I solve crimes and blog about it
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Montag, 8. Juni 2026
Meine Eltern
Mittwoch, 6. Mai 2026
Nachlassverwalter bei Annchen & Peter
Von Annchen und Peter, den ältesten Freunden meiner Eltern, habe ich bereits berichtet. Anfang dieses Jahres folgte Peter wenig überraschend seiner Annchen, und ich hoffe sehr, dass sie beide im Himmel wieder vereint sind. Es waren (und sind) ganz besondere Menschen, die Mama bis zuletzt in ihrem Bungalow am Rand der Stadt besucht hat.
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| Annchen und Peter in Ansbach |
Als wir auf Peters Trauerfeier waren, schlug uns ihr jüngster Sohn vor, uns im Haus umzusehen, ob wir etwas finden, das uns gefällt. Dazu übergab er uns den Schlüssel mit den Worten: "Die Sachen sind alt, aber vielleicht ist noch das eine oder andere dabei, das euch interessiert." Geehrt von so viel Großzügigkeit und Vertrauen (wir kannten uns nur flüchtig), gingen wir bald darauf hin; den Weg durch die Schrebergärten, den wir so oft mit Mama gemacht hatten. Ich muss zugeben, es war ein merkwürdiges Gefühl. Beim ersten Mal waren wir fast zu ehrfürchtig, um uns genau umzusehen. Man merkt auch, dass sie sehr bescheiden waren in diesem Leben, obwohl der zweistöckige, doppelhälftige Bungalow von innen noch mehr Eindruck macht als von außen. Mit vier Jungs, die dort aufgewachsen sind, war Geräumigkeit schließlich das A und O.
Wir haben die abgesprochenen Rattankorbsessel für unsere Lounge reserviert und ein paar Kleinigkeiten wie ein japanisches Teeservice und ein rotes Holzpferd, wohl aus Schweden. Dann hockten wir in die am Kachelofen integrierte Essbank und waren irgendwie überwältigt von der Stille im Haus, in dem sonst Annchen munter plauderte und Peter zufrieden und lächelnd neben ihr saß.
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| Beklommen am Ofen mit Dekovögelchen |
Erst nach ein paar weiteren Besuchen wurden wir mutiger, fragten Freunde und Bekannte, ob wir sie mitnehmen dürften ins Haus zwecks Haushaltsauflösung. Und es fanden sich unter ihnen neue und stolze Besitzer von Staubsaugern, technischen Geräten, Büchern über chinesische Heilmethoden und und und... einer fragte mich sogar, ob man das *wirklich* alles ungestraft mitnehmen könne...?
Immer, wenn wir dort waren, fanden wir neue und brauchbare Dinge, die wir entweder selbst verwenden konnten bzw. als Erinnerungsstücke in Ehren halten, oder an Nachbarn weitergaben. Obwohl es nicht viel aussah im Haus, waren wir verblüfft über die Ausbeute. Als ehemalige Buchhändlerin hatte Annchen so viele Bücher, dass unseren Freunden der Mund offenstehen blieb. Einige Heimatbücher habe ich an eine Grundschulfreundin in Hamburg geschickt, die sich sehr gefreut hat, ihre alte Stadt literarisch erkunden zu können. Doch was uns ein bisschen Kopfzerbrechen bereitete, waren die Möbel. Besonders die Rattancouch im Wohnzimmer war zu edel für den drohenden Container. Mitnehmen wollte sie jedoch keiner; war sie doch recht sperrig, und außerdem hat ja fast jeder schon ein Sofa und eine Wohnzimmereinrichtung.
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| Das Sofa. Ein TV-Set gab es nicht. |
Das Dreamcenter, das gebrauchte Möbel abholt und in einem Sozialkaufhaus zum Verkauf anbietet, wurde mir öfter empfohlen, aber irgendwie scheute ich den Aufwand. Je leerer die Wohnung an Gebrauchsgegenständen wurde, desto mehr befasste ich mich mit dem Inventar. Meist schöne Möbel aus hellem Holz, und durchaus gepflegt; nicht zu vergessen die Couch als Prunkstück mit passendem Tisch und Sesseln. Vor kurzem habe ich das Dreamcenter doch kontaktiert und Fotos geschickt, mit wenig Hoffnung auf eine Antwort. Denn mittlerweile wird dort nicht jedes potentiell gespendete Stück mehr aufgenommen. Positiv überrascht war ich demzufolge, als sich der Chef meldete; die Möbel seien fast alle interessant für sie, wo könne man sie denn abholen? Für den nächsten Tag machten wir einen Termin aus, und ich war so froh, wenigstens einem Teil der Einrichtung eine neue Chance zu geben. Die drei Jungs, die die Sachen im Sprinter verstauten, mussten ganz schön schnaufen und schwitzen. Doch sie haben ihre Sache gut und routiniert gemacht, selbst das Abschlagen der Schränke und Betten. Es stellte sich heraus, dass der Chef unsere Eltern kannte, aber nicht mitbekommen hatte, dass Mama nicht mehr da ist. Das tat ihm sehr leid, man konnte es sehen. Zum Abschied hat er mich zweimal in den Arm genommen, nachdem wir und die Kollegen noch ein bisschen über unsere Bastel-Wirth-Zeiten geredet hatten; es ist irgendwie auch schön zu wissen, dass der Laden einen so bleibenden Eindruck hinterlassen hat, obwohl er schon seit über zehn Jahren nicht mehr existiert.
Für mich hinterlassen auch Annchen und Peter einen bleibenden Eindruck. Durch den Einblick in ihr Haus sind sie Nicole und mir noch einmal nähergekommen; mehr vielleicht als zu Lebzeiten. Das war sehr eigenartig. Das Foto von ihnen fand ich in der Wohnzimmerschrankwand und möchte es gern behalten. Genauso habe ich sie in Erinnerung; so heiter und ohne Bitterkeit, auch wenn es das Schicksal nicht immer gut mit ihnen meinte. Es gibt viel zu wenig solcher Menschen. Auch ihre Nachhaltigkeit, ihre Zufriedenheit und ihr Zusammenhalt in der Beziehung sind beispielhaft. Und ich mochte auch ihre unkonventionelle Art, die Unerschrockenheit, neue Wege zu erkunden, die Annchen mit Mama gemein hat. Ich finde, man sieht ihnen an, dass sie ein glückliches, wenn auch nicht sorgenfreies Leben gelebt haben.
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| Die Fensterfront im Obergeschoss |
So allmählich heißt es dann Abschied nehmen. Ich war gern in dem Haus. Hätte nie gedacht, dass das bloße Umsehen darin doch eine Aufgabe wurde, nämlich den Nachlass respektvoll mitzuverwalten. Es war nicht viel Mühe, aber es freut mich, dass wir ein bisschen helfen konnten. Ich habe bei anderen Menschen gesehen, wie deren Nachlass achtlos in Containern landete, und diese Menschen waren stolzer auf ihre Besitztümer als Annchen und Peter. Sowas tut selbst mir als weitgehend Unbeteiligtem weh. Darum war es mir eine Ehre, für die Dinge von Freunden ein neues Zuhause zu suchen.
Montag, 13. April 2026
Kurzgeschichte: Die Nische der Ewigkeit
Inspiriert von einer kleinen Skulptur, die ich bei unserem letzten Friedhofbesuch entdeckt und fotografiert habe, folgt eine kleine Geschichte dazu. Ein bisschen sind Jakob und Elisa auch wie Papa und Mama.
Die Nische der Ewigkeit
Dienstag, 17. Februar 2026
Mama im Himmel
Merkwürdig: Nun sind wir schon fast zweieinhalb Jahre ohne Mama, und meine Trauer will nicht weichen. Ich kann nicht einmal behaupten, sie sei weniger schwer. Es gibt mehr Tage, an denen sie nicht allzu weh tut, doch wenn, dann erwischt sie mich mit voller Wucht.
Ich habe von Mama geträumt diese Woche; einen Traum, den ich vielleicht als Zeichen werten darf (ich bin sehr vorsichtig mit solchen Dingen). Ich war in unserem Haus im Rittersbruch, bin dort zum alten Kinderzimmer gegangen und sah sie auf meinem Bett sitzen. Sie war schön wie immer, jünger, so um die Vierzig, mit noch dunklem Haar. Als ich sie sah, fing ich an zu weinen und setzte mich zu ihr, um ihr zu sagen, dass sie uns so sehr fehlt. Sie meinte daraufhin, dass sie ja immer bei uns ist, auch wenn wir sie nicht sehen. Mein Traum war dann zu Ende, aber er war tröstlich. Am Morgen habe ich ihn Papa und Nicole erzählt. Beide mussten ein bisschen weinen. Ich hoffe, dass es trotzdem geholfen hat.
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| 💕Am Jägersee, April 2021💕 |
Heute habe ich zum ersten Mal seit 2023 versucht, frittierte Löffelküchle zu backen, die es bis dahin immer an Fasching gab und auf die wir uns alle unheimlich gefreut haben. Mama hat kein aufgeschriebenes Rezept; so habe ich es aus dem Internet gezapft. Sie wurden nicht halb so gut wie Mamas, aber ich war froh, dass ich mich aufgerafft habe - irgendwie sollte diese Tradition auch ihr zu Ehren weiterbestehen.
Wenn mich die Trauer zu sehr überkommt, schreibe ich meine Gedanken in Gedichtform nieder. Wahrscheinlich nerve ich damit schon, denn meist teile ich sie auf Facebook. Mit meinen Vorstellungen vom Himmel und wie es ihr dort geht, können anscheinend die wenigsten Freunde und Follower etwas anfangen. Macht aber nichts. Das neuste möchte ich hier her einfügen.
Ich wünsche mir so sehr, dass sie fast dasselbe Umfeld hat wie hier, ohne Neid, Falschheit und Tücke vieler Mitmenschen. Gerade in letzter Zeit haben wir mitbekommen, dass es vielen Freunden nun leid tut, dass sie Mama oft belächelt und verletzt haben für ihre Überzeugungen - nicht nur, weil sie es ihr nun nicht mehr persönlich sagen können, sondern auch, weil sie gemerkt haben, dass sie ihrer Zeit voraus war und in vielem recht hat. Und ich denke, dass sie Jesus und vorausgegangene Freunde und Verwandte oft besuchen kommen und gute Gespräche mit ihr führen. Sie hat sich so gern ausgetauscht, neue Leute getroffen und war das kommunikativste Familienmitglied. Jesus wollte sie immer am besten kennen. Nun sieht sie ihn vielleicht täglich von Angesicht zu Angesicht. Eine etwas surreale Vorstellung ist das. Aber ich hoffe, ich komme auch dorthin und lerne ihn als liebevollen Kumpel kennen.
Hier kommt mein Gedicht:
Mama im Himmel
Dienstag, 9. September 2025
An Mama
Vor zwei Jahren war der schlimmste Tag in meinem Leben. Mama ging nach Hause zu Jesus. Ich spreche bis heute nicht von ihrem "Tod" und weigere mich auch, in der Vergangenheitsform von ihr zu erzählen. Weil ich weiß, dass beides nicht zutrifft. Ihr echtes Leben hat mit dem himmlischen Dasein erst begonnen, und die Eigenschaften, die sie hier auf Erden hatte, gehen dort nicht verloren; selbst ihre "Fehler" waren liebenswert und bestimmt keine, die Gott ihr genommen hat: allen voran die Freude am Reden, von der sie sagte, dass es ihre Schwäche sei. Für mich, die ich nicht viel rede, war es eine bewunderswerte Stärke. Denn abgesehen davon, dass ihr nie die Gesprächsthemen ausgingen, konnte sie auch zu einem Unrecht nicht schweigen. Dazu gehört nicht nur Eloquenz, sondern auch Mut. Wo andere sich zurückzogen und lieber den Mund hielten (auch ich), hat Mama sich nie gescheut, ihren aufzumachen.
Einige meinen vielleicht, ich würde sie glorifizieren, auch in meinem Buch "Shalom Mamele". Da hörte ich hin und wieder Stimmen, die sie "so nicht gekannt hatten." Andere wiederum sagten mir, dass sie genau so sei und ich sie unglaublich treffend beschrieben habe. Als Tochter, die ich bin, habe ich meinen Eindruck von ihr mir gegenüber gegeben, und der war immer positiv und schön. Ich bin voller Dankbarkeit, dass ich so tolle Eltern habe. 💕💕💕 Das einzige Negative, das mir einfällt, war der Arrest in der Besenkammer, als ich etwa fünf oder sechs Jahre alt war. Ich muss sie da schon sehr genervt haben, und es tat ihr hinterher auch leid. Einmal habe ich sie darauf angesprochen, viele Jahre später. Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern... Immer war sie da für mich, teilte Freude und Sorgen und half, wann und wo immer man sie darum bat.
Ich denke, man glaubt mir deshalb oft nicht, weil es Menschen wie sie nicht viele gibt. Menschen mit unsichtbaren Flügeln schon auf der Erde. Sie ließ mich meine eigenen Schlachten kämpfen, doch wenn ich nicht mehr weiterwusste, war sie zur Stelle. Zuverlässig, voller Liebe und Wärme. Wobei ihr wichtig war, meine Eigenständigkeit zu respektieren.
Ich würde mir wünschen, dass einiges, was ich über sie schrieb und noch schreibe, von ihr gelesen werden könnte. Dass sie es auf irgendeine Weise erfährt, wie wertvoll sie mir ist als Mama, und vor allem als Freundin, die sie uns Kindern immer sein wollte und auch war. Dass ich sie so sehr liebe und sie nicht vergessen möchte, ihre Stimme, ihren Duft, ihre Berührungen. Ich träume selten von ihr (schade!), aber wenn, dann sind es Träume, die mir Mut machen, weil wir wieder zusammen sind, ganz selbstverständlich. Zum Beispiel unterwegs in den Urlaub. Ohne ein "Bis wir uns wiedersehen!" - obwohl auch das schön wäre und ich die in meiner Trauergruppe ein bisschen beneide, die "eindeutige" Zeichen erhalten.
Die letzten Wochen waren für uns als Familie kräftezehrend und ein Alptraum. Bis heute können wir nicht darüber sprechen, ohne zu weinen. Bilder und Situationen bleiben im Kopf, und manchmal scheinen sie uns zu überwältigen. Die Ohnmacht und Hilflosigkeit, die wir dem Krankenhaus gegenüber fühlten in der Zeit, kann man schlecht erklären. Warum es so war, ist uns ein Rätsel. Antworten bekommen wir in dieser Welt vermutlich nicht mehr. Darum spielt Akzeptanz eine große Rolle, und die anzunehmen, ist nach dem, was passiert ist, schwer. Wir hatten es immer gut als Familie. Selbst durch Krisen gingen wir - wenn schon nicht gestärkt, dann doch um eine Erfahrung reicher. Auf diese hätten wir gern verzichtet. Mama fehlt, und das wird hier nie aufhören.
Freitag, 11. Juli 2025
Maskenpflicht. Ein Gedicht über meinen Weg ohne Mama.
Maskenpflicht
Dienstag, 8. Juli 2025
Brief an Mama. Gefunden in meinen Erinnerungen von letztem Jahr.
Sonntag, 6. Juli 2025
Interview für die RNZ zu meinem Buch "Shalom Mamele"
Wie bist du darauf gekommen, dieses Buch zu schreiben und warum?
Eigentlich wollte ich es gar nicht schreiben, weil ich dachte, es sei zu schmerzhaft. Meine Trauer über den Verlust war so groß, dass ich meine Gedanken in den sozialen Medien geteilt habe und darauf überraschend positive Kommentare und auch PNs erhielt. Oft kannte ich die Leute nicht einmal persönlich, doch einer regte dazu an, meine Geschichte mit Mama niederzuschreiben, weil er so viel Liebe aus meinen Beiträgen spürte. Das fand ich enorm und berührend. Zunächst scheute ich mich davor, eine Art „kreatives Trauerschreiben“ in Gang zu setzen. Ich hatte Angst, es könnte mich emotional belasten, nachdem Mamas Krankengeschichte so unerwartet unglücklich verlaufen war. Aber es ließ mich nicht los, und als ich anfing, zu schreiben, habe ich mich jeden Tag darauf gefreut und die Trauer während des Schreibens tatsächlich etwas vergessen. Ich hatte Spaß daran, alte Familienfotos für das Buch auszusuchen und in Erinnerungen zu schwelgen, die durchweg schön sind. Erst jetzt wird mir bewusst, wie außergewöhnlich unser Familienzusammenhalt war und wie viele Menschen uns darum beneiden. Intakte Familien gibt es anscheinend nicht mehr viele, doch dafür ist der Schmerz umso größer, wenn ein Familienmitglied geht, das so elementar dazugehört wie Mama.
Wie lange hast du gebraucht, das Buch zu schreiben?
Weniger als zehn Tage. Das glaubt mir keiner, wenn ich es sage. Jemand meinte sogar, ich hätte ChatGPT bemüht, doch ich weiß nicht mal genau, was das ist, geschweige denn wie man es bedient. Diesen Flow beim Schreiben hatte ich lange nicht mehr, und ich bilde mir gern ein, dass Mama mich inspiriert hat, indem sie unsichtbar mit im Schreibzimmer saß. Sie hat mich immer ermutigt, Geschichten zu schreiben und damit an die Öffentlichkeit zu gehen, daher weiß ich, dass sie nun im Himmel vor Freude in die Hände klatscht, wenn sie ihr Schaufenster in der Buchhandlung sieht. Es war für mich bittersüß, zu erfahren, dass ausgerechnet „Shalom Mamele“ hier am Ort größere Beachtung findet als meine Romane. Vielleicht liegt es daran, dass meine Mutter in Sinsheim eine bekannte Persönlichkeit ist und man uns als Familie durch den „Bastel-Wirth“ kennt, den wir bis 2013 betrieben.
Wie hast du dich beim Schreiben gefühlt?
Ich war überrascht, wie gut es mir ging und wie wohltuend es war, meine Geschichte mit Mama in möglichst vielen Einzelheiten Revue passieren zu lassen. Mir fielen Begebenheiten ein, an die ich vorher nie mehr gedacht hatte. Einiges wurde mir auch klarer, z.B. ihre Initiative in Sachen Gesundheit und ihre Neugier in sämtlichen Bereichen. Sie liebte Menschen. Nichts war ihr ein größerer Lohn als zu wissen, dass sie ihnen geholfen hatte, wenn sie ratsuchend zu ihr kamen. Ich habe große Bewunderung und Respekt, dass sie den Mut hatte, in Eigenverantwortung unbetretene Pfade zu gehen; etwas, das für viele undenkbar ist. Da war sie eine Inspiration für uns alle.
Was ist dein Lieblingskapitel?
Ein spezielles könnte ich jetzt nicht nennen. Es war besonders schön, über meine Großeltern – Mamas Eltern - zu schreiben, denen jeweils ein Kapitel gewidmet ist. Man erfährt darin, dass es sich häufig auszahlt, Neues und Ungewöhnliches zu probieren – etwas, das meine Mama immer gern und auf eigenes Risiko getan hat. Im Nachhinein hat es mich verblüfft, wie rund und ineinander verwoben alle Kapitel sind, und die Tatsache, dass deutlich wird, wie viel Liebe und Wertschätzung in unserer Familie vorhanden sind. Auch ohne Mama, die wir alle schmerzlich vermissen. Wir müssen neue Strukturen im Alltag finden. Das braucht Zeit und ist nach so langer Zeit eingespielter Teamarbeit nicht einfach.
Meinst du, das Schreiben hat dir bei der Trauerbewältigung zumindest etwas geholfen?
Mamas unerwarteter Heimgang war für uns traumatisch. Bis zuletzt haben wir daran geglaubt, dass sie wieder gesund wird. Es war daher ein großer Schock, als es nicht so kam. Wir alle hatten Schuldgefühle und Fragen, die nicht beantwortet wurden. Wenn ein geliebter Mensch geht, ist das schlimm. Fast noch schlimmer ist die Ungewissheit über das Warum und die eigene Hilflosigkeit. Für mich war das Schreiben ein Ventil, meine Gefühle zu ordnen. Dankbar zu sein für die gemeinsame Zeit. Ich glaube, dass ich während des Schreibprozesses weniger traurig war, weil die schönen Erinnerungen auflebten. Natürlich flossen dabei hin und wieder Tränen, aber ich würde jedem Trauernden raten, aufzuschreiben, was besonders schön war mit dem geliebten Menschen. Für mich als gläubiger Mensch ist es zudem ein Trost, dass Mama uns nur vorausgegangen ist.
Wie sind die Rückmeldungen zu deinem Buch?
Sehr positiv. Ich denke, das liegt auch daran, dass unsere Geschichte zeigt, wie gut eine Familie funktionieren kann. Mama war immer offen für jeden, sie knüpfte gern Kontakte und hatte eine große Liebe nicht nur für uns, sondern für alle, die zu ihr kamen. Sie wollte die Welt ein Stück verbessern, und ich denke, es ist ihr im eigenen Umfeld auch gelungen. Ihren Optimismus und ihre Fröhlichkeit, ihr Vertrauen auf Gott – selbst in Krisen - hat sie nie verloren. Und sie liebte ihre Familie, obwohl sie selbst es nicht leicht hatte in ihrer Kindheit. Das imponiert meinen Lesern, die mir schrieben, dass dieses Buch „die Seele wärmt“. Andere meinten, in jeder Zeile seien die Schönheit und die Intensität unseres Familienlebens zu spüren. Und nicht zuletzt ist das Buch auch ein Trost für diejenigen, die selbst trauern. Daher ist es nicht unbedingt nötig, Mama persönlich gekannt zu haben, um das Buch zu lesen. Vielen mir unbekannten Lesern gibt es das Gefühl, Teil einer Familie zu werden, die zwar einzigartige Erlebnisse hatte, aber in ihrer Trauer nachvollziehbar ist und es erlaubt, den eigenen Trauerprozess besser zu verstehen, statt zu verdrängen. Das war mir neben dem liebevollen Andenken an Mama und meiner eigenen Bewältigung des Verlustes das größte Anliegen mit „Shalom Mamele“.
Samstag, 26. April 2025
Immer noch traurig...
Hin und wieder überlege ich, Trauerportalen beizutreten oder einer entsprechenden Gruppe auf Facebook. Aber dort wird das Trauern nahezu zelebriert, und ich fürchte, dass mir das nicht hilft. Es ist sicher richtig, dass das Leben ohne den geliebten Menschen sich massiv verändert, und das nicht zum Guten. Dennoch hoffe ich, dass wir noch eine relativ gute irdische Zeit haben werden. Vielleicht bricht die Traurigkeit bei manchen Gelegenheiten wieder durch, aber das wäre besser, als ständig den Schmerz des Abschieds mit sich herumzutragen und beim nächstbesten Anlass loszuweinen.
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| Mama auf Kur mit Kurschatten, 1970er |
Ich denke auch, dass es schwierig ist, Trauer zu verstehen, wenn man kein besonders gutes Verhältnis zu den Eltern hat, was bei vielen meiner Bekannten der Fall ist. Manche haben / hatten sogar lange keinen Kontakt mehr zu Mutter und Vater. Daher mag ich auch gar nicht mehr darüber reden. Die Antwort auf meine Trauer ist fast immer die gleiche. "Ihr wart halt als Familie so eng beisammen." Das trifft auf die Jahre 2020 - 23 zu, und ich bin froh, dass es so war. Unsere Wanderungen sind so wertvoll gewesen, weil wir uns während der Corona-Zeit etwas geschaffen hatten, das uns im Elend der weltpolitischen und inneren Spaltung zusammengeschweißt hat.
Mir fällt oft ein, wie abwechslungsreich Mamas Leben hier war. Wie viel sie gemacht, um wie viel sie sich gekümmert hat. Stillstand gab es bei ihr nie. Manchmal hätte sie sich vielleicht mehr Freizeit gewünscht, mehr Zeit mit ihrem Schatz und fürs Reisen, aber sie hat alles in Liebe getan. Wenn es ihr nicht leichtfiel, hat sie sich ermahnt, und ich weiß, ihre Hingabe und Liebe zu den Dingen, die sie anpackte, war immer authentisch. Nur mit dem Computer - da tat sie sich wirklich schwer. Aber es spricht für sie und ihre Neugier, dass sie es versucht hat.
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| Mamas türkisfarbener Pullover |
Es ist merkwürdig, dass jeder Mensch etwas hinterlassen will, wenn er geht. Auch Mama hat das gesagt, irgendwann mal, als es ihr nicht mehr so gut ging, selbst da sie es sicher besser wusste. Aber immerhin hat sie so viel bewegt hier, vieles ausprobiert und auch vielen Leuten in Gesundheitsangelegenheiten geholfen. Und das Allerwichtigste ist glaube ich, dass man seine Persönlichkeit entwickelt und sich und andere auf die Ewigkeit vorbereitet, ohne das Leben hier zu vernachlässigen. In der Ewigkeit geht der Spaß dann erst richtig los. Und das ist meine volle Überzeugung. Ohne Scheiß. Wenn ich bis dahin traurig sein muss, dann sei es so. Aber es wäre strenggenommen ein Rückschritt.
Auf dem Autorenportal "Pagewizz" habe ich nach Joschis Heimgang vor dreizehn Jahren einen Artikel über Trauerbewältigung geschrieben - und muss heute erkennen, dass es doch ein Unterschied ist, wenn Mensch oder Tier unwiderbringlich nicht mehr da sind. Allerdings habe ich um Joschi viele Jahre getrauert, wenn auch nicht so schmerzerfüllt und ständig wie um Mama.
Samstag, 15. März 2025
Trauer, wie lange?
Es fällt mir unglaublich schwer, mich an die Situation ohne Mama zu gewöhnen. Nie hätte ich mir vorstellen können, dass es das irgendwann einmal gibt, und wenn, dann erst, wenn beide Eltern weit über Neunzig sind und ich dann auch nicht mehr taufrisch und bereit für die Ewigkeit. Mama selbst wollte gut über Hundert werden.
Eigentlich war mein Wunsch immer, dass wir alle mitsamt unseren Katzen von einem goldenen Wagen abgeholt werden würden wie einst der Prophet Elias in der Bibel. Das habe ich auch Mama erzählt, als es ihr schon nicht mehr so gut ging. Sie hat nicht gelacht. Es hat sie getröstet. Und wie gern hätte ich gehabt, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht! Dass es nicht nach des Menschen Willen geht, sondern Gottes, das weiß ich nun. Selbst wenn dieser Wunsch niemandem schadet und man darum bittet.
Bald kommt der Frühling wieder, und ich empfinde keine Freude darüber. Mein Alltag, der früher eher unabhängig war, hat sich gewandelt. Und ich weine öfter. Immer noch. Manchmal wegen Kleinigkeiten. Dinge, die mich an Mama erinnern und an die ich mit Wehmut denke. Lieder, die sie gern gehört hat. Ihre schönen Hände, ihre gepflegten, unlackierten Fingernägel mit den hellen Halbmonden. Das Streicheln, wenn sie manchmal meine Hand nahm. Früher mochte ich das nicht immer; jetzt sehne ich mich danach. Nach ihrer jugendlich klingenden Stimme, in der oft ein Lachen mitschwang. Und nach ihrem unerschütterlichen Humor, der auch in schwierigen Zeiten da war und uns andere ermutigt hat.
Aber nicht nur die Erinnerung bringt mich zum Weinen, sondern auch die Welt an sich, die mir jetzt unsicherer und unfreundlicher vorkommt ohne sie. Mitunter glaube ich sogar, dass Gott sie uns nahm, damit sie die Zwistigkeiten hier nicht mehr erleben muss, die ihr als sensibler Mensch zweifelsohne zugesetzt hätten. Zum Beispiel das Massaker am 7. Oktober 2023 in dem israelischen Kibbuz oder der jetzt salonfähige Antiamerikanismus wegen eines tatkräftigen Präsidenten, der immerhin Bewegung in viele Angelegenheiten bringt, die längst angepackt gehören. Aber wir hätten ja uns gehabt, um damit gemeinsam fertigzuwerden.
Viele meinen, es sei für mich besonders schwer, weil ich Mamas "Sorgenkind" gewesen sei. Das stimmt nicht. Es ist für uns alle schwer. Immer noch gehe ich nicht auf den Friedhof. Es kommt mir nicht richtig vor, richtig surreal, und ich bin froh, dass Nicole sich um die Bepflanzung dort kümmert, obwohl auch ihr der Gang nicht leichtfällt. Mama ist nicht mehr dort, das wissen wir alle.
Sie lebt jetzt bei Jesus. Und ich bin sicher, wir sehen sie wieder. Doch bis dahin fehlt mir erst mal die Freude am Leben. Sie kommt auch nach nun anderthalb Jahren nicht wieder, was mich bedenklich stimmt und doch nicht wundert. Der Verlust von Mama verändert mich, macht mich ernster und nachdenklicher, vielleicht auch trauriger im Allgemeinen. Und manchmal fast depressiv, wogegen ich mich aber wehre, auch wenn es Tage gibt, an denen mir alles sinnlos erscheint. Ich möchte sie gern wieder umarmen, ihren heimeligen Duft einatmen und von ihr hören, dass alles gut ist. Kind sein. Das konnte ich bei Mama. Nirgends sonst. Um so vieles muss man sich kümmern, regelmäßig kochen, viel mehr putzen, der Job im Rolloshop, der wohl bald nicht mehr in der Form ausgeführt werden wird wie in den letzten Jahren, da sich vieles in der Firma verändert. Ich hoffe, dass er mir auf die eine oder andere Weise trotzdem erhalten bleibt, denn er bietet ein bisschen Ablenkung und beschäftigt mich.
Gern würde ich schreiben, dass ich mit schönen Gefühlen und in Liebe an Mama denke. Dass ich das Leben trotz des Verlustes noch genießen kann. Zumindest Ersteres trifft zu. Ich bin dankbar dafür, dass sie mich so lange begleitet hat. Ich wollte keine andere Mama haben. Es gibt keine Situation, von der ich sagen müsste, dass ich als Kind darunter gelitten oder sie sich falsch verhalten hätte. Und das ist etwas ganz Seltenes innerhalb von Familien. Im Gegenteil, sie hat uns immer unterstützt, wenn wir nach Hilfe fragten, uns aber auch zur Eigenständigkeit erzogen. Und später waren wir mehr Freundinnen als Mutter und Töchter.
Ich bereue ein wenig, dass ich sie generell selten in die Arme genommen habe. Oder dass ich sie nicht mehr gesehen habe am letzten Tag im Krankenhaus. Vielleicht hätte ich doch wenigstens noch einmal Adieu sagen sollen, später. Doch ich konnte nicht. Ich möchte sie lebendig in Erinnerung behalten, mit ihrem herzlichen Lachen und ihrer Warmherzigkeit. Das versteht sie bestimmt. Aber es macht mich traurig, wie alles gelaufen ist. Auch wenn sie jetzt im Himmel ist und sich freut an Dingen, die sie hier nie zur Vollkommenheit erlebt hat; davon bin ich überzeugt. Möchte es sein, denn einen anderen Weg, sie wiederzusehen, gibt es nicht. Ich weiß, dass viele mich auslachen für diese Überzeugung. Genauso sicher weiß ich aber, dass sie wahr ist. Das gibt mir Hoffnung und Trost. Auch für Nicole und Papa.
Donnerstag, 28. November 2024
Weihnachtskarten verschicken. Und der Versuch von Dankbarkeit.
Ich will dieses Jahr Karten schreiben, bzw. meine Familie. Eigentlich halte ich den Brauch für fast überflüssig, denn am nächsten Weihnachten kann man sich in der Regel nicht mehr an die Grüße vom vorigen Jahr erinnern, sofern man die Karte nicht aufgehoben hat (ein paar schöne aus dem Ausland habe ich noch, aber ich neige nicht (mehr) zur Sammelleidenschaft).
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| Fleißiges Elferlein |
Dennoch haben wir beschlossen, dieses Jahr an Freunde und Bekannte unsere Dankbarkeit auszudrücken mit guten Wünschen auf einer schönen Karte. Die Unterstützung, die uns in der schweren Zeit zuteil wurde und immer noch wird, bedeutet uns sehr viel. Und erstaunlicherweise habe ich beim Erstellen der Liste festgestellt, dass es viel mehr Menschen sind, als gedacht, die uns zur Seite stehen und sich nicht - wie andere - zurückziehen. Viele haben wir regelmäßig besucht oder zu uns eingeladen, gute Gespräche geführt und auch mal gelacht. Manche haben es sogar darauf angelegt, uns zum Lachen zu bringen. Und das hat wirklich gut getan, auch wenn die Unbeschwertheit von früher weg ist und auch nicht mehr in der Form kommen wird, als Mama noch da war.
Es sollen keine 08/15-Wünsche sein, sondern für jeden ein individueller Gruß mit Worten der Wertschätzung. Umso mehr, weil wir von den Besuchen, Einladungen und Anrufen von Menschen, die überwiegend aus Mamas Freundeskreis stammen, überwältigt waren. Wir sind nicht so kontaktfreudig wie sie, und doch tut uns Gesellschaft gut. Ein bisschen haben wir uns vielleicht sogar erholt - nach mehr als einem Jahr kommt die Trauer immer noch mit unerwarteter Wucht - und man kann sagen, dass wir recht gut zurechtkommen zu dritt. Nicole hat sogar das Art-Café ein bisschen weihnachtlich dekoriert, nachdem uns letztes Jahr nicht danach zumute war. Wenngleich es immer wieder Situationen gibt, die nicht nur heraus- , sondern gelegentlich auch überfordern.
Gott in all dem zu finden, was wir letztes Jahr durchmachen mussten, ist immer noch schwer. Ich habe hoffentlich nicht den Glauben verloren - brauche ich ihn doch, um Mama wiederzusehen. Denn dass sie bei Jesus ist, weiß ich ganz sicher. Wären da nur nicht die Zweifel und die Fragen, weshalb er es zugelassen hat, dass wir als Familie so auseinandergerissen wurden. Man sagt ja, dass Gott einen nicht mehr loslässt, wenn man sich für ihn entschieden hat, und dafür bin ich dann doch dankbar.
So wie für die Freunde, die da sind, wenn wir sie brauchen. Das ist nämlich keine Selbstverständlichkeit, erst recht nicht, wenn man berücksichtigt, dass es keine "First-Hand-Friends" sind.
Freitag, 18. Oktober 2024
Warum spricht niemand über Mama?
Mein Leben hat sich verändert ohne Mama. Kein Zweifel, nicht zum Besseren. Ich bin oft sehr traurig, und oft weine ich auch. Sie fehlt mir unendlich. Viel mehr, als ich es mir je hätte vorstellen können, habe ich mich doch nie als "Mama-Kind" betrachtet.
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| Demnächst auch als Hörbuch. |
Sie war / ist mir viel mehr als Mama. Als es mir aufgrund meiner Depression so schlecht ging, wollte sie meine Freundin sein. Und das ist sie. Je länger sie fehlt, desto mehr wird mir bewusst, wie wertvoll nicht nur ihre Liebe und Fürsorge waren, sondern auch ihr Wissen in ganzheitlicher Naturmedizin. Mit dem sie letztendlich dem Grund meiner Depression auf die Schliche kam.
Ihr Lachen, das oft so laut war, dass man es im Nachbarhaus hören konnte. Und ihr Talent, mit Menschen umzugehen. Neugierig und offen zu sein für andere, ihre jeweiligen Geschichten und Nöte. Sie hat das Leben so vieler Leute berührt, und wenn es nur war, um sich gut mit ihr zu unterhalten. Ihre Offenheit hat sie mit vielen verschiedenen Frauen und Männern zusammengebracht. Ihr Witz und ihr Humor waren besonders. Wenn man in geselliger Runde saß, konnte man sich auf Mama als anpassungsfähige Gesprächspartnerin verlassen. Auch, weil sie an allem interessiert war, was man ihr erzählte, seien das geistliche Dinge oder die Schwärmerei für einen Popstar. Tatsächlich hat sie es nie abgelehnt, sich mit meinen albernen Teenagersorgen zu befassen. Oder Anrufe entgegenzunehmen von Menschen, die fünfmal am Tag mit ihr sprechen wollten, weil sie alleine nicht weiter wussten. Ihre Sensibilität hat möglicherweise mit dazu beigetragen, dass sie irgendwann überfordert war. Doch es war ihr nie zuwider, anderen zu helfen und sie anzuhören. Außerdem verfügt sie durch ihren Glauben an Jesus über eine große Anziehungskraft, die unser Haus zum Leuchten gebracht hat.
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| Auf unserer Terrasse im Rittersbruch |
Umso mehr schmerzt es mich, dass fast niemand aus unserem Bekannten- und Verwandtenkreis mit uns über sie spricht. Es ist, als würde man es vermeiden. Oder als hätte man sie vergessen. Verstehen kann ich das nicht. Sie war kein unauffälliges Mäuschen, das zwar lieb, aber ansonsten nicht weiter erwähnenswert gewesen wäre. Im Gegenteil. Für viele war sie unbequem mit ihren Überzeugungen und ihrer Meinung. Aber nie feindselig oder unversöhnlich. Und für noch viel mehr war sie eine helfende Hand, für manche sogar ein Engel.
Oder fürchtet man, wir könnten davon emotional überwältigt werden? Ich würde mich freuen, wenn jemand mal über Mama sprechen würde. Nette Erinnerungen mit uns teilen. Neulich war eine ihrer Freundinnen zu Besuch, mit der sie oft telefoniert hatte. Sie erzählte meiner Schwester, dass sie manchmal weint, wenn sie an Mama denkt, weil sie ihr so sehr fehlt. Dass sie sich oft fragt, was Mama ihr in ihrer aktuellen Situation geraten hätte. Und ehrlich, das hat gut getan! Selbst wenn es die Freundin traurig macht, zeigt es doch, dass sie ihr wichtig ist. Mama sagte irgendwann im letzten Jahr zu Nicole: "Was bleibt denn von mir, wenn ich mal nicht mehr hier bin?" Sie hat viel hinterlassen, ihre Aufzeichnungen, ihre Bücher über Gott und über Naturheilkunde. Das, was sie uns als ihren Töchtern weitergegeben hat. Aber am allerwichtigsten ist das liebevolle Angedenken, das ich bei unseren Freunden und Verwandten irgendwie vermisse.
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| Im Art-Café, Dezember 2022 |
Allerdings: noch viel wichtiger ist ihr Platz im Himmel, und den hat sie sicher, das weiß ich. Ein Platz in meinem Herzen wird sie immer haben. Und durch mein Buch, das demnächst auch als Hörbuch erscheint, können sie viele weitere Menschen kennenlernen und lesen / hören, was für eine besondere Mama sie ist. Wer sie dann nicht ins Herz schließt, dem kann ich auch nicht helfen...
Montag, 16. September 2024
Ein Jahr danach...
Vor einem Jahr war der zweitschwerste Tag in meinem Leben: Mamas Trauerfeier. Das Wetter war - anders als heute - schön. Sonnig und spätsommerlich heiß. Ich wusste nicht genau, was ich anziehen sollte, und habe mich dann für Jeans und ein dunkles T-Shirt mit Blümchen entschieden. Blümchen mochte Mama sehr (und ich weiß, sie mag sie immer noch...).
In Einzelheiten erinnere ich mich nicht mehr an den Tag. Ich weiß noch, dass ich überwältigt war von den vielen Gästen, und doch enttäuscht, dass einige nicht kommen konnten oder den weiten Weg scheuten. Freundinnen von Mama aus Ulm, Frankfurt und Saarbrücken sind angereist. Die Feier selbst war Mamas Naturell gemäß nicht traurig, sondern hoffnungsvoll und leicht. John und Lisa Wabulo hielten ihren ersten und wunderbaren Gedenkgottesdienst. Sie sind Leiter der "Freedom Church", die Mama als ältestes Mitglied ein paar Mal besucht hat und von den überwiegend jungen Familien dort sofort ins Herz geschlossen wurde. Der Gemeinde haben wir viel zu verdanken, denn sie hat uns nach Mamas Heimgang in beispielloser Weise unterstützt, auch bei alltäglichen Dingen, die uns schwer fielen, etwa Essen vorbeibringen und putzen.
John hat ein so schönes Lied gesungen, das er m. M. nach besser interpretiert hat als die Outbreakband, die den Titel komponiert hat. Obwohl ich beim ersten Zuhören nicht viel verstanden habe, weil mein Kummer so groß war, hätte man für Mama kein passenderes Stück finden können. Es hat ihr bestimmt sehr gefallen, und für John hatte sie ohnehin eine kleine Schwäche... ich kann "Ewigkeit" allerdings immer noch nicht hören, ohne zu weinen. Trotzdem, die musikalische Untermalung war besonders schön, mit dem 131. Psalm in Hebräisch und Harry Belafontes "Island in the sun". Sie und Papa sind seit Jahrzehnten große Fans von Mr. Belafonte.
Die Dekoration in der Kapelle bestand aus Sonnenblumen und Blumen in pink, mauve und violett - Mamas Lieblingsfarben. Mir kam alles so surreal vor. Ich weiß, dass Wolfgang, Papas ältester Freund, nach vorn ging und sich verbeugt hat aus Respekt vor Mama. Er hat sie sehr gemocht. Ich war so gerührt von der Szene, dass mir allein beim Gedanken daran die Tränen kommen.
Den Aussegnungsteil empfand ich als schlimm. Als die Glocken zu läuten anfingen und die ersten Takte von "Swing low, sweet chariot" von Freds Orgel erklangen, hätte ich mich am liebsten in Luft aufgelöst. Meine Cousine Petra kam an meine Seite und hat mich ein bisschen gestützt, das war sehr lieb. Aber ich konnte nicht ans Grab und kann es bis heute nicht. Ein paar Mal war ich dort, aber ich empfinde nicht den Trost, von dem mir viele erzählen. Ein Kindergartenfreund ist mit achtzehn Jahren bei einem Unfall verunglückt, und sein Grab war immer vernachlässigt, wenn wir oben waren. Ich konnte das nie verstehen - bis jetzt. Für viele ist es einfach zu schmerzlich, auch für mich. Dabei habe ich bei Joschi im Bepflanzen seines kleinen Gartengrabes Trost gefunden. Aber es ist doch ein Unterschied, ob ein Tier als Familienmitglied oder die Mama geht.
Zu dritt nahmen wir auf einer Bank in der Nähe Platz, während die übrigen Gäste sich verabschiedet haben. Es war uns einerlei, dass wir damit eine Gepflogenheit nicht erfüllten, die besagt, dass die engsten Angehörigen den Gang als erste auf sich nehmen. Ich habe alles nur durch einen Tränenschleier gesehen und mich in verschiedene Arme nehmen lassen, auch in die unserer Sandkastenfreundin Marion, die uns sagte, dass sie auch deshalb immer so gern bei uns war, weil Mama so herzlich gewesen sei.
Später gab es Kaffee und Kuchen bei uns; das war nicht einfach, doch ich hatte auch gute Gespräche mit Freunden von Mama, die mir lustige Begebenheiten erzählt haben, die sie mit ihr teilen. Es war schön zu wissen, dass sie so viele Menschen nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Lachen und Staunen gebracht hat. Nicht, dass es mich überrascht hat.
Sie fehlt immer noch wie am ersten Tag. Ich vermisse sie als meine liebevolle Mama und aufmerksame Gesprächspartnerin. Wie sie sich anfühlt. Wie sie spricht. Ihre Herzlichkeit und Wärme, die jetzt anderen Menschen im Himmel gelten. Man sagt so oft, sie lebt in deinem Herzen weiter mit einem unsichtbaren Band, aber dort spüre ich sie nicht. Mein Leben ist immer noch auf den Kopf gestellt und schwerer als vorher, aber für die Zeit mit Mama bin ich so dankbar und unglaublich froh, dass sie meine ist. Ich hätte keine bessere haben können. Und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit ihr. Das wird es geben, ich bin ganz sicher.
Und was sind schon ein paar Jahre in der Ewigkeit? Mama muss nicht mehr lange warten, und ich glaube auch, dass wir ihr nicht so sehr fehlen wie sie uns. Im Himmel gibt es keine Traurigkeit. Vielleicht würde sie es gern sehen, dass wir uns nach einem Jahr mehr gefangen hätten und es keine Tage mehr gäbe, an denen uns alles sinnlos erscheint. Besonders Papa würde ich gern neuen Lebensmut geben. Über jedes Lächeln und Grinsen von ihm freue ich mich und schaue auch Sendungen mit ihm an, die ihn zum Lachen bringen. Solche Momente soll es in Zukunft öfter geben. Unser Leben wird nie mehr komplett und so schön sein ohne unsere Sonne, und dennoch sind wir bemüht, das Beste aus der uns verbleibenden Zeit zu machen.
Mittwoch, 11. September 2024
"Mamas roter Pullover" ~ Jade Perkin
Bücher über Trauer und Trauerbewältigung habe ich seit einem Jahr viele gelesen. Aber wirklichen Trost hat keines gebracht. Das, welches mir geholfen hat, war "Der Himmel" von Randy Alcorn, und auch das klingt - zugegebenermaßen - bisweilen etwas fantastisch. Trotzdem möchte ich glauben, dass das Ewige Leben so ist, wie der Autor es beschreibt, und dass Mama dort ist und eine gute Zeit hat.
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| 💖Mama im Sommer 2022💖 |
Als gläubiger Mensch hätte ich nicht gedacht, dass die Trauer jeden Tag ein Kampf ist. Nicht, dass ich sie nicht zulassen möchte. Aber es fällt schwer, "tapfer" zu sein. Das gilt nicht nur dafür, wenn andere Menschen in der Nähe sind, sondern allgemein. Andauernde Trauer kann krank machen. Ich merke, wie sie mich verändert. Ich lache seltener, breche oft in Tränen aus, weil ich Mama vermisse, meine Freundin, Gesprächspartnerin und Ermutigerin. Jeder Tag ist mühsam, nicht mehr schön. Obwohl wir einen tollen Sommer hatten und ich heiße Temperaturen liebe, war er mir letztendlich egal, manchmal fast lästig (wie kann die Sonne scheinen, wenn Mama nicht mehr da ist?).
Auf Facebook bin ich auf ein Bilderbuch gestoßen, das mich sofort angesprochen hat. Das Cover hat mich an Mama erinnert, auch wenn es das kleine Mädchen zeigt, die in jenem Buch ihre Mutter verliert - auf ähnliche Weise wie ich. Auch sie hatte Gedanken wie ich ("Am liebsten hätte ich sie mit nach Hause genommen.") und nicht die Gelegenheit, sich zu verabschieden, weil ihre Mama im Krankenhaus war.
Ihre Gefühlswelt danach wird sehr gut beschrieben. So kurz wie das Buch ist (es eignet sich für Kinder ab sechs Jahren), ist es doch sehr anrührend und zeigt, dass es nicht verkehrt ist, um einen geliebten Menschen zu trauern. Der Titel des Buches spielt eine wichtige Rolle, vor allem im metaphorischen Sinn. Der Papa des kleinen Mädchens (der aussieht wie der früh verstorbene Buddy Holly) ist ein sehr kluger und einfühlsamer Mann, der seiner Tochter erklärt, dass die Trauer immer bleiben, aber die Welt um sie herum größer wird - so wie sie selbst, damit sie in Mamas Pullover hineinwachsen kann. Das Bild fand ich sehr schön, wenn ich auch weiß, dass mir Mamas Pullover nie passen werden... nicht, weil ich schon erwachsen bin, sondern weil ich nie das werden kann, was Mama war. Für mich war sie eine Künstlerin und eine herzliche, kluge, und emotional gebildete Frau, voller Kraft und Energie und Lebensfreude, von der wir als ihre Familie profitiert haben.
Im Fazit ist das Buch eher etwas für Kinder, denn es zeigt mir, dass man als Kind irgendwie besser mit Trauer klarkommt (im Allgemeinen). Zwar vermittelt das Buch keine Botschaft vom Himmel oder davon, wo die Mama hingegangen ist, doch das Mädchen findet zusammen mit ihrem Papa Trost darin, dass das Leben irgendwann weitergeht - wenn auch nicht so wie bisher. Die Trauer bleibt gleichgroß - aber die Welt um sie herum wird größer mit der Zeit.
Für mich persönlich kann ich das nicht bestätigen, was mich aber nicht daran hindert, dass Buch für Menschen zu empfehlen, die kleinen Kindern über einen schweren Verlust helfen möchten. Zudem fand ich die Zeichnungen entzückend. Gerade in ihrer Einfachheit sind sie und die Geschichte universell und nachdenklich stimmend.
Bewertung: 💫💫💫💫💫




































