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Freitag, 19. Dezember 2025

Das Bildnis des Grafen: Carrick Escaray und sein treues Pferd Gospodin

An früherer Stelle habe ich bereits von meinen Erfahrungen bei der Bilderstellung mit KI berichtet. Meine Cover entstanden so, meist mit einer handgezeichneten Vorlage als Basis. Dasselbe habe ich nun mit meinen Grafen ausprobiert, nur so als Spielerei. Und ich bin derart begeistert von den Ergebnissen, dass ich sie hier teilen möchte. 

 


 

Auf dem Foto ist Carrick wohl noch etwas jünger als wie zur Zeit, in der der Roman spielt. Aber schon immer hat er ein besonderes Verhältnis zu seinem Gospodin, der bereits weit über zwanzig Jahre alt ist, als Dr. Renoir und Valentine seine Bekanntschaft machen. Gospodin nimmt dem Psychologen einen Teil seiner Arbeit ab und erleichtert den kommunikativen Zugang zu dessen jungen Patienten. Das fällt sogar Dr. Renoir auf. Während sie das Moor durchqueren, wird Gospodin zu einem wichtigen Partner, der Valentine das erste Mal seit langer Zeit zum Sprechen ermutigt. 

Pferde spielen in "Das Bildnis des Grafen" und in "Fairlight" eine kleine, aber feine Rolle. Nach Katzen und Löwen sind sie meine Lieblingstiere von klein auf. Ihre Kraft und Schönheit haben mich immer fasziniert, und nicht zuletzt war ich durch eine pferdebegeisterte Verwandtschaft schon als kleines Mädchen in Ställen und bin um geduldige und standfeste Pferdebeine herumgewuselt.

 Carrick und Gospodin sind ein eingespieltes Team, doch im Roman sieht man sie nur ein einziges Mal zusammen, in dem sie Notiz voneinander nehmen, und selbst dann ist Valentine sich nicht sicher, nur geträumt zu haben. Im Stall begrüßen sich Herr und "Herr" herzlich, wobei Valentine zum ersten Mal bemerkt, dass Gospodin kein junger Spund mehr ist und Anzeichen von Gebrechlichkeit zeigt, die sonst nicht in Erscheinung treten. 

Es geht ohnehin ein bisschen unheimlich zu auf Escaray Hall. Beide Besucher - Dr. Renoir und Valentine - können oft ihren Augen und Ohren nicht trauen und schieben die unerklärlichen Vorkommnisse auf ihre traumatischen Kriegserfahrungen. Sie ahnen nicht, dass das Schloss des Grafen nicht so verlassen ist, wie es scheint... oder sitzen sie doch einem Spuk auf?

 


Hier ist besagte Stelle als Leseprobe:  

Bevor er sich den Tod holte, würde er das Pferd versorgen und dann wieder ins Haus schlüpfen. Wie dumm er war. Bestimmt träumte er, selbst da dieser Traum realistischer ausfiel als die Halluzinationen, das Inferno der Granaten und der permanenten Artillerie, von der er halb taub wurde. Am Gatter der geräumigen Box, die Valentine für Gospodin vorsah, lungerte die Silhouette eines rauchenden Gentleman herum. Der Wallach spielte verrückt, er warf den Kopf auf und ab und tänzelte auf ihn zu, wobei er gefährlich mit der Hinterhand ins Schlittern geriet. Auf einmal bemerkte Valentine dessen Gebrechlichkeit, seine steifen Beine und die Stichelhaare im stumpfen Fell. Skrupel plagten ihn, weil er den greisen Gaul so zur Eile angespornt hatte. Aber er war ihm gar nicht so hinfällig, mitleiderregend erschienen, ganz im Gegenteil, er selbst hätte ein gemächlicheres Tempo vorgezogen. Seit er abgestiegen war, war der Wallach in Sekundenschnelle gealtert. Der Herr, sich bewusst, dass Rauchen im Stall einer Sünde gleichkam, trat gewissenhaft seine Zigarette aus, wandte sich dann dem Klepper zu und fasste nach der Kandare, um ihn in seiner Ausgelassenheit zu bremsen. 

 „Was ist denn? Du tust so, als sähest du mich zum ersten Mal seit hundert Jahren wieder. Wirst dir noch die Beine brechen ... Ist ja gut, mein Alter ...“Er streifte mit den Lippen das ausdrucksvolle Pferdegesicht, schmuste mit ihm wie mit einem lieben Freund. Die markante Strähne in seinem Haar drapierte sich wie ein Zeichen der Solidarität über das schaumbeflockte, genüsslich zuckende Maul. Da das Nasenbein des Tieres ebenfalls weiß gesprenkelt war, wurde Valentine die Harmonie zwischen Herr und Ross plastisch vor Augen geführt. Es verband ihn wohl weit mehr mit dem Gaul als der bloße Nutzen eines Reittiers. Schließlich blickte er auf und winkte Valentine zu sich heran, der am Eingang wie angenagelt war.

„Danke, dass du ihn ein bisschen bewegst. Das tut ihm gut.“

 

 

 

Samstag, 13. August 2022

"Wiedersehen in Hannesford Court" ~ Martin Davies

Selten, dass ich einen Roman lese, der, mal wieder als "typisch britisch" beschrieben, mich dermaßen im Dunkeln gelassen hat, dass ich das Buch leicht verärgert zugeschlagen habe. Vielleicht war aber das, was im Klappentext stand, gar nicht das Wesentliche, sondern die Tatsache, dass es eine Vorgeschichte dazu gibt, in der sämtliche Figuren Mitwisser sind außer dem Protagonisten. Dann hätte der Plot bedingt etwas wahrlich Raffiniertes.



 

Inhalt: England, 1919: Captain Tom Allen, ein Freund der Familie Stanbury, kehrt aus dem Krieg zurück und erhält eine Einladung nach deren Anwesen Hannesford Court in Devon, um dort den Jahreswechsel zu feiern. Er erhält außerdem einen Brief von Freddie Masters, ebenfalls ein Freund der Familie, in dem er gebeten wird, den Tod des deutschen Professors Schmidt genauer zu untersuchen, der sich kurz vor Ausbruch des Krieges während des Rosenballs der Stanburys ereignet hat. Auch die Gesellschafterin Anne Gregory trifft dort ein, die Tom in die delikate Natur seiner Mission einweiht. Der Besuch weckt viele Erinnerungen, viele unausgesprochene Gefühle und Dinge, die man den gutbetuchten und distinguierten Stanburys nicht zugetraut hätte... und dann muss Tom auch noch einen Nachruf auf Harry beim Gedenkgottesdienst zum besten geben, obwohl er den ältesten Stanbury-Sohn kaum kannte.

 

Alice_Alphabet / Pixabay

Meinung: Erzählt wird die Geschichte abwechselnd von Tom Allen und Anne Gregory, was ich bisweilen ein bisschen irritierend fand. Auch mit den Zeitabschnitten bin ich nicht so ganz klar gekommen - was war Pre-WW1 und was Post-WW1, welches Ereignis dazwischen. Um das zu unterscheiden, muss man wohl ziemlich flott und aufmerksam sein beim Lesen, und ganz ehrlich, ich war es nicht wirklich, dazu war mir das Ganze zu viel Geplätscher mit Bällen, Jagdausflügen und Müßiggang der Reichen. 

Das Buch ist trotzdem recht unterhaltsam geschrieben, auch die Stanburys und die Schrecken des "Great War" sind gut dargestellt. Sympathisch war mir indes niemand; nicht der gutmütige Tom, nicht die scheinbar unscheinbare Anne, und schon gar nicht die Familie Stanbury. 

Überhaupt, die Verwandtschaftsverhältnisse und Geklüngel waren - nach alter englischer Tradition - ziemlich verzwickt, am Ende dann aber schlüssig. Vielleicht war die Aufforderung Freddie Masters', den Tod des Professors aufzuklären, nur ein Vorwand, denn ich war, was das betraf, nicht schlauer als am Anfang. Ansonsten gab es wenig Überraschungen: den verbitterten jüngeren Sohn, der nun das Anwesen erben wird und es dabei abgrundtief hasst, ihm gegenüber die unwiderstehlichen Geschwister, die jeden um den Finger wickeln und von denen der gefallene Bruder nun in den Heldenstatus gehoben wird. Ich fand das ein bisschen zu konstruiert, zu flach. Zumal Harry, um den es in der Hauptsache geht, als nur Nebenfigur auftaucht und für den Leser kaum greifbar wird. Ich glaube, er spricht nicht einmal einen einzigen Satz. Das war schade, weil ich gerne mehr über ihn gewusst hätte, dem geborenen Siegertypen, der Schwierigkeiten gekonnt umschifft und in der Regel charmant, aber auch entschlossen seine Ziele erreicht. 

Psychologisch betrachtet, ist der Roman nicht uninteressant, und auch geschichtlich hat er mich überzeugt. Allerdings waren in der Geschichte zu viele angefangene Fäden, die ich gern zu Ende gesponnen gesehen / gelesen hätte. 

 

Bewertung: 💫💫💫



Sonntag, 16. Mai 2021

Fazit: 2. Leserunde "Das Bildnis des Grafen" (06. April - 15. Mai 2021)

 Fertig ist sie, die Runde meines Debütromanes auf dem Büchertreff. Und vorab kann ich sagen, dass sie ganz gut gelaufen ist dafür, dass ich die ganze Zeit über ein eher mulmiges Gefühl hatte. Ich glaube, es lag daran, dass über das Buch selbst wenig diskutiert worden ist und stattdessen mehr Dinge zur Sprache kamen, mit denen die Teilnehmer nicht einverstanden waren, sei das ein "fehlerhaftes" Handeln einer Figur oder wie unsympathisch dieser und jener in der diskutierten Szene rüberkommt. Merkwürdigerweise habe ich wenig Positives zu Stil, Sprache und allgemein gehört, und das hat mich dann doch ein bisschen verunsichert bzw. mich glauben lassen, der Roman sei für die Runde langweilig. 

 


 

Hauptsächlich wurden eben Dinge angesprochen, die nicht so gut gefielen. Vielleicht war es deshalb in der Regel recht still. 

Am Ende habe ich doch noch ein paar Fragen gestellt, um herauszufinden, was meine Mitleserinnen gut und weniger gut fanden. Eigentlich mache ich das nicht, und trotzdem ist die Leserunde auf die Art doch zu einem guten Abschluss gekommen. Besonders schön war, dass eine Teilnehmerin schrieb, sie hätte durch "Das Bildnis des Grafen" Interesse am Judentum bekundet und möchte sich weiter mit dem Thema befassen. Überhaupt scheint der historische Aspekt mit der interessanteste gewesen zu sein, denn er wirft ein völlig neues Licht auf die Beziehung und Verflechtung der Familien Escaray und Whitehurst.

Das "Mystische" war ein wenig zu viel, "Grusel" zu wenig (ich finde viele Szenen richtig gruselig, ehrlich gesagt, besonders die mit Valentine und Carrick...), und die kriminologische Komponente hat sich logisch und gut aufgeklärt - wenn auch das Ende ein bisschen zu rosarot war. Auch das kann ich nicht gänzlich nachvollziehen; aber um nicht zu spoilern, werde ich an dieser Stelle nicht verraten, weshalb. Oh, und was mich doch sehr froh gemacht, tatsächlich erleichtert hat, war, dass alle einträchtig meinten, es hätte außer den Bösen keine wirklich unsympathische Figur in der Geschichte gegeben. Der junge Valentine ist auf Platz Eins in der Punkteskala, gefolgt von Renoir und dem Constable Melvin Gilfeather und Lilian Grimby. Letztere sind sogar zu besonderen Lieblingen einer Teilnehmerin avanciert. 

Irgendwie hat mir die Behauptung, meine Charaktere seien samt und sonders anstrengend, zu schaffen gemacht. Vor allem, da bisher der Psychologe Gaspard immer an vorderster Front der Sympathieträger stand und sich einige auch ein wenig in ihn verliebt haben. Ich persönlich möchte nämlich kein Buch lesen, in dem mir kein einziger Protagonist emotional nahekommt.



Das, was am Ende nicht so gefallen hat, wurde gut begründet, so dass es für mich akzeptabel und  auch nachvollziehbar war. Wie gesagt, ist es normal, dass man nicht jeden Leser dort abholen kann, wo er gerade steht, und auch, dass nicht jede/r einen Harry Potter schreiben kann und will. 

Ich glaube, dass ich Fragen, die anfielen, gut beantwortet habe und auch selbst einiges aus der Runde mitnehmen konnte. Insofern bin ich zufrieden. Da das Format und die Unhandlichkeit des Printbuches bemängelt wurden, empfehle ich weiteren Interessierten an meinem historischen Gruselkrimi allerdings die ebook-Ausgabe. (O;


Bilder: Christine Wirth



Freitag, 7. Mai 2021

2. Leserunde zu "Das Bildnis des Grafen" (06. - 28. April 2021) ~ Teil IIII

Also, das Enddatum ist nun nicht mehr aktuell. Macht aber nichts. Es ist nicht so, dass ich in Zeitdruck wäre bei der Leserunde. Wenn ich mich auch hin und wieder doch dabei ertappe, wie gern ich die Diskussion ein bissl anstoßen würde - ich hätte keine Hemmungen, wenn es nicht mein eigener Roman wäre, da bin ich ziemlich sicher. So wirkt es irgendwie doof, daher lasse ich es sein.

Wir nähern uns dennoch dem Schluss, wobei ich nicht weiß, ob alle noch dabei sind, das Buch abgebrochen oder schon ausgelesen haben.

 

 

Momentan posten wir zu zweit, und ich hoffe, dass die weiteren zwei Teilnehmer noch kommentieren. Renoir steht nicht besonders gut da, weil er nach persönlichem Empfinden seinem jungen Patienten etwas "überzubraten" versucht. Eigentlich kann man ihm das gar nicht mal verübeln, denn er ist ziemlich überzeugt davon, auf der richtigen Fährte zu sein und das Geheimnis um Valentines Trauma zu lüften. Er weiß schließlich nicht das, was der Leser weiß: wäre es so, wie Renoir vermutet, würde die Geschichte vorhersehbar und ohne Clou verpuffen. Und das ist natürlich nicht im Sinn der Autorin. 

Mit dem treuen Butler Patrick Alguire betritt eine Figur die Bühne, die durch ihr Wissen und dem engen Kontakt zu Carrick Escaray von besonderem Interesse ist für Renoir, nachdem die anderen Dorfbewohner abweisend und schroff auf ihn und seine Neugier reagiert haben. Doch Patrick ist eine harte Nuss und nicht leicht zu knacken. Nicht aus Loyalität oder weil er zum "verrückten Einsiedler" geworden ist, sondern weil er Angst hat. Wovor, muss sich erst noch herausstellen.

 


Ich bin gespannt, wie das Ende bewertet wird und das Buch überhaupt, denn bisher habe ich zwar zur Handlung und zu Charakteren einige Meinungen gehört (ich glaube herausgelesen zu haben, dass Carrick und Valentine zumindest jetzt ein paar Sympathiepunkte einheimsen konnten), nicht aber, wie die Geschichte auf den einzelnen Leser wirkt. Was hoffentlich nicht vergessen wird, ist, dass "Das Bildnis des Grafen" auch mit Schauerelementen spielt, die sich rational nicht unbedingt erschließen, in sich jedoch Sinn ergeben und für Fans von Gruselromanen durchaus plausibel klingen. Na, falls diesbezüglich Fragen auftauchen: ich beantworte sie gern.

Meine nächste Leserunde ist übrigens schon geplant: Ab 31. Mai lese ich auf dem Büchertreff mit anderen Interessierten "Wir waren Glückskinder - trotz allem" von Michael Wolffsohn. Das Buch (mit Signatur) habe ich im Rahmen einer Facebook-Verlosung des dtv-Verlags unter Mitwirkung des Autors gewonnen. Ich Glückskind war total platt und habe mich wahnsinnig gefreut. Nun warte ich ungeduldig auf die Zusendung. Natürlich ist jede/r herzlich eingeladen, mitzulesen und zu diskutieren. Einfach den Link anklicken.



Samstag, 10. April 2021

2. Leserunde zu "Das Bildnis des Grafen" (06. - 28. April 2021) ~ Teil I

Seit vier Tagen läuft sie, die zweite Leserunde nach 2013 zu meinem ersten Roman auf dem Büchertreff. Nach der anfänglichen Nervosität habe ich tatsächlich immer noch feuchte Hände, wenn ich mich dort einlogge, was - wie ich mir vorgenommen habe - nicht rund um die Uhr der Fall ist. Obwohl es mich oft in den Fingern juckt, reinzulinsen und auch zu reagieren auf Fragen, die sich erst in den folgenden Kapiteln beantworten, versuche ich mich zurückzuhalten.




Insgesamt sind wir sieben Teilnehmerinnen. Zugegeben, ich hatte mir mehr gewünscht, bin aber im Endeffekt zufrieden, dass die Runde überschaubar bleibt. Zumal auch das Tempo nicht immer leicht einzuhalten ist. Vor allem die ersten Kapitel sind sehr lang (ich sagte bestimmt schon an anderer Stelle, dass ich sie heute kürzer halten würde) und vielleicht auch erst mal ein wenig verwirrrend. 

Was mich sehr freut, ist, dass Aufbau und Sprache gut ankommen. Geschichte und Charaktere werden unterschiedlich wahrgenommen; manche finden sie so spannend, dass sie das Tagespensum "überlesen", andere schütteln den Kopf über Valentines "Visionen" und Dr. Renoirs Herangehensweise, seinen jungen Patienten zu therapieren. Suspekt ist den meisten Mallord Grimby, der Gärtner, der sich vertraulich als Hilfe anbietet und dabei fast die Grenzen des Schicklichen überschreitet. Ich war besonders happy über die tolle Resonanz des zweiten Kapitels, in dem die unheimlichen Begebenheiten mit Carrick Escarays Auftauchen als Erwachsener etabliert werden, den nur Valentine sehen und mit ihm sprechen kann. Der Graf hat sogar eine Leserin im Sturm erobert, wenngleich seine Rolle im ganzen Geschehen noch undurchsichtig ist. Aber ganz unter uns - und das ist hoffentlich kein Spoiler - mag ich Carrick auch am liebsten. Deshalb hat es mir besonders gutgetan, zu hören, dass er einen weiteren Fan gewinnen konnte.


 

Es geschieht eher selten, dass ich Romane von mir im Nachhinein noch einmal am Stück durchlese; in der Vorbereitung auf die Leserunde habe ich es getan und merke dann - auch durch das zeitgleiche Lesen und die Meinungen von anderen - wie komplex, aber auch erstaunlich die Geschichte ist. Wie manchmal auch phantastisch, wenn man "nur" einen Kriminalfall vor historischem Hintergrund erwartet. Ich hoffe, die Skepsis bezüglich der "Ungereimtheiten" löst sich gegen Ende bei allen Teilnehmern auf, denn es geht nicht immer realitätsnah zu im Grafen. Realitätsnah im Sinn von dem, was wir kennen. Wer weiß, wie viel uns noch verborgen ist, das wir generell für unmöglich halten. Genau wie man sich lange Zeit nicht vorstellen konnte, dass die Erde rund ist. Wie sagte Hamlet schon zu Horatio: 

"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als deine Schulweisheit sich träumen lässt" (Zitat William Shakespeare). 



Montag, 7. März 2016

The Awakening ~ Geister der Vergangenheit (2011) - Spoilerfrei -

Diesen Film mit Rebecca Hall und Dominic West in den Hauptrollen hatte ich vor kurzem schon einmal gesehen - und irgendwie nicht verstanden, weil ich den Kopf nicht freihatte oder schon zu müde war, um aufmerksam zu sein. Daher gab ich ihm gestern eine zweite Chance, die sich gelohnt hat.



Inhalt: England, kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Die junge Florence Cathcart ist "Geisterjägerin", die nicht an Geister glaubt. Neben Bücher schreiben, in denen sie die Existenz von Geistern mit wissenschaftlichen Argumenten abstreitet, besucht sie Häuser, in denen es vermeintlich spukt, um Betrügereien aufzudecken. Auch die damals schwer in Mode gekommenen Séancen lehnt sie rigoros ab und entlarvt jede Schwindelei - sehr zum Verdruss der Veranstalter und Besucher, die sich gerne an Illusionen klammern. Eines Tages steht der Lehrer Robert Malory vor ihrer Tür - nicht um sich ein Buch signieren zu lassen, wie Miss Cathcart annimmt, sondern um sie zu bitten, geisterhafte Phänomene an seiner Internatsschule aufzuklären. Ein entstellter Junge erschreckt dort angeblich die Mitschüler, und es gab sogar einen Jungen, der den Geist gesehen haben soll, nun aber unter ungeklärten Umständen ums Leben kam.

Florence lässt sich überreden und fährt mit ihm zu dem abgelegenen Gebäude, das früher in Privatbesitz war. Gleich bei ihrer Ankunft versichert ihr die Hauswirtschafterin Maud (Imelda Staunton), sie nach besten Kräften bei ihrer Aufgabe zu unterstützen, da sie ein großer Bewunderer ihrer Bücher sei.

Zunächst scheint es, als hätte Florence Erfolg. Der Mord entpuppt sich als tragischer Streich an einem Außenseiter. Doch die Phänomene suchen Florence weiter heim, als sie kurz nach der Aufklärung ihre Abreise ankündigt. Bald zweifelt sie an ihrem wissenschaftlich kühlen Verstand - und das nicht ohne Grund. Kann sie dem Bann des Hauses noch entkommen?








Meinung: "The Awakening" bietet alles, was m. M. ein wirklich gruseliger Gänsehautfilm haben muss: historisches, nebliges Setting, ein unheimliches Haus abseits der Zivilisation, eine unerwartete Handlung, tolle Schauspieler und Menschen, die traumatisiert sind und / oder schreckliche Geheimnisse verbergen. Nicht zu vergessen ein wirklich grandioser, unaufgeregter und wehmütiger Soundtrack, der viel zur düsteren Atmosphäre des Films beiträgt. Sehr amüsant fand ich auch die klassischen Referenzen an weitere Filme des Genres, wie das Herabrollen eines Balles von der Treppe und bedeutungsvolles altes Spielzeug - in diesem Fall ein mechanischer Plüschhase, der ein Kinderlied singt, und ein Puppenhaus, das wie aus dem Nichts heraus Szenen aus Florence' Vergangenheit zeigt.

Die Schauspieler haben mich durch die Bank überzeugt, und Rebecca Hall ist eine meine Lieblingsdarstellerinnen, seit ich sie in "Parade's End" an der Seite von Benedict Cumberbatch gesehen habe. Doch besonders hervorheben möchte ich den kleinen Thomas (Isaac Hempstead-Wright), der während der Ferien als einziger Junge im Schulgebäude bleiben muss - das glaubt zumindest Florence Cathcart.

Kinder in Filmen sind für mich meist ein Garant für Overacting und ziemlich nervig, aber Thomas bleibt eher im Hintergrund und hat außer zu Florence nur mit Maud Kontakt. Was das bedeutet, wird der jungen Geisterjägerin erst ganz zum raffiniert aufgebauten Schluss klar.

Fazit und Bewertung: Sehenswert für Fans von subtilem Grusel und spannenden, psychologischen und dennoch fantastischen Geschichten mit einem Hauch Nostalgie und geschichtlichem Hintergrund. Genau das Richtige für mich, daher volle Punktzahl:


👍👍👍👍👍





Dienstag, 23. Februar 2016

"Das Bildnis des Grafen" ~ Buchtrailer

Sollte es eine Geschichte von mir geben, die ich als *mein Baby* bezeichne, so wäre das ohne Überlegung "Das Bildnis des Grafen". Nicht, weil es mein Debütroman ist oder ich am längsten von allen meinen Romanen daran gefeilt habe. Sondern weil ich eine Geschichte erzählen wollte, die bis heute für mich am dichtesten ist und am meisten Atmosphäre hat.

Es ist eine Mischung aus Krimi und Schauerroman; etwas, das ich in dieser Form eigentlich gar nicht kenne. Natürlich tauchen sowohl für Krimileser als auch Gruselfans bekannte Elemente auf, und dennoch glaube ich, dass ich Klischees und deren Falltüren ganz gut umschifft habe.




Es tut mir daher ein bisschen leid, dass gerade dieser Roman auf Amazon zwei miserable Rezensionen abbekommen hat, die in meinen Augen nicht wirklich fair und fundiert geschrieben wurden. Dass Meinungen unterschiedlich sind, akzeptiere ich und wäre an sich kein Problem - als Autor muss man mit Kritik umzugehen lernen. Trotzdem merke ich an den Verkaufszahlen, dass diese vernichtenden Kritiken das Leseverhalten beeinflussen und sich Interessenten evtl. davon abgeschreckt fühlen.

Ich würde mich freuen, wenn der Trailer den einen oder anderen davon überzeugen kann, sich auf einen Roman einzulassen, der mit verschiedenen Genres spielt und vor allem eines will: eine originelle Geschichte abseits des Mainstream vermitteln und den Leser in eine vergangene Epoche führen, in der die Menschen zwischen Fortschritt und dem traumatischen Niedergang der Traditionen durch den Ersten Weltkrieg ihr seelisches Gleichgewicht wiederfinden mussten. Wer Freude an gut recherchierten, historischen Krimis in zeitgenössischer Sprache hat und bereit ist, über ein paar Phänomene zu staunen, die überwiegend das Fantasy- und Grusel-Genre prägen, liegt mit "Das Bildnis des Grafen" ganz bestimmt nicht verkehrt.



Freitag, 23. Januar 2015

Leseprobe "Fairlight" (III)



"Fairlight" ist eine meiner früheren Geschichten. Damals war ich fasziniert von allem, was britisch ist, von der Belle Epoque, opulent ausgestatteten Filme darüber und dem Ersten Weltkrieg. Allerdings vermeide ich es, zu detailliert auf Schlachtenszenen einzugehen. Der Krieg bildet nur die Rahmenhandlung und die Zeitspanne, in der einige meiner Romane spielen. Manchmal dient er dazu, meine Protagonisten zu dem gemacht zu haben, was sie nun sind, oder um Traumata aufzudecken und pathologisches Verhalten zumindest teilweise zu erklären.

Im engeren Sinn eine Familiengeschichte, handelt "Fairlight" von abgelegenen Herrenhäusern, deren unheimlichen und rätselhaften Bewohnern und drei dort zufällig gestrandeten Medizinern, von denen einer, Dr. John Raeburn, ganz besonderes Interesse an dem jüngsten der Fairlight-Brüder hegt und später herausfindet, dass es für seinen Beschützerinstinkt tatsächlich einen tiefer gehenden Grund gibt.

Das Thema ist nicht ganz leicht zu verdauen, düster wie die Atmosphäre des Buches und die Sprache gelegentlich ein bisschen altmodisch. Dazu stehe ich - ich mag es nicht, wenn in historischen Romanen modernes bzw. hippes Deutsch verwendet wird oder Ausdrücke darin vorkommen, die auf keinen Fall in die entsprechende Periode passen. Das nimmt nach meinem Empfinden die Glaubwürdigkeit.




Zur Leseprobe geht es unter "weitere Informationen"


Samstag, 4. Oktober 2014

Black Beauty in Zeiten des Krieges: "Gefährten" (War Horse) von 2011

Filme von Steven Spielberg sind für mich persönlich keine Empfehlung, außer es geht um "Schindlers Liste" , "Indiana Jones" oder "Der weiße Hai". Die fand ich großartig. Alle anderen, die ich kenne, sind mir zu schwülstig.





Die Geschichte des Wunderpferdes Joey macht da keine Ausnahme. Wie in fast allen Spielberg-Blockbustern entwickeln dort Tiere und Kinder besondere Fähigkeiten, die sie aus heiterem Himmel anfallen. Bei ersteren fehlt nur noch, dass sie sprechen können, und Spielberg-Kinder bzw. -Jugendliche gehen mir auf die Nerven mit ihrer altklugen Art und dem Gefühl, den dummen Erwachsenen überlegen zu sein. Die wiederum sind oft abgrundtief und hassenswert böse, so wie der feiste Grundstücksvermieter, der sich Joey unter den Nagel reißen will und den rechtschaffenen Bauern droht, ihnen im Falle einer Verweigerung die Existenz zu entziehen. Klar, das gehört zu Spielbergs Erfolgsrezept und ist sein Markenzeichen, doch ich bin vielleicht zu sehr Realist, um mich davon begeistern zu lassen. Oder ich würde gerne mal vernünftige Erwachsene in Spielberg-Filmen sehen.

"Gefährten" habe ich mir gestern auf Pro7 angeschaut, weil Benedict Cumberbatch und sein Kumpel Tom Hiddleston sich extrem sexy und hoch zu Ross ein Duell liefern, das natürlich das intelligente, pfeilschnelle und makellose Wunderpferd für sich entscheidet. Und ich muss leider sagen, dass das Rennen für mich das einzige Highlight war, bevor in den nächsten Minuten sowohl Captain Cumberbatch als auch dessen Untergebener Hiddleston das Zeitliche segnet, die beide nicht nur vor ihrem heldenhaften Ausscheiden blass bleiben wie der Rest der menschlichen Darsteller. Danach wie auch davor musste ich mehrmals ein Gähnen unterdrücken.

Die beschwerliche Odyssee des Hengstes Joey hat mich merkwürdigerweise weitgehend kalt gelassen. Das lag nicht an der Leistung des Pferdes, sondern am für mich sehr unglaubwürdigen Drehbuch und den naseweisen Kindern, durch deren Hände er geht. Ich kann mir kaum vorstellen, dass bei dieser banalen Geschichte selbst bei Kate Middleton die königliche Zurückhaltung flöten ging. Aber die Briten und die Royals im Besonderen haben ja eine erstaunlich enge Beziehung zu ihren Haustieren, wie auch "Gefährten" beweist - die bösen Deutschen schinden nämlich die treuen Gefährten des Menschen zu Tode, während Engländer und Franzosen sie als gleichberechtigte Kameraden behandeln und trotz Armut bereit sind, dafür ein Vermögen springen zu lassen. Für den klugen Hengst sowieso, denn jeder merkt sofort, wie charismatisch und besonders er ist. Bay Beauty statt Black Beauty eben.

Ja, ich gebe es zu: der Film hat emotionale Momente, und als der Schwarze, der sich ehemals zwischen den Beinen von unter Mr. Cumberbatch profilieren durfte, in "deutscher Gefangenschaft" vor Erschöpfung zusammenbricht und Joey sich besorgt und fragend schnobernd über ihn beugt, flossen die Tränchen tatsächlich ein wenig. Oder als Joey sich im Niemandsland kopflos im Stacheldraht verheddert. Das waren Szenen, die mein ehemaliges Reiterherz berührt und empört haben. Und ich war doch froh, dass es für das Pferd und den viel zu gefühligen, halbwüchsigen Besitzer Albert am Ende ein Wiedersehen und eine Heimkehr in einer effekthascherischen "Vom-Winde-verweht"-Kulisse kam, bei der das Pferd wehmütig-weise in die Ferne blickt, während seine Menschen sich trunken vor Glück und Wiedersehensfreude in den Armen liegen.

Aber auch das schien mir zu dick aufgetragen, wobei ich Melodramen durchaus nicht rundweg abgeneigt bin. Leider übertreibt es Spielberg dabei häufig, und wo die Stimmung aufgelockert werden soll, gelingt das meist nur mit Witzen und Zufällen, die so vorhersehbar sind, dass Spielberg noch überraschen könnte, wenn er darauf verzichten würde.

Fazit: Ein für viele Zuschauer tränenreiches Hollywood-Melodram, das man nicht gesehen haben muss, aber gerade bei Pferdefreunden und "Hiddlebatch"-Liebhabern (trotz der Miniauftritte) hoch im Kurs steht. Und da ich in gemäßigter Form beides bin, gibt es von mir mit gutem Willen, den ich gerne zeigen möchte, drei Sterne.


  👍👍👍



Mittwoch, 30. Juli 2014

Leseprobe "Fairlight" (II)

Das schwüle Wetter zurzeit macht mich ein wenig ramdösig. Daher erlaube ich mir heute ausnahmsweise, schreibfaul zu sein und ohne große Einleitung eine Leseprobe aus meinem Roman "Fairlight" zu posten.




Darin geht es um eine mysteriöse Familie auf einem abgelegenen Anwesen in Mittelengland um 1916. Drei Ärzte werden "notgedrungen" von dem aus Frankreich heimkehrenden Soldat Francis Fairlight als Gäste aufgenommen, als sie auf dem Weg zu einem Medizinerkongress nach London eine Reifenpanne haben.

Dieses Buch ist ein Beispiel für detailiertes Setting, da der "Star" des Romans der düstere, buchstäbliche Herrensitz ist. Ich hoffe, ich habe mich nicht zu sehr in Kleinigkeiten verloren - ein Schönheitsfehler, der mir hin und wieder unterläuft, wenn mir Szenen allzu bildhaft vor Augen stehen.^^

Feel-Good-Reader beware: "Fairlight" behandelt delikate Themen, die weder für Kinder noch für Sensibelchen geeignet sind.

Bildquelle: Pixabay





Sonntag, 22. Dezember 2013

Ein Meisterwerk: Lawrence of Arabia / Lawrence von Arabien (1962)

Oh, ich liebe diesen Film! Und nein, ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass ich wegen Peter O'Toole voreingenommen bin (vielleicht ein bisschen...).




In erster Linie ist der Star des Films die Wüste. Unglaublich, wie jede Szene - wirklich jede, ich habe darauf geachtet - wie ein Gemälde wirkt.

Peter O'Toole als T. E. Lawrence ist eine tolle Wahl, und es scheint, als wäre ihm die Rolle des ambivalenten Kriegshelden auf den geschmeidigen, eleganten Leib geschneidert. Aber tatsächlich wurde sie ihm von US-Kollege Montgomery Clift weitervermittelt, der in den homosexuellen Tendenzen von Lawrence (im Film nur angedeutet) einen Zusammenhang zu seinen eigenen fürchtete. Briten sind da halt weniger zart besaitet... (O;

Die Riege damals großer und aufstrebender Hollywood-Stars gibt sich in "Lawrence von Arabien" die Klinke in die Hand;  auch eine Tatsache, die mich fasziniert. Ein junger wilder Omar Sharif an der Seite des noch wilderen Hitzkopfes  Auda Abu Tayi / Anthony Quinn zu sehen, dazwischen ein kultivierter, zurückhaltender Prince Faisal / Sir Alec Guiness ist für feinsinnige Cineasten schon ein besonderer Genuss.

Eindrucksvoll fand ich auch die Figur des türkischen Hauptmanns (José Ferrer), dem der arme Lawrence durch eigenes Verschulden und sein exotisch-kaukasisches Aussehen in die gierigen Hände fällt. Uh, da lief mir echt ein Schauer über den Rücken! Man hat irgendwie sofort gespürt, dass der Hauptmann nichts Gutes im Schilde führt und von dem britischen Offizier mehr als angetan war ("Your eyes are blue"), als er ihm das wallende Gewand von den schmächtigen, alabasterweißen Schultern reißt.

Die Szene der Folterung und anschließenden Vergewaltigung, von der der echte Lawrence in seinen Memoiren später schreibt, ist subtil und vor allem Letzteres natürlich nicht einmal angedeutet, sieht man von dem voyeuristischen Hüsteln des Hauptmanns hinter der halb geöffneten Tür ab. Trotzdem hinterlässt die Szene, als Sherif Ali / Omar Sharif den misshandelten Lawrence wortwörtlich aus dem Dreck zieht, einen beklemmenden Verdacht, der zur Gewissheit wird, als Lawrence sich bei der Einnahme des damals von den Türken besetzten Damaskus in einen Blutrausch steigert, der selbst den mit ihm kämpfenden Arabern Rätsel aufgibt - kannten sie ihren Anführer bisher doch eher diplomatisch und britisch-unterkühlt.

Bevor er sich jedoch als abgestumpfte, hirnlose Kampfmaschine bewähren soll, zieht Lawrence in letzter Minute die Reißleine, widersetzt sich den Befehlen von oben und kehrt nach England zurück.




Wie gesagt, ein großartiger Film, der nicht nur hervorragend unterhält und trotz der Überlänge von dreieinhalb Stunden nie langweilig wird. Er erzählt auch ein Stück Geschichte aus einer Zeit, die mich aus verschiedenen Gründen begeistert, brilliert mit einem exzellenten Cast und einer wahnsinnig guten orchestralen musikalischen Untermalung, welche die einzigartige Atmosphäre und die gigantische Wüste perfekt vertonen. Gekrönt natürlich von einem zuerst unbeholfen und täppisch erscheinenden Peter O'Toole, der im Lauf des Films eine Verwandlung zu einer fast überirdischen Lichtgestalt für die arabischen Stämme durchmacht, um sich wieder nach einem "gewöhnlichen" Leben zu sehnen.

Fazit: Nicht nur geschichtlich und vom ästhetischen Gesichtspunkt aus interessant, sondern zudem eine detailierte Charakterstudie eines Mannes, der bei allem politischen Individualismus an der andersartigen Mentalität der Araber scheiterte. Auch wenn er den geschichtlichen T. E. Lawrence und die damit verbundenen Ereignisse der Arabischen Revolte nicht ganz korrekt wieder gibt, sollte der Film in keiner anspruchsvollen Videothek fehlen.


Bewertung:
 
👍👍👍👍👍







Samstag, 16. November 2013

Das Buch im Buch: Leseprobe "Fairlight"

Im Bücherforum ging es vor kurzem um "Das Buch im Buch." Soll heißen, welches Buch von Protagonisten in einem Roman gelesen oder vom Autor erwähnt wird. Ich fand die Idee so originell, dass ich gleich mal recherchiert habe, ob so etwas in meinen eigenen Romanen auch vorkommt.

Und siehe da, in fast allen meinen Werken wird Bezug auf Klassiker der Literatur genommen. In "Fairlight" spielt sogar ein Gedicht von Robert Browning eine Schlüsselrolle. Ich mag solche auf den ersten Blick unbedeutenden Details, die sich später doch als wichtig erweisen und beim Leser einen Aha-Effekt auslösen.


 


Unter "Weitere Informationen" gibt es die Leseprobe, in der sich Morgan Thorpe als Hobbydetektiv beweist und einiges aus der Vergangenheit der rätselhaften Fairlight-Sippe aufdeckt.

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Montag, 4. November 2013

Der Gewinner in der Kategorie Längster Filmtitel...

... dürfte "Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunter kam" sein, aus dem Jahr 1995 mit dem damals total angesagten linkisch-charmanten Hugh Grant (wer einen längeren kennt, belehre mich bitte im Kommentarbereich eines Besseren).

Ein großartiger Film mit einer herzerwärmenden Botschaft und liebenswerten, schrulligen Charakteren von Morgan der Bock über den kriegsgeschädigten Johnny (ich sage nur *Bomb Shell*) und den wortkargen, aber tatkräftigen und rüstigen Zwillingen Tumber Tom I und Tumber Tom II bis hin zu dem streitlustigen Reverend Jones, der 82 ist, aber von allen auf Mitte Sechzig geschätzt wurde. Und Wahnsinn, wie knackig Mr. Grant mal aussah in Hosenträgern und Knickerbockers!

Die Handlung: Im Jahr 1917 kommen die beiden Engländer George Garrad und Reginald Anson nach Wales, um dort das Land und den Hügel Ffynnon Garw (sprich: Finnengarow) zu vermessen. Um in der Karte eingezeichnet zu werden, muss der Hügel (der eigentlich Garth Hill heißt und somit tatsächlich ein "Hügel" geblieben ist) mindestens tausend Fuß hoch sein. Es fehlen jedoch etwa zwanzig zum Eintrag. Die Waliser - überzeugt davon, dass die "Fremden" sie zum Narren halten - sind in ihrer Ehre und ihrem Stolz gekränkt und beschließen, dass die Schmach so nicht hingenommen werden kann.

Trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten und Unterschiede raufen sie sich zusammen und setzen die Landvermesser mit unlauteren Mitteln fest, um gemeinsam daran zu arbeiten, ihren geliebten Berg höher zu schaufeln, damit er neu vermessen und eingetragen werden kann. Währenddessen kommt der schüchterne Reginald der resoluten Betty näher und überwindet seine Kriegsneurose, die ihn bislang an einer Beziehung gehindert hat.




Meinung: Simpel, die Story, sollte man meinen. Ist sie auch. So simpel, dass sie wieder genial ist. Dazu tragen vor allem die tollen Schauspieler bei und die authentische Atmosphäre, gleich, ob das nun die walisischen Bewohner mit ihren Macken oder das stimmige Setting betrifft. Man hat sofort das Gefühl, in dem ollen Zweitakter der beiden Kartografen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nach Wales zu reisen.

Sehr nett finde ich auch die Idee, die Geschichte in Rückblenden von dem alten Mann erzählen zu lassen, der seinerzeit als Junge seinen Opa fragte, wo die lange Bezeichnung "Der Engländer der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunter kam" eigentlich ihren Ursprung hat.

Die zarte Liebesgeschichte zwischen der forschen Betty und Reginald hat etwas Rührendes, und man ist froh, dass der vom Krieg traumatisierte Bub jemanden findet, der "auf ihn aufpasst", denn irgendwie scheint Hugh Grant mit jeder Geste und der hilflosen Mimik an mütterliche Instinkte zu appellieren.

Unerwähnt lassen möchte ich nicht die wirklich zauberhaft folkloristisch anmutende, ins Ohr gehende Musik von Stephen Endelman. Sie ist nämlich der fünfte Stern in meiner Bewertung. Na schön, der viereinhalbste.

Fazit: Immer wieder schön und ein Ausnahmefilm für Cineasten, die mehr Wert auf Charaktere und Aussagekraft legen als auf Ka-Boom und überspannte Dramatik. Wer's noch nicht kennt, unbedingt nachholen.


Bewertung: 

👍👍👍👍👍



 
 

Bildquelle: Pinterest

Donnerstag, 18. April 2013

Faszination Erster Weltkrieg

Viele der Geschichten in meinen Romanen haben den Ersten Weltkrieg zum Thema. Nicht vordergründig, denn ich bin kein Fan von blutigen, sinnlosen Gemetzeln, auch wenn ich zuweilen in Rückblenden literarische Abstecher auf die Schlachtfelder in Flandern und Frankreich mache und durch entsprechende Filme und Bücher den Hauch einer Ahnung habe, wie furchtbar das gewesen sein muss. Doch die Zeit und die psychischen und politischen Nachwirkungen auf Land und Leute faszinieren mich mehr. Besonders im Vereinigten Königreich, wo dieser Krieg als "The Great War" Einzug in die Geschichtsbücher gefunden hat, kam es zu Umwälzungen und Veränderungen: die glorreiche viktorianische Epoche gehörte endgültig der Vergangenheit an, und die Verluste, die England erlitten hatte, waren durch die Giftgasangriffe höher als je zuvor in einem Krieg. Noch heute gilt der "Great War" in England als beinahe verheerender und denkwürdiger als der folgende in den 1940er Jahren.




Aber auch persönlich bin ich davon ein wenig betroffen. Mein Ur-Großvater väterlicherseits fiel kurz vor Kriegsende nahe Verdun, gilt aber offiziell als verschollen. Keiner weiß genau, wo er begraben liegt - man nimmt an, dass ihn eine Granate Bein und Arm gekostet hat und er verblutet ist.

Das Einzige, das sich heute noch als Erinnerung an ihn im Familienbesitz befindet, ist sein imposanter Regiments-Bierkrug - mit vom Zahn der Zeit abgebrochenem Adler und symbolisch eingeschlagenem Boden als Zeichen dafür, dass der Soldat in Ehren fürs Vaterland  gestorben ist und kein anderer je aus dem Gefäß trinken darf (eine zweifelhafte Ehre, aber naja, so war die Zeit). Bis vor kurzem dachte ich, er wäre unabsichtlich beschädigt worden.

Meine Oma - ein kleines Mädchen noch beim Abschied des Vaters - kam nie wirklich über seinen Tod hinweg. Sie war das einzige Kind ihrer Eltern und hat ihn sehr geliebt.  Ich habe ihr einmal das Chanson "Sag mir wo die Blumen sind?" kindlich ahnungslos vorgesungen, weil mir die Melodie so gut gefallen hat, und werde nie vergessen, dass sie anfing zu weinen. Für mich war das ein großer Schock. Ich kannte meine Oma nur lachend und lustig, selbstironsch oft, aber traurig habe ich sie vorher und nachher nie wieder erlebt, und ich habe mich schrecklich geschämt, dass ich der Auslöser dafür war - auch wenn ich nichts dafür konnte.

Meine Cousins haben ihr häufig angeboten, in die Champagne zu fahren, um das Soldatengrab ausfindig zu machen. Aber sie hat stets abgelehnt. Lieber hat sie im Alter von über siebzig mit dem Freund ihres Sohnes (mein Papa) eine spontane Segelfliegertour gemacht.




Ich selbst war im Rahmen eines Schüleraustausches bei Paris in der Gegend und auch in Verdun und der Gedenkstätte Douaumont, doch die Zeit war zu knapp, um die riesigen Friedhoffelder abzugrasen in der Hoffnung, den Namen meines Urgroßvaters dort zu entdecken. Vielleicht hätte es meine Oma doch getröstet, ein Foto zu sehen, auf dem seine letzte Ruhestätte verewigt ist - wenn es sie denn überhaupt gibt. Viele Soldaten wurden anonym bestattet.

Der Spruch Zeit heilt alle Wunden traf nicht auf meine Oma zu, zumindest nicht, was den Tod ihres Vaters anging. Und irgendwie kann ich das verstehen. Aber ich habe nie gemerkt, dass sie deswegen bitter gewesen wäre; etwas, das ich an meiner Oma sehr bewundere.




Freitag, 15. März 2013

Zuletzt gesehen: Parade's End

Also, ich liebe ja Filme. Und die viktorianisch / edwardianische Epoche (die ich vermutlich verkläre). Und Benedict Cumberbatch. Darum war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mir Tom Stoppards Verfilmung des Klassikers von Ford Madox Ford zugelegt habe. Aber um ehrlich zu sein, die sechsteilige Miniserie der BBC stand nun recht lange im Regal, bevor ich mir gestern vornahm, sie anzuschauen. 

 


 

Eines vorweg: Zu richtiger Begeisterung konnte ich mich nicht hinreißen lassen. Kameraführung und besonders die opulente Ausstattung von Kostümen über Räume und Atmosphäre waren für mich als Fan der 1900 - 1920 Jahre natürlich ein Augenschmaus. Jedes Detail war einen zweiten Blick wert und genau so, wie man sich diese Zeit vorstellt. Das hätte man wirklich nicht schöner hinbekommen können, und ich war erstaunt, wie ästhetisch selbst die Landschaftsaufnahmen waren, sei das beim Golfen, beim Zugfahren oder Kutschenzockeln durch die diesigen Yorkshire-Moore. Wäre die Serie für einen Oscar nominiert gewesen, hätte sie vermutlich in der Kategorie "Bestes Setting" einen erhalten.

Die Darsteller dagegen waren eine Enttäuschung. Obwohl Benedict Cumberbatch kürzlich vielleicht zu Recht für seine Rolle als "the last of British Gentlemen" Christopher Tietjens ausgezeichnet wurde, gefällt er mir in anderen Produktionen viel besser. Dabei stand nicht einmal die Optik im Vordergrund (obwohl ich mich erst an sein biederes, untersetztes Aussehen, den ständig sauren Gesichtsausdruck (hat auch nicht viel zu lachen, der arme Mann) und den nuscheligen Yorkshire Akzent gewöhnen musste), sondern vielmehr die für mich gefühlte Emotionslosigkeit aller Figuren. Ich konnte nicht einmal ordentlich Mitleid für Mr. Tietjens entwickeln, der sich von seiner promiskuren Frau Sylvia manipuliert fühlt und sich dennoch aufgrund Konventionen und Traditionen nicht von ihr trennen will oder kann und nicht einmal sicher ist, ob das Kind, für das er sorgt, von ihm ist.

Kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs lernt er die Frauenrechtlerin Valentine Wannop kennen und verliebt sich in sie. Aber bis zu Folge Fünf passiert überhaupt gar nichts außer gepflegter Langeweile, und wenn Christopher und Valentine sich endlich mal treffen, platzt ihr Rendezvous durch dumme Zwischenfälle, bevor es überhaupt zur Sache geht. Fand ich irgendwie ziemlich gemein, die Zuschauer so hinzuhalten. Und als es dann soweit ist, wird auch schon der Abspann eingeblendet... Bummer!

Die beiden Frauen mochte ich überhaupt gar nicht. Sylvia war mir zu durchtrieben, und Valentine kam mir viel zu kindlich und altklug vor.

Ein bisschen hat mich die Serie an den Film "Der englische Patient" erinnert, mit dem ich trotz guter Kritiken auch nicht warm wurde. Perfekte Ausstattung, tolle Bilder, gutaussehende Schauspieler, eine ambitionierte Dreiecksgeschichte - aber leider ohne das gewisse Etwas.

Bewertung:


👍👍👍






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