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Samstag, 30. Mai 2026

"Jakob und Adele" ~ Herzerwärmende Serie mit Carl-Heinz Schroth und Brigitte Horney

 In unserer Schatzkiste von Amazon Prime fanden wir nach "Der Bastian" die über mehrere Jahre gedrehte Serie "Jakob und Adele". Es gibt eine Staffel mit zwölf Folgen, die zwischen 1981 und 1989 gedreht wurden. Die charismatischen Hauptdarsteller waren zu dieser Zeit sehr populär; besonders Brigitte Horney ist uns schon in "Derrick" und "Der Alte" begegnet. Eine markante Rolle spielte sie auch als Tante Polly in Tom Sawyer, einer deutsch-amerikanischen Produktion aus den 1970ern. Carl-Heinz Schroth machte sich vor allem als Theaterschauspieler, Regisseur und Synchronsprecher einen Namen. Klangvoll sind beide bis heute, und das zu Recht. Ihre Glanzzeiten feierten sie in den 1930er bis 40ern. Brigitte Horney war als Adele in ihren 70ern, Carl-Heinz Schroth fast zehn Jahre älter.

 

Ein Sherry muss sein!

 

Inhalt und Meinung: Jakob Biedermann und Adele Schliemann lernen sich in ihrer Heimatstadt Berlin kennen, als er ihr - ganz Kavalier - über eine viel befahrene Straße hilft. Sofort funkt es zwischen den beiden lebenslustigen Senioren, die von da an beschließen, sich näher kennenzulernen und dem Alter ein Schnippchen zu schlagen. Bei Adeles Tochter und deren Familie, wo Adele wohnt, kommt das erst mal nicht gut an. "In deinem Alter!" sagen sie, als Adele sich zum Date schick und mit Jakob die Diskotheken (!) unsicher macht. Und dann auch noch mit einem, der alle Konventionen in den Wind schießt. Einem Hallodri und Luftikus.

Die ersten Folgen erzählen episodenhafte Begebenheiten, später werden die Geschichten länger und deutlich strukturierter. Skurril und liebenswert, berührend und nachdenklich machend sind sie alle bis auf "Jakob und Adele als Privatdektektive". Der Titel versprach Lustiges, aber die Story über den Verbleib von Adeles Enkelin Marion wurde leider komplett in den Sand gesetzt. Doch die anderen Folgen machen den Fauxpas mehr als wieder wett. Lebensfroh, schlitzohrig, bittersüß und auf der Suche nach Abenteuern sind die Zwei, die sich nie unterkriegen und in keine "altersgemäße" Schablone pressen lassen. Gern helfen sie ihren Mitmenschen, bekannt oder eben erst begegnet, aus deren Notlagen, und vor allem Jakob erweist sich dabei als Schelm und / oder Philosoph, je nachdem, wie es die Situation erfordert. Immer im Blick hat er dabei das Wohl und das Vergnügen seiner geliebten Adele, die wie er im Alter nochmal richtig Gas gibt. Ein wenig befremdlich, dann aber auch wieder passend, ist die gegenseitige Anrede: obwohl sie sich von Beginn an mit dem Vornamen ansprechen, er ihr einen "schweigenden" Ring kauft, sie auf gemeinsame Reisen gehen und sich sogar als Liebespaar bezeichnen, bleiben sie beim respektvollen "Sie". 

Wir haben die ganze Zeit gerätselt, wann denn "das Eis bricht", bis wir gemerkt haben, dass es eigentlich schon von der ersten Folge an geschmolzen war. Vielleicht waren sie einfach zu höflich, um sich das "Du" anzubieten. 

Ich hatte einige Lieblingsmomente; besonders Jakobs Gedanken über das Leben gefielen mir gut. Anders als man es häufig hört, sind seine Erfahrungen und Weisheiten keine Phrasendrescherei. Die Gewitztheit dabei und die Worte über den Sinn des Lebens rühren auch Adele, die eher pragmatisch veranlagt ist. Tatkräftig und unternehmungslustig sind sie beide, und sich immer bewusst, dass das Leben ein Geschenk ist, das bis zuletzt ausgekostet werden will. 

Meine Lieblingsfolge ist wahrscheinlich "Haus mit hellen Fenstern". Es ist kurz vor Weihnachten, und die zwei schwelgen in Kindheitserinnerungen. Jakob erzählt von einem französischen Lied, das die Mutter am Klavier gesungen hat, Adele von ihrem Elternhaus in Ostpreußen, auf das sie in der Winternacht zurannte, als sie zu Fuß durch die Dunkelheit musste, weil der Pferdewagen am Bahnhof schon abgefahren war. Daraufhin beschließt Adele, das Lied der Mutter aufzutreiben und zu lernen, und Jakob nimmt "Kunstunterricht", um Adeles Elternhaus nach einem alten Foto auf Leinwand zu bannen. Die Idee und was sich damit alles verknüpft hat, war echt schön und originell. Auch die Folge, in der Jakob Adele auf das Schloss eines Bekannten einlädt, und "Die Reise nach Italien" hatten neben charmanten Dialogen auch viel Tiefgründigkeit. Nicht zu vergessen ihre Kapriolen während der Kur in Bayern, wo sie Personal und Kurgäste ordentlich aufmischen, indem sie immer wieder die strengen Regeln brechen.

 


 

Traurig, aber dann auch wieder tröstlich irgendwie, war die letzte Folge von 1989 ohne Brigitte Horney, die ein Jahr zuvor verstorben war. Man spürt deutlich, dass Jakob / Carl Heinz Schroth um sie trauert. Fast zum Weinen war uns zumute, als er Plätze der Erinnerung wie das Café Kranzler aufsucht, um dort mit Menschen über Adele zu reden, die aber keine Zeit haben, ihm zuzuhören. Wir konnten uns gut in seine Lage hineinversetzen. Adeles Familie bietet ihm an, zu ihnen zu ziehen oder sie regelmäßig zu besuchen, doch Jakob lehnt ab. Er würde sich doch immer allein fühlen, gerade unter Adeles Verwandten. Einen Menschen, den man verloren hat, kann man nicht ersetzen, sagt er. Aber immerhin hat er eine Adresse, wo er willkommen ist. Dann begegnet ihm (erstaunlicherweise mitten in Berlin) die Ur-Münchnerin Christine Neubauer, die dringend einen Großvater braucht. Da fackelt Jakob nicht lange... denn tatenlos zusehen war weder seine noch Adeles Sache.

Serien wie diese sind selten. Das liegt vielleicht auch daran, dass man alten Schauspielern nicht mehr so viel zutraut, weder mental noch physisch. Jakob und Adele sind geistig fit, spontan, erstaunlich rüstig und flott und absolut liebenswert. Ein bisschen war "Jakob und Adele" die reife Version vom Bastian. Wie gesagt, es gab ein paar Dinge, die ich nicht so wirklich gut fand, aber alles in allem ist die Serie sehr sehenswert. Allein die quirligen Alten zu beobachten und ihren abwechslungsreichen Alltag mitzuerleben, war wunderbar.

Bilder: Amazon 

Bewertung:  💫💫💫💫

 

 

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