western vor allem in Europa eine beispiellose Karriere gemacht hat. Kaum ein Streifen der 1950er/60er kommt ohne Lex Barker aus, den blonden Hünen mit dem markanten und buchstäblich wie gemeißelten Gesicht. Dass es Filme zu purer Unterhaltung bar intellektuellen Anspruchs waren, tut dem Spaß beim Anschauen keinen Abbruch. Und dann ist der Mann ja auch noch was fürs Auge... 👀



Inhalt: Ende des 18. Jahrhunderts macht der Edelmann Enrico di Ventimiglia (Lex Barker) als roter Korsar die Weltmeere unsicher, um den Tod seines Vaters zu rächen (vermutlich Burt Lancaster aus "Der rote Korsar", das wohl als inoffizielles Prequel gilt) und für Gerechtigkeit zu sorgen. Als er einen Verräter fasst, der sich auf einer gekaperten Galeone versteckt hielt, erfährt er, dass seine totgeglaubte Halbschwester noch lebt und verliebt sich außerdem in die rassige Marquesa Carmen di Montelimar (die aus Österreich stammende Silvia Lopez), die er aus den Klauen seiner ausgehungerten Männer befreit. 

Es beginnt eine etwas verwirrende Suche nach der Schwester Neala, die nicht nur für Enrico von Interesse ist. Ist sie doch zugleich die Prinzessin eines Indiovolkes und würde außerdem durch eine Heirat mit dem Gouverneur von Panama diesem zu großem Einfluss verhelfen. Doch Neala ist in den Bruder der Marquesa verliebt und zudem die Zofe von Carmen. Kurz, jeder will nicht nur *ein* Stück vom Kuchen, sondern den ganzen abhaben. Und dann ist da noch die für den Grafen entflammte Carmen, die nie weiß, ob sie seinen Worten trauen kann. Dennoch findet Enrico unerwartet Verbündete auf seiner Mission, die er mit Gewieftheit und Heldenmut meistert.

 Meinung: Zugegeben, ich bin etwas befangen, wenn es um Lex Barker geht. Als Mensch und Schauspieler finde ich ihn einfach toll, und in diesem Kostümschinken, der sein erster auf europäischem Boden ist, lässt er sogar hin und wieder schelmischen Errol Flynn-Charme hervorblitzen, an dem er sich offenbar orientiert hat. Und außerdem macht er in jeder Verkleidung eine klasse Figur. Die Ausstattung, Musik und die farbenprächtigen Kostüme haben mir ebenfalls gut gefallen und mich sogar überrascht. In der Hinsicht steht der Film modernen Piraten-Adaptionen in nichts nach. Als sehr authentisch und schmissig empfand ich die Szene der Tänzerin mit den jamaikanischen Eingeborenen (ist der Ausdruck rassistisch? Falls ja, entschuldige ich mich.), die an eine Combo junger Harry Belafontes erinnern. Frivoler und stimmungsvoller konnte das auch Black Sails nicht einfangen.

An manchen Stellen war mir die Story allerdings ein bisschen verworren und die Kumpane des Grafen zu albern, aber das ist wohl dem Geschmack des damaligen Publikums geschuldet. Die Bildqualität hätte ich mir für den Preis von 13,00 Euro schärfer gewünscht - man ist ja so verwöhnt durch die allgegenwärtige HD-Qualität. Trotzdem hat er mich gut unterhalten und in Nostalgie schwelgen lassen, denn zum ersten Mal gesehen habe ich ihn natürlich nicht. Aber fragt mich nicht, wie lange das her ist.

Jedenfalls ist es kein Wunder, dass man sich im römischen Cinecittà die Finger nach Lex Barker geleckt hat. Nicht nur, dass er athletisch, sportlich und gutaussehend war; er sprach auch fließend Italienisch, was den Produzenten und Regisseuren zugute kam. 

"Die Vergeltung des roten Korsaren" legt den Grundstein für viele weitere zweiklassig rund um den Globus gedrehte Abenteuerfilme mit Lex Barker, der auf diese Weise zum Kosmopolit wird. Das muss ihm erst mal einer nachmachen.

 

Bewertung: 💫💫💫💫



Donnerstag, 16. Februar 2017

Review "Die Königin und der Leibarzt" (A Royal Affair)

In Dänemark gehört die tragische Affäre zwischen Königin Caroline Mathilde (1751-1775) und dem deutschen Arzt Johann Friedrich Struensee (1737-1772) zum Kulturgut. Hierzulande wurde sie immerhin anno 1955 unter dem Titel "Herrscher ohne Krone" verfilmt.

Die Geschichte zur neuen Version von 2012 klingt klischeebeladen und wie aus einem Groschenroman, und man mag kaum glauben, dass sie sich höchstwahrscheinlich exakt so abgespielt hat, wie es im Film dargestellt wird. Trotzdem gehört er zu meinen momentanen Lieblingsfilmen. Die atmosphärische Ausstattung, die tollen Schauspieler und vor allem ein überragender und sexy  Mads Mikkelsen in der Rolle von Johann Struensee sorgen dafür, dass ich als Zuschauer die damalige Zeit miterlebe und mittendrin bin. Vielleicht liegt der Charme des Films auch an der emotionalen Kraft der Bilder, von denen jedes wirkt wie ein Gemälde.

Handlung: Dänemark, 1769. Die aus England stammende Caroline von Hannover (Alicia Vikander) wird mit dem dänischen Prinzen Christian VII. (Klasse: Mikkel Boe Følsgaard) verheiratet. Die Ehe ist nicht glücklich, denn Christian stellt lieber vollbusigen, ordinären Animierdamen nach und ist auch ansonsten wenig zartfühlend. Da er obendrein von oft vulgärer und kindischer Natur ist, bescheinigen ihm der Hof und seine Stiefmutter Juliane ein umnachtetes Gemüt. Während einer Reise durch Europa lernt Christian den deutschen Arzt Struensee kennen, der anonyme Pamphlete gegen Adel und Kirche verfasst und ein Anhänger Voltaires ist. Da Struensee ihn ernstnimmt, fühlt sich Christian erstmals im Leben verstanden. Sofort entwickelt er große Zuneigung zu dem nicht nur in medizinischen Belangen progressiven Struensee. Er ernennt ihn zu seinem Leibarzt und lässt ihn später sogar die Regierungsgeschäfte übernehmen - sehr zum Verdruss des hofstaatlichen Rates.



"Don't touch the paper! It's poisoned."

 

Doch nicht nur die Geschäfte vertraut er ihm an - er soll seine lethargische Ehefrau von ihrer Melancholie heilen und sie "lustig machen". Das gelingt Struensee schneller als der Aufstieg zum König von Preußen. In den Nächten teilen Caroline und Johann das königliche Bett miteinander, bei Tag bestimmen Christian und Johann neue Gesetze und Dekrete zum Wohl des Volkes. Adel und Klerus kochen vor Wut.

Als die Affäre durch eine innige verräterische Geste während eines Spaziergangs durch den Park von Stiefmama Juliane entdeckt wird, sieht der Adel seine Chance gekommen, den Spieß umzudrehen, das Land vor ketzerischer Aufklärung zu bewahren und die alten Zustände wiederherzustellen.


Dieses Ziel verfolgen sie mit Härte und schweren Konsequenzen für die königliche Familie und Struensee. Mit einer Lüge schüchtern die ehemaligen Ratsherren und Grafen den König ein und zwingen ihn dazu, Struensee verhaften zu lassen. Ohne sein Wissen und mit der Hoffnung auf Begnadigung wird dieser gemeinsam mit einem Freund im Frühling des Jahres 1772 einen Kopf kürzer gemacht. Am Ende versinkt Dänemark wieder ins finstere Mittelalter und Christian VII. in völlige Umnachtung. Die nach Celle verbannte Caroline stirbt an Scharlach. Ihre beiden Kinder von zwei Vätern sieht sie nie mehr wieder. Doch ihr Sohn führt Jahre später Struensees angefangenes Werk fort und verhilft seinem Land zu Gleichberechtigung und Freiheit.

Meinung: Wo Mads Mikkelsen mitmischt, kann ich nicht unparteiisch sein. (O; Als Schauspieler und Typ finde ich ihn einfach unwiderstehlich! Die Rolle des Dr. Struensee - verständnisvoll, charismatisch, sinnlich, ambivalent, analytischer Beobachter und ermutigender Berater  - passt ihm wie maßgeschneidert. Außerdem hat er mich bisher noch nie enttäuscht in irgendeinem Film. Und ich merke, dass ich doch ein olles Fangirl bin...

Auch der junge Mikkel Boe Følsgaard  - preisgekrönt für Christian VII., mit dem er sein Filmdebut gab - beeindruckt in jeder Szene, sei er unflätig, frivol, unsicher oder kindlich eifersüchtig auf jeden, der Struensee zu nahe kommt.

Fazit: Obwohl eindeutig als Kostümfilm konzipiert, wirkt der Film an keiner Stelle angestaubt, manchmal sogar verblüffend aktuell. Wer sich zudem gern von einem grandiosen Mads Mikkelsen und schönen Bildern vom historischen Dresden und Kopenhagen verzaubern lassen und einen Blick in die Geschichte werfen möchte, dem sei "Die Königin und der Leibarzt" aufs Wärmste empfohlen.


Bewertung: volle Punktzahl


👍👍👍👍👍

  






Bildquelle: Amazon


Freitag, 11. März 2016

Ein (teutonisch schwerfälliges) Versprechen (2013) - Review

Nach meinem Empfinden schlechte Filme rezensiere ich eigentlich ungern - vor allem, wenn mehrere Schauspieler darin mitwirken, die ich generell gerne sehe, wie in "Ein Versprechen" Rebecca Hall und Alan Rickman als Ehepaar. Das hätte trotz des großen Altersunterschiedes reizvoll sein können. War es aber nicht. Die beiden hatten kaum miteinander zu tun; dafür schiebt sich ein vampiristisch blutleerer Typ zwischen sie, dem Lachen oder eine Mimik überhaupt zu zeigen offenbar wehtut und der so arrogant und plump agiert, dass ich ihn an der Stelle der Fabrikantengattin sofort hochkant rausgeworfen hätte aus meinem Leben.

Wirklich, einer banalen und behäbigen Dreiecksgeschichte wie dieser aus der Feder des deutschen Schriftstellers Stefan Zweig hätte es gutgetan, der jungen Frau Charlotte Hoffmeister wenigstens einen charismatischen Liebhaber zur Seite zu stellen und kein Bübchen, das höchstens Teenagerherzen höher schlagen lässt, denen der blasse Richard Madden aus "Game of Thrones" ein Begriff ist (und der dort vielleicht besser spielt - das kann ich nicht beurteilen). Aber jetzt mal der Reihe nach

Inhalt: Deutschland, 1912. Ein junger blutleerer Typ namens Edward Friedrich bewirbt sich in der Gießerei des wohlhabenden Carl Hoffmeister und steigt schon bald zu dessen Privatsekretär auf. Was niemand weiß: der Chef ist todkrank und möchte seine "Schwäche" vor den Angestellten und seiner Familie geheimhalten. Nur Friedrich weiß "zufällig" durch einen Herzanfall in der Fabrik davon. Er verliebt sich außerdem in die lebensfrohe Gattin des Großindustriellen und macht sich im Kreis der Familie Hoffmeister bald lieb Kind unentbehrlich.

Carl bleiben die Avancen und begehrlichen Blicke, die zwischen Friedrich und Charlotte fallen, nicht verborgen. Er schickt Friedrich für zwei Jahre nach Mexiko, damit er dort die Fortschritte des neuen Werks überwacht. Der Krieg in Europa verzögert das Wiedersehen. Doch eigentlich stellt der altruistische und selbstlose Carl die Liebe der beiden auf die Probe, denn er gesteht Charlotte auf dem Sterbebett, dass es von Anfang an sein Plan gewesen war, die zwei vor dem Hintergrund seiner tödlichen Krankheit zusammenzubringen (Ach nee jetzt!).





Meine Meinung: Abgesehen davon, dass mir der Jüngling so überhaupt nicht gefiel, gibt es zum Film selbst wenig zu sagen. Die Ausstattung war schön und üppig, wie man das von Hollywood-Kostümfilmen gewöhnt ist, und dennoch ist der Nachgeschmack fade wie der ganze Film. Nichts Überraschendes geschieht, nichts Emotionales oder Berührendes (einzige Ausnahme: Charlotte schreckt von einem Alptraum hoch und wird von Carl liebevoll zurück in den Schlaf gewiegt), und wie sollte es auch, wenn das Drehbuch von deutscher Biedermeierei nur so strotzt und einer der Hauptdarsteller sich einzig darauf konzentrieren muss, sich gut in Szene zu setzen. Von ihm hätte ich gern weniger gesehen und stattdessen mehr von Alan Rickman. Es war nicht seine Glanzrolle, und in der Tat konnten weder er noch Rebecca Hall den Film retten, aber er ist ein toller Schauspieler, der Besseres verdient gehabt hätte als neben einem hölzernen Brad Pitt der Neuzeit zum Statisten zu verkommen.

Fazit: Langweilige Literaturverfilmung. Wechselt zwischen deprimierend, melodramatisch, schwerfällig und ist absolut kein Spaß. Hätte ich vorher gewusst, dass es sich um die Verfilmung eines Werkes von Stefan Zweig handelt, dessen Bücher in der Schule Pflichtlektüre sind (warum auch immer), ich hätte die Finger davon gelassen - trotz Rickman / Hall, die eine gute Chemie gehabt hätten, wäre man mehr darauf eingegangen. Allerdings wurde bei der öden Vorlage wahrscheinlich nicht mal Potential verschenkt...



Bewertung: 
👍👍



Samstag, 26. September 2015

Bombastische Kostümfilme in den 1990ern

Irgendwie scheinen sie im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts groß in Mode gewesen zu sein, und das vermutlich nicht von ungefähr: Opulent ausgestattete Kostümschinken, die lange Zeit zuvor verpönt waren und Anfang der 1990er dank den Merchant / Ivory-Filmen eine neue, kurze Blütezeit und Renaissance erlebten. In meiner Videothek befinden sich noch etliche Filme dieses Genres und eben jener Zeit, was mich kürzlich beim Aussortieren selbst überrascht hat - aber nur ein bisschen. Zugegeben, von ein paar würde ich mich nicht trennen, und bei manchen tut es mir rückblickend fast leid, dass ich es getan habe.

 

 

Im Zuge meiner Aussortierungswut habe ich mir "Meine Unsterbliche Geliebte" mit Gary Oldman als Beethoven angesehen; ich mochte den Film früher und dachte, ich könnte ihn mir mal wieder zu Gemüte führen, da ich die Geschichte so gut wie nicht mehr kannte. Aus gutem Grund, wie mir dann dämmerte. Bis auf die bereits erwähnte sorgfältig authentische Ausstattung und dem Flair des 18. Jahrhunderts war der gesamte Film dermaßen grottig, dass ich mich wunderte, wie ich ihn mal gut finden konnte. Nicht einmal Gary Oldman konnte den Schmu retten, auch wenn er eine tolle Figur in Kniebundhosen machte. Im Gegenteil; er kam mir - wie alle anderen Schauspieler auch - zu dick aufgetragen in Gestik und Sprache vor. Alles wirkte grotesk und theatralisch bis zur Grenze der Glaubwürdigkeit, die scheinbar ohnehin nicht angestrebt wurde. Nicht schlimm in einem fiktionalen Werk, und doch hat mich der Film geärgert.

Merkwürdigerweise ging es mir fast genauso mit "Mary Shelley's Frankenstein", der gestern im Fernsehen lief. Aus demselben Jahr wie der Beethoven-Film, ließ er sich für mich auf dieselbe Formel reduzieren: Sämtliche Schauspieler nerven mit einem Over-Acting, das irgendwie deplatziert und melodramatisch wirkt - selbst in Szenen, in denen keine Melodramatik nötig oder weniger mehr gewesen wäre. Dass der Hauptdarsteller Kenneth Branagh einen Hang zur Selbstdarstellung hat und sich gerne in Szene setzt, ist ja kein Geheimnis und auch ok, wenn man sich daran gewöhnt hat.

Doch pathetisch-symbolische Hilfsmittel wie die blutrote, kilometerlange Schleppe der geliebten Adoptivschwester, minutenlanges Greinen im Close-Up und Robert de Niros gummiartige Frankenstein-Kreatur gingen mir nach spätestens einer halben Stunde auf den Senkel. Na gut, widerwillig amüsiert habe ich mich auch. Und mich gefreut, dass ich einige Schauspieler sah, die nur in den 1990ern gefragt waren und danach wieder in der Versenkung verschwanden wie beispielsweise der unheimlich blauäugige Aidan Quinn, den ich in weiteren Filmen sehr mag und der in Frankenstein einen kleinen Auftritt als Polarforscher hatte. 

Auch hier gefielen mir die sorgfältige Kostümierung und das Setting, aber das mitunter videoclipartige Flair und Sir Kenneths demonstrativ zur Schau gestellter Waschbrettbauch waren mir einfach too much und haben die positiven Aspekte unangenehmerweise aufgewogen.

Ich frage mich, ob sich das Zuschauerverhalten bzw. meine Wahrnehmung geändert hat oder man allgemein in neueren Filmen subtiler agiert. Denn ehrlich: hochkarätige Mimen, als die zumindest Gary Oldman und Robert de Niro ja ehrfürchtig bezeichnet werden, stelle ich mir souveräner und weniger theatralisch vor. So ganz hinter einer Maske zu verschwinden und den Berserker oder das Enfant terrible zu geben, ist in meinen Augen keine allzu große Kunst.

Aber vermutlich bin das nur ich. Zu Gary Oldmans Ehre muss ich hinzufügen, dass ich ein Fan von ihm war / bin und ihn in anderen Rollen in weitaus besserer Erinnerung habe - vielleicht aber auch deshalb, weil die Figuren, die er dort spielt, keine teutonischen Wurzeln haben. Jedenfalls wandert "Immortal Beloved" demnächst auf meine Liste der ausgedienten Filme.





Donnerstag, 1. Januar 2015

"Austenland" (2013) Review

Wie angekündigt, kommt meine Rezension zu "Austenland", der die Ehre hatte, der letzte Film des alten Jahres zu sein. Gepasst hat das wie die Faust aufs Auge zu Silvester: knallig bunt, abgefahren, und irgendwie auch romantisch mit einem Neuanfang, der kitschig und schön zugleich war.

 Wer mein Blog ein bisschen verfolgt, wird wohl wissen, dass ich per se keine Liebesfilme oder -komödien mag. Und trotzdem fand ich "Austenland" recht gelungen und habe mich richtig gut dabei unterhalten. Die weibliche Hauptfigur hätte ich mir weniger forsch gewünscht (schließlich ist sie Jane Austen-versiert und somit nicht zwingend ein Vamp, der allen Männern den Kopf verdreht), aber die originelle Idee und die übrige Besetzung haben mich dafür ein wenig entschädigt.




Inhalt: Die Amerikanerin Jane Hayes ist um die dreißig und immer noch Single. Schuld daran sind laut ihrer Freundin Jane Austen und deren Kreation des aufrechten und illusorischen Mr. Darcy, der in Gestalt einer Pappfigur von Colin Firth in ihrer Wohnung haust.

Um ihrem echten Mr. Darcy zu begegnen, reist Jane nach London ins Austenland, einem Themenpark, der komplett auf die Regency-Zeit und Jane Austen ausgerichtet ist und Fans aus der ganzen Welt anlockt. In England angekommen, freundet sie sich mit einer Gleichgesinnten (unheimlich komisch: Jennifer Coolidge) an. Gemeinsam erkunden sie den Park und stoßen dabei auf verkleidete Schauspieler, die angewiesen wurden, ein Auge auf sie zu werfen, um das Jane-Austen-Feeling des gebuchten Pauschalpakets bei den Gästen nicht vermissen zu lassen, denn was wäre Jane Austen ohne Männlein und Weiblein auf Freiersfüßen?

Jane erwählt ihren Mr. Darcy in Stallknecht Martin, doch sie ahnt nicht, dass die teils exaltiert, teils gelangweilt wirkenden Angestellten des Parks nach einer strikten Regel handeln, die da heißt, die Mauerblümchen heftigst zu umwerben... schließlich soll der Urlaub in einer anderen Zeit unvergessen bleiben und weiterempfohlen werden. Es kommt, wie es kommen muss, und dann doch wieder ganz anders. Jane Austen-mäßig eben.

Meine Meinung: In einem Themenpark aus vergangenen Epochen wäre ich auch gerne mal Gast, besonders, wenn die Männer vollendete Kavaliere sind und einer Frau kurzerhand aus rein praktischen Gründen den Unterrock zerreißen, nämlich um sie im Herrensitz galant aufs Pferd vor sich zu platzieren und sie danach auf Händen tragen. Von den schmucken, niedlichen Zimmern und der damaligen Mode ganz zu schweigen. Schade, dass Austenland nur fiktiv ist.

JJ Feild parodiert seine Rolle als Gentleman der BBC-Austen-Verfilmungen mit Bravour (auch wenn er als Henry Nobley anfangs ein wenig blutleer wirkt), und die laute und geradlinige Elizabeth "Charming" (Jennifer Coolidge) hat mir gut gefallen. In ihrer unbekümmerten Art hat sie der betont auf Emanze gemachten Hauptdarstellerin Keri Russell schon beim ersten Zusammentreffen die Show gestohlen. Die Nebendarsteller sind allesamt irgendwie schrullig und daher liebenswert - auch wenn sie ihren beiden amerikanischen Gästen nur Blendwerk bieten. Ein Highlight war für mich das aufgeführte Theaterstück, in dem die Schauspieler gewollt hölzern und unprofessionell agieren.

Das Ende hat mich dann doch überrascht. Na ja, nicht wirklich. Obwohl ich ihre Bücher nicht kenne, weiß ich doch so viel, dass  sich Jane Austen auf die kurze Formel "Jedes (optional widerspenstige) Töpfchen findet mal sein Deckelchen" (oder umgekehrt?) zusammenfassen lässt. Und genau so war's in Austenland. Vorhersehbar, aber irgendwie zum Seufzen schön. Denn just nachdem Jane von ihrer Jane Austen-Manie ein für alle Mal geheilt ist, findet sie ihren Mr. Darcy. Oder besser gesagt, er sie.

Fazit: Ein Familienfilm, der natürlich besonders die Austen-Liebhaber/innen begeistert. Da ich keine bin, und den Film dennoch sehr nett fand ( mit JJ als Bonus...), würde ich ihn jedem Zuschauer empfehlen, der ungewöhnliche romantische Geschichten zu würdigen weiß - oder besser gesagt: jeder Zuschauerin. Für die Mehrzahl der Männer dürfte "Austenland" zu wenig actiongeladen sein - aber ist ja bei Jane Austen nicht anders.


Bewertung:
👍👍👍 und ein halber 👍





Sonntag, 10. August 2014

Arty Farty und Splattermovie ~ Gothic (1986)

Ich gebe es widerwillig zu: Seit ich "In Treatment" mit Gabriel Byrne gesehen habe, bin ich versucht, mir ein paar der alten Filme aus meiner heißen Fangirl-Phase wiederzubeschaffen. Zum Glück habe ich die wirklich guten Filme mit ihm aufgehoben, und eigentlich bin ich ganz froh, die schlechten losgeworden zu sein. Denn ehrlich, Rotten Tomatoes waren schon darunter. Bei einer konnte ich aber nicht widerstehen: "Gothic" habe ich leider neulich bestellt und gestern wieder angeschaut. 


 

 (Kurze) Handlung und Meinung: In dem Film geht es um den berüchtigten Besuch von Percy Shelley und seiner späteren Frau Mary, den sie dem berühmten Dichterkollegen Lord Byron 1816 im Genfer Exil abstatten. Dabei ist außerdem Marys Stiefschwester Claire, eine nervende, hysterische Gans, die behauptet, vom großen Poeten Byron schwanger zu sein. Was kein Wunder wäre und ist, so wild wie er über alles herfällt, das bei Drei nicht auf den Bäumen ist (was ich aber ganz witzig anzusehen fand). Timothy Spall, der ekelerregende Bösewicht, der in jedem Film die Hosen nicht nur sprichwörtlich herunterlassen muss, war auch mit von der Partie. Als schwuler, serviler Leibarzt des Lords, der sich vergeblich nach ihm verzehrt.

Der Arme scheint seit dreißig Jahren stereotyp gecastet zu werden.

Trotz Kult-Charakter geriet Gothic zu Recht bei mir völlig in Vergessenheit: es gibt keine Handlung, nur wirres Herumgerenne, tote Babyattrappen und mechanische lebensgroße Puppen, schwüle Erotik, Ekel-Effekte mit künstlichem Getier und mehr oder weniger angedeutete Sexspielchen zwischen den moralisch entfesselten Protagonisten, die den Zuschauer darauf hinweisen sollen, dass Byron der Vorreiter der Hippie-Bewegung war und seine Villa eine Art Kommune, in der zwei Frauen und drei Männer mithilfe von Opium und Laudanum ihren exzentrischen Wahn ausleben und damit, wie Percy Shelley / Julian Sands behauptet, die freie Liebe propagieren.

Am Morgen nach der Horrornacht kündigt Mary / Natasha Richardson versonnen ihre Absicht an, einen Roman zu verfassen, in dem sie eine nicht lebensfähige Kreatur wie ihr frühgeburtliches Kind zum Leben erweckt, und die Idee zu Frankensteins Monster war geboren.

Trotz der bildgewaltigen Sprache und unbestreitbar opulenten Szenen fand ich den Film langweilig, und schlimmer noch: bemüht. Teilweise waren die Kulissen zu künstlich und die Schauspieler zu dramatisch. Allen voran Julian Sands, damals ein Garant für Kostümfilme à la Merchant / Ivory oder schlechten Geschmack. Der einzige, dem es gelingt, seine Rolle mit Charisma auszufüllen, ist Gabriel Bryne alias Lord Byron. Und das sage ich nicht nur als Fan.

Einen latenten Unterhaltungswert und vor allem ein gewisses Maß an Kuriosität hat "Gothic" jedoch schon zu bieten, und wer sich gerne mal ein bisschen gruseln will und lässt (denn mit Spinnenweben überzogene Skelette in jeder Ecke sind wirklich out! Gruselig dagegen die Androiden und die Wachsbabys), verkraftet auch mal echten Trash ohne Anspruch. Außerdem gebührt dem Regisseur Ken Russell schon ein wenig Respekt: aus einem Drogentrip fast neunzig Minuten Film zu produzieren, gelingt nicht jedem.


Bewertung: Trashige

👍👍👍




Sonntag, 13. Juli 2014

Der Mann in der eisernen Maske (1998)

Auch wenn er nicht explizit unter meinen Lieblingsfilmen aufgeführt ist - dieser gehört definitiv dazu! Das ist kein Zufall. Meine Vorliebe für sogenannte Swashbuckler-Filme wurde schon früh gesät: Im zarten Alter von fünf oder sechs Jahren durfte ich spät abends wachbleiben, um mir eine uralte, noch in schwarzweiß gedrehte Musketier-Verfilmung anzusehen. Piraten- und Abenteuerfilme taten ein übriges, mein Interesse für das ausgestorbene Genre Kostümschinken zu wecken, das Ende der 1990er Jahre ein Revival erlebte. 




 "Der Mann in der Eisernen Maske" mit einem fantastischen (noch jungen und fast ätherisch schmalen) Leonardo DiCaprio in einer Doppelrolle als König Louis und dessen eingekerkertem Bruder Philippe ist für mich nicht nur wegen dem illustren Cast überragend, sondern auch, weil er trotz markiger Sprüche und teils plumpen Altherrenwitzen auf Kosten eines weinerlichen Gerard Depardieu die einzige jüngere Verfilmung nach Alexandres Dumas' Klassiker ist, die für mich nicht lächerlich wirkt. Allein die Idee, die drei ausgemusterten Musketiere Artos, Portos und Aramis ins Rentenalter zu verbannen und sie ein bisschen neidisch auf den noch agilen D'Artagnan schielen zu lassen, der zur Leibgarde des Königs avanciert ist, finde ich originell.

Neben dem zuweilen etwas  feucht-derben Humor besticht der Film mit einer ordentlichen Portion Heldenmut, Dramatik und einer großen Romanze zwischen der Königin und ihrem loyalen Hauptmann D'Artagnan in einem opulenten Setting. So stelle ich mir lohnenswerte, verregnete Sonntagnachmittage oder abendliches Popcorn-Kino vor. Na gut, John Malkovich übertreibt es in der Originalfassung mit dem gekünstelten, angehaucht französischen Akzent, aber eigentlich verzeihe ich ihm das gern. So wie die gelegentlich recht auffälligen Pappmacheekulissen und ein paar dick aufgetragene Momente, die durchaus ihre Berechtigung haben und mitten ins Herz treffen.

Ich kann ehrlich sagen, dass mich das Ende jedes Mal zu Tränen rührt. Ich meine, wer muss nicht heimlich oder gedanklich zur Kleenexbox greifen, wenn im Showdown offenbar wird, was sich durch den ganzen Film zieht und sich herausstellt, dass der Titelheld ein ganz anderer war als der unter entwürdigenden Umständen gefangengehaltene Bruder des skrupellosen Königs?

Sicherlich ist dieser Film kein Meisterwerk oder ein Klassiker. Schon gar nicht in der Filmografie der Hauptakteure (allen voran der von Leonardo DiCaprio, der sich heute vermutlich für die seichte Unterhaltung am liebsten in Grund und Boden schämen würde). Dennoch kann ich ihn mir immer wieder anschauen und finde ihn immer wieder anrührend, charakterstark, psychologisch ausgefeilt und atemberaubend zugleich.

Bewertung: Ein Must See für Jungs und Mädels jeder Altersklasse. ACHTUNG: Taschentücher bereithalten!


👍👍👍👍👍