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Montag, 21. April 2014

Walt Disney ~ Das Dschungelbuch (1967)

Zugegeben und Asche auf mein Haupt: als neulich im Privatfernsehen mein Lieblings-Disney lief, habe ich ihn verpasst. Dabei war das so etwas wie ein Großereignis, trendete es doch auf Twitter und allen möglichen anderen Sozialmediaplattformen. Manche der Diskutierenden haben diesen Film zum ersten Mal gesehen - irgendwie eine merkwürdige Vorstellung, wenn einen Baghira, Balu, Mogli, Shir Khan, Kaa und King Louis schon seit seiner Kindheit begleiten (Oh, ich fühle mich alt!).

"Das Dschungelbuch" muss mein erster Besuch ins Kino gewesen sein. Es kam zu irgendeinem Jubiläum neu heraus und wurde in ausgewählten Lichtspielhäusern gezeigt. Ich war so was von geplättet. Schon der Anfang, als der Panther Baghira zu atmosphärischer Musik auf seinem Routinegang durch den indischen Dschungel streift, hat etwas Magisches. Die Bewegungen der Raubkatzen, die typischen Eigenheiten der Figuren, die Zeichnungen und die Wärme, mit der die Geschichte des Findelkindes Mogli erzählt wird, suchen heute m. M. in der Disney-Fabrik ihresgleichen. Man sagt, "Das Dschungelbuch" sei die letzte Produktion gewesen, die Onkel Walt persönlich überwacht hat, und ich meine, das ist zu sehen und zu spüren.

Am liebsten mochte ich als Kind - anders als die meisten - die Großkatzen. Das lag vermutlich daran, dass ich selbst Katzen hatte und extrem beeindruckt war von der Detailgenauigkeit, mit der die Zeichner die Geschmeidigkeit und Eleganz von Panther und Tiger einfingen. Als Shir Khan zum ersten Mal auftaucht und zum Sprung auf das Reh ansetzt, konnte ich wahrscheinlich zwischen Trick und Realität nicht mehr unterscheiden. Ich war dann doch froh, dass es ihm entwischt und nicht wie Bambis Mama ein so traumatisches Ende findet.

Wenn ich mir den Film heute ansehe, dann lache ich über die Schlange Kaa und die vorwitzigen Affen, und groove mit bei "Ich wär' so gern wie du" von dem Affenkönig und dem Boogie-Beat, mit dem Balu ihn von seiner menschlichen Beute abzulenken gedenkt. Dieses Lied ist eines der wenigen, das ich in Deutsch fast besser finde als in der Originalversion. Ich liebe Balu den Bär, weil ich hin und wieder gern so wäre wie er. Auf den ersten Blick scheint er ein Faulpelz und Tunichtgut, aber eigentlich weiß er genau, worauf es ankommt. Wenn er Mogli seine Lebensphilosophie vermittelt, fühle ich mich mehr denn je angesprochen. Wenn's nur so einfach wäre...




Das Dschungelbuch ist für mich Disneys Meisterwerk. Auch wenn sich alle Disney-Filme mit diesem Prädikat schmücken dürfen, so hat es meiner Meinung nach nur und mit Abstand dieser verdient. Kein Vergleich zum "König der Löwen" in dem es zum Großteil pathetisch und düster zugeht und der Humor in Relation zum Dschungelbuch platt wirkt.

Die Charaktere sind liebenswert (selbst die zerrupften Beatles-Geier, die sich für Mogli als Retter in der Not bewähren und der starrköpfige und vergessliche Colonel Hathi)), man fühlt mit Mogli, der im Dschungel bleiben will und dann doch sein wahres Zuhause in der Menschensiedlung findet - zur großen Erleichterung seines Babysitters Baghira. Das Ende, als sich Balu widerwillig mit dem Ausgang der Geschichte arrangiert und sich den verdutzten Panther unter die Pranke klemmt, um mit ihm zum Dschungel zurückzuschlendern, ist für mich eines der schönsten überhaupt - schon der Gedanke daran beschert mit eine Gänsehaut von Kopf bis Fuß.

Fazit: Ein Klassiker und toller Familienfilm mit großen Gefühlen, witzigen Einlagen und liebevollen Zeichnungen. Überwaltigend! Für mich das Beste, was Disney je auf die Beine gestellt hat!

Bewertung: 


                                 👍👍👍👍👍









Samstag, 19. April 2014

Frohe Ostern!

Etwas Schockierendes: An Ostern wird bei uns kein süßes Lämmchen verzehrt oder sonst irgendwie geschlemmt und auch keine Eier gesucht. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir zuletzt Ostern im traditionellen Sinn gefeiert haben, aber eigentlich vermisse ich es auch nicht. Somit wird mein Ostern *nur* eine kleine Auszeit von der Routine sein. Ich hoffe mal, dass das Wetter noch besser wird, damit ich mich ein bisschen auf den Balkon setzen und mich sonnen kann.




Ein handgemalter Ostergruß will sich doch noch auf mein Blog schleichen - ich dachte schon beim Entstehen daran, dass es sich dabei um nichts anderes als um ein Ei handeln kann, das für die christliche Symbolik der Auferstehung durchaus einen Sinn macht, was ich bis vor kurzem nicht wusste. Das ausgeblasene Ei ist so leer wie Jesu Grab, das die Jünger drei Tage nach seiner Kreuzigung öffneten. Zumindest könnte man es so interpretieren. Warum man die Eier allerdings bemalt und aufhängt, entzieht sich meiner Kenntnis und scheint eher heidnischen Ursprungs zu sein.


~~~


Ich wünsche allen Lesern und Kollegen ein schönes Fest. Vergesst über all dem Suchen und Schlemmen nicht ganz den Grund, warum Ostern gefeiert wird.


Sonntag, 13. April 2014

Rezension "Die Fackeln der Freiheit" von Diana Gabaldon

Eigentlich wollte ich das Buch bereits nach einem Drittel abbrechen. Da ich jedoch weder Ehre noch Prinzipien habe, und auf der anderen Seite wieder doch (immerhin hatte ich die ersten beiden Teile der Lord John-Reihe gelesen, und das mit großem Vergnügen), habe ich mich nun doch durch den ganzen Wust aus Verschwörungen, süßlichen Kleinkindszenen, unfreiwilliger Komik und mysteriösen "..."-Sätzen und -Fragen geackert.




Die Handlung ist schnell erzählt und wenig interessant oder fesselnd: Lord John holt Jamie Fraser aus seinem "Gefängnis" Helwater, einem Gut in Schottland, aus dem er sich als Gefangener nicht entfernen darf. Er genießt dort gewisse Privilegien und ist in der Lage, seinen kleinen unausstehlichen unehelichen Sohn William zu sehen, der das Imperium einmal erben wird. Als Lord John Grey rätselhafte Papiere in die Hände fallen, deren Inhalt auf Gälisch verfasst ist, bittet er Jamie Fraser um Hilfe und um seine Begleitung nach Irland, um eine in der Luft liegende jakobitische Verschwörung aufzudecken. Wenngleich Jamie Fraser durch seine verschollene und in die Zukunft gereiste Frau Claire weiß, dass jede diesbezügliche Anstrengung zum Scheitern verurteilt ist, nimmt er die Aufgabe an. Auf den restlichen 300 von ca. 550 Seiten wird gekämpft, duelliert, dümmlich gereimt, gebetet, unpassend blumige Vergleiche gezogen und vor allem spekuliert mit diesen unsäglichen unvollendeten Sätzen, aus denen kein noch so aufmerksamer Leser schlau wird.

Meine Meinung: Man soll nicht behaupten, ich hätte es nicht versucht - aber ich verstehe nicht, warum man Diana Gabaldon mit diesem Buch über den grünen Klee lobt und es als "Spiegel-Bestseller" in die Literaturannalen eingegangen ist. Selten habe ich mich so gelangweilt, um nicht zu sagen geärgert über einen Roman. Schlechter Stil, ordinäre Wortwahl, zu wenig Gefühl und zu viele Wiederholung wie der galoppierende Reiter im Galopp haben mir die Vorfreude auf den heiß ersehnten dritten Teil gründlich verdorben. Hinzu kommt, dass man die ersten beiden Lord John-Romane ohne Hintergrundwissen zur Highland-Saga mit Jamie Fraser lesen kann - in diesem werden häufig Andeutungen aus letzterer gemacht, was mich als Nicht-Fraser / Randall-Fan völlig irritiert hat. Empfehlen kann ich "Die Fackeln der Freiheit" nicht, obwohl mir immerhin Lord John trotz seines lüsternen Froschgequakes ein wenig sympathischer wurde und auch Jamie Fraser mich gegen Ende nicht mehr so genervt hat wie zu Beginn - wohl, weil ich mich an seine Perfektion gewöhnt hatte und es mir irgendwie gefiel, wenn ein bisschen Gefühl wenigstens gedanklich gezeigt wurde, sobald Lord John seiner ansichtig wurde (der "prachtvolle Hirsch"-Vergleich war allerdings wie das Gequake recht abtörnend).

Irgendwann habe ich mich schließlich gefragt, ob die Übersetzung zumindest eine "Teilschuld" trägt an der miesen Qualität. Formulierungen und Sätze wie "Du hast aber eine großen Schniedel, Onkel John!", "der haarige Arsch" und "Der leise Hauch von Scheiße", der Jamie Fraser endgültig Gewissheit darüber verschafft, dass er seinen Sohn liebt, fand ich absolut überflüssig und fast schon vulgär und ekelhaft.

Fazit: Wahrscheinlich haben Fans von beiden Reihen ihre Freude an einem Wiedersehen zwischen Lord John Grey und Jamie Fraser, die ein Geheimnis im Stall von Helwater verbindet, hinter das ich nicht gekommen bin. Mich selbst hat Frau Gabaldon leider gar nicht überzeugt. Ich weiß nicht, ob ich einen vierten Teil durchstehe - falls es ihn gibt - obwohl ich den schneidigen John Grey immer noch recht gelungen finde. In jedem Fall war ich erleichtert, dass die letzten 30 Seiten aus Danksagungen, Recherchequellen und Informationen bestanden, die mich noch weniger interessierten als der Roman an sich.


Bewertung: 
👍




Samstag, 12. April 2014

Leserunde Nr. 2

Noch zehn Tage bis zum Start meiner zweiten Online-Leserunde - dieses Mal zu "Vom Ernst des Lebens". Ob ich aufgeregt bin? Schon ein bisschen. Vielleicht nicht mehr gar so hibbelig wie bei der ersten, aber es ist doch immer etwas Besonderes, seinen eigenen Roman mit mehreren Leuten zeitnah zu diskutieren.




Ich bin froh, dass mir der Büchertreff diese Möglichkeit gibt - auch wenn es für Indie-Autoren nicht so einfach ist wie für Autoren von großen Verlagen, eine Leserunde zu organisieren, so war zumindest bei der ersten zum "Bildnis des Grafen" der Aufwand durchaus lohnenswert. Ich hatte sehr viel Spaß mit meinen Meisterdetektiven, und es war toll, zu lesen, wie gut ihnen die Geschichte gefallen hat und wie sehr sie mitgefiebert haben. Das wiegt so manch harsche Kritik wieder auf, der sich ein Autor naturgemäß stellen muss. Nicht, dass ich etwas gegen andere Meinungen habe, doch ich finde, wenn man ein Buch schon verreißen muss, sollte die Kritik sachlich und gut begründet sein und vor allem sollte man es zu Ende gelesen haben, ehe man sich zu persönlichen Beleidigungen versteigt.

Was "Vom Ernst des Lebens" betrifft, so bin ich wie beim "Grafen" recht zuversichtlich und zähle auf die Leseerfahrenheit der Teilnehmer und das allgemein hohe Niveau des Forums. Natürlich wird es Kritikpunkte geben, die eine oder andere Verhaltensweise meiner Protagonisten Miles und Rupert hinterfragt werden und / oder ein verständnisloses Kopfschütteln ernten; ehrlich gesagt, geht es mir heute zuweilen so, wenn ich den Roman so durchblättere. Aber das macht eine Diskussion erst aus, und ich werde auch nicht versuchen, das letzte Wort zu behalten oder alles aufzuklären, was evtl. auf den ersten Blick wenig nachvollziehbar ist. Ruperts neurotische Ader beispielsweise. Er war für mich das krasse Gegenteil zu Miles, der ihn nach Paris "entführt", um ihn scheinbar davon zu überzeugen, dass die Welt mehr zu bieten hat als Bücher, die Routine des Alltags und ein Leben als Literaturprofessor in Cambridge. Rupert allerdings tickt anders als Miles. Er meidet zwischenmenschliche Beziehungen weitgehend, ist zufrieden mit dem, was er hat und fühlt sich am wohlsten, wenn man ihm seine Ruhe lässt. Durch Miles und Paris ändert sich sein Leben, doch er hat Schwierigkeiten, sich in der "neuen" Welt zurechtzufinden, auch wenn ihm Miles' aufmerksame Freundschaft durchaus schmeichelt.

Es gibt ein paar Stellen im Buch, die ich heute vermutlich anders schreiben würde. Ich glaube, ganz so neurotisch würde ich Rupert nicht mehr anlegen, obwohl ich nach wie vor finde, dass er nach seiner Überzeugung verständlich handelt und auch mit den etwas überzogenen Phobien und Macken menschlicher wirkt als Miles. Der wurde von einigen meiner Leser als "zu begabt" beschrieben - er ist eloquent, überraschend, selbstbewusst, spricht fließend Französisch, weiß immer einen Rat und setzt diesen auch unverzüglich in Taten um. Ein strahlender Held ist Miles allerdings mitnichten. Tief im Inneren bewegt ihn eine traumatische Vergangenheit und eine ungewisse Sicht auf die Zukunft, die ihn vielleicht sogar zu einem größeren Zweifler macht als der von ihm gekidnappte Freund.

Ich bin jedenfalls supergespannt auf unsere Runde und hoffe, dass jeder sich gut während der Lektüre unterhält. Nichts anderes will ein Autor mit seinen Geschichten ja erreichen.




Montag, 7. April 2014

Alfred Hitchcock ~ Rebecca (1940)

Dieser Film nach dem Roman von Daphne du Maurier ist wohl mein Lieblings-Hitchcock, wobei ich mich nicht als Kenner des Regisseurs bezeichnen möchte und nicht alle seine Filme gesehen habe. Ich mag die Geschichte. Knifflig, romantisch, überraschend, anrührend und von einer bitteren Wahrheit ist sie, die der neuen Mrs. de Winter (entzückend in ihrer Rolle als täppisches Lämmchen: Joan Fontaine)  bis fast zum Schluss verborgen bleibt.

 


Es geschieht nicht oft, dass ich mit der weiblichen Hauptfigur empfinde; bei "Rebecca" ist das der Fall. Klar, Laurence Olivier (noch jung und erstaunlich attraktiv) kommt anfangs ziemlich chauvimäßig daher, indem er seiner Monte Carlo-Bekanntschaft verbietet, erwachsen zu werden und sie mit einer Nonchalance und Selbstverständlichkeit herumkommandiert, die der emanzipierten Frau von heute die Nackenhaare aufstellen. Und die Tatsache, dass sich das Lämmchen das alles gefallen lässt und sogar noch dankbar für seinen scheinbar oft rüden Ton ist, gibt Verfechterinnen der Gleichberechtigung sicher den Rest.

Trotzdem. Im Lauf des Films wird klar, warum der melancholische Witwer Maxim de Winter so handelt, und warum er sich nach der schillernden, allseits beliebten Rebecca ein unscheinbares Mäuschen angelt. Die jedoch fühlt sich den Anforderungen auf dem mondänen Anwesen Manderley nicht gewachsen, und vor allem nicht der Konfrontation mit der Hauswirtschafterin Mrs. Danvers (grandios und subtil dämonisch: Judith Anderson), die Maxim de Winters verstorbene Ehefrau Rebecca vergöttert hat und es selbst nach deren rätselhaftem Tod noch tut, indem sie der unsicheren Nachfolgerin das Leben auf Manderley zur Hölle macht.

Erst durch eine Nacht, in der ein gekentertes Segelboot gefunden wird (das ironischerweise Je reviens heißt, wie uns die Romanvorlage verrät), gewinnt das scheue Rehlein / die neue Mrs. de Winter Selbstvertrauen und beginnt Maxims Verhalten zu verstehen, das sie bis hierher als Trauer um den Verlust seiner schönen, begehrenswerten ersten Frau gedeutet hat. Er erzählt ihr von Rebecca, wie sie ihn mit ihrer Schönheit geblendet und dann erpresst hat, als er sich scheiden lassen wollte. Zu spät hat er bemerkt, dass Rebecca nicht lieben kann und ihre Ehe zum Scheitern verurteilt war. In seiner neuen Bekanntschaft (Joan Fontaine bleibt namenlos und wird nur als Mrs. de Winter erwähnt) findet er Qualitäten, die Rebecca völlig abhanden gingen: Mitgefühl, Liebe, eine erfrischende Naivität und Ehrlichkeit. Zu dumm, dass er damit nicht früher vor ihr herausrückt, denn die arme Joan kämpft lange gegen die zwar verblichene, aber immer noch allgegenwärtige Rebecca an und fühlt sich in ihrem Schatten minderwertig und langweilig. Darin unterstützt sie die perfide Haushälterin mit allen Mitteln - bis diese sich selbst in ihrem Wahn, Rebeccas Position an der Seite von Maxim zu verteidigen, eine Grube gräbt.

 

Tama66 /Pixabay

 

Ein psychologisch ausgefeilter und atmosphärisch düsterer Klassiker, den man immer gerne anschaut und der von seiner Aktualität auch nach fast 75 Jahren (Oh Schreck - so alt schon!) nichts eingebüßt hat. Vielleicht wirkt er auf viele Rebeccas altbacken, aber für Zuschauer, die den Wert eines guten Herzens kennen und wissen, dass innere Werte mehr zählen als der bloße Schein, erzählt der Film eine berührende und komplexe Geschichte, die durchaus realistisch in Szene gesetzt wurde. Ach und ganz nebenbei: hübscher und graziler als Joan Fontaine konnte Rebecca auch nicht sein.

Und einen Trend gesetzt hat die kleine Schwester von Olivia de Havilland ebenfalls: die saloppe Strickjacke, die sie häufig im Film trägt, darf in keiner Garderobe einer modebewussten Frau fehlen und ist bis heute noch in vielen Ländern als "Rebecca"-Style bekannt.
 

Mein Lieblingsdarsteller war neben "Shere Khan" George Sanders übrigens Jasper der Cockerspaniel.


Bewertung: volle Punktzahl!

  👍👍👍👍👍






Freitag, 4. April 2014

*Luxus-Problem*

Zum besseren Verständnis: Ich hasse diesen Ausdruck. Nicht nur, weil Luxusprobleme eigentlich gar keine Probleme sind, sondern weil es viele Wörter und Ausdrücke gibt, die ich absolut nicht ausstehen kann, da man sie an jeder Ecke hört und sie mittlerweile zu Phrasen und "Wort-Hülsen" verkommen sind (Googlebots könnten davon wahrscheinlich ein Lied singen, wenn sie musikalisch wären). Obendrein klingt es furchtbar angeberisch und überheblich, das Luxusproblem per se.

 

 

Zurück zu *meinem* Luxusproblem: ich bin klein und schmal und schon immer gewesen. Daher finde ich selten etwas zum Anziehen, das mir auf Anhieb steht, weil ich es meist umändern muss, wenn ich es denn unbedingt haben will. Die Kinderabteilung ist leider keine Alternative mehr - irgendwann wirkt man in den knallbunten Sachen nur noch lächerlich. Und da ich vor kurzem eine abschreckende Reportage über H&M und C&A gesehen habe, kann ich dort auch nicht mehr unbeschwert shoppen gehen, abgesehen davon, dass ich schon von Glück sagen kann, wenn es mal Hosen beim Stadteinkauf in Größe 32 gibt und die auch noch passen.

Heute wollte ich mir ein oder zwei T-Shirts kaufen. Ich habe streng genommen nur eines, das Halbärmel hat (also ein T-Shirt im ursprünglichen Sinn ist), und das muss ab und zu eben gewaschen werden. Also war ich in der Stadt, um auf Beutefang zu gehen. Ich weiß, dass Esprit nicht viel fairer wirtschaftet als die oben genannten Konzerne, aber die Klamotten scheinen mir doch ein wenig hochwertiger zu sein, zumindest ist das mein Eindruck (der vermutlich täuscht). Jedenfalls war ich da und habe mich schon sehr gefreut, dass einige T-Shirts in XS auf Lager waren. Super! Und die Auswahl war nicht ohne. Bestimmt finde ich was, dachte ich und habe mich durch das Angebot gewühlt. Tja. Fehlanzeige. Die Größe hat teilweise zwar gestimmt, aber wieso gibt es in diesem Jahr entweder diese scheußlichen Fotodrucke oder total altbacken wirkende T-Shirts, in denen nur noch die Schulterpolster eingenäht gehören, um daraus ein 80er Jahre-Relikt zu machen? Die Foto- und Grafik-T-Shirts sind nicht viel besser. Meist noch trist schwarz-weiß und formlos. Das Zebra ist offenbar ein beliebtes Motiv, gleich nach der schmollenden Lolita, die in verschiedene Segmente eingeteilt wird oder mit wahlweise sinnigen Facebook-Weisheiten oder *rotzfrechen* Sprüchen ("Your look sucks!") und Pailetten bedruckt und bestickt. Wieder lassen die 80er grüßen.

Da würde ich mir lieber meine eigenen Foto-T-Shirts drucken lassen, so wie ich das als Teenager gemacht habe. Die wären mir allerdings heute peinlich. Ich meine, "I believe in Sherlock Holmes"  ist genau so abgenudelt und out wie jedes Fratzenbuch-Zitat.

Na ja. Bleiben mir halt meine handgearbeiteten Tops, meine Blüschen mit lieblichem Blumenmotiv oder die karierten und dezent gestreiften, die ich schon vor fünf Jahren im Second Hand erstanden habe. Die sind immer noch tragbar und zeichnen mich außerdem als Individualisten aus.








Dienstag, 1. April 2014

Auf ein neues: Gratis-Coupon zum Download von "Vom Ernst des Lebens"

Kein Aprilscherz: für genau fünf Tage (1. April - 6. April) biete ich meinen Roman "Vom Ernst des Lebens" erneut als kostenlosen Download an. Auf dem Büchertreff  haben wir demokratisch über drei meiner "handlicheren" Geschichten abgestimmt, welche zur Auswahl für eine virtuelle Leserunde stehen, und die von Miles und Rupert im Paris der 1950er Jahre  hat das Rennen gemacht.


Liebe Büchertreff-Mitglieder und alle, die die erste Aktion im März verpasst haben: hier könnt ihr den

Couponcode 

 84A39FB5C4


kopieren und ihn dann auf www.xinxii.com einlösen, indem ihr ihn beim Ausloggen (zuerst anmelden, sofern nicht bereits geschehen) in das entsprechende Feld einfügt. "Vom Ernst des Lebens" wird dann gratis auf euren PC geladen. 

 



Ein Termin für unsere Leserunde auf dem Büchertreff steht noch nicht fest, aber ich schätze, dass wir uns auf nach Ostern (Ende April / Anfang Mai) einigen können. Das würde auch sehr gut zur Jahreszeit passen, in der das Buch spielt.

Weitere Interessenten sind herzlich willkommen, an der Runde teilzunehmen! Ich bin gespannt darauf, mich mit euch über meinen Roman auszutauschen (und nicht mehr gar so aufgeregt wie bei meiner Leserunden-Premiere vom "Bildnis des Grafen") und würde mich nach dem Beenden der Lektüre besonders über Rezensionen freuen!





Samstag, 29. März 2014

Redlich verdientes Wochenende

Puh! Zwei anstrengende, aber auch erlebnisreiche Tage liegen hinter mir.




Im WIRTHs HAUS fanden gestern und heute Veranstaltungen statt, bei denen ich ein kurzfristig ausgefallenes Teammitglied vertreten habe. Die erste war am Freitagabend eine Lyrik-Lesung der Autorin Marietta Dörtzbach.

Ich bin eigentlich eher für die Raumvorbereitung zuständig, heißt ich achte darauf, dass alles in Ordnung und sauber ist, so wenig wie möglich Staubfussel und Malkleckse auf dem Holzboden des Ateliers kleben, und bei Bedarf und auf Wunsch richte ich kleine Häppchen oder einen meiner berühmt-berüchtigten Ananasigel. Ich bin sozusagen ein Rad im Getriebe, die Fachfrau fürs Grobe und vorläufig vollauf zufrieden damit. Einen ganzen Abend komplett zu organisieren, ist dagegen schon recht verantwortungsvoll. Zum Glück lief alles glatt. Beleuchtung, Deko usw. kamen mit einigen Abstrichen gut an, für das leibliche Wohl war mit Apfelsaft, Bio-Zisch und Salzstangen gesorgt und der Abend selbst war ein richtig tolles Erlebnis für Gedichte- und Lyrikliebhaber, die die ca. 35 Gäste zweifellos waren (Stühle wurden noch etliche mehr hineingetragen als auf dem Foto zu sehen sind).

Es war meine erste Lesung dieser Art, und ich habe es bewundert, wie souverän Marietta ihre doch sehr persönlichen Stücke vorgetragen hat - aus ihrem Notizbuch! Ich fand das echt urig. Und irgendwie auch rührend. Seit dem Teenageralter schreibt sie ihre Gedanken und Gefühle in Versform auf und trotzt damit gelegentlich auch den gut gemeinten Ratschlägen von Literaturprofessoren und - kritikern, die mit der poetischen Umschreibung "Stängelbeinchen" nichts anfangen können (wie prosaisch!).

Eine wirklich bemerkenswerte und sympathische Frau, die Maeggy. Ich werde sie demnächst fragen, ob sie nicht Interesse hätte, ihre Lyrik zu veröffentlichen, denn sie spricht bestimmt vielen aus der Seele.

Kurz nach 22:00 Uhr haben wir dann bereits angefangen, für unser Mal-Seminar am folgenden Tag umzuräumen, damit ich nicht gar so früh aufstehen musste (^^). Das ging von 10:30 Uhr bis spät nachmittags, und ich muss sagen, ich bin jetzt doch ziemlich groggy. Eine gewisse Anspannung ist immer da, auch wenn die Teilnehmer angenehm sind und sichtlich Spaß haben an dem, was man vermittelt. Mir fehlt einfach noch ein bisschen die Routine in dem neuen Konzept, und anfangs ist man froh um jede Unterstützung. Früher habe ich häufig Bastelkurse geleitet, aber das ist schon eine Weile her, und unter uns - wirkliche Freude hatte ich an ihnen nie. Ich bin einfach kein Lehrertyp, und wurde ergo als solcher auch nie wirklich ernst genommen (was evtl. auch auf mein damaliges Alter und mein damit verbundenes Babyface zurückzuführen war).




Unsere Workshops sind daher anders aufgebaut. Es gibt keine negative Bewertung und kein "Mach es so wie ich", sondern jeder malt und zeichnet, wie er kann, entdeckt seinen Stil, darf sich frei bewegen, Kaffeepausen einlegen und sich ungeniert am Imbissbuffet bedienen. Natürlich geben wir Hilfestellung, wenn Fragen zu Maltechniken aufkommen, geben auch Übungen vor, aber es ist völlig okay, wenn die Teilnehmer eigene Ideen verwirklichen, für deren Umsetzung sie zuhause vielleicht nicht die Mittel und den Platz oder die Inspiration haben. Außerdem macht es Spaß, in Gesellschaft zu malen und unmittelbares Feedback zu einem entstehenden Bild zu erhalten.

Ich glaube, ich maße mir nicht zu viel an, wenn ich behaupte, dass unsere *Probanden* glücklich und zufrieden mit ihren ganz eigenen Werken den Heimweg angetreten haben (dass ich bei der Aquarell-Aufgabe im Rahmen des Vorführeffekts ordentlich geschwitzt habe, weiß nur mein Sweater. Hoffe ich.)

Was mich betrifft, so habe ich nach der Aufräumaktion im Atelier erst mal ein wenig Matratzenhorchdienst geschoben.





Pst... wer Bekannte und Freunde zum Tages-Workshop mitbringt, nimmt an diesem zum Einführungspreis von € 50,00 statt € 75,00 teil. Die Freunde ebenfalls.


Dienstag, 25. März 2014

Ich lese (noch): Diana Gabaldon ~ Die Fackeln der Freiheit

"Es kann nur eine geben: Diana Gabaldon ist die Mutter aller Highlander" verkündet die Brigitte großspurig auf der Rückseite von Frau Gabaldons neuestem Werk "Die Fackeln der Freiheit". Und die aller Wälzer, von denen ich mich durch besagten zurzeit quäle. Mit Ach und Krach habe ich es jetzt zum dritten Teil auf Seite 213 geschafft, und es liegen noch - Schockschwerenot! - geschätzte zwei Drittel vor mir.




Grundsätzlich mag ich die Lord John-Romane, seit ich den zweiten und vorigen Band "Die Sünde der Brüder" zum Weihnachtswichteln vor einigen Jahren geschenkt bekommen habe. Damals hat jeder von Jamie Fraser und Claire geschwärmt, und mit wie viel Leidenschaft, Gefühl und Geschick Frau Gabaldon ihren Protagonisten sinnliches Leben einhaucht. Dass Jamie und Claire mich im Gegensatz zur millionenfachen Fangemeinde völlig kalt lassen, habe ich gemerkt, als ich mir den ersten Teil der Highland-Saga von meiner Tante auslieh. Auch das Fantasy-Element (Claire kann durch die Zeit reisen und betreibt schamlos Bigamie, falls es einige interessiert, die es noch nicht wissen) hatte für mich eher abschreckenden Charakter, wenn auch die Idee zweifellos originell ist.

"Die Sünde der Brüder" aus der Lord John-Reihe hat mich dagegen richtig gepackt. Ich fand John Grey sympathisch, wenn auch nicht besonders pfiffig, und sein Stiefbruder Percy Wainwright, für den der schwule Lord entbrennt, habe ich derart ins Herz geschlossen, dass ich erleichtert war, ihn am Ende des Romans nicht sterben zu sehen bzw. zu lesen.

Umso mehr habe ich mich auf den Folgeroman gefreut. Leider erfüllt er absolut nicht meine Erwartungen bisher. Mag sein, dass ich in den letzten Jahren ein bisschen anspruchsvoller geworden bin, was Stil und geschriebene Wortwahl betrifft. Als Autor hat man ja gewisse Vorlieben und auch Abneigungen, sei es vom Satzbau, Stilmittel, Interpunktion etc. pp.

Und bedauerlicherweise habe ich an "Die Fackeln der Freiheit" so einiges zu mäkeln. Allem voran die unausgegorenen Gedankengänge mit "...?", die ich für schlechtes Schreiben halte, und die in gefühlt jedem zweiten Satz vorkommen. Als müsste man als Leser ahnen, worauf Frau Gabaldon bzw. ihr ach so toller Highlander Jamie Fraser hinauswollen, wenn ein bedeutungsschweres "Konnte es sein, dass...?" oder ein "Spielte sie darauf an, welche Rolle er - nein, dass konnte nicht sein - oder doch...?" in den Raum geworfen wird. Diese Stilblüten, muss ich sagen, nerven mich an der Geschichte am meisten neben der Tatsache, dass man scheinbar die kilometerlange Highland-Saga gelesen haben muss, um die obskure Animosität zwischen Jamie und Lord John zu ergründen. Liegt es letztendlich nur daran, dass Grey Frauenschwarm Jamie bei einer Art Machtspiel ins Bett zerren wollte, einen Korb kassiert und Jamies Männlichkeit empfindlich gedemütigt hat? Wie auch immer, es interessiert mich nicht sonderlich.

Irgendwie gelingt es Frau Gabaldon in diesem behäbigen, zähen Werk sogar, meine Sympathie für Lord John im Keim zu ersticken. Und der betont männliche Jamie ist meiner Meinung nach ein echter Waschlappen. Fällt ständig in Ohnmacht und murmelt pausenlos Beschwörungsgebete für "Sassenach" Claire und ihren gemeinsamen Sohn, die beide durch das Zeittor verschwunden sind ohne Angaben von Gründen (nicht, dass ich die erfahren möchte).

Ehrlich, ich bin enttäuscht und gelangweilt. Auch sprachlich finde ich den Roman unter aller Kanone, und dabei stören mich nicht einmal die vielen Wiederholungen. Es gibt eine *pikante* Szene zwischen Grey und dem breitknochigen, großen, schweren "ur-teutonischen" Deutschen von Namtzen (was für ein Name und was für ein Klischee der Deutschtümelei!), die so peinlich, steril, hölzern und absolut unsexy ist, dass man sich dafür fremdschämen möchte. Kein Wunder, dass Jamie Frasers Ehre verletzt war, wenn es bei Lord John aus Prinzip klinisch wie beim Arzt zugeht. Unter sinnlich verstehe ich etwas anderes.

Von Spannung und Tempo kann bisher ebenfalls nicht die Rede sein. Eigentlich sollte Jamie mit den Grey-Brüdern nach Irland reisen, um dort als Helfer und Dolmetscher eines irisch-gälischen Geheimcodes einen Hochverräter der Krone dingfest zu machen. Ich glaube, im dritten Teil wird jetzt endlich die Reise angetreten. Aber ehrlich gesagt, ist mir das auch schon ziemlich schnurz.

Eine vollständige Rezension wird es zu diesem Roman an dieser Stelle nicht geben, sofern sich meine Meinung nicht noch grundlegend ändert. Dann habe ich das Buch wahrscheinlich abgebrochen... Das bisher Gelesene hat mich jedenfalls nicht überzeugt und entlockt mir nur einen glanzlosen

👍





Freitag, 21. März 2014

Monty Python's Flying Circus

Momentan huldige ich mal wieder meiner Vorliebe für britischen Humor, indem ich meine Monty Python Flying Circus DVD-Box anschaue. Jeden Abend wohldosiert etwa drei bis vier Episoden. Leider bin ich bald durch - allzu lange konnten die sechs damals jungen Herren ihr Niveau nicht halten, was irgendwie auch verständlich ist. Zudem ist es bestimmt nicht leicht, auf Dauer in einer Gruppe extrovertierter Exzentriker zu arbeiten.

 


 Ich liebe Monty Python, aber besonders ihre Anfänge. Die folgenden Filme wie "Meaning of Life" (1983) oder "The Life of Brian (1979) sind mir teilweise schon zu verwirrend bzw. zu böse, respektlos und satirisch. Das Schöne am Flying Circus (1969 - 1974)  ist die fast schon naive Originalität und die Nostalgie, die in den erstaunlich zeitlosen Sketchen doch zu spüren ist, einschließlich den Cartoons und Collagen des vorzugsweise unsichtbaren Terry Gilliam. Außerdem mag ich die Typen, und zwar jeden einzelnen. Am meisten den schnuckelig-sonnigen Michael Palin (Bildmitte), der später preisgekrönte Reisedokumentationen machte und das Zwei Meter-Aushängeschild der Truppe, den etwas unheimlichen John Cleese (ausnahmsweise lachend und mit Kochmütze).

Beim Schauen fiel mir auf, dass viele deutsche Komiker sich von der Art Humor beeinflussen ließen und ihn sogar recht schamlos abgekupfert haben. Zu nennen wären da Otto Waalkes in seiner Anfangszeit (circa zeitgleich mit den Pythons), Harald Schmidt und Herbert Feuerstein in ihrer Show "Schmidteinander" und sogar Michael "Bully" Herbig. Alles nicht neu, wenn man Monty Python kennt. Trotzdem sind deren Sketche unverwechselbar und haben in ihrem skurrilen Wortwitz und den Sprachschöpfungen selbst den Internet-Jargon geprägt. "Spam" war ursprünglich eine undefinierbare Zutat eines Imbiss-Lokals, die in jedem Gericht serviert wurde. Ohne Spam kam kein Gast davon.

Ich kann mich nicht wirklich entscheiden, welches mein Lieblingssketch ist, aber "Salad Days" von Sam *Peckinpa* gehört definitiv dazu. Eric Idles indignierter Abschlusskommentar "Pretty strong meat there" war vor Jahren so eine Art geflügeltes Wort bei uns. Ich mag auch den Matratzenkauf, in dem der frischgebackene Ehemann an den Eigenarten der Verkäufer verzweifelt und die Kollegen an sich selber. Zum Wegschmeißen! Aber genauso toll finde ich Raymond Luxury Yacht spelled Throatwobbler Mangrove, Dennis Moore mit seinen Lupinen oder Ken Air-Cleaner-System, den tumben Boxer.

Gerade das Absurde und Sinnlose daran ist es, was mich zum Lachen bringt. Der Humor hat keine Botschaft, ist manchmal seeeehr anarchistisch und ganz weit entfernt von political correctness. Ich glaube, heute würde kein Fernsehsender eine solche Serie mehr genehmigen, und wäre es nicht Kult, würde man sie im Nachhinein vermutlich zensieren. Wie gerade die "Poofters" häufig ihr Fett wegkriegen, könnte schon als beleidigend und diskriminierend betrachtet werden. Würde Oliver Pocher heute darüber Scherze machen, bekäme er wohl lebenslang. Trotzdem finde ich das ehrlich gesagt ziemlich erfrischend. Man lacht darüber statt sich aufzuregen oder Andersartige mit Samthandschuhen anzufassen, die stattdessen mit einem Augenzwinkern zur Groteske parodiert werden.

Wer ein wenig bewandert ist in englischen Wortspielen und von Monty Python bisher nur gehört, sie aber noch nicht gesehen hat, sollte das mit dem "Flying Circus" unbedingt nachholen. Herumwälzen auf dem Sofa vor Lachen ist garantiert.







Mittwoch, 19. März 2014

Myself proudly presents...

Weil's so spaßig war, meine Zeichnungen zu durchforsten, präsentiere ich hier zum Zweiten etwas von mir. Diesmal eindeutig Frühwerke, die bereits ein gewisses Potential an Phantasie erahnen lassen.



"Pferd" Christine, 3 Jahre


 

Zu diesem Bild, das aus zugeschnittenem gummiertem Buntpapier besteht, gibt es eine Geschichte. Es ist kein Zufall, dass ich das Pferd erstaunlich realistisch wiedergegeben habe (man beachte die kräftige Hinterhand!). Mein Opa und meine große Cousine waren bzw. sind leidenschaftliche Reiter, daher hatte ich früh das Vergnügen, Bekanntschaft mit Jugol und Erbprinz "Bubi" zu schließen. Einen von beiden habe ich hier wohl porträtiert, ich vermute, es ist Jugol, der Marbacher Zuchthengst, mit dem mein Opa gelegentlich der Nachbarschaft seine Aufwartung machte und mich vorne auf den Sattel sitzen ließ. Ich kann noch meine Oma sehen, wie sie aus dem Haus rennt, die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und entrüstet "Vater!" ruft.^^

Das nächste Bild (Fingerfarben) entstand ein Jahr später. Zunächst einmal scheint es sich um einen Boxkampf zwischen Spiderman und dem Alien zu handeln, doch bei näherem Hinsehen erkennt man, dass meine umsichtige Erzieherin (zu meiner Zeit hieß das noch "Kindergärtnerin") die einzelnen Dinge nach meiner Auskunft und Anweisung beschriftet hat (zum Lesen das Bild großklicken). Es zeigt eine Raupe, die auf ein Haus tritt, um eine Leiter (oder zwei) zu benutzen, die an einen Baum gelehnt ist. Ach süß! 


Christine, 4 Jahre


 

Ich nehme stark an, dass ich von der Raupe Nimmersatt inspiriert wurde, die im Kindergarten eines der Bücher war, aus denen uns vorgelesen wurde. Irgendwie bin ich gerade wider Willen gerührt von mir und meiner kindlichen Vorstellungskraft...





Donnerstag, 13. März 2014

Zeichnen mal anders ( Teil II)

Auch wenn ich gerade zu wenig zu gebrauchen bin, so ist es doch wichtig, kreativ zu sein und weiterhin das Köpfchen anzustrengen. Schon allein darum, weil Ende des Monats in unseren Räumlichkeiten erneut ein Malkurs stattfindet. Dazu braucht man natürlich ein Konzept, das ausgearbeitet sein möchte. Nach einigen freien Maltechniken, die manchmal frech gegen die Regeln verstoßen, haben wir uns eine Aufgabe gestellt, die auf den ersten Blick aussieht wie ein Still-Leben abzumalen (die Vorlage sah so lecker aus, dass ich mich am liebsten darüber hergemacht und sie im Rohzustand verschlungen hätte). Das soll es aber genau genommen gar nicht sein.


Die eigentliche Aufgabe wird darin bestehen, sich mit der Farbenvielfalt der Natur zu beschäftigen. Wo könnte man das in unseren Gefilden besser als im Obst- und Gemüsegarten? Und mal ehrlich, sieht das Foto nicht zum Anbeißen aus? Wie fein und frisch der halbierte Brokkoli wirkt, und wie farbenfroh die Palette von Obst und Gemüse in ihrer Gesamtheit! Die kleinen Makel unterstreichen den Frische-Eindruck eher noch, als dass sie ihn - wie im Supermarkt üblich - beeinträchtigen.

Es kam und kommt uns nicht darauf an, die Platte naturgetreu wiederzugeben. Wir wollten den Effekt der Frische und der Appetitlichkeit herausarbeiten. Dabei bin ich nicht einmal bei dem geblieben, was vor meinen Augen lag. Ich liebe Zwiebeln in sämtlichen Variationen, und die roten Gemüsezwiebeln waren mir in meinem Bild nicht genug, darum habe ich sie kurzerhand um eine monströse Frühlingszwiebel oder ein scharfes Wurfgeschoss bereichert. Die alles dominierenden Brokkoli durften freilich nicht fehlen, und eine Chikoreestaude, an der ich mich versucht habe, sieht eher wie eine Albinobanane aus.



Aber ich finde mein Still-Leben super! Und es hat wider Erwarten erstaunlich viel Spaß gemacht, Gemüse und Obst aufs Papier zu bringen ohne den Anspruch, es auf den ersten Blick als solches zu erkennen. Tatsächlich hätte ich mir fast gewünscht, das Motiv noch ein bisschen abstrakter gestaltet oder Brokkoli-Bäume in eine Dáli-mäßige Landschaft gesetzt zu haben, Christine-Style natürlich. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.


Montag, 10. März 2014

Ta-Taa!!! Der Beweis! Die fotogene Entenmama!

"Die kann ja viel behaupten" werdet ihr vielleicht beim Lesen meines letzten Beitrages gedacht haben. Und damit beziehe ich mich nicht auf meine Frühjahrsmüdigkeit, sondern auf die Entenmama, die wie bereits im letzten Jahr meinen Garten besetzt hat, um dort ihre kleinen Entlein auszubrüten. Das braucht übrigens eine ganze Weile - der Nachwuchs (es waren elf letztes Jahr) schlüpft Mitte Mai. Das war zu süß, als sie flink in einer Reihe hinter der Mama zum Fluss gewatschelt sind. Viel zu flink, um ein Foto zu schießen. Ich habe mich damals gewundert, wie schnell die fußeln können. Und warum die Alte sich ausgerechnet vor der Nase des Katers meiner Untermieterin die Brutstätte gebaut hat, genau wie dieses Jahr. Vielleicht will sie ihn provozieren oder seinen verkümmerten Jagdinstinkt wachkitzeln und ihm ergo ihre Überlegenheit demonstrieren?

Jedenfalls ist es mir nun doch gelungen, einen Schnappschuss zu machen.





Ich wollte nicht allzu nahe ran gehen; sie hat ohnehin bereits Menschenluft gewittert und mich und meine Kamera misstrauisch beäugt. Wer kann's ihr verdenken. Ich hoffe nur, dass sie die Session ohne Konsequenzen für mich und die noch flüssigen Kinder abhakt und nicht verschwindet, um ihre Ruhe zu haben. Im Nest liegen nämlich schon drei riesige Eier...

Samstag, 8. März 2014

Frühjahrsmüde?

Während alle Welt den Frauentag feiert, sich über wärmere Temperaturen freut und schon vom Lenz frohlockt, setzt mir heuer die Frühjahrsmüdigkeit extrem zu, obwohl ich ja versuche, mir nichts anmerken zu lassen.

Selbst auf der Couch flüchte ich mich mal eben in Sekundenschlaf - auch an helllichten Tag! Ich versteh das nicht. Normalerweise bin ich nicht wirklich wetterfühlig und blühe bei Sonnenschein auf wie die Bellis und Primeln, die ich gestern im Vorgarten gesetzt habe (im hinteren Teil brütet seit Neuestem die Ente von letztem Jahr, und nein, das ist keine Ausrede dafür, die Gartenarbeit erst mal sein zu lassen. Ich würde ein Beweisfoto liefern, fürchte aber, die werdende Mama mit meiner Kamera zu vergrätzen). 

Werde ich etwa alt? Das wäre keine besonders befriedigende Erklärung für die andauernde Schlappheit. Immerhin gehe ich weiterhin ohne Klagen oder Zipperlein meinen Pflichten und sportlichen Aktivitäten nach, auch wenn mir das zurzeit ein bisschen schwer fällt. An frischer Luft mangelt es ebenfalls nicht. Ich spaziere fast jeden Tag circa 4 km und habe auch schon feste eingemummelt die Hollywoodschaukel eingeweiht. Aber fragt nicht, wie strapaziös der Frühjahrsputz war, während dem mich auf halbem Weg bzw. nach der ersten Etage die Kräfte verlassen haben.


Meist flirtet mein Bett mit mir, und genau so oft erliege ich der Verführung und krabble wohlig seufzend hinein, um dann für einen längeren Zeitraum als geplant unsichtbar und tot für die Welt zu sein. Ich hoffe, dass dieser Zustand nur vorübergehend ist, auch wenn er jetzt schon ganz schön lange anhält. Fehlende Energie und Antriebslosigkeit sind so ziemlich das Ätzendste, was einem kreativen Kopf passieren kann. Abgesehen davon finde ich, dass ich die Blümchen auf dem kleinen Katzengrab gut ausgewählt habe. Also ist noch nicht alles verloren. Es lässt darauf hoffen, dass ich demnächst wieder anspruchsvolleren Aufgaben gewachsen bin und zumindest meinen Frühjahrsputz beenden kann. 




 

Ich nehme übrigens alle Tipps gegen bleierne Müdigkeit im Kommentarbereich gerne entgegen (außer Wechselduschen!).


Freitag, 7. März 2014

Ein Update von Christines Romanen

Mittlerweile sind sieben meiner Geschichten auf dem Buchmarkt sowohl als Printversion als auch als ebook erhältlich. Zeit für ein Sammel-Update, bei dem ich jeden Roman noch einmal im Bild vorstelle. Die 7 ist für mich eine geheime Glückszahl, aber da ich nicht abergläubisch bin oder sonst eine besondere Affinität zu Zahlen habe, sage ich einfach, dass sie mir gefällt und ich schon ein bisschen stolz auf meine Werke bin. Wenn ich bisher mein Pensum erfüllt habe, soll es mir fürs Erste recht sein.

Wie gesagt, handeln die meisten meiner Bücher von männlichen Protagonisten, wobei hin und wieder natürlich auch Frauen ihr Unwesen treiben. In "Das Bildnis des Grafen" heißt meine Neben-Heroine Lillian Grimby und ist die Schwester des Gärtners.

Ein bisschen perfide und französisch gibt sich Gisèle Levant in "Vom Ernst des Lebens", wobei man ihr zugute halten muss, dass sie für ihr Verhalten durchaus Grund hat.

Weniger prägnant, aber dafür sympathisch naiv benimmt sich das Zimmermädchen Nellie in "Fairlight", deren Liebe zu einer der Hauptfiguren auf wenig Resonanz stößt.

In "Furchtlos zum Himmel" steigt keine einzige Frau mit auf den Berg - sportliche Höchstleistungen waren für das weibliche Geschlecht 1923 noch nicht schicklich, wenn man nicht Elly Beinhorn hieß. Dennoch darf ich sagen, dass die damaligen "Kerle" über eine gehörige Portion Romantik verfügten. Und was das Drama angeht, so ist das auch ohne Frau in vielen Passagen deutlich zu spüren.^^




Dafür geht es in "Ausnahmsweise doppelgleisig" für den Engel Seraphin darum, die Ehe von Dr. Branko Schuster und seiner Noch-Angetrauten Annika zu retten. Ob ihm das gelingt, ist fraglich, denn beide Beteiligten erweisen sich als ziemlich harte Brocken in Sachen Versöhnung. Zu allem Überfluss wirft Annika auch noch ein Auge auf den feschen Engel...

"Ein Spiel zu viel", angesiedelt um 1900, handelt von einer Schauspieler-Truppe auf *Urlaub* im Südwesten Englands. Frauen haben in dem Haufen von fünf jungen Egomanen wenig zu sagen. Vielleicht halten sie sie nur für schmückendes Beiwerk, wenn überhaupt. Tatsache ist, dass dieser Roman - gemeinsam mit "Furchtlos zum Himmel" - kaum eine weibliche Komponente hat bis auf die Wirtstochter Hannah, die für den Anführer Irving schwärmt. Aber irgendwie wäre es bei der Vielzahl von Charakteren ohnehin verwirrend geworden, eine *konventionelle* Liebesgeschichte einzubauen.

"Milan" ist der einzige meiner Romane, in dem aus der Perspektive einer Frau erzählt wird. Auch hier bewege ich mich im Theatermilieu, allerdings spielt "Milan" viel später, nämlich Ende der 1970er Jahre. Die stelle ich mir aus einem seltsamen Grund sehr intellektuell und ein wenig traurig vor (vielleicht aufgrund der damaligen politischen Unruhen und Terroraktionen durch die RAF), und ich glaube, dass der Roman den damaligen Zeitgeist ganz gut widerspiegelt. Im Vordergrund steht allerdings die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach sich selbst und dem Bestreben, ihre Ängste zu überwinden, die sie daran hindern, frei zu sein. Und diese Geschichte verliert wohl nie an Aktualität.


Samstag, 1. März 2014

März-Aktion: Gratis Coupon für "Vom Ernst des Lebens" auf Xinxii

In der ersten Märzwoche (1. - 5.) teste ich ein neues Tool der Selfpublisher-Plattform Xinxii und hoffe dabei auf tatkräftige Unterstützung meiner Blogleser, also von euch! (O:

Meinen Roman "Vom Ernst des Lebens" gibt es in diesem Zeitraum durch die Einlösung eines Gratis-Coupons zum Downloaden.




Was müsst ihr tun, um das Angebot nutzen zu können?

Ganz einfach. Kopiert den Code

84A39FB5C4 

mit Copy und Paste, klickt auf www.xinxii.com oder auf mein Xinxii-Widget oben rechts "Autor auf Xinxii" und meldet euch - natürlich kostenlos - dort an, sofern ihr nicht bereits Mitglieder seid. Den Gutschein-Coupon könnt ihr bequem beim Ausloggen einlösen und meinen Roman über Miles und Rupert im Paris der 50er Jahre auf euren PC laden. Sobald ihr auf Xinxii registriert seid, habt ihr außerdem die Möglichkeit, in weitere Ebooks von mir und anderen Indie-Autoren reinzuschnuppern - das Sortiment ist vielfältig und lässt kaum Wünsche offen. Warum nur Bestseller lesen, die jeder schon kennt?

Sehr freuen würde ich mich über eine anschließende Rezension auf Xinxii, eurem Blog und / oder Amazon.





Montag, 24. Februar 2014

Klolektüre: Lesetipps fürs stille Örtchen

Ein bisschen anrüchig klingt er ja schon, der Begriff Klolektüre. Und trotzdem kann man in ausgewählten Haushalten im Badezimmer oder dem Gäste-WC ein speziell eingerichtetes Regal mit locker-flockiger Lektüre oder sogar Rätselhefte und Sudokukataloge finden - auch in meinem, wobei ich kein ausgesprochener Ratefuchs bin und das geschriebene Wort bevorzuge. Natürlich handelt es sich dabei ausschließlich um leichte Kost. Schwerverdauliches hat man bei extrem privaten Sitzungen nicht so gerne, oder^^?




Beliebt sind bei uns momentan das "Millionärswissen" und das "House-Buch für Hypochonder", in dem zwei Ärzte das Verhalten und vor allem die Handlungen der Figuren in der gleichnamigen Serie unter die Lupe nehmen, und zwar recht gnadenlos. Die "rücksichtsvolle, gütige" Dr. Allison Cameron kommt dabei am schlechtesten weg. Irgendwie ist einem ein kompetent-distanzierter Arzt dann doch lieber als einer, der einem beim Sterben das eiskalte Händchen tätschelt und nichts unternimmt, um dein Leben zu retten.

Am niedrigsten im Kurs stehen "Paperweight" von Stephen Fry (das man - wenn überhaupt - besser im Original liest), und das überflüssige "...and good is", eine Vera****e über "deutsches" Amerikanisch. Wer glaubt, so seinen Wortschatz aufpolieren zu können, muss schon echt bekloppt sein, und ich finde, es hat sich nicht so wirklich gelohnt. Immerhin erzählt John Madison recht unterhaltsam von seinen Landsleuten und amerikanischen Skurrilitäten, die man eigentlich eher den Briten zugetraut hätte...

Sehr informativ dagegen und ein Buch, in dem ich mich immer festlese, ist das bereits erwähnte "Millionärswissen". Ich glaube zwar nicht, dass ich es je auf Günther Jauchs heißen Stuhl schaffe, aber ein bisschen mehr Allgemeinwissen kann nicht schaden. Was allerdings sonderbar ist: aus dem Stegreif könnte ich keinen einzigen Fakt nennen, über den ich in diesem Buch schon mehrmals gestolpert bin, so denkwürdig viele auch sind.

Wer's lieber humorvoll mag, ist mit den Garfield-Comicbüchern oder "Niveau ist keine Hautcreme" gut beraten. In letzterem findet man Sprüche für alle Lebenslagen, die so komisch sind, dass man zuweilen den eigentlichen Grund vergisst, weswegen man das stille Örtchen aufgesucht hat. Aber auch hier hapert es ebenso wie beim "Millionärswissen" an der praktischen Umsetzung: wann und zu welcher Gelegenheit ist man mal so schlagfertig, genau den passenden coolen Spruch zu rezitieren? Und sind die Sprüche mittlerweile nicht überhaupt veraltet? Wie auch immer, die Sammlung an sprachlichen Absurditäten hat uns bereits kurz nach dem Kauf in einem Café zu hemmungslosen Lachkrämpfen inspiriert. Und einige Begriffe daraus haben sich sogar im Alltagsleben etabliert. "Ich muss Bröckchen lachen" hört sich schließlich viel netter an als "Ich muss kotzen". Das sagt man allerdings auf beide Arten nicht so gern und so oft. Und in akuter Situation auch nicht mit dem nötigen Funken Humor.

Was lest ihr denn so auf dem stillen Örtchen? Eure Empfehlungen sind im Kommentarbereich gut aufgehoben.




Samstag, 22. Februar 2014

Souvenirs, Souvenirs...

Könnt ihr euch noch an euer allererstes Souvenir erinnern? Ich glaube, meines war ein gelb-oranger Plastikhammer aus Venedig, der beim Hämmern ein lustiges Quietschgeräusch gemacht hat. Meine Großeltern haben ihn mir mitgebracht und damit sozusagen den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich hatte unglaublich viel Spaß mit dem kitschigen Hammer. Das war viel besser als eine Miniaturgondel oder für was die Stadt sonst noch berühmt-berüchtigt ist.

Das erste Reiseandenken, das ich selbst ausgesucht habe, war dann in der Schweiz eines dieser Trachtenpüppchen aus sträflich rosafarbenem Celluloid, die so schrecklich mit den Augen klimpern konnten. Ich weiß gar nicht, ob sie noch populär sind oder es sie überhaupt noch gibt. Meines ist im Lauf der Zeit abhanden gekommen, und schade ist es nicht wirklich darum. Ziemlich fad sah sie aus und entsprach schon beim Kauf nicht wirklich meinem Geschmack. Meine beste Freundin hatte eine ähnliche, die ich scheinbar toll fand, und wahrscheinlich wollte ich nicht zurückstehen; manchmal hat man solche Anwandlungen als Kind.^^





Ich habe mal ein bisschen gekramt und noch ein paar Souvenirs gefunden. Teilweise hat es mich überrascht, was sich da alles an Staubfängern angesammelt hat.

Schon lustig, wenn man überlegt, wo man sie her hat und warum wir eigentlich dazu neigen, im Urlaub Nippes zu kaufen, um den wir auf heimischem Boden einen weiten Bogen machen würden. Und trotzdem ist es faszinierend, welche Geschichten diese Gegenstände zu erzählen hätten. Das älteste hier ist vermutlich das polnische Hochzeitspaar - auch in Tracht - das mir vererbt wurde. Ich selbst habe in Polen noch keinen Urlaub gemacht, obwohl ja gerade die masurische Seenplatte eine Reise wert sein soll. Ich merke beim Betrachten des Fotos, dass viele meiner Reiseandenken aus dem osteuropäischen bzw. nahöstlichen Raum stammen. Den mit Reis gefüllten Frosch ganz rechts habe ich auf dem Bazar in Tel Aviv gekauft, und die folkloristische Deko-Trinkflasche hat mir eine ungarische Schulfreundin aus ihrer Heimat mitgebracht. Der Holzesel und das Kamel sehen mir ebenfalls verdächtig nach Israel aus. Der Holzschmuck und das Klapperkletterspiel dahinter kommen aus Costa Rica und Mexiko.




Kennt jemand noch das Geheimnis des "Flaschenteufels"? Der steht links zwischen der Madeira-Flasche und der Lucky Cat (aus Haidhausen in München, nicht aus Nippon), und es wundert mich, dass ich ihn noch besitze, so winzig wie er ist. Man steckt ihn in eine Flasche mit Wasser, verstöpselt sie mit dem Gummiverschluss und lässt das Teufelchen mithilfe des Unterdrucks Kapriolen ausführen - und das damals stundenlang. Erstaunlich, womit man früher die Kids unterhalten konnte. Heute würde man damit nicht einmal Dreijährige hinterm Gameboy Advanced vorlocken. Hmm... ich komm' mir gerade richtig alt vor und beende meinen Bericht mal besser, um mich unters Sauerstoffzelt zu legen.


Dienstag, 18. Februar 2014

Bubenhafte Charmeure: Hundemänner

Nach den sensiblen, freiheitsliebenden Katzenmännern bin ich den robusten, energetischen Hundeliebhabern einen Artikel schuldig (und wenn ich von Hunden spreche, dann meine ich *Hunde* - keine glubschäugigen, mitleiderregend überzüchteten Taschenwölfe). Denn die haben ebenfalls durchaus Charme. Ich täte ihnen Unrecht, wenn ich sagen würde, dass mir Hundemenschen per se unsympathischer sind als solche, die Katzen bevorzugen. Natürlich müsste ich mich mit einem Hundemann irgendwie erst zusammenraufen oder einen Kompromiss schließen, wie wir entweder beide Tierarten halten könnten oder ganz darauf verzichten. Zum Glück bin ich bisher nie in die Verlegenheit gekommen.

 

alanajordan / Pixabay


Lustigerweise fällt mir auf, dass gerade unter Schauspielern / Filmstars, die sich mit Hunden umgeben, sehr viele Reiter sind, und zwar richtig gute. Jeremy Irons, Errol Flynn und auch "Old Shatterhand" Lex Barker sind / waren bekannt dafür, sowohl mit Hunden als auch mit Pferden einen fast ebenbürtigen Umgang (gehabt) zu haben. Was sicher kein Zufall ist: Hundemenschen müssen wenn nötig streng und Respekt einflößend handeln, um Hund zu erziehen und zu zeigen, wer die Hosen anhat. Gleiches gilt für Pferde. Vielleicht hat es bei mir deshalb nie so wirklich geklappt mit dem höchsten Glück der Erde. Jedenfalls bewundere ich Leute, denen ein autoritäres Auftreten quasi in den Schoß fällt.

Trotzdem liest man in den Biografien von Lex Barker und Errol Flynn rührende Geschichten über ihre vierbeinigen Freunde, denen sie scheinbar oft mehr verbunden waren als den Frauen, die eine Zeit mit ihnen teilten. Der Schnauzer Arthur hat Errol Flynn treu auf seinem Schoner "Zaca" begleitet und ist mit ihm in sämtliche Winkel der Erde gesegelt, während Mr. Barkers deutscher Schäferhund Pulco (leider nicht im Bild) solch große Sehnsucht nach seinem stets herumreisenden Herrchen hatte, dass die Haushälterin ganz verzweifelt im Hotel am anderen Ende der Welt anrief, um Pulco den Telefonhörer ans Ohr zu halten, durch den Mr. Barker mit ihm gesprochen hat. Danach soll Pulco sich laut Zeugenaussagen beruhigt haben. Übrigens tanzt Errol Flynn - ganz seiner experimentierfreudigen Natur gemäß - auch in Sachen Hund oder Katze auf mehreren Hochzeiten.

Einen, von dem ich jetzt tatsächlich nicht vermutet hätte, dass er Hundefreund war, ist der englische Schauspieler Cary Grant. Man vergleicht ihn ja gerne mit George Clooney bzw. letzteren mit Cary Grant, und da ich herausgefunden habe, dass Mr. Clooney neben seinem verstorbenen Hängebauchschwein vor allem die Gesellschaft von Katzen schätzt, habe ich diese Vorliebe automatisch auf Mr. Grant gemünzt. Außerdem wirkt er auf mich in seinen Filmen immer eher wie ein Katzenmann: ein bisschen weltfremd und tollpatschig, aber auf nette Art. So kann man sich täuschen.

Fazit: Man kann Menschen nicht in Hunde- und Katzen-Kategorien unterteilen. Aber es gibt sie doch, wenn auch nur in Einzelfällen, die schmusigen, empfindsamen Katzenmänner und die tatkräftigen, pragmatischen Hundefreunde.






Sonntag, 16. Februar 2014

Sympathische Zeitgenossen: Katzenmänner

Die Maler Gustav Klimt und Pablo Picasso, Mark Twain, Ernest Hemingway (der auf Jamaica ein Heim für Streuner einrichtete) und Heinrich Heine dekorierten sich gern und oft mit Katzen oder / und priesen deren Unabhängigkeit. Viele Schriftsteller und Dichter setzten ihrer Katze ein lyrisches Denkmal. Vermutlich liegt es daran, dass Künstler und Katzen so gut miteinander harmonieren. Die Katze lässt sich ebenso wenig sagen, was sie tun oder wie sie sich verhalten soll, und genauso wenig ist sie bereit, sich unterzuordnen. Schon deshalb gefällt mir das Wesen der Katze besser als das eines Hundes, wenngleich ich zugebe, dass auch Hunde über Charakter verfügen.

 

Pexels / Pixabay

 Merkwürdig ist ja, dass man im Allgemeinen behauptet, Frauen und Katzen seien das ideale Paar, weil sie beide hinterhältig und trügerisch sanft sein können, um bei der erstbesten Gelegenheit die Krallen auszufahren. Währenddessen hält man die Symbiose Mann und Hund für edel, ehrlich und rechtschaffen. Die meisten Männer scheinen mit Katzen in den Augen der Allgemeinheit kein glückliches Händchen zu haben. Aber auch hier wird mit Klischees gespielt. Ich zumindest kenne einen ausgesprochenen Katzenmann, und das ist mein Vater. Er besaß von klein auf stets Katzen, und als wir eigene in der Familie hatten, konnte man ein Phänomen beobachten, das allen gängigen Klischees Lügen straft: Unsere Kater liebten den Mann in der Familie über alles. Während wir anderen zwar auch gelegentlich gnädigerweise unsere Momente bekamen (schließlich öffneten wir tagtäglich die Dosen für sie), wurde mein Vater mit überlautem Schnurren, spielerischem und manchmal auch blutigem Kräftemessen und Sprüngen auf den Bauch beglückt, wo sich die kleinen pelzigen Sieger dann stundenlang zu einem Schläfchen zusammenrollten


Und ist es nicht irgendwie seltsam, dass gerade durch das Klischee, Männer seien nicht gemacht für Katzen, es einem ganz warm ums Herz wird, wenn man das Gegenteil bewiesen bekommt? Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass Sean Connery zum Dreh von James Bond ein Kätzchen mitnimmt. Oder dass Marlon Brando nur in Gegenwart seiner Katze Text gelernt hat. Das sind doch Kerle, zu denen - rein klischeemäßig - eher ein unterwürfiger Hund passt. Aber anscheinend schätz(t)en Brando und Co. das freie, unberechnenbare Wesen der Katze genauso wie viele Künstler vor ihnen, die für ihre Sensibilität und Freiheitsliebe bekannter waren. Solche Bilder und Anekdoten haben dann doch einen gewissen Überraschungseffekt, oder?

Weniger überraschend dagegen die Tatsache, dass auch Mr. Spock bekennender Katzenmann ist. Schließlich sehen wir ihn in "Star Trek" selten die Contenance verlieren (außer zu Ponfarr-Zeiten^^), er ist intelligent, findet stets die Lösung zum Problem und hat mehrere Leben, wie es eben Katzenart ist. Kein Wunder also, dass sich Schmusetiger wohlfühlen bei ihm.









Freitag, 14. Februar 2014

Statt Blumen... durch die Blume

Überraschung! Das stand auf dem Tisch, als ich am Morgen vom Schwimmen heimkam.




 Man hat mich am Valentinstag nicht vergessen, auch wenn mir versichert wurde, dass das Geschenk einfach "mal so" sein sollte. Ich fand's jedenfalls total süß und freue mich riesig! Ich liebe Kakteen und Sukkulenten nicht nur deshalb, weil sie weniger empfindlich sind als andere Pflanzen, sondern weil ich sie wirklich dekorativ finde. Wobei es mir ja schon ein bisschen merkwürdig vorkommt, dass das Geschenk so stachelig ist. Hoffentlich wollte man mir da nicht etwas durch die Blume bzw. den Kaktus zu verstehen geben... (O;

Ich wünsche allen einen schönen, liebevollen Valentinstag!


Donnerstag, 13. Februar 2014

Und schlägt die Stirn auch Falten, wir bleiben stets die Alten.

Habe ich bereits erwähnt, dass ich alte Dinge mag und sogar gelegentlich ein wenig konservativ bin? Mein Haus sieht von außen und innen ein bisschen wie ein Museum aus, und wenn die Sachen nicht echt antik sind, dann doch bitte Retro, wie mein Guten-Morgen-Radio im Esszimmer und die Kettenspülung im Bad.

Vor dem Erwerb einer E-Mailadresse hat's mich lange gegraust, bis mir 2005 gezwungenermaßen eine aufgedrückt wurde. Ich habe bis dato echt geglaubt, man könne auch ohne Internet, ich Depp. Und dass ich ewig gebraucht habe, um "dass" mit *ss* zu schreiben und mich an die nicht mehr nagelneue Rechtschreibung zu gewöhnen, ist ebenfalls typisch (verstehe das allerdings heute nicht mehr so ganz...)

Da wir häufig auf Trödelmärkten unterwegs sind und auch mal bei Online-Auktionshäusern fündig werden, stelle ich hier einen unserer Schätze vor. Besonders stolz bin ich darauf, wie toll wir ihn ohne professionelle Hilfe restauriert haben. Leider habe ich kein "Vorher-Bild", um zu verdeutlichen, was ich meine. Wir haben unseren alten Klepper neu frisiert (die Mähne war total verzottelt und verfilzt) und ein bisschen aufgepeppt, und sogar die einst feindselig flach angelegten Ohren kann er jetzt dank Lack und Liebe wieder einigermaßen spitzen.



Eine Zahnsanierung und die Generalüberholung des Gestells waren ebenfalls nötig, wobei wir uns bemüht haben, den Originalzustand so weit wie möglich zu erhalten. Schade, dass er ohne Sattel angaloppiert kam, aber dafür passte ihm die Trense meines Miniponys wie angegossen.^^

Ist er nicht ein Prachtstück? Jeden Morgen schaut er mir beim "Wii-hen" zu (Wortspiel!), und ich wünsche mir manchmal, dass er mir erzählen könnte, was er schon alles erlebt hat in seinem betagten Alter und woher er stammt bzw. wer ihn gezüchtet und dressiert hat. Irgendwie rühren und inspirieren mich solche Gedanken.

Abgeholt haben wir ihn seinerzeit aus dem tiefsten Süden Deutschlands, aber der ehemalige Besitzer konnte keine Angaben zur Herkunft machen. Meist heißt es ja ganz profan und lapidar "Dachbodenfund". Auf jeden Fall hat er wohl in einem feinen Haus gedient - ich schätze so um 1900 bis 1920. Wer Näheres weiß und Experte in Sachen alte Schaukelpferde ist, darf sich gern im Kommentarbereich ausbreiten.


Freitag, 7. Februar 2014

Der-aus-dem-Rahmen-fällt

Es gibt einen neuen Roman von mir. Eigentlich und wenn ich ehrlich bin, ist er gar nicht mehr so neu. Aber ich habe das Manuskript überarbeitet und ein paar Veränderungen angebracht, nachdem ich die Geschichte nach einiger Zeit wieder gelesen habe. Sie fällt aus dem Rahmen, weil es die einzige ist, in der ich aus dem Blickwinkel einer jungen Frau berichte. Sie lebt mit einem älteren Mann zusammen, der es ihr nicht leicht macht und sie trotzdem auf die richtige Fährte bringt, was ihren weiteren Lebensweg angeht. Meine Erzählerin ist psychisch labil und alles andere als selbstbewusst und tough - ihre Kindheit ist gezeichnet von Verlustängsten und kindlichen Traumata. Gemeinsam mit Milan deckt sie nach und nach die Geister ihrer Vergangenheit auf und lernt, mit ihnen umzugehen.




Auch wenn der Roman in einem etwas ungewöhnlichen Stil und der Ich-Perspektive verfasst ist, so trägt er keine autobiografischen Züge. Natürlich wurden eigene Erfahrungen darin verarbeitet, aber es ist mir doch wichtig, zu erwähnen, dass das Werk fiktional ist - allein die Zeit, in der es spielt, ist mir fremd. Aber gerade das ist meiner Ansicht nach das Schöne am Schreiben - dass man seiner Fantasie freien Lauf lassen und sich etwas ausdenken kann, das so ganz anders ist als das, was man normalerweise kennt. Und natürlich - damit es trotz aller Fantasie noch glaubwürdig und authentisch ist - die Recherche, mit der ich es tatsächlich sehr genau nehme.

Eine Liebegeschichte im herkömmlichen Sinn ist mein Roman nicht; es geht um die Suche nach sich selbst und darum, sich von Ängsten und Abhängigkeit zu befreien. Ein ziemlich philosophischer Ansatz also, dem ich hoffentlich gerecht werde. Immerhin war ich zum Zeitpunkt der Entstehung der Geschichte genauso alt bzw. jung wie die Protagonistin.

Eine Leseprobe folgt unter weitere Informationen.


Mittwoch, 5. Februar 2014

So ein Zufall!

Meinen freien Nachmittag wollte ich heute *sinnvoll* nutzen: ich bin Richtung Speyer gedüst, um mal wieder ein bisschen zu bummeln, aber vor allem, um das Museum und den Wilhelmsbau zu besuchen, in dem man durch die Zeitgeschichte von Kuriositäten wandern kann - von mechanischen Musikinstrumenten über Spielzeug, Mode und Kultur. Bei dem schlechten Wetter bietet sich das doch geradezu an, und außerdem kann ein Museumsbesuch unglaublich inspirierend sein.

Als ich sah, welcher Film im IMAX gezeigt wurde, stand mein Entschluss fest: zuerst ins Kino! Denn dort wurde eine Dokumentation von National Geographic über Jerusalem gezeigt - mit Benedict Cumberbatch als Erzähler! Unnötig zu sagen, dass mein *inner Fangirl* total ausgeflippt ist. Ich wusste nämlich nicht, dass er hierzulande in die IMAX-Kinos kommt; das war sozusagen eine angenehme Überraschung. Na gut, leider werden die Filme bei uns ja synchronisiert, aber er war trotzdem soooo toll! Statt Benny sprach der deutsche Sherlock-Sprecher, und er klang durch das fantastische Dolby-Surround-System fast genau so sexy wie das Original *schmacht*.






Abgesehen davon lohnt sich der Film für alle geschichtlich Interessierten, und die Musik (auf die ich immer sehr achte) hat das Ganze richtig atmosphärisch und majestätisch untermalt. Teilweise war ich so überwältigt, dass ich einen Kloß im Hals hatte oder mir ein Tränchen aus dem Auge wischen musste, was vielleicht auch meiner Verbundenheit zu Israel geschuldet sein mag. Gigantische Panorama-Aufnahmen, sympathische Menschen, die den Zuschauer durch die Farbenpracht der Altstadt führen, und ein Gänsehautmoment, als man die drei Mädchen der drei Weltreligionen zusammen in einer Szene sieht. Schon erstaunlich, dass man in Jerusalem, einer doch verhältnismäßig kleinen Stadt, als Jude, Christ und Moslem nebeneinander her lebt und selten Kontakt zu anderen hat, was sich doch viele Bewohner offenbar wünschen. Auch verblüfft hat mich, dass sich im Felsendom tatsächlich ein Felsen verbirgt und nicht etwa ein runder Gebetsteppich, wie ich immer annahm. Dieser Felsen wird als Wiege der Menschheit betrachtet und hat überhaupt eine ziemlich geschichtsträchtige Vergangenheit. So glaubt man zum Beispiel, dass König David die Bundeslade hierher gebracht hat und Salomons Tempel dort errichtet wurde.

Unter der Stadt befinden sich viele Ruinen, Relikte und Schriftzeichen, die Archäologen ausgraben und einzuordnen versuchen, doch wirklich lösen lassen sich die Rätsel der Stadt wohl nie. Schon faszinierend, finde ich.




Ich war schon einmal in Israel, aber leider noch nie in der Hauptstadt. Das muss ich unbedingt nachholen! Denn wie sagt man so schön: "Nächstes Jahr in Jerusalem".

Samstag, 1. Februar 2014

Walt Disney ~ Der Glöckner von Notre Dame (1996)

Seien wir mal ehrlich: an diesen Film denkt kaum jemand, wenn man nach einer Auflistung von Walt Disney-Filmen gefragt wird. Mir zumindest ist er überhaupt nicht mehr präsent gewesen, und das, obwohl ich eben jenes Plakat in meinem Zimmer hängen hatte und den Zigeuner-Anführer / Narr Clopin und den von Klaus-Jürgen Wussow grandios synchronisierten Richter Frollo total dufte fand. Bestimmt habe ich ihn mir im Kino mehrmals angesehen, obwohl ich mich merkwürdigerweise auch daran kaum erinnere. 




Als ich den "Glöckner" neulich wieder angeschaut habe, wusste ich, warum. Der Film war einfach so gar nicht meiner. Was umso komischer ist, da ich ihn mal wirklich gemocht habe und sogar vor Happy Meal-Tüten nicht zurückschreckte, in denen Figuren der Disney-Produktion versteckt waren. Richter Frollo, ja, der war irgendwie immer noch cool, und die Botschaft, dass man Andersartige nicht ausgrenzen und als gleichwertig behandeln soll, ist wichtig und auch verständlich. Das kann man nicht früh genug lernen.

Was mich aber stört, ist das eindeutig zu Gruselige für kleine Kinder. Liedzeilen wie "Das Feuer der Hölle" und "...hatte Angst um seine Seele nach dem Tod" gehören meiner Meinung nach genauso wenig in einen Familienfilm wie die ständig düstere Atmosphäre, Frollos sexueller Frust in Bezug auf die Zigeunerin und die dick aufgetragene Melodramatik. Außerdem findet Frollo einen zu grausamen Tod - es ist das Volk, das Quasimodo verspottet, und selbst da Frollo ihn nur aus Angst um seinen eigenen Seelenfrieden versteckt und beschützt, so sagt er doch die Wahrheit, als er meint, dass die Welt schlecht ist für deformierte Kreaturen wie Quasimodo.

In der Realität würde der vermutlich sein Kathedralen-Gefängnis am Ende zu schätzen wissen. Ich muss mir mal den gefühlten 100 000 Seiten-Schinken von Victor Hugo vorknöpfen - oder die Verfilmung mit Anthony Quinn, um zu sehen, wie die Geschichte ursprünglich endet. Bestimmt tragisch, so dass die weichgespülte Disney-Variante doch eine willkommene Alternative ist, auch wenn der arme Quasi nicht die Prinzessin bekommt, weil der Hauptmann Phoebus natürlich viel fescher ist. *Das* wäre doch der Kracher fernab jeglicher Klischees gewesen.

Die Lieder haben allesamt bis auf die von Frollo nur genervt. Binsenweisheiten, lahme Motivationspaukenschläge, schräge närrische Töne ("Heute sind die Leute doof") und plumpe Anschuldigungen der superheißen Esmeralda an den Allmächtigen ("Gott deine Kinder") haben mich gedanklich häufig zu Ohropax greifen lassen. Ist der letzte weinerliche Song allen Ernstes mit einem Oscar ausgezeichnet worden? Da hör' ich mir lieber noch mal den bösen Frollo an.





Nett waren die drei Gargoyles, mit denen sich der einsame Quasimodo unterhält, um im Glockenturm nicht komplett zu versauern. Besonders der besonnene Victor hat mir gut gefallen. Leider war er der einzige Pluspunkt, und es wurden teilweise Vorurteile aufgefahren, die den Machern vielleicht gar nicht bewusst waren und in denen sich der rassistische Richter wohl bestätigt gefunden hätte:  Die Zigeuner - angeblich friedlebend und unauffällig - horten in ihrem "Hof der Wunder" in der Kanalisation von Paris Skelette und machen mit Eindringlingen in ihr Allerheiligstes kurzen Prozess. Das wirft nicht gerade ein gutes Licht auf sie, denn das Lied, mit dem Clopin die "Exekution" einleitet, wirkt primitiv und blutrünstig. Natürlich haben Außenstehende das Recht, sich zu verteidigen, aber sie hätten Quasimodo und den tumben Hauptmann wenigsten anhören können, bevor sie die Stricke für sie drehen.

Fazit: Es tut mir leid, es sagen zu müssen, doch "Der Glöckner von Notre Dame" ist nicht von ungefähr einer der schlechteren Disney-Filme, die trotz einiger guter Figuren keine Klassiker-Qualitäten entwickeln. Wahrscheinlich wurde das Thema verfehlt - soweit ich weiß, ist es der erste und einzige Versuch bisher, einen Erwachsenenroman zu verfilmen und in Familienunterhaltungsformat zu quetschen. Und dann auch noch mit einem Sujet, das Kinder überfordert. Nee, das war quasi ein Schuss in den Ofen. Kein Film, den man an die große Glocke hängen möchte.


Bewertung:

👍👍
 

dank Klaus-Jürgen Wussow, der als einziger Sprecher / Schauspieler auch die mitunter anspruchsvollen Gesangspassagen übernommen hat.