Translate

Posts mit dem Label Wales werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wales werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 21. Juni 2021

Meinung und Fazit zu "Die Pendragon Legende" ~ Antal Szerb

Schade. Der anfangs spannende und originelle Roman hat mich merkwürdig unbefriedigt zurückgelassen. Enttäuscht auch. Ich konnte dem wirren Treiben um die Geheimnisse der Pendragons respektive der Earls of Gwynedd nicht mehr folgen, als sich die Ereignisse überschlagen und herauskommt, dass der Spion auf Llanvygan arglos alles der Drahtzieherin mitteilt, seit der ungarische Doktor walisischen Boden betreten hat. Was genau, ist mir immer noch ein Rätsel. Ging es nun um eine Verschwörung, die Suche nach dem ewigen Leben oder einfach um einen irren Drogentrip, den der Autor seinen Erzähler Janos Bátky erleben ließ? Ich kann es nicht sagen. Was mich umso mehr irritiert, da ich immer gerne mitfiebere und mitrate und oft auf der richtigen Fährte bin.

 



Vielleicht sind mir Bücher von solch hochgelobten Autoren einfach zu hoch und zu intellektuell, als dass ich sie durchschauen könnte. Oder es war zu heiß in den letzten Tagen mit 35° im Schatten. Hilfreich wäre wohl eine zweite Meinung, denn ich glaube schon, dass sich der gute Antal durchaus etwas dabei gedacht hat. Also wenn jemand das Buch gelesen und verstanden hat, scheut euch nicht, mir eure Erklärung im Kommentarbereich mitzuteilen, so absurd sie auch sein mag. (O;

Der negative Wendepunkt für mich kam mit dem Verschwinden Cynthias. Bátky, Osborne und die resolute Deutsche Lene Kretsch - Anhängerin der neuen Sachlichkeit - machen sich auf die Suche nach ihr, wobei sie sich trennen. Bákty wirft wohl irgendwas ein; anders sind mir die absonderlichen Visionen nicht erklärbar, die ihn heimsuchen, als er auf einen würfelförmigen Felsen in der Pampa trifft, in (!) dem sich Dinge abspielen, die ich ziemlich grausig fand. Es geht um Menschenopfer und finstere Mächte; etwas, das mir auch in schriftlicher Form nicht behagt. Der Ahnherr Asaph Pendragon entführt einen kleinen Jungen, den der aktuelle Earl Owain of Gwynedd rettet, indem er seine ehemalige Geliebte opfert, die den reichen Mr. Roscoe geheiratet hat, der den Earl später in seinem Testament bedenkt, wenn herauskommt, dass Roscoe unter "künstlich herbeigeführten Umständen" starb. Ein ziemliches Kuddelmuddel also, aus dem ich nicht schlau wurde. Was hatte Asaph Pendragon damit zu tun? Und ist er wahrhaftig wieder auferstanden, als mitternächtlicher Reiter und Beschützer des jetzigen Earls? Warum greift er zu solch drastischen Mitteln wie Menschenopfer und hält schwarze Messen ab? Und warum wollte man den akuellen Earl überhaupt aus dem Weg schaffen - ein Beweis für den Mord an Roscoe durch seine Witwe wurde doch nie erbracht? 

Fragen über Fragen, und ich hätte noch mehr. War Bátky nur zufällig da oder durch einen Wink des Schicksals? Ich weiß es einfach nicht und empfinde mein eifriges Lesen im Nachhinein als vergeudete Zeit (wobei ich genug habe - trotzdem fühle ich mich irgendwie verkohlt).

Fazit: Leider kein tolles. Ich habe mit Staunen festgestellt, dass ich den Roman während der Leserunde vor über zehn Jahren mit drei Sternen von fünf bewertet habe, was ich als ziemlich gut bezeichnen würde. Wahrscheinlich ist mir durch den gemeinsamen Austausch damals einiges klar geworden, das jetzt immer noch nebulös und völlig konfus erscheint. Da ich mich an überhaupt nichts mehr erinnern kann bis auf die Axolotl als Versuchstiere des Earls, muss ich bei meiner aktuellen Bewertung einen Stern abziehen. Es tut mir selbst leid, da ich wie gesagt zu Beginn gefesselt war von der Geschichte, auch viele Sätze gelungen fand und das Setting und die spukige Atmosphäre genau mein Ding sind. Eigentlich. 

In der "Pendragon-Legende" kam für mich zu viel (Pseudo-) Intellekt und ein gegen Ende zu fantastisches Element vor, das in die eher nüchtern gehaltene Erzählung nach meinem Empfinden nicht gepasst hat. Ganz abgesehen davon, dass mir der Protagonist nicht sympathischer wurde im Lauf der Geschichte, vergebe ich angestrengte zwei Sterne.


💫💫



Montag, 4. November 2013

Der Gewinner in der Kategorie Längster Filmtitel...

... dürfte "Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunter kam" sein, aus dem Jahr 1995 mit dem damals total angesagten linkisch-charmanten Hugh Grant (wer einen längeren kennt, belehre mich bitte im Kommentarbereich eines Besseren).

Ein großartiger Film mit einer herzerwärmenden Botschaft und liebenswerten, schrulligen Charakteren von Morgan der Bock über den kriegsgeschädigten Johnny (ich sage nur *Bomb Shell*) und den wortkargen, aber tatkräftigen und rüstigen Zwillingen Tumber Tom I und Tumber Tom II bis hin zu dem streitlustigen Reverend Jones, der 82 ist, aber von allen auf Mitte Sechzig geschätzt wurde. Und Wahnsinn, wie knackig Mr. Grant mal aussah in Hosenträgern und Knickerbockers!

Die Handlung: Im Jahr 1917 kommen die beiden Engländer George Garrad und Reginald Anson nach Wales, um dort das Land und den Hügel Ffynnon Garw (sprich: Finnengarow) zu vermessen. Um in der Karte eingezeichnet zu werden, muss der Hügel (der eigentlich Garth Hill heißt und somit tatsächlich ein "Hügel" geblieben ist) mindestens tausend Fuß hoch sein. Es fehlen jedoch etwa zwanzig zum Eintrag. Die Waliser - überzeugt davon, dass die "Fremden" sie zum Narren halten - sind in ihrer Ehre und ihrem Stolz gekränkt und beschließen, dass die Schmach so nicht hingenommen werden kann.

Trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten und Unterschiede raufen sie sich zusammen und setzen die Landvermesser mit unlauteren Mitteln fest, um gemeinsam daran zu arbeiten, ihren geliebten Berg höher zu schaufeln, damit er neu vermessen und eingetragen werden kann. Währenddessen kommt der schüchterne Reginald der resoluten Betty näher und überwindet seine Kriegsneurose, die ihn bislang an einer Beziehung gehindert hat.




Meinung: Simpel, die Story, sollte man meinen. Ist sie auch. So simpel, dass sie wieder genial ist. Dazu tragen vor allem die tollen Schauspieler bei und die authentische Atmosphäre, gleich, ob das nun die walisischen Bewohner mit ihren Macken oder das stimmige Setting betrifft. Man hat sofort das Gefühl, in dem ollen Zweitakter der beiden Kartografen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nach Wales zu reisen.

Sehr nett finde ich auch die Idee, die Geschichte in Rückblenden von dem alten Mann erzählen zu lassen, der seinerzeit als Junge seinen Opa fragte, wo die lange Bezeichnung "Der Engländer der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunter kam" eigentlich ihren Ursprung hat.

Die zarte Liebesgeschichte zwischen der forschen Betty und Reginald hat etwas Rührendes, und man ist froh, dass der vom Krieg traumatisierte Bub jemanden findet, der "auf ihn aufpasst", denn irgendwie scheint Hugh Grant mit jeder Geste und der hilflosen Mimik an mütterliche Instinkte zu appellieren.

Unerwähnt lassen möchte ich nicht die wirklich zauberhaft folkloristisch anmutende, ins Ohr gehende Musik von Stephen Endelman. Sie ist nämlich der fünfte Stern in meiner Bewertung. Na schön, der viereinhalbste.

Fazit: Immer wieder schön und ein Ausnahmefilm für Cineasten, die mehr Wert auf Charaktere und Aussagekraft legen als auf Ka-Boom und überspannte Dramatik. Wer's noch nicht kennt, unbedingt nachholen.


Bewertung: 

👍👍👍👍👍



 
 

Bildquelle: Pinterest