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Freitag, 13. März 2026

Zum Thema Nachhaltigkeit

 Es liegt mir fern, mich mit diesem Artikel moralisch über andere zu erheben. Es folgt auch kein Aber... sondern einfach eine Beobachtung, die ich in den letzten Tagen gemacht habe. 

 

Die Geretteten
 

Auf einem Spaziergang schlenderten wir an einem Container für Altkleider vorbei, über den verteilt drei gestopft volle Säcke mit Kuscheltieren lagen, teilweise auf der Straße - vielleicht von ebenso neugierigen Passanten wie uns auseinandergepflückt. Wir untersuchten den Inhalt näher und stellten fest, dass die Plüschtiere so gut wie neu waren, größtenteils noch mit Etikett und die teuren Glubschis darunter (die ich eigentlich grässlich finde). Obwohl es nicht meine Art ist, schlug ich vor, ein paar mitzunehmen und zu retten vor der Schreddermaschine. Einen ganzen Sack trugen wir durch die Stadt. Zuhause wurden sie gesäubert und fürs Gruppenfoto aufgestellt; es sind wirklich goldige und unbespielt wirkende Tiere. Aber für den Eigenbedarf viel zu viele. Nach einer Weile fiel mir das Plüschtierheim ein, und wir packten zwei große Kartons, um sie zu verschicken. 

Am nächsten Tag gingen wir nochmal hin, um eine weitere Auswahl einzusammeln, doch sie waren wohl schon im Bauch des Containers oder fortgebracht worden. Stattdessen lagen andere Kindersachen herum, Kleidung, Schuhe in allen Größen, Taschen und sogar eine Babymatratze. Man macht sich seine Gedanken bei so einem Anblick. Warum wurden gute, noch brauchbare und auch schöne Dinge so rigoros entsorgt? Welche Geschichte steckt dahinter? Ist sie tragisch, stand ein Umzug in eine ferne Stadt an, sind die Kinder den Sachen entwachsen und finden Kuscheltiere kindisch, wurde ein Haushalt aufgelöst? Der Anblick war traurig und hat viel Sentimentalität in mir geweckt. Ich bin niemand, der Sachen hortet, aber ich würde doch mal im Bekanntenkreis fragen, wer etwas brauchen kann, wenn ich mich von etwas trenne, das anderen noch Freude machen könnte. Oder einen Karton mit "Zu verschenken" vor die Haustür stellen. Nach unserer Erfahrung wird der schnell leer, und viele Nachbarn sind dankbar.

 

Lumpi, der zum Lumpen werden sollte


Den kleinen Hund habe ich behalten, obwohl ich gerade dabei bin, mich selbst von vielen Dingen zu trennen, damit am Ende nicht so viel in die Tonne muss, das andere nicht wertschätzen. Gerade in letzter Zeit mache ich mir Gedanken darüber. Was anderen wertvoll ist, die Geschichten, die ein alter und einst geliebter Gegenstand wie der Hund erzählen könnte oder ein altes Möbelstück, interessiert dann keinen mehr. Schade eigentlich. Ich finde, wir sollten nachhaltiger mit den Sachen umgehen, mit denen wir uns tagtäglich umgeben. Da haben uns ältere Generationen, die Entbehrungen erlebt haben, vieles voraus. Oder liege ich falsch? 

 

 

Mittwoch, 11. September 2019

Altes Eisen und keine Wertschätzung mehr?

Diese Woche habe ich etwas zum Thema Nachhaltigkeit erlebt, das mich doch sehr nachdenklich gemacht hat.

Ich besitze eine Tisch-Drehpendeluhr aus den 1970er Jahren der Firma Kundo, Erbstück meines Opas. Obwohl sie keinen besonderen Wert hat, mag ich sie und möchte sie trotz ihres etwas nervigen Schlagwerks nicht missen. Das liegt vermutlich daran, dass ich mit dieser Uhr schöne Stunden bei meinen Großeltern verbinde. Irgendwie war sie immer da und hat trotz ihrer geringen Größe gravitätisch das gesamte Wohnzimmer dominiert. Jetzt steht sie bei uns im Esszimmer, und manchmal schaue ich - wie früher - gern dem beruhigend meditativen Kreisen der Drehpendel zu.




Vor etwa zehn Jahren habe ich sie zum Juwelier gebracht, da das Schlagwerk verstummt war und sie nicht mehr korrekt lief. Schon damals gab es die Herstellerfirma nicht mehr, doch der Chef - ein Tüftler und Uhrenliebhaber - versprach mir ganz enthusiastisch, sich darum zu kümmern, obwohl ich versicherte, dass der halbstündlich erschallende Klang nicht unbedingt wieder hergestellt werden musste. Dennoch. Er wurde, mitsamt allem anderen, was nicht in Ordnung gewesen war: Nachmittags konnte ich eine fast wie nagelneue Uhr wieder abholen.

Mittlerweile spinnt sie wieder. Geht bis zu einer Stunde nach oder schlägt vierzehnmal (!) hintereinander. Da ich beim Juwelier so gute Erfahrungen gemacht hatte, ging ich dort wieder hin in der Hoffnung, man könne ihre Altersmacken ein zweites Mal beheben.

Der Senior-Chef ist allerdings nicht mehr da oder war gerade anderweitig beschäftigt, und der Nachfolger hat sich kaum die Mühe gemacht, der Uhr fünf Minuten zu widmen, nachdem er lapidar festgestellt hatte, dass diese Art Uhren nicht für Reparaturen gemacht wurde (weil's ja wohl ein billiges G'lump ist, mit dem man damals ältere Leute auf Kaffeefahrten gelockt hat).

Mehr oder weniger durch die Blume gab er mir zu verstehen, dass ich mir entweder eine neue kaufen, oder, wenn ich so sehr an der alten hänge, mich im Internet schlaumachen, eine andere bestellen und das Uhrwerk austauschen soll. Damit und mit einem schief eingesetzten Batteriedeckel in meiner Uhr hat er sich dann wieder ohne ein Wort des Abschieds in sein Kabuff zurückgezogen.

Mir kam der Gedanke, dass die unselige Konsumwegwerfgesellschaft wohl auch deswegen entstanden ist, weil es immer weniger Handwerker gibt, die sich mit Mechanik auskennen und es selbst für fachkundige Verkäufer zu aufwendig und teuer ist, alte Dinge wertzuschätzen und zu reparieren. Das fand ich schon traurig.

Meiner Uhr hat der Ausflug in die Stadt wohl gefallen: seitdem läuft sie auf mysteriöse Weise wieder auf ein paar Minuten genau. Mal sehen, wie lange noch. In Ehren gehalten wird sie übrigens so oder so.