Mit Romanen über die Titanic kann man mich ködern. Die Zeit, das Setting, die menschliche Verstiegenheit, etwas praktisch Unzerstörbares zu bauen, das schon beim ersten "Test" untergeht und die unglaubliche Tragödie sind Komponenten, die mich magisch anziehen. Trotzdem: Nicht alles, was mit der Titanic zu tun hat, begeistert mich. Dieses Buch jedoch schon. Es hatte einen ähnlichen Effekt auf mich wie Eric Fosnes Hansens "Choral am Ende der Reise"
Inhalt: April 1912: Der junge ehrgeizige Instrumentenbauer Richard Martin aus Freiburg erhält von seinem Arbeitgeber Welte einen lukrativen Auftrag. Er soll pneumatisch selbstspielende Pianos und Orgeln in den Luxusliner RMS Titanic einbauen. Im Rahmen seiner Tätigkeit lernt er Norah Casey kennen, eine lebenslustige, energiegeladene und stets hilfsbereite Stewardess aus Irland, und wird zudem in die feinen Kreise der Upperclass eingeführt. Der Kontrast zwischen dem entbehrungsreichen, oft tristen und kriminellen, aber lustigen Leben in Belfasts dunklen Gassen und der vornehmen Gesellschaft macht es Richard schwer, sich für eine Seite zu entscheiden, zumal die schöne und wohlhabende Helena Andrews ein Auge auf ihn geworfen hat. Für den beruflich nach Höherem strebenden Richard das Ticket zum Glück. Doch da ist auch Norah, die nicht nur durch ihre Grübchen fasziniert und in etwas verwickelt zu sein scheint, das männlichen Beistands bedarf.
Ihre Tätigkeit als Stewardess auf der Titanic wird von einer dringenden Nachricht an sie vereitelt, während Richard als unfreiwilliger Passagier mit Norahs Bruder Adam und dessen Freund Dylan die Überfahrt nach New York antritt.
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| David_Do / Pixabay |
Meinung: Eigentlich lese ich Liebesgeschichten nicht so gern. Diese hat mir gut gefallen, da sie durch das zwar eher hintergründig, aber doch präsente Thema des Glaubens nicht kitschig oder zu aufdringlich war. Die Kapitel sind mit fortlaufender Dauer wechselseitig; das heißt man erfährt etwas von Norah, wie sie ihren Kriminalfall in Belfast mit Hilfe ihrer zahlreichen Freunde löst, und im nächsten Kapitel Richards "Abenteuer" auf der Titanic, deren Pomp und Weitläufigkeit zu untypisch männlicher Orientierungslosigkeit führt. Gut, dass der Matrose Adam und Heizer Dylan sich auskennen. Zwar sparen sie nicht mit gutmütigen Scherzen auf Kosten des korrekten Deutschen, doch Richard fühlt sich gut aufgehoben.
Als er erfährt, dass Nora in gefährlicher Mission von Bord musste, ist er zwar beunruhigt, kann jedoch nur hoffen und beten, dass sie sich nicht zu Dummheiten hinreißen lässt. Er lernt einige Passagiere kennen und genießt die Reise, bis ihn mitten in der Nacht eine Vollbremsung des Schiffes weckt...
Ich war lieber mit Richard unterwegs als bei Nora mit ihren Freunden, weil ich ihr verzwicktes Dilemma aus Bordellen und einem Kunstraub nicht wirklich verfolgen konnte und mir das alles ein bisschen an den Haaren herbeigezogen vorkam. Vor allem die Sache mit der sogenannten "Doppelgängerin" wirkte recht konstruiert. Ich fand das Buch dennoch sehr spannend und habe mich darauf gefreut, jeden Abend ein paar Kapitel zu lesen. Die Figuren waren bis auf die etwas klischeehafte Helena sympathisch und nachvollziehbar. Informativ waren die Erklärungen zu historischen Personen und technischen Details des Schiffes im Anhang. Da hat die Autorin viel Herzblut einfließen lassen.
Ein paar Geschichten wie die der selbstlosen Heizer, zu denen der fiktive Dylan gehörte, haben mich fast zu Tränen gerührt. Ein gut recherchiertes Buch mit einer ungewöhnlichen Geschichte, dem ich vier White Stars vergebe.
Bewertung: ✩✩✩✩


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