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Mittwoch, 27. August 2025

Der Schut (1964) nach Motiven von Karl May

Angefixt durch "Das Kanu des Manitu" habe ich angefangen, meine Bluray-Box mit sämtlichen Karl May-Filmen anzusehen. Bisher waren das "Der Schatz im Silbersee" (1962), "Der Ölprinz" (1965) und "Der Schut" (1964). Gut fand ich sie alle, doch ohne Lex Barker, der in den Filmen in die Rolle von Karl May schlüpft und Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi mit phantasievollem und aufrechtem Heldenmut verkörpert, sind diese Filme für mich nicht komplett. 

"Der Schut" ist daher einer meiner Lieblinge der Reihe, die sich bis in die 2000er Jahre großer Beliebtheit erfreute und immer wieder gern zu Feiertagen im Fernsehen gezeigt wird. Ich war zwölf, als ich ihn zum ersten Mal bei Freunden sah, und der Film hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren.

 


Inhalt: Im Balkan wird Kara Ben Nemsis Freund Henri Gallingré von einer Bande entführt, die für den Schut arbeitet (oberschurkisch und abgrundtief gelb: Rik Battaglia) und Lösegeld von der Familie zu erpressen versucht. Kara Ben Nemsi heftet sich mit Gallingrés Frau (Marianne Hold) und den beiden schrulligen Engländern Sir David Lindsay (Dieter Borsche mit Hamsterbackenbart) und dessen Diener Archie (Chris Howland) auf die Fersen der Halunken. Mit von der Partie ist natürlich auch Hadschi Halef Omar, der loyale, aber etwas tumbe Sidekick Kara Ben Nemsis (Karl May wäre nicht besonders amüsiert von letzterem), gespielt von Ralf Wolter. Gleichzeitig wird auch Tschita (Marie Versini) vom Hof ihres Vaters gekidnappt, weil das das Handwerk der Halunken ist, Entführungen. Und weil Befreiung und Rettung das Handwerk Kara Ben Nemsis ist, nimmt er parallel mit Gallingrés Schicksal das des Mädchens in die Hand, um sie zu ihrem Verlobten zurückzubringen, der sich dem Suchtrupp anschließt zu dem Anwesen des Schuts. Der Weg dahin ist so steinig wie das montenegro'sche Geröll in der Felsenlandschaft, die als Drehort diente, doch natürlich siegt am Ende das Gute (kein Spoiler, weil das immer so ist bei Karl May).
 
 
Meine Karl May-Box

 
Meinung: Als Lex Barker-Fan, der ihn bereits als Fünfjährige im Winnetou bewundert hat, bin ich voreingenommen. Neben "Winnetou I" ist "Der Schut" mein absoluter Karl May-Klassiker. Das liegt auch an dem edlen und schlauen Rappen Rih und dem schneidigen Kostüm des Helden. Er macht ja eigentlich in allem eine gute Figur, sogar im Lendenschurz. Trotzdem sind die nächsten Teile der Orient-Trilogie für mich weniger reizvoll, weil er andere Kleider trägt und aus Gründen auch ein anderes Pferd reitet. Kleinigkeiten, ich weiß, aber frau achtet auf so etwas. 
 
Mit zwei Stunden Laufzeit ist "Der Schut" vermutlich der längste der Reihe, und doch wird es aufgrund des hoch gehaltenen Spannungsbogens keine Minute langweilig. Auch die Schauspieler sind bis in die Nebenrollen fantastisch besetzt (Friedrich Ledebur als klappernder Mübarek lehrt den Zuschauer selbst das Klappern, so unheimlich wirkt er). Die Filme sind allesamt digital remastered, was sie zu einem besonderen Sehvergnügen macht. Die Bildqualiät fiel mir als erstes auf. Gestochen scharf, erkennt man sogar kleine dramaturgische Ausrutscher, wenn man darauf achtet, etwa ein fallender Dietrich, den der Bandit im Würgegriff Gallingrés fallen lässt und in der nächsten Szene wieder in der Hand hält. Die trüben das Gesamterlebnis aber keineswegs. 
 
 
"Sihdi, werde einer von uns!" "Hmm... Turban steht mir nicht."

 
Wir haben uns sehr gut unterhalten gefühlt. Manchmal waren Kara Ben Nemsis Superkräfte vielleicht ein wenig zu viel des Guten, aber hey, er ist Karl May, und der war in seinen Romanen eine noch größere Naturgewalt. Außerdem nimmt man einem so athletischen Schauspieler wie Lex Barker den Alleskönner durchaus ab, der in der Tat die meisten seiner Stunts selbst ausgeführt hat - sehr zum Verdruss der Produzenten, die um Leib und Leben ihres Stars fürchteten. Hat sich aber gelohnt, denn kein anderer am Set hatte wohl ein so inniges Verhältnis zu Pferden, die in den Orientfilmen eine größere Rolle spielen als Iltschi und Hatatitla in den Western.
 
Bewertung:  💫💫💫💫💫
 

Mittwoch, 20. August 2025

Review "Das Kanu des Manitu" von Michael Bully Herbig (2025)

Im Prinzip bin ich kein Fan von Parodien. Auch nicht von denen, bei denen das Original (in dem Fall die Karl May-Filme der 1960er Jahre) unerreichbar ist. Da können sie noch so gut gemacht sein; ich kann einfach nicht darüber lachen. Aber Papa kann's. Vom "Schuh des Manitu" war er total begeistert, als er während eines Männerabends mit Kumpels vor fast fünfundzwanzig Jahren ins Kino ging. Ich habe mir den Film danach auch angeschaut, aber festgestellt, dass der Humor etwas zu derb war für meinen Geschmack. Ich weiß nicht, ob es mehreren weiblichen Zuschauern so geht, doch die Witze gingen mir oft ein bisschen unter die Gürtellinie. Und damit meine ich nicht nur den schwulen Zwillingsbruder Winnitouch. Trotzdem musste ich bei vielen Szenen lachen, vor allem bei denen des Scenestealers Santa Maria (Sky Dumont). Der kam als Ölprinz im Kanu leider etwas zu kurz.

 



Inhalt: Apahachi und Ranger sollen von einer Bande und deren Anführerin (eine endlich passend mürrische Jessica Schwarz) dingfest gemacht werden, um ihnen das Kanu des Manitu zu besorgen, das angeblich unsterblich macht und seinerzeit von Apahachis Vater in einer Höhle im See versteckt wurde. Doch die Aufgabe erweist sich als knifflig: Ranger kann nicht schwimmen, hat eine Tochter, die plötzlich auftaucht und sich in Dimitri (Rick Kavanian), den Mittelmäßigen verliebt, und außerdem befindet sich Apahachi in einer Identitätskrise...

 

 

Warten vor dem proppenvollen Cinedome

 

Meinung: Der erste Teil von 2001 hatte Highlights für mich, die vor allem der starken Leinwandpräsenz des Bösewichts Santa Maria zu verdanken waren ("Jetzt gehen alle noch mal aufs Klo, und dann reiten wir los!"). Und trotzdem fand ich den zweiten Teil besser. Vielleicht, weil Bully ein bisschen gereift ist, ohne auf wirklich alberne Gags zu verzichten. Schon der Geheimjodler am Anfang war ein Knaller. Und ich mochte den Griechen lieber als im "Schuh". Rührend, wie er sich verliebt hat und Rangers Tochter Mary (eine irgendwie süße und tatkräftige Jasmin Schwiers) beim Synchronschwimmen umwirbt. 

Die Aktion im See, namentlich die Bergung des Kanus, und die Landschaftsaufnahmen aus Spanien, den USA und Mexiko waren richtig gelungene Extras, die dem Film internationales Flair verliehen haben. Über den filmischen Aufwand und die originellen Einfälle konnte ich oft nur staunen. Natürlich gab es den einen oder anderen Flachwitz, aber bei weitem nicht so viele wie im ersten Teil, die größtenteils auf männlichen und wenig subtilen Humor zugeschnitten waren. 

Was natürlich auch interessiert: wie löst Bully die Kritik der Woken, die ihm kulturelle Aneignung vorwerfen, indem er in ein *Räusper* "Indianer"-Kostüm steigt (eigentlich traurig, dass es soweit gekommen ist)? Wahrscheinlich meint man, dass den Bully das nicht wirklich schert und er wie gehabt sein Ding durchzieht - provokant und respektlos. Aber er schafft es tatsächlich, am Ende mit chaplinesker Referenz zu überraschen. Nicht mit einem Zwinkern im Auge, sondern mit einer Ernsthaftigkeit, die wohl keiner von Apahachi und seinem Erfinder erwartet hätte. Und Achtung: auch wenn der Abspann unendlich lang geht: danach erfährt man noch ein wichtiges Detail. Also durchsitzen. So wie Ranger und Apahachi.

Fazit: Empfehlenswert. Nicht nur für die große Fangemeinde der Bully-Crew.

 

Bewertung:  🤠🤠🤠🤠 und ein halber 🤠

 

Donnerstag, 11. Mai 2023

Zum 50. Todestag von Lex Barker

 Ein Idol meiner frühen Kindheit war Lex Barker, der hünenhafte Held aus den Karl May-Filmen. Die meisten Mädchen meiner Altersklasse und darüber schwärmten für Winnetou / Pierre Brice, was ich nie so recht verstanden habe - war doch Old Shatterhand so viel kerniger und trug einen echten, wunderschön silberblonden Skalp, der romantischer im Abendwind flatterte als Monsieur Brices Perücke. Und wenn man ihn reiten sah und ein bisschen Ahnung von Pferden hatte (und das hatte ich als Mädchen), dann wusste man: er und sein Hatatitla / Rih verstehen sich. Was kein Wunder ist, saß Barker doch schon als Fünfjähriger fest im Sattel und besaß später hin und wieder eigene Pferde.


 

Die Begeisterung für Lex Barker begleitet mich bereits mein ganzes Leben lang. Manchmal bricht sie sich in regelrechten Schüben Bahn, die mir (merkwürdigerweise) in meinen Teenagerjahren und frühen Zwanzigern peinlich waren. Verschämt wurde dann in Mediencentern abseits von Amazon nach "anspruchsvollen" Filmen mit Lex Barker gefragt, bis der Verkäufer allmählich spitzkriegte, dass ich sie nur wegen dem Schauspieler bestellte. Verwandte und Freunde wurden gebeten, mir vom Kabelfernsehen Videos mitzuschneiden (Gott, bin ich alt!), da ich relativ spät in den Genuss von mehr als drei Programmen gekommen bin. 

Ich kann mich an einen Urlaub erinnern, während dem ich es kaum abwarten konnte, nach Hause zu fliegen, weil dort ein paar ungesehene Barker-Filme auf mich warteten, die ich zu horrenden Preisen von meinem Lehrlingsgehalt erworben hatte und mir per Post schicken ließ. Schmonzes wie "Frauenarzt Dr. Sibelius" oder zweitklassige italienische Kostümfilme und europäische Abenteuerfilme standen damals hoch in meinem Kurs. Freilich ganz geheim. Irgendwie habe ich mich immer ein bisschen uncool gefühlt, wenn man mir auf die Schliche kam, weil in meinem Zimmer ein altes Bravo-Poster hing. Statt Brad Pitt und George Clooney mochte ich Lex Barker, den man im Allgemeinen als eher durchschnittlich talentierten Akteur wahrnahm, wenn überhaupt. Immerhin war er zu meiner Jugendzeit auch schon ein paar Jahrzehnte tot, und unsterblichen Ruhm hat er nur unter den Karl May-Fans eingefahren, die erst jetzt wieder ungeniert und nostalgisch zu ihrer Leidenschaft stehen. Und natürlich als Tarzan in den USA. Tarzandarsteller gab es allerdings mehrere, auch wenn mein subjektives Urteilsvermögen überzeugt ist, dass er der schönste und strahlendste Lord Greystoke war, der je mit nackten Füßen oder in hautfarbenen Ballettschuhen den sumpfigen Hollywood-Dschungel betreten hat.

Leider ist Lex Barker nicht alt geworden. Vielleicht war sein Leben als Kosmopolit anstrengender und weniger glamourös, als es den Anschein hatte oder er es sich anmerken ließ. Auch sagt man über ihn, dass er nicht gut allein sein konnte, wenngleich die Geselligkeit in großer Runde oft vorgetäuscht war. Wenn man sich in seine umfangreiche Biografie vertieft, nimmt es nicht weiter wunder, dass ein Leben wie seines früher oder später einen Tribut fordert. Denn Pausen oder Auszeiten hat Lex Barker offenbar nicht gekannt. Ständig war er auf allen Teilen der Erde unterwegs, drehte oft bis zu sechs Filme im Jahr und wurde privat und beruflich nicht nur einmal auf eine harte Probe gestellt. Vor genau fünfzig Jahren starb er in Manhattan, New York an einem Herzinfarkt auf offener Straße - ironischerweise im selben Bundesstaat, in dem er auch geboren wurde. Für einen Weltenbummler wie ihn ist das schon irgendwie bemerkenswert.

Bereits vor über zehn Jahren habe ich einen Artikel über Lex Barker auf dem Autorenportal Pagewizz verfasst, der einen Überblick über sein kurzes, aber ereignisreiches Leben gibt. Und eines ist sicher: Peinlich wird mir meine "Schwärmerei" für einen so interesssanten Menschen nie wieder sein.

Hier geht's zu meinem Bericht: *Klick*

Bildquelle: Pinterest




Sonntag, 21. September 2014

Knallharte Realität oder dichterische Freiheit?

Wie lege ich meinen Roman an? Als reine Fiktion, als Tatsachenbericht oder als etwas ganz Anderes, nie Dagewesenes à la Terry Pratchetts "Scheibenwelt" (ach halt, die gibt es schon!)? Und vor allem, was will der geneigte Leser? Was erwartet er? Spannung, Drama, Abenteuer, Grusel, Kuriositäten, Fakten, neue Welten oder eine Mischung von allem?

Diese Fragen stellt sich vermutlich jeder Autor früher oder später, der in der Branche der Unterhaltungsliteratur seine Werke veröffentlicht respektive es vorhat. Ich habe mich letzthin damit beschäftigt, weil in meinem historischen Kriminalroman "Das Bildnis des Grafen" Gruselelemente miteingeflochten wurden, die maßgeblich für die Geschichte und die Lösung des Geheimnisses zwischen den beiden Familien Whitehurst und Escaray sind.




Mit der Einteilung und Kategorisierung des Genres meiner Romane habe ich mich nie leicht getan, und ich glaube, ich weiß jetzt, woran es liegt: ich möchte mich nicht akademisch oder sklavisch daran halten, welche Elemente typisch und klassisch sind für einen Krimi, einen Fantasyroman oder einen Psycho-Thriller. 

Seien wir mal ehrlich. Irgendwann werden die "klassischen" Krimis mit dem ewig gleichen Muster wenig überraschend oder sogar langweilig: Inspektor / Kommissar(in) entdeckt grausiges Verbrechen, jagt den Täter und befragt dabei Verdächtige und Zeugen und bringt den Schurken am Ende zur Strecke. Das alles liest der Krimi-Fan in mehr oder weniger abweichenden Variationen, mal mit dem Schwerpunkt auf der traumatischen Kindheit des Täters, mal im Fokus der privaten Probleme des Ermittlers. Klar, das kann man ausschmücken und jeder Autor hat dabei einen Stil, der einzigartig ist. Außerdem ist das "Whodunnit"-Motiv nie ausgereizt und regt zum Miträtseln an. Trotzdem. Mein Fall ist das nicht unbedingt, dieses "So-muss-es-sein-und-nicht-anders". Jedenfalls nicht, wenn ich selbst am PC sitze und Geschichten erfinde.

Anne Perry, so toll sie schreibt, hat mich nach dem dritten Inspektor William Monk-Fall ziemlich kalt gelassen, weil mir das Schema F und die unterkühlte Art der Hauptfiguren schon bald unangenehm aufgefallen sind (ich habe dennoch fast jeden Monk gelesen - wahrscheinlich aus Loyalität).

Irgendwann hatte ich es satt, ständig in seitenlangen, immer gleich ablaufenden Gerichtsverhandlungen schwelgen zu müssen. Die Fälle waren entweder *too much* (wie Kindesmissbrauch) oder zu trockene Kost. Nie bricht sie aus ihrem Erfolgsmuster wie etwa mit überraschenden Wendungen aus und definiert es neu, die gute Frau Perry. Zugute halten muss man ihr, dass sie, wie viele andere Meister(innen) ihres Fachs, eine weltweite Fangemeinde hat, die es so von ihr erwartet. Vielleicht wären die Leser sogar enttäuscht, wenn Monk und Hester leidenschaftlich übereinander herfielen und sich in der Hitze des Gefechts einen feuchten Kehricht um den aktuellen Fall scheren würden.

Mir gefallen Wendungen in Büchern, mit denen ich nicht gerechnet habe. Freilich müssen sie logisch erklärt werden, doch auch wenn die Erklärung nicht sofort mit dem Holzhammer daherkommt, kann ich gut damit leben. Ich mag es, mitzudenken. Und obwohl ich weder Fantasy-Autor noch -Leser bin, schätze ich durchaus in einem historischen Roman nicht nur fundierte Recherche über die Gepflogenheiten, der Umgebung und der Sprache der damaligen Zeit, sondern auch phantastische Dinge, die sich der Autor ausgedacht hat und mit denen er somit die Regeln des genannten Genres bricht bzw. sie zu seinen Gunsten verändert, indem er zum Beispiel physikalische Gesetze außer Kraft setzt. Das relativ junge Genre "Steampunk" trifft diese Beschreibungen wohl ganz gut. Dort kommen nicht nur wunderliche Maschinen wie fliegende Stühle zum Einsatz; es werden Welten erschaffen, die halb Realität und halb Fantasy sind. Fantasy ohne Zwerge, Elfen und sonstiges Gelichter der Nacht, sondern eine Welt, in der (fast) alles möglich ist. Irgendwie gefällt mir die Vorstellung.

Was spricht dagegen, wenn in einen Roman, der in der Vergangenheit spielt und auf historischen Begebenheiten fußt, dennoch ein wenig Grusel und Mystik eingebaut wird? Wir kennen das aus "Das Durchdrehen der Schraube" von Henry James oder aus aktuellen Beispielen wie John Boynes "Haus der Geister". Diese Geschichten haben durchaus realen Charakter, daher kategorisiert man sie in die Genres "Klassiker" bzw. "historische Romane". Und das Gruseln und das Unerklärliche kommen trotzdem nicht zu kurz.

Ein besonders grandioser Phantast und realistischer Träumer war Karl May. Keines seiner Abenteuer hat er selbst erlebt, und bekannterweise bereiste er erst in hohem Alter die Schauplätze seiner Romane, aber er beschreibt seine Helden, die fremden Sitten und die damit einhergehende Exotik auf so anschauliche Art und Weise, dass man ihm seine Geschichten begeistert abnimmt und sogar seinen Alter Ego "Scharlie" / Kara Ben Nemsi trotz schier unerträglicher Aufschneiderei und Superkräfte irgendwie sympathisch findet. Noch größere Glaubwürdigkeit hat er sich unter seinen Fans dadurch verschafft, indem er die Villa Shatterhand erbaute und dort in seiner selbst erdichteten Realität weiterlebte.

Wenn ich ehrlich bin, wünsche ich mir mehr solcher Autoren und mehr Mut zu Originaliät, ohne zu fürchten, dass der Gedanke, der einem gerade durch den Kopf spukt, unglücklicherweise überhaupt nicht in das Genre passt, für das man bekannt ist oder bekannt werden will. Schreiben ist Handwerk, unbestreitbar, und wer die Regeln nicht kennt, muss sie erst erlernen und zumindest einige beherzigen. Aber Schreiben ist auch und vor allem Emotion, sich führen lassen und Einfallsreichtum in alle Richtungen. Und letztendlich zählt Schreiben zu den musischen und schönen Künsten, nicht zur unumstößlichen Wissenschaft. Deshalb würde ich sie nicht gar so bitterernst nehmen wollen und mit dem Zeigefinger rügen, wenn Neues probiert wird.

Eines der schönsten Komplimente, das ich bezüglich meiner Romane je erhalten habe, war übrigens das Prädikat "Ungewöhnlich - aber gut!" Solche Bücher möchte ich lesen. Und schreiben.