Translate

Posts mit dem Label opulent werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label opulent werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 26. September 2015

Bombastische Kostümfilme in den 1990ern

Irgendwie scheinen sie im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts groß in Mode gewesen zu sein, und das vermutlich nicht von ungefähr: Opulent ausgestattete Kostümschinken, die lange Zeit zuvor verpönt waren und Anfang der 1990er dank den Merchant / Ivory-Filmen eine neue, kurze Blütezeit und Renaissance erlebten. In meiner Videothek befinden sich noch etliche Filme dieses Genres und eben jener Zeit, was mich kürzlich beim Aussortieren selbst überrascht hat - aber nur ein bisschen. Zugegeben, von ein paar würde ich mich nicht trennen, und bei manchen tut es mir rückblickend fast leid, dass ich es getan habe.

 

 

Im Zuge meiner Aussortierungswut habe ich mir "Meine Unsterbliche Geliebte" mit Gary Oldman als Beethoven angesehen; ich mochte den Film früher und dachte, ich könnte ihn mir mal wieder zu Gemüte führen, da ich die Geschichte so gut wie nicht mehr kannte. Aus gutem Grund, wie mir dann dämmerte. Bis auf die bereits erwähnte sorgfältig authentische Ausstattung und dem Flair des 18. Jahrhunderts war der gesamte Film dermaßen grottig, dass ich mich wunderte, wie ich ihn mal gut finden konnte. Nicht einmal Gary Oldman konnte den Schmu retten, auch wenn er eine tolle Figur in Kniebundhosen machte. Im Gegenteil; er kam mir - wie alle anderen Schauspieler auch - zu dick aufgetragen in Gestik und Sprache vor. Alles wirkte grotesk und theatralisch bis zur Grenze der Glaubwürdigkeit, die scheinbar ohnehin nicht angestrebt wurde. Nicht schlimm in einem fiktionalen Werk, und doch hat mich der Film geärgert.

Merkwürdigerweise ging es mir fast genauso mit "Mary Shelley's Frankenstein", der gestern im Fernsehen lief. Aus demselben Jahr wie der Beethoven-Film, ließ er sich für mich auf dieselbe Formel reduzieren: Sämtliche Schauspieler nerven mit einem Over-Acting, das irgendwie deplatziert und melodramatisch wirkt - selbst in Szenen, in denen keine Melodramatik nötig oder weniger mehr gewesen wäre. Dass der Hauptdarsteller Kenneth Branagh einen Hang zur Selbstdarstellung hat und sich gerne in Szene setzt, ist ja kein Geheimnis und auch ok, wenn man sich daran gewöhnt hat.

Doch pathetisch-symbolische Hilfsmittel wie die blutrote, kilometerlange Schleppe der geliebten Adoptivschwester, minutenlanges Greinen im Close-Up und Robert de Niros gummiartige Frankenstein-Kreatur gingen mir nach spätestens einer halben Stunde auf den Senkel. Na gut, widerwillig amüsiert habe ich mich auch. Und mich gefreut, dass ich einige Schauspieler sah, die nur in den 1990ern gefragt waren und danach wieder in der Versenkung verschwanden wie beispielsweise der unheimlich blauäugige Aidan Quinn, den ich in weiteren Filmen sehr mag und der in Frankenstein einen kleinen Auftritt als Polarforscher hatte. 

Auch hier gefielen mir die sorgfältige Kostümierung und das Setting, aber das mitunter videoclipartige Flair und Sir Kenneths demonstrativ zur Schau gestellter Waschbrettbauch waren mir einfach too much und haben die positiven Aspekte unangenehmerweise aufgewogen.

Ich frage mich, ob sich das Zuschauerverhalten bzw. meine Wahrnehmung geändert hat oder man allgemein in neueren Filmen subtiler agiert. Denn ehrlich: hochkarätige Mimen, als die zumindest Gary Oldman und Robert de Niro ja ehrfürchtig bezeichnet werden, stelle ich mir souveräner und weniger theatralisch vor. So ganz hinter einer Maske zu verschwinden und den Berserker oder das Enfant terrible zu geben, ist in meinen Augen keine allzu große Kunst.

Aber vermutlich bin das nur ich. Zu Gary Oldmans Ehre muss ich hinzufügen, dass ich ein Fan von ihm war / bin und ihn in anderen Rollen in weitaus besserer Erinnerung habe - vielleicht aber auch deshalb, weil die Figuren, die er dort spielt, keine teutonischen Wurzeln haben. Jedenfalls wandert "Immortal Beloved" demnächst auf meine Liste der ausgedienten Filme.





Freitag, 30. Januar 2015

Musikalische Untermalung beim Kreativ-Sein

Mit Musik geht alles besser, sagt man ja so. Aus meiner Erfahrung kann ich das hundertprozentig unterschreiben. Lästige Hausarbeiten, Bügeln und Geschirrspülen gehen leichter von der Hand, wenn nebenher das Radio läuft oder die Lieblings-CD. Momentan bin ich an einer kleinen Spielerei bzw. als Co-Autorin bei einer Fantasy-Geschichte tätig. Der Einstieg war recht einfach; wenn man eine zündende Idee hat, setzt man sie im Normalfall mit Leidenschaft in die Tat um. Was aber, wenn man irgendwann mittendrin hängt und feststellt, dass es vielleicht an der nüchternen Umgebung liegt, in der man arbeitet? Wir waren ein bisschen verzweifelt, als uns klar wurde, dass es einfach zu ruhig ist im Zimmer und wir beide gern mit Musik im Hintergrund schreiben.

Allerdings - etwas Aufregendes und Modernes durfte es nicht sein, damit die Grundstimmung nicht verloren geht. Mehr die orchestral-epische Schiene. Etwas, das zu unserer Geschichte passt, die geheimnisvoll ist und von einer fremden Welt handelt. Also die YouTube-Kanäle nach epischer Instrumentalmusik abgeklappert. Es gibt dort eine Menge davon. Eigentlich viel zu viele, um die Musik zu finden, die einem vage im Kopf herumschwirrt. Häufig nervt das total Bombastische, ein andermal stört der Mönchsgesang im Hintergrund. Bis ich auf einen Soundtrack stieß, der genau das ist, was wir suchten.






Ich kenne die Serie nicht einmal, aber die Musik hat mich sofort gepackt, auf emotionaler und kreativer Basis. Unaufdringlich und trotzdem unglaublich atmosphärisch und gänsehauterzeugend, bietet sie einen üppig und wunderschön gewebten Klang-Perserteppich und schickt die Fantasie auf Reisen in vergangene Zeiten und in gigantische Landschaften und Szenen, die vor dem inneren Auge entstehen. Egal, ob man auf dem Sofa relaxt, vor dem Schreibtisch sitzt oder den Pinsel schwingen möchte.

Ich habe mir den Soundtrack ganz altmodisch auf Tonträger schicken lassen, doch er ist auch als Download erhältlich und eine lohnende investition für jeden, der eine Schwäche hat für epische, folkloristische Orchestralmusik so wie ich. Und vielleicht auch für andere.