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Freitag, 28. August 2026

Hoch zu Ross oder das Reiterdenkmal: Opa Paul und Opa Karl

Selten spricht man von seinen Großeltern. Manchmal kennt man sie nicht gut genug, oder man findet es ganz normal, dass sie eher im Hintergrund bleiben. Meine beiden Großväter haben es neulich geschafft, "viral" zu gehen. In einer Facebookgruppe, in der es um frühes Reiten und Pferde geht. 

 

Opa Paul mit Pfeil (koloriert)

 

Besonders dieses Foto sorgte für Wirbel und überwiegend große Bewunderung; ich glaube, kein anderer Beitrag auf Facebook von mir ging dermaßen durch die Decke. Manche argwöhnten gar, das Bild sei KI-generiert. Vielleicht müsste man dazu wissen, dass Opa Paul ein sehr souveräner und mutiger Reiter war und Pferde lebenslang seine Leidenschaft blieben. Er war sportlich und muskulös bis ins hohe Alter, und er hat hin und wieder gern ein bisschen angegeben, schon immer. Von den von ihm gerittenen Pferden hat er viel erzählt, als ich begann, mich für Pferde zu interessieren, aber leider habe ich diese Geschichten vergessen. Pfeil und auch Jugol viele Jahrzehnte später waren etwas Besonderes für ihn. Das Original des Fotos oben, völlig verblasst, an den Seiten gerissen und geklebt, war sein Erkennungsfoto an der Zimmertür im Seniorenheim, in dem er nur wenige Tage blieb, bevor meine Mama ihn aufgrund einiger für ihn typischen Eskapaden nach Hause zurückholte. 

Dass die Proportionen verzerrt seien, kann ich nicht unterschreiben, und ich habe ein gutes Auge für Anatomie, da ich viel gezeichnet habe. Es ist ein gut getroffenes und dynamisches Foto, vermutlich ungewöhnlich für die Zeit und vor allem vor dem Hintergrund des Krieges. Die Pferderassen waren schwerer und robuster als heute, denn sie wurden auf Kraft und Ausdauer gezüchtet. Pfeil war - soweit ich mich erinnere - ein Oldenburger. Treu und verlässlich, aber auch temperamentvoll und dominant, mit einem ausgeprägten Sturkopf. Im Letzteren war er meinem Opa also ähnlich... daher ist diese Pose nichts, wozu man ihn zwingen musste.

 

Opa Karl mit Kamerad  (KI-koloriert)

 

Ganz anders war mein Opa Karl, der nie viel sprach, zurückhaltend war und selten lachte. Zumindest habe ich ihn als sehr kleines Mädchen so erlebt. Er starb, als ich sieben war. Meine Erinnerung ist somit eher schemenhaft, aber trotzdem blieb er mir mit seiner Art und auch einem Geschenk in Form eines geflockten lebensgroßen Kunststoffeichhörnchens mit buschigem Schwanz aus der Kur gut im Gedächtnis.

Als Schreiner baute er im Krieg Flugzeughallen in Dänemark, der Tschechoslowakei und in Italien. Hinter ihm sieht man eine davon. Mit natürlichen PS hatte er es nicht in seinem zivilen Leben, eher mit Autos und Motorrädern, und mein Papa meinte scherzhaft, dass er nur zum Spaß auf den zufrieden wirkenden Rappen stieg. Aber irgendwie konnte ich mir "zum Spaß" bei Opa Karl nicht vorstellen, zumal er recht professionell im Sattel sitzt. Den Namen des Pferdes habe ich leider nicht herausbekommen. Es scheint ein Trakehner oder Hannoveraner und noch recht jung zu sein. Ehrlich gesagt, war das Foto eine Überraschung für mich. Andererseits - der Opa fuhr im Ort noch in Faschingsumzügen auf dem schwindelerregenden Hochrad. Dann meistert man ein braves Pferd doch auch easy, oder? Es scheint sich jedenfalls wohlzufühlen unter ihm. Er mochte Katzen und sie ihn; die Familie hatte immer welche, die ihm ums Kinn schmusten (um den Bart kann ich nicht sagen - beide Opas waren zeit ihres Lebens glattrasiert).

Opa Karl hatte Glück: nach einer eingefangenen Malaria geriet er in amerikanische Gefangenschaft, durfte aber bald wieder zurück in die Heimat.

Es war erstaunlich, was ich durch die Kommentare auf die Fotos erfahren habe. Zum Beispiel vom Schicksal der Kriegspferde, von denen die meisten nicht nach Hause zurückkehrten. Das war sehr traurig. Meinen beiden Opas wurde jedoch eine gute Hand mit Pferden bescheinigt, das hat mich gefreut. Und da die Fotos wirklich schön sind, habe ich sie jetzt unverwüstlich für die Nachwelt auf meinen Blog gesetzt... denn meine Großeltern waren interessante Menschen. Wie eigentlich jeder Mensch eine Geschichte zu erzählen hätte. Ich bedauere es heute noch, dass ich lachend mit den Worten "Die wird viel zu dick, Opa!" abgelehnt habe, als Opa Paul vorschlug, als Ghostwriterin seine Biografie zu schreiben. 

 

 

Samstag, 22. August 2026

"Der Schlossherr" ~ Victoria Holt

Im Tauschregal des Freibads entdeckte ich dieses Buch; eher unscheinbar trotz trashigem Einband und dünn, war es für mich interessant, nachdem ich mich an "Das Geheimnis der Schwestern" erinnert habe, das mir wider Erwarten gut gefallen hat. Ähnlich verhält es sich mit dem Schlossherrn. Obwohl die Geschichte sehr JaneEyre-isch angehaucht ist und daher offenbar wenig originell, fand ich sie großartig, sowohl vom Plot als auch vom Setting und den Dialogen. Auch wenn mich dieses "junge Soundso begibt sich dorthin, um Geheimnisse aufzudecken" im Klappentext normalerweise immer eher abschreckt. Aber hey, Victoria Holt. Muss ich mehr sagen?

 


 

Inhalt: Die junge Engländerin Dallas Lawson ist eine begabte Kunstrestauratorin. Sie reist nach Frankreich zum imposanten Château Gaillard, um im Auftrag des Besitzers – des verschlossenen und geheimnisvollen Comte Lothair de la Talle – alte Familiengemälde zu restaurieren, der eigentlich mit deren Vater als Experte gerechnet hat. So hat Dallas zunächst keinen leichten Stand und muss befürchten, die Arbeit zu verlieren. Doch der Graf gibt ihr eine Chance, sich zu beweisen.

Schon bald gerät Dallas in den Sog düsterer Familiengeheimnisse. Auf dem Schloss lastet ein finsterer Schatten: Das Mysterium um den Tod der ersten Ehefrau des Grafen sowie Gerüchte über verschollene Familienschätze. Während Dallas an den Bildern arbeitet und versucht, die Rätsel der Vergangenheit zu entschlüsseln, entwickelt sich eine komplexe und knisternde Beziehung zwischen ihr und dem unnahbaren Schlossherrn Lothair. Doch auch sein Cousin Phillippe - Lothairs offizieller Erbe - und der Weinbauer Jean-Pierre Bastide haben ein Auge auf die emanzipierte und unerschrockene Dallas geworfen. Und dann ist da noch Geneviève, die unberechenbare, vierzehnjährige Tochter des Grafen, die zu vielen Gedanken und Sorgen Anlass gibt mit ihrem bizarren Verhalten... nicht nur ihrem Vater und der alten Haushälterin Nounou. Auch Dallas sieht sich mit ihren Launen konfrontiert.

 

Der Schlossherr (KI)

 

Meinung: Obwohl ich anfangs dachte "Mann, wie schamlos sie sich bei Charlotte Bronte bedient!" habe ich Victoria Holt das etwas lahme Plotbunny schnell verziehen. Dafür schreibt sie einfach zu gut und zu spannend, zumal das Plotbunny bald eine andere Richtung einschlägt. Vor allem die Dialoge fand ich spitzenmäßig, das Setting auch. Und den Grafen. Eine Art Edward Rochester, arrogant und schroff an der Oberfläche, sarkastisch, kühl, ein Frauenheld, aber insgeheim mitfühlend und verschwiegen, um andere nicht zu verletzen oder in Verruf zu bringen. Was mir auch gefällt, ist, dass Victoria Holts Protagonistinnen nie dominant auftreten, aber ihren Mann stehen können und das Beste aus ihrer Situation machen. Denn leicht hat Miss Dawson es wirklich nicht. Sie fühlt sich zu dem Grafen hingezogen, der jedoch oft auf Reisen geht (Rochester-mäßig), und so tut, als interessiere ihn nur ihre Arbeit. Dafür bürdet er ihr die widerspenstige Teenagertochter auf (Jane lässt grüßen), trotz der Tatsache, dass sie keine Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen hat. 

Die Geschichte hat mich mit ihren Wendungen und Geheimnissen positiv überrascht, denn sie entwickelt sich doch zu etwas Eigenem, das wenig mit "Jane Eyre" zu tun hat. Es geht um Neid, Eifersucht, religiösen Fanatismus und ja, auch Wahnsinn. Aber der gehört in düsteren Schlossgeschichten eigentlich immer dazu, oder? Ein bisschen hat "Der Schlossherr" das Zeug zu einem Lieblingsbuch. Auf seine ganz besondere Art. Ich habe mich lange nicht mehr so gut unterhalten gefühlt und den Roman in zwei Tagen durchgelesen.

 

 Bewertung: 💫💫💫💫💫

 

 

Dienstag, 18. August 2026

Catsitter zum zweiten...

 Nachdem wir letztes Jahr unseren Job als Catsitter so verlässlich und verantwortungsbewusst erledigt haben, war klar, dass wir diese Saison wieder als Pflegemamas der Katzengang unseres Cousins angetreten sind. Für uns ist das eine große Ehre und auch ein Spaß, denn die vier Samtpfoten (Leo ist leider nicht mehr dabei) sind alle so süß und echte Charakterköpfe. Und sie wussten auch noch, wer wir sind, denn wie jeder Katzenfan weiß, haben die Tierchen ein unglaublich gutes Gedächtnis.

 

Mit Gizmo, Felix, Maxl und Lilly (KI)

 

Etwas mühsam und erschwerend kam hinzu, dass Felix nun aufgrund einer Schilddrüsenüberfunktion täglich eine Pille vor dem Fressen zu sich nehmen muss, die wir mit allen Tricks und Raffinessen versuchten, ihm schmackhaft zu machen, da wir mit dem Nutella nicht so ganz einverstanden waren, das er hingebungsvoll vom Napfrand schleckt und in dem wir seine Medizin verstecken sollten. Kurz und gut, wir machen es immer noch, denn Felix lässt sich nicht bluffen und besteht auf seine süße Vorspeise (soviel zum Gerücht, Katzen wären nicht fähig, Süßes zu schmecken). 

Ärger allerdings hat uns allen - Mensch und Tier - die Hitze zugesetzt. In den letzten Wochen gab es fast ununterbrochen über 35°C. Ich bin für die sanitäre Einrichtung der Hausherren Felix und Gizmo zuständig und war jedesmal nach der Reinigung schweißgebadet. Es ist an sich ohnehin keine Arbeit, um die man sich reißt, aber bei solchen Bedingungen, mit megaschwerem Mineralkatzenstreu und zwei älteren Herren, die nicht immer exakt die Mitte des Klos treffen, war die Bullenhitze nicht eben förderlich. Neben schwitzen habe ich oft gekeucht und gestöhnt, bis die großen Brocken abgetragen waren. Allerdings bin ich froh, dass ich nicht zimperlich bin, was das angeht. Auch wenn unsere Kater Toby und Mikkel leichteres, geruchsneutrales Streu aus Holzpellets haben, das man sogar übers WC entsorgen kann, und ich mir oft wünschte, das wäre dort genauso. Aber ach - ich liebe sie ja auch, den Felix und den Gizmo, und möchte, dass ihre Toiletten keinen Grund zur Beanstandung geben. Katzen sind sehr reinliche Gesellen, und nehmen eine unsaubere Umgebung persönlich.

 

Lilly und ich 

 

Mein Lieblingspflegekätzchen - wenn ich denn eines haben sollte - ist Lilly. Wir waren verstört und traurig, als unser Cousin vor seinem Urlaub erzählte, dass es ihr nicht gut geht und die Tierärztin vor kurzem einen Tumor im Maul festgestellt hat. Falls es ihr schlechter gehe, sollten wir sie anrufen, damit Lilly nicht leiden muss. Merkmale wären Probleme beim Fressen und viel Sabber. Wir haben noch von Mamas Bestand aus Gesundheitsprodukten das pulverisierte Vulkangestein Zeolith, auch bekannt als "der Stein des Lebens". Google meinte auf Nachfrage, dass es auch Tieren hilft und in Japan speziell Katzen damit ein langes Leben von über zwanzig Jahren erreichen. Also nicht lang gefackelt. Bei Antritt unserer "Dienstzeit" mischten wir Lilly und Maxl, den Freigängern, eine Messerspitze Zeolith unters Futter und baten Jesus, sie zu schützen. Das ist jetzt fast drei Wochen her, und Lilly geht es richtig gut! Sie hat sogar zugenommen. Der Geifer wurde weniger und ist fast weg. Vielleicht - so vermuten wir - war der Tumor ein Geschwür, das durch das Zeolith geschrumpft ist. Jedenfalls sind wir mächtig stolz auf Lilly, ihren Appetit und ihr Fell, das altergemäß nicht mehr das weichste ist, aber doch wieder schön durch das Zeolith und unsere tägliche Fellmassage, auf die sie schon schnurrend wartet nach den Mahlzeiten. Was Lilly mir bedeutet, kann ich schwer erklären, denn ich sehe sie ja nicht häufig. Aber ich bin ganz verzückt von ihrem ernsten Gesichtchen, ihrer Lebenserfahrung und Weisheit, mit der sie abends am Teich zu unseren Füßen philosophiert, und ihrer kleinen, zähen Statur. Sie haust, wie ihr Sohn Maxl, hinter und in der Scheune und entfernt sich nie weit vom Grundstück. Unser Cousin sagte, sie tauchte einfach irgendwann auf und ist geblieben. Das macht sie in meinen Augen noch liebenswerter.

 

Rien ne va plus! Gizmo mit dem Roulette

 

Den beiden Wohnungskatzen haben wir ein paar Spielsachen besorgt. Wir sind nur morgens und abends für etwa eine Stunde da, so dass wir fanden, sie bräuchten zwischendurch ein wenig Unterhaltung. Vor allem der anhängliche Felix braucht Aufmerksamkeit und Gesellschaft. Auf fruchtbaren Boden sind unsere Bemühungen kaum gefallen; aber wir haben die beiden doch mal am Roulette mit klackenden Bällen erwischt. Und beim Radioeinschalten. Das war ein Schreck! Der lief nämlich einmal, als wir ankamen. Erst eine Nachricht aus Kroatien, sie seien wohl über die Fernbedienung spaziert, ließ uns aufatmen und -lachen. 

Es war wieder ein Abenteuer mit den vieren. Der sonst recht scheue Maxl hat uns sogar eine Ratte gebracht, was offenbar ein Geschenk sein sollte; seitdem ist er erstaunlich schmusig und wagemutiger als Gizmo im zwischenmenschlichen Umgang. So, nun ist es wieder Zeit, nach der Meute zu schauen. Unser Cousin hat nämlich seinen Urlaub um einige Tage verlängert...

 

 

Montag, 10. August 2026

Wochenendrebellen (2023)

Inhalt: Der zehnjährige Jason (Cecilio Andresen) ist Autist und braucht eine strukturierte Umwelt mit klaren Regeln und Routinen. Veränderungen, laute Geräusche und unerwartete Körperkontakte überfordern ihn. Als im Raum steht, dass Jason auf eine Förderschule versetzt wird, schließt sein Vater Mirco (Florian David Fitz) einen Pakt mit ihm: Wenn Jason sich bemüht, seine Mitschüler und Lehrer auf der Regelschule nicht zu provozieren und er sich seinerseits nicht provozieren lässt, hilft Papsi ihm dabei, seinen Lieblingsfußballverein zu finden. 

 


 Da Jason analytisch und logisch vorgeht, ist es für ihn undenkbar, den Verein nach Leistung oder Wohnort zu wählen, wenngleich beide Elternteile fußballbegeistert sind. Er stellt für sich strenge Kriterien auf: 

- Der Verein darf kein peinliches Maskottchen oder alberne Rituale wie bunte Schuhe haben.

- Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein müssen eingehalten werden - von den Fans und vom Verein. Auch dürfen keine Nazis im Stadion sein. 

- Jason muss alle Spiele live im Stadion gesehen haben - insgesamt 56 Stadion stehen auf seiner Agenda, bevor er sich für einen Verein entscheidet.

Für Mirco, der als Unternehmensberater viel unterwegs ist und eigentlich wenig Zeit hatte für seinen Sohn, beginnt eine chaotische und emotionale Odyssee  durch deutsche und europäische Stadien. Das fordert Papsi extrem heraus, da Jasons Bedürfnisse und Regeln oft nicht konform gehen mit dem Fußballverhalten von Fans und Spielern. Der Film beleuchtet ungeschönt, aber humorvoll den herausfordernden Alltag einer Familie mit einem neurodivergenten Kind.

 

Thomas Ulrich / Pixabay

 

 Meinung: Der Film basiert auf einer wahren Geschichte - die der Familie Juterczenta. Vielleicht erklärt das die wenig strukturierte und langatmige Handlung. Ich hoffe, es ist kein Megaspoiler, wenn ich schreibe, dass der echte Jason noch immer mit Papsi auf der Suche ist. Also irgendwie unspektakulär und doch total außergewöhnlich. Oft habe ich mich gefragt, wie man Herausforderungen, die Menschen wie Jason an ihr Umfeld stellen, meistern kann und dabei nicht die Nerven verliert. Wo "Rain Man" noch anrührend war, empfand ich "Wochenendrebellen" als  anstrengend und schroff, beinahe brutal. Weil Jason unbeabsichtigt alle um sich herum manipuliert, altklug daherredet und auch Papsi Floran Fitz nach gefühlten zwei Stunden Filmlänge etwas zu seinem Sohn sagt, das - wie er meint - unverzeihlich ist. Und ich fand das auch furchtbar, trotz der Tatsache, dass ich Papsis Wut fast verstehen konnte. Das hat Jason aber schon vergessen. "Ich weiß ja, dass du mich liebst", sagt er, und widmet sich schon wieder den schwarzen Löchern oder der Quantenphysik, über die er morgens um Vier unbedingt seiner Mutter einen Vortrag halten muss. Ich würde ausflippen, ganz ehrlich. 

Aber gut gemacht war der Film. Er hat mich nachdenklich gemacht. Nicht wirklich sensibel für Asperger-Autisten, für die Verständnis aufzubringen mir leider und zugegebenerweise schwerfällt, wenn ich Jason betrachte. Ein netter Junge eigentlich, der schnell über Kleinigkeiten wie ein besetzter Platz an der Bushaltestelle zum Tyrann werden kann. Das Unverständnis mancher Menschen war allerdings genauso verstörend. Würde man mir erklären, weshalb jemand so reagiert, würde ich doch versuchen, die Ordnung wiederherzustellen, selbst wenn sie mir unsinnig vorkommt. Wenn man dafür jedoch weder ein "Danke" noch "Bitte" hört, sondern es als selbstverständlich hingenommen wird, dass man den anderen hofiert, dann merke ich, dass ich den Kontakt mit Autisten wie Jason nicht suchen würde. Ein wenig Respekt sollte man jedem entgegenbringen können, ohne sie zu beschimpfen und zu toben. Aber wer wäre ich als Nicht-Neurodivergente, das zu beurteilen? Insgesamt war der Film aufschlussreich und hat mir auf jeden Fall gezeigt, wie unterschiedlich und zugleich erstaunlich das Autistenspektrum ist.

 

Bewertung:  💫💫💫