I solve crimes and blog about it
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Montag, 8. Juni 2026
Meine Eltern
Freitag, 7. März 2025
Anderthalb Jahre nach Mama...
"Wie geht es euch eigentlich so ohne Elvira?" Das werden wir merkwürdigerweise nicht oft gefragt. Vielleicht weil man ahnt, dass es immer noch weh tut. Dass es vermutlich nie aufhören wird und wir sie vermissen. Jeden Tag.
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| Happy Times im Sommer 2021 |
Es wird besser nach einem Jahr, hat man uns gesagt. Ich weiß nicht, ob das die Regel ist oder davon abhängt, wie eng und herzlich das Familienleben war. Unseres war gerade in den letzten Jahren durch die gemeinsamen Wanderungen und Corona sehr aufeinander abgestimmt. Das hatten wir schon während unserer "Bastel-Wirth"- Zeit perfektioniert, wenn dort auch eher auf beruflicher Basis. Doch auch in persönlichen Angelegenheiten konnten wir uns aufeinander verlassen und haben uns ergänzt. Dass es für Freunde und Bekannte schwer ist, darüber zu reden, ist darum verständlich. Es fehlt der kommunikative Teil, der Mittelpunkt, der Mama nun einmal war. Sie hat viel bewirkt durch ihre offene Art und dafür gesorgt, dass häufig Gäste im Haus waren, wenn auch in jüngster Zeit nicht mehr so sehr. Aber wie leer das Haus nun ohne sie geworden ist, schmerzt schon. Allerdings möchte ich nicht jammern, denn auch wir drei pflegen nun für unsere Verhältnisse intensiv Kontakte und gehen mehr raus, wenngleich wir dazu oft über unsere Schatten springen müssen (ach ja, der alte innere Schweinehund...).
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| Unterwegs im Herbst 2024 |
Aber es ist schön, Freunde zu haben. Menschen, die sich nach uns erkundigen und zum Kaffee kommen oder einfach mal anrufen. Papa hat über Facebook durch mein Buch "Shalom Mamele" eine nette Frau kennengelernt (nur freundschaftlich, versteht sich), und es tut ihm gut, mit ihr zu telefonieren - beinahe täglich. Da hat er Nicole und mich ziemlich überrascht. Aber es ist auch wichtig, sich mit jemandem im gleichen Alter auszutauschen. Nachdem es ihm körperlich in den letzten Monaten nicht gut ging, hat er nun mit einem Physioprogramm begonnen, das er diszipliniert durchzieht. Mittlerweile absolviert er sogar ein Workout an digital abgestimmten Geräten. Zweimal in der Woche geht er hin, was uns sehr stolz macht. Er merkt auch die Fortschritte und sagt, dass es ihm gut tut. Auf Anraten seiner Therapeutin zog sogar ein Hometrainer bei uns ein, auf den auch Nicole und ich uns gelegentlich schwingen. Durch das tägliche Kochen sind ein paar Pfunde zu viel auf den weiblichen Hüften, die wieder runter müssen. Papa dagegen sollte wieder etwas zunehmen. Aber ich glaube, da ist er auf einem guten Weg. Manchmal kommt er mir am stärksten von uns dreien vor, obwohl ich glaube, dass es - wie bei uns Töchtern - von Tag zu Tag wechselt. Heute war er beim Friseur. Auch das sind Kleinigkeiten, aber Schritte, für die wir dankbar sind.
Nicole ist ebenfalls sehr tapfer. Sie sagt, Mama will nicht, dass wir in Trauer versinken und das Leben für uns nun keine Perspektive mehr bietet. Leider kommt es mir oft so vor. An die neue Situation wird sich wohl niemand von uns gewöhnen, aber man muss versuchen, damit zu leben und auch wieder Freude zuzulassen. Wenn es auch kleine Dinge sind.
Eines davon ist Roman, Mamas Römertopf. Ich würde am liebsten jeden Tag damit kochen, doch es ist recht zeitaufwendig, da er lange im Ofen stehen muss. Ich habe mich bereits an Kirschenplotzer rangewagt, von dem ich nicht wusste, dass es ihn auch als Auflauf gibt. Er hat allen geschmeckt, auch unserem Besuch.
Schwierig für uns alle ist immer noch die Frage, warum und wie Mama gehen musste. Ich sagte gestern zu Nicole, dass es ihr so ungemäß war, sich nicht von uns zu verabschieden, kein Wort (oder nur wenige) mehr in den Wochen auf der hiesigen Intensivstation mit uns zu wechseln. Das ist mir immer noch rätselhaft. Ich merke dann, dass ich es nicht verarbeiten kann, den Schmerz und das Gefühl des Versagens, weil wir Mama ins Krankenhaus gebracht haben. Hätte Gott - wenn er sie nicht heilt - dann nicht wenigstens dafür sorgen können, dass sie dort nicht so würdelos behandelt wurde? Aus menschlicher Sicht wird es lange brauchen, bis ich damit klarkomme. Und ich hoffe, dass dieser Zeitpunkt nicht allzu fern ist. Oft tröste ich mich damit, dass sie das alles nicht mehr interessiert und sie jetzt ein Leben hat, von dem sie hier auf der Erde nur träumen konnte, obwohl sie so gern hier war. Doch das ändert leider nicht die Tatsache, dass ich mich mit unnötigen Fragen quäle. Nicht mehr so häufig wie zu Beginn, aber doch immer wieder. Und dann immer wieder in Tränen ausbreche. Wofür ich mich schäme. Denn ich weiß, Mama ist dann traurig. Zumindest würde sie es gern anders sehen. Ich glaube auch, dass sie sich über jedes echte Lachen von uns freut. Oder über Papas Tatkraft. Die Wohnung, die Nicole so schön gestaltet und putzt.
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| Mamas Segenswunsch für 2005 |
Eigentlich darf ich das gar nicht denken geschweige denn schreiben, aber ich sehne mich danach, in einer Welt zu sein, in der es Liebe und Frieden im Überfluss gibt. Da, wo Mama jetzt ist. Es ist merkwürdig, dass andere auf solche Eröffnungen oft ärgerlich bis geschockt reagieren. Ich finde, es ist ok, sich mit dem Ewigen Leben zu befassen. Wenn man es selten bis nie tut, wird man so kalt überrascht wie wir vor anderthalb Jahren. Aber wer sich vorbereitet auf ein sorgenfreies und glückliches Dasein mit Gott in der Ewigkeit - ohne es herbeizuführen, natürlich - der hat doch einen Halt, wenn alles um einen herum aus den Fugen ist.
Freitag, 18. Oktober 2024
Warum spricht niemand über Mama?
Mein Leben hat sich verändert ohne Mama. Kein Zweifel, nicht zum Besseren. Ich bin oft sehr traurig, und oft weine ich auch. Sie fehlt mir unendlich. Viel mehr, als ich es mir je hätte vorstellen können, habe ich mich doch nie als "Mama-Kind" betrachtet.
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| Demnächst auch als Hörbuch. |
Sie war / ist mir viel mehr als Mama. Als es mir aufgrund meiner Depression so schlecht ging, wollte sie meine Freundin sein. Und das ist sie. Je länger sie fehlt, desto mehr wird mir bewusst, wie wertvoll nicht nur ihre Liebe und Fürsorge waren, sondern auch ihr Wissen in ganzheitlicher Naturmedizin. Mit dem sie letztendlich dem Grund meiner Depression auf die Schliche kam.
Ihr Lachen, das oft so laut war, dass man es im Nachbarhaus hören konnte. Und ihr Talent, mit Menschen umzugehen. Neugierig und offen zu sein für andere, ihre jeweiligen Geschichten und Nöte. Sie hat das Leben so vieler Leute berührt, und wenn es nur war, um sich gut mit ihr zu unterhalten. Ihre Offenheit hat sie mit vielen verschiedenen Frauen und Männern zusammengebracht. Ihr Witz und ihr Humor waren besonders. Wenn man in geselliger Runde saß, konnte man sich auf Mama als anpassungsfähige Gesprächspartnerin verlassen. Auch, weil sie an allem interessiert war, was man ihr erzählte, seien das geistliche Dinge oder die Schwärmerei für einen Popstar. Tatsächlich hat sie es nie abgelehnt, sich mit meinen albernen Teenagersorgen zu befassen. Oder Anrufe entgegenzunehmen von Menschen, die fünfmal am Tag mit ihr sprechen wollten, weil sie alleine nicht weiter wussten. Ihre Sensibilität hat möglicherweise mit dazu beigetragen, dass sie irgendwann überfordert war. Doch es war ihr nie zuwider, anderen zu helfen und sie anzuhören. Außerdem verfügt sie durch ihren Glauben an Jesus über eine große Anziehungskraft, die unser Haus zum Leuchten gebracht hat.
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| Auf unserer Terrasse im Rittersbruch |
Umso mehr schmerzt es mich, dass fast niemand aus unserem Bekannten- und Verwandtenkreis mit uns über sie spricht. Es ist, als würde man es vermeiden. Oder als hätte man sie vergessen. Verstehen kann ich das nicht. Sie war kein unauffälliges Mäuschen, das zwar lieb, aber ansonsten nicht weiter erwähnenswert gewesen wäre. Im Gegenteil. Für viele war sie unbequem mit ihren Überzeugungen und ihrer Meinung. Aber nie feindselig oder unversöhnlich. Und für noch viel mehr war sie eine helfende Hand, für manche sogar ein Engel.
Oder fürchtet man, wir könnten davon emotional überwältigt werden? Ich würde mich freuen, wenn jemand mal über Mama sprechen würde. Nette Erinnerungen mit uns teilen. Neulich war eine ihrer Freundinnen zu Besuch, mit der sie oft telefoniert hatte. Sie erzählte meiner Schwester, dass sie manchmal weint, wenn sie an Mama denkt, weil sie ihr so sehr fehlt. Dass sie sich oft fragt, was Mama ihr in ihrer aktuellen Situation geraten hätte. Und ehrlich, das hat gut getan! Selbst wenn es die Freundin traurig macht, zeigt es doch, dass sie ihr wichtig ist. Mama sagte irgendwann im letzten Jahr zu Nicole: "Was bleibt denn von mir, wenn ich mal nicht mehr hier bin?" Sie hat viel hinterlassen, ihre Aufzeichnungen, ihre Bücher über Gott und über Naturheilkunde. Das, was sie uns als ihren Töchtern weitergegeben hat. Aber am allerwichtigsten ist das liebevolle Angedenken, das ich bei unseren Freunden und Verwandten irgendwie vermisse.
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| Im Art-Café, Dezember 2022 |
Allerdings: noch viel wichtiger ist ihr Platz im Himmel, und den hat sie sicher, das weiß ich. Ein Platz in meinem Herzen wird sie immer haben. Und durch mein Buch, das demnächst auch als Hörbuch erscheint, können sie viele weitere Menschen kennenlernen und lesen / hören, was für eine besondere Mama sie ist. Wer sie dann nicht ins Herz schließt, dem kann ich auch nicht helfen...
Freitag, 23. August 2024
Gedichte für Mama
Immer noch fällt es mir schwer, Mamas Abwesenheit in unserer Familie zu akzeptieren bzw. damit fertigzuwerden. Zu sehr war sie unsere Sonne, war der Krankenhausaufenthalt im Sommer letzten Jahres traumatisch. Manche Freunde und Bekannte empfehlen professionelle Trauerhilfe, aber ich glaube, dass nur Gott uns helfen kann, das Geschehene zu verarbeiten und zu überwinden. Trost geben mir dabei Gedichte, die ich ziemlich spontan innerhalb weniger Minuten online in den Computer tippe. Und ich habe festgestellt, dass ich mich mehr mit dem Leben nach dem Tod befasse, mich direkt darauf freue. Ich weiß, dass das viele bedenklich finden und es mit einer Art Todessehnsucht gleichsetzen, aber das ist es nicht.
In Randy Alcorns Buch vom Himmel steht, dass wir viel weniger Angst und Scheu vor dem Tod hätten, wenn wir wüssten, was uns danach erwartet - wenn wir Jesus in unser Leben gelassen haben. Und das hat Mama. Den Glauben hat sie auch uns auf ihre erfrischende und lebendige Art vermittelt, daher ist es gar keine Frage, dass wir uns wiedersehen. An einem Ort, der die Schönheit der irdischen Schöpfung in den Schatten stellt und uns dennoch nicht fremd vorkommt.
Sinnsprüche wie "Das Leben ist zu kurz, um..." verlieren dann an Bedeutung. Ich bin überzeugt, dass wir das, was wir zu Lebzeiten auf unsere Bucket-List gesetzt haben, in perfektionierter Form im Himmel erleben dürfen.
Nicht von dieser Welt
Mittwoch, 27. März 2024
"Shalom Mamele" im "Bücherland"!
Gerade bin ich emotional ein wenig überwältigt. Mein Buch "Shalom Mamele" hat in der lokalen Buchhandlung am Kirchplatz ein eigenes Schaufenster bekommen. Und das kurz vor Ostern, das mit Pfingsten Mamas Lieblingsfest ist. Ich habe es heute Nachmittag fotografiert und war so glücklich über die schöne Gestaltung und Dekoration. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ein Buch von mir im Selbstverlag so toll in einer Buchhandlung präsentiert wird. 💕💕💕
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| Im Bücherland |
Ich hatte es zuerst bei der christlichen Bücherstube vorgestellt, weil das Thema gut in deren Sortiment passt - vieles dreht sich ja um unseren Glauben und unser Vertrauen in Gott. Ich hatte da auch sehr positive Resonanz, besonders von einer Verkäuferin, mit der ich später per Du war, weil sie meinte, sie kennt mich nun so gut, dass es sich falsch anfühlt, "Sie" zu mir zu sagen. Auch hat sie mir eine ganz liebe und tolle Rezension auf Amazon geschrieben - nur leider konnten sie mein Buch aus technischen Gründen nicht auslegen. Ich muss Cornelia trotzdem mal wieder einen Besuch abstatten, denn sie ist echt eine Nette und meinte, wir könnten mal zusammen einen Kaffee oder Tee trinken; das Angebot will ich unbedingt annehmen.
Da ich weiß, dass das "Bücherland" gern Autoren und Künstler aus der Region unterstützt, bin ich dorthin gegangen mit meinem Anliegen, und siehe da, man bot mir sogar ein Schaufenster an, wenn ich ein Plakat drucken lassen würde! Schließlich hat das Buch einen lokalen Bezug und auch Mama ist keine Unbekannte am Ort durch das Ladengeschäft, das wir jahrzehntelang nur wenige Meter vom Bücherland entfernt betrieben. Ich habe mich sooo gefreut, weil "Das Bildnis des Grafen" bei seinem Erscheinen eher widerwillig ausgelegt wurde und man es auch bald in die untersten Regale verbannte, wo ich es nach ein paar Wochen entdeckt und wieder mitgenommen habe.
Natürlich finde ich es dennoch ein bisschen schade, dass ausgerechnet dieses Buch von mir ein größeres Forum bekommt. Nicht falsch verstehen. Ich bin sehr dankbar und ich weiß, dass Mama im Himmel vor Freude in die Hände klatscht - aber ich wünschte, sie könnte es noch hier tun und ich hätte das Buch anders geschrieben; nicht mit ihr in der schmerzlichen Vergangenheitsform. Ich musste vor Rührung über das liebevoll gestaltete Schaufenster, aber auch vor Wehmut und Schmerz über den erlittenen Verlust, von dem sich meine Familie noch nicht erholt hat, nach dem Verlassen der Buchhandlung bitterlich weinen.
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| An unserer Werkstattwand |
Ich bin so froh, dass ich mich überwunden habe, zu fragen. Mir wurde sogar der Vorschlag unterbreitet, eine Lesung zu geben, um das Buch einem interessierten Publikum vorzustellen, doch das habe ich dankend abgelehnt. Lesungen sind etwas, vor dem ich mich im Autorenleben bisher gedrückt habe, obwohl ich früher in der Grundschule im Vorlesen eine der Besten war und auch bevorzugt aufgerufen wurde. Im Teenageralter ging das beispielhafte Artikulieren verloren, und ich habe die Souveränität, vor mir unbekannten Zuhörern zu lesen, bis heute nicht wiedererlangt. Zudem wäre dieses Buch zu emotional für eine Lesung. Vielleicht müsste ich losheulen, und das wäre ein bisschen peinlich für alle Beteiligten. Ich höre von einigen Leuten und auch von Freunden von Mama, dass sie an manchen Stellen weinen mussten oder sich scheuen, einen Blick reinzuwerfen, aus Angst, es könne sie gefühlsmäßig überwältigen. Dafür habe ich auch vollstes Verständnis, und ich möchte niemanden zwingen, das Buch zu lesen. Allerdings habe ich es in Mamas großem Freundeskreis verschenkt und würde mich doch sehr über die eine oder andere Rezension auf Amazon freuen von denen, die dort angemeldet sind. Oder wenigstens eine Sternebewertung, das ist in einer Sekunde erledigt
"Shalom Mamele" ist als Taschenbuch und Hardcover im Bücherland in Sinsheim erhältlich. Wer den Weg über den Burgplatz nicht scheut, kann sein Exemplar auch gern von mir signieren lassen. Ich freue mich über jeden Leser und jedes Feedback!
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Dienstag, 23. Januar 2024
Shalom Mamele. Königskinder sterben nicht. Sie gehen nach Hause.
Nie hätte ich gedacht, dass ich ein Buch wie dieses schreiben und veröffentlichen würde. Und nun, da ich's gewagt habe, bedauere ich, es nicht schon früher in Angriff genommen zu haben. Mama hätte so viel Freude gehabt, mir ihre Geschichte noch ausführlicher zu erzählen, und sie wäre so stolz auf ihre Tochter gewesen. Das ist sie sicherlich auch so, doch ich habe keinen sichtbaren Anteil mehr an ihrer Freude. Die Veröffentlichung hätte sie groß gefeiert. "Wir feiern viel zu selten", meinte sie oft.
Entstanden ist mein neues und persönlichstes Buch eher als eine Art Therapieprojekt. Auf Facebook bekam ich zum Teil sehr nette und verständnisvolle PNs bezüglich meiner Trauer. In vielen davon - wie auch in Kommentaren zu Beiträgen - riet man mir, unsere Geschichte als Familie aufzuschreiben. Ich war sehr skeptisch. Zum einen, weil ich dachte, es ginge nur um die unselige Krankenhausgeschichte, zum anderen, weil ich mir das nicht zutraute, ohne emotional zu zerbrechen.
Doch erstaunlicherweise war das Gegenteil der Fall, nachdem ich mich an Mamas Rechner in ihrem schönen kleinen Arbeitszimmer setzte, in dem ich von ihren wunderschönen, farbenfrohen Bildern und Visionboards umgeben bin, um die ersten Zeilen über die Anfänge meiner Eltern zu tippen. Es ging richtig leicht und beschwingt, und häufig habe ich meine Trauer vergessen. Hin und wieder flossen Tränen, wenn mich eine Erinnerung besonders berührt hat. Aber das war ok. Es ist halt schade, dass ich diese Erinnerungen nicht mehr mit Mama teilen kann.
Wir haben so viel erlebt als Familie; viel mehr, als ich vermutet hatte. Und wir waren wirklich eine außergewöhnliche Kombination, wir vier. Unschlagbar. Das wurde mir beim Schreiben wieder bewusst. Wie viel Glück und Segen darauf lag und liegt, dass wir uns so gut verstehen und uns in Liebe begegnet sind. Unsere Krisen hatten wir selbstverständlich auch, doch wir haben sie immer gut gemeistert - bis auf die letzte. Auf die habe ich weitgehend verzichtet im Buch, denn es soll ein aufbauendes, Mut machendes Werk sein. Auch für Menschen, die durch diesselbe Phase im Leben laufen wie wir und die Welt nicht mehr verstehen. Es gibt da nichts zu verstehen. Erst im Himmel werden uns die Augen geöffnet, das ist sicher. Genauso sicher, wie Mama jetzt weiß, warum alles so sein musste.
Die reich bebilderte Familienchronik ist auch eine Erinnerung und ein Geschenk für die vielen Gefährten, die im Lauf der Jahre ein Stück des Weges mit uns - und vor allem mit Mama als kommunikativstes Familienmitglied - gegangen sind. Viele sind darin erwähnt (ohne Nachnamen, und immer im Guten). Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich alle waren: verschiedene Nationen, Alter, Geschlecht und kulturelle Herkunft. Mama hat nie Unterschiede gemacht. Jeder, der in unser Haus kam, war in erster Linie Mensch mit einer eigenen Geschichte, die es wert ist, angehört zu werden. Das hat mir immer sehr imponiert, wie vieles mehr an Mama.
Jeder Mensch ist einzigartig, aber eine Frau wie Mama wird es im Ansatz hier auf Erden nicht mehr geben. Ihre Herzlichkeit und verschmitzte Fröhlichkeit, ihr Optimismus und ihr helles, heraussprudelndes Lachen, all das hatte nur sie. Obwohl sie es nicht immer leicht hatte im Leben, hat sie so viel bewirkt. Ich finde es deshalb legitim, dass sie als "Nicht-Promi" eine Biografie in Buchform erhält, die vielleicht auch Menschen, die sie nicht persönlich kannten, Mut gibt. Das fände sie schön, denn eine Ermutigerin ist sie immer gewesen.
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Dienstag, 26. September 2023
Mama
Dieser Artikel wird schwer. Mein Mamele ist mit 76 Jahren heimgegangen zu ihrem Herrn Jesus. Von Kindesbeinen an hat sie ihn als ihren guten Hirten erkannt und ist mit ihm durchs Leben gegangen wie kein zweiter Mensch, den ich kenne. Und ebenfalls wie kein zweiter besaß sie eine tiefe Liebe zu Menschen, vielseitige Interessen, Mut, Neugier und Offenheit, die sie im Herzen und auch äußerlich immer jung gehalten haben. Sie wollte alt und lebenssatt mit 120 Jahren an Papas Seite gehen, doch Gottes Plan sah anders aus.
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| Im Kindergarten. |
Sie war mir Mama, Freundin und Ratgeberin zugleich. Die Erinnerungen, die ich an sie habe, sind nur schön, aber gerade jetzt auch sehr schmerzlich. Gemeinsam haben wir Häkelpüppchen nach eingeschickten Fotovorlagen gefertigt, wobei sie vor keiner noch so heiklen Herausforderung zurückschreckte. Wenn ich meinte, das sei zu schwer, meinte sie leichthin: "Lass es uns doch probieren, das schaffen wir schon." Und so war es auch. Die Puppen, die in die Welt hinausgingen, waren zum Großteil durch ihre Ideen und deren perfekte Umsetzung so wertvoll wie wunderschön anzusehen. Dazu bei trugen z.B. aufgenähte Borten, aufgestickte Gold- und Silberfäden als Verzierung und Zusatzmaterial wie alte Knöpfe. Was Handarbeit anging, konnte ihr niemand das Wasser reichen. Vermittelt hat sie mir ihr Wissen auf diesem Gebiet mit einer Engelsgeduld. Dennoch habe ich es nie zu solch großem Geschick gebracht wie sie, die schon als Mädchen die Nachbarskinder Häkeln und Sticken gelehrt hat. Dass sie so gut war in Handarbeit, wurde ihr in der Schule sogar zum Verhängnis: die Lehrerin war der Überzeugung, dass sie niemals selbst die Taschentücher so fein und fehlerlos bestickt haben könne und es jemand anderes für sie erledigt hatte, also erhielt sie eine schlechte Note.
Als kreativer Mensch, gelernte Krankenschwester und Diplom-Gesundheitsberaterin fand sie immer Lösungen. In allen Bereichen. Vielen Menschen hat sie geholfen. Unaufdringlich, aber konsequent. Mein Opa überwand dank ihr seine Demenz und hatte noch sechs schöne Jahre bei uns und in seiner eigenen Wohnung. Und es gab viel Besuch, häufig auch Gäste, die jahrelang blieben und bei uns respektive im Haus meiner Eltern wohnten, weil sie sich dort wohlfühlten und gut aufgehoben. Es gab ja immer einen Ansprechpartner mit einem offenen Ohr. Ich erinnere mich an ein Ehepaar aus den USA, das mehrere Tage bei meinen Eltern zu Gast war. Der dunkelhäutige Mann hat beim Abschied geweint und gesagt, dass er sich nirgends so akzeptiert gefühlt hat wie bei uns. Und dabei sprach Mama nicht einmal Englisch.
Sie hatte ein großes Herz und war ein richtiger Sonnenschein. Der Mittelpunkt unserer Familie. Mit ihrer liebevollen, humorvollen und freundlichen Art nahm sie jeden für sich ein. Manchmal sogar unfreiwillig, denn häufig kamen Leute zu ihr, um ihr von ihren Sorgen und Nöten zu erzählen, ohne dass sie dazu aufforderte. Ihre Ausstrahlung und ihre Anteilnahme für andere waren einzigartig und außergewöhnlich; etwas, das mir erst jetzt bewusst wird.
Nie gab es ernsthaft Streit oder Meinungsverschiedenheiten mit meinem Papa, den sie sechzig Jahre lang kannte und der sie so gut ergänzt hat. Ein so harmonisches Paar über Jahrzehnte hinweg wie meine Eltern gibt es heutzutage nur noch selten.
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| Hochzeit mit Papa. |
Gemeinsam haben sie Höhen und Tiefen erlebt, als frühe Wahlbayern Wanderungen in den Bergen geliebt und uns, die Kinder, die erst spät geplant wurden, aber rechtzeitig genug, um noch wirklich junge Eltern zu sein. Als Familie waren wir wohl ebenfalls etwas Besonderes: Gerade zu Coronazeiten sind wir noch ein bisschen enger zusammengerückt, und zuvor waren wir allein durch den Familienbetrieb, den wir bis 2013 führten, aufeinander angewiesen. Auch durch meine Depression ein paar Jahre zuvor hat sie mir geholfen. Wäre sie nicht gewesen, hätte ich vermutlich immer noch daran zu schlucken.
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| Rottenburg am Neckar, 2019 |
Durch ihren Glauben und ihre "radikale" Nachfolge zu Jesus ist sie mehrmals angeeckt, doch auch das konnte sie nie beirren auf ihrem Weg. Obwohl sie vielen Menschen begeistert von Jesus erzählt hat, war es vor allem ihre Art, die erkennen ließ, wie natürlich und ernst und doch leicht und praktisch sie den Glauben nahm und umsetzte. Niemand, der ihrer Hilfe bedurfte, wurde abgewiesen. Allen, die zu uns kamen und mit denen sie redete, begegnete sie mit Offenheit und Wärme. Es kam vor, dass sie Obdachlose und Flüchtlinge mit nach Hause brachte, die sie auf der Straße um Geld anbettelten, um ihnen stattdessen ein Essen zu kochen.
Für viele war sie eine Inspiration in gelebter Nächstenliebe. Und wenngleich sie sich selbst nie als "mütterlich" bezeichnet hätte, war sie es irgendwie doch. Mein Mamele, mein geliebtes. Alles konnte man ihr erzählen, zu ihr kommen, um Rat fragen, sich ausweinen. Aber am schönsten waren ihre Ermutigung und ihre Freude über die Freude anderer. Vielleicht ist sie dadurch in ihren eigenen Bedürfnissen etwas zu kurz gekommen, wie das bei Mamas oft der Fall ist. Trotzdem glaube ich, dass sie nichts vermisst hat. Sie liebte ihre Familie, das Haus, Blumen und die Natur mit ihren Schätzen, sie genoss neue Begegnungen, um sie als Freundschaften zu pflegen, und sie steckte immer voller Ideen, Projekte und Visionen. Langeweile kannte sie nicht.
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| Rast beim Wandern, unserem Steckenpferd. |
Mit fünfzig absolvierte sie eine Ausbildung an der Reformhausfachakademie, nachdem sie sich schon Jahre zuvor mit gesunder Ernährung und einem positiven Lebensstil befasst hatte. Dankbarkeit war ihr sehr wichtig. Es gibt viele handschriftliche Aufzeichnungen von ihr, die ich später, wenn es nicht mehr so weh tut, einmal sichten muss. Denn es sind ermutigende Gedanken, die es wert sind, gelesen und verinnerlicht zu werden.
Ich kann es immer noch nicht wirklich begreifen, dass sie nicht mehr da ist. Wer so gern gelebt hat, so tatkräftig und aktiv war und auf sich geachtet hat wie Mama, der hätte es verdient, noch länger auf der Erde zu verweilen, die für sie als Gottes Schöpfung wunderschön war.
Viele Freunde meinten, das Erste, was ihnen zu Mama einfällt, ist ihr herzliches Lachen. Andererseits nahm sie sich viel im Weltgeschehen zu Herzen und hat sich gelegentlich überfordert, wie zum Beispiel mit Webinaren, Videos und Onlinekursen. Computerarbeit war nicht ihre Sache, auch wenn sie es versucht hat. Lieber sprach sie mit Leuten von Angesicht zu Angesicht, doch im Sommer wurde auch das zu anstrengend, bis Jesus sie am 9. September ins himmlische Vaterland führte.
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| Dezember 2022, im WIRTHs HAUS |
Wir vermissen dich, Mama. Man sagt, du lebst in unseren Herzen weiter, aber das ist mir zu abstrakt und wenig nachvollziehbar. In meinem Herz herrscht Leere, seit du fort bist. Mein einziger Trost ist, dass es dir gut geht und du glücklich bist da, wo du jetzt bist. Wo du geliebte Menschen wie Opa Fritz und Oma Emma wiedertriffst und auch unsere Haustiere, die du so geliebt hast. Wo du einen blühenden Garten hast, nach dem du dich gesehnt hast, seit wir den Rittersbruch verlassen haben. Berge und Seen zum Umwandern. Und dass wir uns wiedersehen. Die Saat, die du auf Erden gesät hast, hat für uns reiche Früchte gebracht. Wie groß muss dann erst deine Ernte im Himmel sein!
Shalom, Mamele! Danke für die kostbare irdische Zeit mit dir als Mama, die doch viel zu kurz war. Wir lieben dich!




















