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Sonntag, 27. Oktober 2013

Lesen! Lesen! Lesen!

Mein Blog bringt es an den Tag: In der kälteren Jahreszeit lese ich zu wenig, blogge zu viel und verbringe unnötige Stunden vor dem Fernseher *schäm*. Das soll sich jetzt ändern. Ich hätte es ja vorher nie für möglich gehalten, aber ich plane jetzt eine "Pflicht-Leserunde".

Statt abends faul vor der Glotze abzuhängen, werde ich versuchen, mindestens eine Stunde zu lesen. Vor ein paar Tagen habe ich in der Stadtbibliothek ausrangierte Bücher ergattert, die recht interessant klingen. "Es scheint die Sonne noch so schön" habe ich vor Jahren im Sommerurlaub gelesen und war begeistert.




Angefangen habe ich mit "Sherlock verliebt", mit dem ich bisher ein bisschen Probleme habe, obwohl ich die Grundidee originell finde. Nach Holmes' Tod lebt der alte Dr. Watson in der Baker Street (und schläft auch in Holmes' Bett!) und wird vermeintlich vom Geist des Verstorbenen heimgesucht. Um sich abzulenken, will er eine Biografie über Sherlock Holmes und der Zeit an seiner Seite schreiben. Nebenbei bemerkt: zwischen den Zeilen lese zumindest ich mehr als *nur* eine lebenslange Freundschaft... manchmal kommt mir Watson vor wie der trauernde Witwer.

Der Stil der Autorin wird hochgelobt, da sie dem des Urhebers der Protagonisten treu geblieben sein soll. Mir erschließt sich das nach 70 Seiten noch nicht. Zwar fand ich einige Passagen und die Charakterisierung Holmes' durchaus gelungen, andere dagegen sind m. M. nach wirr und wenig nachvollziehbar. Etwa wenn Watson Besuch von einem ehemaligen "Mitarbeiter" von Holmes erhält, den Watson sofort als zurückhaltend einstuft, obwohl nichts an seinem Auftreten darauf schließen lässt. Da hat Holmes wohl ein Erbe hinterlassen, das Watson zu dessen Lebzeiten selten bis nie gezeigt hat.

Oder - ein grober Schnitzer - Holmes bezeichnet Irene Adler verächtlich als "das Weibsbild" (!), während er von ihr im Original von Arthur Conan Doyle mit widerwilligem Respekt als "The Woman" redet. Auch stören mich einige überflüssige Kommas (pingelig, ich weiß), und erstaunlicherweise die Tatsache, dass der Roman noch in der alten Rechtschreibung übersetzt wurde.

Amüsant ist das Buch allemal. So, wie ich es verstehe, spielt der Tod des Kinis im Jahr 1886 eine Schlüsselrolle, und es ist schon ziemlich clever, den großen Detektiv auf den bis heute ungelösten Fall anzusetzen. Dass er aber auf Ludwig II. stehen soll, wäre selbst für eine altehrwürdige Ikone eine gewagte These, daher vermute ich, es geht um jemand anderen.

Heute Abend darf ich den Münchner Tatort nicht verpassen, aber spätestens übermorgen bin ich schlauer.



Sonntag, 6. Januar 2013

Ludwig II. ~ Neuverfilmung von 2012

Als waschechter Kini-Fan, der sein Jünglingsporträt im Esszimmer hängen hat, ließ ich es mir nicht nehmen, die Neuverfilmung über das Leben des Märchenkönigs anzuschauen. Eines muss ich sagen: trotz Überlänge habe ich mich keine der 136 Minuten gelangweilt.
 
 


Den Cast fand ich sehr gelungen, besonders (ich gestehe) den Hauptdarsteller Sabin Tambrea, der den jungen Ludwig verkörpert und mit den ausgeprägten Wangenknochen aussieht, als hätte man die britischen Schauspieler Benedict Cumberbatch, Cillian Murphy und “Dr. Who” Matt Smith in einem Guss gemorpht. Hat was, der Bub.^^ Auch wenn er teilweise zu kindlich und cholerisch agiert hat für meinen Kini-Kenner-Geschmack, so war sein Spiel und der ganze 1,93 m-Mann echt toll anzusehen. Ein wenig übertrieben androgyn und feminin kam er mir oft vor - der echte Ludwig war zweifellos ein bisschen männlicher und nicht so naiv, wie manche ihn gern hätten. Schließlich hat Bayern seine Sonderstellung in Deutschland maßgeblich ihm zu verdanken.

Unter den Nebendarstellern haben mir Edgar Selge als Richard Wagner und Tom Schilling als Bruder Otto gut gefallen. Auch Michael Fitz als unkonventioneller Herzog Max hatte einen kleinen, aber recht netten Auftritt. Nervig dagegen (und viel zu mollig für die Bohnenstange Sissi) war Hanna Herzsprung mit ihrem (vielleicht authentischen?) Herumgezicke. Und manchmal herrschten zuviel Theatralik und (nicht gar so heimliche) Homophantasien vor in Szenen, in denen weniger mehr gewesen wäre.

Betrachtet man den Film aber nur lose basierend auf der Biografie des Märchenkönigs und vermeidet Vergleiche mit der Visconti-Verfilmung oder selbst Käutners Version mit O.W. Fischer, so bietet er kurzweilige Unterhaltung und schöne Bilder (mehr Berge und Landschaftsaufnahmen wären ein Bonuspunkt gewesen), und mehr wollten die Macher wahrscheinlich auch gar nicht erreichen.


Bewertung: 
👍👍👍