Inhalt: Der Roman erzählt die Geschichte von Toby, einem jungen Mann aus Dublin, der sich selbst stets als absolutes Glückskind betrachtet hat. Das schlägt jedoch um, als er in seiner eigenen Wohnung von Einbrechern überfallen und schwer misshandelt wird. Er überlebt nur knapp und leidet fortan unter körperlichen Nachwirkungen, Ängsten und massiven Gedächtnislücken. Um Abstand zu gewinnen und sich zu erholen, zieht er gemeinsam mit seiner Freundin Melissa in das alte Anwesen der Familie, wo er sich um seinen unheilbar kranken Onkel kümmert.
Die scheinbare Idylle stürzt ein, als die Kinder seiner Cousine beim Spielen im Garten einen menschlichen Schädel im Stamm einer alten Ulme entdecken. Die Polizei schaltet sich ein und identifiziert den Toten als einen ehemaligen Schulkameraden von Toby. Je weiter die Ermittlungen fortschreiten, desto mehr gerät das Bild von Tobys harmonischer Jugend ins Wanken. Wegen seiner veränderten Wahrnehmung und der Lücken in seiner Erinnerung gerät er in eine tiefe Identitätskrise und fragt sich schließlich selbst, ob er oder jemand aus seinem engsten Familienkreis etwas mit dem Verbrechen zu tun hat. Das Buch entwickelt sich so zu einem psychologischen Verwirrspiel über Privilegien, verdrängte Wahrheiten und das brüchige Fundament der eigenen Erinnerung.
Meinung: Die ersten 200 Seiten von knapp 800 waren zäh. Ich kann mich entsinnen, dass ich das Buch schon einmal abgebrochen hatte, weil ich nicht hineinfand. Diesmal habe ich Toby Hennessey in Hugos dunklem Garten eine größere Chance eingeräumt, die sich zunächst auch gelohnt hat. Ich fand die Geschichte um den Ich-Erzähler Toby und seine Cousinen Susanna und Leon, die viel Zeit im "Ivy House" schon als Kinder verbrachten, spannend und ausgeklügelt. Die Charaktere ebenfalls, und voller Leben. Man konnte sich das Familienleben dort gut vorstellen - in der Vergangenheit und der Gegenwart. Und dann das Rätsel um das alte Haus, im Garten, der unerwartete Fund... Da haben Briten irgendwie ein Händchen für. Bald habe ich mich an "Es scheint die Sonne noch so schön" erinnert gefühlt, mit dem Unterschied, dass sich alles moderner anfühlte - Internet, Taxi-App, Smartphones... und das bereits in einem Buch, das vor fast zwanzig Jahren erschienen ist.
Und kaum war ich dabei, sämtliche Personen sympathisch zu finden - selbst das Trio Infernale, das durchaus nicht aus Sympathieträgern besteht - wurde meine Euphorie gedämpft. Die Psychologie hinter der Geschichte und vor allem Tobys, der bis zu dem nächtlichen Überfall stets ein vom Glück begünstigter Sonnyboy zu sein scheint, war mir dann irgendwie zu vertrackt bzw. zu konstruiert. Ich habe eigentlich darauf gewartet, dass Zusammenhänge hergestellt werden zwischen dem Überfall, der grausigen Entdeckung und Hugos Hobby Geneaologie, denn gerade letzteres nahm einen großen Teil des Romans ein, der dann doch ohne Konsequenzen im Sand verpufft. Als der Überfall aufgeklärt wurde, hatte ich die Vorgeschichte schon fast wieder vergessen, weil sie so nebenbei erwähnt worden war.
Vielleicht hat die Autorin Spaß daran, ihre Leser auf falsche Fährten zu führen und psychologische Kniffe anzuwenden, die mir mitunter zu motiviationslos vorkamen und abstrus obendrein. Schade, denn der Mittelteil hat mir gut gefallen. Daher gibt es immerhin
💫💫💫


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