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Dienstag, 17. Februar 2026

Mama im Himmel

Merkwürdig: Nun sind wir schon fast zweieinhalb Jahre ohne Mama, und meine Trauer will nicht weichen. Ich kann nicht einmal behaupten, sie sei weniger schwer. Es gibt mehr Tage, an denen sie nicht allzu weh tut, doch wenn, dann erwischt sie mich mit voller Wucht. 

Ich habe von Mama geträumt diese Woche; einen Traum, den ich vielleicht als Zeichen werten darf (ich bin sehr vorsichtig mit solchen Dingen). Ich war in unserem Haus im Rittersbruch, bin dort zum alten Kinderzimmer gegangen und sah sie auf meinem Bett sitzen. Sie war schön wie immer, jünger, so um die Vierzig, mit noch dunklem Haar. Als ich sie sah, fing ich an zu weinen und setzte mich zu ihr, um ihr zu sagen, dass sie uns so sehr fehlt. Sie meinte daraufhin, dass sie ja immer bei uns ist, auch wenn wir sie nicht sehen. Mein Traum war dann zu Ende, aber er war tröstlich. Am Morgen habe ich ihn Papa und Nicole erzählt. Beide mussten ein bisschen weinen. Ich hoffe, dass es trotzdem geholfen hat.

 

💕Am Jägersee, April 2021💕


Allein die Fotos anzuschauen, ist oft schmerzlich. Wie lustig, wie lebensfroh sie wirkt! Und sie war immer stolz im nicht überheblichen Sinn, dass sie sich und ihre Familie jung hielt. Tatsächlich haben wir selten bis nie einen Arzt gebraucht, solange Mama da war mit Rat und Tat. 

Heute habe ich zum ersten Mal seit 2023 versucht, frittierte Löffelküchle zu backen, die es bis dahin immer an Fasching gab und auf die wir uns alle unheimlich gefreut haben. Mama hat kein aufgeschriebenes Rezept; so habe ich es aus dem Internet gezapft. Sie wurden nicht halb so gut wie Mamas, aber ich war froh, dass ich mich aufgerafft habe - irgendwie sollte diese Tradition auch ihr zu Ehren weiterbestehen.

Wenn mich die Trauer zu sehr überkommt, schreibe ich meine Gedanken in Gedichtform nieder. Wahrscheinlich nerve ich damit schon, denn meist teile ich sie auf Facebook. Mit meinen Vorstellungen vom Himmel und wie es ihr dort geht, können anscheinend die wenigsten Freunde und Follower etwas anfangen. Macht aber nichts. Das neuste möchte ich hier her einfügen. 

Ich wünsche mir so sehr, dass sie fast dasselbe Umfeld hat wie hier, ohne Neid, Falschheit und Tücke vieler Mitmenschen. Gerade in letzter Zeit haben wir mitbekommen, dass es vielen Freunden nun leid tut, dass sie Mama oft belächelt und verletzt haben für ihre Überzeugungen - nicht nur, weil sie es ihr nun nicht mehr persönlich sagen können, sondern auch, weil sie gemerkt haben, dass sie ihrer Zeit voraus war und in vielem recht hat. Und ich denke, dass sie Jesus und vorausgegangene Freunde und Verwandte oft besuchen kommen und gute Gespräche mit ihr führen. Sie hat sich so gern ausgetauscht, neue Leute getroffen und war das kommunikativste Familienmitglied. Jesus wollte sie immer am besten kennen. Nun sieht sie ihn vielleicht täglich von Angesicht zu Angesicht. Eine etwas surreale Vorstellung ist das. Aber ich hoffe, ich komme auch dorthin und lerne ihn als liebevollen Kumpel kennen.

Hier kommt mein Gedicht:  

 

 Mama im Himmel

 


Was sie so macht, in höheren Sphären
Schade, dass sie es uns nicht kann erklären
Das Leben im Jenseits, ein ewiges Raten
Für die, die noch im Diesseits warten
 
Ich stelle mir vor, wie sie lacht und singt
Wo auch alle Lieben sind
Die hier auf Erden, bald vergessen
Gemeinsam an der Tafel essen
 
Nicht nur Feste und Freude soll es geben
Am Ort an dem wir ewig leben
Und was ich mir nicht denken kann
Da fängt die Überraschung an
 
Mit dem Verstand nicht zu begreifen
Lass ich die Gedanken schweifen
Vielleicht ist das Himmelreich
Doch ziemlich der Erde gleich
 
Ohne Leid und ohne Schmerz
Danach sehnt sich jedes Herz
In Frieden leben und geborgen
Fern von klein' und großen Sorgen
 
Alles, was uns Freude bringt
Auch im Jenseits nicht verklingt
Das Glück, das wir flüchtig nur empfinden
Wird im Himmel nie verschwinden
 
 
Text und Bild: Christine Wirth


 

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