Selten spricht man von seinen Großeltern. Manchmal kennt man sie nicht gut genug, oder man findet es ganz normal, dass sie eher im Hintergrund bleiben. Meine beiden Großväter haben es neulich geschafft, "viral" zu gehen. In einer Facebookgruppe, in der es um frühes Reiten und Pferde geht.
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| Opa Paul mit Pfeil (koloriert) |
Besonders dieses Foto sorgte für Wirbel und überwiegend große Bewunderung; ich glaube, kein anderer Beitrag auf Facebook von mir ging dermaßen durch die Decke. Manche argwöhnten gar, das Bild sei KI-generiert. Vielleicht müsste man dazu wissen, dass Opa Paul ein sehr souveräner und mutiger Reiter war und Pferde lebenslang seine Leidenschaft blieben. Er war sportlich und muskulös bis ins hohe Alter, und er hat hin und wieder gern ein bisschen angegeben, schon immer. Von den von ihm gerittenen Pferden hat er viel erzählt, als ich begann, mich für Pferde zu interessieren, aber leider habe ich diese Geschichten vergessen. Pfeil und auch Jugol viele Jahrzehnte später waren etwas Besonderes für ihn. Das Original des Fotos oben, völlig verblasst, an den Seiten gerissen und geklebt, war sein Erkennungsfoto an der Zimmertür im Seniorenheim, in dem er nur wenige Tage blieb, bevor meine Mama ihn aufgrund einiger für ihn typischen Eskapaden nach Hause zurückholte.
Dass die Proportionen verzerrt seien, kann ich nicht unterschreiben, und ich habe ein gutes Auge für Anatomie, da ich viel gezeichnet habe. Es ist ein gut getroffenes und dynamisches Foto, vermutlich ungewöhnlich für die Zeit und vor allem vor dem Hintergrund des Krieges. Die Pferderassen waren schwerer und robuster als heute, denn sie wurden auf Kraft und Ausdauer gezüchtet. Pfeil war - soweit ich mich erinnere - ein Oldenburger. Treu und verlässlich, aber auch temperamentvoll und dominant, mit einem ausgeprägten Sturkopf. Im Letzteren war er meinem Opa also ähnlich... daher ist diese Pose nichts, wozu man ihn zwingen musste.
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| Opa Karl mit Kamerad (KI-koloriert) |
Ganz anders war mein Opa Karl, der nie viel sprach, zurückhaltend war und selten lachte. Zumindest habe ich ihn als sehr kleines Mädchen so erlebt. Er starb, als ich sieben war. Meine Erinnerung ist somit eher schemenhaft, aber trotzdem blieb er mir mit seiner Art und auch einem Geschenk in Form eines geflockten lebensgroßen Kunststoffeichhörnchens mit buschigem Schwanz aus der Kur gut im Gedächtnis.
Als Schreiner baute er im Krieg Flugzeughallen in Dänemark, der Tschechoslowakei und in Italien. Hinter ihm sieht man eine davon. Mit natürlichen PS hatte er es nicht in seinem zivilen Leben, eher mit Autos und Motorrädern, und mein Papa meinte scherzhaft, dass er nur zum Spaß auf den zufrieden wirkenden Rappen stieg. Aber irgendwie konnte ich mir "zum Spaß" bei Opa Karl nicht vorstellen, zumal er recht professionell im Sattel sitzt. Den Namen des Pferdes habe ich leider nicht herausbekommen. Es scheint ein Trakehner oder Hannoveraner und noch recht jung zu sein. Ehrlich gesagt, war das Foto eine Überraschung für mich. Andererseits - der Opa fuhr im Ort noch in Faschingsumzügen auf dem schwindelerregenden Hochrad. Dann meistert man ein braves Pferd doch auch easy, oder? Es scheint sich jedenfalls wohlzufühlen unter ihm. Er mochte Katzen und sie ihn; die Familie hatte immer welche, die ihm ums Kinn schmusten (um den Bart kann ich nicht sagen - beide Opas waren zeit ihres Lebens glattrasiert).
Opa Karl hatte Glück: nach einer eingefangenen Malaria geriet er in amerikanische Gefangenschaft, durfte aber bald wieder zurück in die Heimat.
Es war erstaunlich, was ich durch die Kommentare auf die Fotos erfahren habe. Zum Beispiel vom Schicksal der Kriegspferde, von denen die meisten nicht nach Hause zurückkehrten. Das war sehr traurig. Meinen beiden Opas wurde jedoch eine gute Hand mit Pferden bescheinigt, das hat mich gefreut. Und da die Fotos wirklich schön sind, habe ich sie jetzt unverwüstlich für die Nachwelt auf meinen Blog gesetzt... denn meine Großeltern waren interessante Menschen. Wie eigentlich jeder Mensch eine Geschichte zu erzählen hätte. Ich bedauere es heute noch, dass ich lachend mit den Worten "Die wird viel zu dick, Opa!" abgelehnt habe, als Opa Paul vorschlug, als Ghostwriterin seine Biografie zu schreiben.


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