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Freitag, 15. Mai 2026

Der Bastian ~ Fernsehserie mit Horst Janson (1972)

Abends schauen wir Fernsehen zu dritt. Da ist es nicht immer einfach, jedem Geschmack gerecht zu werden. Nach "Der Alte" mit Siegfried Lowitz, "Derrick" und ein paar uralten Tatort-Folgen haben wir jetzt den Bastian entdeckt. Und finden die Serie aus der Feder von Barbara Noack toll in ihrer Unaufgeregtheit, mit der sie den turbulenten Alltag des Langzeitstudenten Bastian (ein erstaunlich junger Horst Janson) erzählt. Eine wichtige Rolle in seinem Leben spielt auch seine Oma, Martha Guthmann, die zu unserem heimlichen Liebling avanciert ist. Die renommierte Schauspielerin Lina Carstens war damals 80 Jahre alt, und sie wirkt so rüstig, unternehmungslustig und pfiffig, dass man sie einfach liebhaben muss.

 


 

Die einzelnen Folgen sind ca. 25 Minuten lang, so dass wir auch gern mal zwei am Stück angucken. Leider gibt es nur eine Staffel mit 13 Folgen, aber das ist das einzige Manko. Was uns besonders gut gefällt, ist natürlich der Nostalgiefaktor. München erkennt man schon noch, und trotzdem sah es so viel anders aus als heute (Marthas nach Schweden emigrierter Schwager Alois beklagt den technischen Fortschritt allerdings schon damals und fühlt sich fremd in seiner ehemaligen Heimat). Die U-Bahn war relativ neu und wurde wohl extra zum Olympiajahr '72 fertiggestellt - die Olympiade wird tatsächlich in zwei Folgen thematisiert. Süß, als Oma Guthmann das U-Bahn-Cruisen als neues Hobby entdeckt und dadurch zu spät zu einer Verabredung für den von Bastian verhassten Hosenkauf kommt. 

Was Bastian von vielen aktuellen (und vermutlich auch damaligen) Serien unterscheidet, ist, dass nichts wirklich Dramatisches geschieht. Es bleibt trotz aller Situationskomik und prekären Lagen, in die Bastian sich manövriert, irgendwie bayrisch gemütlich... und das, wo der Schauspieler und auch Lina Carstens gar keine Bayern sind. 

Weitere wichtige Figuren sind die ledige Susi (Monika Schwarz) mit neugeborenem Baby, die auf Wohnungssuche ist (schon damals schwer in München, doch mit Säugling ohne Vater ein Ding der Unmöglichkeit), und die Ärztin Katharina Freude (Karin Anselm), in die Bastian sich während eines Krankenhausbesuchs verliebt hat und ihr ziemlich hartnäckig auf den Fersen bleibt, obwohl sie findet, dass er zu jung für sie sei und außerdem ein "Traumtänzer". Zwar gehen sie in den Bergen wandern und kommen sich dort so nahe, dass Bastian den Eltern vorgestellt wird, doch da ist auch noch Bastians älterer und fleißiger Bruder Karli (Friedrich von Thun), der laut Bastian "viel eher dein Typ ist". Zu dumm, dass der aufgrund einer verbotenen Nacht-und Nebelaktion von Bastian und Susi auch noch die Bekanntschaft von Dr. Freude macht...

 

Das Baby im "Bäckerei-Wespenschutz"-Glaskasten

 

Das Flair, das "Der Bastian" verbreitet, ist für Nostalgiker wie mich einfach nicht zu toppen. Schlaghosen, Plastik allerorten (pfui eigentlich!), Bastians grüne, rostangefressene Ente, schrille Farben in der engen, vollgestopften Mansarde, die Bastian oft unfreiwillig teilen muss, und auch der Stachus, der aussieht wie auf einer Postkarte von der Wochenendkaffeefahrt der Großeltern in den 1970er Jahren, das sind kleine Highlights, auf die ich mich besonders freue. 

Natürlich ist auch Horst Janson ein Hingucker und unglaublich jung mit der blonden Mähne und der schlaksigen Figur, die zu der Zeit fast alle Schauspieler und Schlagerstars pflegten (was bestimmt nicht so leicht war, wie es aussah - andererseits war Fast Food noch nicht so omnipräsent wie heute. Man kommt trotzdem auf den Gedanken, es war in den 70ern eine Art Schönheitsideal für Männer um die Dreißig). Und irgendwie wünscht man sich, es gäbe mehr Bastians auf der Welt - Menschen, die das Leben nicht so ernstnehmen, nicht so pedantisch und tragisch und dabei ihr schelmisches, entwaffnendes Lächeln bewahren.

Vielleicht wirkt die Serie gemessen am aktuellen Fernsehgeschmack etwas brav und manche Szenen behäbig, doch wer auf ständige Action, Mord, Drama und Spannung verzichten kann und stattdessen gern in Nostalgie der Familienunterhaltung schwelgt und die frühen Siebziger (noch einmal) erleben will, für den ist der leichtlebige Bastian Guthmann mit seiner sich in alles einmischenden Oma Pflichtprogramm. Zu streamen gibt es die Serie in der ZDF-Schatzkiste auf Amazon Prime. Oder - für die Hardcore-Nostalgiker - ganz klassisch auf DVD.

 

Bewertung: 💫💫💫💫💫 

 

Bilder: Amazon

 

Sonntag, 24. November 2013

Gute Laune Macher ~ Spongebob Schwammkopf

An sich mag ich Zeichentrickfilme nicht mehr so sehr. Besonders die neuen, in denen die Hauptarbeit der Computer macht und man oft nicht sicher ist, ob die Figuren real oder animiert sind, stoßen auf wenig Anklang. "Avatar" mag noch so toll sein von der Story her - ich finde die Grafik einfach irgendwie bescheiden und austauschbar. Auch Disney ist nicht mehr das, was er mal war. Das liegt nicht unbedingt daran, dass ich kein Fan mehr bin und die Geschichten über die Jahre meiner Meinung nach schwächer und klischeemäßig wurden - ich finde, wenn es schon Zeichentrickfilme sein müssen, sollte man sie auch als solche erkennen. 

 

AngieJohnston / Pixabay


Eine rühmliche und erwähnenswerte Ausnahme ist für mich "Spongebob Schwammkopf". Als ich die Serie zum ersten Mal sah, war ich fasziniert und nicht selten gerührt. Nicht nur von den liebenswerten Charakteren und den lebensnahen Geschichten, sondern auch vom Konzept, das animierte mit realen Szenen vermischt (etwa dass Spongebob zu einem hundsgewöhnlichen Haushaltsschwamm mutiert, sobald er die sichere Unterwasserwelt von Bikini Bottom verlässt). Das war überraschend, originell und auch charmant frech. In Erinnerung ist mir auch noch der Mann im Gorillakostüm, der Patrick Star und Spongebob von einer Bildschirmseite zur nächsten jagt. Auf so etwas muss man erst mal kommen, und ich glaube, die Macher haben einen schrägen und zugleich etwas schwarzen Humor, der bei kleinen und großen Zuschauern einen Nerv trifft.


Vielleicht können Erwachsene in den Geschichten um Spongebob Schwammkopf, Patrick Star, Thaddäus Tentakel und Mr. Krabs sogar mehr Tiefsinn erkennen als das ursprüngliche Publikum ab 0 Jahren. Der Erfolg der Serie gründet sich gewiss nicht nur auf technische Finessen und witzige, oft absurde Episoden, die teilweise überdreht wirken. Was mir an "Spongebob" so sehr gefällt, ist die Vielseitigkeit der Figuren und vor allem Spongebobs unerschütterlicher Optimismus, seinen Eifer und seine Art, wie er mit den anderen Meeresbewohnern umgeht. In keinem von ihnen vermutet er Schlechtes und betrachtet jeden als Freund - nicht einmal der miesepetrige, eitle Tintenfisch Thaddäus ist vor seinen Avancen sicher. Manchmal setzt er sich mit seiner naiven Grundhaltung ordentlich in die Nesseln, aber am Ende ist er der lachende Gewinner, ohne andere verspottet zu haben oder ihnen das Leben schwer zu machen.

Seinem sonnigen und einfältigen Naturell gemäß ist sein bester Freund Patrick Star, der jeden Spaß von Spongebob mitmacht und nur selten aus der rosa Haut fährt - etwa wenn Spongebobs versprochenes Valentinsgeschenk nicht rechtzeitig ankommt. Dass der arme Thaddäus von den beiden dauergestresst ist, kann man ihm nicht einmal verübeln, hält er sich doch für ein verkanntes Künstlergenie, das von den kichernden Nachbarn nicht gewürdigt wird.

Sollte es tatsächlich noch jemanden geben, der Spongebob nicht kennt: *Hier* gibt es einen Artikel zur Serie, den ich auf Pagewizz im Rahmen eines Wettbewerbs verfasst habe (er kam nur auf den vierten Platz, aber wie Spongebob sagen würde: Hauptsache, wir sind dabei gewesen.^^).









Freitag, 13. September 2013

Back to the 70s ~ "Schach dem Roboter"

Dieser Film war einer meiner ersten "Gruselfilme". Ich war sieben, und in Dänemark auf Urlaub. Ich weiß nicht mehr, warum wir dort Fernsehen und zudem noch einen deutschen Sender hatten - Tatsache ist, das mich der Film von 1976 nachhaltig beeindruckt hat. Nicht dass ich Alpträume bekommen hätte oder mir überhaupt besonders gruselig zumute war, aber ich erinnere mich, dass ich nach dem Anschauen noch lange Geschichten zu dem Roboter erfunden (weil ich die eigentliche offenbar nicht verstanden hatte) und ihn verschwenderisch auf Zeichenpapier verewigt habe.

Alexandra_Koch / Pixabay


Seit kurzer Zeit gibt es den Film auf DVD. Fragt mich nicht, wie ich darauf gekommen bin, ihn mir mal wieder anzusehen. Ich weiß es selbst nicht - jedenfalls nicht genau. Ich bin fasziniert von Androiden und hatte beim Aufräumen einen Zeitungsartikel über den schachspielenden Türken gefunden, der im 18. Jahrhundert für Furore und Verblüffung sorgte. Also rasch gegoogelt (das ist ja so einfach heutzutage), und ich hatte, was ich wollte.

Meinung: Auf dem Cover wird der Film als "subtiler Grusel" in der Tradition von "Die Fliege" und "Das Kabinett des Professor Bondi" beschrieben, und genau so simpel ist er auch gestrickt. 

Ehrlich gesagt, ich war ein bisschen enttäuscht. Der Plot vorhersehbar, keine großen Gänsehautmomente, keine Überraschungen, und bei genauerer Betrachtung wirkt auch der einst so beeindruckende Roboter fast lächerlich. Vom Flair der Aufnahmen kann ich ebenfalls keine Lobeshymnen singen: Die 1970er Jahre mögen in zeitanalogen Serien wie "Das Haus der Krokodile" ganz amüsant anzusehen sein; hier haben mich die Zottelmähnen der Herren und die Perücken der Dame irgendwie gestört, abgesehen davon, dass das Ganze wie eine verstaubte Folge vom "Alten" rüberkam. Das Zeug zu einem Klassiker hat "Schach dem Roboter" meiner Ansicht nach nicht. 

Behalten werde ich ihn trotzdem. Der Roboter, in dem sich das Hirn eines Schachgenies verbirgt (wer hätte es gedacht?), das zu Lebzeiten mit einer virtuosen Pianistin verlobt war, war nämlich gelungen. Nicht mehr so unheimlich wie in Dänemark, aber niedlich. Anrührend, wie er zwar ohne Herz, aber immerhin mit Hirn, seine Verlobte erkannt hat und sie vor dem selben Schicksal bewahren wollte.

Fazit: Muss man nicht gesehen haben. Trotzdem war es recht nette Unterhaltung und mal wieder ein tiefer Griff in die Nostalgiekiste.


Bewertung:

👍👍👍
 



P.S. Ich hätte noch etwas über Aberglauben schreiben können, aber erstens machen das bestimmt schon ganz viel Blogger, und zweitens ist mir heute nicht mal eine Glückskatze über den Weg gelaufen, geschweige denn, dass ich eine Leiter gefunden habe. Pech gehabt!