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Montag, 17. April 2023

Oskar der Familienvater ~ Cefischer

Einige meiner Kinder-und Jugendbücher sind wahre Schätze und werden sorgfältig aufbewahrt. In die wenigsten schaue ich noch hinein geschweige denn lese sie durch, doch Oskar möchte ich an dieser Stelle einfach mal einen Artikel widmen. Geschenkt bekam ich ihn, weil wir damals einen Kater desselben Namens hatten, unser erster. Zwar war er schwarz und nicht gestreift wie der Buchheld, doch eine Familie hatte er zeitweise auch, die im Hasenstall in der Garage genächtigt hat. Eigentlich Oskars Schlafplatz, wenn das Wetter schlecht war. Da hat er ganz schön dumm aus dem Fell geguckt. Ähnlich wie Cefischers Kater, der häufig aber auch ganz schön gewitzt war. Vor allem, wenn es ums (Achtung Triggerwarnung!) Trinken, Rauchen und Spielen ging. Oder um die konventionelle Kindererziehung zu umgehen. Ich habe es geliebt!

 


 Oskar hat eine fünfköpfige Kinderschar und eine rassige Kätzin zur Frau ("Mutti"), der er treu ist, selbst wenn er gern mal einer anderen hinterherschaut. Aber immer sehr subtil und so, dass die Gattin nichts davon merkt. Ähnlich verhält es sich mit seinen anderen Lastern, denen er frönt, wenn sie nicht zugegen ist bzw. er glaubt, davonzukommen. Umgekehrt ist aber auch die Kätzin mit allen Wassern gewaschen, und nicht selten tappt er beduselt in eine ihrer (raffiniert weiblichen) Fallen. Denn das Rasseweib nimmt zwar das Familienleben sehr ernst, ist aber durchaus emanzipiert. Die Erziehung und Freizeitgestaltung der fünf Racker wird ebenbürtig aufgeteilt. Kein Wunder, dass Oskar da schnell überfordert ist... doch bei allen Querelen ist er ein gutmütiger und gerechter, manchmal etwas begriffsstutziger Vater, der viel mit seinen frechen Kindern unternimmt. Und sich sogar einen Hund kauft.

Ich habe immer viel über die liebevoll gezeichneten Comicstrips gelacht, die in den 1950er Jahren bis in die 1960er in der Frankfurter Illustrierten erschienen sind. Ein bisschen erinnert mich Oskar auch an meinen Opa Karl, der zwar kein Casanova war wie Oskar, aber auch gern geraucht hat und draußen noch meist einen Hut trug (wie Oskar). Außerdem liebte er Katzen. Ich glaube, das Buch hätte ihm gefallen, wenn er es gekannt hätte.

Ich jedenfalls konnte Stunden mit Oskar zubringen und über seine Streiche und Einfälle lachen. Das Buch kam häufig mit in den Urlaub, weil ich nicht einmal in der Fremde auf Oskar verzichten wollte. Und irgendwie hatte ich laut meiner Kinderlogik dann ja auch unseren Kater mit dabei, der daheim blieb. 

Politisch korrekt ist der gewitzte Familienkater Oskar schon lange nicht mehr - allein die bereits erwähnten Eigenschaften, ein unverbrämter Chauvinismus und die fragwürdige Kindererziehung sorgen dafür, dass seine Alltagsgeschichten trotz seiner damaligen Beliebtheit nicht mehr aufgelegt werden und vermutlich nur noch antiquarisch erhältlich sind. Oder zu fast unerschwinglichen Preisen.

 Was ihn mir auch besonders lieb macht, sind die ausdrucksstarken und ansprechend rundlichen Zeichnungen mit sparsamer Farbgebung (da Zeitungen damals vorwiegend schwarzweiß gedruckt wurden), die Carl Ernst Fischer / Cefischer mit dem Mund malte, nachdem er bei einem Bombenangriff 1944 beide Arme verloren hatte. Mit Oskar hat er sich einen Alter Ego erschaffen, der so liebenswert ist, dass ich es schade finde, sein Werk in Vergessenheit geraten zu lassen. Daher lege ich das Buch jedem Katzen- und Retrofan ans Herz.

Wie gesagt, für mich ist dieses Buch ein Schatz. Ich habe die unten verlinkte Sonderausgabe von Bertelsmann, doch wer sich schlau macht, findet im Internet noch einige Perlen und Abenteuer des allzu menschlichen Katzenkaters.




Dienstag, 17. Januar 2023

Video "Leseprobe Vom Ernst des Lebens"

 Da ich doch ein bisschen Spaß am Videodreh gefunden habe, kommt hier mein nächstes zu meiner Geschichte über Miles und Rupert. Es ist ein "Short", weil weniger als eine Minute lang. Eigentlich also ein sogenannter Teaser. 

 


 

Hier besuchen die beiden den Onkel des Hotelpagen Julien, der einen Buchladen betreibt und sich bereiterklärt, ihnen zu helfen, einen Fotoband über Paris zu veröffentlichen, nachdem sein Neffe die Idee hatte. Nichts Spektakuläres also, aber ich kann mich erinnern, dass eine Leserin die Beschreibung der Örtlichkeiten sehr gut gefiel und sie sofort den charakteristischen Duft von Raouls heimeligem Lädchen zu erschnuppern glaubte.

 

 


 

Wenn euch das Filmchen neugierig gemacht hat (was ich hoffe), so könnt ihr "Vom Ernst des Lebens" hier (*Klick*`) als Print und ebook erwerben. Natürlich freue ich mich wie immer über Feedback, entweder hier oder auch als Rezension.



Montag, 8. März 2021

Rezension "Giovannis Zimmer" ~ James Baldwin

 

Ohne zu wissen, dass es sich bei dem Buch um einen Klassiker handelt, habe ich es aufgrund der Thematik und des ansprechenden Covers gekauft. Anfangs fühlte ich mich stilistisch und auch thematisch sehr an André Acimans "Ruf mich bei deinem Namen" erinnert.

 


 Auch dieses ist mit ca. 200 Seiten nicht besonders lang, aber ungewöhnlich poetisch, und handelt von zwei jungen Männern, die einander begehren. 

 Handlung: Der Amerikaner David - Ich-Erzähler des Romans - wächst ohne Mutter, dafür mit dem vergnügungssüchtigen, schwach wirkenden Vater und dessen unverheirateter Schwester auf. Er beschreibt seine Kindheit und Jugend in den 1940er Jahren mit blumigen, aber beeindruckenden Sätzen als problematisch und schuldbeladen. Hauptsächlich deswegen, weil er als Teenager mit einem Jungen geschlafen hat; ein Makel in seinen Augen, von dem er sich nicht reinwaschen kann. So bald wie möglich verlässt er die Familie und zieht nach Paris, wo es ihn in einschlägige Clubs und zu Männern zieht, obwohl er sich sagt, heterosexuell zu sein. Durch seinen ältlichen Gönner Jacques lernt er den Italiener Giovanni kennen, der für den ebenfalls schwulen Guillaume als Barkeeper arbeitet, und hinter dem eigentlich Jacques her ist. Eigentlich sind beide - Jacques und Guillaume - hinter den dort schwärmenden jungen Männern her. Doch David ist es, der Giovanni bekommt. Trotz seiner Verlobten Hella, die nach Spanien gereist ist, um über Davids und ihre Beziehung nachzudenken.

Sie verbringen einige Monate zusammen, in denen David abermals von Schuld geplagt wird und Giovanni sich vom charmanten, etwas überheblichen Sonnyboy zu einem ständig weinenden, schwachen Etwas entwickelt, als er erkennt, dass David ihn nicht wirklich liebt. Als Hella zurückkommt, findet David nicht den Mut, ihm zu sagen, dass er abreisen und Giovanni verlassen wird. Endlich überwindet er sich und stellt Giovanni vor vollendete Tatsachen - mit folgenschweren Konsequenzen.

Meinung: Zuerst mochte ich das Buch. Stil und Protagonisten sind beeindruckend und manchmal sogar so originell, dass ich beim Lesen abwechselnd erstaunt oder versonnen vor mich hinlächeln musste. Doch je weiter man liest, desto deprimierender und verkopfter wird "Giovannis Zimmer", und desto unsympathischer werden einem David und Giovanni. Ersterer kann seinen Schuldkomplex nicht überwinden und empfindet am Ende nicht einmal mehr etwas für Hella, die er bald unansehnlich findet. Letzterer ist ein schwacher Charakter, dem ich mehr Glück gegönnt hätte, der aber nach Davids Entscheidung, sich von Giovanni zu trennen, den fatalen Fehler begeht, sich dem lüsternen Guillaume auszuliefern und daraufhin empfindlich gedemütigt auf spontane Rache sinnt. 

Da "Giovannis Zimmer" als hochgelobter und berühmtester Roman Baldwins gewürdigt wird, entging mir vermutlich unter den ganzen philosophischen Betrachtungen und der emotionslos geschilderten Liebe beider Protagonisten etwas Wichtiges, das es mir unmöglich macht, in die Würdigung miteinzustimmen. Schade eigentlich, denn der Anfang war vielversprechend. Mir persönlich war zu wenig Gefühl und zu wenig Handlung, dafür zu viel Geschwafel zwischen den Seiten. Ich hätte mir etwas mehr Interaktion gewünscht, oder etwas, das die Zuneigung der beiden irgendwie persönlich macht. Über Giovannis Zimmer findet der Leser heraus, dass es klein und schmutzig ist und Giovanni es mit allen Mitteln verändern möchte, seit David es mit ihm teilt. Die Metapher fand ich schön, aber leider lieblos abgehandelt. 

Fazit: Nicht so meins. Vielleicht liegt es daran, dass mir als Frau Gefühl gefehlt hat, ein bisschen mehr Details und mehr Einsicht in Davids Psyche, die mir rätselhaft geblieben ist - mehr als Schuld und Zerrissenheit scheint darin kein Platz zu haben. Insgesamt wohl zu Recht zu seiner Zeit (1956) ein gewagtes Werk und Befreiungsschlag zugleich und heute ein Klassiker, hat mich der Roman nicht vom Hocker reißen können.

Bewertung:

 💫💫💫



Samstag, 17. Februar 2018

Neues Cover und eine neue Rezension!

In den letzten Wochen war es ziemlich still auf meinem Blog. Irgendwie fehlt mir derzeit die Muße und auch ein bisschen der Schwung. Vielleicht sollte ich in meine Bärenhöhle krabbeln und ausgiebigen Winterschlaf halten. Nichtsdestotrotz habe ich am Cover meines "Stiefkindes" gebastelt, der Schutzengel-Geschichte "Ausnahmsweise doppelgleisig". Ich weiß nicht, ob es anderen Autoren auch so geht, aber unter all meinen Romanen gibt es einen, mit dem ich nicht mehr so recht warm werde, nämlich diesen. Umso mehr hat es mich gefreut, dass nun eine Rezension auf Amazon eingetrudelt ist, in der die Leserin beschreibt, wie gut sie sich beim "Märchen für Erwachsene" (ich finde den Ausdruck so schön!) unterhalten hat.


Anklicken zum Vergrößern



Auch "Vom Ernst des Lebens" erstrahlt in neuem Glanz. Ich fand es besonders passend, dass ein altmodisches Fahrgeschäft auf dem Cover zu sehen ist, denn das Leben ist ja auch oft wie eine Karussellfahrt. Und das, was Rupert mit Miles in Paris erlebt, kann man ganz sicher so nennen. 




*Klick*


Ansonsten wird es im März im Rahmen der Leipziger Buchmesse eine Vorstellung von Autoren mit Interviews und Gewinnspielen auf Bookapis Bücherwelt geben. Abgesehen von den Blognominierungen in der Vergangenheit ist das meine erste Zusammenarbeit mit anderen Autoren und Bloggern, und ich bin sehr dankbar, dass die liebe Jay mir diese Möglichkeit gegeben hat.




Dienstag, 12. Mai 2015

Rezension Paperboy / Wörter auf Papier ~ Vince Vawter

Dieses mit ca. 220 Seiten eher schmale Büchlein für Jugendliche wurde mir von meiner Bloggerkollegin Frau Seitengeraschel empfohlen, die nicht nur meine Liebe zu Büchern teilt, sondern darüber hinaus auch einen ähnlichen Geschmack betreffs Büchern. Jedenfalls kennt sie einige meiner (literarischen) Vorlieben genau; daher habe ich mich unbesehen dazu hinreißen lassen, den Roman zu kaufen, der als Reminiszenz an 'Wer die Nachtigall stört' gefeiert wird.




Inhalt: Der elfjährige Victor Vollmer übernimmt in den Ferien einen Monat die Zeitungsroute seines Freundes Arthur, der bei Verwandten auf der Farm den Urlaub verbringt. Zunächst freut sich Victor darauf, denn er kann gut werfen - Baseball und, wie er feststellt - auch Zeitungen. Doch jeden Freitag ist Zahltag; der Tag, an dem die Zeitungsjungen ihren Wochenlohn einfordern. Das bedeutet, Victor muss reden. Wenn er etwas nicht mag, dann das, und er hat guten Grund dazu: Victor stottert. Doch Beobachtungsgabe, Mitgefühl und eine fast philosophische Weisheit, die ihm seine resolute aber herzensgute und lebenserfahrene Nanny *Mam* Nellie und später sein Kunde Mr. Spiro vermitteln, helfen ihm, an seiner Aufgabe zu wachsen. Am Ende des Sommers ist er zwar kein anderer Mensch, aber er hat viel über das Leben gelernt.

Meinung: Vince Vawter erzählt eine semibiografische Geschichte in Memphis der 1950/60er Jahre trotz fehlender Kommata so anrührend und plastisch, dass ich mir bei einigen Szenen verstohlen ein Tränchen aus dem Gesicht gewischt habe. Den Ich-Erzähler muss man einfach mögen; er ist ein Junge, der sich Gedanken macht über sich und die Welt und den Umgang miteinander. Warum werden Leute, die anders sind, verlacht oder berühren "normale" Leute in peinlicher, bestensfalls mitleidiger Weise? Warum dürfen Schwarze nur in Begleitung von Weißen vorne im Bus sitzen oder in den Zoo gehen? Und ist es nicht viel wichtiger, was der Mensch sagt, als wie er es sagt?

Mir gefielen alle Charaktere von der unglücklichen Faye Worthington bis Big Sack sehr gut, doch bemerkenswert fand ich auch, dass sich nicht alles um Victors Handicap dreht und er sich dabei ertappt, wie ungerecht er manchmal selbst handelt und urteilt, wenn er nur die Oberfläche sieht. Die spätere Freundschaft zu TV-Boy war für mich daher eines der heimlichen Highlights im Roman. Dazu trägt Mr. Spiro nicht unerheblich bei, ein einstiger Weltumsegler, der sich mit Büchern umgibt, gewählt spricht und seinem "Messenger" und "stuttering poet" das Gefühl gibt, ernst genommen zu werden.

Anrührend in verschiedenen Aspekten war für mich ebenfalls die Vater / Sohn-Beziehung, die zwar nicht den Zentralpunkt des Romans bildet (sofern dieser überhaupt vorhanden ist), aber in ihrer Ehrlichkeit und den Bemühungen des Vaters, seinem Sohn eine gute Zeit zu schenken, wohl gerade in den 1950er Jahren eher ungewöhnlich war und den Leser bewegt.

Ich habe die englische Ausgabe gelesen und mich hin und wieder doch gefragt, wie wohl ein Roman ins Deutsche übersetzt wurde, in dem es hauptsächlich um Sprache und damit verbundene Assoziationen und Redewendungen geht. Allein die fehlenden Kommata hätten mich bei einer Übersetzung wohl genervt; hier hat es nach der Erklärung einfach gepasst.

Fazit: Ein lesenswerter, über weite Strecken beschaulicher, atmosphärischer Roman ohne große Dramatik, ohne einer politischen Botschaft oder dem plakativen Aufruf zu mehr Toleranz - und doch steckt von jedem etwas darin; und vielleicht sogar ein bisschen mehr.

Übrigens: wusstet ihr, dass Darth Vader-Stimme und Schauspiel-Legende James Earl Jones Stotterer war?

 
 
Bewertung:               👍👍👍👍👍








Sonntag, 12. Oktober 2014

The Deep Blue Sea ~ "Weit wie das Meer" (2011)

Woran erkennt frau untrüglich, dass sie einen Schauspieler mag? Sie schaut plötzlich Filme an, die sie unter normalen Bedingungen nicht einmal mit der Kneifzange aus dem Kaufregal geholt hätte. So geschehen vor kurzem bei "Deep Blue Sea", mit Tom Hiddleston (*Schmacht*) und Rachel Weisz in den Hauptrollen.

 



Im Grunde bin ich absolut kein Liebesfilm-Fan, doch irgendwie war ich durch die Inhaltsangabe von diesem verführt zu glauben, die Geschichte einer unerlaubten Liasion in den 1950er Jahren könne mich überraschen und ähnlich berühren wie "Das Ende einer Affäre" mit Ralph Fiennes und Julianne Moore. Außerdem - Tom Hiddleston! Auf den ersten Blick so gar nicht mein Typ und äußerlich eher britisch Gentleman-mäßig blass wie Leslie Howard (wer erinnert sich nicht an Rhet Butlers schärfsten Konkurrenten in "Vom Winde verweht"?), fiel er mir erst in den Marvel-Verfilmungen als schwarzhaariger Schurke Loki auf.

Ich weiß nicht, was es ist, das ihn zumindest im Internet zu einem so begehrten Frauenschwarm macht. Die stattliche Größe von 187 cm? Der - zugegeben - perfekte und langgliedrige Body? Die leuchtend blauen Kinderaugen über den hohen Wangenknochen und sein Lachen? Der Oxfordakzent? Das alterslose und doch irgendwie gezeichnete Bubengesicht mit dem clownesken Ausdruck, der in Sekundenschnelle von traurig zu heiter wechseln kann? Seine elegisch schlanke Erscheinung, die an mütterliche Instinkte appelliert? Oder weil er sich ganz nebenbei für eine bessere Welt einsetzt und offenbar ein Kavalier der alten Schule ist? Auf jeden Fall hat er eine Leinwandpräsenz, die schier unwiderstehlich ist und bei mir nach drei Filmen gewirkt hat.

Leider nicht so richtig bei "Deep Blue Sea". Der Film war, um es kurz zu machen, eine Qual. Er basiert auf dem Theaterstück eines bereits verstorbenen Dramatikers (keine Wertung hier!) namens Terence Rattigan, und genauso muffig und miefig wurde es für die Leinwand übernommen - sechs Jahrzehnte nach seiner Entstehung.

Die profane Handlung: Die Richtersfrau Hester hat ein Verhältnis mit dem Piloten Freddie, der ihr das Gefühl gibt, als Frau begehrt zu sein im Gegensatz zu ihrem liebenden, aber mehr väterlich agierenden Ehemann. Als dieser Hester bei einem verfänglichen Telefongespräch mit ihrem Liebhaber belauscht, verweigert er ihr die Scheidung, die sie obendrein wohl gar nicht gewollt hätte, da Freddie ihr nicht die Sicherheit gibt, die sie von Gatte William gewohnt ist. Dennoch ist sie bereit, mit Freddie über alle Berge zu verschwinden, bis dieser sie brüsk zurechtweist und ihr unverblümt zu verstehen gibt, dass er sie nicht liebt und als Ehemann ohnehin versagen würde. Schweren Herzens lässt Hester nach langem Hin und Her ihren Geliebten am Ende ziehen und steht mit leeren Händen da. Doch immerhin ist da noch der langweilige William, der auf eine gemeinsame Zukunft hofft. Wahrscheinlich kehrt sie zu ihm zurück, obwohl sie Freddie verspricht, sich zu emanzipieren.

Meinung: Zu viel Kunstgedöns, kalte und trist ausgeleuchtete Bilder, zu wenig, dafür plakative Dialoge und ausgewalzte bedeutungslose und dann wieder symbolträchtige Szenen, die fast schmerzhaft anzusehen sind. Im Theater mag so etwas noch funktionieren, hier strapaziert es die Geduld der Zuschauer und zerrt an den Nerven, etwa wenn in einer Rückblende im U-Bahn-Schacht während eines Bombenalarms minutenlang "Molly Malone" von einem der Schutzsuchenden (immerhin passabel!) gesungen wird und in das alle miteinfallen. Ganz zu schweigen von dem grässlichen allgegenwärtigen Geschrammel, das man kaum als Soundtrack bezeichnen kann. Rachel Weisz hat in ihrer Rolle bei mir trotz gelegentlichem Verständis wenig punkten können - wahrscheinlich, weil die Protagonisten außer Simon Russell Beale als gehörnter, aber blutleerer Ehemann recht emotionslos und kalt geblieben sind. Nicht einmal der Hallodri Freddie hat mich überzeugt, obwohl man Tom Hiddleston außer einem blendenden Aussehen auch keineswegs Talent absprechen kann. Allerdings wurde zu viel und zu laut geschrieen. Das ist ganz ok auf der Bühne - für einen eher leisen Film wie diesen zu melodramatisch nach meinem Empfinden.

Die große Weisheit und Moral von der Geschicht' lautet: "Wahre Liebe lässt dem anderen Freiheiten und ihn ziehen, wenn er gehen möchte". Das hat bestimmt vor sechzig Jahren noch beeindruckt - heute kann ich nur müde darüber gähnen. Genau wie über die nahezu neunzig Minuten vorher.

Fazit: Nur etwas für Hardcore-Hiddleston-Fans oder Liebhaber von uralten, angestaubten Schwarzweiß-Theaterstücken, die man manchmal 1:1 auf der Mattscheibe am Nachmittag vorbeiflimmern sehen kann.


 Bewertung inklusive Hiddles-Bonus

  👍👍


Samstag, 10. Mai 2014

Fazit zu meiner zweiten Leserunde als begleitende Autorin

Ende April fiel der Startschuss für die Leserunde zu "Vom Ernst des Lebens" auf dem Büchertreff. Insgesamt waren wir (anfangs) zu fünft, und ich war guter Dinge, dass die Sache aufgrund der bereits vorhandenen positiven Meinungen rund laufen würde - was vielleicht naiv war.

Nicht dass es schlimm gewesen wäre, im Gegenteil. Aber zu Beginn doch recht durchwachsen. Während die Teilnehmer sich bei meiner erster Autoren-Leserunde zum "Bildnis des Grafen" sehr neugierig und fragewütig zeigten und auch Hintergrundinfos wie die Idee zur Entstehung und die Geschichte zum Coverfoto wissen wollten oder die Atmosphäre des Romans lobten, hatte ich den Eindruck, dass die Protagonisten Miles und Rupert in "Vom Ernst des Lebens" nicht besonders gut ankamen. Man schoss sich ziemlich auf die zwei und ihre markanten und bisweilen etwas überspitzten Eigenschaften ein und ließ dabei alles andere wie Setting, interagierende Charaktere und den Plot ein wenig außen vor. Vielleicht reagiere ich da zu empfindlich und mimosenhaft (Stichwort *Drama Queen* hehe!), aber ich hatte in der ersten Zeit das Gefühl, man mache sich über meinen Roman lustig. Und irgendwie ist das nicht unbedingt ermutigend, wenn es sich dabei nicht um ein absichtlich witziges Buch und obendrein noch das eigene handelt.




Es wurde später allerdings besser, nachdem sich die Teilnehmer an die Charaktere gewöhnt hatten und an die Geschichte, die doch innerhalb 200 Seiten recht überraschende Wendungen nimmt und vielleicht auch mal nicht ganz der Realität entspricht. Vor allem nicht der des Post-Millenniums - darum habe ich die Handlung in die 1950er Jahre gesetzt.

Erstaunlicherweise sind ja viele Leser eher mit ihrer Lektüre zufrieden, wenn die Ereignisse so ihren Lauf nehmen, wie der Leser es erwartet. Das hat mich erst mal verdutzt, denn andererseits wird oft abfällig von "vorhersehbarer" Handlung und ewig gleichen Mustern gesprochen. Bricht man daraus aus, wird man kritisch hinterfragt ("Wie ist das denn möglich?"). Andererseits muss ich aber sagen, dass Überraschungen in der Runde im Allgemeinen wohlwollend aufgenommen wurden, auch wenn ein "Da musste ich erst mal schlucken" und "Ich war baff" die Folge war.

Jedenfalls hatte ich dann doch Spaß daran, meine Leser *logisch* zu verblüffen, und ich glaube, besonders das Ende, in dem Miles mit dem wahren Grund seiner Abreise nach Paris herausrückt, ist ziemlich nicht so, wie man es nach Miles' Verhalten Rupert gegenüber eigentlich erwartet, aber dann doch wieder plausibel.

In "Vom Ernst des Lebens" muss man, wie in allen meinen Romanen, ein bisschen zwischen den Zeilen lesen, sich vor allem Zeit nehmen und aufmerksam sein, um mitzuverfolgen, wie die Handlung sich entwickelt und wie sich Ereignisse und Informationen auf die Figuren auswirken, denn die haben meist einen direkten Bezug zu deren Verhalten. Auf die Charakterisierung meiner Helden und Antihelden lege ich viel Wert, so dass sie trotz aller Extreme, in die sie hin und wieder fallen, glaubwürdig sind und ihrem Wesen im Großen und Ganzen treu bleiben. Eine Verwandlung von der grauen Maus zu Superman innerhalb eines kurzen Romanes fände ich nicht so prickelnd.

Sehr süß war der Wunsch einer Leserin, den Bildband, den Miles und Rupert als "Hobbyfotografen" veröffentlichen, in echt in Händen halten zu dürfen, weil sie ungewöhnliche Aufnahmen wie rivalisierende Kater auf einem Friedhof machen oder kamerabehängt auf den Obelisk steigen.

Alles in allem bin ich zufrieden mit der Leserunde und den Bewertungen, die besser ausfielen, als ich gedacht hatte. Es wäre schön gewesen, wenn alle Teilnehmer dabei geblieben wären bis zum Schluss, aber wenn jemandem das Buch nicht gefällt, muss ich akzeptieren, dass es abgebrochen wird. Manchmal - ich gebe es zu - geht mir Rupert mit seinen Eskapaden ja auch auf die Nerven. Trotzdem finde ich bei aller mir angeborenen Bescheidenheit, dass es nicht immer nötig ist, Sympathieträger zu erschaffen, um eine originelle und tiefsinnige Story auf die Beine zu stellen. Und das habe ich - mit Verlaub - in "Vom Ernst des Lebens" getan. (O; Da würde ich es sogar wagen, meine Mitleserinnen zu zitieren, die mir versichert haben, dass der Roman sie noch nachhaltig auf gute Art beschäftigt. Und ganz ehrlich: toll mitgemacht haben alle, sogar die spätere Aussteigerin.