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Dienstag, 29. September 2026

Gut zu Vögeln: "Der Gefangene von Alcatraz" (1962) mit Burt Lancaster

"Der Gefangene von Alcatraz" (Originaltitel: Birdman of Alcatraz) aus dem Jahr 1962 ist ein US-amerikanisches Filmdrama von John Frankenheimer, das auf der Biografie des Schwerverbrechers Robert Stroud basiert. Burt Lancaster verhalf dem Werk mit seiner Darstellung des Protagonisten zu großem Erfolg und erhielt dafür eine Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller.

 

Der Zwerg

 

Handlung: 1918: Der impulsive Robert Stroud verbüßt im Bundesgefängnis Leavenworth eine Strafe wegen Totschlags. Als er dort im Streit einen Wärter ersticht, wird er zum Tode verurteilt. Durch den unermüdlichen Einsatz seiner Mutter wandelt US-Präsident Wilson das Urteil jedoch in lebenslange Einzelhaft um, die Stroud im Isolationstrakt des strengen Gefängnisdirektors Harvey Shoemaker (Karl Malden) antreten muss. Während einer Freistunde findet Stroud einen verletzten Spatz im Hof, nimmt ihn mit in seine Zelle und pflegt ihn gesund. Diese Zufallsbegegnung wird zum Wendepunkt seines Lebens. Er beginnt, Kanarienvögel zu züchten, erforscht autodidaktisch Vogelkrankheiten und entwickelt wirksame Heilmittel. Im Laufe der Jahrzehnte verwandelt er seine Zelle in ein funktionierendes Labor, verfasst hochgeschätzte Fachbücher und erlangt weltweite Anerkennung als Ornithologe. Später heiratet er eine Vogelliebhaberin, die ihm einen Preis überreicht, was allerdings zum endgültigen Bruch mit seiner Mutter (Toll: Thelma Ritter) führt.

Als Strafmaßnahme gegen seine wachsenden Erfolge und seinen Einfluss wird Stroud schließlich in das Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz verlegt. Dort verbietet ihm Shoemaker das Halten von Vögeln vollständig. Stroud nutzt seine verbleibende Kraft daraufhin, um Bücher über die Mängel des US-Strafvollzugs zu schreiben und für die Menschenwürde von Gefangenen zu kämpfen. Und er wird älter und älter...

In der Realität durfte der echte Robert Stroud auf Alcatraz übrigens tatsächlich keine Vögel halten – seine wissenschaftliche Arbeit fand ausschließlich zuvor in Leavenworth statt. Auch war es ihm nicht gestattet, den Film anzusehen, der zudem ein deutlich sympathischeres und geläutertes Bild von Stroud zeigt, als es historische Quellen nahelegen.

 

Mit Feng Shui wird's wohl nichts

 

Meinung: Der Film war einer der ersten "Erwachsenenfilme", die ich sehen durfte, als er im Fernsehen lief. Und er hat mich so beeindruckt, dass ich danach wochenlang Vögel malte und ein bisschen in den sympathischen Burt Lancaster verliebt war. Als ich ihn nun erneut ansah, konnte ich meine Begeisterung nicht mehr so ganz nachvollziehen, obwohl ich nach wie vor finde, dass Burt Lancaster und auch sein Gegenspieler Karl Malden (bekannt aus "Die Straßen von San Francisco") großartig sind in ihren Rollen. In einer kleinen Nebenrolle trat auch "Kojak" Telly Savalas als Mitgefangener auf, was nett war. Aber irgendwie hat doch der Zahn der Zeit an dem Film genagt. Ein bisschen zu schwarzweiß und behäbig kam er daher und war mit über zwei Stunden deutlich zu lang. Aber es war schön, dass Robert Stroud trotz der lebenslangen Haft einen Sinn im Leben fand, indem ihm der kleine Sperling im Nest vor die Füße gelegt wird. Überraschend: Sperlinge können tatsächlich über zwanzig Jahre alt werden! Besonders gefallen hat mir der stille und geduldige Wärter Bull Ranson (Neville Brand), der beim Abschied von Stroud nach Alcatraz trotz ihrer anfänglichen Antipathie füreinander feuchte Augen bekommt und verspricht, sich um die Vögel zu kümmern, die Stroud nicht mitnehmen darf zu seiner letzten Station. Ein Leben hinter Gittern mit dahingeworfenen Knüppeln zwischen die Beine und trotzdem nicht resignieren, das ist die Botschaft des Films. Auch, wenn es nicht leicht ist: der in Gefangenschaft aufgewachsene und dressierte "Zwerg" kehrt nach einem kurzem Geschmack der Freiheit wieder zu seinem Ziehvater zurück, weil er sich dort sicherer fühlt.

Hut ab übrigens vor Burt Lancasters Fingerspitzengefühl für Vögel: Ich finde es gar nicht so einfach, sie in die Hand zu nehmen, wenn es die Situation erfordert. 

 

Bewertung:  💫💫💫 und ein halber 💫

 

 

Donnerstag, 10. September 2026

Nostalgie. Oder warum ich gern in die Vergangenheit schaue...

 Ja, es ist mir ein bisschen peinlich: ich bin Nostalgikerin. Besonders seit drei Jahren. Seit ich Mama verlor und somit keine Kindheit mehr habe. Denn vorher, da durfte ich hin und wieder Kind sein, selbst als Erwachsene. Mit Mama reden, sich eine Tasse Kaffee bringen lassen, um Rat fragen... das war für mich Kindheit. Leider gibt es sie nicht mehr, und das ist ein weitaus größerer Schmerz als es sich viele vorstellen können, die in der glücklichen Lage sind, beide Eltern noch zu haben. Ich bin froh, dass ich noch Papa habe. Aber es ist doch anders, wenn die Mama fehlt. Besonders, so glaube ich, für Töchter, die eine so gute Beziehung zu ihr hatten wie meine Schwester und ich.

 

Der erste Schultag mit selbstgemachter Zuckertüte
 

Auch wenn ich generell eher nostalgisch bin und frühere Zeiten evtl. verkläre (das will ich gar nicht abstreiten), so hat sich dieses Gefühl in den letzten drei Jahren verstärkt. Ich denke, ich bin genug Realist, um dennoch nach vorn zu schauen, aber irgendwie hilft es mir, in "der guten alten Zeit" zu schwelgen. Zugegeben, es macht mich oft auch traurig. Wir sind nicht mehr komplett ohne Mama, und die Zeit mit ihr war so wertvoll. Schade, dass man das dann doch erst im Nachhinein realisiert. Wobei ich immer dankbar war für meine Eltern. Und wenn ich zurückblicke, bin ich oft erstaunt über unser abwechslungsreiches und auch aufregendes Leben. Erst mal glaubt man, nicht viel erreicht zu haben, bis man genauer darüber nachdenkt, und einzelne Episoden sich als ungewöhnlicher herausstellen als man bisher dachte.

 

Auf Borkum

 

Vieles berichte ich in meinem Buch "Shalom Mamele". Hätte ich mir dazu mehr Zeit gelassen, wären mir bestimmt noch viele weitere Geschichten eingefallen. Einige Freunde und Bekannte regten nach der Lektüre dazu an, meine eigene Biografie zu schreiben. Ich glaube aber, dass es über mich nicht allzu viel mehr zu sagen gibt als im Buch. 

In der letzten Zeit blättere ich gern in alten Fotoalben, stöbere durch lose Fotos in Kisten und entdecke dabei so manche Schätze. Auch die Alben von Opa, die er uns ausdrücklich vererbt hat, habe ich gesichtet. Da bin ich besonders beeindruckt. Eigentlich ist sein ganzes langes Leben in diesen Alben dokumentiert. Er hat gern fotografiert, ist viel gereist und war selbst keineswegs kamerascheu, sondern konnte sich gut in Szene setzen. Und dabei hat er selbstsicher gelächelt, die Hände in die Hüften gestemmt und ein Knie fotogen und sportsmännisch angewinkelt. Wenn wir unbewusst posiert haben wie er (Mama, meine Schwester und ich), mussten wir oft verlegen lachen über das vorherrschende Keller-Gen. Trotzdem - heute sehe ich das milder. Ich finde sogar, dass dieses selbstbewusste Posieren ganz gute Fotos macht. Jedenfalls ist Opa immer gut drauf, im doppelten Sinne... 

 

Launiges Familientreffen am Sonntag auf der Terrasse

 

An unser altes Haus denke ich ebenfalls oft, das mit dem weitläufigen Garten ein kleines Paradies am Ende einer Sackgasse war, die in einen großen Platz mündete, auf dem wir im Kreis unermüdlich Fahrrad fuhren oder unsere selbstgebastelten Marionetten spazieren führten. Den Himmel stelle ich mir hin und wieder wie dieses Haus vor. Mit Menschen, die sich gut kennen und miteinander gern Gemeinschaft haben, aber auch wieder in ihre eigenen Wohnungen zurückkehren können. Im Idealfall solche, die ich bereits als Kind kannte. Vor kurzem starb der Vater meiner Sandkastenfreundin, die ich als Vierjährige in der Nachbarschaft kennengelernt hatte. Wir waren auf der Beisetzung, und ich habe etwas Erstaunliches bemerkt: Die Stücke, die gespielt wurden in der Friedhofskapelle, waren so, wie ich ihn bzw. seinen Musikgeschmack in Erinnerung hatte: Elvis Presley, James Last, Ricky King. Als wäre die Zeit stehengeblieben bei den Nachbarn. Und manchmal denke ich, wenn sie in meiner Kindheit stehengeblieben wäre, wäre das nicht das Schlimmste gewesen. Blöd, ich weiß. Aber ich empfinde es tatsächlich so, seit Mama nicht mehr da ist. Mir fehlt sie als Ermutigerin und zuverlässige Hilfe bei Herausforderungen, beruflich und privat. 


Sichtlich stolz auf die Reiterfräuleins 

 

In speziellen Facebookgruppen poste ich Beiträge von früher, und es erstaunt mich, dass es viele Menschen gibt, die auch nostalgisch veranlagt sind. Die sich nach Zeiten ohne Smartphone sehnen, obwohl man heute nicht mehr darauf verzichten kann. Vieles war auch damals nicht leicht, und trotzdem hatte man das Gefühl, dass der Alltag unbeschwerter war mit weniger Information und Reizüberflutung. Die steigende Anzahl von Autisten und ADHS-lern kommt nicht von ungefähr. Ständig glaubt man, etwas zu verpassen, und gleichzeitig wird gemahnt, den Augenblick zu genießen. Allein das zeigt, wie schwierig und paradox die Welt in den letzten Jahren geworden ist. Ich möchte nicht moralisieren oder jammern, denn die Uhr zurückdrehen geht nicht. Aber ein bisschen träumen und sich an Schönes erinnern, diesen Luxus gönne ich mir. Denn eine schönere, freiere Kindheit und Jugend hätte ich mir nicht wünschen können. Das ist mein kleiner persönlicher Schatz. Und ich weiß, der ist nicht selbstverständlich.