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Sonntag, 27. September 2015

Nostalgie, Wind und Sonnenschein

Heute bin ich trotz Sonntag recht früh aufgestanden. Eigentlich, weil ich beim Bäcker frische Semmeln holen wollte. Nach einem guten Frühstück entschieden wir uns zu einem morgendlichen Spaziergang, anstatt wie üblich die Rechner anzuschalten. 

 

Ratfink1973 / Pixabay


Auf unserer Runde kommen wir oft an einem Industriegebäude vorbei, auf dem hin und wieder museumsreife, aber fahrtüchtige Oldtimer stehen wie ein VW-Bus aus den 1950er oder ein amerikanischer Schlitten von 1930. Da wir sie bereits näher in Augenschein genommen haben und von den Angestellten auch nicht unbemerkt blieben, weiß ich, dass alte Automobile eine *Spielerei* vom Chef des Unternehmens sind. Der kam heute auch prompt vorbei, als wir uns ehrfürchtig einer grün lackierten, funkelnden Tin Lizzy mit offenem Verdeck auf dem Fuhrpark näherten, um sie gebührend zu bewundern.

Er fragte uns, ob wir Lust auf eine kleine Spritztour hätten, und mal ehrlich, wer hätte die nicht? Es war irgendwie total verrückt, da hinten raufzusteigen, den Chef beim Betätigen der altmodischen Kurbel vorne am Motor zu beobachten und dann mit sechzig Sachen durch die Stadt zu fahren. Ich hätte ja "Tuckern" gesagt, aber das wäre der verkehrte Ausdruck. Die Tin Lizzy ist rasant schnell, oder vielleicht kam es mir auch nur so vor, mit dem Fahrtwind in den Haaren und ziemlich exponiert auf dem hohen Sitz. Besonders die Kurven hatten es in sich, und wir mussten uns gelegentlich festhalten wie auf einer Achterbahnfahrt. (O;

Unser nostalgisches Gefährt zog natürlich sämtliche Blicke auf sich, während unser großzügiger Chauffeur ein paar technische Daten vom Stapel ließ, wenn wir nicht gerade lachten wie blöd vor unerwarteter Freude, uns wie Filmstars in einem Kostümschinken fühlten (hehe) oder er uns besorgt fragte, ob wir nicht frieren ("Nein, nein! Überhaupt nicht!").

Das Modell stammt von 1913, ist also über hundert Jahre alt, und trotzdem braucht man weder eine Genehmigung oder einen speziellen Führerschein, um solche Oldtimer im Verkehr zu lenken. Recht erstaunlich fand ich, dass es nicht einmal Sicherheitsgurte gab, denn wie gesagt: das Tempo, das wir vorlegten, war teilweise schon atemberaubend und hätte mit diesem Soundtrack unterlegt werden können:





Nach einer Stadtrundfahrt durch die Hauptstraße setzte er uns wieder am Ausgangspunkt ab. Ich war total geflasht und habe mich an die tausend Mal bedankt, denn im Museum kann man solche Fossilen ja ohne weiteres sehen - in einem sitzen und auch noch fahren dürfen bestimmt nur wenige.

Schade nur, dass wir beide keine Handys dabei hatten, um Fotos zu machen, die unser nostalgisches Erlebnis dokumentiert hätten.





Sonntag, 20. September 2015

Ein Rotrock reist durch Raum und Zeit...

Meine aus Film und Fernsehen inspirierten Häkelpüppchen, die ich in der Freizeit anfertige, erweisen sich als äußerst reiselustig und haben dabei eine Menge zu erzählen.

Sherlock Holmes und Bilbo Beutlin sind gerade dabei, das Rätsel um einen in Portugal verschwundenen Ring zu lösen und halten mich bei ihrem Abenteuer in Bild und Text auf dem Laufenden - vielen Dank an Sabrina und ihren Papa! Jeden Tag freue ich mich auf Nachricht von ihnen und bewundere sie am Flughafen, in Orten mit höchst exotisch klingenden Namen, beim Garnelenpuhlen und Wein verkosten; das ist fast, als hätte ich einen Adventskalender im September. (O:


Bilbo und Sherlock vor ihrer Reise


 

Nun geht auch mein historischer Rotrock Major John André auf Reisen - und das, obwohl ich ihm tatsächlich eine kleine Träne nachgeweint habe. Ein Ersatz ist aber bereits vorhanden.

Sein Ziel heißt Chesterfield in Virginia / USA. Zum Glück sind die Animositäten zwischen Amerikanern und Briten heute weitgehend passé. Ich hätte ihm sonst verboten, dort erneut aufzukreuzen, hat man ihn doch anno 1780 mit gerade mal dreißig Jahren wegen Verrats zum Tod am Strang verurteilt.

Die Geschichte, die dem Grund seiner Reise vorausgeht, ist folgende: Vor kurzem hatte ich - stolz wie Oskar auf meine neueste Kreation - ein Foto auf Twitter gepostet, das den Major im Garten zeigt. Innerhalb von kurzer Zeit hatte das Foto einige Retweets und Favoriten und tatsächlich Anfragen, ob man ihn denn irgendwo erwerben könne. Mit einer so großen Nachfrage habe ich nicht gerechnet, war aber umso stolzer, dass er bei den Fans der Serie "Turn - Washington's Spies" so gut ankam. Einem davon habe ich ihn über meinen Etsy-Account verkauft - den habe ich noch, auch wenn ich momentan keine Artikel im Shop anbiete.




Kurz und gut, der Major hat nach ein paar wenigen 140 Zeichen-Nachrichten den Besitzer gewechselt. Erstaunlich übrigens, wie schnell und unkompliziert das mit Paypal auch im entfernten Ausland geht. Gleich am nächsten Tag habe ich ihn reisefertig gemacht, ihm ein letztes Goodbye-Bussi auf den blonden Schopf gedrückt und ihn zur Post gebracht.

Der absolute Clou der Geschichte ist der, dass der Fan, der ihn bestellt hat, nahe der Drehorte wohnt, an denen im Spätherbst die dritte Staffel der Serie weiter gefilmt wird (in der der Major vermutlich das Zeitliche segnet - *sniffle*). Nachdem ich ihn versendet und der Empfängerin mitgeteilt hatte, er sei unterwegs, schrieb sie mir zurück, dass sie vorhat, *meinen* selbst gehäkelten Rotrock JJ Feild zu überreichen, wenn sie ihn im Rahmen der Dreharbeiten treffen sollte!!! Wie aufregend ist das denn?! Das Fangirl in mir ist beinahe explodiert vor Freude.

Und selbst, wenn er es nicht in Mr. Feilds männlich-kräftige Hände schaffen sollte, so ist durch mein Amigurumi doch eine originelle Idee ins Rollen gekommen, genau wie die von Sabrina und ihrem Vater. Ich finde das richtig schön.



Samstag, 12. April 2014

Leserunde Nr. 2

Noch zehn Tage bis zum Start meiner zweiten Online-Leserunde - dieses Mal zu "Vom Ernst des Lebens". Ob ich aufgeregt bin? Schon ein bisschen. Vielleicht nicht mehr gar so hibbelig wie bei der ersten, aber es ist doch immer etwas Besonderes, seinen eigenen Roman mit mehreren Leuten zeitnah zu diskutieren.




Ich bin froh, dass mir der Büchertreff diese Möglichkeit gibt - auch wenn es für Indie-Autoren nicht so einfach ist wie für Autoren von großen Verlagen, eine Leserunde zu organisieren, so war zumindest bei der ersten zum "Bildnis des Grafen" der Aufwand durchaus lohnenswert. Ich hatte sehr viel Spaß mit meinen Meisterdetektiven, und es war toll, zu lesen, wie gut ihnen die Geschichte gefallen hat und wie sehr sie mitgefiebert haben. Das wiegt so manch harsche Kritik wieder auf, der sich ein Autor naturgemäß stellen muss. Nicht, dass ich etwas gegen andere Meinungen habe, doch ich finde, wenn man ein Buch schon verreißen muss, sollte die Kritik sachlich und gut begründet sein und vor allem sollte man es zu Ende gelesen haben, ehe man sich zu persönlichen Beleidigungen versteigt.

Was "Vom Ernst des Lebens" betrifft, so bin ich wie beim "Grafen" recht zuversichtlich und zähle auf die Leseerfahrenheit der Teilnehmer und das allgemein hohe Niveau des Forums. Natürlich wird es Kritikpunkte geben, die eine oder andere Verhaltensweise meiner Protagonisten Miles und Rupert hinterfragt werden und / oder ein verständnisloses Kopfschütteln ernten; ehrlich gesagt, geht es mir heute zuweilen so, wenn ich den Roman so durchblättere. Aber das macht eine Diskussion erst aus, und ich werde auch nicht versuchen, das letzte Wort zu behalten oder alles aufzuklären, was evtl. auf den ersten Blick wenig nachvollziehbar ist. Ruperts neurotische Ader beispielsweise. Er war für mich das krasse Gegenteil zu Miles, der ihn nach Paris "entführt", um ihn scheinbar davon zu überzeugen, dass die Welt mehr zu bieten hat als Bücher, die Routine des Alltags und ein Leben als Literaturprofessor in Cambridge. Rupert allerdings tickt anders als Miles. Er meidet zwischenmenschliche Beziehungen weitgehend, ist zufrieden mit dem, was er hat und fühlt sich am wohlsten, wenn man ihm seine Ruhe lässt. Durch Miles und Paris ändert sich sein Leben, doch er hat Schwierigkeiten, sich in der "neuen" Welt zurechtzufinden, auch wenn ihm Miles' aufmerksame Freundschaft durchaus schmeichelt.

Es gibt ein paar Stellen im Buch, die ich heute vermutlich anders schreiben würde. Ich glaube, ganz so neurotisch würde ich Rupert nicht mehr anlegen, obwohl ich nach wie vor finde, dass er nach seiner Überzeugung verständlich handelt und auch mit den etwas überzogenen Phobien und Macken menschlicher wirkt als Miles. Der wurde von einigen meiner Leser als "zu begabt" beschrieben - er ist eloquent, überraschend, selbstbewusst, spricht fließend Französisch, weiß immer einen Rat und setzt diesen auch unverzüglich in Taten um. Ein strahlender Held ist Miles allerdings mitnichten. Tief im Inneren bewegt ihn eine traumatische Vergangenheit und eine ungewisse Sicht auf die Zukunft, die ihn vielleicht sogar zu einem größeren Zweifler macht als der von ihm gekidnappte Freund.

Ich bin jedenfalls supergespannt auf unsere Runde und hoffe, dass jeder sich gut während der Lektüre unterhält. Nichts anderes will ein Autor mit seinen Geschichten ja erreichen.