Wer kennt sie nicht, die Uschi? Das "Schätzchen" oder das Halbblut Apanatschi aus einem Winnetou-Film. Mir ist sie neben Letzterem vor allem durch die Medien ein Begriff. Eine der wenigen Künstlerinnen / Schauspielerinnen, die über Jahrzehnte nie aus der TV-Landschaft wegzudenken sind. Und eine Frau, die es in sich hat. Eine taffe, aber auch weibliche, und eine, die sich nicht verbiegen lässt. Die Biografie habe ich für Papa vorgesehen, doch gelesen habe ich sie zuerst. Und war beeindruckt.
Inhalt und Meinung: Schon Uschis Kindheit ist etwas Besonderes. Sie wächst mit drei Geschwistern als Jüngstes in Niederbayern auf. Der Vater kommt erst aus dem Krieg, als sie drei Jahre alt ist und sich fragt, was denn der Fremde im Haus will. Das Verhältnis zu ihm bleibt gespannt, denn mit einem Trotzkopf wie Uschi kann der strenge Vater nicht gut umgehen. Die Mutter dagegen ist liebevoll, gastfreundlich und warmherzig. In ihren Eigenschaften hat sich mich oft an Mama erinnert. Ebenso wie Uschi selbst, die von ihren Klassenkameraden den wenig schmeichelhaften Spitznamen "Negerlein" erhält, weil sie dunkler ist als der Rest der Klasse. Auch sonst wird die protestantische Familie im katholischen Bayern misstrauisch beäugt. Die Kirche, in denen irgendwann nach den heiligen Messen auch Gottesdienste abgehalten werden dürfen, wird danach mehrmals mit Weihrauch "gereinigt", was die kleine Uschi gar nicht gut findet. Überhaupt: wo sie Unrecht wittert, gibt es kein Pardon. Da hält sie nicht hinterm Berg. Vielleicht, sagt sie, hält man sie deshalb für eigensinnig und schwierig. Durch ihre festen Überzeugungen macht sie sich nicht immer Freunde, was besonders in ihrem Beruf manche Konsequenzen hat, auf die man gern verzichtet hätte. Doch kuschen und sich anpassen kommt für Uschi nicht in Frage. Das gefiel mir. Lieber authentisch sein als billig. Und risikofreudig. Auch da ist sie Mama ähnlich.
Oft war ich gerührt von den Geschichten, die sie erzählt. Etwa von Oliver Kahn, dem roten Kater, der das Zepter im Hause Glas geschwungen hat, trotz Katzenschnupfen und Hundekonkurrenz. Diese Story hat eine originelle Pointe, und wahrscheinlich ist sie meine Lieblingsanekdote in dem Buch, in dem sie bewusst nicht alles aus ihrem Leben erzählt - was ich legitim finde. Stattdessen gibt sie gern ihre Lebenserfahrung und Beautytipps an Jüngere weiter, und das auf sehr charmante Art, niemals belehrend oder anbiedernd. Oder sie schreibt von ihrem letzten Treffen mit Elmar Wepper, der weit mehr als ein Kollege war; nämlich ein sehr guter Freund und jemand, mit dem sie größtenteils Meinung und Werte teilte. Er wird sogar am Anfang des Buches zitiert. Sein Tod im Oktober 2023 kam überraschend, aber auf ähnliche Weise wie der ihrer Mutter von vor dreißig Jahren. Und das, schreibt sie, war ihr bei der Mutter ein Trost. Doch es gibt immer noch Tage, an denen sie zum Telefonhörer greift, um sie anzurufen. Wie gut ich das nachvollziehen kann!
Bewertung: 💫💫💫💫


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