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Montag, 13. Juli 2026

"Trümmerkind" ~ Mechthild Borrmann

 "Trümmerkind" von Mechtild Borrmann ist ein bewegendes Familiendrama mit starken Kriminalelementen. Das Buch verknüpft das Schicksal eines Findelkindes im zerstörten Nachkriegshamburg mit der Vertreibung einer Gutsbesitzerfamilie und einer Spurensuche fast fünfzig Jahre später.

 


Inhalt: Der Anfang: Mitten im bitterkalten Nachkriegswinter kämpft die Familie Dietz ums nackte Überleben. Der Vater wird vermisst, die Mutter Agnes versucht mit ihren Kindern Hanno und Wiebke durch Steineklopfen und Schwarzhandel durchzukommen. Eines Tages macht Hanno in den Trümmern eine grausame Entdeckung: Er findet die nackte Leiche einer ermordeten Frau. Ganz in der Nähe entdeckt er einen völlig verängstigten, etwa dreijährigen Jungen, der sehr gut gekleidet ist. Hanno behält den Leichenfund aus Angst für sich, aber die Familie nimmt den traumatisierten Jungen bei sich auf. Da er monatelang kein Wort spricht, nennen sie ihn einfach Joost. Er wächst als vollwertiges Familienmitglied bei den Dietzens auf. 

Der zweite Strang erzählt die Geschichte der wohlhabenden Familie Anquist auf ihrem Gut in der Uckermark. Als die Rote Armee heranrückt, muss die Familie fliehen. Auf der chaotischen Flucht wird die Familie auseinandergerissen, traumatisiert und verliert sich aus den Augen.

Dazwischen immer wieder Erzählstrang Nr. 3: Die Anwältin Anna Meerbaum begibt sich in den 1990er Jahren auf die Suche nach den Wurzeln ihrer Familie. Ihre Mutter Clara verhält sich seit jeher extrem distanziert, ist dem Alkohol verfallen und schweigt eisern über die Vergangenheit. Als es um Rückübertragungsansprüche des alten Familienguts in der Uckermark geht, fängt Anna an, nachzuforschen und stößt dabei auf ein dunkles Familiengeheimnis und ein tödliches Verbrechen aus den Tagen des Kriegsendes.

 

 

deti6 / Pixabay

Meinung: Die verschiedenen Zeitebenen, die in recht kurze Kapitel eingeteilt sind, haben mich anfangs genervt - zumal ich zuvor ein Buch in der Hand hatte, das ähnlich strukturiert war und ich aus diesem Grund abgebrochen habe. Doch bei "Trümmerkind" dachte ich, dass es sich wahrscheinlich lohnt, dranzubleiben. Es gibt viel Lektüre über den Zweiten Weltkrieg und seine Gräuel, aber eher selten erfährt man, was mit den "normalen" Deutschen während und nach dem Krieg geschah. Dass sie sehr gelitten haben unter Armut, den Allierten (vor allem den Russen) und auch von diesen vertrieben wurden oder ihr Besitz beschlagnahmt, um Fremde darin wohnen zu lassen. So geht es der Familie Anquist in der Untermarck mit ihrer Pferdezucht und dem Gutshof. Tochter Clara behält einen kühlen Kopf, nachdem Vater Heinrich mutmaßlich getötet wurde, und bemüht sich um eine Einwanderung nach Spanien, wo die Familie Freunde hat. Alfred Brandner und seine Tochter Luise, vertrieben aus dem Sudetenland, schließen sich ihnen an. Als Clara langsam einen Verdacht hat, welches Spiel die beiden treiben, ist es schon fast zu spät... 
 
Unglaublich spannend war das Buch, das offenbar auf wahren Biografien basiert, wie die Autorin in den Danksagungen anmerkt. Ich war oft berührt und konnte mir gut vorstellen, dass Joost - obwohl er in einer guten Familie aufwuchs - aus allen Wolken fiel, als man ihm 1967 seine Adoption offenbart. Doch seine wahre Herkunft bleibt nach wie vor im Dunkeln. Durch einen Zufall lernt er in den 90er Jahren Anna Meerbaum kennen, die sich wie er für das alte verfallene Gusthaus interessiert, wobei sein Interesse zunächst - er ist Architekt - rein beruflich ist. Anhand von Fotos und Josef, einem noch lebenden Zeitzeugen, kommen sie der Wahrheit immer näher, die es wirklich in sich hat. Ich wusste schon recht bald, dass hier mit verdeckten Identitäten gespielt wird, aber das hat mein Lesevergnügen nicht geschmälert. Allerdings - ein Feelgoodbuch ist "Trümmerkind" nicht.
 
Fazit: Borrmann zeigt eindringlich, wie die Traumata der Kriegs- und Nachkriegsgeneration (Verlust, Vertreibung, Schweigen) bis in die Enkelgeneration hineinwirken – und wie Habgier die Moral der Menschen in extremen Notzeiten beeinflussen kann.

Bewertung: 💫💫💫💫


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